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03/05/1935
 
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Ur. 102 Dritter Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

Zreitag.Z. Mai 1035

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Aus der Provinzialhauptstadt.

Tierschutz!

Vom Landschaftsbund Volkstum und Heimat, Landschaft Rheinfranken-Nassau-Hessen, wird uns geschrieben:

Jetzt kommen die schönen Tage, wo der Mensch nach dem oft nur zu schlechten Aprilwetter sich wie­der freier in Gottes schöner Natur bewegen kann. Wenn aber vom wolkenlosen blauen Himmel die Frühlingssonne lacht, dann denke auch einmal an den treuen Wächter deines Hauses und Hofes, deinen Hund, und gönne ihm, sich einmal tüchtig im Freien auszutummeln. Zu hart ist sein Los, wenn er, um dich vor Schaden zu bewahren, den größten Teil seines Lebens an der Kette zubringen soll. Laßt ihn und eure anderen Haustiere auch teilnehmen an eurer Freude an der erwachenden Natur, indem ihr ihnen soviel als möglich das freie Tummeln in Licht und Sonne gönnt.

Und wenn ihr jetzt hinauswandert in die grü­nende, blühende Welt, dann vergeßt nicht, daß ihr geweihtes Land durchzieht! Eure Pflicht ist es, alles Lebendige zu schonen und der bedrohten Kreatur Helfer und Beschützer zu sein. Zertretet nicht achtlos den harmlosen Käfer. Laßt dem buntschillernden Falter sein kurzes Leben in Licht und Sonne. Nehmt der flinken Eidechse nicht die sonnigen Raine und laßt Frösche, Salamander und Molche in ihren moorigen Gründen unter natür­lichen Lebensbedingungen sich ihres Daseins freuen! Gar manchen treibt verkehrter Sammeleifer zu sinnlosen Raubzügen unter Insekten und sonstigen Tierarten. So kommt es, daß unsere be­lebte Natur immer mehr verarmt. Wehret diesen unnutzen Sammlern! Habt überall ein offenes ermahnet, wo immer es nötig ist!

Besonderen Schutz haben in diesem Monat unsere gefiederten Sänger nötig. Sie sind jetzt eifrig bei ihren Brutgeschäften tätig. Haltet daher alle Stö­rungen von ihren Brutplatzen fern. Stark gefährdet sind die am Boden brütenden Vogelarten. Wie manches Nest wird wohl durch einen unbedachten Fußtritt zerstört. Auch gegen kleinere Raubtiere und wildernde Katzen sind diese gefiederten Sänger oft wenig geschützt. Daher lasse man unter den Bäumen und Sträuchern möglichst das alte Laub liegen, weil es dadurch heranschleichendem Raub­zeug erschwert wird, geräuschlos die am Boden oder auf niedrigen Zweigen brütenden Vögel zu über­raschen. Ein wirksamer Schutz für sie sind mit dem sog. Franzosenöl getränkte Lappen, die in der Umgebung des Nestes angebracht, Katzen und Raub­zeug, fernhalten.

Vogelnester auf Bäumen schützt man wirksam vor Raubzeug durch den Katzenschutzgürtel. Mit ihm umwindet man den Stamm des Baumes. Da der Gürtel elastisch, rostfrei und dehnbar ist, wird jeder Nachteil für den Baum verhindert. Der Katzenschutz­gürtel ist beim Fachamt Tierschutz des Landschafts­bundes Volkstum und Heimat,Landschaft Rhein- franken-Nassau-Hessen", Darmstadt, Neckarstraße 3, gegen geringes Entgelt zu beziehen. C. W.

Sonderurlaub

zur Tagung des Reichstreubundes.

Der Reichsstatthalter in Hessen gibt folgendes bekannt:

1. Der Reichstreubund ehemaliger Berufssoldaten e. V. hält seine diesjährige Führertagung, die mit einer großen öffentlichen Kundgebung verbunden ist, am 4. und 5. 5. 1935 in Saarbrücken ab.

2. Um den Beamten, Behördenangestellten und -arbeitern, soweit sie Mitglieder des genannten Verbandes sind, die Teilnahme an der Veranstal­tung zu ermöglichen, kann vom 4. einschließlich 6. 5. 1935 Urlaub, ohne Anrechnung auf den Er­holungsurlaub und unter Fortzahlung der Bezüge,

gewährt werden, soweit dienstliche Belange nicht entgegenstehen.

3. Ansprüche auf Erstattung von Kosten aus Mitteln der Landesregierung können nicht aner­kannt werden.

Oer nationale Feiertag des deutschen Volkes.

Aus zahlreichen Orten Oberhessens und der an­grenzenden preußischen Gebiete liegen uns ausführ­liche Berichte über die Feiern aus Anlaß des na­tionalen Feiertages vor. Aus den Berichten geht hervor, daß dieser Tag überall in sehr würdiger und eindrucksvoller Weise begangen wurde.

In manchen Orten fand der festliche Tag schon um Mitternacht seinen ersten Auftakt. Verschie­dentlich zogen Kapellen durch die nächtlichen Stra­ßen und spielten das LiedDer Mai ist gekom­men!" Meist gaben die Hitler-Jugend und das Jungvolk dem Tag den Auftakt, indem sie zu frü­her Morgenstunde mit ihren Spielmannszügen durch die Straßen zogen und die Bevölkerung weck­ten. Und während in Häusern und Straßen das Leben erwachte, machte sich die Jugend auf den Weg zu den Festplätzen, um die Uebertragung der Feier aus dem Berliner Lustgarten zu hören.

Ueberall waren die Feiern sorgfältig vorberei­tet worden. Gute Lautsprecheranlagen sorgten da­

für, daß die Uebertragung aus Berlin gut ver­ständlich wurde. Die Festplätze waren schön her­gerichtet und prangten im Schmucke der Haken­kreuzfahnen und des frischen Grün. In vielen Dörfern wurden nach alter Sitte M a i b ä u m e errichtet. Auf manchen Höhen hatte die Jugend am Vorabend des Tages helle Feuer ent­zündet. In manchen Orten fanden außerdem Platzkonzerte statt, die von örtlichen Kapellen bestritten wurden. Auch die Kirche nahm stärksten Anteil am Ehrentag der deutschen Arbeit; in sehr vielen Orten wurden F e st g 0 t t e s d i e n st e ab­gehalten, die Predigten der Geistlichen standen im Zeichen des Tages.

Gegen 11 Uhr waren die Straßen in den Städten und Dörfern von regstem Leben erfüllt. Alles strebte den Sammelplätzen zu, die für die Auf­stellung des Festzuges vorgesehen waren. Unter Musikklängen bewegten sich die Festzüge durch die geschmückten Straßen. Auf den Festplätzen wurden die Kundgebungen mit gemeinsam gesungenen Liedern, Gedichtvorträgen, Sprechchören der Jugend eingeleitet. Bürgermeister und Ortsgruppenleiter hielten kurze einleitende Ansprachen. Den Höhe­punkt des Tages stellte die Uebertragung der Kund­gebung vom Tempelhofer Feld dar. Mit den be­geistert gesungenen Nationalhymnen und mit dem dreifachenSieg-Heil!" auf den Führer fanden die Kundgebungen nach kurzen Schlußworten ihren Abschluß.

Der Nachmittag und der Abend waren durchweg der Volksbelustigung und der kameradschaftlichen Unterhaltung gewidmet.

Auf die örtlichen Feiern im einzelnen einzuachen, müssen wir uns aus technischen Gründen versagen.

Oer Gesundheitsdienst in Hessen.

LPD. Zur einheitlichen Durchführung des Ge­sundheitsdienstes in Hessen ist, wie durch Verord­nung des Reichsstatthalters in Hessen Landes­regierung bestimmt wird, für jeden Kreis ein staatliches Gesundheitsamt eingerichtet werden. Die staatlichen Gesundheitsämter führen die Bezeichnung Staatliches Gesundheitsamt des Kreises ..ihre Leiter sind die seitherigen Kreisärzte.

Deutsche Arbeitsfront.

NSG.Kraft durch Freude".

Professor Dr. Temesvary hält in den kom­menden Wochen eine Anzahl Vorträge über das Wesen der deutschen Musik, erläutert an instrumentalen und gesanglichen Darbietungen ver­schiedener Art. Diese Vorträge sind allen Volksge­nossen unentgeltlich zugänglich. Der erste Vortrag findet heute, Freitag, 3. Mai, 20.15 Uhr im großen Hörsaal der Universität statt, die folgenden bis auf weiteres jeden Freitag um die gleiche Zeit. Volks­genossen, besucht diese Vorträge, sie sind allesamt

leicht verständlich, und jeder nimmt etwas davon mit zur Kraft für den Alltag!

Sonderzug nach Heidelberg am 5. Mai. Die Fahrkarten sind da und müssen bis spätestens heute abend abgeholt werden.

Es fahren zwei Züge, der erste für die Teil­nehmer mit den gelben Platzkarten mit rotem Strich ab Wetzlar 7 Uhr, ab Gie­ßen 7.27, ab Großen-Linden 7.39, ab Lang-Göns 7.47, Heidelberg an 9.56 Uhr. Er fährt ab in Hei­delberg 19.55, kommt an in Lang-Göns 22.17, Großen-Linden 22.24, Gießen 22.34, Wetzlar 23.01 Uhr.

Der zweite Zug, für die T e i l n e h m e r mit den roten Platzkarten mit weißen Strichen, fährt ab Atzbach 7.08, Kinzenbach 7.12, Abendstern 7.16, Krofdorf-Gleiberg 7.22, Launsbach 7.26, Wißmar 7.33, Lollar 7.37, Gießen 8.00 Uhr, an Heidelberg 10.37 Uhr. Dieser Zug fährt ab Heidelberg 20.20, er kommt an in Gießen 22.52, Lollar 23.05, Wißmar 23.19, Launsbach 23.26, Krofdorf 23.31, Abendstern 23.37, Kinzenbach 23.40, Atzbach 23.44.

Achtung! Genau auf die Farbe der Platzkarten achten, ebenso auf die Nummer des Wagens, die auf der Platzkarte aufgedruckt ist und jedem seinen Platz garantieren.

Die ausgegebenen Herzchen gelten als Ausweis für den Besuch des Heidelberger Fasses. Weiteren

ütifes neues Roman

Gut, dM Du du dift!

von Friedrich Cisenlohr erscheint heute in den

Gretzenev SamttienbSatievn

1IIW.8KH....

Roman von Charlotte prenzel. Urheberrechtsschutz: Fünf-Türme-Verlag, Halle (S.). 12. Fortsetzung. Nachdruck verboten!

'n Tag, Kleinchen man sieht dich ja gar nicht mehr! Es wird dir halt gehen wie mir jetzt, keine Minute gehört einem allein. In drei Wochen bin ich endlich so weit. Gott sei Dank! Bin ganz nervös geworden vor lauter Besorgungen. Warum habt ihr aber abgesagt und wollt nicht an meiner Hochzeit teilnehmen?"

Du weißt doch, ich habe noch Trauer!"

Nun, das Jahr ist bald vorüber so genau brauchst du es doch nicht zu nehmen."

Und Herr Morland ist immer noch auf seiner Geschäftsreise."

Herr Morland!, sagte Liane, es fiel Irene auf. Hahaha, das mußte ein merkwürdiges Verhältnis sein.Er ist doch jeden Samstag und Sonntag hier", sprach sie schnell weiter,da ließe es sich gewiß

einrichten."

Er ist hier?" entfuhr es Liane ungläubig.

Ich bitte dich, spiele nicht die Unwissende. Ich weiß es doch von Kurt, der ja geschäftlich mit ihm zu tun hat."

Ja! Aber nur... nur, um im Geschäft nach dem Rechten zu sehen." , ..

Sprich nur noch einmal mit ihm. Ich wuröe es ganz einfach von meinem Bräutigam verlan­gen, und wie ich Kurt kenne, würde er mir den Gefallen tun. Auf Wiedersehen, Liane! Zu deiner Hochzeit werde ich wohl nicht da fein. Wir haben eine große Reise vor. Wohin fahrt ihr eigentlich?

Ich weiß es nicht!" erwiderte Liane geyuatt.

Irene lachte.Du weißt auch nichts. Also weiter viel Glück, und auf Wiedersehen!"

Fred verbrachte jeden Sonnabend und Sonntag in Frankfurt! Und sie wußte nichts davon. Er wollte erst kurz vor der Hochzeit zurückkommen und nun war er fast jede Woche hier. Ob1 esi ipm noch ernst war mit seinem Versprechen? Vielleicht kam er überhaupt nicht mehr zu ihr. Würde das nicht das beste sein? Dann hätte sie eben noch einmal den ganzen Spott ihrer Mitwelt zu ertra­gen; wurde sie dagegen seine Frau, ging das Ge­rede weiter, fand immer neuen Boden, horte nie

Mit ihrer Ruhe war es nun plötzlich vorbei; sie begann vor einer Nachricht von ihm zu zittern, sie bangte vor feinem Kommen und wartete doch mit jedem Tage sehnsüchtiger auf ihn. ,

Fred dachte gar nicht daran, sein Wort nicht ein­zulösen. Er war wirklich die ganzen vergangenen Monate auf der Reise gewesen, hatte dabei doch nie den Geschäftsgang zu Hause aus den Augen verloren, halte alles geordnet, oorgerichtet, glaubte.

sich die vier Wochen Hochzeitsreise, die seine Er­holung bilden sollten, wirklich erlauben zu dürfen. Das Geschäft war und blieb schwer; er fühlte sich abgespannt und nervös. Die Ausspannung, die er sich nach so vielen Jahren endlich einmal gönnte, mußte ihm gut tun. Er wollte sich den Urlaub so angenehm wie möglich machen, und Liane sollte ihn dabei nicht stören.

Pünktlich zur festgesetzten Zeit erschien er wieder bei Liane, und nun nahmen alle Dinge den Gang, den sie nehmen mußten.. Wie im Fieber erlebte Liane die letzten Vorbereitungen und die standes­amtliche Trauung. Wie durch einen Schleier sah sie sich im Spiegel als Braut. War sie es wirklich! Ganz farblos war ihr Gesicht, große Ränder lagen unter ihren Augen. Hatte die schwarze Kleidung, die sie im letzten Jahre Getragen, fie stets blaß er­scheinen lassen jetzt schien überhaupt kein Leben mehr in ihr zu sein.

Wie kannst du dich nur so aufregen, Liane!" sagte die Tante.Alles ist weit weniger schlimm, als man denkt. Du gehst doch schließlich deinem Glück entgegen und bekommst einen Mann, um den dich die meisten beneiden. Fred ist kein Jüngling mehr du kannst wirklich nicht von ihm verlan­gen, daß er bis über die Ohren in dich verliebt ist; aber glaube mir, solche Ehen werden die glück­lichsten. Aber da kommt Fred schon."

Fred stand auf der^Schwelle. Kein Zug seines Gesichts zeigte die geringste Erregung, seine Augen sahen ihr ebenso höflich-kühl entgegen wie stets, seine schlanke Erscheinung wirkte, wie immer, tadel­los in dem eleganten Frack, den er trug.

Liane fühlte ihr Herz laut klopfen. Wenn ich nun noch zurück könnte, würde ich es tun?, fragte fie sich erzitternd und erschrak fast vor dem klaren, deutlichenNein!", das in ihrem Innern wider­klang. Wie ein Schwur stieg der Gedanke in ihr auf: Er soll nie bereuen, mich zu feiner Frau gemacht zu haben. Er verschmäht, er verachtet mich... und dennoch nur du gehörst an meine Seite, nur dich werde ich immer lieben.

Langsam, mit sicheren Schritten ging sie ihm entgegen.

Fred erging es seltsam bei ihrem Anblick. Er war sich bewußt, ganz kalt und nüchtern die Er­eignisse dieses Tages an sich vorübergehen zu lassen, und doch rührte ihn etwas in ihrer Erschei­nung. Wie immer sie dieser Stunde gegenüber« stand einmal hatte sie doch geglaubt, den Weg zu dem Altar an dem Arme eines Mannes gehen zu können, von dem sie alle Seligkeiten des jun­gen Weibes erwartete. Und nun? Betrog das Leben fie nicht um das Köstlichste? Aber war es möglich, daß ein Mädchen wie sie, jung, hübsch, wohlerzogen, sich um ein bißchen Wohlstand ver­kaufte?

Er sah ihre Lippen beben, sah ihren angstvollen Blick, und dachte mit spöttischem Lächeln: Sie hat Engst, Angst vor mir, well sie glaubt, den Kaust

preis zahlen zu müssen! Da warf er mit der ihm eigenen stolzen Bewegung den Kopf zurück, und Oie paar guten Worte, die er ihr hatte sagen wollen, blieben unausgesprochen.

So traten sie an den Altar ohne ein Wort der inneren Annäherung. Liane den Kopf tief gesenkt, jedes Wort des Priesters wie einen Schlag empfindend, Fred sich gewaltsam den Worten ver­schließend, in derselben höflich-kühlen Haltung, die er immer bewahrte.

Aeußerste Energie und Kraftanspannung, worin sie sich von Kindheit an geübt hatte, ließen Liane den Weg nach Venedig ohne Unterbrechung und ohne jeden Zwischenfall überstehen.

Sie kehrten nach vier Wochen heim, Fred wirk­lich erholt, nun schon voller Ungeduld den Ge­schäften entgegenfehend, die feiner harrten, Liane blaß, mit traurigen Augen, sehr still geworden.

Frau Widemann holte sie vom Bahnhof ab, Fred begrüßte sie höflich wie stets, Liane aber schlang beide Arme um den Hals der Tante und küßte sie leidenschaftlich.

Frau Widemann fühlte das Zittern, das Lianes Körper durchlief, und war betroffen; sie sah die Bläffe in dem feinen Gesichtchen und den leidvollen Blick der Augen, und wußte zum ersten Male nicht, was sie sagen sollte. Freds gutes Aussehen aber beruhigte sie; es kam ja zuweilen vor, daß junge Frauen blaß und schmal aussahen, das würde wieder vorübergehen.

Liane hielt sich krampfhaft an die Tante geklam­mert, und Frau Widemann fuhr mit dem jungen Paar heim.

Sie zeigte nicht ohne Stolz das nun ganz fertige, behagliche Heim, in dem zahlreiche Blumen das junge Paar erwarteten. Liane hatte den Arm in den der Tante gelegt und ging stumm mit ihr, nicht mehr fähig, die Tränen zu unterdrücken. Wieviel Liebe empfing sie von feiten der Tante, wie glück­lich glaubte fie diese, wie behaglich war nun alles eingerichtet, recht dazu angetan, daß ein junges Paar sich wohl fühlen konnte! Empfand Fred nichts von der Traulichkeit dieses Hauses?

Aber Fred dachte fast in derselben Minute: Wenn die Führung noch lange dauert, komme ich nicht mehr zur rechten Zeit nach Offenbach, und sobald als möglich verabschiedete er sich.

Aber Kind", sagte die Tante,wie siehst du denn aus? Bei dem schönen Wetter in so wunder­voller Lust habe ich dich anders zurückerwartet!"

Liane schwieg, als aber die Tante nun gehen wollte, hielt sie sie, fast flehend, zurück. Ganz un­denkbar schien ihr, wie sie hier im eigenen Zimmer allein mit Fred sitzen sollte. Sie hatte Angst vor dieser furchtbaren Zweisamkeit.

Fred kam noch gerade recht in das Offenbacher Geschäftshaus, um Ernst anzutreffen. Nach einer kurzen, herzlichen Begrüßung auf beiden Seiten ging Fred sofort auf das Geschäftliche über.

genauen Plan über den Verlauf der Fahrt geben wir morgen in die Presse, auch darauf achten und ausschneiden.

Es sind noch einige Karten für die Heidelbergsahrt frei geworden; diese werden heute und morgen noch auf der Geschäftsstelle, Schanzenstraße 18, Zimmer Nr. 8, verkauft. Preis 5,30 Mark mit Mittagessen.

In Heidelberg erfolgt eine kurze Begrüßung durch die dortigen Dienststellen und die Einteilung für die Stadtführung auf dem Wredeplatz.

500 Eoarkinder kommen in den Kreis Gießen.

Wer erinnert sich nicht der frohen Stunden, die wir mit den Kindern von der Saar während ihres fünfwöchigen Aufenthaltes im Kreise Gießen und besonders bei dem Abschiedsfest im Cafs Leib erlebt haben.

Die herzliche Aufnahme im Kreise Gießen hat im Saargebiet den Wunsch aufkommen lassen, in diesem Jahr wieder einige Hundert Kinder in unse­ren Kreis zu verschicken.

Deutsche Volksgenossen, laßt diesen Wunsch zur Wahrheit werden und beweist Euere Verbundenheit mit der Saar aufs neue. Meldet Euch zur Auf­nahme eines Saarkindes bei der Ortsgruppe der NSV. Keiner darf fehlen!

Von der Kreisamtsleitung der NSV. wird noch mitgeteilt, daß die bereits gemeldeten 700 Kinder­pflegestellen nicht mit Kindern von der Saar, son­dern aus anderen Gauen belegt werden.

Ein Nachklang zu dem KauLstvtzer Gaitenmord-prozrß.

Mitte Dezember vorigen Jahres verurteilte das Oberhessische Schwurgericht die Frau Karoline Ortwein aus Kaulstoß (Kreis Schotten) wegen Mordes an ihrem Ehemann zum Tode. Die von der Verurteilten gegen dieses Urteil eingelegte Revision beim Reichsgericht wurde Ende März die­ses Jahres als unbegründet verworfen, womit das Todesurteil Rechtskraft erlangte. In der Verhand­lung vor dem Oberhessischen Schwurgericht ergaben sich starke Verdachtsmomente gegen den Zeugen Otto Henkel aus Hartmannshain, mit dem die Angeklagte zu Lebzeiten ihres Mannes unerlaubte Beziehungen unterhielt, wegen Anstiftung zu der Mordtat. Henkel wurde in Untersuchungshaft ge­nommen und wird sich nunmehr am Freitag näch­ster Woche vor dem Oberhessischen Schwurgericht wegen Beihilfe zum Morde zu verantworten haben.

Das Schwurgericht, das vom kommenden Diens­tag bis einschließlich nächsten Samstag tagen wird, verhandelt außerdem zwei Anklagen wegen Mein­eids, eine Anklage wegen Kindestötung und eine Anklage wegen Körperverletzung mit Todesfolge.

Erheblicher Frostschaden in Garten und Feld.

Der außerordentlich starke Temperaturrückgang in der Nacht zum gestrigen Donnerstag aus minus 5 Grad, in manchen Gebietslagen sogar auf minus 6 Grad, hat an den Kulturen in den Gärten und an den Obstbäumen in Garten und Feld erheb­lichen Schaden angerichtet. Aus Kreisen der sach­verständigen Obst- und Gartenbauer wird uns be­richtet, daß das Edelsteinobst am stärksten gelitten hat. Obwohl die Aprikosen schon über 14 Tage ab­geblüht hatten der Fruchtansatz war außer­ordentlich stark sind die schon bis zu Daumen­dicke gewachsenen Früchte völlig erfroren, und selbst an günstigen Spalieren nach der Südseite hin ist der Schaden fast hundertprozentig. Auch die teil­weise noch im Blühen stehenden, zum Teil im Ab­blühen begriffenen Pfirsiche wurden von dem Frost schwer betroffen, die kleinen Fruchtknoten sind selbst in der filzigen Hülle und umgeben von Kron- und Kelchblättern schwarz, ein Zeichen dafür, daß sie der

Du hast mich merkwürdig knapp mit deinen Berichten gehalten!" sagte Fred.Kaum, daß ich noch auf dem laufenden bin."

Du solltest einmal völlige Ruhe haben, und ich sehe, es hat dir gut getan. Hier hat sich nicht viel ereignet. Wenig Erfreuliches, über die stille Zeit hinwegzukommen, ist keine Kleinigkeit."

Wir werden's schon schaffen! Oder hast du große Verluste zu melden?"

Nagel ist in Konkurs."

Das weiß ich bereits und habe schon lange mit dem Verlust gerechnet ist bereits abgetrieben.^

Die Unannehmlichkeiten mit dem amerikanischen Vertreter mehren sich; ich habe das Gefühl, daß da drüben etwas nicht stimmt."

Welche Beobachtungen hast du gemacht?"

Er will zwei Sendungen nicht erhalten haben."

Die amerikanische Verbindung gefällt mir schon lange nicht. Scholz schenkte dem Manne großes Vertrauen; ich verließ mich auf seine Menschen­kenntnis, kannte ja auch den Vertreter nicht. Das beste wird sein, sobald als möglich einmal hinüber zu fahren. In diesem Jahre werde ich nicht mehr dazu kommen, aber nächstes Frühjahr muß es gehen."

Ernst sah den Freund nachdenklich an.Du hast Mut, ich bewundere dich. Jetzt, da ich durch deine Abwesenheit den ganzen Betrieb erst richtig ken­nengelernt habe, staune ich über deine Zuversicht. Ich begreife überhaupt nicht, wie du dir die Sor­gen auferlegen konntest. Unser Geschäft hat uns beide gut ernährt. Was war mehr nötig?"

Glaubst du, ich wäre stehengeblieben? Still­stand bedeutet Rückgang, Ernst! Unser Kundenkreis hat sich immer mehr erweitert, Aufgaben aller Art traten an uns heran. Die Firma Morland hätte in vier,' fünf Jahren nicht mehr hinter der Firma Scholz zurückgestanden. Den Aufbau habe ich mir erspart, als ich das Geschäft übernahm. Ich habe mit den alten Beziehungen dieses Hauses Weiter­arbeiten können."

Ernst zuckte die Achseln, Fred aber lachte.Laß gut sein! Ich weiß ganz genau, was ich will. Noch kann ich das Geschäft sehr gut übersehen, noch soll es größer werden. Die Firma Scholz war immer eine der ersten; sie kommt schon jetzt wieder in den Ruf, eine der führenden in der Branche zu sein. Und wenn mir einmal das alles hier ganz allein gehört, kannst du mich wieder fragen, wie weit ich noch kommen will."

Fred", klang es fast entsetzt zurück,du hast die Absicht, Fräulein... deine Frau auszuzahlen?"

Ich hatte die Absicht! Die Heirat hat mir einen Strich durch die Rechnung gemacht, doch werde ich immer genau zu unterscheiden wissen, was mir und was ihr gehört. Aber sag: Ist eigentlich die Aus­kunft über van Zoomen gekommen?"

Hier ist sie."

(Fortsetzung folgt!)

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