t
e
i e
ti i« r
e
X |e
te, d« in btt be«
:er*
>üst die den jnö Üil- •mi nett deS
iten xde [tatt Ich* !la- Be* ing icht leit« bin* auf
das dey ge' der
Bel i in nige )tige ijan« >e!tS' eften hren- inein ll>eö^
-ehre ider* ibge» iller;
durch Inter' indeli ernen
Nr. !5Z Drittes Matt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gderhesien)Mittwoch, 3. Juli 1935
Gnmdenverbsteuerireiheit bet Erwerb von Grundstücken zum Bau der Reichsauiobahnen.
Aus der Provinzialhauptstadl.
Brauchtum erzieht.
Seit der Einführung fremden Rechtes durch die Karolinger in Deutschland konnten wir bet uns zweierlei Rechtspflege unterscheiden: die ..amtliche" und die „volkstümliche". Auch das bis in dieses Jahrhundert hinein in Oberbayern übliche „Haber- fcldtreiben" war nichts anderes als Volksgericht gegen Vergehen und Verhaltungsweisen, gegen welche die amtliche Justiz entweder keine Handhabe besaß oder gegen die sie nicht einschreiten wollte.
Weniger bekannt ist das in der Eifel übliche ..Sensenschleifen", das übrigens ähnlich auch im niedersächsischen vorkam und bei dem vermummte Gestalten in der Nacht unter dem Lärm zahlreichen Sensenschleisens vor die Häuser unverträglicher Nachbarn zogen, diese zur Verträglichkeit auffordernd. Sensenschleifen war auch üblich vor den Fenstern lasterhafter Personen, die zu moralischem Lebenswandel ermahnt wurden. Im Bergischen wird vor den Häusern solcher Personen „gerappelt". Es ist für den Betroffenen zwar wohl eine Schande, das Dolksgericht herausgefordert zu haben, aber in fast jedem Falle wird durch seine Besserung diese Schande für getilgt angesehen. Der erzieherische Einfluß solchen Brauchtums ist also ganz offensichtlich.
Kleinere Vergehen gegen die Moral oder die Sitte werden entsprechend geringer geahndet und durch einfachere Mittel gerügt. Einem untreuen Mädchen wird im Badischen der Melkschemel in den Baum gehängt, im Askanischen findet es am Pfingstmorgen einen Brei aus Asche und Wasser vor der Tür. In Baden setzt man vor der Pfingst- nacht unsozial handelnden Personen Ackergerät oder Wagen aufs Dach ober man verschleppt ihnen Karren und Wagen. In Altenkirchen setzt man solchen Leuten einen „Schandmai" in der Mainacht, den Trägen einen Faulbaum, den Eitlen eine Tanne, den Klatschbasen und Ohrenbläsern eine Weide oder eine Pappel, den Widerborstigen und Streitsüchtigen eine Distel.
In der Eifel, im Bergischen und in Baden wird /Zanksüchtigen Eheleuten des Nachts das „Tier gejagt" oder aus Stall- und Hausgerät ein „Sckand- haufen" errichtet. Dem Mann, Der sich von seiner Frau verprügeln läßt, stellt man im Fränkischen über Nacht eine Eichenkeule vor die Tür Habilitationen an derLanbesuniversität
Von der Pressestelle der Universität Gießen wird mitgeteilt:
Während des letzten Semesters haben sich folgende Personen dem Habilitationsverfahren mit dem Ziel der Verleihung des Dr. habil, erfolg- reich unterzogen:
Bei der Theologischen Fakultät: Lic. theol. Karl Friedrich Euler in Gießen.
Bei der Medizinischen Fakultät: Dr. med. Heinz Dombrowsky in Gießen.
Bei der Veterinärmedizinischen Fakultät: Schlachthofdirektor Veterinärrat Dr. med. vet. Hugo Keller in Gießen; Dr. med. vet. Joh. Schaaf in Gießen; Dr. med. vet. Felix Schmid in Gießen.
Bei der Philosophifchen Fakultät, l. Abtl.: Dr. phil. Helmut Arntz in Gießen.
Bei der Philosophischen Fakultät, II. Abtl.: Dr rer. tech. Arnold S ch e i b e in Gießen; Dr phil. Florian Heller in Gießen: Dr phil. Siegfried Koller in Bad-Nauheim.
HZ -Führertagung in Heffen-Aassau.
Die H I. - P r e s s e st e l l e des Gebietes Hessen-Nassau teilt mit: <
Die Bann- und Jungbannführer der HI. des Gebietes Hessen-Nassau waren dieser Tage auf der
Mit dieser, bei dem beträchtlichen Umfang des zur Erbauung der Reichsautobahnen erforderlichen Geländeerwerbes bedeutsamen Frage hat sich kürzlich der Reichsfinanzhof in einer grundlegenden Entscheidung befaßt. (Juristische Wochenschrift, 64. Jahrgang, Heft 25, Seite 1814.)
Der erkennende Gerichtshof hat dahin entschieden, daß der Erwerb von Grundstücken zum Bau der Reichsautobahnen ein Erwerb für Zwecke öffentlicher Straßen und daher nach § 8 Ziffer 10 des Grunderwerbsteuergesetzes grunderwerbsteuerfrei ist.
Aus der ausführlichen Urteilsbegründung sind die nachfolgenden Erwägungen von besonderem Interesse: Nach § 8 Ziffer 10 des Grunderwerbsteuergesetzes vom 11. März 1927 wird die Grunderwerbsteuer nicht erhoben bei dem Erwerb von Grundstücken zwecks Schaffung ober Erweiterung öffentlicher Erholungs-, Wald- und sonstiger Grünanlagen sowie für Zwecke öffentlicher Straßen und Plätze. Straße ist ein Unterbegriff des Wegs. Unter „Straßen" werden dauerhaft befestigte, regelmäßig benutzbare Wege verstanden, die vornehmlich dem nichtschienengebundenen Verkehr (Krast- und andere Wagen und Räder, Reiter und Fußgänger) dienen
Die Rechtsprechung des Reichsfinanzhofs hat den Begriff der Straße im Sinne der vorerwähnten Befreiungsvorschrift nicht eng gefaßt, vielmehr in den Begriff der Straße Wege mit einbezogen. So werden bereits in einer Entscheidung vom 6. Juni 1922 unter öffentlichen Straßen, die für den allgemeinen Verkehr von Fuhrwerken, Fußgängern usw. bestimmten Wege verstanden und nach der Entscheidung vom 6. Februar 1923 tritt Steuerfreiheit ein, wenn das Grundstück unmittelbar der Anlegung ober Erweiterung eines öffentlichen Weges bient. Nach §2 bes Gesetzes über bie Errichtung eines Unternehmens Reichsautobahnen vom 27. Juni 1933 finb bie Kraftfahrbahnen öffentliche Wege. Selbst wenn man ben Begriff ber Straße im Sinne ber Steuerbefreiungsvorschrift eng fassen will, sinb beren Merkmale als eines dauerhaft befestigten Weges gegeben. In einer jeben Zweifel ausschlietzenben Weise aber wirb ber Charakter ber Reichsautobahnen als Straßen festgestellt in § 1 bes Gesetzes über bie einstweilige Neuregelung bes Straßenwesens unb ber Strahenverwaltung vom 26. März 1934, ber unter anberem bestimmt: Die beutschen Straßen, soweit sie bem Verkehr von Ort zu Ort bienen, werben in folgenbe Straßengruppen eingeteilt:
1. Kraftfahrbahnen usw. Auch ist in bem §£a bes Gesetzes zur Aenberung bes Gesetzes über bie Errichtung eines Unternehmens „Reichsautobahnen"
Gebietsführerschule „Christian Größmann" bei Eltville zu einer Arbeitstagung zusammengekommen. Neben ber Besprechung aller sich in bet Jugend arbeit im Augenblick ergebenben Fragen sollte in persönlicher Aussprache unb kameradschaftlichem Zusammensein das Band der Führerschaft noch enger geknüpft und in gemeinsamer Front die Schwierigkeiten erkannt und ihnen begegnet werden
Gebietsführer P o 11 h o f f, der mit einem Treue- gelöbnis zum Führer die Tagung eröffnete, ging zunächst in kurzen Worten auf den künftigen Arbeitsabschnitt ein. — Ueber die verschiedenen Arbeitsgebiete referierten dann die Abteilungsleiter des Gebietsstabes. Im Mittelpunkt ber Besprechungen stauben bie Zeltlager, bie tausenben Jungen, bie sie bisher besuchten, ein Erlebnis unb eine Erholung sonbergleichen geworben sinb. Die Belebung
vom 18. Dezember 1933 von bem Straßenköter ber Reichsautobahnen bie Rebe Das Finanzgericht in ber Vorinstanz hatte bie Reichsautobahnen als Öffentliche Straßen deswegen nicht anerkannt, weil sie nach § 2 bes Gesetzes vom 27. Juni 1933 ausschließlich für ben allgemeinen Verkehr mit Kraftfahrzeugen bestimmt sinb, baher feiner Ansicht nach ber Verkehr auf ihnen fein allgemeiner sei. Der Begriff bes allgemeinen Verkehrs unb ber Offen!- lichkeit fetzt jedoch keineswegs voraus, bah bie Straße für oerschiebene Verkehrsarten angelegt ist. Der Begriff bes allgemeinen Verkehrs wirb jeben- falls burch eine Beschränkung bes allgemeinen Gebrauchs nach Art unb Zweck bes Weges nicht ausgeschlossen, sofern ber Weg für biefen in Frage stehenben Zweck jebermann offensteht. Dies trifft aber für bie Autobahnen hinsichtlich bes Verkehrs mit Kraftfahrzeugen zu.
Im übrigen finb auch bie Reichsautobahnen Straßen, bie in bie oorhanbenen Wegeverbinbungen organisch eingegliebert werben, inbem sie burch zahlreiche Anschlußstellen mit bem vorhanbenen Straßensystem oerbunben werben. An bem Charakter ber Öffentlichkeit ber Reichsautobahnen änbert auch nichts her Umftanb, baß nach §7 bes Gesetzes vom 27. Juni 1933 bem Unternehmen Reichsautobahnen bas Recht zusteht, Benutzungsgebühren zu erheben. Der Begriff ber Öffentlichkeit einer Einrichtung setzt nicht notwenbig eine Unentgeltlichkeit ber Benutzung voraus. Ausschlaggebenb ist nicht, ob bie Anlage jebermann ohne Erfüllung bfonberer Voraussetzungen, b. h. unentgeltlich, sonbern, baß sie jebermann unter ben gleichen Voraussetzungen unb Bebingungen zugänglich ist. Auch wenn baher für bie Benutzung ber Reichsautobahnen eine Gebühr erhoben werben sollte, so wirb auch bann geaen Entrichtung ber tarifmäßigen Gebühren bie Benutzung ber Anlagen in gleicher Weife jebem Kraftfahrzeug offen stehen. Da hiernach für ben Erwerb ber Grunbstücke zum Bau der Reichsautobahnen die Voraussetzungen der Be- freiungsvorschrift des §8 Ziffer 10 des Grunderwerbsteuergesetzes gegeben sind, ist die Beschwerdeführerin unter Aufhebung der Vorentscheidungen von der Orunberroerbfteuer frei zu stellen.
Anbers wäre bie Rechtslage, wenn bie Grunbstücke nicht zum Bau ber Autostraßen, fonberp z. B. zur Schaffung von Dienst- ober Verwaltungsgebäu- ben erworben würben. Ein solcher Erwerb würbe, ba nach ber ftänbigen Rechtsprechung bes Reichsfinanzhofs Steuerfreiheit nur eintritt, wenn bas Grunbstück unmittelbar ber Anlegung einer öffentlichen Straße bient, nicht von ber Steuer befreit sein.
bes Sportbetriebes, bie Gefunbheitsführung, bie Urlaubsregelung usw. würben in biesem Zusammen- Hang erörtert.
Am zweiten Tage sprach LanDesbauernführer Wagner über aktuelle Fragen bes Reichs- nährstanbes unb über bie soziale Frage, bie sich burch bie Lösung bes Bckdenproblems automatisch erlebige.
Nach Abschluß ber eigentlichen Arbeitstagung gewährte eine Führung burch bie Opel- werke in Rüsselsheim Einblick in bie einzelnen Phasen ber Autoherstellung. Ein Besuch bes Lan- bestheaters in Darmstabt beenbete bie Tagung.
Daten für den 3. Juli
1676: Leopolb I., Fürst von Anhalt-Dessau, tn Dessau geboren (gestorben 1747). — 1709: Mark-
Neue Zwei- unb Fimf-Marl-Stücke.
Die Staatliche Münze in Berlin ist mit ber Prägung neuer Zwei- unb Fünfmarkstücke beschäftigt, bie auf ber Schauseite in ber Mitte ben Kopf bes verewigten Reichspräsibenten von Hinbenburg im Profil tragen. Die Wertfeite ber Münzen gleicht benen ber Münzen mit ber Potsbamer Garnisonkirche, jeboch tragen sie in ber unteren Hälfte bie Bezeichnung „Reichs 2 mark" ober „Reichs 5 mark".
(Preffe-Bilb-Zentrale-M.)
gräfin Wilhelmine von Bayreuth, Schwester Frieb- richs bes Großen, in Berlin geboren (gestorben 1758). — 1792: ber Felbherr Prinz Ferbinanb von Braunschweig in Braunschweig gestorben (geboren 1721). — 1866: Schlacht bei KÖnigarätz (Sabowa). — 1890: ber Schriftsteller Hans Iahst in Seerhausen i. Sa. geboren. — 1926: Beginn bes zweiten Reichsparteitages ber NSDAP, in Weimar. Auf biesem Parteitag wirb bie Hitlerjugenb gegrünbet.
Daten für den 4. Juli.
1715: ber Dichter Christian Fürchtegott Gellert in Hainichen (Sachsen) geboren (gestorben 1769); — 1776: Unabhängigkeitserklärung Norbamerikas; — 1807: ber italienische Nationalhelb Giuseppe Gari- balbi in Nizza geboren (gestorben 1882); — 1877: ber Dichter Bogislaw von Selchow in Köslin geboren; — 1888: ber Dichter Theobor Storm in Ha- bemarschen gestorben (geboren 1817); — 1920: ber Bilbhauer, Maler unb Rabierer Max Klinger in Grohjena gestorben (geboren 1857).
Gutes Ergebnis der Straßen- und Haussammlung für das Jtote Kreuz.
Enbe ber vergangenen Woche würbe nunmehr auch bie Haussammlung für bas Rote Kreuz, bie aus Anlaß bes Rotkreuztaaes burchgführt worben war, abgeschlossen. In Gießen unb in ben bem Roten Kreuz in Gießen zugesprochenen Orten ber näheren Umgebung erbrachte bie Straßensammlung insge-
Nachbruck verboten!
25 Fortiestung
gegeben
29. Kapitel.
die vom
schon aufgeben?" fragte
konnten?
Eckehard freundlich. „Jetzt zum Abendessen beißen ie doch an."
„Ich mach' dann schon weiter, Herr Inspektor! Ich wollte nur mal fragen, wann kommt denn die Polizei? Ist denn da noch nichts 'raus wegen des verflüchtigen Giftes?"
Eckehard überlegte. Sollte er ben Jungen in einen Plan einweihen ober nicht? Aber er mußte hier eine Hilfe haben Gegen Rockefch kam man boch nicht an.
„Hör mal, Emil, ich muß bir was erzählen, unb ich rechne so auf beine Verschwiegenheit wie in anberen Dingen, bie bas Wohl ber gnäbigen Frau betreffend
„Darauf können Sie sich verlassen, Herr Inspektor!"
„Also hör mal, Emil, bie Tüte mit bem Gift, bie bu ba gefunben hast, bu weißt boch, bie habe ich boch in' meinen Schreibtisch geschlossen."
„War ich ja selber babei, Herr Inspektor!"
„Die Tüte ist nun weg."
„Verflüchtige Zucht!" sagte Emil unb vergaß ganz ben Respekt vor feinem Vorgesetzten. „Das hat ber Kerl geflaut, ber bie Liese umgebracht hat. Der unb kein anberer!"
„Still, Emil, nicht so laut! Es bars uns nie- manb hören. Ich bin ganz beiner Meinung. Aber wir müssen biese Meinung für uns behalten. Mir ist so, als hätten gewisse Leute ein großes Interesse baran, baß bie Untersuchung nicht.vorankäme."
„Na, wenn ber Genbarm erst kommt, bann werbe ich es ihm schon stecken!" sagte Emil heftig.
Aber als er Mackenroths Gesicht sah, fragte er ängstlich:
„Ober soll ich's lieber nicht, Herr Inspektor! Wär' bas eine Dummheit?"
„Vielleicht, Emil! Sieh mal, es könnte boch sein, baß irgenb jemanb ben Polizisten auf eine falsche Spur führt ober ihm Schwierigkeiten in ben Weg legt Kurz: baß bie Untersuchung nicht so geht, wie wir es wünschen. Darum wollen wir vorläufig bie Geschichte mit bem Gift noch ganz für uns behalten. Ich werbe bir schon einen Wink geben, wann bu es sagen kannst. Vielleicht kommen wir selber ber Geschichte eher auf bie Spur als ber gute Genbarm aus ber Kreisstabt."
Da strahlte Emil über bas ganze Gesicht. Seine leibenschaftliche Freube waren bie kleinen Detektivgeschichten, bie man für ein paar Kupfermünzen beim Krämer im Dorfe kaufen konnte. Detektiv spielen war sein Ehrgeiz unb sein Traum. Er sah sich schon als Entbecker bieser ganzen geheimnisvollen Dinge unb versprach Eckeharb, so lange still zu schweigen, wie er es wünschte.
Beruhigter ging Eckeharb nun burch den Park dem Schloß zu. Das Gefühl, einen Bundesgenossen zu haben, und wenn es auch nur Emil Perschke wäre, war schon etwas wert.
Emil Perschke saß inzwischen wieder auf bem Brückengelänber unb fünfte feine Angel ins
Eine rafenbe Ungebulb war in ihm. Ihm war heute selbst bie Arbeit gleichgültig, obwohl er sonst die Pflicht über alles stellte. Rockefch schien nicht zu sehen, baß er wie auf Kohlen ftanb. Er lieh sich genau über jebe Kleinigkeit braufeen auf per Äar- pener Wiese berichten, bis Eckeharb schließlich sagte: „Verzeihen Sie, Herr Oberinspektor, kann ich Ihnen nicht vielleicht barüber abenbs Auskunft geben? Ich mochte mich gern umziehen unb mich bann bei Fraulein Gerung nach bem Befinben ber gnäbigen Frau erfimb g^üi ?" Rockefch. Unb ein höh
nischer Blick traf Eckeharb. „Dann interessiert es Sie wohl auch gar nicht, was ich bei ber Polizei
Warum verkeimst du mich, Barbara?
Noman von Liane Sanden.
Urheberrechtschutz: Fünf-Türrne-Verlag, Halle (S.)
Eckeharb war gerabe an ber Brücke, Wirtschaftshofe herüber zum Schloßpark führte. Auf bem Brückengelänber saß Emil Perschke unb hielt bie Angelschnur ins Wasser.
Aber als er Eckeharb sah, holte er schnell bie Angel, an ber noch fein Fisch gefangen war, her-
Eckeharb schwieg. Was sollte er Rockesch auch agen? Dieses Argument bes Dberinfpeftors war nicht einmal so ohne weiteres abzutun. Er wußte genau, baß. bie Zigeunerbanben, bie hier bie Ge- genb unsicher machten, alles aßen, was ihnen unter bie Hänbe fam. Ob bas Gänse, Hühner, ob es Wilb- ober Saatfrähen waren, bas war alles gleich. Warum sollten sie nicht auch Pferbefleisch essen? Im Kriege hatte sich ja bie Bevölferung ber eroberten Gebiete auf Pferbefleisch wie auf einen Leckerbissen gestürzt. Unb boch: er fonnte ein Mißtrauen nicht loswerben! Die Grflarungen jes Oberinspektors kamen zu schnell, waren mit einer solchen Sicherheit vorgebracht, als käme gar feine anbere Ueberlegung in Frage. Vor allem, er hatte ja ben untrüglichen Beweis gehabt, baß ba etwas nicht mit richtigen Dingen zugegangen war. Er hatte ja burch Emil Perschfe bieses Stückchen Tüte mit ben Kleesalzfristallen befom- men Aber wie fonnte er biefen Fund als Beweisobjekt heranziehen, ba er ihn boch nicht mehr befaß? Irgenb jemanb hatte ihn gestohlen. Er ftanb nun ba unb konnte feine Behauptung burch nichts belegen.
Schon hatte er es auf ben Lippen, bem Oberinspektor von feinem Funb zu erzählen. Aber er bezwang sich roieberum. Als er bas Funbstück noch besessen, hatte er geschwiegen. Wieviel mehr mußte er jetzt schweigen, ba ein unbekannter Täter es ihm fortgenommen hatte.
Kurz sagte er:
--Unb bennoch würbe ich es für gut halten, Herr Oberinspektor, bie polizeilichen Untersuchungen würben sehr halb unb sehr grünblich gemacht. Im Interesse Frau von Stechows unb in unserem eigenen. Denn schließlich finb wir für all bas le- benbe unb tote Inventar auf Gut Scheblgwitz verantwortlich. Ich möchte nicht, baß schließlich ein Mensch uns verbächtigen könnte, baß wir nicht sorgsam genug gewesen sinb."
Rockesch lachte aus:
Mas für ein Gebanke, trgenbeinen von uns zu verbächtigen! Nun, wenn bie Polizei kommt, fönnen wir ja bas Genauere bereben. Gegen Sie jetzt nur ruhig!"
Auf ber Treppenstufe blieb Rockefch stehen. Er sah Eckeharb nach.
Einen von uns verbächtigen", hatte Eckeharb ; gejagt. Ein feines Stichwort hatte er ihm ba
ausgerichtet habe." „
„Doch interessiert mich bas, Herr Oberinspektor.
„Nun benn", sagte Rockesch, „ich habe alles zu Protokoll gegeben. Man wirb bemnachst einen Genbarm zur Untersuchung herausschicken.
„Demnächst?" fragte Eckeharb erstaunt. ,,3d) dächte boch, es wäre sehr nötig, die Spuren hier halb zu verfolgen. Wie soll man denn des Schurken habhaft werden, wenn man auch nur wenige Tage verstreichen läßt? Ich bereife, offen gestanden, die Langsamkeit der Polizei nicht. Bis dahin kann ber Verbrecher über alle Berge sein.
Rockesch lächelte bünn:
„Wenn bieser Verbrecher nur nicht in >Mer Phantasie existiert, lieber Mackenroth."
Mackenroth fuhr auf: , 9
„Was meinen Sie bamlt, Herr Oberinspektor.
In meiner Phantasie? Aber bas Tier ich boch tot „Natürlich ist es tot. Aber es ist ja bannt noch gar nicht gesagt, baß es umgebracht worben sit.
Eine bunfle Rote stieg in Eckeharbs Gesicht.
„Unb baß ber Kabaver fortgeschafft worben sit, ehe ber Tierarzt Gelegenheit hatte, bie Tobesursache festzustellen, ist bas vielleicht nichts, Herr Oberinspektor? Spielt mir ba auch meine Phantasie einen Streich, wenn ich behaupte, baß sieht sehr nach Schulbbewußtsein aus?"
Rockesch zuckte bie Achseln: .
Schulbbewußtsein muß bas nicht gerabe fein, fjerr von Mackenroth! Ich denke viel eher, ein paar arme Teufel hoben in bem Pferd einen will-
iS.' SL I“iSÄ™•'
Wasser. Aber fein Arm zitterte vor lauter Aufregung so stark, daß er diesmal keinen einzigen Fisch fing. Aber das machte nichts aus. Er hatte ja viel, viel Wichtigeres zu denken, als Fische zu fangen.
Drei Tage später herrschte auf Gut Schedlowitz unter den Leuten eine heftige Aufregung. Ein Gendarm aus der Kreisstadt war dagewesen und hatte ein langes Protokoll über ben Tob ber Zuchtstute ausgenommen. Alle Angestellten waren befragt worben, aber niemanb hatte natürlich etwas befunben können.
Emil Perschke hatte bem Genbarm umstänblich erzählt, wann er ben Verbacht auf Krankheit ber Stute gehabt hätte, unb wie sich alles Weitere zugetragen. Von bem Funb ber Gifttüte ließ er nichts verlauten. Auch Eckeharb, ber vernommen würbe, sagte nichts weiter aus als bas, was Oberinspektor Rockesch schon wußte. Darüber befragt, ob er irgenb jemanb in Verbacht hätte, ben Tier- kabaver weggefchafft zu haben, ehe ber Tierarzt Genaueres feftftellen konnte, gab Eckeharb eine oerneinenbe Antwort. Er hätte niemanb in Derbacht. Es könnte ja auch fein, wie Herr Oberinspektor Rockefch zu Protokoll gegeben, baß bie Zigeuner auf irgenbwelche Weise von bem Tobe ber Zuchtstute Kenntnis bekommen unb ben Leichnam nachts fortgeschafft hätten.
Nach zwei Stunben war bie Vernehmung be- enbet. Der bicke Genbarm klappte sein schwarzes Notizbuch zu unb fuhr auf bem Fahrrab ber Kreisstabt zu. Sehr nachbenklich ging Cckeharb von ber Vernehmung fort. Er hatte bie Mienen aller Leute scharf beobachtet, hatte aber bei niemanb etwas von unterbrücktem Schulbbewußtsein merken können. Die ganze Angelegenheit war heute noch genau so geheimnisvoll wie bamals.
Auf Wunsch bes Arztes würbe Barbara von ber amtlichen Vernehmung nichts gesagt. Sie sollte sich auf keinen Fall erregen. Es ging ihr besser. Die Wunbe am Hinterkopfe heilte ohne Komplikationen. Die Temperatur war normal. Unb auch bie Rippenbrüche heilten überraschenb schnell aus. Täglich liefen auf Schloß Scheblowitz Erkunbigungen nach Barbaras Befinben ein. Alle Bekannten konnten sich mit Genefungswünschen nicht genug tun. Die kostbarsten Blumen würben von ben oerschiebensten Gütern für Barbara abgegeben.
Der junge Graf Joses Bonnosch vor allen Dingen ließ es sich nicht nehmen, täglich vom Gut seiner Derwanbten herüberzukommen, um sich persönlich nach Barbaras Ergehen zu erkunbigen. Zu seinem Kummer aber würbe er niemals vor- gelassen. Barbara hatte Schwester Mechthilbis energisch erklärt:
„Ich bin vorberhanb für niemanden zu Ivrecyen, Schwester Mechthildis! Ich bin noch viel zu schwach. Das alles reat mich viel zu sehr auf."
(Fortsetzung folgt!!


