Ausgabe 
3.6.1935
 
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Hr.127 Dritter Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhefsen)

Montag, 3. Zum 1935

Die Abenteuer des Autos.

Oie aufregenden Erlebnisse seiner Erfinder und seiner ersten Meister. Von der Benzinkutsche bis zum Grand prir!914.

Von Lldo Wolter.

iil

Dierasende Petroleumlampe".

Der fünfte Automobilbesitzer überhaupt und erste Autofahrer der Reichshauptstandt war der Begrün­der der Firma Hertzog. Noch heute führt der Wagen des jetzigen Besitzers die Nummer I A 1, die man ihm aus Gründen der Pietät gelassen hat. Es war auch wirklich nicht so einfach, damals das Auto in Berlin einzuführen.

Schon als Hertzog die Absicht verlauten ließ, sich einen Wagen zuzulegen, beschworen ihn Freunde und Bekannte, davonn abzustehen. Man hielt es für Mord, sich so einem Gefährt anzuvertrauen. Nie­mand glaubte ernsthaft daran, daß diese knat­ternden, stinkenden Kasten jemals die vornehme Kutsche, auf keinen Fall aber die Dier- und Sechsspänner verdrängen würden.

Außerdem hatte das Fahren noch seine Schwierig­keiten. Selbst die Erfinder glaubten nicht, daß ein Fahren mit dem Motorwagen bei starkem Winde möglich sei. Schon die hohen Aufbauten boten den Böen starken Widerstand. Hinzu kamen die primitiven technischen Einrichtungen. Das Steuerrad war unbekannt, ein Steuerknüppel, der infolge des hohen Kutschbaues eine beträchtliche Länge aufwies, bewegte die Vorderräder. Bei star­ken Kurven kostete es Mühe genug, ihn schnell ge­nug herumzuwerfen, damit man nicht von der Straße geriet, Brüche waren nicht selten. Die ver- schiedenen Geschwindigkeiten wurden nur durch einen einzigen Hebel geregelt, der einen Riemen über einer Riemenscheibe bewegte und dadurch schaltete. Da der Riemen oft genug riß, beschränk­ten sich die Fahrer meist auf eine Geschwindig­keit.

Am schlimmsten war es mit der Zündung. Sie war das Haupthindernis für eine Fahrt im Winde. Gezündet wurde mit einer kleinen Petro­leumlampe, die einen Porzellanzylinder zum Glühen brachte. War die Geschwindigkeit mäßig, ging alles in Ordnung. In dem Augenblick, wo ein Berg erreicht wurde, mußte man aussteigen und die Motorkutsche hinaufschieben. Bei der sausen­den Talfahrt, bei der sich oft genug die Leder­bremsen aufrieben, erlosch die Lampe. Dann begann die Arbeit des Zündens von neuem. Bei starkem Wind oder böigem Wetter war diese Lampe nun überhaupt nicht in Brand zu bekommen. Selbst die größten Automobiltechniker jener Zeit waren überzeugt, daß ein Fahren bei Wind ein Ding der Unmöglichkeit bleiben würde.

Als H e r tz o g seinen Teufelskarren nach Berlin brachte, ging es ihm, wie allen anderen zuvor. Ein Riesenauflauf, Gelächter, Zurufe, Kopfschütteln, wohlmeinende Ratschläge, wieder zur Kutsche zu­rückzukehren, Todesängste innerhalb der Familie und eine Reihe von weiteren Annehmlichkeiten. Der Berliner Witz hatte bald einen Namen für das Vehikel. In kurzer Zeit wußte ganz Berlin um die Rasende Petroleumlampe" Bescheid. Die Berliner Gesellschaft verhielt sich ablehnend. Ent­weder man hielt sich feine Pferde oder man lief zu Fuß. Anderes wurde nicht anerkannt. Auto galt als nicht gesellschaftsfähig.

Trotzdem blieb der erste Berliner Fahrer seinem Wagen treu. An einem Sonntag holte er einen Freund zu einer Spazierfahrt ab. Zischend, fauchend und rasselnd fuhr das Gefährt in die stille Straße Am Karlsbad" ein. Fenster wurden aufgerissen, alles sah dem Ungeheuer nach. Hertzog hielt. Mit ungeheurem Getöse kam das Gefährt vor dem Haufe des Freundes zum Stehen. Bald ging die Fahrt zu

Zweien weiter. Niemand ahnte die Folgen, die sie haben sollte.

Am nächsten Tage erschien der Wirt in der Woh­nung. Stumm legte er einen Brief auf den Tisch und verschwand. Er enthielt die Kündigung, weil durch den Wohnunasinhaber einederartige sittenwidrige Maschine" in die Straße gelockt worden war. Anschließend kam es dann zur Räumungsklage. Noch heute befinden sich die Akten einer ähnlichen Angelegenheit im Archiv des Berliner Kammergerichtes, in denen einer Exmission stattgegeben wurde, weilder pestartige Gestank und der furchtbare Lärm" der Petroleumkutsche den gu­ten Ruf und das bürgerliche Ansehen des Miets­herrn für immer schädige...

Matter von Molo kann nicht mehr hatten.

Zu den ersten Fahrern gehörte auch der Dichter und damalige Ingenieur Walter von Molo. Aus­gerüstet mit bis unter das Kinn geschlossenem Staubmantel, Sturmhaube und Brillenmaske jagte er durch die Berliner Straßen. Irgendwie hatte er die damals noch äußerst geheimnisvollen und sich widersprechenden Vorschriften für Höchstgeschwindig­keiten überschritten.

Ein Schutzmann forderte zum Halten auf. Als der Verkehrssünder dem Befehl nicht nachkam, grif­fen zwei berittene Schutzleute, denen bei der wilden Jagd einige weitere folgten in das Geschehen ein. Zuletzt raste eine ganze Kavalkade dunkel­blauer Gestalten mit Pickelhaube und geschwunge­nem Säbel hinter dem unglückseligen Opfer her. Vergeblich, daß der Verfolgte zu halten suchte. Fluchend mußte er bei der wilden Jagd feststellen, daß irgendetwas nicht in Ordnung und der Wagen nicht zum Stehen zu bringen war. Keine Schaltung half. Schließlich riß sogar noch die Steuerübertragung. In wilden Kurven, dicht an dem Bürgersteig vorbei, ging die tolle Fahrt zur Stadt hinaus. Entsetzt drängten sich die Spazier­gänger an die Mauer. Kutschpferde wurden wild. Vorüber an den derben Flüchen der Lenker raste der Wagen mit seinem ihm hilflos ausgelieferten Opfer davon.

Erft draußen vor der Stadt, im heutigen Char- lottenburg, brachte dann der Gegenwind das Ge­fährt langsam zum Stehen ...

Daß der Wagen durchging und dem Fahrer nicht gehorchte, kam mehr als einmal vor. Am Boden der meisten Typen befand sich eine Schraube, die im­merfort nachgestellt werden mußte, damit der Wagen in Fahrt blieb. Auch der Luft- und Gas- Hebel mußte stets bedient und neu eingestellt werden, damit keine Stockungen eintraten.

Die ersten Wagen verfügten über vier bis sechs PS. Gerieten sie in Schwung, kamen sie an die Vierzig-Kilometer-Grenze heran. Explosio­nen waren nicht allzu selten. Manche Fahrer hatten darin bereits ihre Erfahrungen. Wurde es gefähr­lich, so sprangen sie ab, nicht ohne vorher die Brenn­stoffzuleitung abgesperrt zu haben.

Während die ersten Wagen auf Dollgummi liefen, kamen mit der allgemeinen Verbesserung von Motor und Chassis die Luftreifen auf. Der schlechte Zustand der Chausseen, die auf keinen Kraftverkehr eingerichtet waren, brachte unzählige Reifen­pannen mit sich. Zu einer gewöhnlichen Ausfahrt wurden zwei bis vier Refervefchläuche mitgeführt. Die Beleuchtung war Karbid. Da die Lampen noch sehr unvollkommen und halboffen waren, flackerten und stanken sie entsetzlich. Der Karbid­geruch machte die Pferde scheu. Oft genug hatte der

Hotelgast in Japan.

Von Alfred Wiedenbrück.

Die blühenden Kirschbäume an den Ufern kleiner, stiller Gewässer, die Tempel und alten Pagoden durch einen zarten unerklärlichen Schleier der Gegenwart fremd geworden, das Geheimnisvolle der schmalen Gäßchen, der Häuser, stehen geblieben aus einer großen Vergangenheit, und überall der Schatten von Jahrhunderten, das alles ließ uns, eine runde Stunde hinter Kyoto, in einem japani­schen Hotel Rast machen.

Es gab kein anderes in Nara. Vielleicht auch haben wir uns nicht erst bemüht, eines zu suchen. Und warum sollten wir nicht auch einmal das gast­liche Heim der reisenden Japaner kennenlernen? Gab es denn da einen so großen Unterschied, von dem man uns des öfteren erzählte?

Obwohl sich die Einrichtungen und die Art der Bedienung von den Anforderungen anderer europä­ischer Länder deutlich unterscheiden, ist es doch nicht schwer, die Vorschriften eines japanischen Hotels einzuhalten.

Was gab es da schon?

Bei der Ankunft wurde uns sofort das beste Zimmer gezeigt, das uns zur Verfügung gestellt wurde. Die Schuhe wurden ausgezogen; sie find in japanischen Häusern nicht erlaubt, also auch nicht in den Hotels. Die Hausschuhe, die bereitstehen, dürfen aber auch wieder nur auf den Gängen be­nützt werden, während es streng verboten ist, mit ihnen das Zimmer zu betreten. Schuld daran sind die Tatami. Die feinen, zarten, geflochtenen Matten, die man in allen japanischen Häusern findet, und die den spiegelnden, sauberen Boden bedecken. Das kleine Handgepäck kann mitgenommen werden, wäh­rend das große Gepäck unweigerlich auf dem Flur seinen Platz findet, wieder um die berühmten Tatami nicht zu beschädigen. Dann wird das Nadochi gebracht. Es ist das Hotelbuch, in das man feinen Namen, fein Alter, feine Herkunft unb feinen Beruf einträgt. Der Preis wird sofort für das Zimmer ausgemacht, und auch die Dauer des Auf­enthaltes. Damit wären die Formalitäten erledigt.

Nun haben wir unser Zimmer. Es ist das schönste des Hotels. Wir sehen durch die breiten offenen Schiebefenster auf die Hügel, über die Dächer, und die blühenden Kirschbäume, das Heranwachsen einer Pagode und eines Tempels bringt uns den ganzen Zauber dieses Tages im fremden Haus.

Das Zimmer ist hell und freundlich, obwohl es den Eindruck eines Gartenzimmers macht, das man in einem aus dünnen Gerten geflochtenen Hause bewohnt. Am besten ist es, den spiegelnden Boden nicht zu betreten und selbst auf den Matten lang'

sam und fürsorglich zu gehen. Auch haben wir einen heiligen Platz", wie er in jedem Zimmer zu fin­den ist. Es ist derTokonoma" und sieht wie ein Podium aus, das aus einem wundervollen kost­baren Holz an der einen Seite des Zimmers er­richtet ist. Das Behüten dieses heiligen Platzes wird jedem Gast zur Psiicht gemacht. Auf dem Boden finden wir die feinenen, weichen Polster statt der Stühle, und es bleibt schließlich dem Gast über­lassen, in welcher Art und Weise er sich auf diese Seide setzt.

Das Klatschen der Hände erfüllt den Wunsch des Gastes, die Zimmermädchen herbeizurufen; das Klatschen ist zweifellos reizvoller als der Druck auf die elektrische Klingel.

Das Bett wird gebracht,wann immer es der Gast wünscht", es ist ein zierliches dünnes Ge­flecht, aber es schläft sich gut darin; es wird weg- getragen, wann der Gast ausgeruht hat; dafür dür­fen aber die Türen und Fenster während der Nacht nicht geöffnet werden, welche Anordnung manzu respektieren" ersucht. Die Häuser in Japan sind des­halb so gebaut, daß troß der geschlossenen Türen und Fenster niemand um seine Gssundhoit besorgt zu sein braucht, wie uns der Besitzer treu versicherte. Die angebotenen Nachtgewänder können angenom­men ober ab gelehnt werben; die Japaner nehmen sie an, die Europäer lehnen sie entschieden ab. Das Frühstück wird europäisch dargereicht, kann aber auch nach der Sitte des Landes bestellt werden, was auch von den übrigen Mahlzeiten gilt; der Unter­schied liegt bloß darin, daß die europäischen Speisen meist erst von einem Restaurant geholt werden müs­sen, wofür man den Weg und einen diesbezüglichen Aufschlag zu zahlen hat. Der Waschraum ist ge­meinschaftlich; es macht keinen guten Eindruck, wenn man sich allein wäscht, auf feinem Zimmer. Wohl darf man sich auf feinem Zimmer rasieren. Das gemeinsame Bad ist üblich, kann aber auf dringendes Ersuchen beim Stubenmädchen für eine halbe Stunde reserviert werden. Die Badewanne ist nicht da, um sich darin zu waschen; das ist ein besonderes Kapitel. Der Japaner wäscht sich außer­halb der Badewanne, benützt bann bie Wanne, beim das Bad dient nur dazu, um sichzu er- wärmen". Auf keinen Fall darf eine Seife in der Wanne benützt werden, da sie von allen übrigen Gästen benützt wird. Das Wasser bleibt bann immer gleich heiß, denn der Japaner liebt das heiße Bad.

Die Bezahlung der Rechnung kann täglich ge­schehen. Frühstück und Abendbrot ist üblich; das Mittagessen wird eigens berechnet. Nach einem allen Brauch bekommt der Geschäftsführer ein Tee- gelb,Chaida", was ungefähr breißig vom Hundert 1 ausmacht, und das Stubenmädchen zehn vom Hun-

Fahrer Zusammenstöße mit rabiaten Kutschern, die mit der Peitsche nach den Wageninsassen schlugen, sich hinterdrein noch bei dem Gendarmen beschwer­ten und den Fahrer wegen Ueberschreitung der Höchstgeschwindigkeit anzeigten. Eine Anklage, der auch meistens stattgegeben wurde, da die Landjäger sehr wenig von Geschwindigkeit ver­standen.

Auffallend war die ungewöhnliche Höhe der ersten Kraftdroschken. Das ging auf eine polizeiliche Vorschrift zurück, nach derein großer Offizier" mit Helm oder ein großer Kavalier mit Zylinder" darin fitzen können mußte, ohne an die Decke zu stoßen. Die Vorschrift hielt sich sehr lange, bis die neue Wagenkonstruktion sie einfach über den Haufen warf.

Erste Remisahtt 1894.

Das erfte Autorennen der Welt wurde von Paris nach Rouen gefahren. Es wies eine Be­setzung auf, wie sie später nie mehr bei einem Auto­rennen erreicht wurde. Gegen hundert Wagen stellten sich zum Start...

Im Frühling 1894 hatteLe petit Journal, eine vielgelesene Zeitung, die bereits einige Jahre vorher eine Reihe von Preisen für das erste Straßenren­nen von Fahrrädern gestiftet hatte, einen Aufruf erlassen, in dem Nennungen für ein Straßen­rennen von Motorwagen, das von Paris nach einem noch näher festzulegenden Ziel und wieder nach der Hauptstadt zurückführen sollte, an­gefordert wurden. Fünftausend, zweitausend, tau- senfünfhundert und tausend Franken, sowie eine Reihe von kleineren Barpreisen winkten dem Sie­ger. Der Erfolg war ungeheuer. Don allen Teilen Frankreichs, sowie aus dem Auslände liefen Schrei­ben ein, in dem die Besitzer von Motorwagen ihre Teilnahme an dem Rennen ankündigten.

Schwierige Verhandlungen mit den Behörden be­gannen. Als Gegenziel wurde schließlich, trotz des Protestes vieler Stadtbewohner, die sich gegen eine Invasion der Teufelskarren wehrten, Rouen be­stimmt. Die zuerst geforderte Durchschnitts­geschwindigkeit von siebzehn Kilo­metern mußte auf Betreiben des Magistrats von Paris auf zwölf herabgesetzt werden, da die anfäng­lich geforderte Renngeschwindigkeit den Behörden für Straßen, Wagen und Menschen zu gefähr - l i ch erschien.

Am frühen Morgen des achtundzwanzigsten Juli wimmelte es auf der Straße zur Porte Maillot bei Paris von Menschen. Zurufe und Gelächter gingen hin und her, man versprach sich einen ungeheuren Spaß. Einige Aengstliche hielten sich zurück. Sie wollten dem Start nur aus der Ferne zusehen.

Zwischen der Menge rannten Heine Zeitungs­verkäufer umher und riefen dasPetit Journal aus, dessen Verkauf ein Bombengeschäft für den geschäftstüchtigen Verlag wurde. Wie Schwärme weißer Tauben flatterten da unb bort, von winken- ben Händen lebhaft bewegt, Taschentücher durch die Luft. Paris, wie es sich auf dem Rennplatz von Auteuil uxid im Parterre der (Broten Oper zusam- menfanb, gab sich hier ein Stellbichein.

Nicht all" der gemeldeten Fahrzeuge waren ein- getroffen. Aber was sich hier zusammenfand, war bunt genug. 26 Dampfwagen, darunter uralte Konstruktionen, sowie eine grobe Anzahl von Elektromobilen, Hybrowobilen. Wooen mit Gas- unb Preßluftmotoren, bie ersten Benzinbroschken und mechanisch betriebene Konftruktiansungetüme füllten den Platz. Bewunderung der Menge erregte ein Wagen, der mitkomprimiertem Was - f e r" getrieben wurde.

Mehrere Stunden vergingen, bis die Wagen start­fertig waren. Die Mmge wurde ungeduldig. Drei Leute wurden abgeführt, weil sie mit Steinen nach den Lenkern geworfen hatten. Endlich konnte dann der Start vonstatten gehen.

Raffelnd, fauchend und zischend setzten sich bie Un­getüme langsam in Bewegung. Ohrenbetäu- bendesGetöselag über dem Platze. Ueberängst- liche zogen sich zurück. Sie befürchteten Explosionen.

bert. Das Mäbchen kassiert ein. Da biefes Teegeld aber als unangenehm empfunden wurde, soll es abgeschafft werden.

Das alles sieht etwas sonderbar aus; in Wirk­lichkeit aber verlieren sich diese sonderbaren Wün­sche und Anordnungen; man lebt sich bald ein in dem fremden Haus. Man lernt die ganze Poesie dieses reizvollen Lebens kennen, man fühlt sich wohl in dem spiegelnden, leeren Zimmer, macht einen Umweg um die heilige Ecke, schreitet langsam über die weichen Matten, spürt die Behaglichkeit der Polster, die Gäste kommen, und man lernt die ur­alten Sitten des Anrichtens und Servierens des Tees, läßt sich das Einstellen der Blumen in die hohen, feinen, zarten Vasen erklären, was alles nach einem uralten Brauch vor sich geht. Und man empfindet schließlich die Harmonie, die von diesem Zimmer ausgeht, im Verein mit der Landschaft draußen, dem Blühen der Bäume, dem zwitschernden Sprechen junger Japanerinnen. Man sitzt da und läßt alles dieses Sonderbare auf sich zukommen, man kommt heim von Entdeckungsfahrten durch diese geheimnisvolle uralte Stadt, aus den sonder­baren Tempeln. Das hölzerne Geläut von Glocken hören wir, und vergessen es nimmer, den Gesang der Vögel, das Aufflattern der Wildenten aus dem Schilf.

Und dann sind wir in der stillen Nacht allein, in diesem japanischen Hotel; allein, wie in einem pri­vaten Zimmer. Und haben deutlich das Gefühl, daß es so sein muß, alles, wie man es von uns verlangt, wie sich dieser Tag abspielt, damit wir die Seele dieses Landes, das Fremde so verspüren, wie es uns am angenehmsten ist und am sichersten in uns zur schönen Erinnerung wird. Diese Tage in einem japanischen Hotel.

Tlamensimerftoürbigfeifen in der Literatur.

Bei vielen primitiven Völkern geht vom Namen eine geheimnisvolle Kraft aus, und er ist in ihrer Dorstellungswelt ebenso verletzlich wie der Mensch selber. Man darf ihn nicht ungestraft aussprechen, wenn man. Böses im Schilde führt. Aber auch die Menschen unseres Zeitalters hegen noch im Un­bewußten den Glauben an eine magische Verbun­denheit von Namen und Namensträger. Fon­tane sagte einmal:,Es ist merkwürdig, daß manchem Namen etwas wie eine mystische Macht innewohnt, eine Art geistiges Fluidum, das in rätselhafter Weise weiterwirkt." Bekannt ist Goe­thes Ausspruch, daß der Name um den Menschen nicht bloß wie ein Mantel sei,an dem man allen­falls noch zupfen und zerren kann, sondern ein vollkommen passendes Kleid, ja wie die Haut selbst

Manchmal sah es wirklich so aus, als ob einer dieser Rennwagen indieLuftgehen wollte.

Ein großer Teil blieb nach den ersten hundert Meter liegen. Die anderen ächzten, in Staub- und Dampfwolken gehüllt, durch die Landschaft. Mit an= spornenden Zurufen lief die Jugend neben den fauchenden Ungetümen her.

In vielen Dörfern, durch die die Fahrt ging, hatten die Bauern Türen und Fenster verschlossen und sich indieHäuserverkrochen. An anderer Stelle waren vor dem Dorfeingang Steinbarrikaden errichtet, die erst beiseite geräumt werden mußten. Ein Dampfwagen, der sich tapfer hielt, leistete gute Dienste. Mit seiner ungeheuren Zentnerlast fuhr er knirschend über jeden Widerstand hinweg.

126 Kilometer betrug die Rennstrecke. Von den ge­starteten Fahrzeugen erreichten fünfzehn das Ziel. Sieger wurden zwei französische Wagen. In fünf Stunden und fünfzig Minuten bewältigten sie mit einem Stundendurchschnitt von über zwanzig Kilo­meter die Strecke und teilten sich den Preis.

Der Erfolg für die langsam aufblühende deut­sche Automobilindustrie war ungeheuer. Beide Fir­men Panhard-Levassor und Peugeot, die die Siegerwagen stellten,, hatten Daimler- Motoren in ihren Wagen. Der errungene Sieg wurde entscheidend für den Aufstieg des Daimler- Motors. An fünfter Stelle lag ein deutscher Benz­wagen. Sowohl die Wagen und Motoren von Daimler als auch von Benz fanden jetzt mehr noch als in ihrem Vaterlande, wo man sich ablehnend verhielt^» ungeheuer schnellen Eingang in Frank­reich. Beide Werke wuchsen. Mit der immer stär­ker werdenden wirtschaftlichen Kraft konnten sie auch den Kampf gegen das deutsche Vorurteil gegen­über dem Motorwagen aufnehmen. Kehrten zuerst die Benzwagen über Frankreich und England nach Deutschland zurück, so hatte das Werk solche Tarnung bald nicht mehr nötig.

Wer weiß, wie die Sache ausgegangen wäre, wenn das Rennen von Paris nach Rouen unb der damit verbundene ungeheuere Verkaufserfolg nicht gewesen wäre ...

(Fortsetzung folgt!)

Aus der Pwvinzialhauptstadi.

Die Fliegers« als Erzieher.

Als Element des Kampfes wird die Fliegerei nur die als wertvollste Träger sehen, denen höchste männliche und menschliche Eigenschaften die Grund­lagen ihrer Leistungen bilden. Sorgfalt in der Er­stellung der Segelflugzeuge ist die Grundvoraus­setzung, rein materiell gesehen, guter Flugeigen­schaften des gebauten Flugzeuges. Aus der Sorg­falt gepaart mit der Verantwortung für das Leben der fliegenden Kameraden wächst der Wille zur wirklichen Leistung, auf der sich die fliegerische Lei­stung aufbaut. Darum wird der selbstlose Bau von Segelflugzeugen stets erzieherisch auf den Menschen einwirken, wie der Flugbetrieb Mut und Ent­schlossenheit erfordert und schult.

Die Eigenschaften des Fliegers, die ihn zu feinem Kampf mit den Elementen der Natur befähigen, find keine anderen als die, die bas deutsche Volk in letzter Minute vor dem Abgrund retteten, und die es aufwärts führen werden, wenn es sich zu ihnen bekennt. Die Luftfahrt-Werbewoche ist nur ein Mittel, dem Volksgenossen die Bedeutung der Flie­gerei vor Augen zu führen, damit es weiß, daß feine Opfer für hohe nationale Zwecke gegeben werden.

Ausstellung

Gießen und die Lustfahrt".

Die AusstellungGießen und die Luftfahrt" im Saale des Cafe Leib ist feit gestern zum freien Be­such geöffnet. Eintritt ist frei für jedermann.

Bornottien.

Tageskalender für Montag. Licht­spielhaus, Bahnhofstraße:Aufforderung zum Tanz".

ihm über und über angewachsen, an der man nicht schaben unb schinden b'arf, ohne ihn selbst zu ver­letzen." Es gibt Beispiele einer auffaüenb har­monischen Uebereinstimmung von Eigennamen unb ßebensumftänben, wie bei bem Chirurgen Zange- meister, bei bem Erfinber der Farbenphotogra­phie ßumiere (Licht) ober bei dem Petroleum­könig Rockefeller (-Felsenspalter). Demgegen­über kennen wir auch komisch wirkende Wider­sprüche zwischen Namen unb Werk oder Lebens­stellung eines Menschen, so bei dem Ber­liner Arzt Malade (-krank), ober bei der in der Goethezeit in Jena weitbekannten Köchin Henriette Hunger. In einem Aufsatz im Börsenblatt für den Deutschen Buchhandel zählt Hans B e i l h a ck eine Reihe solcher Zufälligkeiten auf unb erwähnt bie englische Bibliographie über bie Baumarten ber Welt von G. P. Ahorn (Washington 1926), eine Lutherbibliographie von Joh. Luther (Wei­mar 1910), bie Untersuchung über bieReform bes Fleisch-Verkaufes" von Eisbein (Danzig 1876), die Wcmberungen burch Schwaben" von Gustav Schwab (Leipzig 1840), bas Werk von A. R e i b m a y r über bie Massage (Wien 1898), bie Werkzeuglehre" von Beil, bie Untersuchungen über bipSchallwirkuno" von Rodau (Mün­chen 1870), basLexikon ber Münzen" von R. Klimpert (Berlin 1896) unb den Pri- vatdruck von E. C. Bank über die Noten­presse (Leipzig 1923). Maria Apfelmann hat 1914 in Oranienburg bieVegetarische Hausmannskost" herausgegeben, unb F. W. Neger hat 1902 benUrsprung der Kokos­nuß" untersucht. A. Wurm hat 1901 überBlu­menkohl unb Verwanbtes" geschrieben, unb Herta Kokott überLiebesleben unb Sternenmacht" (Berlin 1925). Befonbers luftig wirken natürlich bie Fälle, in benen sich Verfaffername unb Werk in oft ironischer Weise wibersprech-m, so wenn der Direktor ber Würzburger Singschule Raimund Heuler seinem Beruf entsprechend Schrift m über Gesang erscheinen läßt. Nicht minder komisch kommt es uns vor, wenn ein M^nn nanrn* F. Ohnmacht ausgerechnet eine Schrift überGe­sunde Menschen" (Troppau 1926) veröffentlicht. Es mutet auch nicht sehr vertrauenerweckend an, wenn ein Verfasser mit dem Namen P. Zweifel ein BuchPläne und Hoffnungen für das neue Jahr­hundert" drucken läßt.

HochschuSnachrichten

Professor Dr. Hans Bartels, Extraordinarius für Physik an der Universität Breslau, ist zum ordentlichen Professor in ber Falultcck für allgemeine Wissenschaften an ber Technischen Hochschule Han­nover ernannt worden.