Ausgabe 
2.12.1935
 
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Winterhilfswerk 1935/36 Ortsgruppe <Sießen-Süd.

Am Dienstag, 3., Mittwoch, 4. und Donnerstag, 5. Dezember findet im Bereich der Ortsgruppe Gie- ßen-Süd durch die NS.-Frauenfchaft die Pfund- fammlung für den Monat Dezember 1935 statt. Es wird gebeten, die Pfundpakete zur Abholung bereitzuhalten.

Dle Kohlenhändler werden aufgefordert, die in Zahlung genommenen Kohlengutscheine am Mittwoch, 4. Dezember, von 19 bis 20 Uhr auf unserer Geschäftsstelle, Crednerstraße 24, einzurei­chen. Später eingereichte Gutscheine können nicht mehr angenommen werden.

NSV., Ortsgruppe Gießen-Ost.

Pfundsammlung

für in der Ortsgruppe Giehen-Ost.

Die Pfundsammlung wird Montag, 2., und Diens­tag, 3. Dezember, von der NS.-Frauenschaft durch­geführt. Die Mitglieder wollen die Pfundpäckchen bereithalten und die Mitgliedskarten zur Eintragung vorlegen. Der Inhalt der Päckchen ist außen sichtbar anzugeben.

NSV., Ortsgruppe Mitte.

Vetr. Pfundsammlung.

Am Mittwoch, 4. Dezember 1935, werden die Spenden (Pfundsammlung) durch die NS.-Frauen­schaft eingesammelt. Die Hausfrauen werden ge­beten, den Inhalt der Päckchen auf der Umhüllung kenntlich zu machen und die Mitgliedskarte zur Quittungseinzeichnung bereit zu halten. Die Pfund­sammlung erstreckt sich während der Dauer des WHW. wieder auf alle Volksgenossen.

Obst- und Gartenbauverei« Gießen.

In der ersten Versammlung des Winterhalb­jahres, die am gestrigen Sonntagnachmittag im Saale des Kaufmännischen Vereinshauses stattfand, sprach Garteninspektor R e h n e l t über Boden­müdigkeit im Obst- und Gartenbau. Es würde sich, so führte der Redner u. a. aus, dem Menschen im Boden eine Wunderwelt von Kleinlebewesen er­schließen, wenn er befähigt wäre, sie mit bloßem Auge wahrzunehmen. Auch in dieser Lebewelt gelte zur Erhaltung des Gleichgewichts das Gesetz des Stärkeren, das durch den Menschen gestört und verändert werden könne.

Wie die bekannte Obstbaummüdiqkeit sich aus­wirkt, wurde an einer Reihe von Beispielen aus dem praktischen Leben gezeigt. Am auffallendsten äußert sich das Verhalten der Obstbäume gegen­über dieser Störung bei Pfirsich, Süßkirchen und Aepfeln. Weniger empfindlich sind Birnbäume. An­pflanzung von Steinobst nach Kernobst ist zu ver­meiden; umgekehrt ist besser. Stachel- und Johan­nisbeeren verhalten sich in der Abneigung gegen frühere Standorte vollkommen gleich, doch können nach diesen bei genügender Düngung Himbeeren folgen, ebenso Erdbeeren. Die Ruhezeit, nach deren Ablauf der Boden für Obstbäume wieder aufnahme­fähig wird, kann aus 6 bis 8 Jahre angenommen werden.

Eine andere Art der Bodenmüdigkeit beruht auf Verseuchung mit Nematoden oder Aelchen, deren eingekapselte Eierhäufchen,Zysten" genannt, viele Jahre im Boden.ruhen können, ohne ihre Lebens­fähigkeit einzubüßen. Am bekanntesten sind die Rübenälchen der Zuckerrübe, die auch Kohlgemüse, Erbsen und Saubohnen angreifen. Andere Arten leben an den Wurzeln der Gurken, Schwarzwurzeln, Salatarten und Tomaten, wo sie knötchenartige Gallen erzeugen. Auch die in letzter Zeit mehrfach aufgetretene Kartoffelmüdigkeit ist auf Wurzel­älchen zurückzuführen. Groß ist der Schaden in den Treibhäusern für Gemüse und Blumenzucht, wenn es nicht rechtzeitig gelingt, durch geeignete Maß­nahmen eine vollkommene Verseuchung zu ver­hüten.

Bei der Verseuchung durch Pilzkronkheiten des Bodens, von denen die Kohlhernie am bekanntesten ist, spielt dessen Säuregehalt eine hervorragende Rolle. Wie Bodensäure entsteht, erkannt werden kann und sich auswirkt, wurde eingehend gezeigt.

Zur Bekämpfung dieser Bodenkrankheiten haben

kameradschastsabend im AS-Sludentenbimd.

Am Samstagabend veranstaltete das Kamerad­schaftshaus der Gießener Hochschulgruppe des NSDStB. den ersten Kameradschaftsabend in die­sem Semester. Wie in früheren Semestern, so war auch diesmal wieder eine Reihe Professoren, Ver­treter der HI., Kameraden der SA. und der SS. der Einladung gefolgt, und so konnte der Kamerad­schaftshausführer, stuck, weck. vet. Frank, zahl­reiche Volksgenossen im Studentenhaus willkommen heißen. Viele würden, so sagte er u. a., heute fra­gen, warum brauche die Studentenschaft noch ein Studentenhaus, wo wir doch HI., SA., den Arbeits­dienst und die Wehrmacht hätten? Wenn nur das Kameradschaftshaus den Zweck verfolge, den jun­gen Studenten links- und rechtsum beizubringen, oder ihnen eine Dosis politischer Schulung zu verab- reicben, dann könne man ihm wohl mit Recht die Existenzberechtigung abstreiten. Doch dem sei nicht so! Das Kameradschaftshaus des NSDStB. sei Stütz- und Ausgangspunkt einer der wichtigsten Gliederungen der Bewegung. Von hier aus rekru­tiere der Studentenbund, als der alleinige Träger der politischen Erziehung der Studierenden, seine junge Mannschaft, versuche hier aus seiner mitver­schworenen Kameradschaft den Typ des neuen Aka­demikers im Braunhemd zu schaffen. Man sei sich bewußt, daß von den jungen Kameraden des NSDStB. im Kameradschaftshaus besonders viel verlangt werde, da sie neben dem restlosen Einsatz für ihr Studium auch in der Bewegung ihren

Mann stellten müßten. Zwei Semester Kamerad­schaftshausleben bedeute kein jugendfrohes Austol­len, die Zeit des romantischen Studentenlebens sei vorüber, nur aus einer harten Schule, die an jeden die größten Anforderungen stelle, könnten die Füh­rer erwachsen, die die große Berantwortuyg dem Volk und Führer gegenüber später tragen könnten. Denn für die heutige studentische Jugend bedeute das Wort Student nicht die Inanspruchnahme eines größeren Rechtes, sondern das Aufsichnehmen grö­ßerer Pflichten. Die ganze Lebenshaltung müsse so ausgerichtet sein, immer vor dem Volke später ge­radestehen zu können.

Der erste Teil des Kameradschaftsabends stand unter dem MottoDeutsches Bauerntum", der mit einem Musikstück des Gießener Jungvolks eröffnet wurde. Gedichte, Sprechchöre und Zitate zeigten auf, was die studentische junge Mannschaft mit dem deutschen Bauerntum verbindet. Mit dem Liede Von der Weser bis zur Elbe", das gemeinsam ge­sungen wurde, schloß der ernste Teil des wohl­gelungenen Abends ab.

Im Verlaufe des nun folgenden kameradschaft­lichen Teils des Abends trugen einige Kameraden lustige Gedichte in der Mundart ihres Landes vor. Der Rektor unserer Universität, Professor Pfäh­ler, richtete einige Worte an die Kameraden, eben­so trugen einige Dozenten durch lustige Erzählungen zum guten Gelingen des Abends bei. Der Zapfen­streich beendete den ersten Kameradschaftsabend.

die Wissenschaft und die Praxis verschiedene Wege gefunden, die der Vortragende näher erläuterte. Dorbeugungsmittel gibt es mancherlei; sie heißen: weite Abstände, Entfernen aller kranken Pflanzen, bevor sie zu Grunde gehen, Wechselbau, Vermeiden einseitiger und unpassender Düngung, Anwendung von Gründüngung auch im Gartenbau und recht- zeittaes Kalken. Außerdem fleißige Bearbeitung durch Hacken und Graben, Umsetzen und Kalken der Komposthaufen, die sonst leicht zu einer Brut­stätte werden können, nicht zu vergessen auch etwas Beobachtungsgabe.

Konzert des Gesangvereins Heiterkeit".

Silcher-Gedächlnisfeier.

Seit der Gründung der Berliner Liedertafel durch Zelter im Jahre 1809 und der Züricher Liedertafel durch Nägeli im Jahre 1810 verbreitete sich von Norden und Süden zugleich der Männergesang über alle deutschsprechenden Länder. Die Liedertafeln, Lieder- und Sängerkränze, und wie sie alle heißen, wuchsen wie Pilze aus der Erde, und so entstand ein wichtiges Glied einer deutschen Volkskunst. Während die Berliner Liedertafel neben der Pflege des Gesanges besonders der Geselligkeit größten Spielraum gab, verfolgte der Züricher Verein fast ausschließlich'das Ziel, dem der Schule entwachsenen musikliebenden Menschen eine Stätte zu schaffen, wo er durch Gesang sich erfreuen und der Kunst dienen konnte. Mit anderen Worten: die Gesang­vereine sollten gewissermaßen eine Fortsetzung des Schulgesanges sein. Die Männergesangvereine sind den beiden Idealen: Pflege einer edlen Geselligkeit und des schönen vaterländischen Gesanges durch all die Zeiten treugeblieben. Daß dabei auf wirkliche Kunstübung besonderer Wert gelegt wurde, zeigte die Anteilnahme, die Meister der Tonkunst der neuen Bewegung zuteil werden ließen. C. M. von Weber, Kreutzer u. a. schrieben für sie und gaben künstlerischen Austrieb. Oft ging aber die Aufgabe über die vorhandenen Kräfte, und so konnte es ge­schehen, daß sich Unberufene mit ihrenAuchwerken" breitmachten und die ganze schöne Sache in Wege lenkten, die mit wahrer Volkskunst nichts zu tun hatten.

Da wuchs mitten aus dem Volk heraus ein schlichter Mann, der süddeutsche Lehrer Friedrich S i l ch e r, der berufen war, dem Männergesang neue Ziele zu zeigen und ihn wieder zur wahren Volkskunst zurückzusühren. Er wandte seine Auf­merksamkeit dem aus dem Volk herausgewachsenen

Kulturgut, dem Volkslied, zu, und seine schlichten und doch so trefflichen Bearbeitungen für Männer­chor machten diesen herrlichen Schatz wieder leben­dig. Für die Größe seiner Begabung spricht es, daß seine eigenen Schöpfungen so den Volkston trafen, daß viele von ihnen heute als Volkslieder im wahr­sten Sinne gelten können. Silcher wurde der Lieb­ling der Männergesangvereine und ist es bis auf den heutigen Tag geblieben. Als vor nicht allzu langer Zeit sich eine Strömung bemerkbar machte, die den Meister als unzeitgemäß abtun wollte, da stellte sich die gesamte Sängerschaft hinter ihren Silcher. Dem Dritten Reich blieb es vorbehalten, ihm in seinem 75. Todesjahr die Ehre zu geben, die ihm gebührt. So hat es sich auch der Gesang­verein Heiterkeit zur Pflicht gemacht, in seinem Konzert den Sangesfreunden einen Kranz der schönsten Silcherlieder zu bieten, darunter die beiden so selten gehörten PerlenEin deutsches Lied" undAltes Minnelied".

Nachdem durch Entscheidung der Führung des Sängergoues XII im Deutschen Sängerbund die seit­herige SängervereinigungLiederkranz - Heiterkeit" wieder getrennt und jeder der beiden Vereine seine Selbständigkeit wieder erlangt hat, wurde das Kon­zert von den Mitgliedern der Heiterkeit allein be­stritten. Dieser, durch frühere wohlgelungene ähn­liche Veranstaltungen bekannte Verein stellte sich mit seinen etwa 50 Sängern auch jetzt noch als ein sehr schöner Klangkörper vor. Besonders gut besetzt sind die ersten Tenöre und die zweiten Bässe. Der zweite Tenor zeigte bei manchen hochklingenden Stellen eine gewisse Sprödigkeit, die aber wohl auf die für die Sänger recht ungünstige Witterung zurückzufüh­ren war. Insgesamt war der Chorklang recht füllig und rund, die Sprache sehr gepflegt und lautrein. Dynamisch wurde fein schattiert, nirgends fand eine Uebersteigerung der Tonstärke statt. Neben den bei­den prächtig gesungenen Eingangschören und dem alten Minnelied" ragten hervor:Herbes Schei­den" undFrisch gesungen", das wiederholt werden mußte. Musiklehrer Schüttler, der seit Jahren seine Sänger zu schönem Singen bewußt erzieht, gestaltete alle Chöre sehr eindrucksvoll. Besonderes Lob muß darum gezollt werden, weil er die Lieder so bot, wie sie gedacht sind: schlicht und innig. Das lag alles so fern von falscher Effekthascherei, daß man nur seine Freude haben konnte. Die zahlreichen Zuhörer danken ihm durch herzlichen Beifall.

Die Konzertfolge enthielt noch Werke für Streich­quartett und Lieder für Solotenor. Schuberts Quartett in ^.-Moll, op. 29 und Haydns Deutsch­landlied-Variationen sind trotz ihrer hohen Satz­

kunst durchaus in der Volksmusik wurzelnd, ebenso sind die Tenorlieder so volksliedermäßig gehalten, daß sich alle diese Werke organisch in die ganz, Folge einfügten. Die gute Volkskunst bieten wollte. Eine vorbildliche Zusammenstellung, die Nach, ahmung verdient.

Das Schüttler - Quartett mit den Damen M. und W. Schüttler, G. Seyffarth und H. Roloff, dessen ausgereiftes Können vor einiger Zeit auch vor der größten Oeffentlichkeit im Rundfunk be­rechtigte Anerkennung fand, musizierte mit Tempe­rament und Hingabe. Der technisch sehr anspruchs- volle Schubert im Anfangssatz machte sich die feuchte Luft bei den empfindlichen Saiteninstru­menten etwas bemerkbar wurde in klarer Her­ausarbeitung des Aufbaues warm empfunden ge­staltet. Die nach den Haydn-Variationen überreichten Blumenspenden waren ein äußerer Ausdruck des Dankes für die hervorragenden Leistungen.

In wenigen Vereinen werden sich so stimmbegabte Mitglieder finden, wie es Herr Karl F e u ß e r ist. Mit gutgeschulter und richtig behandelter Stimme sang er, von Chorleiter S ch ä t t l e r begleitet, be­sonders dasWanderlied" von Schumann zum Dank der beifallsfreudigen Besucher.

Der Abend hat bewiesen, daß eine gutgeleitete Veranstaltung noch immer freudigen Anklang fin­det. Möge es zum Segen unseres schönen Männer- gesangs so weiter bleiben. -a-

Eine Abschiedsfeier in der Chirurgischen Klinik.

Man berichtet uns: Der technische Assistent Peter Schmidt ging nach 44jähriger Tätigkeit an der Chirurgischen Universitätsklinik infolge seiner Pen­sionierung unter voller Anerkennung seiner dem Staate geleisteten Dienste am 30. November 1935 in den wohlverdienten Ruhestand. Anläßlich dieses Ereignisses wurde in der Chirurgischen Klinik von dem Direktor, Professor Dr. A. W. Fischer, eine Feier im Hörsaal der Klinik veranstaltet, an welcher die Belegschaft der Klinik, der Vertreter des Be- triebsgemeinschaftswalters und einige Beamte der Verwaltung teilnahmen. Herr Professor Fischer würdigte den verdienstvollen, wertvollen Beamten mit herzlichen Worten und gedachte hierbei auch der früheren Chefs von Herrn Schmidt, insbesondere des langjährigen verstorbenen Direktors, Herrn Ge- heimrat Professor Dr. P o p p e r t. Das gleiche ge- schah durch den Oberarzt der Klinik, Herrn Professor Dr. Bernhard. Außerdem sprach der Vertreter der Medizinerschaft namens der Studierenden. Aus allen Worten ging größte Wertschätzung und An- erkennung hervor. Herr S ch m i d t hat sich aus ein­fachsten Anfängen heraus zu einer im Klinikinter­esse außerordentlich wichtigen Arbeitskraft ent- wickelt. Er hat unter drei Chefs gearbeitet und die Wandlung der Chirurgie aus kleinsten Verhältnissen heraus bis zum derzeitigen modernen Stand mit­erlebt und in sich ausgenommen. Mancher Medi­ziner, der hier studiert hat, erinnert sich der wert­vollen Verbandskurse usw., die Herr Schmidt vor dem jeweiligen Examen gehalten hat, und mancher kann sich den Operations- und Hörsaal ohne ihn in Zukunft kaum vorstellen. Herr Schmidt sprach zum Schluß über seine Tätigkeit in der Klinik und gedachte hierbei ebenfalls des verstorbenen Herrn Geheimrats Professor Dr. Poppert, mit dem er am längsten Zusammenarbeiten durfte. Zum Abschied erhielt Herr Schmidt sinnige, wertvolle Geschenke.

** Von b e r Universität. Wie der Amtliche Preußische Pressedienst meldet, ist der Dozent Dr. med. habil. Paul Frick zum nichtbeamteten außer­ordentlichen Professor der medizinischen Fakultät der Universität Gießen ernannt worden.

** Amtliche Abstempelung der Kenn­zeichen an Kraftfahrzeuganhängern nicht mehr erforderlich. Der Reichs- und Preußische Verkehrsminister hat in einem Erlaß, der demnächst im Reichs-Verkehrs-Blatt, Ausgabe B, veröffentlicht werden wird, zur Erleichteung der Benutzung von Kraftfahrzeuganhängern angeordnet, daß die Kennzeichen an Kraftfahrzeuganhängern nicht mehr amtlich abzustempeln sind.

Weihnachts-Ausstellung der oberhessischen Künstler.

Die am Samstagnachmittag eröffnete Ausstel­lung der oberhessischen Künstler in den Räumen des Kunstvereins im Turmhaus am Brand ist eine ein­malige, sorgfältig jurierte Jahresschau, die einen gedrängten Ueberblick über die Arbeiten der bilden­den Kunst in unserer Provinz geben will; daß sie, wie alle Jahre, gerade als Weihnachts-Ausstellung aufgemacht wird, ist kein Zufall, sondern hat etwas 3U bedeuten, und es kann nicht laut und eindring­lich genug verkündet werden: die Bilder und Pla­stiken, die man hier zusammengetragen fjat, sind nicht bloß zum Ansehen, sondern und vor allen Dingen auch zum Kaufen da. Die Maler stehen, wie gewöhnlich, auch diesmal rein räumlich und mengenmäßig gesehen mit ihren Arbeiten im Vordergrund; es sind da die verschiedensten Tech­niken vertreten; außerdem gibt es Zeichnungen, Graphik und einige Plastiken. Wenn wir versuchen, unsere Eindrücke von der Vorbesichtigung zusam­menzufassen, so wäre etwa folgendes zu sagen.

Die Winterlandschaft von Sigurd Lange (gleich am Eingang) erweist eine im Vergleich mit seinen früheren Bildern erfreulich gelockerte Malweise: dies ist ein gutes, lebendiges Bild mit scharfer Roum- gliederung, viel Tiefe und Weite, mit einem reiz­vollen Wechsel von hellem Lichteinfall und blauen Schneeschatten. Trockner im Auftrag und flächiger in der Gesamtanlage, mehr auf epische Ruhe hin gesehen und dargestellt, erscheint das benachbarte Bendersche Bild (Tauwetter"), das einen the­matisch ähnlichen Vorwurf behandelt. Wärmere, sommerliche Töne entwickelt Maus in einem Aus­schnitt, der den freundlich offenen und einladenden Charakter der oberhessischen Landschaft widerspie­gelt. L i ft, ein geborener Gießener, der im Breis­gau lebt, bringt mit viel schwerem Grün ein Schwarzwaldbild, von dem Großmanns Harz­landschaft in ihren düsteren Aquarelltönen kontrast­reich absticht; vielleicht haben hier übrigens Erinne­rungen an Caspar David Friedrich mitgespielt. V i e h m a n n bringt außer einer Landschaft ein kräftiges und realistisch-ungeschminktes Porttät. An­sprechende Landschaften sieht man von Paula Mohr und von W Barthel (aus dem Nachlaß), einen gut aufgesetzten Jungenkopf von Walter Kröll, der klare Beobachtung und unverbildeten Farbensinn verrät.

Ein lyrisches Motiv, Birken und Wolken, behan­delt Rohrbach: einfaches, stilles Bild, mit beton­ter Tiefengliederung in der Diagonale. Klifi­st s i n sAlte Eiche" ist eine liebevolle und fast

beschaulich ausgeführte Naturstudie, durch leichte Aquarelltönung gehöht und belebt, trotz minutiösen Einzelheiten nirgends kleinlich oder ängstlich wir­kend; sein Marburger Städtebild ist ein Holzschnitt von großer Geschlossenheit, der an die alten Ansich­ten von Merian und Dilich erinnert. Heinrich Walther gibt u. a. ein kräftiges, farbenfrohes, aber nicht buntes Stilleben: Sonnenblumen im Krug. Von Kleine sahen wir neben zwei zarten Bildnis-Studien eines seiner von Bewegung strotzenden Zirkusbilder (Pinselzeichnung), sparsam und vornehm in den Mitteln, vollauf beherrscht im linearen Umriß der Figuren von Mensch und Tier. Mueller-Leuterts schönes, kraftvolles Glei- berg-Bild, sehr großzügig gesehen und dabei mit delikatem Farbgefühl gemalt, kennen wir bereits. Daneben ist noch das Steilufer mit Kähnen" und ein Apfel-Stilleben zu nennen. Von Fries sieht man außer den hier wohlbekannten Landschaften diesmal auch ein dekoratives Blumenstück. Ste­phan, der hier bisher vorwiegend als Zeichner ausgestellt hat, ist diesmal mit einem freundlichen Straßenbild aus Homberg a. d. Ohm vertreten.

Von Margret Kranz haben wir zwei ihrer lie­benswürdigen Blumenstücke zu verzeichnen. Elisa­beth Schneider zeigt ein großes Stilleben, das, farbig nicht ohne Feingefühl, im Thema angenehm von der herkömmlichen Aufmachung abweicht. Drei gute Bilder sieht man auch von Lotte D r o e f e: auffallend wiederum die kräftige, fast männliche Haltung ihrer Malerei; die Nachwirkung ihres gro­ßen, alten Lehrers Rohlfs ist am stärksten spürbar in dem wuchtigen, großlinigen Kirchenbild; male­risch am geschlossensten wirken für unser Empfin­den dieFischernetze". Der Bad-Nauheimer Geil- fus steuert einige feiner grotesken Einfälle und Pinselscherze bei. Don Will sieht man neben den schon bekannten, solid gemalten Schwälmer Bauern­bildern ein feines Mädchenporträt und einen herz­haft erfaßten Dubenkops. Von Bender notieren wir noch zwei fteundliche Westerwaldbilder an der Rückwand; von Lenz, der ebenfalls hier ein guter Bekannter ist, möchten wir vor allem das sommer­liche Bild mit der von praller Sonne angeglühten Schwälmer Bäuerin hervorheben, das wir bereits auf der Bad-Nauheimer Ausstellung zu Gesicht be­kamen, ferner eine feine, kleine Winterlandschaft und einen charaktervollen Bauernkopf, den unsere Leser dieser Tage in derHeimat im Bild" wieder­finden werden. Wir erwähnen weiterhin dieFlut­brücke" von Bertha Lenz, eine Reihe tüchtiger Aquarelle von Lange, ein hübsches italienisches Hafenbild von List, denSommertag" von Paula Mohr. , .

Von den Bildhauern zeigt G ü n g e r i ch eine große, wuchtig wirkende, kraftvoll und liebevoll

durchgearbeitete Büste des Führers, K ü d d i n g eine leidenschaftlich bewegteGruppe", ein stilisiertes Ringer-Paar und, in interessantem Gegensatz dazu, dieSchwedische Sängerin" 1906, Bourcarde eine sehr lebendig ansprechende Porträtbüste des Malers Felix Klipst-in in Laub .h, ferner einen feinen, klaren Kopf (Fräulein F.), endlich die kleine Dollplastik seines Töchterchens Lore, sehr geschlossen in der Form und beseelt im Ausdruck einer noch unbewußten Mütterlichkeit, die sich schon in der Spielgebärde des Kindes anzukündigen scheint. In den Vitrinen stellen Küchel und Knorr hübschen Silberschmuck, Kröll und Rohrbach eine Reihe tüchtiger, gebrauchsgraphischer Entwürfe aus. Außerdem wird das Gesamtbild durch eine Anzahl von Mappen vervollständigt; hier ist u. a. Stein­bach mit Zeichnungen vertreten, der diesmal keine Malerei eingereicht hat. __y__

Zur Eröffnung waren zahlreiche Gäste erschie- nen. Die kleine Feier wurde vom Schättler-Quartett mit einer warm und klangvoll gespielten Kammer­musik eröffnet. Dann richtete Kunstmaler Will einige Begrußungsworte an die Anwesenden und dankte ihnen für ihre durch zahlreiches Erscheinen bekundete Anteilnahme am Schaffen der bildenden Künstler. Bürgermeister Dr. Hamm hielt darauf an Stelle des verhinderten Oberbürgermeisters Ritter eine Eröffnungsansprache; er sagte u. a., es sei die Absicht des Oberbürgermeisters, Gießen zu einem Kulturzentrum Oberhessens zu machen, zu einem Mittel- und Sammelpunkt der Musik, des Theaters und der bildenden Kunst; er erbat hierzu kie Jatfräftige Unterstützung der Künstler und der Behörden, der Presse und der gesamten übrigen Bevölkerung. Jedermann müsse vom neuen Aufbau­willen erfüllt sein, die destruktive Kritik, die hier und da geübt wird, müsse bekämpft und gemeinsame Ar­beit an der Kunst geleistet werden. Die heute er­öffnete Ausstellung solle zeigen, wie in der ober­hessischen Kunst dieser Aufbauwille zutage tritt. Zum Schluß richtete Dr. Hamm einige Worte im Besonderen an die Gäste: jedes Kunstwerk sei das Ergebnis einer gottbegnadeten Stunde; wer dies einmal an sich erfahren habe, wisse um Schmerz und Glück künstlerischen Schaffens, das in den letz- ttn Urgrühb menschlichen Daseins vordringt. Die Kunst brauche einen Resonanzboden, die Umgebung müffe mitgehen mit dem Künstler und Verständnis beweisen. Erzieherische Tätigkeit müsse den Volks­genossen einen Begriff von wahrer Kunst geben. an a m m m^5 Zum Schluß mit Nachdruck auf ein Wort des Führers am Parteitag hin: die Kunst ist eine Erscheinung, die man nicht nach Bedarf ergreifen und nach Bedarf entlasten oder gar pen­

sionieren kann. Kunstmaler Will richtete Herz- liche Dankesworte an Dr. Hamm und an das Schättler-Quartett, an die Stadt und den Kunst- nerein, der den Raum zur Verfügung gestellt hat, und erklärte nach einem dreifachen Sieg-Heil auf den Führer die Ausstellung für eröffnet.

Welches sind die stärksten Giste?

So gebräuchlich es auch ist, von Giften zu spre« chen, so schwer, wenn nicht ganz unmöglich, ist es, den BegriffGift" genau zu umschreiben. Selbst aufbauende Kräfte können sich ins Gegenteil ver- wandeln, wenn sie sich auch nur in einem zahlen- mafjig gar nicht so bedeutenden Ueberschuß aus­wirken. So erweist sich einfaches Kochsalz im Ueber» maß genossen als Gift. Andererseits aber können mir unfern Körper an den Genuß erstaunlich aro- ßer Giftmengen gewöhnen, wie sich am Beispiel mancher Morphinisten und Kokainisten erweist. Schließlich bringt dem einen den sicheren Tod, was für ein anderes Wesen unschädlich ist, etwa bei Schlangen- und Pilzgiften. Wenn so schwer zu be­stimmen ist, was Gifte sind, so läßt sich die von Laien oft gestellte Frage nach den gefährlichsten der uns bekannten Gifte, nämlich jenen, die in ge­ringster Menge am stärksten wirksam sind, wie Dr. Gustav Wiche rn in Westermanns Mo- natsheften ausführt, niemals mit allgemeiner Gültigkeit erklären. Doch dürften wohl jene Gifte am wirksamsten sein, die die Bildung von Fermen­ten und Hormonen unterbinden oder sie in ihrer Wirksamkeit störend beeinflussen, indem sie mit iljnen chemische Verbindungen eingehen, die nichts mehr von der Kraft der ursprünglichen Stoffe be- "!r»anJa^6 Wirken, in ganz geringen Mengen m cne Blutbahn eingebracht, unter anderem auch auf Die Bauchspeicheldrüse und stören ihre Er­zeugung von Insulin, was gleichbedeutend mit dem Auftreten der Zuckerkrankheit ist. Auch hier ge­nügen winzige Mengen, etwa ein Milligramm, um einen yjuni) tödlich zu vergiften. Blausäuregas, das auf dem Atmungswege in das Blut gelangt ist, verbindet sich auf schnellstem Wege mit den At- nTung5fermenten und nimmt ihnen dadurch die Fähigkeit, den Sauerstoff auf das Blut zu über­tragen. Bei der an sich schon äußerst geringen uJcenge dieses im Blute wirksamen Fermentes kann es nicht wunder nehmen, wenn schon 0,05 Gramm Blausäuregas einen Menschen zu töten vermögen, und noch eine Angabe fei gemacht, die in ihrer 21rt wohl bis jetzt einzig dasteht: Tetanusgist (Starrkrampf) vermag in einer Gabe von 0,1 Milli­gramm ein gesundes Pferd und in einer Menge von 0,025 Milligramm eine Maus zu töten.!"

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