klappen will, geht es zu Fuß neben dem Pferde her. Dann geht es zum ersten Male in vollem Galopp durch den Sprunggarten. Mutig und entschlossen sieht inan hier die kleinen Romreiter, aber wer nicht den Sand geküßt, der gibt kein Reitersmann. Der übrige Morgen wechselt ab mit Exerzieren und Unterricht: „Der Karabiner 98 b besteht aus?" usw. Endlich kst die ersehnte Mittagsruhe da. Schnell geht es noch einmal in den Stall, um die Pferde zu versorgen. Nach dem harten Dienst schmeckt das Essen vorzüglich und mit Wohlbehagen hält man dann noch sein Mittagsschläfchen.
Der Nachmittag wechselt wieder ab mit Sport, Unterricht und Exerzieren. Wenn es besonders gutes Wetter ist, geht es sogar Baden. Wer sich als der beste Schwimmer erweist, ist abends vom Stalldienst, befreit. Bis elf Uhr ist Ausgang, aber der Kavallerist ist noch lange nicht fertig. Da müssen noch Sachen geputzt, Waffen gereinigt werden, hier ist noch eine zerrissene Hose zu flicken und auch der Spind muß noch in Ordnung gebracht werden. Die meisten ziehen es nun vor, sich in Amors Arme zu legen, als die Stadt und ihre Bewohner kennenzulernen.
Nach vollendeter Rekrutenausbildung geht es dann hinaus ins Gelände. Hier wird das Erlernte geprobt und gefestigt, Neues hinzugelernt. Sei es am Kletterwall, als Melde- oder Spähtruppreiter, im Gefechtsexerzieren oder in langen Erkundigungsritten. So ist der kavalleristische Dienst ein harter, und erfordert viel Mühe und Anstrengung, Zähigkeit und Ausdauer, aber ein rechtes Reiterherz läßt nie den Mut sinken und ist immer guter Laune und voll köstlichen Humors.
Nun noch einiges Wissenswerte über die moderne Kavallerie. Eine' Einteilung in leichte und schwere Kavallerie wie früher gibt es heute nicht mehr. Die Pferde stehen alle durcheinand"r außer dm N"mcm- ten, die in einem besonderen Statt untergebracht sind. Diese jungen Pferde kommen mit vier Jahren von den Remontenämtern und werden dann in den Dienst eingestellt. Sie müssen wie jeder Rekrut auch eine besondere Rekrutenzeit mitmachen. Ebenfalls sind die Schimmel, die früher ein gutes Parade- pferd abgaben, weggefallen, da sie sich als ein zu gutes Ziel erwiesen naben. In einem besonderen Bau, dicht bei den Stallungen nrrff brr Stabsveterinär und wacht über das Wohl und W-chc her vierbeinigen Kameraden. Die Lanze kam schon in 1927 zum Fortfall und an ihre Stelle ist der schwere Kavalleriesäbel getreten. Die Bewaffnung besteht in dem Karabiner 98 b. H. H.
Samstag, 5. Huguftj935
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger sur Oberhessen)
Hl 179 Zweites Blatt
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Wehr und Waffen
Deutschlands neue Tankwaffe ans dem Marsch
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Und der „Alte Dicke" hielt dort und sparte nicht
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wichtigen Punkte, Straßen, Bahnhöfe, Lager und Unterkunftsräume unserer Truppen werden von der französischen Artillerie unter Feuer genommen. Ununterbrochen korrigieren französische Flieger durch Beobachtung, Lage und Wirkung der Granaten, ivas der Artillerie nicht erreichbar ist, wird nachts durch große Geschwaderflüge mit Bomben belegt. Aber unsere Flieger sind auch nicht untätig. Während die Jagdflieger von Sieg zu Sieg ^fliegen und ihre Ueberlegenheit in der Luft behaupten, haben die Beobachtungsflieger das Feld ihrer Tätigkeit weit hinter die französischen Linien verlegt, ihrer unermüdlichen Kamera entgeht kein Magazin, kein Feldlager und kein Anmarschweg, dabei ergibt sich auch die Feststellung, daß schon bis zur vordersten Stellung 5—6 Kilometer lange Annäherungsgräben zum gedeckten Vorführen der Kampftruppen parallel zueinander angelegt sind. Wie sehr die Ueberzeugung des unbedingten Erfolges bei den französischen Stellen bereits Platz gegriffen hat, beweist die Tatsache, daß zur völli-
Der Soldat wird stets das Bedürfnis haben, über das vorschriftsmäßige Gepäck hinaus noch persönliches Eigentum mitzunehmen. Es wird Sache des Vorgesetzten sein, dieser Neigung soweit nachzugeben oder entgegenzutreten, wie es mit den zu erwartenden Marsch- und Kampfaufgaben zu vereinigen ist. Er muß sich klar sein, daß ein verständ-
ganze Leutnantschar wieder den nötigen Dampf für die kommende wichtige Dienstperiode bekam.
Kanoniere im Manöver.
Von Albert Lehsten.
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In einigen Wochen sind 20 Jahre vergangen, seit dem ersten großen Versuch der Franzosen unter Einsatz gewaltiger Hilfsmittel und erschreckender Verschwendung des zur Verfügung stehenden Menschenmaterials, den Durchbruch durch die deutschen Linien in der Champagne zu erzwingen. Zwei Jahrzehnte sind vergangen, vernarbt sind längst die Wunden, die der große Krieg schlug. Aber wer die Herbstschlacht und ihre Vorbereitung mitdurchlebt hat, wird die Tage bis zum 9. Oktober niemals vergessen. Alle sehen ihr Kommen, ahnten ihr Nahen, ohne Tag noch Stunde zu kennen, wußten, daß sie einsetzen würde mit gewaltiger Kraft und Ueberlegenheit. Doch alle sahen dem Unabwendbaren entgegen in ruhiger Fassung und starben in treuer Pflichterfüllung und im festen Glauben an die Größe und den Sieg ihres Vaterlandes.
Ende Juli 1915 setzte eine überaus rege Fllegertätigkeit und Ballonbeobachtung ein. Nichts bleibt im ' Hinterland unbeschossen. Alle rückwärtigen,
nisvolles Eingehen guf die Wünsche seiner Untergebenen in der Gepäckfrage wesentlich zur Behaglichkeit und damit zur Verbesserung der Stimmung der Truppe beitragen kann. Es heißt auch hier für ihn, „die Hand am Pulse der Truppe haben".
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Reiierleben
Wenn man von Reitern spricht, so darf man nicht an unsere Gegend mit ihren vielen Bergen, Hügeln und Tälern denken. Man muß sich in die weiten Ebenen Nord- und Nordostdeutschlands versetzt denken; schier unendlich dehnt sich hier die Ebene mit ihren weiten Gras-, Heide- und Moorlandschaften, ideales Gelände für ein Reiterherz. Hier sind besonders die Lüneburger Heide, die Gegend um Hannover, Celle und Braunschweig und die Gebiete um Frankfurt an der Oder zu nennen. Vor allem ist es Hannover, berühmt durch seine Kavallerie- Schule, aus der unsere Turnierreiter hervorgingen. Hier stammen auch die Urväter der hannoverani- schen Rasse her, große und schlanke Pferde, treu und genügsam, zäh und ausdauernd. So wundert es auch nicht, daß von jeher die Straßen Hannovers von den Tritten stolzer Reiterregimenter widerhallten, waren es früher die Königs-Ulanen, so sind es heute die feldgrauen Schwadronen des Reichsheeres. Und nun zu einem Tag bei dem Reiterregiment.
Vier Uhr: Wecken! Schnell geht es hinunter zum Morgenlauf. Er soll die Glieder wieder gelenkig machen und Ansporn und Anregung sein zu des Tages harter Arbeit. Was gibt es da doch alles zu tun, denn nur eine 3/i Stunde Zeit ist bis zum Antreten. Waschen, Kämmen, Betten bauen, Kaffee trinken, Stube sauberfegen. Dann Antreten zum Stalldienst. Jeder ist mit seinem Putzbeutel bewaffnet und mit einem Lied auf den Lippen geht es zum Stall. In weiten und geräumigen Ställen stehen in langen Reihen die Schwarzen und Braunen, getrennt durch Flankierbäume. Heber jedem ist eine Tafel mit Name und Alter angebracht und auf den Sattelböcken ruhen die Sättel und hängen die Zaumzeuge. Mitten hindurch zieht sich schnurgerade die Stallgasse, blitzblank und sauber und über dem Ganzen wacht die Stallwache. Die kalkweißen Wände sind geschmückt durch sinnreiche Sprüche, in denen sich die Härte preußischen Soldatentums widerspiegelt.
Schnell werden die. Pferde getränkt, geputzt und qesatt-'lt. Anschließend zwei Stunden Schulreiten, ohne Bügel. Zügel und Sporen, die erst erworben werden müssen. Auf dem Reitplatz kostet es viel Mühe und Arbeit, und mancher Tropfen Schweiß rinnt von der Stirne, ehe erst einmal der richtige Sitz gewonnen ist. Wenn es überhaupt nicht mehr
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Die Durchbruchsschlacht in der Champagne im Herbst 1915
Von Otto Müller.
Auf dem Exerzierplatz hielt abmarschbereit Regiment. Ein wenig brummte dem Leutnant Schädel vom Abschiedstrunk am Abend zuvor. Aber er riß sich zusammen, prüfte noch einmal Sitz des Anzuges und der Beschirrung in seinem Zuge. Denn gleich kam der „Alte Dicke", der Regimentskommandeur. Sein Auge war noch schärfer. Seme Anforderungen waren noch strenger. Wehe, wenn er einen falschsitzenden Packriemen, ein offenes Schnalloch entdeckte! Sie wurden ihm Anlaß zu einem Donnerwetter von vorsintflutlicher Wucht, zu einem Donnerwetter, dessen Schrecken noch acht Tage hindurch wirken sollten, nachdem bie Batterien auf dem Marsche seinem wachsamen Auge entrückt waren. Gott sei Dank, es ging bei ihm noch gnädig vorüber. Erst beim Nachbarzugführer schlug es em, vielleicht nur, weil er als jüngster Dachs des Regiments dem Gewaltigen diesmal das geeignete Opfer erschienen war. Aber alle diese Sorgen und Kümmernisse waren rasch vergessen, wenn die Musik hinter dem Bahndamm abschwenkte, die legten Töne des „Muß i denn, muß i denn zum Stadle hinaus" verklangen und man frei, so göttlich frei hinauszog in den lachenden Maimorgen. Die Tagesleistung — 22 Kilometer im Durchschnitt — war ein Kinderspiel. Lange Marschpausen konnten nur die Gefahr bannen, zu früh ins Quartier zu kommen und die Vorbereitungen zum Mittagessen zu stören, liebereifrige trieben vielleicht Taktik, Geländeerkundung unterwegs, schufen gar auf einem Uebungsritt der Herren Offiziere und Einjährlg- freiroilligen die Grundlagen für die unvermeidliche Sommerarbeit, den Gefechtsbericht, fauber geschrieben auf gebrochenem Bogen, mit anliegendem, eigenhändig gezeichnetem Kroki. Lustiger und artilleristisch nicht minder nützlich war es schon, mit dem Hauptmann um die Wette Entfernungen zu schätzen: jedes Verschätzen um hundert Meter zehn Pfennig Strafe in die Manoverkasse. Aber die meiste Zeit ritt man doch neben feinen Geschützen, gab den Fahrern weise Lehren, schwatzte mit den Geschützführern oder ließ die abgesessenen Kanoniere nach vorne kommen, um em Soldatenlied nach dem anderen mit ihnen zu fingen.
Ehe man es gedacht, standen die Quartiermacher da. Nicht immer gleich fielen bie ^ofe ®en emen verschlug das Schick al auf em Herrenschloh den anderen in einen .------- .
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niere verzogen ein wenig das Gesicht. Das bedeutete: Massenquartier, Massenverpflegung, kaum etwas fürs Herz, denn das Stubenmädchen, das Kammerzöfchen, hatte höchstens Zeit für die Herren Burschen und Schreiber. Aber die Leutnante reckten sich im Sattel: „Vielleicht gibt der Hausherr einen Bock frei, ober es finb Mädels da, mit denen man den Ball über das Netz schlagen kann." Der Hauptmann dachte sorgenvoll: „Werden meine Pferde auch Zufutter bekommen?"
Und am Ende, wenn der Abend herabsank, waren alle zufrieden. Der Hauptmann und die Leutnante bei der Erdbeerbowle auf der Parkterrasse, bie Kanoniere um das Faß Bier unter der Hof- linde, und die Pferde vor dem Kleeheu im Scheunenfach. Bauerndorf! Jetzt strahlte der Kanonier. Höchstens drei, vier, wenn das Glück es gut meinte, allein in einem Quartier, mit den Gastgebern um den Tisch und abends ein Bett. Auch der Hauptmann war nicht unglücklich: Der Bauer hat noch immer ein paar Metzen Hafer für hungrige Soldatenpferbe übrig gehabt.
Nur ber Leutnant schien unwirsch. Er buchte an feine bumpfe Stutze, an ben „hoppelt geängstigten" (erst gekochten, bann gebratenen) Manöverabler, an Fliegen, bie ihn um seinen sauerverbienten Mittagsschlaf brachten. Ein Glück nur, baß ber Herr Hauptmann unb nicht er zum Pfarrer ins Quartier kam. Der hätte ihm gewiß ein Loch in ben Bauch gefragt, roie weit bie Kanonen schössen und ob man die Seelenachse sehen könnte. Aber auch ihn lachte das Leben rosiger an, wenn man am Abend nach dem letzten Rundgang durch bie Quartiere sich zum ersten Manöverskat im Wirtsgarten traf, wenn vom Saal her bie Geigen klangen, am hellerleuchteten Fenster Kanoniere unb Bauernmäbels schatten- qleich im Tanze vorbeihuschten. Ja, ba Konnte es chohl vorkommen, baß ber Hauptmann verwundert unb vorwurfsvoll aufblickte, wenn man zu schneiden vergaß weil man gerabe barüber nachbachte, ob es nicht möglich sei, auf eine Diertelstunbe zu entwischen unb auch einmal einen Hackenschottschen mit ber blonben Quartierstochter zu versuchen. Eine Woche so auf unb ab, bazwifchen Ruhetag mit Pferbebesichtigung, Geschirr- unb Waffenrevision, Bekleidungsappell, bann grüßte bas Lagertor mit der Keule unb bem Spruch barunter:
Mer in ber Garnison lebt flott Unb auf bem Schießplatz leibet Not, Den schlagt mit bieser Keule tot."
gen Vernichtung des dem französischen Ansturm erliegenden Feindes 15 Kavalleriedivisionen bereitgestellt waren. Aus tiefen Bereitstellungsunterständen und tiefen, breiten Annäherungsgräben, sollte die gedeckte Heranführung bis zur vordersten Stellung erfolgen. Aber nicht nur in strategischer Hinsicht waren die Vorbereitungen bis ins Kleinste getroffen, — nein — auch ber französische Soldat erhielt einen ganz neuen Anstrich. Mit neuer blauer Uniform und Sturmhelm, der „bourguignotte" ging er in den Kampf, als sollte damit zum Ausdruck' gebracht werden, daß er, geläutert wie ein Phönix, sich ber ungeheueren Opfer bewußt sei, bie jetzt von ihm verlangt würben, um bie Deutschen aus Frankreich zu vertreiben.
Mit größter Gründlichkeit werden alle neuen Truppenteile zur Orientierung einige Tage nach vorn gebracht, um sie mit dem Gelände und dem Boden der Champagne vertraut zu machen, denn nur in ber lückenlosen Vorbereitung unb reibungslosen Entfaltung bes Angriffes ist bie sichere Gewähr für ben Erfolg gegeben. Schrecklich räumen aber bei bem bauernben Kommen unb Gehen ber einzelnen Truppenteile unb bei bem Bemühen, Sturmstellungen auszubauen ober Sappen und Annäherungswege an bie beutfche Stellung heranzutragen, bie beutfchen Geschütze, Maschinengewehre unb Minenwerfer auf. Die Verluste werden allmählich so entsetzlich, daß sich der französische Generalissimus gezwungen sieht, bie teilweise noch nicht zur Hälfte fertigen Vorarbeiten für ben Angriff einzustellen. Mit unheimlicher Präzision arbeitet ber beutfche Abwehrwillen. Bereits liegen genaue Silber unb Angaben über Stärke unb Zusammensetzung ber französischen Angriffsarmee vor. Auf bem Hauptkampffelb, zwischen Aubsrive und ber Aisne werben sich 30 französische Divisionen völlig ausgeruhter unb ausgezeichnet ausgerüsteter Soldaten, in einer Gesamtstärke von 300 000 Mann auf fünf beutfche Divisionen ausgemergelter, abgekämpfter Menschen stürzen, Menschen, benen durch aufreibenben monatelangen Stellungskrieg ein Teil ihrer Gefechtskraft bereits genommen ist. Hunbertprozentig finb also bie Aussichten für bas Gelingen bes französischen Angriffes. Nur etwas stimmte nicht in ben Erwägungen unb Berechnungen Joffres, als ausschlaggebenden Faktor hatte er ben unerhörten Kampfesmut unb bie Widerstands- fraft ber fünf beutfchen Divisionen, bie bie Linie Aubsrive bis Ville sur Tourbe besetzt hietten, —
unterschätzt.
So rückte ber 22. September heran, leuchtend steht bie Sonne am Himmel. Verhältnismäßig ruhig war bie Nacht. Es ist 7 Uhr morgens. Plötzlich wie auf ein Kommanbo, beginnen bie Tausende Geschütze ihren vernichtenben Eisenhagel auf bie beutfchen Stellungen zu schleubern. Dicht nebeneinanber stehen bie schwarzen Rauchfahnen ber berftenben Geschosse, bie Detonationen fließen ineinanber über. Nur ein Krachen unb ungeheures Dröhnen erfüllt bie Luft, die Schrecken bes Inferno erscheinen bagegen wie blaffe Träumereien eines phantasielosen Menschen. Es ist als ob im Ansturm ber Giganten bas Himmelsgewölbe zu- sammenstürzen wollte. Aus Schlünden von 2500 schweren unb 3000 Felbgeschützen fegt ber Orkan, braust ber Tob über bie Stellungen. Granaten heulen in allen Tonarten burch bie Luft unb pflügen ben Boben buchstäblich um. Wo noch Waldbestände vorhanben waren, werben bie stärksten Stämme wie Streichhölzer geknickt, aus bem Boben gerissen unb burch bie Luft gewirbelt. 28-cm-Mörser reißen Trichter von 6—7 Meter Tiefe unb noch bebeutenberer Breite. Nach oberflächlicher Schätzung gingen an einem läge, auf einen Divisionsabschnitt ungefähr 200 000 Schuß aller Kaliber nieber. Don ben Stellungen ist nichts mehr au sehen. Heber bem Ganzen aber lagert drohend unb unheilschwanger eine graue und schwarze Wolke aus Kreidestaub, Erde, Rauch und Gase der krepierenden Geschosse.
Gepäckerleichterung.
Es wohnen zwei Seelen in des Landsers Brust. | Die eine hält es mit dem Lateiner: „Omnia mea mecum porto", „Alles, was mein Eigen, trage ich 1 mit mir." Sie preßt und stopft in den Affen hin- 1 ein, was irgendwie nur Platz hat, von ber wär- 1 menben Decke unb bem Bafchlik bis zu bem Bünbel Briefe unb Silber, bie bie Heimatpost seit Wochen brachte. Wir kennen bas Silb bes braven Frontkämpfers, ber im Stellungskrieg vom Ruhequartier zur Front zieht: Vornübergeneigt stampft er am Stock einher. Fast überragt ber hochbepackte Tornister ben Helm. Am Koppel noch penbeln bie Freßpakete aus Mutters Speisekammer. Die anbere Seele stöhnt bei enblosen Märschen unter ber Last zu schweren Gepäcks. Sie wirft rücksichtslos in ben Straßengraben, was ihr im Augenblick überflüssig erscheint. Sie oergeubet unb verschwendet so manches Gut, bas ihr, bas ben Kameraben, bas ber gesamten Kriegs- unb Volkswirtschaft noch hätte von Nutzen sein können. Wir könnten bavon aus dem Anfang bes Weltkrieges mancherlei berichten. Der Vorgesetzte, bie Heeresverwaltung sucht zwischen den zwei Seelen auszugleichen. Sie sucht ein Gepäck zu schaffen, bas bei möglichst geringem Gewicht Dem Manne alles bas läßt, was er wirklich braucht. Die Technik kommt ihr babei zu Hilfe. Der Trinkbecher, bie Schnalle aus Aluminium spart manches Gramm. Die Felbküche macht große Kochgeschirre überflüssig. Leichte unb boch warme Gewebe ersetzen schwergewirkte Hausmacherstoffe, Kritischer wirb ber Lanbser schon, wenn es an bie Teilung bes Eigentums geht, wenn er selber nur einen kleinen Teil sozusagen als bauernbes Sturmgepäck auf bem Rücken tragen soll, währenb ber Löwenanteil in einem Gepäcksack auf einem Fahrzeug verstaut wirb. Er trägt Sorge, baß er es nie ober selten zu Gesicht bekommen wirb, auch wenn ihm taufenbmal versichert wirb, baß bas Fahrzeug gelänbegängig fei. Die Versuche mit Gepäckerleichterung hören in keinem Heere auf. Sie führen aber selten zu einem allseitig befriebigenbem Erfolg. Zur Zeit gehen durch Die amerikanische Presse Serichte über ber» artige Versuche. Das Gepäck bes Gewehrschüßen soll von 33,5 Kilogramm auf 25 Kilogramm, bes leichten Maschinengewehrschützen von 39 Kilogramm auf 30 Kilogramm, bes Pistolenschützen von 22 Kilogramm auf 19 Kilogramm oerminbert werben. Erreicht wirb bies baburch, baß eiserne Portionen, Decke usw. auf ben Kompaniewagen verbannt werden. Im Vergleich bazu wirb gesagt, baß bie Belastung in ber britischen Armee burchschnittlich 25 Kilogramm, in ber italienischen Armee 25,2 Kilogramm unb in ber beutschen 26,5 Kilogramm beträgt. Gleichzeitig berichten bie Zeitungen, baß bie Bekleibung eines amerikanischen Infanteristen ohne Mantel 19 Kilogramm, mit Mantel 21,8 Kilogramm betrage.
Aus bem Tornister bes deutschen Infanteristen sind viele Dinge verschwunden und in den Wäschesack gewandert, die noch vor wenigen Jahren in ihm verstaut werden mußten. Es gehören jetzt in den Kasten bes Tornisters: 1. ein Paar Strumpfe, die so auf den Boden bes offenen, leeren Tornisters zu legen sind, daß er ganz bedeckt ist unb bamit Der Druck auf ben Rücken bes Trägers oerminbert wirb, 2. bas Kochgeschirr, bas früher auf ben Tornister aufgeschnallt würbe, 3. bie Schnürschuhe, in bie bas Putzzeug hineinzustecken ist, 4. Gewehr- reinigungsgerät, 5. verkürzte eiserne Portion (Fleischkonserve unb Zwiebackbeutel), 6. Zeltleine. In ben Wäschesack, ber sich auf ber Rückseite bes Tornisters befinbet. finb unterzubringen: 1. em Hemb 2. ein Hanbtuch, 3. Wafch- unb Nahzeug, 4. Rasierzeug. Zwischen Tornisterkasten unb To^ nifterflappe wirb bie Zeltbahn unb im Winter noch eine Schlafbecke geschnallt. Um ben Tornister wirb der Mantel gerollt.
Die Gewichtsangaben ber Fnebenszeit werden für ben Kriegsfall immer nur Minbeftsatze bebeuten.
tarnt/ Mitte i Der Nähe 'n wohnh.» dcb.o.Ywe. ,cirat kenn, 'tuen/ evtu inheimt.
• Ans-unt- ga.d.G.A»
Die jüngste Waffe ber roiebererftanbenen deutschen Wehrmacht sind die Tanks. — Unser Bild zeigt hier Zwei-Mann-Tanks bei der Fahrt durch eine kleine Ortschaft. Das Herzblatt auf ber Panzerung bezeichnet bie Zugehörigkeit bes Panzerwagens zur Panzerwagengruppe. Sämtliche Panzerwagen haben berartige Spielkartenmerkmale als Erkennungszeichen. — (Scherl-M.)
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