Ausgabe 
2.11.1935
 
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mehr abzog, in einen wirtschaftlichen Zustand ge­raten war, der mit dem Ausdruck allgemeiner Bankrott nicht zu hart bezeichnet ist. Als sich die Ratlosigkeit der Schweizer Hoteliers in dem Schrei nach Staatshilfe erschöpfte, griff Duttweiler ein und rief innerhalb weniger Wochen dieHotel- Plan g e n o s s e n s cb a f t" ins Leben, durch die es gelang, mit Genossenschafts- und Pauschalferien­reisen und durch eine äußerst geschickte Werbung im Ausland die leerstehenden Hotels der Schweiz zum großen Teil wieder zu füllen, die Bergbahnen und alles, was mit der weitverzweigten Fremden­industrie des Landes zusammenhängt, vor dem Zerfall zu retten. Auch bei diesem Werk stieß Dutt­weiler natürlich aus Widerstände, besonders der großen Luxushotels, die sich der Standardi­sierung der Preise nicht fügen wollten; aber auch hier setzte er sich durch, und seine Leistung wird von der Mehrzahl der schweizerischen Hote­liers und von dem großen Kreis der internationalen Freunde der Schweiz dankbar anerkannt.

Dieser Mann, der offenbar das Zeug zu einem großen wirtschaftlichen Reformator und zu einem bedeutenden, aber mit sauberen Mitteln arbeiten­den Wirtschastskapitän in sich hat, ist nun auf seinem Eroberungszug einen Schritt weiter gegan­gen, indem er sich an d i e Spitze einer neuen politischen Partei stellte und für die Bun­deswahlen kandidierte. Er ist auch in seiner Hei­mat Zürich gewählt worden und mit ihm gleich sieben seiner Anhänger und Freunde. Wie sein Einbruch in das Schweizer Wirtschafts­leben eine Sensation und auch ein Erfolg war, fo ist sein jetziger Einbruch in die Schweizer Politik eine Sensation, denn er richtet sich ,etzt nicht mehr gegen einzelne Erscheinungen und Nöte des Wirt­schaftslebens, sondern gegen das ganze, teils von den Trusts und Kartellen, teils von den sozia- listiscben Bestrebungen der Gewerkschaften beherrschte Wirtschaftssystem und gegen die Tatsache, daß die staatliche Bürokratie unter dem Druck und Einfluß dieser vielfachen gegensätzlichen Einwirkungen nie zu entscheidenden wirtschaftlichen Maßnahmen kom­men kann, wie dies ja alle Länder mit demokra­tischem Regime ohne Ausnahme erfahren haben. Das Problem der stagnierenden Demokratie von der politischen Seite her aufzurollen, ist in der Schweiz bisher ergebnislos gebleben. Die vom Fa­schismus ober Nationalsozialismus geistig beein­flußten Kräfte in der Schweiz können sich offenbar nicht durchsetzen. Es wird interessant sein, zu ver­folgen, ob es Duttweiler gelingt, das Problem der staatlichen und geistigen Erneuerung, um das auch die alte Demokratie der Schweiz nicht berumtommt, von der wirtschaftlichen Seite aus zu lösen.

Neuregelung des ZTutterverkebrs.

Berlin, 1. Nov. (DNB.) Mit Wirkung vom 1. November 1935 haben die Milchoersorgungsver- bände und Großverteilervereinigungen eine Anord­nung über Butterlieferungen herausgegeben, nach welcher die Molkereien künftig von ihrer jeweiligen Wochenerzeugung an Butter diejenigen A b - n e b m e r , die sie im August 1935 mit Sut­ter beliefert haben, in dem Mengenver­hältnis zu beliefern haben, in dem von jetzt an ihre jeweilige Wochenerzeugung zu der durchschnittlichen Wochenerzeugung des August 1935 steht. Die Gesamtmenge der an die Milch liefernden Betriebe zurückzuliefernden Butter ist in dem gleichen Verhältnis zu kürzen, in dem die jetzige Wochenerzeugung hinter der durchschnitt­lichen Wochenerzeugung im August zurückbleibt. Die Molkereien dürfen an niemand mehr liefern, den sie nicht im August 1935 mit Butter be­liefert haben. Ausgenommen hiervon sind Lieferun­gen an öffentliche Anstalten, an Stellen der Wehr­macht sowie Lieferungen in das Saarland. Liefer­beziehungen dieser Art sind dem zuständigen Milch- wirtschaftsverband unter Angabe der Mengen und der Abnehmer sofort schriftlich anzuzeigen. Diese Lieferungen können solange im bisherigen Umfange fortgesetzt werden, als keine gegenteilige Weisung des Milchwirtschgftsverbandes ergeht. Für die Großverteiler und den Poftpaketver- »kehr gelten die gleichen Bestimmungen. Darüber hinaus wird der Postoersand der Molkereien und Grohverteiler wöchentlich aus 50 v. H. der im Wochendurchschnitt des August 1935 abgesetzten Menge beschränkt. Buttermengen, die durch die vor­stehenden Bestimmungen frei werden, sind auf die übrigen Abnehmer zu verteilen. Die Molkereien haben ihrem Milchwirtschaftsverband wöchentlich anzuzeigen, welche Buttermengen sie voraussichtlich durch Versand absetzen. Nach der neuen Anordnung brauchen die Molkereien nicht mehr 10 v. H. ihrer Erzeugung an die Reichsstelle oder andere öffent­liche Stellen abzuliefern. Die Reichsstelle kann jedoch im Einvernehmen mit der Hauptvereinigung in Einzelfällen verlangen, daß die Molkereien einen Teil ihrer Buttererzeugung zur Behebung von Not­ständen zur Verfügung stellen.

Zahlen, die für sich sprechen.

Ganz Deutschland wird vom Netz der Reichsautobahnen überzogen.

Berlin, 1. Nov. (DNB.) Die Vorarbeiten für die Vollendung der Reichsautobahnen sind soweit vorgetrieben worden, daß es sich verlohnt, eine all­gemeine Uebersicht über die gigantischen Leistungen zu geben. An vielen Stellen sind die Arbeiten aus­genommen worden, da man sich bei der Arbeits­teilung hauptsächlich nach den Zentren der freiliegen­den Arbeitskräfte, der Arbeitslosen, richten muhte. Aus den bisher genehmigten Strecken lassen sich aber sehr leicht die einzelnen großen Linienführun­gen erkennen. Ganz Deutschland wird unter Berück­sichtigung der wichtigsten Industrie-, Handels- und Kulturzentren von Autobahnen durchzogen fein. Man geht jetzt daran, die Einzelbau st recken zu verbinden und zunächst folgende wichtige großen Linien auszubauen: Frankfurt a. M.Stutt­gartMünchenSalzburg; MünchenNürnberg- PlauenDresden dzw. HalleLeipzig; Frank­furt a. M.K affe lH amburg; Ruhrgebiet HannoverBerlinStettin; BerlinSchlesien und schließlich noch die beiden kleineren Abschnitte Bre-

Inseln -es Deutschtums.

XII.

Die Gesandtschaft in Mexiko, bcn unserem K B -O «Berichterstatter.

(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.) Mexiko-Stadt,* im Oktober 1935.

Rund hundert Jahre ungetrübter Freundschaft kennzeichnen die Beziehungen zwischen Deutschland und Mexiko, das zu den weni­gen Ländern der Erde gehört, die sich im Welt­kriege nicht auf die Seite der Gegner des Reiches Sachlagen haben, sondern in freundschaftlicher Neutralität jedem in dieser Beziehung auf sie aus- geübten Druck standhielten. Ebenso alt wie die staatlichen Begehungen zwischen beiden Ländern, wenn nicht sogar noch etwas älter, ist das Deutschtum in Mexiko, das unter den hier an­sässigen fremden Kolonien eine geachtete Stellung einmmmt und sich auch bei Volk und Regierung : feiner Wahlheimat großen Ansehens und sogar einer gewissen Beliebtheit erfreut, wenn auch in I den letzten Jahren infolge des Neuausflammens des nationalistischen Geistes in Mexiko die Stel­lung des Auslanoers ganz allgemein nicht mehr die gleiche ist wie noch vor rund zehn oder süns- z hn Jahren. Poch immer hat der Name eines Alexander von Humboldt, dessen Werke über Mexiko auch jetzt noch von grundlegender Be­deutung sind, einen guten Klang; noch immer steht das vom letzten deutschen Kaiser dem mexikanischen Volk anläßlich der Hundertjahrfeier geschenkte Hum­boldt-Denkmal vor der Nationalbibliothek als sichtbares Zeichen deutsch-mexikanischer Freundschaft, steht neben dem erst kürzlich sertiggestelltenPalast der Schönen Künste" ein von der deutschen Kolonie geschenktes Denkmal des großen Meisters. Ludwig van Beethoven.

Rund 5000 Deutsche leben augenblicklich in der Republik Mexiko, etwa 2000 bis 3000 von ihnen in der Hauptstadt und ihrer nächsten Umgebung. Ein großer Teil von ihnen ist schon Jahre vor dem Kriege hierhergekommen, aber ein wohl ebenso großer Prozentsatz hat erst nach dem deut­schen Zusammenbruch den Weg in dieses schöne Land gefunden, um als kaufmännische und technische Angestellte den Kampf ums tägliche Brot durchzu- fechten, während die ältere Generation größtenteils schon vor dem Kriege den deutschen Handel in Mexiko aufgebaut hat und ihn noch heute als Han­delsherren beherrscht, unterstützt von dem jüngeren aufstrebenden Element. Sind der Textilhandel und die Textilindustrie zum größten Teil in spanischen und französischen Händen, so hat Deutschland einen führenden Anteil am Handel mit Eisenwaren und elektrotechnischen Artikeln, mit Farben, Chemikalien und pharmazeu­tischen Präparaten trotz schärfster Konkur­renz, und im südlichen Mexiko steht der deutsche Kaffee-Pflanzer an erster Stelle. Namen wie Siemens, AEG., JG.-Farbenindustrie, Tele- funten um nur einige der größten hier vertre­tenen deutschen Firmen zu nennen sind dem Mexikaner nicht fremd; nicht zu vergessen die gro­ßen, alteingesessenen deutschen Häuser, die seit zwanzig, dreißig, fünfzig und mehr Jahren Zeug­nis von deutscher Leistungsfähigkeit und Qualitäts­arbeit oblegen und für sie werben. Schwer aber ringt d er deutsche Kaufmann in Mexiko um feine Existenz. Die verworrenen Verhältnisse der Weltwirtschaft, das Valuta-Dumping gewisser Län­der, die Zollpolitik der mexikanischen Regierung zum Schutz der im Entstehen begriffenen einheimi­schen Industrie das alles trägt dazu bei, ihn zu äußersten Anstrengungen anzuHornen. Aber deut­scher Fleiß, deutsche Ausdauer, deutsche Qualitäts­arbeit und Leistungsfähigkeit werden sich auf die Dauer doch durchsetzen. Wobei nicht zu vergessen

men, Hamburg und Lübeck und Elbing und Königs­berg.

Man muß schon Zahlen sprechen lassen, wenn man über das bisher Erreichte einiges sagen will: Zum Bau sind bisher 3180 Kilometer Autobahnen ircigegebcn, von denen bereits.1700 Kilometer im Bau sind. Annähernd 110 Kilometer konnten bisher dem Verkehr übergeben werden. Bereits über 31 Millionen Tagewerke sind abgeleistet worden und für 620 Millionen Mark wurden Auf­träge vergeben. Die Arbeitsleistung kann man im übrigen aber an folgenden Arbeitsgattungen fest- stellen: Es mußten bisher 25 Quadratkilometer Bo- deniläche gerodet und 85 Millionen Kubikmeter Erd- maffen bewegt werden. Für die Brücken brauchte man bisher 1,5 Millionen Kubikmeter Beton und etwa 50 000 Tonnen beste Stahlkonstruktion. An Fahrbahndecken der Autobahnen sind bisher 4600000 Quadratmeter ausgeführt. Das sind Zahlen, die den Beweis erbringen, wieviele Arbeitskräfte im deutschen Volk durch dieses gigantische Problem in Bewegung gesetzt wurden.

Kunst und Wissenschaft.

Oie Reichsfilmkammer ehrt die Brüder Skladanowski.

An dem Tage, an dem vor genau 40 Jahren die Gebrüder Skladanowsky im Berliner Winter­garten zum ersten Male ihre lebenden Bilder der breiten Öffentlichkeit vorführten, bereitete die Reichsfilmkammer diesen deutschen Filmpionieren eine würdige Ehrung. Zu der kurzen Feier waren die drei Gebrüder Skladanowsky, Max, Emil und Eugen (der erste Filmstar!) und der gesamte Präsidialrat der Reichsfilmkammer erschienen. Der Präsident der Reichsfilmkammer, Professor Dr. Lehnich erklärte, es sei belanglos, ob die von Skladanowsky bei feiner historischen ersten Kinovorführung im Wintergarten verwen­dete Apparatur nach unseren heutigen Begriffen mit Mängeln behaftet gewesen oder ob ein unvoll­kommener Filmstreifen verwendet worden sei. Aber das eine stehe fest, daß es bei dieser Gelegenheit gelungen sei, Filmaufnahmen auf der Leinwand dem erstaunten und begeisterten Publikum zum ersten Male vorzuführen. Heute müsse es als etwas Großes erscheinen, daß ein nicht mit Glücksgütern

ist, daß Deutschland zu den besten A b n e h - mein mexikanischer Rohstoffe gehört.

Unter diesen Umständen ist es nicht verwunder- lich, daß die Hauptaufgaben der hiesigen diplo- malischen Vertretung des Reiches auf wirtschaftlichem Gebiet zu suchen sind: Förde­rung des Warenaustausches zwischen Deutschland und Mexiko. In der Cordoba-Straße 14 erhebt sich ein einfaches einstöckiges, gelbbraun ge­strichenes Gebäude. Eine große Toreinfahrt gibt den Blick auf einen freundlichen, mit Blumen reich be­setztenpatio den typischen Hof der vornehmen fpanisch-mexikanifchen Residenzen mit seinem kleinen Springbrunnen frei, während sich an drei Seiten diesespatio die Zimmer hinziehen. Hier ist das Heim der Deutschen Gesandtschaft, hier ist deutscher Boden, ist die Stelle, wohin sich der deutsche Volksgenosse mit seinen Anliegen wenden kann, und wo er stets ein williges Ohr findet, wo man sich bemüht, ihm mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Peinliche Sauberkeit herrscht in den großen luftigen Räumen, die den Beamten zur Ver­fügung stehen. Ihre Einrichtung ist einfach, aber geschmackvoll. An den Wänden hängen Bilder aus Deutschland, die die Schönheiten unseres Vater­landes dem Besucher vor Augen führen.

Hier ist das Reich, in dem Gesandter Freiherr Ruedt von Collenberg mit feinen Mit­arbeitern herrscht. Er ist der erste diplomatische Vertreter des neuen Deutschland in Mexiko. Eine große stattliche Erscheinung, Ehrenmann vom Scheitel bis zur Sohle, vertritt er in rühriger und umsichtiger Weise energisch die Interessen des Vaterlandes, geachtet von Deutschen und Mexika­nern. Ihm zur Seite Gesandtschaftsrat Dr. Ahrens, dem keine Mühe^zu groß ist, wenn es sich darum handelt, einem deutschen Volksgenossen hilfreich zur Hand zu gehen. Das verantwortungsvolle und nicht immer ganz einfache Amt des Gesandtschaftskanz­lers füllt mit vielem Geschick Herr N a t u s aus. Pressebeirat der Gesandtschaft, ein erst kürzlich ge­schaffener Poften, ist Herr Dietrich, dem es ob­liegt, die amtlichen Beziehungen zur mexikanischen Presse zu pflegen. Zwei jüngere Herren und mehrere Damen für die Schreibarbeiten vervollständigen den Stab der Gesandtschaft. Das Bild wäre aber unvollständig, würde man Norberts Flores, den Gesandtschaftsdiener, unerwähnt lassen, der seit über dreißig Jahren der Deutschen Gesandtschaft unter zahlreichen Gesandten gedient hat und ge- radezu als Faktotum unserer diplomatischen Ver­tretung bezeichnet werden muß.

Ist das Haus in der Cordoba-Straße der rein dienstlichen Tätigkeit gewidmet, fo konzentriert sich das gesellschaftliche Leben in der Abraham-Gonza- lez-Straße, in der sich das Gebäude mit der Pri - vatwohnung des Gesandten erhebt und wo Freifrau Ruedt von Collenberg an der Seite ihres Gatten in liebenswürdigster Form die Pflichten der Hausfrau erfüllt. In den mit vielem Geschmack ausgestatteten Gesellschaftsräumen herrscht bei den großen Empfängen für Regierung, Diplomatisches Korps und Kolonie stets herzliche Fröhlichkeit und angeregte Unterhaltung; aber auch in kleinerem Kreise und bei weniger offiziellen und inoffiziellen Anlässen zeigt sich immer wieder die außerordent­liche Liebenswürdigkeit und natürliche Herzlichkeit der Gastgeber. Für die ganz großen Kolonieereig­nisse aber zeigt sich auch das Haus in der Abraham- Gonzalez-Straße als zu klein, so daß das Ge­sandtenpaar beispielsweise den bereits traditionellen Empfang der deutschen Kolonie am Nationalfeier­tag des 1. Mai in den Räumen desDeut­schen Hauses" abhalten muß, da diese allein die gewaltige Zahl der Volksgenossen zu fassen ver­mögen, die an diesem Tage im Anschluß an die Feier des Tages der nationalen Arbeit die Gaste des Gesandten und seiner Gattin sind.

Gesegneter, von keinem reichen Gönner unterstütz­ter deutscher Bastler es verstanden habe, ein Gerät zu schaffen, das dieses Ergebnis zeitigte. Für diese Pioniertat vor 40 Jahren dankte Präsident Leh­nich dem Erfinder im Namen aller, die in Deutsch­land und in der Welt am Film schaffen. Reichs­minister Dr. Goebbels hat in Anerkennung der Verdienste Max Skladanowskys um die Entwick­lung der Kinematographie dem Erfinder fein Bild mit eigenhändiger Widmung überreichen lassen. Max Skladanowsky dankte gerührt für diese Ehrung. Rücktritt des Kasseler Operndirektors 2Nax Krauß.

Bei der Wiederübernahme des S t a a t s t h e a - t e r s Kassel in die staatliche Verwaltung hat der Operndirektor und stellvertretende Intendant Max Krauß im Interesse der von dem preußischen Mi­nisterpräsidenten angeordneten einheitlichen Führung des Gesamtbetriebes sein Amt zur Verfügung ge­stellt. Er ist bis zum Antritt einer anderen leiten­den Stellung zur Vorbereitung seiner weiteren Tä­tigkeit von den Verpflichtungen bei dem Staats­theater in Kassel entbunden.

Die 13. Schachpartie remis.

Im Schachwettkampf um die Welt­meisterschaft kam in Amsterdam die 13. Partie zum Austrag. Aljechin hatte die weißen Steine und eröffnete spanisch. Im Mittelspiel kam E u w e in Vorteil. Er nutzte aber feine Chancen nicht scharf genug aus, und es ergab sich eine Stellung mit etwa gleichen Chancen. Die Partie wurde nach fünfstündigem Kampf in einer schwer zu beurteilen­den Stellung abgebrochen. Am folgenden Tage fand die Fortsetzung statt. Nach hartnäckigem Endspiel ergab sich ein Remi s. Stand des Wettkampfes: Aljechin 5, Euwe 4, remis 4. Die nächste Partie wird in Groningen gespielt.

Aus aller Wett.

Erfolg einerKdZ.^-Abordnung in Amerika.

Die Adjutanlur des Reichsleiters der DAF. Dr. Ley teilt mit: Auf Einladung der großen ameri­kanischen Organisation für Freizeit­gestaltung hat eine Abordnung der N S.- GemeinschaftKraft durch Freude" der Deutschen Arbeitsfront an dem21. National Re-

creation Congreß" in Chikago teilgenommen. Die Abordnung hatte Gelegenheit, denKdF."» Madeirafilm vorzuführen und ein lebendiges Bild vom Aufbau und der Tätigkeit der NSG. Kraft durch Freude" darzulegen. Heber den 1936 in Hamburg ftattfinbenöen Weltkongreß für Freizeit und Erholung konnte mit der ameri- konischen Organisation volles Einvernehmen erzielt und freundschaftliche Zusammenarbeit vereinbart werden. Dr. Ley hat der Abordnung Dank und An­erkennung für die erfolgreiche Durchführung ihres Auftrages ausgesprochen.

hauplschriflleiler Alfred-Jngemar Berndl in die Presseabteilung der Reichsregierung berufen.

Der Reichsminister für Volfsaufflärung und Propaganda Dr. Goebbels hat den innenpoliti­schen Hauptschriftleiter des Deutschen Nachrichten- büros Alfred-Jngemar Berndt unter Beibehal­tung seiner bisherigen Stellung zur kommissarischen Beschäftigung i n die Presseabteilung der Reichsregierung berufen. Parteigenosse Berndt hat seinen Dienst am 1. November anae- treten.

Fünf Jahre Zuchthaus für einen kommunistischen Funktionär.

Wegen fortgesetzter Vorbereitung zum Hochverrat verurteilte der Volksgerichtshof in Berlin den 29jährigen Paul Pa p k e zu fünf Jahren Zuchthaus und fünf Jahren Ehrverlust. Er hat nach den Ermittlungen der Reichsanwoltschaft bis in das Jahr 1935 hinein für die hochverräterischen Ziele derRoten Hilfe", einer gleichfalls verbotenen Un- terorganifation der KPD., gearbeitet. Im Inlands war er vor allem in Köln und Aachen tätig und hat hier Unterstützungsbeiträge für Kommunisten ver- teilt. Auf Auslandreisen hcst er mit leitenden Funk­tionären derRoten Hilfe" in Paris, Amsterdam und anderen Orten Fühlung genommen und sich von ihnen Weisungen für seine umstürzlerische Tätig- leit erteilen lassen.

Der Mörder der Frau Farcasanu ermittelt.

An der Eidgenössischen Technischen Hochschule in Zürich wurden vor einigen Tagen zwei ungarische Studenten verhaftet, die in Verdacht standen, dort kleinere Diebstähle begangen zu haben. Bei ihrem Verhör verdichtete sich die Annahme, daß der eine der seit über vier Wochen von der internatio­nalen Polizei gesuchte Mörder der rumänischen Oberstengattin Frau Farcasanu sei, die, wie seinerzeit gemeldet, am 29. September auf der Reife von Bukarest nach Paris in der Nähe von Salzburg tot auf den Bahngleisen aufgefunden wurde. Aus ihrem Gepäck waren Schmuckstücke und ein Geldbetrag geraubt. Man vermutete zunächst, daß der als internationaler Verbrecher bekannte Rumäne Teodorescu der Täter fei. Nachdem aber die Haussuchung bei einem der Studenten einen Pelz und einige Gegenstände zu Tage förderte, die der getöteten Rumänin gehörten, gestand dieser nach längerem Verhör, Frau Farcasanu aus dem Zuge gestoßen zu haben. Er habe ihr, als sie auf die Bank des Abteils gestiegen fei, um in ihrem Gepäck etwas zu suchen, einen heftigen Stoß versetzt, so daß sie das Gleichgewicht verlor und durch das offene Fenster auf die Bahngleise stürzte. Von den geraubten 4000 Francs wurde bei dem Studenten nichts mehr vorgefunden. Der Verhaftete nennt sich Karl Strasser aus Budapest, geboren 1912, stud. ing. an der Eidgenössischen Technischen Hoch­schule in Zürich.

Der Kindesmörder von Zahna verhaftet.

Die Bluttat an der siebenjährigen Jngeborg R a s ch e y a in Zahna bei Wittenberg hat schnell ihre Aufklärung gefunden. Die von der Mordkom- miffion angestellten Ermittlungen führten binnen 24 Stunden zur Verhaftung des 23jährigen O. Reich, meister aus Zahna, der durch erdrückendes Be­weismaterial überführt werden konnte und nach mehrstündigem Verhör vor der Mordkommission ein umfassendes Geständnis abgelegt hat. Die Un- tersuchung hatte einwandfrei das Vorliegen eines Sittlichkeitsverbrechens erwiesen. Reich­meister wird dem Landgericht Wittenberg vorgeführt werden.

Zwei Todesopfer eines Verkehrsunglücks.

In Halle geriet ein mit Getreide beladener Last­zug einer Haitischen Firma beim Einbiegen in eine Nebenstraße infolge Versagens der Steuerung auf den Bürgersteig. Dabei wurden eine Frau und ihr siebenjähriger Sohn von dem Motorwagen erfaßt und zu Boden geschleudert. Die Frau war auf der Stelle t o t. Ihr Sohn ft a r b bald nach Einliefe­rung ins Krankenhaus.

Wetterbericht

des Reichswetterdiensies. Ausgabeort Frankfurt

Das osteuropäische Hochdruckgebiet hat sich weiter verstärkt. Bei absteigender Luftbewegung hält in fast ganz Deutschland heiteres und trockenes Wetter, das jedoch stellenweise durch Nebelbilduna gestört wird, an. Vom Atlantik her wandern gleichzeitig Störungsgebiete über England nordostwärts, die jedoch keinen Einfluß auf unsere Witterung er­langen werden.

Aussichten für Sonntag: Abgesehen von Nebelbildung trocken und vielfach heiter, mittags ziemlich warm, nachts kräftige Abkühlung, Winde aus östlicher Richtung.

Aussichten für Montag: Fortdauer des im ganzen freundlichen aber nebligen Wetters.

Lufttemperaturen am 1. November: mittags 16 Grad Celsius, abends 7,6 Grad; am 2. November: morgens 2,7 Grad. Maximum 16,6 Grad, Minimum 2,1 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 1. November: abends 8 Grad; am 2. November: morgens 6,2 Grad Celsius. Sonnenscheindauer 6,8 Stunden. .

Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Verantwortlich für Politik: Dr. Friedrich Wilhelm Lange; für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot; für den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck. Verantwortlich für den Inhalt der An­zeigen: Theodor Kümmel. D. A. IX. 35: 9929. Druck und Verlag: Brühl'sche Universitäts-Buch- und Stein­bruderei R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen.

Monatsbezugspreis NM. 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf. mehr. Einzelverkaufspreis 10 Pf. und Samstags 15 Pf., mit der Illustrierten 5 Pf. mehr.

Zur Zeit ist Preisliste Nr. 3 vom 1. Juni 1935 gültig.