Ausgabe 
3.7.1935
 
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Ur. 152 Erstes Blatt

185. Jahrgang

Mittwoch, 3. Juli 1935

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Gute Nachbarschaft

Der polnische Außenminister, Oberst Beck, in Berlin eingetroffen.

Berlin, 3. Juli. (DJIB. Funkspruch.) Mit dem fahrplanmäßigen Zuge aus Warschau traf am Mittwoch um 8.02 Uhr der polnische Außenminister Oberst Beck auf dem Bahnhof Friedrichstraße ein.

Warum noch mehr Zeit verlieren?

Nichts steht der Anbahnung einer direkten Aussprache zwischen Deutschland und Frank­reich im Wege.Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschuffes der französischen Kammer fordert sofortige Fühlungnahme.

Der polnische Außenminister Oberst Beck. (Scherl-M.)

Minister Freiherr von Neurath, Staats­sekretär von Bülow, der deutsche Botschafter in Warschau Don Moltke, der Chef des Proto­kolls Graf von Baffewih und der Mini­sterialdirektor der Oslabteilung des auswärtigen Amtes Meyer. Von polnischer Seite waren sämt­liche Herren der polnischen Botschaft in Berlin un­ter Führung des Botschafters Joseph L i p s k i sowie zahlreiche Mitglieder der Berliner polnischen Ko­lonie anwesend.

Nach der Ankunft unterhielt sich der Außenmini­ster in angeregtem Gespräch mit dem Reichsauhen- minister und begab sich dann durch das Fürsten- zimmer auf den Bahnhofsvorplatz, wo gegenüber dem Bahnhof eine Ehrenkompanie de rLeib - standarte Adolf Hitler mit präsentiertem Gewehr den polnischen Auhenminister ehrte. Nach einem kurzen Dank verabschiedete sich der pol- Nische Auhenminister von den deutschen Herren und fuhr in Begleitung des polnischen Botschafters nach der polnischen Botschaft, wo er während seines zwei­tägigen Berliner Aufenthaltes Wohnung nehmen wird. Zahlreiche Mitglieder der polnischen Kolonie und viele Berliner wohnten der Ankunft des Gastes bei.

Paris, 3. Juli. (DNB. Funkspruch.) Mit der Frage der deutsch-französischen Beziehungen beschäf­tigt sich in der radikalsozialistischenRepublique" der Abgeordnete V a st i d, Vorsitzender des aus­wärtigen Kammerausschusses. Lr schreibt u. a.: Die Atmosphäre scheint heute etwas besser zu sein. Un- ere Oeffentlichkeit steht vielleicht einer freien Aus- prache mit Deutschland nicht mehr ganz so fern wie noch vor einiger Zeit. Ob die Bedingungen für diese Aussprache für uns günstiger sind, ist eine andere Frage. Ich glaube im Gegenteil, dah wir das gröhte Interesse daran gehabt hätten, o schnell wie möglich schon bei der Macht­übernahme durch das nationalsozialistische Regime, mit dessen baldigen Sturz zu rechnen eine Ver­messenheit war, die Verhandlung anzubahnen. Ich habe nicht das Gefühl, dah ein heute verwirk­lichtes Abkommen genau denselben Wert haben könnte, wie eine gestern erzielte Verständigung. Wir haben wieder einmal Zeit verloren. Aber nicht desto weniger können wir immer noch aus freien Stücken verhandeln.

Jedoch möchte ich zwei Fragen stellen: Können wir eines Tages nicht doch gezwungen werden, zu verhandeln und schwächt die oblau­fende Zeit nicht auf jeden Fall die Vor­teile unserer Lage? Die Ereignisse der letz­ten Wochen bezeugten mit unwiderstehlicher Ge­walt, dah jede Politik, die selbst den flüchtigen und trügerischen Anschein einer diplomatischen Li n - kreisung Deutschland besitzt, zum Miherfolg verurteilt ist. England und Italien geben uns vielleicht die mündliche Genugtuung, auf die unsere Eigenliebe Wert legt. Man wird weiterhin von der Unteilbarkeit des Friedens und der Einheitsfront zwischen ihnen und uns sprechen. Aber wenn es darauf ankommt, was bleibt dann von diesen harmonischen Erklärungen?

Inzwischen wächst das Ansehen Deutsch­lands. Das ist eine Tatsache. Deutschlands An­ziehungskraft dehnt sich aus, sogar bis in die Valkangegenden, die bisher überlieferungs- gemäh der französischen Sache zugetan waren. Ich stelle das mit größter Traurigkeit fest. Soll man aber warten, bis die Ereignisse sich vollendet haben? heute braucht Deutschland uns noch: wird das aber immer der Fall fein? Vom Standpunkt un- seres heiligen Egoismus aus keine Formel trifft heute besser zu als diese steht nichts der Anbahnung von Bespre­chungen im Wege. Und was die allgemeine Friedenspolitik anlangt, die wir verfolgen bis­weilen unter Ausschluß und zum Schaden von an­deren Gedanken braucht man da noch zu be­weisen, dah sie dadurch keinen Schaden neh­men könnte?

Die Frontkämpfer-Aussprache.

Die deutschen Frontkämpfer am Grabe des unbekannten Soldaten.

i Bei der ersten Vollversammlung der von dem ; Interalliierten Frontkämpferverband veranstalteten , internationalen Konferenz der Frontkämpfer waren i zugegen die Vertreter von elf Mitgliederstaaten, . die im ganzen 10 Millionen Mitglieder umfaßt und die Vertreter von 5 Millionen Frontkämpfern und

In feiner Begleitung befinden sich feine Gattin, seine Tochter, fein Kabinettschef Graf Lubienski so­wie der Privatsekretär. Zur Begrühung der polni­schen Gäste hat sich auf dem Bahnsteig eingefunden: Staatssekretär Meißner alsvertreter des Führers und Reichskanzlers, Auhen-

Kriegsopfern Deutschlands. Präsident Jean Des« bons wies besonders auf die Tatsache hin, daß die Vollversammlung der alliierten Frontkämpfer zum erstenmal mit den berufenen Vertretern aller deutschen Frontkämpfer zusammentreffe. Der Füh­rer der deutschen Abordnung, Reichskriegsopfer­führer Oberlindober gab seiner Genugtuung darüber Ausdruck, die persönliche Fühlung aufneh-

Die Reichshauptstadl empfängt den Besuch eines der jüngsten und hervorragendsten Diplomaten des nachkriegszeitlichen Europa. Der polnische Au­ßenminister, Oberst Beck, Hausherr des Palais Brühl" in Warschau und engster Ver­trauter des verstorbenen Marschalls Pilsudski, erwidert die Besuche, die deutsche Minister in diesem und im vergangenen Jahr in Polen gemacht haben. Er trifft zum ersten Male Adolf Hitler, den Mann, der mit Marschall Pilsudski jenes Verständigungs­abkommen vom 26. Januar 1934 schloß, das seitdem eine der festesten Stützen des europäischen Friedens und des Aufstiegs Polens zur Großmacht geworden ist. Wie sehr Oberst Beck berufen ist, den außen­politischen Willen des toten Führers des polnischen Volkes zu vollstrecken, das zeigt die Geschichte seines Lebens und das Vertrauen, das ihm vor allen anderen vom Marschall Pilsudski geschenkt

men zu können. Diese Fühlungnahme diene dazu, das gegenseitiae Kennenlernen und ein besseres Verstehen zwischen den vertretenen Nationen zu fördern. Daran schloß sich eine allgemeine Aus­sprache, die den Wunsch aller Natwnen bewies, gemeinsam zu arbeiten, um den Wunsch der alten Frontkämpfer nach Aufrechterhaltung des Friedens in der Welt zu verwirklichen. Ein Redaktionsaus­schuß von 9 Mitgliedern wird der Vollversamm­lung einen Entschlreßungsentwurf unterbreiten. Im Anschluß an die Vollversammlung fand am Abend ein geselliges Beisammensein statt.

Die Abordnung der deutschen Frontkämpfer legte am Grabe des unbekannten Soldaten einen großen Kranz nieder. Die Schleife trug die InschriftDem unbekannten französischen Soldaten die deutschen Frontkämpfer". Als der Führer der deutschen Abordnung Oberlindober den Kranz niederlegte, senkten sich die spalierbildenden Fah­nen mehrerer ausländischer Kriegsteilnehmer-Ver­bände (Frankreich, Italien, Portugal, England und Amerika) über der ewigen Flamme. Die Deut­schen verharrten mit erhobener Hand einen Augen­blick vor dem Grabe.

Herriol empfängt die deutschen Frontkämpfer.

Paris, 2. Juli. (DNB.) Die 50 deutschen Front­kämpfer, die, wie schon gemeldet, ihre französischen Kameraden von der Vereinigung lungenverletzter französischer Frontkämpfer nach ihrem Besuch in Stuttgart nach Frankreich begleitet hatten, wurden im Rathaus von Lyon von Staatsmi- nist er und Oberbürgermeister herriot herzlich willkommen geheißen. Der Leiter der deutschen Kriegsteilnehmer-Abordnung gab dem Wunsch nach einer Versöhnung, nicht allein zwischen den deutschen und französischen Frontkämpfern, son­dern zwischen den beiden großen Völkern Ausdruck. Staatsminister herriot erklärte, daß auch er die Annäherung der beiden großen Völker wünsche. Er fuhr dann fort:Wenn unsere beiden großen Länder noch einmal versuchen würden, sich gegen­seitig zu zerfleischen, so würde das den Untergang bedeuten. Wenn ein altes Sprichwort sagtEine Schwalbe macht noch keinen Sommer", so müssen wir bedenken, dah die erste Schwalbe Mut benötigt, um die anderen mit sich hu ziehen. Ich begrüße in Ihnen, die erste Schwalbe des Frühlings."

Die Fühlungnahme zwischen deutschen und fran­zösischen Frontkämpfern findet in der Presse ge­teilte Aufnahme.L'Jnformation" schreibt: Wir zweifeln nicht an dem guten Glauben derer, die auf dem Schlachtfeld unsere Gegner waren und heute mit versöhnlichen Worten zu uns kommen. Aber um wievieles glücklicher wären wir, wenn wir wüß­ten, daß sich ihre friedliche Haltung verallgemeinern und ihre Aktion in Deutschland selbst ihre Früchte tragen würde. Es unterliegt keinem Zweifel, daß

Frankreich sich mit Deutschland zu verständigen wünscht. Der Wille zur Zusammenarbeit am Werke des Friedens muß aber beiderseits gleich stark sein und in allen Dingen zum Ausdruck kommen. Liberty" schreibt: Die französischen Frontkämpfer glauben, sie arbeiten an der deutsch-französischen Annäherung. Wir müssen ihnen entgegenhalten, daß sie sich da auf dem Holzwege befinden. Die Ver­bände französischer ehemaliger Frontkämpfer haben weder die erforderliche Eignung noch die notwendige Autorität, um bei den Verhandlungen mit Deutsch­land die Stelle der Regierung einzunehmen. Sie sind in Wirklichkeit Privatleute. Die Deutschen sind Partner, die man fürchten mußt, einmal, weil sie verschlagen sind, und bann, weil sie einig sind. Möge man französischerseits doch so vorsichtig sein und mit ihnen über internationale Fragen durch den einzig zulässigen Vermittler sprechen, nämlich die Regierung der Republik.

E x c e 1 s i o r" erklärt, zum erstenmal finden sich offiziell die Frontkämpfer beider Lager zusam- men. Die ehemaligen alliierten Frontkämpfer wollen der Vergangenheit nicht Rechnung tragen, heben jedoch folgende beiden Punkte heraus: 1. Die Ver­träge müssen als unantastbar gelten. Ihre volle oder teilweise Aenderung kann nur mit Zustim­mung der Kontrahenten erfolgen. 2. Der Krieg ist keine Lösung für entstehende Streitigkeiten. Das Schiedsgerichts verfahren ist für alle schwebenden Fragen geboten. Sind die ehemaligen deutschen Frontkämpfer entschlossen, diesen beiden Punkten vorbehaltlos zuzustimmen?

Abessinien ans -er Tagesordnung der heutigen Kabinettssihung in London.

Ernste Gorge der britischen presse um die Stellung des Völkerbundes.

London, 3. Juli. (DNB. Funkspruch.) Das Kabinett wird am heutigen Mittwoch seine erste Vollsitzung feit der Rückkehr Edens von seiner Reife nach Paris und Rom abhalten. Verschiedene Blätter erwarten, daß das Kabinett heute grund­sätzliche Schlußfolgerungen ziehen und über seinen künftigen politischen Kurs entscheiden wird. Die Schlußfolgerungen und Entscheidungen dürften die Grundlage der für Donnerstag nächster Woche erwarteten außenpolitischen Unter« Haus-Erklärung bilden.

Das Organ der ArbeiterparteiDaily He­rold" schreibt: Das Kabinett hat heute der un­gemein ernsten abessinischen Lage gegen­überzutreten. Die vorherrschende Ansicht ist, daß der Völkerbund in entscheidender Weise vorgehen muß, um einen Friedens­bruch durch Italien.zu verhindern, falls nicht der Völkerbund selbst und das System der kollektiven Sicherheit endgültig aufgegeben werden sollen.

Da Mussolini jede Anregung eines Kompro­misses verworfen hat, ist der einzig mögliche Kurs der, Italien zu warnen, dah wirtschaftliche Sanktionen zur An­wendung gebracht werden würden, falls es unter Verletzung der Völkerbundssahung zum Kriege schreitet. Line solche Warnung kann natürlich nicht von einer einzigen Macht aus­gehen, sie muß vom Völkerbundsrat kommen, und dies kann nur geschehen, wenn feststeht, dah die Hauptmitglie­der bereit sind, gegebenenfalls der Warnung entsprechend zu handeln. Der erste Schritt be­steht somit in der Feststellung, ob die anderen Vötkerbundsmachte, besonders Frankreich/ bereit sind, der Völkerbundssahung gesetzliche Gültigkeit zu.geben. Das Kabinett wird also heute zu entscheiden haben, ob diese schicksats-

rourbe.

den folgenden Jahren führen atische Missionen nach Rurnä-

damaligen polnischen Regierung. Als dann 1926 Pilsudski sich anschickt, den durch die Parteien verwirtschafteten Staat zu erobern, ist Josef Beck wieder an seiner Seite. Bei der Einnahme War­schaus durch die revoluttonären Truppen spielt er eine hervorragende Rolle. Von diesem Zeitpunkt an genießt Beck das volle Vertrauen Pilsudskis. In der sogenannten Obersten-Gruppe, die nun­mehr im Auftrage Pilsudskis die Leitung des Staa­tes übernimmt, ist er einer der markantesten Kopfe. 1926 wird Beck Kabinettschef im Kriegsministerium, 1930 Vizepremier und noch im selben Jahre Unter­staatssekretär des Aeußern, 1932 löst er endlich den bisherigen Außenminister Z a l e s k i ab, den letz­ten Vertreter der franzosenhörigen Richtung des vergangenen Regimes.

Damit ist die Periode der polnischen Unter- werfuna unter den Willen des französischen Bun­desgenossen endgültig abgeschlossen. Es tritt eine neue Grundauffassung der polnischen Außenpolitik in Erscheinung, die Pilsudski auf einer ßegionars- taqung im Jahre 1922 einmal so formuliert ha: Man muß den Wert Polens unter fernen gärt­nern erhöhen, man muß überall hoch spielen, nie­mals niedrig." Diese Konzeption, nach der Oberst

Josef Beck ist wohl schon von Geburt her für eine politische Laufbahn bestimmt gewesen. Sem Vater war Vizeminister des polnischen Innen­ministeriums. Im Jahre 1894 im ehemaligen öster­reichischen Kronlande Galizien geboren, besuchte Josef Beck die Schule in Krakau und studierte dann in Lemberg und Wien. Als der Weltkrieg ihn in der Hauptstadt der österreich-ungarischen Monarchie überraschte, trat der Zwanzigjährige sofort in die polnische Legion ein. Er gehört zu den Männern der ersten Brigade Pilsudskis. Bei Kriegs­ende steht er auf gefährlichem Posten in der Ukraine, wo er insgeheim das Polentum für den kommenden grohpolnifchen Staat organisiert. Nach Errichtung des selbständigen polnischen Staates kehrt er heim, um kurze Zeit darauf als Kommandant einer Rei­tenden Batterie in den Krieg zu ziehen gegen Sowjetrußland. Es folgt dann eme Tätigkeit im Generalstab, und in t' C1~* ""

ihn besondere diplomatische nien, nach Frankreich und Belgien.

Aber seine Tätigkeit als Militärattache in Paris dauert nicht sehr lange Er kehrt 1923 nad) Warschau zurück, quittiert den Dienst und begibt sich in eine entbehrungsreiche Opposition zu der

Beck zäh und klug gearbeitet hat, ist gekennzeichnet durch soldatischen Mut wie durch nüchterne Real­politik. Sie sand ihren klarsten Ausdruck in dem polnisch-russischen Nichtangriffspakt und in dem deutsch-polnischen V e r st ä n - digungsabkommen, an dessen Zustande­kommen der jetzige polnische Außenminister maß­gebendsten Anteil hatte. Wenn Josef Beck nun zu feinem ersten offiziellen Staatsbesuch in Berlin weilt, so begrüßt das deutsche Volk in ihm einen tapferen Soldaten, einen kluaen Politiker und den Schrittmacher einer friedlichen deutsch-polnischen Verständigung, die ihre Früchte für die beiden Nachbarvölker wie für den Frieden Europas be­reits getragen hat.

Man weiß, daß die Engländer den Franzosen die selbständige Anknüpfung von deutsch-französischen Gesprächen nahegelegt haben. Wenn die Franzosen den Fall in absehbarer Zeit ernsthaft ine Auge fas- fen sollten, so werden sie uns zunächst natürlich mit der Frage kommen: Wie habt ihr's nun mit dem Oft patt? Die Oeffentlichkeit weiß, welche Be­denken wir im Hinblick auf die Kompliziertheit und Unübersichtlichkeit der Dinge im Osten, die ja bis zum Stillen Ozean reichen, gegen regionale Bei­

standspakte haben, selbst wenn durch den Druck der Westmächte die litauische Frage in ein anderes Licht gerückt werden könnte. Der polnische Außen­minister steht ebenfalls auf dem deutschen Stand­punkt, daß der Frieden im Osten am besten ge­sichert ist, wenn die verschiedenen Nachbarn in zweiseitiger Verständigung die zwischen ihnen schwebenden Fragen bereinigen und die gegenseitige Nichtangriffsverpflichtung übernehmen.

Die Aussprache in Berlin wird sicher der Vertie­fung dieser Grundgedanken dienen und darüber hinaus die wirtschaftliche Verankerung des politischen Vertrages fördern. Die Probleme, die durch die Londoner Abmachung vom 3. Februar und die daran anschließende Entwicklung aufgerollt wurden, können die deutschen und die polnischen Staatsmänner ganz ohne Leidenschaft und bei­nahe akademisch behandeln, wenn sie in der Ostpakt­frage einig sind und einig bleiben wollen. Gerade in diesen Tagen, kurz nach dem Abschluß in Lon- don, werden wir uns anläßlich des polnischen Be* suches gerne der Tatsache erinnern, daß die Auf­geschlossenheit und Beweglichkeit entschlußfreudiger polnischer Staatsmänner die erste Bresche schlagen hals-