Ausgabe 
2.11.1935
 
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zum Widerstand gegen Japan aufrufen sollte oder sich unterwerfen ...

Daß N o r d ch i n a das Schicksal der Mandschurei teilen soll, ist allgemeiner Glaube. Die Japaner haben damit begonnen, Zwischenfälle und japan­feindliche Aeußerungen des Chinesentums zum An­laß zu nehmen, um Truppen einrücken zu lassen, um die Interessen Japans zu wahren. Weiter wurde verlangt, die Nanking-Regierung solle ihr Heer aus Nordchina ebenso wie ihre Gendarmerie zurückziehen. Damit war natürlich die Gefahr ge- aeben, daß sich neue Unruheherde bildeten, deren Aufflackern von den Japanern damit begründet wurde, Nanking spiele eine Doppelrolle, es habe seine Partei in Nordchina zwar ausgelöst, aber ins- oeheim wühle sie weiter. Die japanische Kwantung- Armee stellte im Frühsommer Forderungen, die auf völlige Loslösung Nordchinas hinausliefen. Damals wurden diese Forderungen offiziell von der japa­nischen Diplomatie mißbilligt. Aber am 18. Oktober trat in Saiten eine Konferenz hoher japanischer Militärs und Staatsmänner zusammen, diese er» hoben die Forderung auf Loslösung erneut, ver­sicherten aber, daß Nanking in seinem Bestreben, die Verhältnisse des übrigen Chinas zu konsoli­dieren, durch Japan finanziell und militärisch unter­stützt würde, wenn es ehrlich sich für Japan erkläre.

Inzwischen ging die Minierarbeit weiter. In Nordchina brach im Oktober ein Separatistenauf­stand aus, mit dem angeblich die japanische Regie­rung gar nichts zu tun hatte. Dieser Aufstand sei, so wurde in Tokio erklärt, lediglich dem übermäßi­gen Steuerdruck durch die chinesische Zwiloerwal- tung zuzuschreiben, während man in Nanking sagte, daß die Separatistenbanden von Japan ausgerü- tet und bezahlt würden. Jedenfalls nahm Japan die Gelegenheit wahr, um feine Ziele immer deut­licher zu enthüllen. Der japanische Generalkonsul in Peiping überreichte dem chinesischen Gouverneur eine Note, in der erklärt wurde, Japan könne nicht ruhig zusehen, wie in Nordchina die Ordnung auf den Kopf gestellt würde und der Bolschewismus sich ausbreitete. Gleichzeitig wurde von Hirota dem Vertreter Chinas in Tokio der Inhalt der Beschlüsse der Konferenz von Dairen als offizielle Meinung der japanischen Regierung mitgeteilt.

In Nanking erkannte man deutlick, daß Japan aufs Ganze gehe. Aber was sollte man tun? Don Europa ist ebenso wenig wie von den USA. etwas zu erwarten. Die kommunistischen Wühlereien zwingen Chiang-kai-shek, immer wieder seine Trup­pen gegen die Bolschewisten in den Südprovinzen und in Mittelchina etnzusetzen. Militärisch ist Japan China turmhoch überlegen. In diesem verzweifelten Dilemma scheint nun ein Teil der Mitglieder der Nanking^Regierung und unter ihnen der Minister­präsident Wangtschingwei dafür eingetreten zu sein, eine Verständigung mit Tokio zu erreichen, selbst unter Preisgabe des chinesischen Nordens. Am 3. Oktober fuhr eine aus Chinesen bestehende wirt­schaftliche Studienkommission nach Ja­pan. Sie hat das Ziel, eine Verständigung zwischen Japan und der chinesischen Zentralregierung anzu­bahnen. Dagegen machte sich natürlich eine starke Opposition innerhalb der Kuomintang geltend. Die Schüsse auf Wangtschingwei zeigen den tragischen Konflikt, in dem sich Nanking befindet.

Die dritte Internationale im Hintergrund.

Feststellung der chinesischen Presse.

Schanghai, 2.Nov. (DNB.-Funkspruch.) So­wohl die in China erscheinende ausländische als auch die einheimische Presse brandmarken überein­stimmend den Anschlag auf den Ministerpräsidenten Wangtschingwei als ein gemeines Ver­brechen volksfremder Elemente, an der fortschreitenden Einigung und Erstarkung des chinesischen Volkes in schwerer Zeit. Die Zeitungen weisen auf das große Vertrauen zu der chinesischen Regierung hin, das so stark sei, daß die Börse trotz reger Spekula­tion sich von dem Anschlag nicht nennens­wert beeinflussen ließ. Das BlattChen- pao" betont, daß die Urheber des Attentats k o m - munistische Elemente seien, die infolge der ernsten Lage der hartbedrängten roten Armee in China jetzt zu der Taktik der politischen Morde übergingen. Die Roten handelten n a ch Anwei­sungen der Dritten Internationale, deren Ziel die Störung des gesunden Aufbaues in China sei. Daher müßten sich alle gegen die volks­fremden Schädlinge eng zusammenschließen. Die ZeitungSinwanpao" verweist darauf, was i n Deutschland die nationalsozialistische Partei vollbracht habe. Diese habe, da sie in sich einig sei, großes geleistet. Das Blatt fordert dazu auf, die nationalsozialistische Partei sich als Beispiel zu nehmen.

Der Eindruck in Japan.

Tokio, 1. Nov. (DNB.) Die japanische Presse ist durch die Vorgänge in Nanking stark beeindruckt. In Sonderausgaben wird betont, daß die Regie­rung in Nanking schwer erschüttert sei., da Wangtschingwei die st ä r k st e Stütze Tscht- angkaischeks war. Für Japan sei es wichtig, ob Tschiangkaischek diktatorisch regieren oder aber die Koalition mit dem Anschluß an Südwest fortsetzen werde. Das japanische Außenministerium bedauert die Vorgänge in Nanking, betont aber, daß bie japanische Chinapolitik hier­durch nicht berührt werde. Die Ursache des Attentats könnte die Folge auseinander­gehender Ansichten über zahlreiche innen» und außenpolitische Fragen sein wie u. a. die Be­ziehungen zur Südwestgruppe, zu den Kommunisten oder zu Japan Das Auswärtige Amt vermutet, daß ein Kabinettswechsel und Störun­gen in den chinesisch-japanischen Beziehungen ein­treten werden. Der Ersatz Wangtschingweis sei hoch­wichtig für die japanischen Beziehungen zu China. In der Armee vermutet man Machenschaften anti- japanischer Gruppen des Südwestens.

Gemeinderaistvahsen in (England.

London, 2.Nov. (DNB. Funkspruch.) In über 300 Städten fanden Gemeinderatswahlen statt. Sie sind angesichts der bevorstehenden Par­lamentswahlen von besonderem Interesse. Nach den bisher vorliegenden Ergebnissen aus rund 100 Städten haben die Konservativen 32 Sitze gewonnen, während die Arbeiterpartei 24 Sitze verloren hat. Die Liberalen verloren zwei und die Unabhängigen sechs Sitze. In Birmingham und Leeds konnten die Konservativen sechs bzw. vier Sitze von den Arbeiterparteilern gewinnen In Liverpool nahmen sie der Arbeiterpaktei einen, den Unabhän­gigen zwei Sitze ab. In Cardiff gewann die Ar- beiterpartei einen Sitz von den Konservativen, in der Universitätsstadt Oxford konnte die Arbeiter­partei vier Sitze gewinnen.

eines neuen deutschen Jugendrechtes. Die drei gro­ßen Arbeitsgebiete des Jugendrechts feien: 1. Das ' Gesetz für Verufserziehung und Lehre, 2. das Ge-

feften Grundbegriff staatspolitischer Erziehung ge­sichert ist.

Zu einer solchen Erziehung bedarf es denn auch einer besonderen berufserzieherischen Entwicklung des Iührerkorps der HI. von einem Zeitpunkt, den ich noch bestim­men werde, wird nur zum Bannführer ernannt werden können, wer zwei Jahre mit Auszeichnung Dienst in der. HI. getan hat, dann im Reichsarbeits­dienst und in der Wehrmacht feinen Dienst geleistet und schließlich einen einjäh­rigen Lehrgang bei der Akademie der Jugendführung mit einer Prüfung vor einer Kommission der Reichsjugendführung abgeschlos­sen hat. Rach Erlangung des hiermit verbunde­nen Diploms als Jugendführer muß der künftige Führer zur Ausbildung ein halbes Jahr Aus- l a n d d i e n st durchmachen. Der künftige Füh­rer wird also mit Einschluß vom Reichsarbeits- dienft und Wehrdienst eine fünfjährige Ausbildung erfahren, fo daß das Führer­korps künftig eine Zusammensetzung haben wird, der das Volk das Wertvollste, was es besitzt, seine Jugend anoerfrauen kann.

Zum Schluß wandte sich der Reichsjugendführer gegen den völlig unbegründeten Vorwurf, daß die 5)J. religionsfeindlich sei. Die HI., die in ehrfurchtsvoller Haltung des sozialistischen Erlebens des Frontsoldaten erzogen sei, kennen keinen schwe­reren und haltloseren Vorwurf als den der Ehr- furchtslosigkeit. Sie kenne aber auch keinen schwere­ren Vorwurf als den der Glaubenslosigkeit. Eine Jugend, die durch den Dienst an der Nation, der sie sich weiht, in den Dienst des Ewigen getreten ist, kann nicht glaubenslos sein. DerReichs- jugendführer schloß mit dem Bekenntnis zu den Worten Arndts:Ein Volk zu sein, das ist die Religion unserer Zeit!"

Lehrer in der HI. mitarbeiten.

Es ist nicht angängig, wenn heute mehr als die Hälfte der deutsch enJugend sich freiwillig in der HI. einem harten und straffen D i e n st der Erziehung und Ertüchtigung unterwirft, aber der andere große Teil der Jugend nicht an dieser Aufgabe der Ertüchtigung beteiligt ist. Die Lösung soll nicht so erfolgen, daß etwa dieser andere Teil in die HI. eingegliedert würde. Eine solche Eingliederung würde einen vollständigen Bruch mit unserer erzieherischen Aufgabe, die auf der Frei­willigkeit beruht, bedeuten. Aber trotzdem muß erreicht werden, daß die gesamte deutsche Jugend, zum mindesten auf dem Gebiete der körperlichen Ertüchtigung, ein einheitliches Ziel erreicht und auch der nationalsozialistische Staat die ihm gestellte Aufgabe verwirklicht, daß die gesamte Jugend des Volkes in einem

fählich müßten alle, die an der erzieherischen Aufgabe an der deutschen Jugend Mitarbeiten, sich zusammenschließen, Elternschaft, Lehrerschaft und HI. Führende Vertreter dieser drei Erziehungsfaktoren sollten eine Art A r - beitsgemeinschaft bilden. Die Schule neige dazu, formelles Wissen über charakterliche Erziehung zu stellen. Das bedeute keineswegs Kritik an der Lehrerschaft, der Fehler liege in der schulischen und lehrmäßigen Erziehung. Ihr müsse daher als der Erziehung von oben gleich­zeitig die Erziehung von unten, die Gemeinschaftserziehung der HI., zur Seite ge­stellt werden. Alles, was außerhalb der schuli­schen Erziehungsarbeit an Erziehungsarbeit ge­leistet werde, fei Sache der HI. 3n der Schule fei selbstverständlich der Lehrer die höchste Au­torität, auch für den HI.-Führer. In der HI. fei der ranaälteste Führer des Standortes je­weils die höchste Autorität auch dann, wenn

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Oer Reichsjugendführer über Grundsätze zur Ausbildung eines Führerkorps der HZ.

Oldenburg, 1. Nov. In Oldenburg begann die erste große Reichstagung der h I. - Rechts­organisation, die sich mit allen grundlegen­den Fragen des künftigen deutschen Jugendrechts auf Grund der Vorarbeiten des Rechtsamtes der HI. befaßt. Der Rechtsamtsleiter Dr. Theo G o l d - mann eröffnete die Tagung. Das große Ziel der Arbeit des Rechtsamtes der HI. fei die Schaffung

setz zur Führung und Pflege der deutschen Jugend, 3. das Gesetz über das Jugendehrrecht, das als Gegenseite dann auch das Jugendstrafrecht umfassen werde.

Reichsjugendführer Baldur von Schirach gab bann einen Ueberblid über die Gesamttätigkeit der nationalsozialistischen Jugend. Die Oeffentlichkeit sei durch die Mitteilung überrascht worden, daß d i e NSDAP, sich künftig ausschließlich aus hI. und BDM. ergänze. Die HI. sei die Nachwuchsorganisation der NSDAP. In Zukunft werde jeder junge Deutsche vom 10. ße» bensjahr an in einem bestimmten Erziehungs­system stehen, das nach den Erfahrungen und Ge­setzen der nationalsozialistischen Bewegung sein Leben gestalte.

Die zweite Aufgabe der HI., so führte der Reichs- jugendsührer dann weiter aus, ergibt sich aus dem Anteil der Jungarbeiterschaft an der Durch­setzung der Idee das Nationalsozialismus. Wir haben aus unserem Kampf um die Jungarbeiter­schaft in den Jndustriebezirken die schweigende Ver­pflichtung auf uns genommen, die Lebensbedingun­gen der Jungarbeiterschaft zu gestalten. Der Reichs- jugendführer unterstrich besonders die Notwendig­keit einer ausreichenden Erholungszeit für die Jungarbeiter und die Förderung des Fach­arbeiternachwuchses.

Auch das Problem der schulischen Er­ziehung müsse angeschnitten werden. Grund-

Eröffnung der Lustkriegsakademie in Anwesenheit des Führers.

Berlin, 1. Nov. (DNB.) Im großen hörfaal der Luftkriegsakademie wurde in Anwesenheit des Führers und Obersten Befehlshabers der Wehrmacht die in etwas mehr als Jahresfrist ge­schaffene Anlage der Luftkriegs - und Luft- technischen Akademie sowie der Luft­krieg s s ch u l e eröffnet. Unter der Gesamtleitung des Architekten Prof. Dr. S a g e b i e I sind links und rechts der Straße GatowKladow auf einem landschaftlich reizvoll gelegenen Gelände schlichte, meist einstöckige Zweckbauten nach übersichtlicher Planung entstanden, die in Anlage und Form alle Voraussetzungen, die an diese Bauten gestellt wer­den mußten, erfüllen. Rechts der Straße liegt bie Luftkriegsakabemie in engster Verbinbung mit ber Lufttechnischen Akabemie, bie beibe für bie Weiterbildung der Offiziere bestimmt sind, während die auf der linken Seite errichtete Luftkriegsfchule ber heranbilbung des Dffi» ziersnachwuchfes bient. Dort sind auch bie Flug­zeughallen unb ber eigentliche Flugplatz, die Unter» kunstshäuser, der Sportplatz und andere Anlagen errichtet.

Kurz vor 11 Uhr traf ber Führer am Haupt­eingang ein, wo er vom Reichskriegsminister Gene­raloberst v. Blomberg unb bem Oberbefehls­haber ber Luftwaffe General ber Flieger Göring, des-heeres General ber Artillerie Freiherr von Fritsch unb ber Kriegsmarine Abmiral Dr. h. c. Raeber, bem Staatssekretär bes Reichsluftfahrt­ministeriums, Generalleutnant Milch, unb ber Generalität ber Reichsluftwafffe empfangen unb in den großen Hörsaal geleitet würbe, nachbem er un­ter den Klängen des Deutschlandliedes die Front der vom Jagdgeschwader Richthofen gestellten Ehren­kompanie abgeschritten hatte.

Nach einem geschichtlichem Rückblick auf die Ent­wicklung unb die Großtaten der deutschen Luftwaffe sowie die Bedeutung des Tages durch den Chef des Luftkommandoamtes Generalmajor W e o e r wies

der Oberbefehlshaber der Luftwaffe General der Stieger Göring.

darauf hin, daß die Schaffung dieses Werkes als ein Symbol für die Arbeit der gesamten Luftwaffe gelten könne, die, wie dieses Bauwerk, aus dem Erdboden gestampft und nur dank einem unerschütterlichen Willen entstehen konnte, der auch die gesamte Luftwaffe von heute beseelt. Dem Füh­rer gelte der Dank der gesamten Luftflotte dafür, baß er die Grundlage für den Aufbau geschaffen habe. Es sei eine Selbstverständlichkeit, daß das deutsche Volk zur Wahrung seiner Ehre und Frei­heit eine starke Luftwaffe brauche, um in Ruhe seiner Arbeit nachgehen zu können. An dieser Stätte sollten die Flieger im Geiste der wirklich heroischen Auffassung der nationalsozialistischen Idee und un­serer Zeit erzogen werden. Die tausendjährige Sehn­sucht der Menschheit, sich in die Lüfte zu erheben, verlange hingebungsvolle Begeisterung und männliche Kühnheit, hierzu sollten die Lehrkräfte ber Akabemie bie Männer erziehen, bie kühn unb entschlossen und fest im Charakter auf sich stobst gestellt sich zu behaupten und zu kühnem Entschluß durchzuringen verstünden. Wiederholt habe der Führer betont, daß fein unb des deut­schen Volkes Wille der Friede fei. Er habe aber ebensooft betont, daß dieser Friede nicht allein von uns, sondern auch von unseren Nachbarn a b l) ä n g e. Nur ein scharfes Schwert schütze den Frieden. Wenn dieses Schwert zer­bräche, werde auch ein Volk friedlos.

General Göring ermahnte das Führerkorps der Luftwaffe, immer weiter fortzuschreiten in dem Geist, in .dem das Werk begonnen sei, ein Werk, das nicht in kühler Ueberlegung, sondern i n heißer Leidenschaft entstanden fei. Der Oberbefehlshaber der Luftwaffe wies noch einmal auf die leuchtenden Vorbilder in ber kurzen Ge­schichte der deutschen Luftwaffe hin, denen nachzu- ftreben höchste Verpflichtung sei. In der Material­anzahl werde, wie im Weltkriege, Deutschland im­mer unterlegen sein, aber die materielle Ueberlegen» heit der anderen müsse durch den rechten F l i e g e r g\e i ft, wie ihn die großen Vorbilder oorgelebt hätten, wieder we11gemacht werden. In diesem Sinne übergebe er die Akademie ihrer Bestimmung.

Oberst a. £). Thomsen zum General­major der neuen Lustwaffe befördert.

Berlin, 1. Nov. (DNB.) Der Führer und Reichskanzler hat mit dem 1. November 1935 Oberst a. D. Thomsen in Würdigung seiner ge­schichtlichen Verdienste um Aufbau und Führung der ßuftftreitfräfte im Weltkriege, zunächst a I s

(Scherl-Bilderdienst-M.)

Feldflugchef 1915 bis 1916 und bann als Chef bes General st abes bes kommandie- renben Generals ber ßuftstreilkräfte vom Oktober 1916 bis zur Beendigung des Krieges, zum Gene­

ralmajor unter gleichzeitiger Anstellung in der ßuftroaffe befördert. Generalmajor Thomsen steht zur besonderen Verwendung des Reichsministers der ßuftfahrt und Oberbefehls­habers ber ßuftroaffe, General ber Flieger, Göring.

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General Thomsen hat schon als junger ßeutnant vor dem Weltkriege der Entwicklung der ßuftroaffe feine besondere Aufmerksamkeit zugewandt. Thom­sen war es, der den damals kühnen Gedanken der Unvermeidlichkeit des ßufttampfes vertrat, bei dem das Flugzeug die Ueberlegenheit vor dem ßuftfchiff besitzen würde. Er hat schon vor dem Kriege im Großen Generalstab das Flugwesen bearbeitet, das damals noch dem Militäroerkehrswesen unterstellt war. Erst im Frühjahr 1915 erfolgte eine straffe Zusammenfassung aller Fliegerverbände gleichzeitig mit ber Ernennung bes Majors Thomsen zum Feld- Flugchef. General ßubenborff schreibt darüber in sei­nem Buch über den Weltkrieg u. a.: Wir waren trotz der Bemühungen des (Beneralftabes vor Kriegs­beginn mit ungenügenden ßufttampfmitteln in den Krieg gezogen. Der gewaltigen Schaffenskraft des Obersten Thomsen und des in der Heimat wir­kenden Oberstleutnants S i e g e r t haben Deutsch­land unb das deutsche Heer es zu danken, wenn sich während des Krieges unsere ßuftftreitfräfte immer weiter erfolgreich entwickelten. Jetzt wurde ber Hauptwerk auf Vermehrung ber Jagdflieger unb ihre Ausstattung mit einem guten Kampfflugzeug gelegt; dabei kamen aber die anderen Abarten nicht zu kurz. Auch den Geschwadern für den Bomben­abwurf wurde weitgehende Beachtung geschenkt. 1917 hatte Oberst Thomsen den Orden pour le mdrite erhalten, nach der Demobilmachung mußte er von der ihm ans Herz gewachsenen Arbeit schei­den. Er hat dann bie freudige Genugtuung des Wiederaufbaues der deutschen Flugwaffe erlebt. Wenn er nun als enger Mitarbeiter' des Generals ber Flieger unb Reichsluftfahrtministers Göring fein ßebensroerf wieder aufnehmen kann, fo ist das eine Auszeichnung, die er wohl verdient hat, und zu der ihn das deutsche Volk herzlich beglückwünscht.

Herrn Duttweilers Einbruch in -iepolittk.

Oie Sensation der Schweizer Bundeswahlen.

Die Schweizer Wahlen für das Bun­desparlament sind ohne wesentliche Anteil­nahme der außerschweizerischen Oeffentlichkeit vor sich gegangen. Die vier großen Parteien, die den demokratischen Wahlapparat der Schweiz beherr­schen und bei jeder Wahl ihren Besitzstand mehr oder weniger zu wahren wissen, haben auch dies­mal dafür geforgl, daß eine grundsätzliche Ver­schiebung der politischen Gewichte nicht ein­trat, durch die bas wohlabgewogene und gut einge­fahrene System dieser alten bürgerlichen Demokra­tie gereaelt wird. Große grundsätzliche Fragen, die das Volk der Schweizer als Ganzes angehen und in eine heftigere Bewegung versetzen können, pflegen ja ohnehin nicht durch die parlamentarischen Wah­len, sondern durch das Referendum, die Volk s»-- befragung, zur Entscheidung gebracht zu wer­den. So könnten die letzten Wahlen vom Stand­punkt des Auslands als eine rein schweizerische An­gelegenheit betrachtet werden, die nicht einmal für die Schweiz selbst eine neue politische Phase bedeu­tet, wenn sie nicht sozusagen eine Episode aufzu­weisen hätten, die von einem gewissen allgemein menschlichen, aber auch politischen und wirtschaft­lichen Interesse ist.

Es ist nämlich bei diesen Wahlen ein Mann zum ersten Mal in das politische Kompffeld getreten, dessen Name in ber letzten Zeit m der Schweizer Privatwirtschaft eine viel erörterte und umstrittene Rolle gespielt hat, nämlich der Züricher Kaufmann Gottlieb D u 11 ro e i I e r, der Direktor und Eigen­tümer der Aktiengesellschaft Migros und der Er­finder und Organisator des SchweizerHotel­plan s", beides Unternehmungen, besonders die letztere, die auch im Ausland lebhaftes Interesse und Beteiligung an der schweizerischen Diskussion darüber erweckt haben. Duttweiler, der von Hause aus nichts weniger als Politiker ober gelehrter Wirtschaftler ist, kommt aus dem ßebensmiÜelgroß-

handel, war lange Zeit im Ausland unb in lieber- feelänbern tätig und kehrte nach wechselnden Glücks- umständen nach dem Kriege in die Heimat zurück, ohne Geld, aber mit einem um so schärferen Blick für die Mängel und Rückständigkeiten der kleinen, etwas oerstickten schweizerischen Verhältnisse. Er fand auf seinem Gebiete, dem ßebensmittel- handel, die Herrschaft der Konsumvereine und eines üppig blühenden übersetzten Zwischenhandels vor und griff hier als Mann der praktischen Er­fahrungen mit einer neuen Organisation ein, die wir im einzelnen hier nicht schildern können, die aber im wesentlichen das Prinzip verfolgte die Waren des täglichen Bedarfs direkt und infolge der Ausschaltung von Zwischenstationen auch billi­ge r an den Käufer heranzubringen. Er hatte da­mit msbefonbere in den Kantonen der Nord- unb Westschweiz, die industriell und zahlreich bevölkert sind, große Erfolge und stieß natürlich, je größer und nutzbringender sie für das Volk selbst waren, um so mehr auf den Widerstand der Konsumvereine, der Kleinhändler und der Bürokratie, denen dieser Diktator des Kolonialwarenhandels anfing unheim- lich zu werden. Aber Duttweiler ist eine robuste unb kämpferische Natur unb wußte in allen biefen Auseinandersetzungen, die in den lokalen Kämpen und Zeitungsfehden der Schweiz lange eine große Rolle spielten, den entscheidenden Faktor, nämlich Ole Konsumenten, in seinem Bann zu halten, so daß seine Gesellschaft nach wie vor blüht und zu einem wesentlichen Teil der Schweizer Wirtschaft geworden ist.

Daß er von feinem eigentlichen engeren Fach aus auch auf größere wirtschaftliche Zusammen­hänge zu blicken und sie in eine organisatorische Adee umzusetzen vermag, bewies er, als das Schweizer Hotelgewerbe infolge ber Welt­wirtschaftskrise, die das internationale Reisepubli- fum von der feder gewordenen Schweiz immer