Ur. 230 Zweiter Blatt
Giehener Anzeiger (General-Anzeiger fürGberhesien)
Mittwoch, 2. Ottober 1035
HL. an die Front
begrüße eure Propagandaaktion, in der
ihr
Achtung!
Achtung!
des Zufalls.
von
der
Der Landesbauernführer an die Hitlerjugend!
Liebe Kameraden von der f)3.!
ausgiebig und zahnpflegend, nachhaltig erfrischend
Man sieht also, wie Kleist das geschichtliche Modell grundlegend gewandelt hat, und man muß sich, im Zusammenhang damit, klar machen, daß es dem Dramatiker nicht aus den Stoff als solchen, als historisches Ereignis, ankam, sondern auf ein Beispiel, an dem sich eine große, ewige, über die nationale und zeitliche Begrenzung wett htnaus- reichende Idee auf unvergeßliche Weise bewahren sollte.
Eine einzige Stelle in den erwähnten Briefen des Landgrafen an seine Gemahlin, worin er sich auf Fehrbellin bezieht, deutet den Angelpunkt der dichterischen Fabel an; er schreibt da: „Sobalten ich des Kurfürsten Ankunft versichert war, war mir bang ich möchte wieder andre ordre bekommen .. Die andre Order, das ist es eben: Homburg greift an und siegt; er entscheidet die Schlacht mit großartigem Schwung und heroischem Einsatz — aber dieser Reiterangriff war wider den ausdrücklichen Befehl des Kurfürsten, und der will den Sieg nicht, „der mir von der Bank fällt", ein Geschenk
also des Staates durch den Prinzen, indem er sich dem Spruch des kurfürstlichen Herrn, innerlichst verwandelt, gereift und überzeugt, freiwillig unterwirft. Und wenn er nun, „des Anschauns würdig", sich erhebt von einem fast besinnungslosen Sturz m Die Tiefe, steht er da, wo er stehen soll nach dem Willen des Kurfürsten, — noch geblendet zwar und wie im Traum, aber auch im heißen Glücksgefühl des echten Siegers, eines wirklichen Helden, indes die Jubel- rufe seiner Kameraden das Schauspiel wie mit hellen Fanfaren ausklingen lassen. —
die Kostümausstattung (Sophie Buchner) ihre Wirkung.
*
Eine Reihe neuverpflichteter Kräfte wurde zum ersten Male herausgestellt. Den Prinzen spielte Heinz Rosenthal; man kann sich kaum eine dankbarere und zugleich schwierigere Rolle für einen jugendlichen Helden denken, denn es ist hier nicht nur ein Held und ein Liebhaber — im üblichen Sinne — in einer Person zu vereinen, sondern jener besondere Kleistische Held: es würde nicht genügen, ihn romantisch zu nennen, wenn man nicht sogleich hinzusetzte, daß hier ein tapferer Offizier gezeigt werden soll, der dennoch ein Träumer und ein Nachtwandler ist; der überdies jener berühmten Verwirrung des Gefühls verfallen ist und hinter der strahlenden Rüstung auch, ganz schutzlos und preisgegeben, ein menschliches Herz zeigen muß.
Wenn man die Leistung an solcher Forderung mißt, wird man sagen dürfen, daß der Darsteller, blond und schlank, mit impulsivem Schwung bemüht war, die Einheit in solcher Vielfalt zu finden; darüber hinaus, daß es ihm gelungen ist, die Verwandlung des Prinzen glaubwürdig zu machen und damit den innersten Sinn des Stückes sichtbar werden zu lassen. *
Herr Neuhaus spielte die zweite Zentralgestalt, den Kurfürsten: mit Würde und mit Ruhe, nicht als den finsteren Absolutisten und verhärteten Tyrannen, der er niemals ist, sondern mit der inneren Ueberlegenheit und Freiheit, die allein ihn zum Träger des Staates, zum Verkünder des Gesetzes und zum großen Erzieher macht.
Herr Hub war ein prächtiger Kottwitz, fürwahr „ein alter wunderlicher Herr", aber in respektvollem Abstand vom komischen Fach, in dem er ja nun auch nichts zu suchen hat; ein märkischer Edelmann im weißen Haar, und das großartige Bekenntnis seines brandenburgischen Katechismus („Und sprächst du, das Gesetzbuch in der Hand ...") war von schönster Wirkung.
Eine ausgezeichnete Leistung erlebten wir von Inge B i r k m a n n als Natalie. Ihre Rolle, die man oft als etwas blaß und konventionell zu sehen bekommt, stand mehrere Szenen lang ganz im Mittelpunkt des Schauspiels; diese Prinzessin wirkte mädchenhaft jung und zart, sprachlich sehr bestimmt, ein Geschöpf mit Herz und hellem Verstand, eine kluge und rührende Fürsprecherin der „lieblichen Gefühle".
musikalischen und szenischen Vorbereitung. Ich hoffe, daß es in Kürze gelingt, auch hier bei der Oper ein geschlossenes, stimmlich und darstellerisch wohl abgewogenes Ensemble zu bilden.
Zuhörer- und Spielgemeinschaft sollen nun gemeinsam das sinnvolle Gebäude tragen und mit Leben erfüllen, an dem wir bauen wollen. Der Spielplan ist der deutliche Ausdruck dieses Wollens. Denn wir bekennen uns zu einem Theater der Dichtung. Echte Dichtung erwächst nur aus der großen künstlerischen Vision, sie trägt als deutliches Erkennungszeichen für ihre Größe die Kraft der persönlichen Sprache. Aber auch in ihrem Stoff soll sie von starken Lebensgefühlen ausgehen. Wer die seelische Kraft unserer Zeit erkennt, muß das Leben bejahren. Wer das Leben bejaht, muß den Kampf bejahen und damit die Tragödie und das Heroische. Träger der Tragödie kann nur der große Mensch sein, und seine Darstellung ist die Aufgabe des Dichter. Aus ihr erwächst für uns alle eine mitreißende heroische Lebenshaltung.
Wenn wir nach so hohen Zielen streben, muß In unserem Spielplan alles ausgeschaltet werden, was
Singabend derHitler-Jugend amMittwoch, 2. Oktober, um 21Mhr auf dem Brandplatz.
Die Gefolgschaften 1/116 und 2/116 werden im Rahmen ihrer großen Werbeaktion am heutigen Abend Lieder und Sprechchor zum Vortrag bringen. Alle Volksgenossen sind dort, wo die Jugend des Führers ihr Wollen zum Ausdruck bringt!
Die Eröffnungsansprache des Intendanten Schultze-Griesheim
Zum gestrigen Beginn der Mnterspielzeit im Gießener Stadttheater.
Rudolf P r e 5 b e r, der heitere und liebenswürdige Dichter, der Millionen Menschen durch seine Werke manche freudvolle Stunde be reitete, ist — wie wir bereits gemeldet haben — in Potsdam im Alter von 67 Jahren einem Herzschlag erlegen.
(Scherl-Bilberbienst-M.)
Intendant Schultze-Griesheim rich- i tete gestern abend vor der Aufführung des l „Prinzen von Homburg" folgende Ansprache < an die Zuhörer: i
Meine sehr verehrten Damen und Herren!
Wenn ich heute zum ersten Male als Leiter Ihres ; Theaters vor Sie hintrete, so erfüllt mich das mit . Stolz und Freude und Dankbarkeit. Mit Stolz auf . die ehrenvolle Berufung und das Vertrauen, das mir 1 der Herr Oberbürgermeister und die Stadtverwaltung damit aussprachen; mit Freude, weil es heute keine schönere Aufgabe geben kann, als an so wichtiger Stelle an der Erweckung und Pflege einer neuen deutschen Kultur mitzuarbeiten; und mit Dankbarkeit gegen Sie, weil Sie dem Theater in so großer Zahl Ihr Vertrauen erhalten haben und sich damit zugleich zu tätiger Mitarbeit bereitfinden. Ja, tätige Mitarbeit ist es, die heute das deutsche Theater von Ihnen erhofft. Da es heute jedem Erwerbstätigen möglich ist, nach seinen Mitteln durch die verschiedenen günstigen Abonnementseinrichtungen und durch die Bereitschaft der Organisationen zu uns zu kommen, ist der Theaterbesuch keine Geldfrage mehr, sondern eine Frage der Gesinnung. Die Führer unseres Staates haben erkannt, welch ungeheure Bedeutung dem Theater als Bildungsstätte der Nation gebührt; wer ihrem Ruf aus innerer Ueberzeugung folgt und wieder leidenschaftlichen Anteil an den Dingen des Theaters nimmt, hat die Gesinnung, die wir brauchen. Nur so kann es gelingen, wieder eine wahre Zuhörergemeinde zu bilden: eine Gemeinschaft, lebendig, voller Interesse und Bereitschaft, die sich ihrer hohen Aufgabe auch bewußt ist und das Erlebnis eines Theaterabends, die Erschütterung, die Begeisterung und die Freude, die wir schenken wollen, weiter wirken läßt, nach außen und nach innen, ins ganze Leben hinein.
Wenn wir von Ihnen so viel Teilnahme erwarten, dann müssen Sie freilich auch wissen, welchen Weg wir Sie führen wollen. Und da darf ich Ihnen sagen, daß wir ein ganz bestimmtes Ziel vor Augen haben, eine planmäßige Arbeit, die unserem Theater, wenn sie gelingt, einen klaren, persönlichen Stil geben wird. Die Grundlage zu jeder aufbauenden Theaterarbeit ist zunächst die Bildung eines leistungsfähigen Ensembles. Es muß gelingen, im Laufe der Zeit die Menschen zu finden oder dem Theater zu erholten, die aus ihrem Charakter und künstlerischem Temperament heraus geeignet sind, der Publikumsgemeinschaft als eine echte Spiel- g e m e i n f rf) a f t gegenüberzutreten. Ich bekenne, daß mir diese erzieherische Aufgabe besonders am Herzen liegt und daß ihrer Lösung meine ganze Arbeitskraft in den ersten Monaten gehören wird. Die Ensemblebildung ist uns auch ein wichtiger Grund für die Einführung der eigenen Oper gewesen. Aufführungen, in denen nur der geringste Teil der Mitwirkenden festverpflichtete Sänger sind, müssen immer unter Zufälligkeiten leiden und bieten nie die Gewähr einer sorgfältigen
Vorstellung eine festliche Aufnahme. Anhaltender Beifall rief zuletzt mit den Hauptdarstellern auch den Intendanten heraus. hth.
Front der Hitlerjungen und des Jungvolks, nein, selbst dort, wo man glaubt, höheren Orts berufen zu fein, ein Sonderdasein zu führen, beginnt man zu wanken. Was aufrichtig ist und gesund, das weiß, wo sein Platz ist. So hat sich
L ü p k e und Ludwig Mosbacher sanden in Berichten der Rittmeister von Mörner und Sparren kleine, aber lohnende Aufgaben.
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Das erfreulich stark besetzte Haus bereitete
von des Gedankens Blässe angekränkelt ist: alle sogenannten Zeitstücke, die ohne Verdichtung die Wirklichkeit schildern wollen, jedes nur um der Konjunktur willen geschriebene gesinnungsbrave Machwerk, alle psychologischen Einzelfälle, jedes lehrhafte oder moralische Tendenzstück. Dafür bieten wir Werke, die von Leidenschaft durchglüht sind, in denen das Gefühl und die Seele unmittelbar zu uns sprechen, die vor den Nachtseiten des Lebens nicht zurückschrecken, die sie aber überwinden durch die Kraft ihrer Lebensgläubigkeit, mit einem Wort: Romantik. Darum hat die Einführung der Oper auch einen tieferen Sinn, denn der Mensch beginnt zu fingen, wenn er den Uederschwang feiner Ge- fühle nicht mehr nur mit Worten auszudrücken vermag. So werden wir Ihnen das Leben zeigen, bunt und vielseitig, groß und leidenschaftlich, damit jeder einzelne hinausgehoben wird an den festlichen Abenden des Theaterbesuchs über den Alltag, und Größe und Kraft des Kunstwerkes weiter wirken in aller Herzen. Damit tragen wir zu unserem kleinen Teil mit dazu bei, daß der große Strom der deutschen Dichtung nicht versiegt.
Und kann es ein schöneres Beispiel geben für unser Wollen als den „Prinzen von Homburg", als die Erziehung des leidenschaftlichen Romantikers zur Verpflichtung vor der Gemeinschaft?
Darum seien Sie bereit, den Zauber dieser Sprache zu hören, die Fülle der Bilder aufzuneh- men, vergessen Sie die Not des Tages und werden Sie still vor der Gröhe dieser Dichtung.
und Jungbann-Standorten kommen ähnliche Meldungen. Man sieht, die deutsche Jugend erkennt, wo für Deutschlands Zukunft wirklich gearbeitet wird.
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Mittwoch, von 19.50 bis 20 Uhr überträgt der Reichssender Frankfurt den Tagesspiegel aus der Aktion der Hitlerjugend „HI. an die Front".
Starke Beteiligung Hessen-Nassaus an der Bückeberg-Fahrt.
LPD. Frankfurt a. M., 1. Okt. Auch aus dem Bereich der Landesbauernschaft Hessen- Nassau wird sich die bäuerliche Bevölkerung in ziemlicher Zahl an dem Erntedankfest auf dem Bückeberg beteiligen. Allein 500 Personen neh- men aus dem Bereich der Kreisbauernschaft-Starkenburg-Nord teil, annähernd so viel aus dem Kreis Friedberg und eine ziemliche Zahl aus den Kreisen Alsfeld, Wiesbaden, Alzey und Heppen- heim, sowie schließlich auch aus den Kreisbauernschaften Wetzlar und Limburg. Im ganzen entspricht die Beteiligung den Erwartungen. Auch dem Aufruf der Landesbauernschaft, sich mit T r a ch t e n am Erntedankfest auf dem Bückeberg zu beteiligen, wurde erfreulicherweise aus den besonders in Frage kommenden Gebieten Folge geleistet. Eine zahlreiche Gruppe kommt aus Oberhessen mit dem Heimatdichter Georg Heß' außerdem wird noch eine Trachtengruppe aus Starkenburg, Rheinhessen und aus dem Westerwald sich an dem Aufmarsch auf dem Bückeberg beteiligen.__
Der Abend wurde begonnen mit den festlichen Klängen von Beethovens Ouvertüre zu „Corio- lan", welche, vom Stadttheater-Orchester unter der Leitung seines neuen ersten Kapellmeisters Paul Walter mit Schwung und Hingabe vorgetragen, die heroischen wie die romantischen Elemente des Schauspiels musikalisch vorwegzunehmen oder an- zudeuten schienen. Dann trat der Intendant Hermann Schultze-Griesheim zu einer Ansprache an die Rampe, um den Besuchern feinen Gruß zu entbieten und ihnen mit klugen und überzeugenden Worten den Weg in den Theaterwinter zu weisen; wir geben diese Ansprache an anderer Stelle des Blattes im Wortlaut wieder.
Hans vonSpallart als Hohenzollem präsentierte sich als eine gepflegte, bühnengerechte Er- scheinung mit gutem Organ und untadeliger Haltung; ein rechter Edelmann und verläßlicher Freund. Frau Stirl war eine noble Kurfürstin; Herr V o Ick der tüchtige, besonnene Dörfling. Die Herren ~ ' .....den
Gießener Gtadttheater.
Heinrich von Kleist:
„Prinz Friedrich von Homburg"
Bedeutungsvoller Beginn der Spielzeit: unter neuer künstlerischer Oberleitung, mit großenteils neuverpflichteten Darstellern und mit einem Schauspiel, das zum ewigen Vorrat der dramatischen Dichtung in Deutschland zu zählen ist. „Prinz Friedrich von Homburg" ist bei uns, soweit wir sehen können, seit mehr als einem Jahrzehnt nicht mehr gegeben worden, wie Denn überhaupt, von spärlichen Ausnahmen abgesehen, der Dramatiker Kleist in den vergangenen Spielzeiten nicht den Raum und die Würdigung auf dem Theater erfahren hat, die ihm wahrhaftig zukommen. Und wir haben gerade bei Kleist noch immer an einer Ehrenschuld abzutragen und wiedergutzumachen em wenig von dem, was die Nation an diesem genial- ften und unglücklichsten Dichter zu seinen Lebzeiten gesündigt hat. *
Mit solchen Gedanken begrüßen wir heute den Prinzen von Homburg" als das letzte und das reifste Drama Kleists, das ein Jahr vor seinem Tode vollendet wurde, und das er selber nie auf der Bühne gesehen hat. Die Prinzeß Wiche m (aus dem Hause Hessen-Homburg), der das Werk gewidmet war, erhob ebenso Einspruch gegen die Ach- führung wie der Erzherzog Karl von Oesterreich, dem Kleist nach der Schlacht bet Aspern in einem Gedicht zugejubelt hatte. Der Der eger lehnte den Druck ab — noch im Sommer 1811! —- und wr müssen glücklich sein, daß das Schauspiel barna s nicht überhaupt so spurlos verschwunden ist wie Kleists großer Roman, von dem wir keine Zeile, ja nicht einmal den Namen kennen.
Ich . „ . , -
der Oeffentlichkeit den Umfang und den Erfolg eurer Arbeit zeigen wollt, und wünsche ihr einen
Warum will er ihn nicht, warum spricht er gegen den ungehorsamen Sieger das Todesurteil und besteht daraus? Aus Staatsräson! Nicht der Zufall regiert in Brandenburg-Preußen, sondern das Ge- setz der Gehorsam, die Pflichterfüllung — sie haben das kleine Land der Hohenzollem, des Großen Kurfürsten, Friedrich Wilhelms I. und seines genia- ren Sohnes zur Sonne geführt und zur europäischen Macht erhoben. Der Kurfürst^w^ß sehr wohl daß es hier um eme grundsätzliche Entscheidung geht: „Mehr Schlachten noch als bte, hab ich »u schlagen, und will, daß dem Gesetz Gehorsam sei". Denn das Gesetz ist der Staat, und der Staat ist alles. *
Wir begreifen, wie zeitgemäß das Drama gerade beute wieder ist, da es aus der geschichtlichen Be- aebenbeit die eherne und allezeit gültige Staatsidee entwickelt und bestätigen läßt mit einer Entscheidung welche im Herzen des Helden ausgetragen wird . dennoch gleichsam vor unfern Augen und Ohren Jene berühmte und oft besprochene Spannung zwischen Freiheit und Notwendigkeit löst sich wundervoll in der Anerkennung des Gesetzes und
vollen Erfolg.
Ich wünsche, daß so, wie alle Berufsstände einmal aus euren Reihen wachsen werden, auch die kommende Bauernschaft aus ’ euren Reihen hervorgehl.
Roch ist uns allen in schrecklicher Erinnerung, wohin ein Volk kommt, wenn es nicht schon in der Iugend eine einheitlicheBindung hat. Dieses Unheil darf nie wiederkehren. Und darum wird und muß jeder Bauernjunge auch Hille rjunge sein.
hell Hitler!
Der Landesbauernführer: Dr. Wagner.
Erste Erfolge
der Propaganda-Aktion der HI.
LPD. Frankfurt a. M., 1. Okt. Die Abteilung Presse der Gebietsführung der HI. teilt mit: Bereits am zweiten Tage der Propagandaaktion des Gebiets 13 Hessen-Nassau melden die Einheiten b e - achtliche Erfolge. Nicht nur, daß bisher gleichgültige und abfeitsstehende Jungen, plötzlich mit- gerissen und begeistert, sich den marschierenden Kolonnen anschlossen und sich e i nr ei h t e n in bi e
in Bad Ems die Jungschar aufgelöst und das Jungvolk meldet etwa 40 Neuaufnahmen. In Weinähr hat sich ebenfalls die Jungschar aufgelöst und es sind sechs Neuaufnahmen in die Reihen der HI. zu verzeichnen. In Hadamar sind 18 Jungen aus der Jungschar ausgetreten und haben sich dem Jungvolk angeschlossen. Von 87 Gemeinden des Unterlahnkreises sind 80 vollständig vom Jungvolk erfaßt, und auch von den übrigen hofft man bald das gleiche melden zu können. Darmstadt meldet am zweiten Tage bereits 356 Neuaufnahmen in die Reihen des Jungvolks, Wiesbaden etwa die gleiche Zahl, und auch aus den anderen Bann-
„Prinz Friedrich von Homburg" ist das preu- ßischste aller preußischen Stücke, ein nationales Drama, ein historisches Schauspiel, welches, zehn Jahre nach Kleists Ende, zuerst an der Wiener Burg, in einer schlechten Aufführung nebenbei unD mit sehr zweifelhaftem Erfolge, aufs Theater kam. Die Schlacht bei Fehrbellin, wie man auch ohne den für diese Aufführung gewählten Titel wüßte, bildet den geschichtlichen Hintergrund für den inneren Ablauf der Fabel, die durch fünf Akte hm- durch, meisterlich in der Schwebe gehalten, auf Des Messers Schneide zwischen Tod und Leben, zwischen himmelstürmendem Lebensgefühl und bitterster Grabesnähe, zwischen traumhafter Heiterkeit und antikischer Tragik sich vollzieht.
gen abgewichen ist, daß er nicht, mit Ranke zu sprechen, zeigen wollte, wie es wirklich gewesen sei, — so viel steht fest. Das lehrt schon ein fluchtiger Blick auf den Prinzen des Schauspiels im Vergleich zu dem historischen Urbilde, mit Dem Die dichterische Figur sich bei Kleist so wenig deckt wie bei Goethe der Egmont, bei Schiller Der FriedlänDer oder Die Eboli.
Friedrich von Hessen-Homburg war zur Zeit der Fehrbelliner Schlacht ein Mann von 43 Jahren, schon zum zweiten Male verheiratet, ein Krüppel überdies, der „Landgraf mit Dem silbernen Bein genannt, ein tüchtiger unD tapferer Kriegsmann, Der an seine „Engelsdicke" herzhafte und anschauliche Briefe aus dem Felde schrieb, übrigens nüchternen und praktischen Sinnes, mit viel Verständnis für wirtschaftliche Notwendigkeiten, und ein geschickter Verwalter seiner Güter.
Der Intendant hatte auch, als Oberspielleiter des Schauspiels, den „Homburg" persönlich in Szene gesetzt. In den letzten Worten der Ansprache war bereits angebeutet worben, worauf seine Aufführung ben Akzent legen wollte. Wir haben mit Freu- ben ein Bekenntnis zur Dichtung, zum bichterischen Wort auf bem Theater und zum romantischen Theater vernommen: es gibt kein Stück im Deutschen, das diese Forderungen vollkommener in sich vereinigen könnte; und es darf Der Inszenierung bestätigt werben, baß sie sowohl die romantischen als auch die heldischen Klänge im „Homburg" an- zuschlagen und harmonisch und ausgeglichen miteinander zu verbinden wußte Es wird aber auch die im edelsten Sinne erzieherische Wirkung von der Bühne herab empfunden worden sein in der Verkündigung und Anerkennung jener Staatsidee, von der oben ausführlicher die Rede war.
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Im einzelnen war schon dieser ersten Aufführung die ernsthafte Bemühung um die Verschmelzung der darstellerischen Kräfte zu einem geschlossenen Spielkörper und um die sprachlich-musikalische Durchdringung des Werkes erfreulich anzumerken; gerade der Kleiftifche Vers stellt außerordentliche Anforderungen an den einzelnen Sprecher. Die Dramenarchitektur war belebt, farbig getönt, innerlich sinngemäß aufgeteilt und gegliedert; sie folgte dem Rhythmus der fünf Akte feinfühlig von Pol zu Pol und mündete ausklingend harmonisch in die romantische Stimmung des Vorspiels zuruck. Dazwischen schienen uns die erste und vierte Szene des vierten Aktes und die große Szene der Offiziere vor dem Kurfürsten (im fünften) von stärkster Wirkung.
Es fei auch der Mitarbeiter im Regiestab mit Anerkennung gedacht. Die Bühnenbilder Löfflers waren von schlichter Großzügigkeit, stimmungsvoll und stilgerecht. Ebenso taten die Beleuchtung (K e i m), die Bühnenmusik (Ernst Bräuer) und
Was nun freilich das Geschichtliche angeht so darf getagt werden, daß uns die tatsächlichen Vor- aänge9 von 1675 auch ohne bas Stuck in großen ^üaen geläufig sein würben; man hat langst die Zöllen bildlicher und lst°r°ri,cher Ar. »-prust. „ “h kann nicht ber Sinn biefer Besprechung fein auf Kleists Verhältnis zu biesen Quellen im &nen unb auf bas Verhältnis zwischen Drama unb geschichtlicher Überlieferung überhaupt emzu- g-h-n Daß K^ist °°m Tnii-ichlich-n m m-len Dm-


