Ausgabe 
3.5.1935
 
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Zreitag.Z. Mai (935

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger fürGberheffen)

Nr. (02 Zweites Blatt

mit Studenten der Berliner Universität an

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schäft umzustellen.

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Er gehört zu den jüngeren Dichtern und wirkt Berlin, wo er am 6. Januar 1906 geboren

in Berlin, wo er am

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Das salomonische ttrieil.

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in den Erdteil Jahre,

Ruhet, ihr Knaben vor Langemarck und wartet den Frühling ab, die treibende Erde sprengt euren Sarg und der warme Wind euer Grab.

Wenn nur die Wolken nach Osten stehn und der Acker sich wieder benarbt, werdet ihr Deutschland Wiedersehn und die Wälder, für die ihr starbt.

In den Gärten, für die ihr gingt, blüht ihr dann im Gerank, und der Sommer darüber singt euern Ruhm und unfern Dank.

jetzt in der luftleeren Dose

stets frisch wie am Tage der Röstung

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der Akropolis in Athen vor einem begeisterten griechischen Publikum aufzuführen. Seinem Kopfe entsprang auch der Plan zu einer geistigenOlym­piade" der Völker auf dramatischem Gebiet. Dieses Ziel verfolgt die Delphische Union, deren Präsident der griechische Dichter Angelos Sikelianos ist, dem Leyhausen als Vizepräsident zur Seite steht. Als ein Anfang dieses zukunftreichen Plans ist es zu betrachten, daß das griechische National­theater zu Ehren seiner Gäste damals der deutschen Aufführung derPerser" eine griechische, folgen ließ.

Auf dem Boden deutscher Bühnentradition nimmt sich Leyhausens Versuch zur Erweckung des antiken Dramas von der chorischen Seite her wesentlich anders aus. Zweifellos hat er sich ein Instrument herangebildet, das über eine große Skala an Aus­drucksmöglichkeiten verfügt, die durch sparsame Gestik noch erhöht werden. Aber grundsätzliche Bedenken lassen an diesen mit viel Liebe und zäher Hingabe verfolgten Versuchen keine rechte Freude

Film zuwandte.

Zu ihren ersten Erfolgen auf der Leinwand ge­hören die im Hochgebirge spielenden FilmeD e r h e i l i g e B e r g" undDie weiße Hölle vom Piz Palü", zu dem die von Dr. Fanck geleitete Expedition fünf Monate in der winter­lichen Gletscherwelt über den Wolken blieb. An­schaulich berichtete Leni Riefenstahl von dieser Zeit damals:Eine ungeheure psychische Belastung, mo­natelang fern von aller Menschheit der Schnee- und Gletscherwüste ausgesetzt zu sein. Wenn der Winter nicht weichen will, wenn immer neue Schneestürme über die Grate dahinbrausen, wenn man nur aus dem Kalender erfährt, daß es in der Ebene nun schon Primeln gibt, daß dort die Obst­bäume blühen und die Wiesen grün werden." Die Strapazen waren schlimmer, als man geahnt hatte. Schon der tägliche Marsch über die Eisfelder zur Arbeitsstätte.Solange die Sonne auf ihm lag, strömte der Gletscher eine unmäßige Hitze aus, kaum hatte sich jedoch die Sonne hinter die näch­sten Spitzen verkrochen, als plötzlich die gewohnte sibirische Kälte über das Eis wehte." Wenig Ange­nehm muß es gewesen sein, wenn sie bei bitterer Kälte und bei Windstärke 9 an mehreren Abenden

hintereinander für Stunden in den Schnee einge­graben wurde. Vom Besuch in einer Gletscherspalte erzählt sie:Am Seil wurde ich, zum Zwecke einer Filmaufnahme, vierzig Meter tief hinabgelassen. Die blaue, grüne, nach unten unabsehbar verdäm­mernde Tiefe eines solchen Eisblocks ist unheimlich. Man fühlt, daß hier jedes Leben rettungslos ver­loren fein muß. Kein Seil, kein Mensch, kein Licht vermag bis zum letzten Ende dieser Tiefe zu drin­gen. Der Rachen der Hölle kann nicht unheimlicher

weißen Schaumwall der Brandung, wuchs großen Umriffen aufstrebender Gebirge der auf, der nun für Monate, vielleicht für unser Schicksal werden sollte: Asien.

wurde. Sein Vater ist Bildhauer, die Vorfahren waren Thüringer Bauern. Als Primaner schrieb er sein erstes StückBauern"; diesem Versuch folg­ten das SchauspielAufbruch in Körnte n", das HeimkehrerftückDouaumont oder die Heimkehr des Soldaten Odysseus", die Dramen Kalifornische Tragödie" undPana­ma-Skandal", das LutherspielDiehölli- s ch e Reis e" und als letztes das oft aufgeführte

Monaten ein abendfüllender Film von rund 3200 Meter geschaffen, der den Geist des Tages spüren läßt und ein wichtiges Dokument bleiben wird.

Eberhard Wolfgang Möller.

SchauspielRothschild sieat bei Water- l o o". Zwischendurch schrieb Möller dieI n st e r - burger Ordensfeie r", ein Heroldspiel von der Üeberroinbung des Todes, dasS ü d e n d e r Weihnachtsspie l", Kantaten und Sprechchöre, gesammelt inBerufung der jungen Zei t", und eine Szenenreihe für ein bald erscheinendes Jugendbuch, in dem er Gestalten und Geschichten aus Preußens vergangenen Tagen lebendig wer­den läßt; bemerkenswert ist eine Szene, in der Friedrich I. sich mit seinen Generälen nach dem Prozeß gegen seinen Sohn und Katte bespricht, weil Möller hier den Soldatenkönig als tragische Figur erscheinen läßt. Weit bekannt wurde der Dichter auch durch seine Funkspiele.

Kürzlich erschienen seine Gedichte,Die e r ft e Ernt e", die meist erzählenvon den stillen Freu­den heimatlichen Lebens" und wie Idyllen anmu­ten. In dem GedichtHieronymus oder Der Ein­same und sein Buch" verrät Möller eine heute sehr selten gewordene Beherrschung des deutschen Hexa­meters, dis neben einigen allzu bekümmerten Ver­sen angenehm auffällt. Ma'nches Gedicht aus dem ZyklusDie Briefe der Gefallenen" mu­tet den, der diese Zeit miterlebt hat (Möller war bei Kriegsausbruch acht Jahre alt), ein wenig fremd an, viele dagegen bekunden des jungen Dich­ters starkes seelisches Nacherleben und Nachgestal- ten der Grundstimmungen dieser großen und schwe­ren Zeit; am stärksten wirkt er dort, wo er in hie Zukunft schaut, so, wenn er denChor der Se­henden" sagen läßt:

Dann erwartet Gott mit unbewegter Miene, bis die Tore sich in ihren Angeln drehn. Schweigend stehen seine blanken Paladine, wenn die Knaben durch die Pforte gehn.

Und er hebt sich mächtig auf und steigt vom Throne, einem jeden in das Angesicht zu sehn, während feierlich vom himmlischen Balkone ungeheure Purpurbanner wehn.

Alle Glocken fangen dunkel an zu fingen.

Mond und Sterne selbst verhalten ihren Lauf, und die Himmel, welche sich darüber schwingen, schluchzen tief und überwältigt auf.

Waren bei diesem zeitgenössischen Versuch, Volks- schicksal mit den Mitteln neuen Theaterwillens dar- zustellen, die Sprechchöre darauf beschränkt, durch Aufmarsch und Ausruf das Spiel an markanten Stellen zu gliedern und zu steigern, so war die Aufführung derPerser" des Aischylos, mit denen die Berliner Universität im Theater am Hör st-Wessel-Platz (Volksbühne) den Geburtstag des Führers feierte, ganz auf den Sprechchor als Träger der Dichtung abgefteüt. In fanatischem Bestreben, das dramatische Erbe der oriechischen Antike durch den modernen Sprechchor für die deutsche Bühne zurückzugewinnen, arbeitet Wilhelm Leyhausen feit anderthalb Jahrzehnten

Am Nationalfeiertag erhielt, wie bereits gemeldet, Leni Rief en stahl den natio­nalen Filmpreis und Eberhard Wolfgang Möller den nationalen Buchpreis.

Leni MsensW.

Was mochten diese Herzen bedeuten?

Sie bedeuteten die Liebe. Und als jener Früh­ling kam, da Gerold vierzehn Jahre alt wurde, verliebte er sich. Er liebte ein Mädchen mit schwar­zen Haaren. Nie sprach er mit ihr. Mit ihr spre­chen, gehörte wohl nicht zur Liebe.

Eines Tages, als man wieder imanderen Garten" war, stieg er in eine der Pappeln und schnitt die Anfangsbuchstaben ihres Namens in die Baumrinde ein. Den beiden Brüdern, die ihn be­obachtet hatten und hernach in die Pappel klettern wollten, um zu spionieren, schenkte er feine kleine Kanone mit Bleisoldaten, wenn sie von ihrem Vor­haben abließen. Sie versprachen es und nahmen die Geschenke an. Und nun würde der Name oben in her Pappel in die Breite wachsen und die erste und unvergängliche Liebe bedeuten.

Einmal erlaubte der Sanitätsrat, daß die Jun­ten hier ein Lagerfeuer machten. Es war ein

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Ausführungen der Tragödien des Aischylos. . vorigen Jahre gelang es Leyhausen, mit seinem Sprechchor und deutschen Schauspielern diePerser" im antiken Theater des Herodes Attikos am Fuße

ausfehen."

Voller Strapazen war auch die Arbeit an einem anderen Film Dr. F a n ck s , in dem sie mitwirkte, 8 0 8 (Sieber g". Erwähnt sei der volkskundlich wertvolle FilmDas blaue L i ch t", den sie schrieb und selbst inszenierte. In dieser verfilmten Legende aus dem südtiroler Sarntal weist sie der Natur die Hauptrolle zu und läßt die Bauern selbst mitspielen. Vorher mußte sie von Gehöft zu Gehöft, gehen und jedem die Scheu ausreden, bann fand j sie allerdings vortreffliche Darsteller in den ein­fachen Menschen. Sie bewies mit diesem Film, daß der Laiendarstellung im Film noch große Aufgaben harren. Eine Riesenarbeit war der Parteitag-Film Triumph des Willens, mit dessen Gestal­tung und Oberleitung sie betraut wurde. Aus 128 000 Meter belichtetem Film wurde in sieben

Den Gefallenen von Langemarck singt derChor Engel" dieses Lied:

Die Preisträger vom -I.Mai

Äon Johannes Gunda!.

Die schönste Liebe.

Äon Georg von der Dring.

Meine ich dich? Meine ich mich?... Es gilt für uns alle.

Es war ein Knabe, er hieß Gerold. Gerold be­saß zwei Freunde, sie waren Brüder. Die Brüder sprachen immer von demanderen Garten". Der andere Garten" gehörte ihrem Großvater, dem alten Sanitätsrat. Besonders im beginnenden Früh­ling fiel er ihnen ein, und dann sagten sie: Komm, Gerold, wir gehen in denanderen Garten". Und Gerold ging mit ihnen.

Der Garten lag in einem entfernten Teil der kleinen Stadt. Er war durch ein Eisentor gesichert, das immer verschlossen war. Da man keinen Schlüs­sel besaß, kletterte man heimlich hinüber.

Sie wußten die Stellen, wo man die ersten Veilchen finden konnte. Sie vergaßen diese Stellen nicht über das lange Jahr. Sie sanden sie wieder und entdeckten, daß die Veilchen wieder blühten. Es war das Zeichen, das man erhofft und erwartet hatte. Sie knieten an solchen Stellen nieder und atmeten den Duft ein; sie pflückten sie nicht, son­dern ließen sie ausblühen.

Sodann gab es imanderen Garten" ein Laube mit einem steinernen Tisch. Unter dem Tisch saß man bei Regenwetter. In die Tischplatte waren viele Namen eingeritzt, aus früheren Zeiten; und um die Namen herum waren Herzen gezeichnet.

Zeitgenössisches und klassisches Lhochiel

Theaterbrief aus der Neichshauptstadt.

Der Geburtstag des Führers wurde dieses Jahr in Berlin zum Anlaß für zwei Theaterereignisse, ' die zu den wichtigsten Eindrücken der laufenden Spielzeit gezählt werden müssen.

Im Theater des Volkes erlebte Berlin die erste Aufführung eines Thingspiels: dieDeutsche Passion 1933" von Richard Euringer. lieber den Wert dieser Dichtung braucht aus diesem Anlaß nichts Neues gesagt zu werden, denn sie ist nach ihrer Uebersetzung vom Hörspiel ins Schaubare mit großem Ersolg anläßlich der vorjährigen Reichssest- spiele im Heidelberger Schloßhof aufgesuhrt worden, erwies sich zwar auf der Thingftätte bei Halle nicht als durchschlagskräftig genug, wanderte aber bann durch das ganze Reich in zahllosen Aufführungen von berufenen und unberufenen Laienkräften und vermittelte breitesten Befucherschichten zum ersten Male eine ungefähre Vorstellung von dem, was von dem neuen Thingspiel zu erwarten ist.

Für Berlin stand. zwar kein Thingplatz unter freiem Himmel zur Verfügung. Aber dasTheater des Volkes", ein ehemaliger Zirkus, der fast 4000 Menschen in feinem amphitheatralisch ansteigenden Raum faßt, bot mit seiner Riesenbühne, die durch eine schiefe Ebene weit in den Zuschauerraum ver­breitert war, eine überraschende Möglichkeit, die ins Weite zielenden Wirkungen von Euringers Staats­passion auch im geschlossenen Jnnentheater mit allen Mitteln eines filmisch gesteigerten Bühnenbildes und einer raumgliedernden Beleuchtung zur Gel­tung zu bringen. In diesem Rahmen nahm auch das Wort des Dichters seinen gebührenden Platz ein, so daß eine gerade für dieses Werk wesentliche Wir­kungsbedingung besser erfüllt war, als es auf dem Thingplatz möglich ist, wo das Wort verhallt und Aufmarsch und weithin ragendes Symbol die wich­tigsten Ausdrucksträger sein müssen. Denn das ist kennzeichnend für EuringersPassion", daß überall da, wo des Dichters bildkräftige Sprache Klage und Anklage ruft, die aufrüttelnde Wirkung stark ist; wo aber der Aufbruch des neugegliederten Vol­kes, die Auswirkungen der Parole des auferstan- benen unbekannten Solbaten bie Forberung nach bühnenmäßig überzeugenber Symbolgestaltung er­heben, ba verschwimmt bie Dichtung im Rhetori­rischen.

Karl Zauber, her Regisseur, hatte alses getan, um bennoch ben Einbruck des Gesamtwertes wuch­tig unb bekenntnishaft zu machen. 1000 Werkleute aus Berliner Betrieben waren zu Sprechchören ver­einigt, aus benen Anthes Kienbl eine erstaunliche Kraft unb Klarheit bes Ausbruckes herausholte. Sprecher von höchsten Graben, wie Paul Wag­ner, Heinrich George, (Serba Müller, Fran­ziska K i n z, Alexanber Engel unb Otto Collin neben vielen anderen, gaben ben Stationen her Passion klares Profil, so baß es ben Zuschauern nicht schwer fiel, sich von her psychologischen Hanb- lungsentwicklung eines inbividualistischen Dramas auf den statuarischen Stil einer im Nebeneinander sich vollziehenben Schicksalsbichtung her Gemein-

Auftakt.

Äon Fritz peier Buch.

Das Gießener Stabttheater bringt bas SchauspielVertrag um Karakat" von Fritz Peter Buch zur Aufführung.

An einem Hellen Dezembermittag bes Jahres 1915 stand ich mit etwa 30 Kameraben in her Schreibstube bes Artillerie-Sonberkommanbos der Militärmission in Konstantinopel. Wir waren über­raschend ,3um Appell befohlen worden: lauter Kriegs­freiwillige, junge Kaufleute, Handwerker, Studenten wie ich, kaum einer über zwanzig Jahre alt.

Der' Kommandeur hatte seine kurze Ansprache beendet Es war totenstill in dem kleinen holzge­täfelten Raum, an dessen Wänden noch die rotgepol­sterten türkifchen Dioanbänke standen.

Keiner wagte zu atmen. So erregend war das, was wir gehört hatten. Wir waren schon m Deutschland gus einer großen Zahl von Freiwilligen für den Dienst auf asiatischen Kriegsschauplätzen, ausgesucht worden. Jetzt sollten sich aus unseren Reihen Freiwillige zur Verwenbung in Persien, Afghanistan und an der indischen Grenze melden. Es dauerte Sekunden, bis mir begriffen hatten. Dann brach ein Sturm los. Alle wollten mit. Der Kommandeur sah sich die Junsensgesichter an d.e vor Abenteuerlust brannten und hatte Einsehen alle durften mit. Wir mußten Ver^wiegenheit über das Ziel her Expedition geloben. Dann waren n)l&irtüefen wie im Traum durch die Perastraße, die steinernen Winkelgassen des alten Galata hm ab, ans Meer. Indien! Persien! Afghanistan! Was hatten wir nicht schon in den letzten drei Monaten erlebt, - von dem Morgen in der Doberitzer Baracke angefangen, als das Lastauto der Firm Leineweber beladen mit Zivilanzügen und Mänteln anrollte und wir uns aus einem.Kommando junger Soldaten, von denen manche schon in Flandern uno Rußland die Kugeln hgtten pfeifen hören, m einen Haufen ziemlich schäbiger Zivilisten zuruckverwanbeln mußten. Am Alexanderplatz im Polizeipräsidium gab es bie Auslanbspässe mit ben Durchreisevisen für alle Länber zwischen Spree und Bosporus.

Ein paar Tage später wurden wir in kleinen Gruppen zu dreien und vieren, die sich unterein­ander nicht kennen durften, als stellenlose Mun­ter Kellner, Kaufleute getarnt auf die Schnell­züge nach Wien verteilt. Es ging über Budapest unb Kronstadt in das neutrale Rumänien.

Im Hotel Trajan in Bukarest saßen mir die Nacht burch wach auf unseren Betten. Eine Polizei- vatrouille hatte uns die Pässe abgenommen. Es war die Nacht, in b^r Mackensen bei Belarab über btp Donau ging. Bulgarien war als unser Verbun­

__ Künstlerin, lange als Filmschauspielerin unb Regisseurin großer Naturfilme unb her Parteitag- Filme bekannt, begann vor etwa zehn Jahren als Tänzerin, unb zwar in München, Köln, Innsbruck, Prag unb ihrer Daterftabt Berlin. Die Tanzkritiker waren entzückt von hervollkommenen starken An­mut, her beispiellosen Schönheit" bes jungen Mäb- chens; von ihren. Tänzen schrieb einer: ... es grübelt in biefen Tänzen ein kühner Wille, es ringt ein Mensch mit bem Engel." Diese Worte charak­terisieren bie Tänzerin unb behielten ihre Gültigkeit auch, als Leni R i e f e n st a h l sich halb barauf bem

beter in ben Krieg eingetreten. Es war eine Frage von Stunben, baß Rumänien sich auf bie Seite unserer Feinbe schlug. Dann saßen wir als Solbaten in Zivilkleibung in her Hauptstabt eines feinblichen Laubes.

Das Frühstück am anbern Morgen schmeckte uns erst, als her Oberkellner unsere Pässe wortlos auf den Kaffeetisch legte. Am Mittag schwammen wir auf der Donaufähre bei Ruftschuck dem befreunde­ten bulgarischen Ufer zu. In den balkanischen Ber­gen war die Mobilmachung im Gange. Die Gleise waren verstopft mit Güterzügen voll junger Bur­schen. Auf den Bahnhöfen standen lachend und weinend die Mädchen, schwarzhaarig, mit roten Blüten überm Ohr. Sofia war voll von der Be­geisterung über die ersten Siege. Adrianopel flog vorüber, die türkische Grenze und schließlich, am achten Reisetage, standen wir auf dem Bahnsteig in Sirkedschi-Stambul.

Wochen folgten, in denen wir uns in einer frem­den Welt zurechtfinden lernten. Wir zogen die Uni­form der Türken an, lernten ihre Sprache sprechen, ihre Gebräuche achten. Auf ben kahlen Steppen­hügeln am oberen Teil bes Golbenen Horns, nicht weit von her heiligen ©räberftabt Ejub unter­wiesen wir anatolische Bauern in her Kunst bes Schießens mit Kanonen. An ben Abenben unb Sonntags burchwanberten wir biese rounberbare Stabt, in her sich Europa unb Asien im Schatten von Jahrtausenben begegnen. Wir ftanben vor ben Mosaiken her Kahrije-Moschee unb benen her Hagia Sofia, folgten ben Trümmern her gewaltigen Mauern vom Golbenen Horn zum Marmarameer. Wir sahen von ben Gebetstürmen her großen Mo­scheen, bie wie sieben gewaltige Festungen bes gött­lichen Friebens bie sieben Hügel bes alten Byzanz krönen, auf bas Gewimmel in ben hölzernen Gassen her türkischen Stabtviertel hinab. Wir burchstreiften bie Basare Jstambuls, ben Sumpf her Hafengaffen bes alten ©enueferftabtteils Galata, wir saßen in ben levantinischen Kaffeehäusern Peras mit ihrer Talmi-Eleganz, ihren Gästen aus allen Rassen bes Mittelmeers. Wir waren in ben kleinen Teestuben her Hafenstäbtchen unb Fischerbörfer zu Hause, bie bie Ufer bes Bosporus vom Schwarzen Meer bis zum Marmarameer besetzen unb biese Meerenge mit ihrem Schmuck von Gärten unb Palästen zu einem her schönsten Teile her bewohnten Erbe machen.

Unb jetzt also ftanben wir am Gelänber her großen Galatabrücke über bem lärmenben Gewim­mel von Fischkuttern, Schleppern, Pinassen einen Strom von hupenben Autos, Hingelnben Straßen­bahnen hinter uns, Wolken schreienber Möwen über uns unb vor uns unter bem stahlblauen Winterhimmel das Meer besonnt unb ftraM'no. > Drüben über her jenseitigen Küste, aus bem schnee-

aufkommen. Es bebeutet bereits eine Sinnwibrigkeit, wenn bie Klagen unb Wahrsprüche her Greise unb Frauen von Susa von jungen Menschen vorgetragen werben. Da her einzelne Sprecher künstlerischen Ausbrucks nicht fähig ist, wirb bie Wirkung burch klangliche Summierung der Stimmen erzwungen. Das ausbrucksmäßige Differenzierungsbestreben ver­führt zu einem Stil, her zwischen Rezitation unb Gesang unsicher entlanggleitet unb bie erhabene Dichtung halb zum Singsang, halb zu opernhasten Wirkungen verflüchtigt. Das ist um so bebauerlicher, als baburch bie Inhaltsschwere unb Sprachkraft bes Dramas, bie gerabe Leyhausens meisterliche Ueber­setzung voll eingefangen hat, bem unvorbereiteten Theaterbesucher nicht zum Bewußtsein kommt.

So werben wohl nur wenige Zuschauer ber Auf­führungen begriffen haben, daß in dieser epischen Tragödie Aischylos, der Mitkämpfer bei Salamis auf der Siegerseite, dem unterlegenen Gegner ein Denkmal gefetzt hat, das einzigartig in der Welt­literatur ist, weil es dem Feinde die Ehre nicht nur nicht raubt, sondern seine Tapferkeit geradezu feiert und von menschlich tiefem Mitgefühl durch- ftrömt ist. Diese Ritterlichkeit des Siegers gibt dem Drama über seine künstlerische Ewigkeitsgeltung hinaus eine unheimliche politische Aktualität. Es ist ist in seiner Haltung eine einzige Anklage gegen die Siegermoral in unserer Zeit. Kezn vernichtenderes Urteil über den Geist von Versailles unb Genf läßt sich benten als bas Ethos biefer aischyleischen Tra- göbie! Jacobi.

Paulus Krüger, ber berühmte sübafrikanische Staatsmann, genoß nicht nur im engeren Kreise ber Freunbe unb" Bekannten ben Ruf unbebingtefter Rechtlichkeit, fonbern in ber Welt erzählt man sich von seiner Zuverlässigkeit unb von seiner weisen unb unoerbilbeten Menschlichkeit. Deshalb forberte man ihn auch häufig zur Schlichtung von Streitig­keiten auf, bie eigentlich nicht Sache eines großen und viel beschäftigten Staatsmannes find. Einst kamen zwei Verwandte zu ihm. Es handelte sich um Meinungsverschiedenheiten über ein Besitztum, das ihnen bisher gemeinsam gehört hatt, bas jetzt jeboch geteilt werben sollte, ohne daß man sich darüber einigen konnte. Ohm Paul, wie der Präsi­dent im Volksmunde genannt wurde, saß unter dem Schutzdach seines Hauses und ließ die Rauchwolken seiner niemals ausgehenden Pfeife zum Himmel steigen. Während die beiden ihren Standpunkt hef­tig streitend vertraten, schwieg Krüger eine lange Zeit, bis er plötzlich zu bem einen sagte:Du wirst bas Gut nach bciner Idee in zwei Teile teilen." unb zu bem anberen bemerkte er:Du wirst von ben beiben Teilen ben nehmen, ber bir am besten -usagt" Der eine Kläger, ber natürlich bamit rech­nen 'mußte, baß sein Verwanbter bei einer unglei­chen Teilung bas beste Stück nehmen würbe, be­mühte sich nun um eine wirklich gerechte Losung, nier em -Nv!-- M P-ul d-r sprichwörtlichen

fiiüer Abend, als, es abgebrannt wurde. Auch die. Wejsheit eme= Saio.no würdig.

Eltern waren gekommen und noch andere Gäste. Das Feuer prasselte, und bie Flammen beleuchteten bie Gesichter unb ben weißen Bart bes Sanitäts­rates. Unb war es ein Wunber? auch bas Mäbchen mit ben schwarzen Locken war gekommen unb stanb mit im Kreis, genau unter ber Pappel, in bie ihr Name eingeschnitten war, unb wußte nichts bavon.

Unb was geschah an biesem Abend? Dies ge­schah, daß Gerold sich ein Herz nahm, zu dem Mädchen trat und mit ihr sprach. Sie kannten sich ja gut, denn sie besuchten seit Jahren die gleiche Klasse. Sie würden bald miteinander konfirmiert werden.

Und weiter stellte sich heraus, daß die kleine Schwarzgelockte eine große Düte Bonbons mitge­bracht hatte und Gerold davon abgab; unb baß sie an biesem Abend immer dort auftauchte, wo er gerade stand und immer die offene Düte mit den Bonbons für ihn bereithielt.

Das ist geschehen imanderen Garten", am lodernden und nieberbrennenben Lagerfeuer, unb weiter weiß ich nichts. Unb eine schönere Liebe mag es wohl nicht geben, als biese.