Ausgabe 
3.1.1935
 
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Nr. 2 Erstes Blatt

185. Jahrgang

Donnerstag, Z.Ianuar 1935

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Eichener Anzeiger

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Ser Soldat und die nationale Revolution.

Das folgende ist von einem Offizier für Offiziere geschrieben. Somit erübrigen sich weit­ausholende Begründungen, Rechtfertigungen und sonstige Umschweife. Doktrinäre Absicht liegt fern. Es geht nicht an, daß ein jeder zu diesem Thema seine eigene Einstellung hat. Das deutsche Offizier­korps führte einst die schlagkräftigste Armee der Welt, weil es in seiner geistigen Einstellung des ein­heitlichste der Welt war. Eine solche Einheitlichkeit aber beruht letzthin auf einer gemeinsamen Lebens- und Weltauffassung. Führer­geist und Unterordnungsvermögen (auch in bezug auf sich selbst) sind nebst sonstigen grundlegenden Voraussetzungen die Pfeiler unseres Berufes, der so ideal und groß ist, daß für ihn das WortBe­ruf" kaum noch paßt. Die folgenden Zeilen rechnen mit diesen Grundbegriffen als Grundlage jeden ge­meinsamen Gedankenganges.

Von den Revolutionen der Weltgeschichte unter­scheidet sich die deutsche Revolution 1933 u. a. da­durch, daß sie ohne jede Aktivität der Wehrmacht vollzogen wurde. Daß dies möglich war, ist nebst der Starke der revolutionären Kräfte nicht etwa einer Schwäche, sondern gerade der Stärke der Stellung der Wehrmacht zu verdanken gewesen. Die Revolution 1933 war letzt­hin nichts anderes als eine Wiedergutmachung des 1918 von Deutschen an uns selbst begangenen Un­rechts. Das deutsche Volk ist im Grunde niemals schlecht gewesen. Es war krank und wurde ver­führt. Man hat es zur Gesundung geführt. Nun ist es wieder das deutsche Volk. Wem das klar ist, dem leuchtet ein, daß man vom Ausland nicht erwarten kann, daß es diese unsere innere Umge­staltung sogleich versteht, ja verstehen will. Daraus folgt, daß wir erst im Anfänge der deut­schen Erhebung stehen. Je weiter diese führt, desto ausgeglichener wird es im Innern werden und desto mehr wird der Mehrmacht wieder ihre entscheidende Bedeutung zufallen. Immerhin mag es für den Soldaten derzeitig nicht immer ganz einfach sein, sich zurechtzufinden. Es ist eine schlechte Sache für den Soldaten, mit Gewehr bei Fuß zu stehen, wenn entscheidende Schlachten geschlagen werden. Der Braune Soldat ist derzeitig der Lieb­ling der Nation und derwirkliche" Soldat? Es wohnt manches Kleinliche bekanntlich selbst in der stärksten Brust!

Vom Offizier muß man verlangen, daß er die Zusammenhänge genügend überblickt, um ein nüch­ternes, einsichtiges Urteil zu haben. Er kann dies freilich nur dann, wenn er die tieferen Grund­züge dieser Bewegung verstanden hat. Des­halb ist ein Verständnis des Nationalsozialismus für jeden Offizier eine Notwendigkeit. Dies beruht, wie jedes Verständnis, auf Kenntnis. Ansichten sind keine Kenntnis, solange sie nicht durchdacht, überprüft und mit sich selbst durchgefochten sind.

Es würde eine Unmöglichkeit bedeuten, wenn heute noch ein Offizier nicht einmal das grund­legende BuchMein Kampf" des Führers ge­lesen haben sollte. Aber das Lesen allein genügt natürlich nicht. Es ist typisch zu beobachten, daß heute die Offiziere nach klaren Befehlen, die Leute nach Aufklärung verlangen. Man denkt inFällen". Da hat sich das ereignet, dort das. Das wird besprochen. Daraus werden Folge­rungen gezogen. Unklarheiten als Ergebnis. Die Führung soll helfen. Alle diese Debatten sind über­flüssig, wenn man eine klare Grundeinstel­lung hat. Man macht nicht irgendein kleines Disziplinarvergehen zum Gegenstand einer Unter­haltung über die mangelnde Güte der Disziplinar­strafordnung. Ebensowenig sollte man aus einzel­nen Vorkommnissen den Wert der nationalen Revo­lution anzweifeln wollen. Eine Grundeinstellung wird aber nur durch eine wirkliche Kenntnis vom Nationalsozialismus vermittelt. Die wichtigsten Punkte des Nationalsozialismus sind folgende:

1. Der Nationalsozialismus ist kein politisches Pro­gramm, sondern eine Weltanschauung. Damit haben alle althergewohnten Begriffe wieStaat",Kirche",Volk",Kultur", usw. einen neuen, subjektiven Sinn erhalten. Erst aus dem Gestaltungswillen dieses Sinnes er­gaben sich Proqrammpunkte.

Die Grundlagen dieser Weltanschauung sind in

der Hauptsache: , 6 . . , _

2. Erweckung eines völkischen Gemein­schaftssinnes, nicht beruhend auf sozia- . lem d. h. almosenbereitem Denken, sondern auf sozialistischer, b. h. grundsätzlich anerkennender, menschlich voll achtender, sich selbst rückhaltlos eingliedernder Solidarität. .

3. Wertschätzung der P e r s ö n l l ch k e l t im Ge­gensatz zur Einschätzung alsGememschafts- nummer". Damit verbunden Bruch mit der rechtmäßigen Anerkennung zahlenmäßiger Ma-

4. B^chunq aller Vorurteile die auf nicht se l b st v e r d i e n t e n Voraussetzungen be­ruhen. Dies sowohl vonHoch" ZUNiedrig . als umgekehrt. .___

5. Anerkennung des unlöslichen Zusammenhanges von Volk Rasse Staat, somit der Notwendigkeit edler Menschenzucht und deshalb Bekämpfung alles Rassefremden und -schadi-

6. Als^ Ziel d ertotale Staat" als Höchst­form raffe- und damit weltanschaulich verwand­ter Menschen, in der kein ehrlicher Lebens­kamerad oder Volksgenosse verachtet werden und jeder ehrlich tüchtige anerkannt werden

(äo°roenig Menschen es gibt, die eine solche ins­gesamt betrachtete Zielsetzung bekämpfen mochten, sooiele gab und gibt es, die die D u r ch f ü h r -

Laval reist heute abend zu dreitägigem Besuch nach Rom.

Das Programm.

Auch ein Besuch beim Papst vorgesehen.

Paris, 2. Jan. (DRV.) Der Qual d'Orsay ver­öffentlicht nachstehende amtliche Verlautbarung: Auf Einladung der italienischen Regierung wird sich Außenminister Laval am Donnerstag um 20.30 Uhr nach Rom begeben, wo er wich­tige Besprechungen haben wird, die beide Länder interessieren und die sich auf allgemeine politische Fragen als Abschluß der Besprechungen beziehen, die in der letzten Zeit auf diplomatischem Wege gepflogen worden sind."

Heber das Programm der Reife wird fol­gendes bekannt: Laval trifft am Freitag um 17 Uhr in Rom ein. Er wird auf seiner Reife von dem Generalsekretär des Quai d'Orsay Leger, dem Hnterdirektor für Afrikanische und Orient-An­gelegenheiten de St. Quentin und seinem Kabinettschef R o ch a t begleitet werden. An der französisch-italienischen Grenze wird er im Namen der italienischen Regierung von einem hohen Beam­ten des Protokolls begrüßt werden. Bei feiner Ankunft in Rom wird Laval von Mussolini persönlich auf dem Bahnhof empfan­gen werden. Der Samstag wird in erster Linie für die Verhandlungen zwischen Laval und Mussolini bestimmt sein. Nötigenfalls werden die Besprechungen am Sonntag fortgesetzt werden. Samstagabend gibt Mussolini zu Ehren Lavals und seiner Mitarbeiter ein Essen. Am Sonntag findet ein Essen in der fran­zösischen Botschaft statt. Den Besuch beim Papst wird Laval höchstwahrscheinlich am Montag machen. Dienstagmittag verläßt Laval Rom und trifft am Mittwoch um 9.20 Uhr wie­der in Paris ein. Am Donnerstag wird er voraussichtlich nach Genf zur Teilnahme an der Völkerbundsratssihung abreifen.

Paris sehr erfreut

Wie man sich das Abkommen über Mittel­europa denkt.

Paris, 3. Jan. (DNB. Funkspruch.) Die An­kündigung der Reise des französischen Außenmini­sters nach Rom und seine Fühlungnahme nicht nur mit Mussolini, sondern auch mit dem Papst, veran­lassen die Pariser Morgenblätter zu begeisterten Beteuerungen der französisch-italienischen Freund­schaft. Natürlich wird hervorgehoben, daß z u m e r st e.n Male seit dem Kriege ein franzö­sischer Außenminister im Amt die Hauptstadt Ita­liens zu Verhandlungen auftucht. Es wird auch be­tont, daß zum ersten Male seit Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen zwischen der französi­schen Republik und dem Heiligen Stuhl ein fran­zösischer Außenminister dem Papst einen Besuch ab­stattet.

DerPetit Parisien" wartet bereits mit einer Kennzeichnung des Abkommens auf, das das Ergebnis des Aufenthaltes des französischen Außen­ministers in Rom sein werde. Danach würden Mus­solini und Laval ein Abkommen unterzeichnen das es für angebracht erkläre, wenn die Länder Mittel­europas die Sicherheit Europas ver­traglich verankern und gleichzeitig die Un­abhängigkeit O e st e r r e i ch s gewähr- l ei st en. 'Alle N a ch b a r st a a t e n Oesterreichs (mit Ausnahme der neutralen Schweiz) würden zu diesem Abkommen zugelassen. Frankreich, Ru­mänien und Polen würden alsInaktive (Adherents) daran teilnehmen. Das Abkommen würde die Billigung Englands als Völker-

barf eit bestreiten. Für Pessimisten ist im Natio­nalsozialismus wenig Platz. Man hat in den bit­teren Jahren nach dem Kriege die Kranken dadurch zu heilen versucht, daß man Mitleid mit ihnen hatte und ihnen Schwächen verzieh. Der Führer Adolf Hitler hat vom Anbeginn seiner Bewegung an die andere Heilmethode gewählt: dem Kranken seine Krankheit offen zu sagen und über ihm d a s Ideal seiner reinsten Gesundung als erreichbar zu entfalten. Weil das deutsche Volk nie­mals todkrank war, gesundete es daran. Es soll nun nicht nur wieder aufstehen können, sondern voran- kommen und kräftiger werden, als es jemals war. Das hat der Offizier, als der vom Staat eingesetzte Führer für die letzten Entscheidun­gen, zu bedenken. Und allerdings: daraus erwachsen ihm die Aufgaben. Es ist deshalb gut, zu obigen Punkten der nationalsozialistischen Anschauung von unserem Standpunkte aus klare Stellung zu nehmen.

Zu 1.: Der Offizier muß sich klar darüber sein, daß er seine eigenen Auffassungen, so­weit sie etwa im Widerspruch mit der national­sozialistischen stehen sollten, zu revidieren hat. Nichts kann heute falscher und törichter sein, als ein starres Festhalten amAlten". Wer nicht geistig wendig genug ist, um die Umwandlung vom über­triebenen Objektivismus zum freudigen Subjektlvis- mus mitmachen zu können, schadet der Wehrmacht und dem Staate. . .... ..

Zu 2.:Sozialnationalist" ist ieder anständige Deutsche schon immer gewesen. Um Nationalsozialist zu werden, dazu bedarf es einer gewissen Gedanken­arbeit und S e l b st k r i t i k! Sozial kann man sich um so leichter betätigen, je reicher man ift. So-

bundsmitglied und Unterzeichner der Dreimächte- Erklärung zugunsten ^er Unversehrtheit Oesterreichs erhalten. Durch das Abkommen würden sich Oester­reich und seine Nachbarn gegen- und wechselseitig die Achtung ihrer politischen Unab­hängigkeit und ihres Gebiets st andes aewährleisten. Bis alle Nachbarn Oesterreichs dem Abkommen beiträten was Deutschland und Ungarn tun würden, sei noch nicht bekannt würden Frankreich und Italien mit englischer Un­terstützung das Versprechen abgeben, in dem Falle untereinander zu beraten, daß die Unabhängiakeit Oesterreichs plötzlich bedroht werden sollte. Diese Umfrage würde sich übrigens auf alle Staaten aus­dehnen, die geneigt seien, dem Abkommen beizutre­ten, also auch die Freunde und Verbün­deten Frankreichs in Mitteleuropa.

Echo de Paris" erklärt, die beabsichtigte gegen­seitige Grenzgarantierung werde nur eine ziemlich lockere Umschreibung des Artikels 10 der Völkerbundssatzungen sein: Die Unterzeichner verpflichten sich, in die inneren Angelegenheiten der anderen Staaten nicht einzugreifen. Außerdem werde das Protokoll auf den am 18. März in Rom zwischen Italien, Oesterreich und Ungarn unter­zeichneten reoisionsfreundlichen Pakt Bezug nehmen, dem andere Staaten unter gewissen Bedin­gungen beitreten könnten. Diese Bezugnahme

erfolge zugunsten Ungarns, während tne gegenseitige G r e n z g a r a n t i e r u n g z u- gunsten der Kleinen Entente gedacht sei.

F i g a r o" ist optimistisch. Wenn Laval und Mussolini zusammenkämen, könne es ihnen nicht entgehen, daß sie sich innerlich nahe stehen, denn sie hätten die gleiche geistige Ausbildung. Sie seien oazu geschaffen, sich zu verstehen, und da ein jeder von ihnen in so typischer Weise sein Land vertrete, so seien auch beide Länder in eben solcher Weise auf einander angewiesen.

DasPetit Journal" veröffentlicht die Stellung­nahme einiger Persönlichkeiten, die in der fran­zösisch-italienischen Politik eine Rolle spielen. Dar­unter befinden sich der frühere Außenminister Sena­tor Paul-Boncour, der frühere französische Botschafter in Rom Senator B e s n a r d , der frühere französische Botschafter in Rom Senator Henri de Jouvenel und der frühere Minister Senator de M o n z i e. Monzie erklärt, die Ver­handlungen in Rom feien etwa zehn Jahre im Rückstand. Jetzt hätten sie keine weiteren zehn Tage mehr hinausgeschoben tberben dürfen. Frankreich dürfe nicht mehr gegen das Interesse Europas und gegen seine eigenen Interessen mit einer Regierung schmollen, mit der das mit Frank­reich befreundete Moskau ausgezeichnete Beziehungen unterhalte.

Was erwarletEnglandvonderAussprache inRom?

Ideal in uns tragen: d i e Frau als starke, edle Vervollkommnung, das Kind als Heiligtum un­seres Eigenlebens, der Glaube an Fortschritt, Rein­heit, Lebenssinn. Und alles Unreine wird wieder unrein trotz jahrzehntelanger Bemühungen, es als geschminktes Ideal hinzustellen.

Zu 6.: Dazu ist nichts zu sagen.

Das ist die Ideenwelt der nationalen Revolution, die ihr Führer Adolf Hitler nicht schuf, sondern er­weckte. Es leuchtet ein, daß die Gedankengänge die­ser Bewegung bei kaum einer Gemeinschaft mehr Bejahung finden kann als beim Offizierkorps. (So­mit gibt es denn auch nichts, was die Staatsfüh­rung und die Wehrmacht irgendwie trennen könnte.

An uns ist es, zu verstehen und so zu führen, wie die Führung es will. Wer begriffen hat, worum es sich handelt, kann nicht fehlgreifen, mögen sich noch so drastischeFälle" ereignen. Dem Offizier, der davon überzeugt seine Stellung ausfüllt, bieten sich durch den Sieg des Nationalsozialismus nir­gendwo Schwierigkeiten, sondern nur Erleichterungen. Er wird ehrlich bekennen können und müssen, daß die zum Siege geführten Ideen auch seine eigenen find. Es ist wahr, wenn behauptet wird, daß mit dem Auszuge der deutschen Wehrmacht im August 1914 der Schritt zumDritten Reich" getan wurde. Denn was im Weltkriege von den deutschen Trup­pen an Heldentum geleistet wurde, das geschah auf Grund eben der Welt- und Lebensanschauung, die der Nationalsozialismus vertritt. Die Zukunft steht uns Deutschen wieder offen. Es ist auch an uns, sie herbeizuführen.

London, 3. Jan. (DNB. Funkspruch.) Die Nachricht, daß Außenminister Laval das Wochen­ende in Rom verbringen wird, hat in London große Ueberraschung hervorgerufen. Amt­liche Kreisen äußern Genugtuung darüber, daß zum erstenmal seit Kriegsende ein französischer Außenminister die Hauptstadt Italiens besuchen wird. Man vermutet, daß die Vereinbarung über Oesterreich, auf die sich Frankreich und Italien an­geblich am Samstag geeinigt hätten, in dem Sinne abgeändert wurde, daß die Vereinbarung eine g e - ringere Reichweite erhält, als Frankreich ursprünglich wünschte.

Der Pariser Korrespondent derTimes" meint, obwohl in der afrikanischen Frage noch nicht alles geregelt sei und hinsichtlich der österreichischen Un­abhängigkeit noch viel zu tun bleibe, bestehe aller Grund, der Zusammenkunft mit Hoffnung entgegen zu blicken. Wenn die französisch-italieni­schen Beziehungen auf einer festen Grundlage be­ruhten und die Frage der österreichischen Unab­hängigkeit mindestens kein so drohendes Gesicht mehr habe, würden andere psychologische und prak­tische Probleme mit großer Hoffnung in Angriff genommen werden können. Die Hauptfrage des Tages, die der deutschen Aufrüstung, be­dürfe noch viel geduldiger und beharrlicher Be­handlung. Aber es fei zu hoffen, daß nunmehr die Möglichkeit entstehen werde, sich diesem bisher bei­nahe unnahbaren Gegenstand anzunähern.

Wie der Pariser Korrespondent derMorning Post" hört, hat Italien fid) gegen eine end­gültige Festlegung der Grenzen in Mitteleuropa erklärt und angeboten, Süd- slawien durch die Erklärung zu beruhigen, daß die Einheit der südslawischen Nation ein wesentliches Element der Festig- keit Europas bilde. Dies würde ein Abrücken Roms von den kroatischen Separatisten bedeuten. Italien und Oesterreich hätten sich anscheinend mit der Beteiligung Rumäniens einver­standen erklärt, falls Polen ebenfalls ein- geladen werde. Diese Bedingung habe Laval ange­nommen.

Der Berichterstatter desDaily Telegraph" in Rom bemerkt, Mussolini beabsichtige, das Gewicht seines Ansehens in die Wagschale der A b r ü - stungsverhand^ingen zu werfen. Er hoffe,

daß diese jetzt wieder aufgenommen wer- den könnten. Es verlaute, daß feine Vorschläge sich in Richtung der italienischen Denkschrift vom Januar 1934 bewegen würden.

Daily Herald" behauptet, Mussolini habe ange­sichts der entstandenen Schwierigkeiten geraten, alle ehrgeizigen Pläne für einen mitteleuropäischen Pakt aufzugeben und sich auf die rein fran­zösisch-italienischen Fragen in Afrika zu beschrän­ken. Wenn dies in persönlicher Aussprache geregelt werden würde, dann müßte nach Erledigung der Saarabstimmung die mitteleuropäische Frage vor­genommen werden. Des guten Eindrucks wegen würde Frankreich und Italien vielleicht eine ge- gemeinsame Erklärung abgeben, in der sie van neuem ihre Hingabe an den Grundsatz der öster­reichischen Unabhängigkeit versichern würden. Laval wünsche natürlich vor allem, fein Ansehen zu ret­ten und sei daher bereit, beinahe unter jeder Bedingung nach Rom zu gehen. Somit feien die großartigen Pläne auf einen späteren Zeitpunkt verschoben worden, wo sie viel­leicht in klügerer Weise behandelt werden würden. Laval gehe nach Rom zu dem bescheidenen, aber vielleicht praktischen Zweck, mit Mussolini über fremde Gebietsteile und die Stellung der Italiener in Tunis zu verhandeln. We­gen Somaliland und der dortigen Eisenbahn werde es noch ein hartnäckiges Feilschen geben, da die Franzosen den von Italien verlangten Preis nicht gern ohne eine Gegenleistung in Europa bezahlen würden.

Der französische Besuch inLondon

London, 3. Jan. (DNB.) Das Auswärtige Amt teilt mit: Bei seinen Besprechungen mit Flan- din und Laval über die europäische Lage gab Staatssekretär Sir John Simon in Paris am 22. Dezember der Hoffnung Ausdruck, daß die Be­sprechungen in London in nächster Zeit wieder ausgenommen würden. Während seines Aufenthaltes in Südfrankreich hielt sich Simon in enger Verbindung mit den Erörterungen zwischen der französischen und der italienischen Regierung, deren Ergebnis die Reise Lavals nach Rom am 3. Januar ist. Wan hatte gehofft.

zialistisch kann man nur denken und handeln, wenn man eine volle Ehrlichkeit in den BegriffenVolk", Kameradschaft" undEigenwert" hat. Hieraus ist das LeitwortGemeinnutz vor Eigennutz" ent­standen. v

Zu 3.: Der Wert einer Persönlichkeit wird durch Charakter st ärke und Können bestimmt. Nicht darauf, was man ist, sondern darauf, w i e man das i ft, was man i ft, kommt es an. Der Kriegsoffizier lernte das im feindlichen Trommel­feuer recht schnell. Der Friedensoffizier muß das in der schwierigen Schule der Selbstkritik erlernen. Daß in der Armee nach dem Dienstalter befördert wird, hat feinen guten Grund. Die Armee ist gott­lob immer reich an starken Persönlichkeiten gewesen.

Zu 4.: Nichts ist heute lächerlicher und zugleich verderblicher als Standesdünkel oder gar Feudali- tät. So Reste spuken, soll man sie verlachen. Wo das nicht genügt, muß mit aller Schärfe durchge­griffen werden. Feudalität ist nicht vom Himmel gefallen, sondern war eben gerade die Anerken­nung des Persönlichkeitswertes, die auch der Nationalsozialist will. Eine Bezugnahme aber auf ererbte Vorrechte ist nur bei sach­licher und charakterlicher Berechti­gung gestattet. In keiner Zeit hat das Wort noblesse oblige" einen tieferen Sinn aber auch eine günstigere Basis für wahre Betätigung gehabt als heute. , . r , ...

Zu 5.: Wir alle wissen, wie sehr gegen dieses Prinzip verstoßen worden ist. Man braucht nur einen Augenblick darüber nachzudenken und man wird schweigen. Nunmehr wird all das Gute wieder lebendig, was wir von Kindesbeinen an als

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