Ausgabe 
3.4.1935
 
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worden. Die französischen Jagdstaffeln würden in einigen Tagen ein Geschwader mo­dernster Flugzeuge erhallen. Die Flug- zeuggeschwader würden als einzige in der Welt mit einem motorgekup­pelten Geschütz ausgerüstet sein, um das die fremden Aliegerorganisationen Frank­reich beneiden würden. Die Aufklärungsge- schwader würden zu 50 v. h. durch ausgezeich­

nete Zweisitzer erneuert werden.

Auf dem Boden sei eine Reifse von Verteidi­gungsmitteln vorgesehen: Luftabwehrstatio­nen, Zentralisierung und Austausch von Nachrich­ten, Verdunkelung, Alarm. Ferner sei eine bessere Verteilung der aktiven Verteidigungsmittel im Lande, Modernisierung d^r Flugab­wehrgeschütze durch Einsetzung von modernen Batterien mit aroßer Anfangsgeschwindiakeit und mit schwerkalibrigen Maschinengewehren ober auto­matischen Geschützen vorgesehen. Das Luftfahrt­ministerium verlangt neben den ihm bereits unter­stellten Verteidigungsmitteln noch die Leitung des Luftschutzes in jeder Hinsicht sowie im Kriegs­fälle den Oberbefehl der Luftstreit- kräfte und des Luftschutzes. In ganz Frankreich müsse die Bevölkerung so or­ganisiert werden, daß sie ohne Entmutigung, ohne sich im Tempo der Arbeit stören zu lassen und ohne unnütze Verluste unvermeidliche Luftan­griffe im Verlaufe eines Konfliktes hinnehme. Man dürfe nie vergessen, daß das einzige Mittel, den Krieg und vor allem den Luftkrieg zu vermeiden, darin bestehe, bereit zu sein, ihn siegreich zu bestehen.

Veservistenmeutereien in Süd-Tunis.

Paris, 2. April. Etwa 150 Eingeborene waren zu einer militärischen Ausbildungsübung nach Medenine in Süd-Tunis einberufen worden. Sie fanden sich auch ordnungsgemäß zum Appell ein; ein Teil von ihnen flüchtete aber wieder. Als die Militärbehörde eingriff, um die Disziplin wieder herzustellen, kam es zu einem Kampf, bei dem die Eingeborenen-Reservisten eine Abtei­lung Soldaten mit Steinwürfen empfin­gen und mit Stöcken gegen sie vorgingen. Die Soldaten machten von ihren Gewehrkolben Ge­brauch. Ein Eingeborener-Reservist wurde tödlich verletzt. Mehrere Soldaten wurden verletzt, dar­unter auch ein Offizier. Die meisten Eingeborenen- Reservisten sollen sich inzwischen wieder in ihrem Truppenlager eingefunden haben.

AusweisungdeutscherHandelsvertreter aus Vutzlanv.

Berlin, 2. April. (DNB.) Der Vertreter der Humboldt-Deutz-Motoren A. G. norm. Ehrhardt und Sehmer, Saarbrücken, H. G. Waschkau, ist aus unbekannten Gründen aus Ruß­land ausgewiesen worden. Dor einiger Zeit kam Waschkau aus Moskau zur Beerdigung seines Vaters nach Deutschland zurück und wollte nach einigen Tagen die Rückreise wieder antreten. Ohne Angabe von näheren Gründen verwei­gerte man ihm das Visum und ließ ihn noch nicht einmal zur Auflösung seines dortigen Haushaltes nach Rußland herein. So mußte seine sich in Hoffnung befindende Gattin die schwere Aufgabe der Haushaltsauflösung in einem frem­den Lande ohne jegliche Hilfe allein übernehmen. Auch der Vertreter der Mittel­deutschen Stahlwerke Klitsch, sowie einige andere deutsche Vertreter wurden aus unbekannten Gründen ebenfalls aus Rußland verwiesen.

Oie Baltikumkämpfer gegen das Schandurteil von Kowno.

Berlin, 2. April. (DNB.) Major a. D. Bi­schoff, der ehemalige Kommandeur der Eiser­nen Division im Baltikum und Führer des Reichsoerbandes der Baltikumkämpfer, hat an den Führer ein Telegramm gerichtet, in dem es u. a. heißt:

Tieferschüttert über das Kownoer Schreckens­urteil gegen unsere deutschen Brüder, versichern die

Vertrauensvotum für das Kabinett Flandin.

Oer Ministerpräsident schüchtert die Kammer mit der »deutschen Gefahr"" ein.

Paris, 2. April. (DNB.) Ministerpräsident F l a n d i n erinnerte in der Kammer daran, daß Deutschland sich ein Luftheer geschaffen und die Wehrpflicht wieder eingeführt habe. Beides bilde eine einseitige unbestreitbare Ver­letzung des Versailler Vertrages und der Völker­bundssatzungen Die Wiedereinführung der Wehr­pflicht werde ergänzt durch andere Maßnahmen, wie die Bildung des Arbeitsdienstes und einer gro­ßen Luftschutzorganisation. Gegenüber einer solchen Armee müsse Frankreich seine Sicherheit durch m i - litärische Maßnahmen und durch Mili­tärabkommen mit den im gleichen Sinne am Frieden interessierten Völkern organisieren. Gewisse Truppenverschiebung en seien bereits am 22. März beschlossen und Maßnahmen ergrif­fen worden, um die Garnisonen der Grenz- befeftigungen auf dem vorgesehenen Stand zu halten. Die Frage, ob auf Grund des Artikels 40 der in einigen Tagen zur Entlassung fällige Jahr­gang unter den Fahnen behalten werden soll, werde am 5. April vom Militärkomitee geprüft werden. Für die L u f t st r e i t k r ä f t e seien eben­falls die notwendigen Maßnahmen getroffen. Für den Luftschutz habe das Parlament ein grund­legendes Gesetz verabschiedet. Die bisher getroffenen Maßnahmen feien aber nur vorübergehend, da ein Beschluß darüber, ob Frankreich veranlaßt sei, seine ganze militärische Organisa­tion abzuändern, erst dann gefaßt werden könne, wenn die neue militärische Organisation i n Deutschland in allen Einzelheiten bekannt sein werde. Das Programm der Befestigungs­arbeiten werde weiterhin durchgeführt. Auf kei­nem. Gebiete sei also etwas vernachlässigt worden, um die Sicherheit Frankreichs zu garantieren. Das Land, dem er die Wahrheit offen habe sagen wollen, müsse Vertrauen und Kaltblütigkeit bewah­ren. Alles lasse darauf schließen, daß Frankreich harte Anstrengungen werde machen müssen, um seine Sicherheit zu gewährleisten.

Die Regierung werde auch den öffentlichen Kre­dit und die Währung verteidigen. Flandin wandte sich gegen.das Gerücht, daß das Steuerauf­kommen hinter den Ausgaben zurückbleibe. Auch wies er die Behauptungen zurück, die von einer Abwertung des Franken infolge der von Belgien getroffenen Maßnahmen sprächen. Er be­tonte, daß die Lage der französischen Banken nicht vergleichbar sei mit der Lage der belgischen Banken, die die Abwertung des Belga ausschließlich veran­laßt hätten. Frankreich hoste, daß die Anstrengun­gen Belgiens von Erfolg gekrönt sein mögen, ebenso wie die während des Krieges unternommenen von Erfolg gewesen seien. (Lebhafter Beifall.) Die Re­gierung habe im übrigen beschlossen, im Sinne der Verteidigung des Goldfranken "die Ausprägung von Goldstücken zu beschleunigen.

In Stresa, in Moskau und in Genf stün­den schwierige Verhandlungen bevor. Es fei erfor­derlich, daß der Außenminister dort mit der gan­zen Autorität Frankreichs sprechen könne. Wenn die Kammer kein Vertrauen mehr zur Re­gierungen habe, solle sie es offen sagen. Heute müsse sie ihm (Flandin) entweder ein vollkommenes Vertrauen aussprechen oder einen soforti­gen vollen Bruch vollziehen. Er werde sich nie darauf einlassen, mit einer geschmälerten Autorität ZU regieren. Er vertraue auf das Land in der Hoff­nung, daß das Land sich zusammenfinden werde zu einer gemeinsamen und überlegten Aktion.

In der auf die Rede des Ministerpräsidenten fol­genden Abstimmung sprach die Kammer mit 410 gegen 134 Stimmen der Regierung Flan­din das Vertrauen aus und vertagte sich als­dann bis zum 28. Mai.

Vorerst keine Entlastungen der gedienten Soldaten.

Paris, 3. April. (DNB. Funkspruck) Wie Petit Journal" aus sicherster Quelle wissen will, wird wahrscheinlich am kommenden Samstag im Ministerrat beschlossen werden, die Soldaten, die am 15. April entlassen werden sollten, auch wei­terhin unter den Fahnen z u behalten. Zur Begründung gebe man an, daß d i e neuen Rekruten e r ft zwischen dem 15. und 2 5. April eingezogen würden. Mindestens drei Monate werde es dauern, ehe sie notdürftig ausaebildet feien. Würde man also im April Entlassungen aus dem Heeresdienst vornehmen, so würde Frankreich bis mindestens Anfang Juli nur über bie halbe Stärke an ausgebil­deten Truppen, d. h. etwa 140 000 Mann, verfü­gen. (Die Jahrgänge werden bekanntlich je zur Hälfte im April und Oktober eingezogen und ent­lassen.) Bei der gegenwärtigen Lage bedeute dies aber eine Gefahr f ü r bie Sicherheit Frankreichs. Deshalb werbe man ber Regie­rung Vorschlägen, bas im April freimerbenbe Kon­tingent bis Anfang Juli unter der Fahne zu behalten. Man habe bisher noch nicht davon gesprochen, weil die Negierung zunächst die Kammer in die Ferien schicken wollte, um nicht den Angriffen der Linksopposition aus­gesetzt zu sein.

DerPopulaire" weist auf ein Rundschrei­ben der Militärbehörden hin, wonach die Truppen, bie im April zur Entlassung kommen sollten, sich für eine weitere Dien st zeit zu verpflichten hätten. Die Vorgesetzten hätten bie Soldaten darauf aufmerk­sam zu machen, daß im Falle einer Wei­gerung bie Bürgermeister ihrer Heimatorte, ebenso wie die örtlichen Arbeitsbeschaffungsbüros bann oerftänbigt würden. Ihre Weigerung hätte dann die Entziehung der Arbeitslosen­unterstützung zur Folge.

Frankreichs Lnffrüstungen.

General Denain über den Aufbau der Luft­flotte und des Luftschutzes.

Paris, 2. April. (DNB.) Auf dem Kongreß des französischen Luftschutzverbandes beantroortete Luft- fahrtminister General Denain bie Frage, ob b i e lebenswichtigen Zentren Frankreichs burch einen Luftangriff verwüstet wer­den würden, mit nein, vorausgesetzt, daß alle Derteidigungsmittel kaltblütig und entschlossen an­gewendet werben. Neue Kredite erlaubten bereits bis Ende dieses Jahres die Verwirklichung einer Luftflotte, deren Programm anfänglich auf drei Jahre vorgesehen gewesen sei. Innerhalb der er­forderlichen Frist werde der Tonnen inhalt der französischen Bombenflugzeuge auf das Dreifache erhöht und ber A k - tionsradius verdoppelt fein. Besondere Alarmmaßnahmen seien vorgesehen, um bie Ziel­punkte und Straßen zu schützen und die französi­schen Flugzeuge im Falle eines unerwarteten An­griffes zu alarmieren. Zu diesem Zwecke sei eine besondere ständige Ueberwachungs- [teile der Luft in Friedenszeiten eingerichtet worden.

Die französischen Flugzeugfabriken machen die größten Anstrengungen zur Siche­rung der Erzeugung des für Frankreich nötigen Flugzeugmaleriats. Die Tonnage der Flug­zeuge fei im Vergleich zu 1933 um 4 0 v. h. gestiegen und der Aktionsradius von 5 0 0 auf 9 0 0 Kilometer erhöht

Gießener Gtadtiheater.

Eduard Künneke:

Der Vetter aus Dingsda".

Der Komponist, der im Programmheft einiges über seine musikalischen Anfänge erzählt, bemerkt zum Schluß, daß diese Operette, eine seiner be­kanntesten, bie auch in Berlin vor kurzem roieber auf dem Spielplan aufgetaucht ist, immerhin schon fast das stattliche Alter von zwölf Jahren erreicht habe. Sie hat sich, in Anbetracht dessen, recht frisch ge­halten. Künneke svricht auch über bas Textbuch, bas für ihn stets ber Anlaß zur Musik sei. Von wem, in diesem Fall, das Libretto stammt, ist nicht an­gegeben. Wenn man es aufmerksam betrachtet, muß man sich rounbern, wie gering ber erwähnte Anlaß sein kann, und wie wenig Handlung dazu gehört, um brei abenbfüüenbe Akte musikalisch zu bestreiten.

Das ist bie erstaunliche und romantische Liebes­geschichte von Roderich und Julia; nicht Romeo, obwohl es an Anspielungen auf Shakespeare, auf bie Nachtigall unb bie Lerche nicht mangelt. Im übrigen enbet diese Liebe sogar eine Balkon- sZene ist vorhanden zur Befriedigung aller An­wesenden, nachdem der vor sieben Jahren auf Aben­teuer ausgezogene Geliebte endlich heimgekehrt ist. Aber bis die beiden sich endgültig kriegen im dritten Akt. sind eine Reihe von Schwierigkeiten zu über­winden, die dem Komponisten willkommene Anre­gungen zur Ausgestaltung seiner Partitur boten.

Erstens ist bie treulich wartenbe Julia noch nicht volljährig, unb ihr Vormunb hat aus durchsichtigen wirtschaftlichen Grünben allen Anlaß, ihr die Hoff­nung auf Roderichs Heimkehr zuschanden zu machen. Außerdem ist noch ein junger Herr in der Nähe, der mit einem Blumenstrauß und einem Heirats­antrag bewaffnet sich an die sehnsüchtige Julia heranmacht. Als aber der langersehnte Heimkehrer endlich erscheint, da will er seinen Namen nicht nennen unb wird, wie das auch in ernsthaften Heim­kehrerstücken so geht, von den Nächstbeteiligten nicht erkannt. Zu guter Letzt stellt sich allerdings heraus, wieso er nicht erkannt werden konnte, denn der wahre Roderich taucht erst im dritten Akt auf, wäh­rend Julia sich mittlerweile in den namenlosen Fremdling verliebt hat; ein Umstand, aus dem sich mühelos der Sinn und die moralische Nutzanwen­dung dieser Liebesgeschichte ableiten lassen: Namen sind Schall und Rauch, und für die Liebe auf den ersten Blick klingt August ebenso poetisch wie Rode­rich. Wie gut, daß Julia noch eine Freundin bei der

Hand hat, damit der arme Roderich auch auf den ersten Blick übrigens ebenfalls zu einer Frau kommt.

Das ist diese Geschichte. Vielleicht hat Künneke sie selbst erfunden. Die Musik dazu, die unbestritten von ihm ist, erweist sich weder als kompliziert noch als besonders anspruchsvoll, erscheint aber gefällig unb burchsichtig in Aufbau, Melodieführung und der Wiederkehr der Hauptmotive. Das Kernstück der Partitur ist entschieden das große Duett im Mittel­akt (Liebchen, du mußt nicht so schrecklich viel denken"), aber auch das hübsche HeimkehrerliedIch bin nur ein armer Wandergesell" gehört in seiner schlichten Instrumentierung zu den gelungensten Einfällen der Partitur.

Herr Hub hatte die Aufführung inszeniert, für ein bewegliches Tempo, flüssiges Zusammenspiel und einen publikumsgerechten Ausgleich zwischen den romantischen und den handfest-komischen Par­tien der Operette Sorge getragen. Hohes Lob ver­dient die geschmackvolle szenische Ausstattung von Herrn Löffler; das in allen drei Akten gleichblei­bende Bild war zumal mit dem sommerabend­lichen Mondaufgang wie geschaffen für Liebes­lieder, Sehnsuchtsseufzer und überraschenden Besuch zu später Stunde. Herr Keim betreute mit be­währter Hand den Beleuchtungsapparat und unter­strich den dramatischen Höhepunkt effektvoll mit einer realistischen Gewitterstimmung. Kapellmeister C u j e leitete das Orchester geschmeidig, mit sicheren Einsätzen und Steigerungen. Maja vonRabenau hatte bie mit Beifall aufgenommenen Tanzeinlagen einftubiert.

Maria Perry fang unb spielte die schwärme­rische Liebhaberin Julia de Weert sauber, flüssig und mit kultivierten Mitteln. Ihr Partner, Heinz Weiser, schien uns darstellerisch stellenweise etwas ungelöst, beherrschte aber die lyrisch-gedämpften wie die dramatischen Stellen feiner Gesangspartie recht überzeugend. Hansi S a l z m a n n stattete das Hannchen mit einem erstaunlichen Mundwerk, gro­tesken Gebärden und tänzerischer Beweglichkeit aus. Herr Lindt ergötzte das Publikum mit den gezier­ten Ansprachen eines aussichtlosen Freiers mit stei­fem Hütchen und Blumenstrauß, Herr Hub erschien erst im letzten Akt, aber mit Eleganz und Schwung und gleich nochmal. Herr 23 o I cf und Frau Schu­bert-Jüngling als Onkel Josef und Tante, Wilhelmine sowie die Herren D i e t e n und Seitz bereicherten die Liebesgeschichte mit komischen Nuan­cen aller Art.

Es gab viel freundlichen Beifall. hth.

Oie vertauschten Säuglinge.

Das kömmt davon, wenn Mutter und Tochter gleichzeitig ihre Gatten mit Söhnen erfreuen. In Belgrad, der Hauptstadt des kinderreichen Landes Südslawien, schenkte die tüchtige Frau des Bauern Toder Markowich ihrem Manne, dem es nickt leicht wurde, seine große Familie zu ernähren, den 17. Sohn. Im gleichen Hause gebar eine Stunde später Markowichs Tochter ebenfalls einen strammen Jun­gen. Die Hebamme wurde gerufen, nahm vor Freude, daß sie gleich zwei Kinder nach ihrer Ge­burt zu behandeln hatte, einen tiefen Schluck aus ihrer Flasche, badete die beiden Kleinen und legte sie in eine Wiege, um sich um die Mütter zu küm­mern. Denen ging es den Umständen nach gut, und beide äußerten den Wunsch nach dem Kinde, das die Hebamme ihnen in den Arm legen sollte. Mutter und Tochter lagen natürlich in verschiedenen Woh­nungen des Hauses, aber keine von beiden hatte schon ihr Kind gesehen. Die Hebamme eilte zur Wiege, nahm den einen Jungen heraus und wußte tatsächlich nicht mehr, war das das Kind der Mutter oder der Tochter. Statt jedoch den Mund zu halten, klagte sie den beiden Müttern ihren Kummer, deren Aufregung man sich ja vorstellen kann. Nicht minder erregt waren die beiden Väter, die die unachtsame Hebamme gemeinsam gründlich verprügelten. Es kann nun sehr wohl geschehen, daß die junge Frau ihren eigenen Bruder nährt und Mutter Markowich ihren Enkel. Die beiden ganz verwirrten Väter sind sich bis heute noch nicht über das Verwandtschaftsverhältnis zu ihren neu­geborenen Kindern klar, falls sie wirklich vertauscht sein sollten, denn daß ein Kind gleichzeitig der Schwager seines Vaters sein kann, das ist für einen serbischen Bauern nicht faßbar. Ein Trost ist den beiden Elternpaaren geblieben: die Kinder bleiben wenigstens in der Familie. Werden die beiden Knaben erst einige Jahre alt fein, bann wird sich die richtige Verwandtschaft vielleicht aus den Erb­anlagen endgültig feststellen lassen.

Lochschulnachrichten.

Der Privatdozent Dr. Günther Franz von der Universität Marburg hat einen Ruf auf den ordentlichen Lehrstuhl der mittelalterlichen Ge­schichte an ber Universität Heibelderg als Nachfolger von Professor Dr. Karl Hampe an­genommen.

Professor Dr. Rudolf Thiel, Extraordinarius für Augenheilkunde an der Universität Berlin, hat einen Ruf auf den ophtalmologischen Lehrstuhl an der Universität Frankfurt als Nachfolger

Baltikumkämpser getreu ihrem KampfrufUnb doch!" ihre unwandelbare Treue zum Deutschtum und Vaterland! Voller Scham denken wir Baltikumkämpfer an die der Befrei­ung Litauens vom Bolschewismus durch uns, u n f er Blut und unsere T o - t e n gefolgte Niederdrückung und Knech­tung der Befreier und ihres Deutschtums. Wir denken in dieser Stunde voller Ingrimm und Ver­achtung des feigen Ueberfaües neugebildeter litaui­scher Formationen im November 1919 auf einen deutschen Derwundetenzug, bei welchem 42 Ver­wundete, flüchtende Frauen und Kinder getötet wur­den." Am Schluffe des Telegramms wird dem Füh­rer der Dank der Baltikumkämpfer für das auch von ihnen langersehnte Dritte Reich ausgesprochen.

Strafordnung für Studenten.

Berlin, 2. April. (DNB.) Der Reichswissen­schaftsminister hat eine Strafordnung für Studen­ten, Hörer und studentisch«? Vereinigungen an den deutschen Hochschulen erlassen. Folgende Strafen können verhängt werden:

Mündliche Verwarnung, schriftlicher Verweis, er­forderlichenfalls unter Androhung der Entfernung von der Hochschule, Nichtanrechnung des laufenden Semesters, Entfernung von der Hochschule, verbun­den mit Nichtanrechnung des Semesters, dauernder Ausschluß vom Studium an allen deutschen Hoch­schulen.

Der Rektor leitet das Strafverfahren ein. Er betraut den Rechtsrat der Hoch­schule (Universitätsrat) mit den erforderlichen Er­mittlungen. Verwarnungen und Verweise verhängt der Rektor allein, nachdem der Beschuldigte gehört worden, ist. Nichtanrechnung, Entfernung und Aus­schluß verhängt der Rektor nach mündlicher Ver­handlung auf einhelligen Beschluß des Dreier- a u s s ch u s s e s. Dem Dreierausschuß gehören an: Der Rektor, der Führer der Dozentenschaft, der Füh­rer der Studentenschaft.

Der Rektor leitet bie mündliche Verhand­lung. Der Unioerfitätsrat vertritt die Anschuldi­gung. Der Beschuldigte kann einen Angehö­rigen des Lehrkörpers als Beistand wählen.

Eine Bestrafung mit Verweis, Nichtanrechnung, Entfernung oder Ausschluß ist dem Bestraften schrift­lich mitzuteilen und mit Gründen zu versehen. Sie wird durch 14tägigen öffentlichen Aushang bekannt gemacht und in die Papiere des Bestraften einge­tragen. Eine Berufung ist nur zulässig, wenn auf dauernden Ausschluß vom Studium erkannt ist.

Gegen studentische Vereinigungen kön­nen folgende Strafen verhängt werden: Mündliche. Verwarnung, schriftlicher Verweis, erforderlichen­falls unter Androhung der Suspension, Suspension auf ein bis vier Semester, dauerndes Verbot. Das Verfahren richtet sich nach- den für Studenten unb Hörer qeltenben Vorschriften. Verwarnungen unb Verweise verhängt ber Rektor allein, Suspension unb Verbot auf einhelligen Beschluß des Dreieraus­schusses. Eine Berufung ist nur zulässig, wenn auf dauerndes Verbot erkannte ist.

Der Reichswissenschaftsminister kann in jedem Fall das Verfahren durch Sonderbeauf­tragte führen lassen und selbst eine Entschei­dung fällen.

Oie Wehrmacht am Geburtstage des Führers.

Berlin, 2. April. Für die Feiern des Ge­burtstags des Führers unb Reichs­kanzlers an 2 0. April hat ber Reichswehr­minister bestimmt, baß bei allen Einheiten am 20. April vormittags Appelle innerhalb ber Truppe mit Ansprachen ber Stanbortältesten bzw. Kommandeure stattzufinben haben. Beamte, Ange st eilte unb Arbeiter ber Wehr­machtverwaltung sind zu diesen Appellen heranzuziehen. Don Parad en und'Zapfen- streichen soll abgesehen werden. Die übliche Regelung des O st e r u r l a u b s in der Wehrmacht wird dadurch nicht berührt.

des in den Ruhestand tretenden Professors Schnaudigel erhalten.

Professor Dr. Fritz Kirchner von der Univer- sität Leipzig ist auf den Lehrstuhl für technische Physik an der Universität Köln an Stelle von Professor Dr. R u k o p berufen worden.

Auf den bisher freistehenden Lehrstuhl ber Zoologie an ber Universität Köln ist ber nicht- beamtete außerordentliche Professor Dr. Kuhn von ber Universität Göttingen berufen worben.

Dem orbentlichen Professor Dr. von Wart­burg an ber Universität Leipzig ist ber or- bentliche Lehrstuhl für romanische Philologie an der Universität Köln angeboten worben.

Professor Dr. Rubolf Stucken, Drbinarius für Wirtschafts- unb Sozialwissenschaften an ber Uni­versität Jena, hat einen Ruf an bie Universität Leipzig abgelehnt.

Professor Dr. Alfred H u e ck, Ordinarius für Deutsches unb Bürgerliches Recht, Hanbelsrecht unb Arbeitsrecht an ber Universität Jena, er­hielt einen Ruf auf ben Lehrstuhl für Arbeits­recht an ber Universität München.

Professor Dr. W e s l e von ber Universität Bonn hat einen Ruf auf ben germanistischen Lehrstuhl an ber Universität Jena als Nachfolger von Pro­fessor Dr. L e i tz m a n n erhalten.

An ber Universität Jena treten in ben Ruhe- ftanb: Geheimer Hofrat Professor Dr. Max Wien, Ordinarius für Physik; Professor Dr. Ludwig Plate, Ordinarius für Zoologie; Geheimer Hvftat Professor Dr. Alexander (kartelliert, Ordina­rius für Geschichte; Professor Dr. Georg Mentz, Ordinarius für mittlere und neuere Geschichte; Pro­fessor Dr. H. K i o n k a, Ordinarius für Pharma­kologie.

Professor Dr. R. Matthaei an der Universität Tübingen hat den Ruf auf den freigewordenen ordentlichen Lehrstuhl für Physiologie an der Uni­versität Erlangen zum 1. April angenommen.

Professor Dr. A. P. T h i e s s e n , ao. Professor für anorganische Chemie an ber Universität Göt­tingen, ist an Stelle von Geh. Rat Professor Dr. Rubolf Schenck als Direktor bes Chemischen Instituts an bie Universität Münster berufen worben.

Professor Dr. Hans W e i n e r t, außerorbentlicher Professor für Anthrologie an ber Universität Ber - l i n, ist als Drbinarius unb als Direktor des An­thropologischen Instituts an bie Universität Kiel berufen worden.

Professor Dr. Robert Winkler von der Uni­versität Heidelberg hat einen Ruf auf ben Lehrstuhl für systematischen Theologie unb Reli­gionsphilosophie an ber Universität Breslau er­hallen.