Ausgabe 
3.8.1935
 
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bamrtag, 3. August 1955

185. Jahrgang

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Gin Enischließungseniwurf in Genf vereinbart. MLMZK

irnfforhnnhArnf bi« mm 4. E>evtember über das britische Außenminister Sir Samuel Haare d.°!°

Spürbare Erleichterung in London

tember hierüber unterrichten werden. i

havas meldet, daß am Freitagabend das Lin- Verständnis Mussolinis zu dem Lntschlie- 1 ßungsentwurf eingetrofsen sei. Anschließend hätten Laval und Lden gemeinsam den Vertreter Abessiniens empfangen und ihn von dem Schriftstück in Kenntnis gesetzt. Der abessinische Ver­treter habe anscheinend keinen Widerspruch gegen den von Frankreich, Italien und England festgesetzten Wortlaut des Abkommens erhoben. Er habe jedoch gebeten, mit seiner Regie­rung Rücksprache nehmen zu dürfen. Daher sei bestimmt worden, die Völkerbundsratssihung nicht vor dem Spätnachmittag am Samstag siatt- finden zu lassen. Man glaubt mit der Z u st i m - mutig von Addis 2t b e b a zu dem Lntschlie- tzungsentwurf rechnen zu dürfen. Die am Samstag zur Abstimmung stehende Entschließung wird sich ausschließlich auf den Zwischenfall von Haluat beziehen, die Grenzsragen sind aus­genommen. Die Entschließung ziele daraus ab, das unterbrochene Schiedsverfahren zwi­schen Addis Abeba und Rom wieder in Gang zu bringen durch die Ernennung eines ober st en Schiedsrichters, havas meint, da Laval durch seine zahlreichen Verpflichtungen verhindert sei, sich längere Zeit außerhalb Frank­reichs aufzuhallen, werde die geplante Dreimächte- konserenz gewiß in Frankreich stattfinden. Sie werde sich auf die Gesamtheit des Abes­sinien-Problems erstrecken, so daß der Vöt- kerbundsrat bei seinem Zusammentritt am 4. Sep­tember sich vor einer klaren Lage befin­den werde, zum mindesten, was die Haltung der drei interessierten Großmächte angehe. Es werde jedoch bemerkt, daß Laval, Eden und Aloisi diese Verhandlungen alsVertreterihrerRegie- rungeg führen würden, nicht aber als irgend ein Ausschuß des Völkerbundsrates.

Enttäuschung in AMS Abeba.

Monaten die Beziehungen zwischen London und Rom sich verschlechtert hätten infolge der britischen Starrköpfigkeit, die das gute Recht Italiens nicht anerkennen wolle, und auch durch den phantastischen Vorschlag Edens, so habe die Rede Hoares die letzten Illusionen zerstreut.

Islamische Kreise Aegyptens

Genf. 2. Aug. (DRV.) Die Verhandlungen der beteiligten Mächte über den italienisch-abessinischen Konflikt sind Freitagabend zum Abschluß gelangt. Der Rat wird Samstag zusammentreten; er soll über die Hauptfragen keine Entschlie­ßung fassen, sondern lediglich die Mitteilung der drei Mächte entgegennehmen, daß sie die Ausnahme von Verhandlungen zur Regelung des gesamten Problems beabsichtigen und daß sie den Völkerbund am 4. S e p -

für Abessinien

Alexandria, 2. August. (DNB.) Der Vor­sitzende der islamischen Vereinigung junger Männer hatte auf Donnerstag eine Protestoersammlung gegen die italienische Haltung im Abessinienkonflikt einberufen, zu der führende

Eine Oreimachtekonferenz wird dem Vötkerbundsrat bis zum 4. September über das Gesamtproblem Bericht erstatten.

Gelegenheit ergriffen, um in einigen allgemeinen Wendungen die Ansichten der englischen Regierung über das koloniale Gesamtproblem wiederzugeben. Er wandte sich nicht nur an Italien, als er das Problem derBesitzenden und Nichtbe­sitzende n", d. h. derjenigen Staaten, die Kolo­nialreiche besitzen und derjenigen Staaten, btejeme Kolonialreiche besitzen, anschnitt. Zu den Letzteren gehört in allererster Linie Deutschland, und wir haben daher allen Anlaß, den Ausführungen des britischen Außenministers Beachtung zu schen­ken. Er bezeichnete das Kolonialproblem als eins der schwierigsten Fragen, denen die Welt heute gegenübersteht, und gab zu, daß damit den Be­sitzenden eine große und schwere Verantwortlichkeit auferlegt sei. Nur sollten diese Fragen, so meinte Hoare, nicht durch Gewaltanwendung, sondern durch Versöhnung, Regelung und Vereinbarung gelost

Vertrages von 1906 protestiert. Sie hätten sogar geäußert, sie würden sich lieber ermorden lassen, als Selbstmord begehen.

Ein ermutigender Umstand ist die immer enger werdende Zusammenarbeit zwischen England und Frankreich. Die Verhandlungen haben es klar gemacht, daß Groß­britannien und Frankreich sich des Ernstes der Fragen, um die es geht, voll bewußt find, und daß sie sich in unmißverständlicher Weise auf die Seite des Völkerbundes gestellt haben als einer Körperschaft, von der letzten Endes die Erhaltung des Friedens abhängen wird. Es ist auch deutlich, daß andere Ratsmitglieder von der englisch-französischen Zusammenarbeit und der Un­terstützung des Völkerbundes durch beide Regie­rungen einen tiefen Eindruck empfangen haben.

Sympathiekundgebungen der Neuer für Abessinien.

London 3. August. (DNB. Funkspruch.) Reu­ter meldet aus Georgetown (British Guayana, Süd­amerika): Auf einer Tagung für den Fort­schritt der Neger wurden Entschließungen an­genommen, in denen die britische Regierung auf­gefordert wird, einen italienisch-abessl- schen Krieg zu verhindern, und in denen der abessinische Kaiser der Sympathien der Neger mit seinen Bemühungen um Aufrechterhaltung der Freiheit seines Landes versichert wird. Außerdem hat der Bund der Negerarbeiter folgendes Kabel an den Kaiser gesandt:Die Neger von Bri- ttsch-Guayana begrüßen Ihre Erklärung, daß Sie Ihr Reich bis zum letzten Mann gegen einen fremden Angriff verteidigen wollen. Wir fassen Mussolinis Drohung als eine Herausf orve- runq der Solidarität der N e g e r auf ^und verpflichten uns, das Vaterland zu unterstützen.

In T r i ni d a d (Britisch-Westindien) wurden Massenversammlungen von Negern als Protest gegen Italiens Haltung gegenüber Abes­sinien veranstaltet. Der italienische Konsul hat bei den örtlichen Behörden Einspruch erhoben, weil eine Zeitung Mussolini beleidigt hatte. In San Lucia wurden von den Negern Entschließungen an­genommen, in denen die britische Negierung und der Völkerbund aufgefordert wurden, für Frieden in Afrika zu sorgen.

London, 3. Aug. (DNB. Funkspruch.) . Die Nachricht von der Erzielung von einer Vereinba­rung in Genf wird von der englischen Presse m t t Erleichterung auf genommen. Man er­wartet, daß Abessinien keine Schwierigkeiten machen werde. Zugleich herrscht aber die Uebergeugung, daß es sich keinesweg um eine Beilegung des italie­nisch-abessinischen Streites, sondern nur um einen Aufschub der Entscheidungen handele.

Reuter meldet, die ursprünglich geplante Erklä­rung, daß keine Gewaltanwendung er­folgen würde, fei umgangen worden. Litwinow werde im Völkerbundsrat die Erklärung verlesen, in der sich die drei. Mächte bereit erklären, a u f Grund des Vertrages von 19 06 Ver­handlungen zu führen. Die Verhandlungen zwischen den drei Mächten würden voraussichtlich in der nächsten Woche in Paris beginnen. Falls sie nicht zu einer Vereinbarung fuhren sollten, werde am 4. September der Hauptkampf be­ginnen. Eden und Laval seien sehr erleichtert über den gestern erzielten Erfolg.

Daily Telegraph" schreibt: Nicht, was geschehen ist berechttgt zu der Hoffnung, daß eine schließliche friedliche Regelung in Sicht sei. Ein Merkmal der Verhandlungen war die wirkliche Wieder- aeburt des engsten Einvernehmens zwischen Frankreich und Großbritan­nien. Ferner war es von Anfang an klar, daß Sowjetrußland bereit ist, seinen ganzen Einfluß zu Gunsten der von der französischen unö der britischen Politik erstrebten Ziele zur Geltung

London, 3. August. (DNB Funkspruch.) Times" meldet aus Addis Abeba, die in Genf er­örterten Pläne hätten in abessinischen Kreisen Enttäuschung und Erbitterung verur­sacht. Die extreme Auffassung sei, daß der Genfer Plan die Lage unverändert lasse, und datz das wahrscheinliche Ende die Einteilung Abessiniens in Einflußzonen sein werde. In diesem Falle' werde Widerstand bis zum Ende geleistet werden. Die gemäßig­ten Kreisen seien dagegen der Meinung, daß alles davon abhänge, wieweit der Die r:t:r a gd o n.1906 angewendet werde. Wenn die britische Methode be- focht werde, von der man glaube, sie wolle, daß Italien Zugeständnisse erhalte, bie ur Abessinien annehmbar feien, dann brauche kein Einwand erhoben 3u tDerbem Wenn der Vertrag aber für andere Z w e ck e benutzt werde, dann würden auch die Gemaßtigten Wider-

schen Besitzungen in Ästen mti unt­re id) auf geteilt und Italien nur eine Oase und einen Streifen Trockengebiet überlassen. Hoare erkenne zwar das Ausdehnungsbedürfnis Italiens an, stelle sich ihm jedoch in den Weg. Heute lasse die Lage nur noch eine Lösung zu

Corriere della Sera" nennt die Rede unerhört und unannehmbar. Die eng­lisch-italienischen Beziehungen laufen Gefahr, von einer böswilligen und feindseligen Politik, die von dem italienischen Volk nicht geduldet werden kann ernsthaft gestört zu werden. Es ist eine boshafte Mde die einem neidischen und feind - s e 1 i g e n G e m ü t s z u st a n d entsprich t Das italienische Volk läßt sich jedenfalls nicht einschuch- tern Ser britische Minister des Aeußeren erkennt an daß das italienische Volk Ausdehnung braucht, f a a t aber nicht, wo es sie finden kann. Denkt England vielleicht daran, sein Mandat über

Rede iei für Wien un- verzeihlich Italien werde der Weg zum Wachstum und zur Ausdehnung verlegt. Wenn fett Eigen

stand leisten.

MeitalienischepressegegenHoare

Mailand, 3. Aug. (DNB.-Funkspruch.) Alle Morgenblätter bringen sehr scharfe Kvwmentare zur Unterhausrede Hoares. Der offiziöseP o p o l o d ' I t a l i a" schreibt, die Rede sei nur dazu angetan, die abessinische Unversöhnlichkeit zu ver­stärken. England mobilisiere den Völkerbund nur für egoistische Zwecke. Er habe China auch nicht ver­teidigen können. England habe nach dem Kriege die deutschen Kolonien und die turki- Besitzungen in Asien mit Fran k -

Zwiespältiges Echo in Paris.

Keine Lösung, aber französisch-britisches Einverständnis.

Diese vor allem auf Italien gemünzten Worte haben aber auch noch eine andere tiefere Be­deutung. Denn wenn grundsätzlich die Gewaltan­wendung zum Erwerb von Kolonien verurteilt wird, wenn aber anderseits den Nichtbesitzenden das Recht auf Kolonien zuerkannt wird, wie es Hoare bei einer früheren Unterhaus-Debatte unter na­mentlicher Erwähnung Italiens schon einmal getan hat, dann ist damit auch der Versailler Vertrag getroffen, der nicht aus rechtlichen Erwägungen, sondern auf G r u n d d e s R e ch. tes des Stärkeren den Raub der deutschen Kolonien legalisierte. Es heißt in der Mantelnote des Versailler Diktats u. a.:Deutschlands Ver- sagen auf dem Gebiete der kolonialen Zivilisation i st zu deutlich klargestellt worden, als daß die alli­ierten und assoziierten Mächte ihr Einverständnis zu einem zweiten Versuch geben und die Verant­wortung dafür übernehmen könnten, 13 bis 14 Mil­lionen Eingeborener von neuem einem Schicksal zu überlassen, von dem sie durch den Krieg befreit wor­den sind " Diese Behauptung, die von der nach- kriegszeitlichen Forschung längst als eine Lüge entlarvt und in den ehemaligen Feind- länbern auch längst als eine solche anerkannt wor­den ist, gab den Entente-Staaten die notwendige Begründung", um in Form von Mandaten die ehemaligen deutschen Kolonien unter sich aufzutei- len. In den Artikeln 22, 119 und 257 des 23er- faitter Vertrages ist in widerspruchsvollen und jun- stisch unklaren Begriffen das koloniale Man- datssystem festgelegt worden. Nicht einmal d i e Eigentumsfrage ist darin eindeutig ge- löst. Die Mandatare haben die unsichere Rechtslage weidlich ausgenutzt und über die geraubten Kolo­nien wie über ihre eigenen verfügt, ja sie haben dem Deutschen Reich nicht einmal diese Kolonien bezahlt, obgleich der Artikel 119 keine entschadi- gungslose Abtretung mit Ausnahme von Elsatz- Lothringen und Kiautschau voraeschrieben hat.

Ganz abgesehen von diesen Vertragsverletzungen und ganz abgesehen von den Vorschriften, die das Versailler Diktat für die Kolonialmandate vorsay, hat Deutschland stets aus grundsätzlichen ®rroa- gungen heraus auf feinem Recht auf Kolonialbesitz bzw. auf der Zurückerstattung der entrissenen Schutzgebiete bestanden. Es hat keine Gelegenheit vorübergehen lassen, um die infame Lüge von der Unfähigkeit der deutschen Kolonialverwaltung zu­rückzuweisen. Die nationalsozialistische Regierung ist von diesem Standpunkt nicht abgewichen. Reichs­bankpräsident Dr. Schacht hat erst auf der letzten Leipziger Messe die deutsche Forderung und das deutsche Recht auf koloniale Betätigung vertreten, denn es ist ein Unsinn, daß das größte europäische Volk keine überseeischen Besitzungen hat, wahreno sehr viel kleinere und schwächere Volker auch nicht entfernt in der Lage sind, ihr riesiges Eigentum an Kolonien ordnungsgemäß zu verwalten ge­schweige denn auszunutzen. Deutschland muß des» ialb schon aus wirtschaftlichen Grün­den verlangen, daß sein Recht auf eine ausrei­chende Rohstoffbasis außerhalb der Reichsgrenzen anerkannt wird. Nachdem wertvolle deutsche Rand­gebiete mit zum Teil unentbehrlichen Bodenschätzen durch das Versailler Diktat zu unseren Nachbarlan- dern geschlagen worden sind, nachdem die Wett- wirtschaft zusammengebrochen ist und Deut chland sich heute infolgedessen im schwersten Rohstosfkampf befindet, ist es mehr denn je eine Pflicht der ehe­maligen Gegner, das begangene Unrecht wieder gut zu machen. Ungeheure Gebiete, zu deren Aus­nutzung die Kraft ihrer Bescher nicht ausre.cht, harren noch der Erschließung, so daß mit der Ver­wirklichung des deutschen Kolomalanspruchs feines- wegs eine Beeinträchtigung der Interessen anderer Länder verbunden zu sein braucht. 2m Gegenteil, für das friedliche wirtschaftliche und politische Zu­sammenleben der Völker würden sich aus einer ge­rechten Regelung der Kolonialfrage' weitgehende Vorteile entwickeln. Die Gleichberechtigung, Ine Adolf Hitler seit dem nationalsozialistschen Umbruch unaufhörlch für Deutschland gefordert hat und die auf wehrpolitischem Gebiete bereits verwirklicht worden ist, gilt auch für das Kolonialproblem.

Wie die Lösung dieses Problems praktisch m 1 Anariff zu nehmen ist, darüber enthalt die oben roie-bergegebene Rede des britischen Außenministers i wichtige Anhaltspunkte, die sich durchaus mit dem decken, was Adolf Hitler einmal einem englischen Journalisten gegenüber ausgesprochen hat:Die Frage der Zuteilung kolonialer Ge- 1 biete, gleich wo, wird niemals für uns i die Frage eines Krieges sein. Wir sind der Ueberzeugung, daß wir genau so befahiat sind, eine Kolonie zu verwalten, wie andere Volkers

ägyptische Persönlichkeiten erschienen waren, so u. cn der frühere Kriegsminister S a l e b Sami Bey und Scheich Taftasani, einer der höchsten islami­schen Geistlichen. Als Hauptaufgabe bezeichnet der Ausschuß die Herstellung von Verbin­dungen mit allen orientalischen Län- d e r n z u r H i 1 f e l e i st u n g f ü r A b e s s i n i e n und seinen Kampf um seine Unabhängigkeit. Der Ausschuß richtete an den Völkerbund und alle Mächte einen Appell, in dem behauptet wird, Ita­lien betreibe eine imperialistische Politik. In abessi­nienfreundlichen Kreisen wird behauptet, daß öie Meldungen ehemaliger ägyptischer Offiziere zum Eintritt in die abessinische Armee täglich zunehmen.

kerbundes sind vorüber, wenn er überhaupt je große Tage gehabt hat", schließt Pertinax seine pes­simistischen Betrachtungen.

Dem Berichterstatter desMatin" ist eingefallen, daß es in Genf auch einen D e r t r e t e r A b e s- siniens gibt. Er hat ihm seine Aufmerksamkeit geschenkt und meldet, daß dieser ohne ein Wort zu sagen, der Freitagsitzung des Rates beigewohnt habe. In den Wandelgängen aber schreibe man ihm folgendeschreckliche" Aeutzerung zu:Abessinien zieht einen Mord einem Selbstmord vor."

Oeuvre" meint, Mussolini habe insofern einen großen Erfolg errungen, als England nicht mehr beabsichtige, die Dreierverhandlungen mit dem Völkerbund zu verbinden. Diese große Kon­zession Englands sei jedoch dadurch erkauft worden, daß Italien sich verpflichtet habe, auf der nächsten Ratssitzung am 4. September die Abessinien-Frage von Grund auf zu behandeln. Hätte man jetzt bereits im Rat das Gesamtproblem aufgerollt und Italien mit wirtschaftlichen und finanziellen Sank­tionen gedroht, würde Mussolini in 14 Tagen den Krieg begonnen haben. In vier Wochen aber könnten die finanziellen Schwierigkei­ten Italiens besonders durch die Entwertung der Lira im Auslande so groß geworden sein, daß sie ernsthaft die Pläne Mussolinis hindern könnten, ganz abgesehen davon, daß bis dahin der von Paris und London klar ausgesprochene Wille, sich : einem afrikanischen Kriege zu widersetzen, eine > heilsame Wirkung ausüben werde.

Paris, 3. August. (DNB. Funkspruch.) Die Tatsache, daß in Genf endlich Einverständnis über den Entschließungsentwurf erreicht worden ist, wenn die Zustimmung Abessiniens auch noch aussteht, wird von der Pariser Presse ohne große Be­geisterung hingenommen. Man läßt Durch­blicken, daß der Entschließungsentwurf so abgefaßt ist, daßbeideParteiendarinihrenDor- teil finden könnten, ohne daß jedoch das Grundproblem seiner Lösung einen Schritt näher gekommen sei. Es überrascht daher nicht, daß man von französischem Gesichtspunkt den Haupterfolg nicht in einer zeitlichen Verschiebung des Abessinien-Streitfalles sieht, sondern m der Tatsache, daß die französisck-bnt ische Einigung auf deck Gebiete der gesam­ten Politik wtederher.ge stellt sei. So wenigstens behauptet die Berichterstatterin des O e u v r e", die als einzige der Genfer Korrespon­denten auch weiter zu melden weiß, daß während Laval über Abessinien verhandelte, andere Mit­glieder der französischen Abordnung sich aufs Aktivste damit befaßt haben, die Donau- Pakt-Frage vorwärts zu treiben.

Pertinax bezeichnet die Einigung schonungslos als eine zweitdeutige, hinkende Kombina­tion, bie j e b e r n a d) {e i n e r 21 r t a u s l e g e n könne. Der einzige Vorzug sei, daß sie a 11 e ge - jährliche Kurven ohne Kat a ft r o p y e n überwunden habe, und daß die französischen und britischen Diplomaten vier Wochen Zeit gewonnen hätten.Die großen Tage des Dol-

3 In dem Bericht derTimes" heißt es, es habe Schwierigkeiten gemacht, den Zusammenhang zwl; lcken dem Völkerbund und den geplanten Drei- machte-Derhandlungen festzustellen A b es ft n i en werde obwohl es mit Rücksicht auf Mussolini nicht beim 5lomen genannt werde, bei den Ver­handlungen zu Rate gezogen werden, und irgendwelche bindenden Beschlüsse wurden von seiner Zustimmung abhängig sein. Diese Losung gehe bis zur Grenze des Möglichen, nach Ansicht mancher unoffizieller Kreise gehe sie vielleicht , n weit Bei allen diesen Verhandlungen sei an- genommen worden, daß Slbejfinien sicher allem zustimmen werde, was von Eng­land und Frankreich angenommen worden sei. Die beiden abessinsichen Vertreter hat- ten aber während des ganzen Tages gegen die ge- planten Verhandlungen auf Grund des seinerzeit von der abessinischen Regierung mit angenommenen