Ausgabe 
3.6.1935
 
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28 Monate sind vergangen, seit der Führer die Macht übernahm. An dieser kurzen Zeit gemessen, sind die Leistungen geradezu unfaßbar groß, und doch stehen wir e rst am Anfang der nationalsozialistischen Gestaltung des Reiches. Viele, allzu viele sehen trotz des gigantischen Ausmaßes des bisher Erreichten die Wirklichkeit nicht. Sie können nicht die Größe des neuen Baues schauen, weil sie nur den Schutt sehen, der noch nicht weg­geräumt werden konnte.

Nun kommt es darauf an, deutsche Volksgenossen, angesichts des ungeheuren Geschehens in Deutsch­land dem Führer bedingungslos die Treue zu bewahren. Ihr, Parteigenossen, müßt wissen, die Partei soll das s ch ä r f st e Schwert des Führers bleiben, das niemals schartig werden darf. Wo sich aber die Untreue von außen her an uns heranmacht, schlagen wir sie. Gleichgültig unter welchem Deckmantel Untreue und Verrat sich auch heranzuwagen suchen.

Wer gegen Staat und Partei hetzt, verfällt dem Gesetz.

Wir lassen nicht zu, daß sich Hetze unter irgend­einem konfessionellen Gewand zu verbergen sucht. Das Bekenntnis des nationalsozialistischen Pro­gramms zum positiven Christentum stellt es jedem frei, nach seiner Fasson selig zu werden. Diese Grundhaltung der Partei gibt jedem Bekennt­nis die Freiheit, die es füglich für sich in Anspruch nehmen kann. Wenn aber ein Bekenntnis um derentwillen gewählt wird, den Kampf gegen den heutigen Staat, gegen d i e Partei und damit gegen den Führer zu tragen, dann spreche ich offen aus:

Wer sich so betätigt, ist ein 5 t a a 15 f e i n b. Damit will ich kurz Stellung nehmen zu bet Behauptung, in Hessen ober im Gau Hessen- Bassau würben Pfarrer um ihres B e- kenntnisses willen verfolgt, kein ein­ziger Pfarrer, gleichviel welcher Konfession, ist seines Bekenntnisses wegen angefaßt, keinem einzigen ist beswegen auch nur ein haar gekrümmt worben. Ls gab unter ihnen aber einige wenige Elemente, bie entroebet bie Kanzel mißbrauchten, bie gegen bie Gesetze verstießen ober aber bie Anorbnungen ber obersten staat­lichen Macht nicht befolgten. Sie muhten im Interesse von Volk unb Staat aus ber Gemein­

schaft herausgenommen werben. Vor bem Gesetz gibt es nicht Pfarrer unb Arbeiter, hanbwerker unb Unioerfitäteprofefforen, Bauern unb Sol- baten. Vor bem Gesetz gibt es nur Deutsche, bie sich ben Gesehen fügen unb bie ihre höchste Pflicht barin sehen, bah sie sich an Gesetz unb Orbnung halten. Vor bem Gesetz finb alle gleich. Der sich als Verbrecher betätigt, muh es sich gefallen lassen, als Verbrecher behandelt zu werben. Dabei kann kein Unterschieb gemacht werben zwischen benen, bie unter blauer Fahne gegen bie Grunbsähe von Partei unb Staat Hetzen, unb benen, bie in schwarzem Gewanbe währenb ber Hebe bes Führers bie Glocken läuten lassen unb burch eigene Prebigt bas beutsche Volk baran Hinbern wollen, ben Führer zu hören. Gleiche Strafe für gleiches vergehen, gleiches Hecht forbert bie Gerechtigkeit. Diesem Grunbsah freu zn bleiben bin ich als Statt­

halter bes Führers in Hessen verpflichtet.

Der Führer hat uns das Programm gegeben, dessen Grundsätze die Bestandteile der national­sozialistischen Weltanschauung sind. Der Führer spricht von Zeit zu Zeit zu uns und zeigt uns an, wie der Stand des organischen Werdens des nationalsozialistischen Volkstums und Staates ist. Was der Führer sagt, ist Weg­weiser und Richtschnur unseres han­delns. Unser handeln aber steht alle Zeit unter der Macht der Treue. Alles, was der Füh­rer tut, tut er für Deutschland, alles was wir wollen, wollen wir für Deutschland.

heil Hitler!

Die Rede des Gauleiters wurde von der Ver­sammlung mit außerordentlich starkem Beifall aus­genommen. Während der Rede erfolgte wiederholt starke Zustimmung, insbesondere bei dem Teil, der Dem Verhältnis von Staat und Kirche und in diesem Zusammenhang der Betätigung der Pfarrer ge­widmet war. Am Schlüsse der außerordentlich ein­drucksvollen Rede brachte die Versammlung dem Führer und Reichskanzler Adolf Hitler mit begeisterten dreimaligen Sieg-Heil-Rufen ein er­neutes rückhaltloses Treuebekenntnis dar, sodann wurden die ersten Verse des Deutschlandliedes und des Horft-Wessel-Liedes gesungen. Damit fand der Groß-Appell seinen Abschluß.

*

Die Veranstaltungen am Sonntag.

Die Veranstaltungen am Sonntag eröffnete die HI., die auf dem Polizeisportplatz Turn- und Spiel­bewegungen vorführte. Trotz des frühen Beginns dieser Spiele, um 7 Uhr in der Frühe, hatte sich schon eine große Menschenmenge eingefunden, um diesen Vorführungen zu folgen.

Inzwischen hatte sich bereits die große Festhalle bis auf den letzten Platz gefüllt zur

Tagung der Velnebszellen- obmanner, Vettrauensrals- männerundVettiebssührer,

zu denen Landesobmann Pg. Willi Becker, sprach. Nachdem er den Stellvertreter Dr. Ley s, Pg. Schmeer begrüßt hatte, führte er u. a. aus: Wenn wir an einem solchen Tage zusammenkom­men, so kann es sich nur um eine Heerschau handeln.

Wir dürfen von unserem Gau mit Stolz sagen, bah wir harmonisch zusammengearbeitet haben unb bah baher unsere Erfolge auch nicht gering gewesen finb. Bei biefer Gelegenheit will ich auch anerkennen, bah bie Betriebsführer unse­res Gaues viel bazu beigetragen haben, bah noch zusätzliche Arbeit beschafft werben konnte, fo bah bie Arbeitslosigkeit weiter stark zurück­gegangen ist. Darin erblicke ich ben Willen, mitzuarbeiten an bem grohen Aufbauwillen bes

Führers.

Die Arbeit des Führers stellt einen vollkommen neuen Gedanken dar, und es ist unsere Pflicht, diese Arbeit des Führers nach jeder Richtung hin zu unterstützen. In der Vergangenheit ist es leider so gewesen, daß gerade diejenigen, die eigentlich zu- sammenhalten mußten, auseinandergelaufen sind. Aus diesen Zuständen der Vergangenheit müssen wir lernen. Wir müssen lernen, ein neues Deutschland aufzubauen. Vor allen Din­gen haben wir viel gutzumachen an dem deutschen Arbeiter, denn er ist treu und der beste Mensch, den man sich denken kann. Betriebsführer, Ver­trauensleute und Obmänner müssen zusammen­halten, und es gibt keine Ueberschneidung der Kom­petenzen. Sie müssen sich nur über das Ziel klar

sein, bann können sie niemals auseinanderfallen. Einen Wunsch und eine Bitte möchte ich Ihnen noch aussprechen, nämlich die, daß, wenn wir im näch­sten Jahre wieder zusammenkommen, wir uns mit Stolz in die Augen schauen können. Bis dahin aber müssen wir zusammenstehen als Kämpfer der Be­wegung als Kämpfer für das neue deutsche Arbei- tertum und als Kämpfer einer neuen deutschen Wirtschaft. (Stürmischer Beifall).

Der Stellvertreter Dr. Leys, Pg. Schmeer, nahm das Wort zu einer kurzen Rede, in der er sagte: Die Arbeitsfront muß nunmehr auch noch die Selbstverwaltung des schaffenden deutschen Volkes in die Hand nehmen. So will es der Füh­rer. Damit will die Arbeitsfront keine Volkswirt­schaftspolitik treiben, denn die Wirtschaft hat ihre eigenen Gesetze, nur will die nationalsozialistische Bewegung einen neuen Geist in die Wirtschaft hin- einbringen.

3n ber Wirtschaft erblickt bie nationalsozia­listische Bewegung nicht bas Enbziel an sich, fonbern bas Enbziel ist für bie Bewegung bas Wohlergehen bes Volkes. Jedenfalls ist bereits jetzt ein vollkommen neuer Geist in bie Wirt­schaft eingezogen, ein Geist, wie wir ihn so schnell selbst nicht erwartet haben, ein Geist, wie ihn bie Auhenstehenben nie für möglich ge­halten haben. Der Gemeinfchaftsgebanke hat sich burchgeseht unb bamit hat sich erwiesen, baß ber von uns eingeschlagene Weg ber rich­tige gewesen ist.

Die Vertrauensleute haben die Aufgabe, sich des Vertrauens würdig zu erweisen, Treuhänder zu sein. So sehr der Treuhänder auch das In­teresse der Belegschaft zu vertreten hat, so sehr muß er auch auf das Wohl des Be­triebes bedacht fein. Das ist nicht leicht in einer Zeit, in der viele Betriebe noch mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu schaffen haben. Es ist noch viel zu tun, sowohl in sozialpolitischer,, als auch in wirt­schaftspolitischer Beziehung. Wir dürfen aber nichts überstürzen. Wir haben in der Vergangenheit die Geduld nicht verloren, und wir werden sie auch jetzt nicht verlieren. Darum verlangen mir das Ver­trauen, das notwendig ist, und Rücksicht auf das Wohlergehen der ganzen Nation. (Beifall.)

Der Vorbeimarsch vor hem Gauleiter.

Unmittelbar anschließend an den Groß-Appell formierten sich die Gliederungen auf dem Festhallen­gelände und Die Rheinstrahe entlang zu dem Vor­beimarsch vor dem Gauleiter. Etwa zwei Stunden lang währte dieser an vielen packenden Einzelbil­dern reiche Marsch der Formationen. Immer wie­der rückten neue riesige Verbände heran, die in Zwölferreihen marschierten. An der Spitze dieses denkwürdigen Marsches, der für alle Teilnehmer und für die riesige Zuschauermenge in den Marsch- straßen ein unvergeßliches Erlebnis war, schritt die alte Garde im schlichten Braunhemd ohne jedes Abzeichen, wodurch auf die Zuschauer ein beson­ders starker Eindruck ausgelöst wurde. Dann folg­ten in vielfachem Wechsel die einzelnen Gliederun­gen, wobei natürlich die großen Gruppen der Poli­tischen Leiter das Kernstück des ganzen Aufmarsches bildeten. Mit gespanntester Aufmerksamkeit folgte die riesige Menschenmenge diesem gewaltiaen Er­eignis, und sie versäumte nicht, den Marschieren­den immer und immer wieder ihre herzliche Sym­pathie zu bekunden.

Zu dem Vorbeimarsch hatten sich um den Gau­leiter und Reichsstatthalter zahlreiche Ehrengäste versammelt, zu denen noch während des Vorbei­marsches eine Anzahl Führer von der Spitze ihrer Kolonnen hinweg zum (Bauleiter berufen würden. Erfreulicherweise war diesem großartigen Ereignis gutes Wetter beschert, so daß der Marsch in allen Teilen in der besten Weise verlief.

Nach dem Vorbeimarsch und der Abfahrt des Gauleiters, sowie der übrigen führenden Männer zerstreute sich die Menschenmenge in Gemeinschaft mit den mittlerweile weggetretenen Formationen in alle Straßen, wo man zunächst einmal nach einer Stärkung beim Mittagessen strebte. Neben

dem starken Betrieb in allen Gaststätten verabfolgte der Hilfszug allein rund 15 000 Portionen Essen, das von allen Empfängern mit bestem Appetit ver­zehrt wurde.

Ausklang.

Der (Bauparteitag 1935 gehört der Geschichte der nationalsozialistischen Bewegung und unserer enge­ren Heimat an. Wer diese Tagung miterlebt hat, besonders am gestrigen Haupttage, wird für alle Zeit ein unvergleichliches Erlebnis besitzen. Es war geradezu überwältigend, zu bemerken, mit welcher Begeisterung und Hingabe nicht nur die Hundert­tausend der Aufmarschierten und Marschierenden, sondern auch die riesige Menge der übrigen Volks­genossen an diesem großartigen Geschehen Anteil nahm. Die begeisterte Stimmung herrschte aber nicht nur in allen Einzeltagungen, die sämtlich mit einem erneuten freudigen Gelöbnis der Liebe und Treue zum Führer und Reichskanzler Adolf Hitler abschlossen, nicht nur bei dem Groß-Appell und bei dem wuchtigen Vorbeimarsch, sondern auch noch im weiteren Verlaufe des Nachmittags und des Abends bei dem frohgeftimmten Dolkstreiben, das bie große Menschenmenge frohgestimmt bei­sammenhielt. UeberaU konnte man nur freudige unb begeisterte Gesichter sehen, benen bie innere Bereicherung durch diesen denkwürdigen Tag beut- Uh aus bem Gesicht sprach. Zum Glück nahm auch der Nachmittag, abgesehen von einem kräftigen Regenschauer, im Wetter einen guten Verlauf, so ° die Feststimmung keinerlei Beeinträchtigung "'luhr. Am Abenb rückten bann bie auswärtigen Formationen in ber Hauptsache geschlossen zum Bahnhof, um mit ihren Sonberzügen wieder in die Heimat zurückzukehren.

Ein litauischer Täuschungsversuch.

Der litauische Außenminister über Memel und das Verhältnis zu Deutschland.

K o w n o , 1. Juni. (DNB.) Der litauische Außenminister Lozoraitis kam in einem Vor­trag vor dem Ottiziersverband auch auf die deutsch-litauischen Beziehungen zu spre­chen. Er behauptete, Litauen habe stets große An­strengungen zur Herbeiführung gutnachbarlicher Beziehungen gemacht. An dem ergebnislosen Er­folg treffe Litauen nicht die Schuld. Deutschlands Ablehnung, mit Litauen politische Verträge zu schließen, sei ohne jeden Grund, und bie diesbe­züglichen Vorwürfe zwängen ihn zu folgender Er­klärung:

Litauen erfülle in feiner Eigenschaft als Mitglied des Völkerbundes alle internatio­nalen Verpflichtungen. Von dieser Seite seien Litauen keinerlei Vorwürfe gemacht worden, daß es seine Verträge nicht einhalte. Andere seien für derartige Vorwürfe nicht zuständig. Wenn Deutschland erklär, die Rechte von 14 0 0 0 0 Deutschen im Memelgebiet wahrnehmen zu müssen, so müsse demgegenüber auf die deut­schen Volkszählungen von 1905 unb 1925 hinge- wiesen werben, wo nur von 60 000 Deutschen die Rede sei. Die Rechte der Deutschen im Memel­gebiet feien durch ben beutsch-litauischen Vertrag von 1928 unb burch bas Memelstatut geschützt. Litauen halte bie M e m e l k o n v e n t i o n e i n unb habe nicht bie Absicht, Abänberungen durch einseitige Maßnahmen vorzunehmen. Li­tauen sei nach wie vor bereit, für feine Handlun­gen f i ch vor den zuständigen interna­tionalen Instanzen z u verantworten. Unter den heutigen Zivilisationsbedingungen biete der Völkerbund die einzige Möglichkeit zur Bei­legung von Meinungsverschiedenheiten. Litauen bekämpfe nicht das Deutschtum im Memel­gebiet, sondern bie staatsfeinblichen Um« triebe, unb zwar auch nur mit gesetzlichen Mitteln. Deutschlanb habe gegen Litauen bie stärksten Druckmittel in wirtschaftlicher, politischer unb moralischer Beziehung angeroanbt. Der Han­del sei auf ein Minimum gebrosselt worben. Es richte unberechtigterweise feine ganze Propaganba durch Runbfunk, Presse unb bergl. gegen Litauen. Dies sei aber überflüssig; benn Litauen sei be­reit, jeden Spruch einer zuständigen internationalen Instanz z u erfüllen, wie auch ein solcher Spruch ausfallen möge. Die deutschen Vorwürfe müsse er allgemein ablehnen. Immerhin enthielten die nationalsozialistischen Grundsätze auch Grundsätze, bie von j e b e m A n - Hänger des Friedens gebilligt werden müßten. Lozoraitis zitierte eine Reihe von Sätzen aus den.13 Punkten des Führers und Reichskanz­

lers. Sie enthielten die selbstverständlichen Vor­aussetzungen für eine gutnachbarliche Zusammenarbeit zwischen den Völkern und seien eine geeignete Grundlage für gut­nachbarliche Beziehungen nicht nur zwischen Litauen und Deutschland, sondern für ganz Europa.

Zum Schluß ging Lozoraitis auf die litau i f ch- polnischen Beziehungen über und erklärte, Litauen wolle auch mit diesem Nachbarn gute Be­ziehungen. Er bedauerte, daß es Marschall Pil-- sudski zu seinen Lebzeiten nicht gelungen sei, die Beziehungen zwischen beiden Ländern zu re­geln. Litauen vertrete nach wie vor den Stand­punkt, daß weiter nach Mitteln und Wegen für eine Normalisierung der Beziehungen mit Polen gesucht werden müsse.

Die Ausführungen des litauischen Außenministers, insbesondere seine Darlegungen über die angebliche litauische Vertragstreue, bedürfen kaum eines Kommentars, denn die Verletzungen des Memel st atuts durch die litauische Re­gierung sind allgemein bekannt. Leider sind d i e Schritte der Unterzeichnermächte wegen der Verletzungen des Memelstatuts bisher erfolg- l o s geblieben. Auch der von Lozoraitis unternom­mene Versuch, bie ftatutroibrigen Gewaltmaßnah­men ber litauischen Regierung burch bie Behaup­tung angeblich staatsfeinblicherUmtriebe ber memellänbischen Bevölkerung zu rechtfertigen, ist burch ben Gang bes Kownver Prozesses vor aller Welt bereits als haltlos dargetan worden.

Die vom litauischen Außenminister gegebenen Zahlen sind irreführend und tendenziös. Wenn die von Lozoraitis angegebenen Bevölkerungsziffern richtig wären, fo ständen hinter den memellänbt» fchen Parteien nur 40 v. H. der Bevölkerung des Memelgebietes. Demgegenüber braucht nur auf die letzte Landtagswahl vom Jahre 1932 hin- geroiefen zu werden, in der die memelländischen Par­teien 24 von 29 Sitzen bes Lanbtages errungen haben. Die Litauer konnten trotz Wahl­terror unb ftatutroibriger Einbürgerung von meh­reren taufenb Großlitauern nicht mehr als fünf Sitze erringen. Bei ber Wahl zur Memel­länbischen Lanbwirtschaftskammer im Oktober 1933 gelang es ben Litauern, von runb 30 Sitzen nur einen einzigen S i tz zu erhalten. Gegenüber biefen Zahlen können bie Ausführungen bes litau­ischen Außenministers nur als grotesker Versuch angesehen werben, die Weltöffentlichkeit über ben politischen Willen ber memellänbischen Bevölkerung zu täuschen.

Die Führerschule derDeutscheuAerzteschastfeierlich eröffnet.

Neustrelitz, 1. Juni. (DNB.) Die erste Füh­rerschule der Deutschen Aerzteschaft wurde in Alt- Re h s e bei Neustrelitz mit einem festlichen Staats­akt durch ben Stellvertreter des Führers Rudolf Heß feierlich eröffnet. Die Aerzteschule ist in ihrer Einrichtung und Lage inmitten der herrlichen meck­lenburgischen Hügel- und Seenlandschaft geradezu ideal. Sie soll in 151 ä gi g e n Schulungs­kursen je 10 0 in der Praxis stehenden Aerzten über ihr bisheriges fachliches Wissen hinaus das Rüstzeug geben, welches sie als Aerzte im nationalsozialistischen Deutschland in volks- aesundheitspolitischer Beziehung un­bedingt haben müssen. Außerdem bient die Schule der hohen Aufgabe und unbedingten Notwendig­keit, hochqualifizierten Führernachwuchs aus ber Jungärzteschaft heranzubilden.

Zu ber Eröffnungsfeier waren mit Reichsärzte­führer Dr. Wagner an der Spitze erschienen die Dekane fast aller medizinischen Fakul­täten, Vertreter der medizinischen Fachschaf­ten der Universitäten und hervorragende Vertre­ter der medizinischen Wissenschaft, der Leiter des Rassenpolitischen Amtes der N^DAP Dr. Groß, Staatssekretär Dr. Krohn, der Leiter des Sani­tätswesens der SA., SA.-Obergruppenführer Hoch­eisen, der Präsident des Reichsgesundheitsamtes Dr. Reiter, Vertreter von Heer, Kriegsmarine und Luftwaffe. Auf dem weiten Rasenplatz vor dem Gemeinschaftshaus der Schule waren SS., SA., PO., Arbeitsdienst, HI. und BDM. sowie die 150 Teilnehmer des ersten Lehrganges der Schule, in erster Linie die Gauamtsleiter und Ver­waltungsstellenleiter des Amtes für Volksgesund­heit, angetreten.

Veichsärzteführer Dr. Wagner begrüßte den Stellvertreter des Führers, den Reichsstatthalter von Mecklenburg unb die anderen Gäste. Der NameFührerschule der Deutschen Aerzteschaft", fo führte Dr. Wagner dann unter anderem aus, umreißt schon bas Programm dieser Schule. Es sollen hier arzt- licke Führer herangebildet werden, die vorher schon ihre weltanschauliche Schulung in d e r Partei erhalten haben. In dem überwundenen Zeitalter entsprach dem krassen indi­vidualistischen Grundsatz vom Recht des Einzelnen auf den eigenen Körper eine individualistische Be­rufsauffassung bes Arztes unb ber gesamten Medi­zin, die über der Krankheit ben Kranken, über ber Gesunbheit bes Einzelnen bie Gesunbheit bes ganzen Volkes, über der Behandlung des leidenden Einzelwesens bie Gesundheits- führung der Nation vergaß. Inhalt unb Träger ber Nation ist im nationalsozialistischen Deutschlanb bas beutsche Volk. Ihm hat ber Arzt in erster Linie zu bienen. Dieser geistige Um­schwung aber ist nur zu erzielen burch ein ärzt­liches Führerkorps, bas fest unb unbeirrt auf bem Boden unserer nationalsozialistischen Weltanschau­ung steht; diese ärztliche Führerschaft soll in Alt-Rehse herangebildet werden. Medizinisches Wissen unb bie Beherrschung ber Technik unserer vielgestaltigen Berufstätigkeit'zu vermitteln ist auch m Zukunft Aufgabe der Hochschule und der Klinik. Wenn wir heute ein gutes Werk beginnen können verdanken wir dies neben der Opferwilligkeit un- serer Berufskameraden der Tatkraft meines Stell­vertreters und alten Feundes Dr. Deuschl. Ihm übergebe ich ihre Leitung zu treuen Händen.

Dr. Deutsch!, führte u. a. aus: Wir wollen in

S^le unsere Ideenwelt auf die kommenden Geschachter weiter verpflanzen unb die Jugend zu noch fanatischeren Kämpfern für unsere Idee ^ziehen, als wir es selber finb. Nach Möglichkeit fotlen frer auch sonstige akabemische unb nichtakademische, im Volksgesund.

heitsdienst tätige Personen geschult werden. Nicht die besten Fachleute, sondern b i e besten Charaktere werden ausgesucht werden. Wir nationalsozialistischen Aerzte wollen Vor­kämpfer fein für neue biologische Grund­sätze in Medizin und Naturwissen­schaft, die aufs engste mit Blut und Boden un­seres Volkes und Vaterlandes verbunden sind.

0er Stellvertreter des Führers/ Reichsminifter Rudolf Heß

führte u. a. aus, die Vorstellung, die wir vom rech­ten nationalsozialistischen Arzt haben, ist einfach zu umreißen. Im Mittelpunkt feiner Lebensaufgabe steht das Volk, dessen Gesundheitszustand zu bessern bzw. gut zu erhalten ist sein Streben. Im Patienten sieht er selbstverständlich seinen Volks- genossen und nicht so sehr ein medizinisches Problem oder eine Einnahmequelle. An seinem Teil unterstützt der Arzt das nationalsozialistische Stre­ben nach rassischer Sauberkeit des Volkes. Seine wissenschaftliche Fachbildung er­gänzt er durch eine weltanschauliche und charakterliche Haltung, die sich aus der nationalsozialistischen Idee ergibt. In Alt-Rehse rooüen wir geistig gesunde Menschen sehen, die voller Verantwortung ihrem Volke und ihrer Wissenschaft gegenüber wirken unb die ihre Lebens­aufgabe in neuer nationalsozialistischer Gestaltung meistern. Eine beutsche Aerzteschaft, wie sie heran- aezogen werben soll, wirb nicht mehr das starre Schema und bas Dogma höher stellen als manche otte Ueberlieferung ber Volksbeilkunst unb so eine Kluft aufkommen lassen zwischen Arzt und Volk. Diese Aerzteschaft weiß, daß ein Volk nicht allein mit Medikamenten unb Instrumenten ge- funb erhalten warben Fann. Sie weiß, daß Medi­kamente und Instrumente notwendige Hilfs­mittel einer ärztlichen Kunst sind, die wenn sie Erfolg haben unb wirklich Gesundung bringen soll ausqeübt werben muß von Menschen mit seelischem unb geiftigen Einfluß auf ben Patienten unb auf bas ganze Volk. Gin solcher Einfluß kann aber nur ber ausüben, oer in ber Verbunbenbeit mit feinem Volke unb nicht in her Abgeschlossenheit eines Studierzimmers die ärztliche Kunst erlernte.

Rudolf Heß schloß mit einem Dank an den Führer, b^r auch den Aerzt-n die aroße und schwierige Aufaabe gestellt hat, über die Betreuung bes Einzelmenschen hinaus im Geiste ber allum­fassenden nationalsozialistischen Idee das deutsche Volk in seiner Gesamtheit weiter gesunden zu lassen und aefunh in erhalten. MU ->'nem Sieci'.fteil grüß­ten her ©teffnt'rfreter bes Führers und die Teil­nehmer ber Einmeibungsfeier in Alt-R-bse Adolf .fairer nie; den Mann, her allen neue W"ae mies unh auf diesen Wegen Führer wurde. Im Anschluß h^ran nahmen alle G^lle die Formationen die (Buhmrb?iter unb h»e Kursusteilnebmer aemeinsam im Dark aus ber Felbküche das Essen ein.

Klnberrazzien in ber SoroiefuniotL Ittörber im kinbesatter.

Nachbem bie Sowjetregierung befonbere Maß­nahmen zur Bekämpfung bes Unwesens ber oer« wahrlosten Kinber getroffen hat, würben in Moskau, ßeningrab unb anberen großen Stäbten ber Sowjetunion Razzien auf verwahrloste Kin­der unternommen. Nach ben bisherigen Mitteilun­gen wurden in Leningrad über 800 Kinder aufge­griffen, ins Moskau über 600. Aus Öen anderen Städten liegen noch keine zahlenmäßigen Angabe« vor. Unter ben in Leningrad inhaftierten verwahr­losten Kindern befinden sich 21 im Alter von 12 bis 15 Jahren, die wegen Mordes und anderer Ver­brechen von der Kriminalpolizei gesucht werden.