Ausgabe 
3.7.1935
 
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DeuWands größte Eisenbahn-Lokomotive.

Die Reichsbahn hat auf der Strecke MünchenStuttgart die neueste und leistungsfähigste Lokomotive ausprobiert. Unser Bild zeigt die neue elektrische Lokomotive neben einem älteren, aber kleineren ..Bruder". (Scherl-M.)

Mageres Fazit der Internationalen Arbeitskonferenz.

Von unserem Rbst.-Äerichterstatter

(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!) Genf, 25. Juni 1935

Nach dreiwöchiger Dauer ist die 19. Inter­nationale Arbeitskonferenz unter weit­gehender Interessenlosigkeit ihrer Teilnehmer, so­weit sie in- der sommerlichen Hitze bis zum Ende ausgehalten haben, auseinanbergegangen. Die offiziellen Schlußreden beweisen, daß sich über die Ergebnisse der Konferenz nur wenig Positives sagen läßt. Es klang wie eine Ironie, wenn der italienische Delegierte de Michelis feststellte, die Konferenz habe weder Schwäche noch Schüchtern­heit gezeigt, sie habe die Vierzig st unden- Woche grundsätzlich angenommen und die An­wendung des Grundsatzes auf das nächste Jahr verschoben, und wenn demgegenüber der französische Arbeitnehmerdelegierte I o u h a u x bedauernd meinte, er könne den Optimismus des Herrn de Michelis hinsichtlich der Einschränkung der Arbeits­zeit nicht teilen.

Trotzdem wird der nun zu Ende gegangenen Konferenz in einem vom Internationalen Arbeits­amt veröffentlichten Rückblick einehistorische Be­deutung" beigemefsen. Gerade wegen ihres Be­schlusses über die Vierzigstunden-Woche wird sie in eine Reihe mit der ersten Tagung der Inter­nationalen Arbeitsorganisation gestellt, die tm Jahre 1919 in Washington stattfand und be­kanntlich das Abkommen über den Acht- stunden-Tag ausgearbeitet hat. Dabei sind jedoch die Aussichten für die allgemeine Durchfüh­rung der Dierzigstunden-Woche heute viel schlechter als seinerzeit diejenigen des Achtstun- ven-Toges. Bezeichnenderweise konnte man sich bis­her nur über eine einzige Spezialkonoention einigen, nämlich diejenige über die Flafchenglasher- Wellung, einem Industriezweig also, der be­kanntlich mit so hohen Temperaturen arbeitet, daß schon seit langer Zeit und ohne daß es einer internationalen Vereinbarung bedurft hätte,

feine tägliche Arbeitszeit in allen. Ländern wefent- lieh kürzer lst als in anderen Betrieben.

Dort, wo es sich nicht darum handelte, offene Türen einzurennen, traten sofort Schwierigkeiten auf, die sich in diesem Jahre wenigstens nicht über­winden ließen. Die öffentlichen Arbeiten, der Hoch- und Tiefbau, die Eisen- und Stahlindustrie sowie der Kohlenbergbau sollten gleichfalls für die Vierzigstunden-Woche in Betracht kommen. Hierüber wurde nichts entschieden, doch ist wenig­stens für das nächste Jahr ein umfangreicher Be­ratungsstoffgesichert", zumal auf Antrag verschie- dener Arbeitnehmervertreter auch die Textilindu­strie, das graphische Gewerbe und die chemische Industrie im nächsten Jahr unter diesem Gesichts­punkte geprüft werden sollen.

Ein großes Schweizer Blatt, das der überna­tionalen Arbeitsorganisation keineswegs unfreund­lich gegenübersteht, hat dieser Tage mit Recht da­von gesprochen, daß auf ihren Tagungen z u Diel Propagandabedürfnis hauptsächlich bei der Arbeitnehmergruppe herrschte. Zu dieser Schwäche geselle sich der weitere Mißstand, daß in einem falschen Nnioersalitätsstreben die Verschieden­artigkeit der Voraussetzungen in den einzelnen Ländern übersehen werde. Das Inter­nationale Arbeitsamt rühmt sich der erstmaligen Teilnahme von Afghanistan, Ecuador, der Verei­nigten Staaten und der Sowjetunion auf der ge­genwärtigen Tagung Es ist aber selbstverständ­lich, daß die Ratifikation eines sozialpolitischen Ab­kommens etwa durch Afghanistan höchstens den Ausdruck eines sozialen Fortschrittwittens bedeutet, während sie in höher entwickelten Ländern eine un­mittelbare, vor allem wirtschaftliche Bedeutuna hot.

Ferner darf nicht übersehen werden, daß die Haltung der Regierungen sich nicht immer mit den Genfer Erklärungen ihrer Delegierten deckt Ein Beispiel dafür ist die Nachricht aus Moskau, wo­nach die Sowjetunion die Frage der Vierzigstun­den-Woche nicht für aktuell hält, während ihr

Genfer Vertreter gerade zu dem Zweck aus feiner Reserve heraustrat, um im Plenum der Konferenz im Interesse der arbeitenden Massen" eine noch radikalere Verkürzung der Arbeitszeit mit dem vor­läufigen Ziel des Sechsstunden-Tages zu fordern. Man hat den Eindruck, daß die Leitung des In- ternationalen Arbeitsamts, die auch die Regie der Konferenzen führt, inmitten und trotz

dieser offenbaren Unstimmigkeiten mit Erfolg de- müht ist. Debatten über allzu grundsätzliche qen zu vermeiden und auf diese Weise eine Ma­schinerie in Sana zu halten, die vielleicht »ter günstigeren wirtschaftlichen Bedingungen und bet einem besser entwickelten Solidaritatsgesuhl der Kulturstaaten eine wichtige technische Arbeit leisten könnte.

Glückstein", Zigaretienbild und Streichholzschachtel. Lieber die Sammelleidenschaft im Zugendalter.

Man betrachte sich einmal den Inhalt der Hosen­tasche eines durchschnittlichen Schuljungen von 7 bis 14 Jahren, und man wird über die Fülle der selt­samsten Gegenstände erstaunt sein, die des Sam­melns und Aufbewahrens wert befunden wurden. Neben dem unvermeidlichen Taschenmesser, meistens schon verrostet oder mit abgebrochener Klinge, und einem oft nicht sehr ansehnlichen Taschentuch stoßen wir auf Bleistiftstummel, Nägel,Glücksteine", Zigarettenbildchen, Briefmarken, Straßenbahnscheine und leere Streichholzschachteln ober andere Dinge, deren Wert für den glücklichen Eigentümer durch­aus nicht immer auf die praktische Verwendbarkeit zurückgeführt werden kann.

Die S a rn rn e 11 e i d e n f ch a f t, die bei Kindern von einem bestimmten Alter an sehr verbreitet ist, entspricht häufig natürlich dem einfachen Wunsche nach Besitz, der größte Teil der so sorgfältig zu­sammengetragenen Gegenstände wird aber vor allem, wie Prof. Dr. Charlotte Bühler in Westermanns Monatsheften" auseinandersetzt, wegen seines Beschäftigungswertes ge­schätzt. In einer Wiener Untersuchung an einer größeren Anzahl von Kindern wurde auch nach den Gründen des Sammelns gefragt, wobei in den Antworten behauptet wurde, daß die Dinge zum Teil wegen ihres Wertes, zum Teil aus Interesse für den Gegenstand ober auch aus reiner Freube am Sammeln aufbewahrt würben. Interesse unb Sammellust überwogen bei weitem.

Ebenso aufschlußreich sinb bie Angaben, die über bas Tauschen gemacht würben, bas bei den Knaben eine viel größere Rolle spielt als bei den Mädchen. Das Tauschen erscheint vielen Jungen als außerordentlich reizvoll, und nicht selten läßt sich bei Elf- unb Zwölfjährigen eine ausgesprochene Geschäftstüchtigkeit feststellen, die sich gern an bas berühmte Dorbilb ber Jndianerschläue in Abenteuer­romanen hält.

Diese Eigenschaft erinnert stark an bie Vorgänge bei Naturvölkern. Der bekannte Forschungsreisende Abolf Bernatzik gibt von ben Sübsee-Jnsula- nern als Beispiel folgenbe Beschreibung: Zwei Ein­geborene verhandeln um ein Schwein. Der augen­blickliche Besitzer verlangt bafür einen Hammer, ben er nach längerem Feilschen auch erhält. Aber halb kehrt er zurück unb forbert sein Schwein mieber, nachbem er ben Hammer ausgehänbigt hat. Nach einer weiteren Zeit ist er nochmals am Ort ber Tauschhandlung unb möchte für sein Tier ein Ge­wehr haben. Das kann sich auf biese Weise mehr­mals wieberholen. Dieses Verhalten ist nicht der Ausdruck einer Launenhaftigkeit, sondern dahinter steht bas Bedürfnis, zu erproben, welches Gefühl ber Besitz jedes der erworbenen Gegenstände ver­schafft: diese Probetauschhandlungen fo könnte man sagen erfüllen also den Wunsch nach zahlreichen Möglichkeiten des Besitzes und Besitzwechsels. Das gilt für das Kind anscheinend ebenso wie für den ursprünglichen Menschen.

Bei den Untersuchungen wurde ebenfalls be­obachtet, daß bie Mäbchen mehr Sammlungen als bie Knaben anlegen, baß sie sich mit ihnen aber weniger befassen. Bei ben Elf- unb Zwölfjährigen spielt bas Sammeln aus reiner Sammel- leibenschaft eine befonbers große Rolle, bei ben Dreizehn- unb Vierzehnjährigen wirb schon ein anberer Gesichtspunkt maßgebend. Sie sam­meln beispielsweise Ansichtsvostkarten, Bilder von Sportgröhen und Schauspielern ober gar Konzert- unb Theaterprogramme. Hier ist ber eigentliche Grunb also bas Interesse an bestimmten Gebieten

und Personen, die in ber Vorstellungswelt des Kindes einen bedeutenden Platz einzunehmen be­ginnen."

Die selbständige Beschaffung von Dingen, an denen und mit denen man sich betätigen tann, ist eine der wichtigsten Leistungen des Kindes im Schulalter. Die planmäßige Handhabung unb Orb» nung ber selbstgesammelten ©egenftänbe ist eine erste Art geistiger Bewältigung, zu ber bas Kinb felbftänbig gelangt, unb bie es über ben rein praktischen Gebrauch von Dingen hinausführt. Schließlich ist bie Herstellung einer Beziehung ber Sammlung zum eigenen Innenleben unb bie per­sönliche Bedeutung, bie bie ©egenftänbe gewinnen, für bie persönliche Entwicklung im Jugenbalter von Bebeutung. Es ist eine Art Vergegenstänblichung ber eignen Neigungen, wie sie bann später in Tagebüchern ober auch in fortgesetzten Samm­lungen ihren Ausbau finbet.

Bei einem Iugenblichen finbet man bann oft große Sammlungen von Zeitungsausschnit­ten, Photographien, Dichtungen, bte alle baburch für ihn bebeutfam sinb, baß er sie ich selbst zusammengetragen hat unb baß sie in einer persönlichen Jnteressenentwicklung eine Rolle pielen.

Nach allen diesen Ueberlegunaen kann man sagen, daß bie Sammlungen von Kindern unb Iu­genblichen, wie töricht immer sie in ber Wahl ber ©egenftänbe aussehen mögen, boch eine große er» zieherische Bebeutung haben. Man soll sie daher unterstützen, ohne sie natürlich bet solchen Kinbern zu erzwingen, bie keine Neigung dafür zeigen unb bie besmegen noch keine schlechte geistige Entwicklung zu haben brauchen."

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Der bekannte Segelflieger Peter R i e b e I konnte, wie bereits gemeloet, einen neuen beutschen Segel« flugroeltreforb im Zielflug aufstellen, inbem er in einer Flugzeit von 6 Stunben 40 Minuten bie Strecke BerlinHamburg, bie 270 Kilometer be­trägt, zurücklegte. (Scherl-M.)

Leben auf anderen Sternen?

Von Dr. Erwin Kossina

Die Frage nach der Bewohnbarkeit der Welten hat die Menschen seit Jahrtausenden beschäftigt. Daß die Erbe in der ungeheuren Weite des Alls der einzige mit lebenden Wesen bevölkerte Weltköiper sein soll, um sich herum aber nur leblose Obe, ist eine Vor- stellung, die der auf Geselligkeit eingestellten mensch­lichen dlatur widerstrebt.

Wie weit die Anschauung von der Bewohnbarkeit der Welten im Altertum verbreitet war, beweisen die Schriften von Plutarch, Lukian und Origenes. Als Beispiel der hemmungslosen Phantasie Lukians sei erwähnt, daß er in einer Satire den Mond mit sech­zig Millionen Männern bevölkert sein läßt, während es Frauen nach seiner Meinung dort überhaupt nicht geben sollte. Ernster zu nehmen sind die Ansichten Giordano Brunos und Galileis. Bruno verfocht mit heroischer Leidenschaft den Gedanken der Gleich­artigkeit aller Planeten und ihrer Übereinstimmung mit der Erde als Wohnstätte des Lebens, wie er gleichzeitig die Ansicht vertrat, daß die Fixsterne Sonnen im unendlichen Raum sind wie unsere Sonne.

Vorsichtiger war Galilei, wenn er seine Auf- faffung in die Worte kleidete:3n den Augen derer, die nicht an eine Vielzahl bewohnter Welten glauben wollen, müsien die Planeten ungeheure und unselige Wüsteneien sein, die von allen Tieren, Gewächsen, Menschen, Städten unb Bauten entblößt und ein­samem Schweigen ausgeliefert sind "

Mit den Fortschritten der Astronomie seit der Gr» findung bes Fernrohrs nahmen die Spekulationen über das Leben auf anderen Sternen überhand. Es seien nur die (Hamen Gassendi, Kepler, Lambert, Swedenborg und Kant erwähnt. Diese Spekula­tionen lesen sich heute wie phantastische Romane, wurden aber zu ihrer Zeit als der Wahrheit nahe kommende Schilderungen angesehen. Mit der Erfin­dung der Spektralanalyse im Jahre 1862 wurden endlich die Voraussetzungen für die chemische Unter­suchung der Himmelskörper geschaffen. Doch haben gerade bei den Planeten erst die verfeinerten Metho­den der letzten Jahre verläßliche Ergebnisie gezeitigt, da es außerordentlich schwer ist, die Spektrallinien der einzelnen chemischen Bestandtelle, die die Pla- netenatmvsphäre zusammensetzen, zu trennen und richtig zu beuien.

Aul ber Erdoberfläche zeigt das Leben eine sehr weitgehende Anpaffung an die Verhältnisse seiner Umgebung. Wir finden es in ber ewig bunflen Tief­see der Ozeane wie auf den lichtumfluteten Gipfeln der Hochgebirge. Aber höhere Lebensformen meiden

die kalten Gebiete des ewigen Eises ebenso wie die Glut und Trockenheit großer Sandwüsten. Die Be­dingungen. unter denen sich organisches Leben auf einem Planeten entwickeln kann, sind nach Lund­mark folgende der Weltkörper muß eine feste Rinde haben, auf der Wasser in flüssiger Form vorhanden ist. Gr muß von einer Atmosphäre umgeben sein und durch eine Sonne in angemessener Stärke erwärmt werden. Seine Oberflächentemperatur darf nur in ge­wissen mäßigen Grenzen schwanken. Die feste Rinde muh beftimmfe Rährstoffe enthalten. Ferner müffen auf dem Weltkörper über sehr lange Zeiten hier un­verändert gleichartige Verhältnisse bestehen.

Das Vorkommen von Sauerstoff in der Atmv- phäre ist nicht unbedingt notwendig. Auf der Erde gibt es nämlich Eisen- und Schwefelbakterien, für die Sauerstoff tödliches Gift ist. Ob aber eine Ent­wicklung zu höheren Lebensformen ohne Sauerstoff möglich ist, bleibt eine offene Frage. Bekanntlich besteht zwischen der Tier- uub Pflanzenwelt eine Wechselwirkung derart, daß die Pflanzen bie von den Tieren ausgeatmete Kohlensäure mit Hilfe des Sonnenlichts in ihre Bestandteile, Kohlenstoff und Sauerstoff, zerlegen und den Sauerstoff größtenteils wieder an die Luft zurückgeben. Vielleicht ist der jetzige Sauerstoffgehalt der Luft hauptsächlich dieser Tätigkeit der Pflanzen zuzuschreiben. Die Pflanzen­welt ist ferner die Voraussetzung für tierisches Leben. Ohne Pflanzen kann kein Tierleben bestehen, da ein Teil der Tierwelt Pflanzenfreffer sein muh und die Pflanzen allein imstande sind, die notwendigen Rähr­stoffe aus der anorganischen Ratur zu entnehmen.

Vergleichen wir nun die Verhältnisse der Erde mit denen auf den übrigen Planeten, so ergibt sich sofort, dah kein Weltkörper dem Leben auch nur annähernd so günstige Bedingungen gewährt wie die Erde, Merkur und Mond sind lebensleindlich. Ihre Maffe ist zu klein, ihre Anziehungskraft zu gering, um eine Atmosphäre festzuhalten. Ihre Oberflächen sind wildzerriffene Steinwüsten von schauerlicher Ode und enormen Temperaturgegensätzen zwischen Tag unb Rächt. Anders die Venus Dieser der Erde an Gröhe fast gleichkommende Planet ist von einer dichten kohlensäurehaltigen Atmosphäre umgeben, deren Entstehung wahrscheinlich auf starke vulka­nische Tätigkeit zurückzuführen ist. Offenbar fehlt auf der Venusoberfläche die Vegetation, die den Sauer­stoff aus der Kohlensäure abscheidet. Die Auhen- schicht bet Denusatmosphäre hat bereits eine Tem­peratur von 50 Grad, am Boden sind daher noch höhere Temperaturen zu erwarten. Im Vergleich dazu beträgt die mittlere Lufttemperatur an der Erd­oberfläche nur 15 Grad. Es ist denkbar, dah Venus niederen Lebewesen etwa von der Art der Echwefel-

batterien, eine Existenzmöglichkeit gewährt. Höhere Lebensformen dürften aber erst in ferner Zukunft auf ihr zur Entwicklung gelangen, wenn die Tempe­ratur um einige Zehner von Graden zurückgegangen ist und die starken Kohlensäureausströmungen auf­gehört haben.

Mars ist nur halb so grvh wie die Erde, dreht sich in 24 Stunden 38 Minuten um seine Achse und zeigt einen ähnlichen Wechsel der Jahreszeiten wie die Erde, allerdings in langsamerem Rhythmus. Gr wird von einer wasserdampfhaltigen, aber nur sehr dünnen Atmosphäre umgeben, die nur äußerst wenig Sauerstoff enthält. Wahrscheinlich ist der ehemals vorhanden gewesene Sauerstoff durch Oxydation ei­senhaltiger Sandsteinschichten verbraucht worden. Darauf deutet die ausgesprochen rote Farbe weiter Gebiete der Marsoberfläche, die hochgelegene Wü­sten darstellen. Die dunklen Flächen sind sicher keine Meere in unserm Sinne, wie schon der rasche Wechsel ihrer Gestalt beweist, sondern Riederungen. Sie sind um 15 bis 20 Grad wärmer als die roten Wüsten­flächen und zeigen außer Formänderungen auch eine mit den Jahreszeiten wechselnde Farbe. Vermutlich wird dieser Farbenwechsel durch das Vorhandensein von Vegetation verursacht, die in jedem Frühjahr mit der Zufuhr von Feuchtigkeit wieder auflebt. Große Temperaturgegensähe beherrschen die Mars­oberfläche auch in der Tropenzone. Während auf der Erde die Tropen sich durch gleichförmige hohe Wärme auszeichnen, sinkt in der Tropenzone des Mars die Temperatur während der Rächt auf 30 Grad unter Rull, um am Tage bis auf 25 Grad über Rull zu steigen. Dabei handelt es sich allerdings um Doden- temperaturen, deren Schwankungen größer sind als die der Atmosphäre. Alles in allem stellt Mars eine für unsere Begriffe äußerst rauhe Welt dar, auf der höheres Leben sich nicht entwickeln kann.

Die Sonnenfernen großen Planeten Jupiter, Sa­turn, Uranus und Reptun sind lebensfeindlich. Ihre Atmosphäre enthält Ammoniak und Gruben­gas in großen Mengen, also giftige Gase, die jedes Leben unmöglich machen, während von Sauerstoff und Wasserdampf keine Spur nachgewiesen werden konnte. Die Dichte der großen Planeten ist so gering, dah sie sehr wahrscheinlich keine feste Oberfläche be­sitzen, sondern Gasbälle sind. Zu der enormen Kälte von 130 bis 200 Grad unter Aull kommt noch die geringe Leuchtkraft der Sonne, die auf Reptun 900 mal schwächer ist als auf der Erde. Der Tag bringt keine Helligkeit, nur bleiches Dämmerlicht.

So bietet gegenwärtig das Planetensystem dem Leben nur sehr beschränkte Entwicklungsmöglich. leiten. Es ist jedoch nicht unwahrscheinlich, dah Mars in well zurückliegender Vergangenheit dem Leben

viel günstigere Bedingungen bot als heute. Anderer­seits war die Erde durch ungeheure Zeiträume wüst und leer. Auf zwei Milliarden Jahre schätzen die Geologen das Alter der Erde, während es Leben erst seit höchstens 500 Millionen Jahren gibt und das Alter des Menschengeschlechts kaum eine Mil­lion Jahre beträgt. Außerhalb des Planetensystems können ferner die dunklen Begleiter von Fixsternen unter günstigen Bedingungen als Schauplatz deS Lebens in Betracht kommen.

Alle Beobachtungen und Untersuchungen führen immer wieder zu dem Ergebnis, dah weder der Erde noch der Sonne eine Ausnahmestellung im Weltall zukommt. Unter den Milliarden Sonnen des Milch­straßensystems gibt es gewiß zahllose, die von Pla­neten umkreist werden. Daß wir die dunklen Be­gleiter der Fixsterne wegen der enormen Entfernung auch im größten Fernrohr nicht sehen, spricht nicht gegen ihr Vorhandensein. Wo aber solch ein Welt­körper ähnliche physikalische und chemische Bedin­gungen aufweist wie die Erdoberfläche, dürfte auf ihm auch Leben zur Entwicklung gelangen.

Elefantenschule im Kongo.

Nach einem Bericht aus ©angara na Bodio, das im Belgischen Kongo gelegen lst, besteht bei dey dortigen Farmern eine große Nachfrage nach ge­schulten Arbeitselefanten. Auch die Wünsche der fremden zoologischen Gärten können nicht immer erfüllt werden, weil sieh geeignete Tiere nicht in genügender Anzahl oorftnden. So haben sich einige Elefantenjäger zusammengetan und eine richtige Schule aufgetan, in der sie die von ihnen eingefan­genen und aufgekauften Elefanten zu Arbeits­leistungen erziehen. Geeignet sind dazu am besten Tiere im Alter von etwa zwölf bis fünfzehn Jahren. Der Unterricht erfordert eine Zeitspanne von einem ganzen Jahr und ist sehr mühsam und keineswegs ungefährlich, da die sonst so gutmütigen Tiere zu­weilen den Versuch machen, sich aus der Lehre sortzustehlen oder den Erziehungsmaßnahmen Wider­stand entgegenzusetzen. Der Gewinn, den ein abge­richteter Elefant als Arbeitstier einbringt, ist aller­dings sehr beträchtlich. Er kann nämlich die Arbeit von fünfzehn bis sechzehn Ochsen leisten und ist viel billiger zu halten. Auch einem Motortraktor von der gleichen Leistungsfähigkeit macht er durch den Aufwand von nur einem Fünftel der Unter­haltskosten erhebliche Konkurrenz. Zur Zeit befinden sich vierzig Elefanten auf der Station und lernen hier Lasten tragen und Wagen ziehen.