Ur. 152 Erstes Blatt
185. Jahrgang
Mittwoch, 3. Juli 1935
Erscheint tftgltd), autzer Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte ©iegener Familienblätter Heimat tm Bild Die Scholle
Monats-Vezügspretz:
Mit 4 Beilagen RM. 1.95 Ohne Illustrierte . 1.80 Zustellgebühr .. „ -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt -ternfprechanschlüffe
enter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnach» richten Anzeiger Stehen
Postscheckkonto:
Stonffurt am Main 11688
Gietzener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
druck und Verlag: vrühl'sche Untverfitüts-Vuch- und Steindruckerei R. Lange in Gießen. Schriftleilung und Geschäftsstelle: Schulftraße 7
Annahme von Anzeigen für die Mitlagsnummer bis 8' /,Uhr des Vormitto gs
Grundpreise für 1 mm höhe für Anzeigen von 22 mm Breite 7 Npf.. für Text- anzeigen von70mm Breite
60 Rps „Platzvorschrift oder schwieriger Satz 25°/„ mehr
Ermähigte Grundpreise:
Stellen-, Vereins-, gemeinnützige Anzeigen sowie einspaltige Gelegenheilsanzeigen 5 Npf.,FamiIienanzei- gen, Bäder., Unterrichts- u. behördliche Anzeigen 6Npf. Mengenabschlüsse Staffel B
Gute Nachbarschaft
Der polnische Außenminister, Oberst Beck, in Berlin eingetroffen.
Berlin, 3. Juli. (DJIB. Funkspruch.) Mit dem fahrplanmäßigen Zuge aus Warschau traf am Mittwoch um 8.02 Uhr der polnische Außenminister Oberst Beck auf dem Bahnhof Friedrichstraße ein.
Warum noch mehr Zeit verlieren?
Nichts steht der Anbahnung einer direkten Aussprache zwischen Deutschland und Frankreich im Wege. —Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschuffes der französischen Kammer fordert sofortige Fühlungnahme.
Der polnische Außenminister Oberst Beck. (Scherl-M.)
Minister Freiherr von Neurath, Staatssekretär von Bülow, der deutsche Botschafter in Warschau Don Moltke, der Chef des Protokolls Graf von Baffewih und der Ministerialdirektor der Oslabteilung des auswärtigen Amtes Meyer. Von polnischer Seite waren sämtliche Herren der polnischen Botschaft in Berlin unter Führung des Botschafters Joseph L i p s k i sowie zahlreiche Mitglieder der Berliner polnischen Kolonie anwesend.
Nach der Ankunft unterhielt sich der Außenminister in angeregtem Gespräch mit dem Reichsauhen- minister und begab sich dann durch das Fürsten- zimmer auf den Bahnhofsvorplatz, wo gegenüber dem Bahnhof eine Ehrenkompanie de rLeib - standarte Adolf Hitler mit präsentiertem Gewehr den polnischen Auhenminister ehrte. Nach einem kurzen Dank verabschiedete sich der pol- Nische Auhenminister von den deutschen Herren und fuhr in Begleitung des polnischen Botschafters nach der polnischen Botschaft, wo er während seines zweitägigen Berliner Aufenthaltes Wohnung nehmen wird. Zahlreiche Mitglieder der polnischen Kolonie und viele Berliner wohnten der Ankunft des Gastes bei.
Paris, 3. Juli. (DNB. Funkspruch.) Mit der Frage der deutsch-französischen Beziehungen beschäftigt sich in der radikalsozialistischen „Republique" der Abgeordnete V a st i d, Vorsitzender des auswärtigen Kammerausschusses. Lr schreibt u. a.: Die Atmosphäre scheint heute etwas besser zu sein. Un- ere Oeffentlichkeit steht vielleicht einer freien Aus- prache mit Deutschland nicht mehr ganz so fern wie noch vor einiger Zeit. Ob die Bedingungen für diese Aussprache für uns günstiger sind, ist eine andere Frage. Ich glaube im Gegenteil, dah wir das gröhte Interesse daran gehabt hätten, o schnell wie möglich schon bei der Machtübernahme durch das nationalsozialistische Regime, mit dessen baldigen Sturz zu rechnen eine Vermessenheit war, die Verhandlung anzubahnen. Ich habe nicht das Gefühl, dah ein heute verwirklichtes Abkommen genau denselben Wert haben könnte, wie eine gestern erzielte Verständigung. Wir haben wieder einmal Zeit verloren. Aber nicht desto weniger können wir immer noch aus freien Stücken verhandeln.
Jedoch möchte ich zwei Fragen stellen: Können wir eines Tages nicht doch gezwungen werden, zu verhandeln und schwächt die oblaufende Zeit nicht auf jeden Fall die Vorteile unserer Lage? Die Ereignisse der letzten Wochen bezeugten mit unwiderstehlicher Gewalt, dah jede Politik, die selbst den flüchtigen und trügerischen Anschein einer diplomatischen Li n - kreisung Deutschland besitzt, zum Miherfolg verurteilt ist. England und Italien geben uns vielleicht die mündliche Genugtuung, auf die unsere Eigenliebe Wert legt. Man wird weiterhin von der Unteilbarkeit des Friedens und der Einheitsfront zwischen ihnen und uns sprechen. Aber wenn es darauf ankommt, was bleibt dann von diesen harmonischen Erklärungen?
Inzwischen wächst das Ansehen Deutschlands. Das ist eine Tatsache. Deutschlands Anziehungskraft dehnt sich aus, sogar bis in die Valkangegenden, die bisher überlieferungs- gemäh der französischen Sache zugetan waren. Ich stelle das mit größter Traurigkeit fest. Soll man aber warten, bis die Ereignisse sich vollendet haben? heute braucht Deutschland uns noch: wird das aber immer der Fall fein? Vom Standpunkt un- seres heiligen Egoismus aus — keine Formel trifft heute besser zu als diese — steht nichts der Anbahnung von Besprechungen im Wege. Und was die allgemeine Friedenspolitik anlangt, die wir verfolgen — bisweilen unter Ausschluß und zum Schaden von anderen Gedanken — braucht man da noch zu beweisen, dah sie dadurch keinen Schaden nehmen könnte?
Die Frontkämpfer-Aussprache.
Die deutschen Frontkämpfer am Grabe des unbekannten Soldaten.
i Bei der ersten Vollversammlung der von dem ; Interalliierten Frontkämpferverband veranstalteten , internationalen Konferenz der Frontkämpfer waren i zugegen die Vertreter von elf Mitgliederstaaten, . die im ganzen 10 Millionen Mitglieder umfaßt und die Vertreter von 5 Millionen Frontkämpfern und
In feiner Begleitung befinden sich feine Gattin, seine Tochter, fein Kabinettschef Graf Lubienski sowie der Privatsekretär. Zur Begrühung der polnischen Gäste hat sich auf dem Bahnsteig eingefunden: Staatssekretär Meißner alsvertreter des Führers und Reichskanzlers, Auhen-
Kriegsopfern Deutschlands. Präsident Jean Des« bons wies besonders auf die Tatsache hin, daß die Vollversammlung der alliierten Frontkämpfer zum erstenmal mit den berufenen Vertretern aller deutschen Frontkämpfer zusammentreffe. Der Führer der deutschen Abordnung, Reichskriegsopferführer Oberlindober gab seiner Genugtuung darüber Ausdruck, die persönliche Fühlung aufneh-
Die Reichshauptstadl empfängt den Besuch eines der jüngsten und hervorragendsten Diplomaten des nachkriegszeitlichen Europa. Der polnische Außenminister, Oberst Beck, Hausherr des „Palais Brühl" in Warschau und engster Vertrauter des verstorbenen Marschalls Pilsudski, erwidert die Besuche, die deutsche Minister in diesem und im vergangenen Jahr in Polen gemacht haben. Er trifft zum ersten Male Adolf Hitler, den Mann, der mit Marschall Pilsudski jenes Verständigungsabkommen vom 26. Januar 1934 schloß, das seitdem eine der festesten Stützen des europäischen Friedens und des Aufstiegs Polens zur Großmacht geworden ist. Wie sehr Oberst Beck berufen ist, den außenpolitischen Willen des toten Führers des polnischen Volkes zu vollstrecken, das zeigt die Geschichte seines Lebens und das Vertrauen, das ihm vor allen anderen vom Marschall Pilsudski geschenkt
men zu können. Diese Fühlungnahme diene dazu, das gegenseitiae Kennenlernen und ein besseres Verstehen zwischen den vertretenen Nationen zu fördern. Daran schloß sich eine allgemeine Aussprache, die den Wunsch aller Natwnen bewies, gemeinsam zu arbeiten, um den Wunsch der alten Frontkämpfer nach Aufrechterhaltung des Friedens in der Welt zu verwirklichen. Ein Redaktionsausschuß von 9 Mitgliedern wird der Vollversammlung einen Entschlreßungsentwurf unterbreiten. Im Anschluß an die Vollversammlung fand am Abend ein geselliges Beisammensein statt.
Die Abordnung der deutschen Frontkämpfer legte am Grabe des unbekannten Soldaten einen großen Kranz nieder. Die Schleife trug die Inschrift „Dem unbekannten französischen Soldaten — die deutschen Frontkämpfer". Als der Führer der deutschen Abordnung Oberlindober den Kranz niederlegte, senkten sich die spalierbildenden Fahnen mehrerer ausländischer Kriegsteilnehmer-Verbände (Frankreich, Italien, Portugal, England und Amerika) über der ewigen Flamme. Die Deutschen verharrten mit erhobener Hand einen Augenblick vor dem Grabe.
Herriol empfängt die deutschen Frontkämpfer.
Paris, 2. Juli. (DNB.) Die 50 deutschen Frontkämpfer, die, wie schon gemeldet, ihre französischen Kameraden von der Vereinigung lungenverletzter französischer Frontkämpfer nach ihrem Besuch in Stuttgart nach Frankreich begleitet hatten, wurden im Rathaus von Lyon von Staatsmi- nist er und Oberbürgermeister herriot herzlich willkommen geheißen. Der Leiter der deutschen Kriegsteilnehmer-Abordnung gab dem Wunsch nach einer Versöhnung, nicht allein zwischen den deutschen und französischen Frontkämpfern, sondern zwischen den beiden großen Völkern Ausdruck. Staatsminister herriot erklärte, daß auch er die Annäherung der beiden großen Völker wünsche. Er fuhr dann fort: „Wenn unsere beiden großen Länder noch einmal versuchen würden, sich gegenseitig zu zerfleischen, so würde das den Untergang bedeuten. Wenn ein altes Sprichwort sagt „Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer", so müssen wir bedenken, dah die erste Schwalbe Mut benötigt, um die anderen mit sich hu ziehen. Ich begrüße in Ihnen, die erste Schwalbe des Frühlings."
Die Fühlungnahme zwischen deutschen und französischen Frontkämpfern findet in der Presse geteilte Aufnahme. „L'Jnformation" schreibt: Wir zweifeln nicht an dem guten Glauben derer, die auf dem Schlachtfeld unsere Gegner waren und heute mit versöhnlichen Worten zu uns kommen. Aber um wievieles glücklicher wären wir, wenn wir wüßten, daß sich ihre friedliche Haltung verallgemeinern und ihre Aktion in Deutschland selbst ihre Früchte tragen würde. Es unterliegt keinem Zweifel, daß
Frankreich sich mit Deutschland zu verständigen wünscht. Der Wille zur Zusammenarbeit am Werke des Friedens muß aber beiderseits gleich stark sein und in allen Dingen zum Ausdruck kommen. — „Liberty" schreibt: Die französischen Frontkämpfer glauben, sie arbeiten an der deutsch-französischen Annäherung. Wir müssen ihnen entgegenhalten, daß sie sich da auf dem Holzwege befinden. Die Verbände französischer ehemaliger Frontkämpfer haben weder die erforderliche Eignung noch die notwendige Autorität, um bei den Verhandlungen mit Deutschland die Stelle der Regierung einzunehmen. Sie sind in Wirklichkeit Privatleute. Die Deutschen sind Partner, die man fürchten mußt, einmal, weil sie verschlagen sind, und bann, weil sie einig sind. Möge man französischerseits doch so vorsichtig sein und mit ihnen über internationale Fragen durch den einzig zulässigen Vermittler sprechen, nämlich die Regierung der Republik.
„E x c e 1 s i o r" erklärt, zum erstenmal finden sich offiziell die Frontkämpfer beider Lager zusam- men. Die ehemaligen alliierten Frontkämpfer wollen der Vergangenheit nicht Rechnung tragen, heben jedoch folgende beiden Punkte heraus: 1. Die Verträge müssen als unantastbar gelten. Ihre volle oder teilweise Aenderung kann nur mit Zustimmung der Kontrahenten erfolgen. 2. Der Krieg ist keine Lösung für entstehende Streitigkeiten. Das Schiedsgerichts verfahren ist für alle schwebenden Fragen geboten. Sind die ehemaligen deutschen Frontkämpfer entschlossen, diesen beiden Punkten vorbehaltlos zuzustimmen?
Abessinien ans -er Tagesordnung der heutigen Kabinettssihung in London.
Ernste Gorge der britischen presse um die Stellung des Völkerbundes.
London, 3. Juli. (DNB. Funkspruch.) Das Kabinett wird am heutigen Mittwoch seine erste Vollsitzung feit der Rückkehr Edens von seiner Reife nach Paris und Rom abhalten. Verschiedene Blätter erwarten, daß das Kabinett heute grundsätzliche Schlußfolgerungen ziehen und über seinen künftigen politischen Kurs entscheiden wird. Die Schlußfolgerungen und Entscheidungen dürften die Grundlage der für Donnerstag nächster Woche erwarteten außenpolitischen Unter« Haus-Erklärung bilden.
Das Organ der Arbeiterpartei „Daily Herold" schreibt: Das Kabinett hat heute der ungemein ernsten abessinischen Lage gegenüberzutreten. Die vorherrschende Ansicht ist, daß der Völkerbund in entscheidender Weise vorgehen muß, um einen Friedensbruch durch Italien.zu verhindern, falls nicht der Völkerbund selbst und das System der kollektiven Sicherheit endgültig aufgegeben werden sollen.
Da Mussolini jede Anregung eines Kompromisses verworfen hat, ist der einzig mögliche Kurs der, Italien zu warnen, dah wirtschaftliche Sanktionen zur Anwendung gebracht werden würden, falls es unter Verletzung der Völkerbundssahung zum Kriege schreitet. Line solche Warnung kann natürlich nicht von einer einzigen Macht ausgehen, sie muß vom Völkerbundsrat kommen, und dies kann nur geschehen, wenn feststeht, dah die Hauptmitglieder bereit sind, gegebenenfalls der Warnung entsprechend zu handeln. Der erste Schritt besteht somit in der Feststellung, ob die anderen Vötkerbundsmachte, besonders Frankreich/ bereit sind, der Völkerbundssahung gesetzliche Gültigkeit zu.geben. Das Kabinett wird also heute zu entscheiden haben, ob diese schicksats-
rourbe.
den folgenden Jahren führen atische Missionen nach Rurnä-
damaligen polnischen Regierung. Als dann 1926 Pilsudski sich anschickt, den durch die Parteien verwirtschafteten Staat zu erobern, ist Josef Beck wieder an seiner Seite. Bei der Einnahme Warschaus durch die revoluttonären Truppen spielt er eine hervorragende Rolle. Von diesem Zeitpunkt an genießt Beck das volle Vertrauen Pilsudskis. In der sogenannten Obersten-Gruppe, die nunmehr im Auftrage Pilsudskis die Leitung des Staates übernimmt, ist er einer der markantesten Kopfe. 1926 wird Beck Kabinettschef im Kriegsministerium, 1930 Vizepremier und noch im selben Jahre Unterstaatssekretär des Aeußern, 1932 löst er endlich den bisherigen Außenminister Z a l e s k i ab, den letzten Vertreter der franzosenhörigen Richtung des vergangenen Regimes.
Damit ist die Periode der polnischen Unter- werfuna unter den Willen des französischen Bundesgenossen endgültig abgeschlossen. Es tritt eine neue Grundauffassung der polnischen Außenpolitik in Erscheinung, die Pilsudski auf einer ßegionars- taqung im Jahre 1922 einmal so formuliert ha: Man muß den Wert Polens unter fernen gärtnern erhöhen, man muß überall hoch spielen, niemals niedrig." Diese Konzeption, nach der Oberst
Josef Beck ist wohl schon von Geburt her für eine politische Laufbahn bestimmt gewesen. Sem Vater war Vizeminister des polnischen Innenministeriums. Im Jahre 1894 im ehemaligen österreichischen Kronlande Galizien geboren, besuchte Josef Beck die Schule in Krakau und studierte dann in Lemberg und Wien. Als der Weltkrieg ihn in der Hauptstadt der österreich-ungarischen Monarchie überraschte, trat der Zwanzigjährige sofort in die polnische Legion ein. Er gehört zu den Männern der ersten Brigade Pilsudskis. Bei Kriegsende steht er auf gefährlichem Posten in der Ukraine, wo er insgeheim das Polentum für den kommenden grohpolnifchen Staat organisiert. Nach Errichtung des selbständigen polnischen Staates kehrt er heim, um kurze Zeit darauf als Kommandant einer Reitenden Batterie in den Krieg zu ziehen gegen Sowjetrußland. Es folgt dann eme Tätigkeit im Generalstab, und in t' C1~‘* ""
ihn besondere diplomatische nien, nach Frankreich und Belgien.
Aber seine Tätigkeit als Militärattache in Paris dauert nicht sehr lange Er kehrt 1923 nad) Warschau zurück, quittiert den Dienst und begibt sich in eine entbehrungsreiche Opposition zu der
Beck zäh und klug gearbeitet hat, ist gekennzeichnet durch soldatischen Mut wie durch nüchterne Realpolitik. Sie sand ihren klarsten Ausdruck in dem polnisch-russischen Nichtangriffspakt und in dem deutsch-polnischen V e r st ä n - digungsabkommen, an dessen Zustandekommen der jetzige polnische Außenminister maßgebendsten Anteil hatte. Wenn Josef Beck nun zu feinem ersten offiziellen Staatsbesuch in Berlin weilt, so begrüßt das deutsche Volk in ihm einen tapferen Soldaten, einen kluaen Politiker und den Schrittmacher einer friedlichen deutsch-polnischen Verständigung, die ihre Früchte für die beiden Nachbarvölker wie für den Frieden Europas bereits getragen hat.
Man weiß, daß die Engländer den Franzosen die selbständige Anknüpfung von deutsch-französischen Gesprächen nahegelegt haben. Wenn die Franzosen den Fall in absehbarer Zeit ernsthaft ine Auge fas- fen sollten, so werden sie uns zunächst natürlich mit der Frage kommen: Wie habt ihr's nun mit dem Oft patt? Die Oeffentlichkeit weiß, welche Bedenken wir im Hinblick auf die Kompliziertheit und Unübersichtlichkeit der Dinge im Osten, die ja bis zum Stillen Ozean reichen, gegen regionale Bei
standspakte haben, selbst wenn durch den Druck der Westmächte die litauische Frage in ein anderes Licht gerückt werden könnte. Der polnische Außenminister steht ebenfalls auf dem deutschen Standpunkt, daß der Frieden im Osten am besten gesichert ist, wenn die verschiedenen Nachbarn in zweiseitiger Verständigung die zwischen ihnen schwebenden Fragen bereinigen und die gegenseitige Nichtangriffsverpflichtung übernehmen.
Die Aussprache in Berlin wird sicher der Vertiefung dieser Grundgedanken dienen und darüber hinaus die wirtschaftliche Verankerung des politischen Vertrages fördern. Die Probleme, die durch die Londoner Abmachung vom 3. Februar und die daran anschließende Entwicklung aufgerollt wurden, können die deutschen und die polnischen Staatsmänner ganz ohne Leidenschaft und beinahe akademisch behandeln, wenn sie in der Ostpaktfrage einig sind und einig bleiben wollen. Gerade in diesen Tagen, kurz nach dem Abschluß in Lon- don, werden wir uns anläßlich des polnischen Be* suches gerne der Tatsache erinnern, daß die Aufgeschlossenheit und Beweglichkeit entschlußfreudiger polnischer Staatsmänner die erste Bresche schlagen hals-


