Ausgabe 
3.5.1935
 
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Nr.102 Erstes Blatt

185. Jahrgang

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Das Empire.

1887, bei der Jubelfeier des fünfzigjährigen Re- gierungsjubiläums der Königin Viktoria, waren die Premierminister der britischen Dominien zum erstenmal sämtlich in London anwesend. Da man nun einmal beisammen war, so setzte man sich selbstverständlich amRunden

Die deutsche Lustwaffe dient allein der Erhaltung des Friedens.

Deutschland zu jeder ehrlich betriebenen Rüstungsbegrenzung auf gleichberechtigter Basis auch in der Lust jederzeit bereit.

Tisch" zusammen und hielt gemeinsam Beratun­gen ab. Aus diesem Zufall wurde eine Gewohnheit. Man kam in periodischen Abständen immer wieder zusammen, zuerst zuKolonialkonferenzen", dann später nach 1908 zuReichskonferen- z e n". In dem Namenswandel allein deutet sich schon der Gestaltwandel des englischen Weltreiches an. Von der Reichskonferenz und vom Empire war es nur ein weiterer Schritt bis zum British Commonwealth o f Nations. 1926 wurde die Trennung zwischen dem Empire, das lediglich die Kronkolonien, die Mandate, die Einflußsphäre und Protektorate umfaßt, und dem Commonwealth, der Gemeinschaft von Mutterland und seinen Schwesternationen, vollzogen. Lord Balfour gab die berühmte Erklärung ab, daß England einer­seits, Kanada, Australien, Neuseeland, Neufund­land, Südafrika und Irland anderseits Schwester­staaten geworden sind, daß sie alle gleiche Rechte besitzen und daß ihre Lehnspflicht gegen­über der britischen Krone auf freiem Beschluß be­ruht.

AlsStatut von Westminster" ging diese Bal­four-Erklärung im November 1931 in die Geschichte ein. König Georg V. war König in sieben (Staaten geworden! Das Parlament von West­minster hatte aufgehört, die Gesetzgebende Körper­schaft des Weltreiches zu fein. Jetzt erst, nach Ab­schluß einer Halbjahrhundert langen Entwicklung, wurde die restlose Autonomisierung der britischen Reichsteile in die Form von Paragraphen gegossen, Bereits ein Jahr später wurde auf der Wirtschafts­konferenz des Commonwealths in Ottawa die Probe auf das Statut von Westminster gemacht, die entscheidende Probe: Denn nun mußte sich die neue Form im Schmelztiegel des wirtschaftlichen Eigennutzes bewähren. Und sie bewährte sich. Ein äußerst verschachteltes System von Präferenz­zöllen löste das schwierige Problem der gegen­seitigen zollmäßigen Bevorzugung innerhalb des Commonwealth. Von Präferenzzöllen für einzelne Warenklaffen bis zum einheitlichen Zollgebiet ist es indessen ein sehr weiter Weg, und niemand weiß sicher, ob dieser Weg bis zum Ende durchschritten wird. Auch dasStatut von Westminster" ist im Grunde bisher nur ein Rahmen, der der Aus­füllung harrt, besser noch: ein Band, das die einzelnen Reichsteile mit seidenen, aber dennoch festen Fäden verknüpft.

Wieder ist es nun ein Regierungsjubi­läum, das die Vertreter desBritish Common­wealth" nach London führt. Wieder werden wie 1887 und in den nachfolgenden Jahren die großen politischen und wirtschaftlichen Fragen und Sorgen des Reiches und feiner Schwesterstaaten zur De­batte stehen. Getreu der englischen Tradition, die Entwicklung durch Paragraphen nicht von vornherein festzulegen, sondern erst nachträglich nach ihrem Abschluß theorettsch zu fixieren, vermeiden es Regierung und Presse, der Oeffentlichkeit ein Pro­gramm der diesjährigenR e i ch s k o n f e r e n z" der Name selbst wird absichtlich vermieden und mit Rücksicht auf das Regierungsjubiläum Georgs V. an der Fiktion einer sich zufällig ergebenden Aussprache festgehalten vorzulegen. Dennoch sind sich sowohl die britische Regierung als auch die fast zwanzig leitenden Minister aller Teile des Weltreiches natürlich darüber klar, über was verhandelt werden soll. Seit Wochen und Monaten nimmt z. B. dasF le i s ch pr od l e m", d. h. die Frage, woher England seinen Bedarf an Speck­schwarten, Hammelkeulen, Roastbeef usw. beziehen soll, in den Spalten der englischen Blätter einen er­heblichen Raum ein. Dänemark und Argen­tinien waren bisher der bevorzugte Kunde. Australien und Südafrika weisen dagegen darauf hin, daß sie Dänemark und Argentinien sehr wohl ersetzen können. Kanada wartet mit seinen Weizen und seinem Holz aut Neusee­land mit Eiern, Obst und Hühnern, Neufund- l a n d mit Fischen.

Selbstverständlich wollen die Engländer ihren Haushalt mit Erzeugnissen des Commonwealth versorgen. Misses Brown ist es schließlich gleich- gültia, ob der Schinken aus Südafrika oder Däne­mark stammt; nicht aber gleichgültig ist es Mister Smith, ob er seine Plaids nach Dänemark oder Australien verkauft; denn in Australien würde er sie nicht loswerden und die Danen wur­den nicht allzu kauflustig sein, wenn Misses Brown ihren Schinken nicht mehr von ihnen bezieht. Zoll­freiheit innerhalb des Commonwealth undGe­schlossener Handelsstaat" nach außen sieht sich au dem Papier und in den Spalten derDaily Mall sehr leicht und schön an. Die Wirklichkeit indessen ist weniger einfach. Rücksicht auf die ex- portierenbe Industrie und auf die eigene, nach jahrzehntelanger Vernachlässigung neu gefor­derte Landwirtschaft ist ebenso nötig wie sorgfältige Bedachtnahme auf die Interessen uno Wünsche der einzelnen Reichsteile. Außerdem liegt es den Briten nicht, sich wirtschaftlich von dem Güteraustausch- mit allen Völkern auszuschlietzen und sich auf sich selbst zurückzuziehen. Heber 50 v- H- der englischen Ausfuhr und über 25 v. H. der Aus fuhr der Dominien erstreckt sich noch immer au das übrige Ausland. Hier kann nur Schritt für Schritt eine Aenderung erfolgen. Daß eine solche angeftrebt wird, läßt sich daraus folgern, daß der Gedanke der Schaffung eines außenpoliti­schen Reichsamtes analog dem seit langem bestehenden Colonel Office aufgeworfen wurde.

General Göring vor der ausländischen presse.

Das Werden der Reichsluftwaffe.

Berlin, 2. Mai (DNB.) Reichsluftfahrtminister General der Flieger Hermann Göring sprach auf einem vorn Verein der ausländischen Presse zu Berlin veranstalteten Essen über die neue deutsche Reichsluftwaffe. Als alter Soldat und leidenschaft­licher Flieger, so betonte er, habe er in den ver­gangenen Jahren unsagbar darunter gelitten, daß ein Vaterland unsicher und ohnmächtig im Herzen Europas lag. Er habe auch darunter gelitten, daß die Sprache der Diplomaten dazu zwang, zurückhaltend in Dingen zu fein, die nun einmal notwendigerweife, wie in jedem Lande, geheim bleiben mußten. Der Ministerpräsident stellte nachdrücklich fest, daß er in früheren Aeußerungen, wenn er erklärte, Deutschland besitze keine Luft­waffe, keinesfalls die Unwahrheit gesagt habe, denn tatsächlich seien beim Regierungsantritt Adolf Hitlers nur einige wenige veraltete Typen, die kaum als Versuchsflugzeuge ange- prochen werden konnten, vorhanden gewesen.

(Er habe aber stets betont, daß Deutschland bemüht fein würde und es als ein ab­solutes Recht der Sicherheit ver­lange. eine defensive Luftwaffe zu bekommen. (Er habe auch nie einen Zweifel darüber offen- gelassen. daß Deutschland gezwungen fein würde, anfzurüsien, wenn die anderen Mächte sich nicht entschließen könnten, ihre Luftstreilkräfte abzurüsten; denn ihm sei vom Führer die Sicherheit der Ration in ihrem Luftraum über­antwortet worden.

Die Art und Weise, wie die deutsche Luftflotte geschaffen wurde, sei so originell und einzigartig, daß man es ohne Kenntnis der Unterlagen kaum glauben könne. Man fei vollständig neue Wege gegangen. Er habe es abgelehnt, den Weg einer langsamen, allmählichen Aufrüstung zu be- chreiten, weil dann die Gefahr bestand, daß beim Eintreten schwieriger Momente die Luftwaffe nicht ertiggewesen wäre. Er habe daher die techni - chen und industriellen Möglichkeiten bis zum äußer st en ausgebaut, die es bann gestatteten, schlagartig bie Luftwaffe zu schaffen. Die Flugzeuge seien vorher nicht unter ber Erbe ober in dichten Wälbern versteckt gewesen: sie waren einfach nicht ba!

Richtlinie beim Aufbau der Luftstreitkräfte wird immer einzig und allein die Sicher­heit der deutschen Ration bleiben. (Es hängt ausschließlich von den anderen Mächten ab. die höhe der deutschen Luft­waffe zu bestimmen. Die deutsche Luftwaffe ist so stark, daß derjenige, der Deutsch­land angreif<, einen sehr, sehr schweren Stand in der Luft haben wird. Denn die deutsche Luftwaffe verfügt über kein einziges altes Flugzeug! Sie verfügt über keinen einzigen alten Motor! Was die deutsche Luftwaffe heute an Motoren und Maschinen besitzt, ist das mo­dernste, was überhaupt existiert. Die deutsche Fliegerei ist erzogen im Geiste von Boelcke und Richkhofen! Sie ist nicht Selbstzweck, sondern immer nur Diener am Werk!

Deutschland hat auch bereits seinen Willen kund- gegeben, an Lu ft ko nve n ti o n en mitzu- arbeiten, und es wird sich nicht scheuen, gemäß

übernommener Verpflichtungen seine Luftstreit­kräfte im Rahmen ber gegebenen Möglichkeiten nicht nur zur Sicherung unb Verteibigung Deutsch- lanbs, fonbern auch zur Sicherung unb Verteibi­gung bes europäischen unb Weltfriedens einmsetzen. Die Reichsluftwaffe bestehe aus ber Luftflotte unb ber Fliegerabwehr.. Schon aus ber Ein­heit biefer beiben Waffengattungen könne man er­kennen, baß bie beutsche Luftwaffe nur zum Zwecke ber Verteibigung unb Sicher­heit aufgebaut sei. Die beutsche Luftwaffe fei auch nicht so riesengroß, wie man sich bas im Auslanbe hier unb ba ausmale. Entscheibenb sei nicht bie Anzahl ber Flugzeuge, fonbern ihre Güte, unb unb nicht bie Anzahl ber Flieger, fonbern ihre Charaktereigenschaften unb i h r Kön­nen.

Deutschland braucht den Frieden, und es wird weder von sich aus den Frieden stören, noch sich provozieren lassen, weil es sich nicht in irgendwelche Abenteuer hineinstürzen wird, sondern weil seine Richtschnur immer bie Un­antastbarkeit seiner Ehre als letztes und höchstes Gut sein wird. Deutschland wäre glücklich, wenn die anderen Völker nicht nur immer von Gleichberechtigung sprechen, son­dern endlich aus der grauen Theorie in die ge­sunde Praxis gehen würden.

General Göring betonte insbesondere, baß Deutschlanb gerabe burch feine Rüstun­gen etwas Positives für b e n Trieben geleistet habe. Nichts fei für den Frieben be­drohlicher gewesen als ein Deutschlanb in vollstän- biger Ohnmacht inmitten hochgerüsteter Völker. Ein Volk von 66 Millionen, bas im Herzen Europas liege, werbe immer ein Anreiz für anbere Völker fein, Ausgleiche für ihre Politik zu suchen. Nur wenn bas Herz eines Erbteiles stark schlage.

Londoner pressestrmmen.

Verstärkte englische Aufrüstung gefordert.

Lonbon, 3. Mai. (DNB. Funkspruch,) Heber bie Erklärung Görings vor ber Auslanbspresse wirb in allen Morgenblättern ausführlich berichtet. News Chronicle" ist ber Ansicht, baß sich Macbo- nalb unb General Göring in ihren Ausführungen ziemlich nahegekommen feien. Macbonalb habe Deutschlanb aufgeforbert, sich an einem Pakt zur Begrenzung ber europäischen Luftstreitmächte zu beteiligen unb Sämig habe erklärt, Deutschlanb sei bereit, sich an einem solchen Abkommen zu be­teiligen.Daily Mail" spricht bie Erwartung aus, baß bie britischen Minister roeber Mühe noch Gelb sparen würben, um bie Wehrkraft ber N a - ti o n von Grunb auf zu organisieren. Daily Expreß" schreibt, niemanb wisse, gegen men bie nationalsozialistischen Flugzeuge gebaut würben. Jebe Nation habe ben Verbacht, baß s i e als Opfer auserkoren sei. Runb heraus ge­sagt, gelte bies auch vom englischen Volk. Balbwin habe im November mit feiner Erklärung über bie ßuftftärfe Deutschlanbs Englanb irregeführt. Chur­chill, ber feine Angaben erfolglos bestritten habe, habe recht behalten. Jetzt wolle man bas Versprechen Balbwins einlöfen, Englanb eine Luftmacht von ber gleichen Stärke wie bie feines mächtigsten Nachbarn zu geben. Es fragt sich nur wann. Deutschlanb baue unaufhörlich. Macbonalb werbe eines Morgens

feien auch alle ©lieber gefunb. Die Aufgabe, bie Deutschland für den Frieden Europas unb zur Rettung bes Abenblanbes zu erfüllen habe, werbe erst von einem späteren Geschlecht klar unb beut= lief) erkannt werben. Im Rahmen ber europäischen Völker könne es nur ein gleichberechtigtes, gleichstarkes unb friedlich schaffendes Deutschland geben. Deutschlanb werde kein an­deres Volk bedrohen, es verbitte sich aber auch, daß man Deutschland bedrohe und sich in Dinge ein­mische, für bie allein Deutschlanb zustänbig sei.

Deutsche Geschichte wird von Deutschlanb gemacht werben, unb Deutschland wird der Welt beweisen, daß das ganze Volk hinter dem Wort des Führers steht:Deutschland wünscht und braucht ben Frieben unb arbeitet bereitwillig an feiner Erhaltung mit!" Wir sind bereit, die Kräfte der anderen voll und ganz zu achten, denn nur so wird unter starken Völkern ein starker Friede möglich fein.

3n diesem Sinne nur fei bie deutsche Luft­waffe geschaffen worden, und sollten die Völ­ker einmal ihrerseits Übereinkommen, bie Luft­streitkräfte abzufchaffen, so werde Deutschland .sich davon nicht ausschließen. Deutschland st e h e keiner Regelung im Wege, wenn sie von den anderen Völkern ehrlich betrie­ben werde, aber es komme nur eine Rege­lung in Frage, die auf vollständig gleichberechtigter Basis beruhe.

Die ausländischen Pressevertreter waren sichtlich beeindruckt von den freimütigen unb offenen Wor­ten ihres Gastes. Mit herzlichem Beifall schlossen sie sich seinem Trinkspruch auf gute Zusammenarbeit an, unb stimmten ihrem Dorsitzenben zu, als er bie Rebe bes Reichsluftfahrtministers eine ber behut­samsten Erklärungen nannte, bie je vor ber aus» limbischen Presse gegeben würben.

beim Erwachen eine beutsche U. -Bootflotte oorfinben. Die britische Oeffentlichkeit werbe aber ben Mann zur Rechenschaft ziehen, ber für bie jetzige Schwäche bes Laubes hauptsächlich verantwortlich sei. Macbonalb habe es zugelassen, baß bie Nationalsozialisten eine Luftstreitmacht bau­ten, ein Heer aufstellten unb eine Kriegsflotte auf Stapel legten.

Große VeachtMg in Paris.

Entstellungen der Presse.

Die Erklärung Görings finbet auch inbenPa­ri f e r Morgenzeitungen sehr starken Wi- berhall.Petit Pakisien" schreibt, währenb man in Lonbon über bie Verletzung ber Verträge burch Deutschlanb gesprochen habe, habe General Göring feftgefteüt, baß bas Reich über bie stärkste Luftflotte ber Welt verfügt. (?)Le Jour" erklärt, man habe ganz besonders den zuversichtlichen Ton festgestellt, in dem General Göring feine Erklärung abgegeben habe. Wenn bie beutsche Militärluftfahrt wirklich so rasch geschaffen worben fei, so gäbe ber Stand ber beutschen Flugzeugbauindustrie zu ben größten Beunruhigungen Anlaß.Petit Journal" ist ber Ansicht, baß General Göring absichtlich bie Schnel­ligkeit, mit ber bie beutsche Luftflotte geschaffen würbe, etwas übertrieben habe, um zu beweisen, baß er bie Wahrheit gesagt habe, als er noch wenige Monate vorher erklärte, Deutschlanb ver­füge "über keine Militärluftfahrtzeuge.

General Görings Grklämngen finden ledhafien Widerhall in Paris und London.

Nun ist es richtig, baß für ein solches Amt bie eigentliche staats- unb völkerrechtliche Grunblage fehlt. Das Commonwealth ist kein Bunbes­st a a t ,* a u ch kein Staatenbunb wie etwa bie ehemalige österreichisch-ungarische Monarchie, wo bie Einheit burch bas gemeinsame Heer unb bie ge­meinsame Leitung ber Außenpolitik gesichert würbe, sondern allenfalls ein Staatenbündel, dessen Zusammenhalt allein durch die Krone garantiert wird. Kanada ist, um nur ein Beispiel zu nennen, politisch unb wirtschaftlich vollstänbig unabhängig. Sein König ist ein König von Kanaba, nicht von Englanb. Theoretisch könnte Georg V. zu besten Huldigung jetzt sich bas größte Weltreich, bas bie Erbe je gekannt hat, vereinigt, ebenso gut Ottawa, Canberra, Prätoria, Wellington, St. John wie in Lonbon residieren. Der König bzw. die Krone ist das einzige gemeinsame Organ des Commonwealth, aber bie politische Grunblage bes Königtums ist zu schmal, als baß man auf ihr ein außenpolitisches Reichsamt aufbauen könnte, bem bie Vertretung bes Commonwealth nach außen ob­liegen würbe. Wie groß aber bie Neigung ber Do­minien ist, ihre glücklich gewonnene Autonomie burch ein neues Reichsorgan zu schmälern, läßt sich schwer ermessen. Don Irland, dessen Präsident de Dalera in London nicht vertreten sein wird, ist eine solche Bereitwilligkeit kaum zu erwarten. Don den übrigen Dominien ist Südafrika ebenfalls trotz aller der Krone erwiesenen Loyalität gern eigene Wege gegangen. Immerhin;, das Problem ist gestellt und

ber gesunde Realismus der Briten wird ihm gewiß nicht ausweichen.

Oie Umwertung des Danziger Guldens.

Danzig, 2. Mai. (DNB.) Im Zusammenhang mit ber Neubewertung bes Gulbens hat ber Senat oerorbnet, baß Schulbner ihre bisher eingegangenen Verbinblichkeiten, sofern sie auf Gulben ober Golb- culben lauten, burch Zahlung bes gleichen Nennbetrages in Gulben tilgen können, so baß Aufschläge zum Nachteil ber Schulb­ner unzulässig finb. Dies gilt für Geschäfte bes täglichen Verkehrs, Darlehen unb Hypothekenschul- ben. Die Verorbnung regelt aleichzeitigbie Zahlung von Hypothekenschulben in frember Währung mit Golb ohne Golbklausel, wobei auch hier bie Inter­essen bes Schulbners gewahrt bleiben.

Im Dolkstag erklärte Senatspräsibent Greiser u. a.: Die Neubewertung bes Gulbens stellt eine wirtfchastsrevolutionäre Maßnahme bar, bie ben Zweck hat, b i e Einfuhr von Waren tun­lichst zu beschränken unb bie Wirtschaft zu einer gefteigerten Ausfuhr zu befähigen. Sie trägt ber Tatsache Rechnung, baß für bie Dan­ziger Wirtschaft Förberung der devisen- schafsenben Ausfuhr eine vorbringliche Auf­gabe ist. Jnsbesonbere wirb bie Regierung barauf bebacht fein, daß bie Lage ber werk --

tätigen Bevölkerung keine fühlbare Verschlechterung erfährt. In ber Au s - spräche versuchten bie Vertreter ber Oppositions­parteien, benen sich auch ber polnische Abgeordnete Bubzinsei anschloß, kleinliche unb völlig negative Kritik an ben Entschlüssen ber Regierung zu üben, wobei sich insbefonbere ber kommunistische Sprecher zu unerhörten Herausforderungen hinreißen ließ. Senatspräsibent Greiser ergriff darauf nochmals bas Wort, um ben Versuch ber Opposition, burch bemagogische Ausführungen bie Bevölkerung zu beunruhigen, entsprechenb abzufertigen. Unter stürmischem Beifall erklärte Greiser:Wir werben in großen Versammlungen zum Volke sprechen, bas uns besser versteht als bie Mar­xisten, unb wir werben als beutsche Männer mutig unb entschlossen um bie Zukunft Danzigs kämpfen."

Polnisch-Litauische Fühlungnahme?

K o w n o , 2. Mai. Im Zusammenhang mit Mel- bungen über bie Anbahnung von polnisch- litauischenVerhanblungenistein Bericht bemerkenswert, nach bem Lepecki, bem persön- NchenAbjutantenPilsubskis, ein Ein­reisevisum nach Litauen erteilt worben ist. Diese Nachricht wirb vom litauischen Innenministe­rium auf Anfrage bestätigt. Es wirb angegeben, Lepecki wolle zum Besuch von Verwanbten nach Litauen kommen. Man geht aber wohl in bev Annahme nicht fehl, baß bie Reise einen poli- tischen Charakter trägt.