her, ein düstere- Gemurmel, ein schweres Gewitter, das hinter den Horizonten unbeweglich herabhängt und stöhnt und knurrt und glüht.
e Die Division ist aus dem Vormarsch und pflügt sich durch die überfüllten Straßen und Wege langsam nach vorn. Die Landschaft ist in Bewegung geraten und wandert mit. Alle Wege haben sich in Bewegung gesetzt, alle haben nur ein Ziel, auf das sie eintönig losstreben. Der verdunkelte Himmelsrand glimmt ununterbrochen auf und scheint sich mitunter zu winden und hochzuspringen, wenn das Licht heller zuckt und höher aufbrennt und fahl erlischt und keuchend hinkriecht.
Das Regiment marschiert durch eine kleine Stadt und gleich danach an einem großen schloßartigen Gebäude vorüber. Plötzlich kommt eine sonderbar erregte Bewegung in die Kolonnen. Rufe flattern dort an der Spitze hoch, Arme recken sich in die Höhe. An der Wegbiegung hält ein Auto, dem das olles gilt. Zn dem Wagen steht ein großer, breitschultriger Mann aufrecht und sieht unbeweglich auf die Marschkolonne. Manchmal führt die rechte Hand an den Mützenrand. Es ist Hindenburg. Er kommt wohl von einer Inspektionsreise zurück, und nun begegnet er den Truppen, die nach vorn marschieren in die Schlacht, die er leitet.
Er steht eine Zeitlang, ohne eine Miene zu bewegen, und blickt nur auf die Soldaten. Es ist merkwürdig: wenn man bei einem General oorbei- marschiert, marschiert man mit Ehrenbezeugungen im Exerziermarsch vorbei, aber hier ist kein Befehl zum Exerziermarsch gegeben. Die Soldaten gehen in Marschordnung vorbei. Sie erkennen den Feldherrn und winken aus dem Augenblick, aus dem plötzlich hochquellenden Gefühl für diesen Mann zu ihm herüber, und manche rufen ihm völlig unmilitärisch zu. Hindenburg betrachtet den Marsch der in die Schlacht Ziehenden. Sein Gesicht ist nicht eigentlich ernst zu nennen, denn es ist viel mehr, was sich in diesen breiten, großen Zügen ausprägt. Die Stirn über den Augen ist fast finster, der Mund schwermütig und hart zugleich, der Blick drückt irgendwie eine ins. Innerste sonst zurückgedrängte Verlorenheit aus, in der ein tiefer Schatten liegt — und so sieht er zu den Soldaten hinüber, die in die Schlacht marschieren. Er ist in diesem Augenblick ein Vater, der mit einem schmerzlichen Stolz auf feine Söhne blickt und dann in die Zukunft, in das Schicksal starrt, das er nicht zu kommandieren vermag und das da in der beschatteten Ferne hängt und die Luft erzittern läßt.
Die Kolonnen verschwinden in der beginnenden Nacht, und der Feldherr bleibt zurück. Die Erinnerung an diese große, in der Dämmerung riesenhaft wirkende Gestalt und an das vom Zwielicht entrückte Gesicht ging mit den Soldaten in die Schlacht, aus der nicht Die Hälfte zurückkehrte. Ein feindlicher Großangriff vernichtete sie in drei lagen, aber sie ließen an ihren Leibern den Angriff zerschellen.
Aus dem demnächst erscheinenden Buch „Hindenburg, Feldherr und Soldat". (Verlag Karl Siegismund, Berlin SW 11.)
Thir noch eine Flagge.
Berlin, 1. Oft. (DNB.) Amtlich wird mitgeteilt: Durch das Reichsflaggengesetz vom 15. September 1935 ist d i e Hakenkreuzflagge zur alleinig en Reichs- und Nationalflagge bestimmt worden. Auf Grund des Art. 4 dieses Gesetzes hat der Reichsminister des Innern durch Erlaß vom 16. September 1935 angeordnet, haß sämtliche öffentlichen Gebäude des Reiches, der Länder und der Körperschaften des öffentlichen Rechts künftig allein mit der Hakenkreuzflagge flaggen und daß von ihnen die Flagge Schwarzweißrot sowie die Flaggen der Länder und Provinzialverbände nicht mehr zu zeigen sind. Es wird der Erwartung Ausdruck gegeben, daß sich b'ie Bevölkerung diesem Vorgehen anschließt und nur noch die Hakenkreuzflagge zeigt. Verboten ist das Zeigen der schwarzweißroten Flagge mfr für Juden.
Beamtenernennungen unter Beteiligung des Stellvertreters des Führers.
Berlin, 2. Oft. (DNB. Funkspruch.) Das Neichsgefetzolatt Teil 1 Nr. 107 vom 1. Oktober 1935 enthält einen vom Führer und Reichskanzler, vom Stellvertreter des Führers und vom Reichs- mintfter des Innern unterzeichneten „Erlaß über die Beteiligung des Stellvertreters Des Führers bei der Ernennung von Beamten" vom 24. September 1935, in dem bestimmt wird, daß der Stellvertreter des Führers bei der Ernennung der Beamten $u beteiligen ist, die vom Führer und Reichskanzler persönlich ernannt werden. Die Beteiligung des Stellvertreters des Führers hat in Der Weife zu erfolgen, Daß Dieser einen A b - Druck Des BeförDerungsvorfchlages erhält, Der nähere Angaben über Den zu beförbern» Den Beamten enthalten muß. Dem Stellvertreter Des Führers ist eine angemessene Frist zur Stellungnahme zu lassen.
Eine zweite Verordnung zur Durchführung desNeichsarbeitsdienstgesehes
Berlin, 2. Ott. (DNB. Funkspruch). Im Reichsgesetzblatt Teil I Nr. 108 vom 1. Oktober 1935 wirb eine „Zweite Derorbnung zur Durchführung und Ergänzung Des Reichsarbeitsbienstgesetzes" veröffentlicht, Die am 1. Oktober 1935 in Kraft tritt. Die DerorDnung enthält in 25 Artikeln u. a. Bestimmungen über die Erfüllung Der Ar- beitsdien st pflicht, Die Einberufung, Gründe für Zurück st ellung, Verpflichtung von freiwillig länger Dienenden, Tagesleistung, Genehmigung zur Verheiratung und zur Uebernahme des Betriebes eines Gewerbes und Versorgung der aus Dem Dienst AusscheiDenden.
Der neue Gaupreffeamtsleiter in Hessen-Nassau.
Frankfurt a. M., 1. Okt. (LPD.) Für Den nach Berlin berufenen bisherigen Gaupresseamtsleiter Pg. W o w e r i e s hat der Gauleiter den Referenten I der Landesstelle Hessen-Nassau des Reichsministeriums für Volksaufklärung und Propaganda, P g. G. W. Müller, zum Gaupresseamtsleiter ernannt. Pg. G. W. Müller wird also in Zukunft außer Der Prefseabteilung Der Landesstelle Hessen-Nassau des Reichsministeriums für Dolksaufklärung und Propaganda auch Das Gau- presfeamt leiten.
Gelbstauflösung
des Kösener SC.-Verbandes.
Hamburg, 1. Oft. (DNB) In einer Verlautbarung Der Pressestelle Des Kösener SC.-VerbanDes wird mitgeteilt, daß die derzeitige Verbands- fuhrung des Kösener SC.-Verbandes nach Anhörung des Mitarbeiterkreises im Einvernehmen mit der früheren Derbandsführung die Auf- löfuug d^S Kösener. .SL.-DerbnnDes verfügt hat.
Frankreich hat noch keine Entscheidung getroffen. Die britische Anfrage nach Frankreichs Haltung im Falle eines Mittelmeerkonflikts „erfordert Zeit zur Lteberlegung".
Paris, 2. Oft. (DNB.) Die Antwort der französischen Regierung auf die britische Anfrage wegen Der Haltung der französischen Regierung b e i einem Streitfall im Mittelrneer wird voraussichtlich im nächsten Ministerrat am Freitag feftgelegt werden. Ministerpräsident und Außenminister Laval wird dem Ministerrat außerdem über die Genfer Tagung und den abessinischen Streitfall Bericht erstatten. Die von der britischen Regierung gestellten Fragen werden von Dem französischen Außenministerium geprüft. Die britische Anfrage wird als nuancierter bezeichnet, als die verschiedenen Pressemeldungen vermuten lassen.
Ueberdnffimmenb berichten die großen Pariser Morgenblätter, daß die englische Anfrage an Frankreich wie folgt lautet: „Wird Frankreich gemäß Absatz 3 des Artikels 16 der Hälfet- bundsfahung England gegenüber nicht nur neutral bleiben, sondern darüber hinaus ihm gegen Italien Beistand leisten, wenn dessen Schiffe im Mittelmeer die britische Flagge ohne Herausforderung angreifen sollten?" Manche Blätter, wie beispielweise das „Oeuvre", kleiden diese Frage in eine noch etwas aufregendere Form, sie schreiben England verlange von Frankreich, daß es ihm d i e Mittelmeerhäfen Marseille und Toulon zur Verfügung stelle und die französischen Geschwader mit den englischen vereinige.
Wenn sich die Blätter auch über die Fragestellung ungefähr einig sind, so weichen ihre Ansichten hinsichtlich der französischen Antwort ab. Erst der Ministerrat am Freitag, dem Besprechungen mit dem englischen und dem italienischen Botschafter in Paris oorausaehen werden, wird über die Richtung der französischen Politik Beschluß fassen. „Petit Parisien" hebt hervor, daß die englische Anfrage in Paris nicht so ohne weiteres beantwortet werden könne, sondern Zeit zur Ueberlegung und ernstlichen Prüfung erheische. Denn man Dürfe nicht vergessen, daß der Staat, der im Sinne Der englischen Anfrage als des Verstoßes gegen Die Völkerbundssatzungen schuldig vorausgesetzt wird, Italien sei, dessen Freundschaft Frankreich wertvoll sei.
„Malin" erklärt, die englische Annahme, daß Frankreich die Anfrage bereits bejahend, d. h. entsprechend dem Wunsch der Engländer beantwortet habe, fei unzutreffend. Darüber sei in Paris noch keine Entscheidung getroffen worden.
..Echo des Paris" glaubt an eine bejahende französische Antwort, weil das, was England von Frankreich verlange, sich mit den Pflichten decke, die biesem schon als Dölkerbunds- rnitglied zugunsten eines nicht herausgefordert angegriffenen Englands obliegen. Wie „Oeuvre" erfährt, soll man in Rom wie in London bemüht fein, jede Möglichkeit eines Z u - sammenstoßes beider Flotten zu vermeiden. Der italienischen Kriegsmarine seien ftrepge Vorsichtsmaßnahmen vorgeschrieben, damit sie nie mit den englischen Kriegsschiffen zusarnrnen- gerate, selbst wenn diese, wie dies bereits der Fall zu sein scheine, Frachtdampfer mit Waffen und Munition für Abessinien begleiten.
England wird nm im Auftrag des Völkerbundes handeln.
London, 2. Okt. (DNB. Funkspr.). Der Innenminister Sir John Simon sagte in einer Rede, ausländische Beobachter würden einen schweren Irrtum begehen, wenn sie glaubten, daß die öffentliche Meinung Englands in der Frage feiner Pflichten gegenüber dem Völkerbund ernstlich geteilt sei. Der Außenminister Hoare habe d i e Ansichten eines einigen Kabinetts zum Ausdruck gebracht. Die Morgenblätter erklären, an einem italienischen Angriff auf Abessinien fei nicht mehr zu zweifeln. Die Blätter heben die Schwierigkeiten kollektiven Vorgehens hervor, weisen aber den Gedanken eines isolierten Eingreifens Großbritanniens von der Hand. Die kürzliche britische Anfrage an Frankreich wird mit einer Lücke in der Völkerbunbssatzuna begründet, der italienische Vorwurf, daß London seinen Standpunkt in der abessinischen Frage nicht rechtzeitig mitgeteilt habe, wird entschieden bestritten, die Bedeutung der Haltung Deutschlands und Amerikas bei wirtschaftlichen Sühnemaßnahmen wird hervorgehoben.
„Morning Post" bemerkt, daß vorbeugende Maßnahmen gegenwärtig nicht möglich seien. Die Regierung warte daher ab, bis Italien seinen Feldzug eröffne. Hierdurch würde sich Italien automatisch zum Angreifer machen und jedes Völkerbundsmitglied würde verpflichtet fein, an wirtschaftlichen Sühnemaßnahmen teilzunehmen. Manches deute darauf hin, daß die anti-italienische Stimmung in den Vereinigten Staaten schnell zunehme; man hoffe deshalb, daß Präsident Roosevelt bereit sein werde, Zusicherungen zu geben, daß die Maßnahmen des Völkerbundes von den Vereinigten Staaten nicht unwirksam gemacht werden würden. Wenn jedes Völkerbundsmitglied das {einige tue, werde es möglich fein, ausreichend wirksame Sühnemaßnahmen zur Anwendung zu bringen, um Mussolini zu zwingen, seinen Feldzug — vielleicht nach einem Anfangssieg auf dem Schlachtfeld von Adua — zu beenden. Wenn dann die Gefahr Des italienischen Vorgehens beseitigt sei, werde die britische Regierung wahrscheinlich auf das Zustandekommen einer internationalen Konferenz für die Verteilung kolonialer Rohstoffe hinarbeiten, die in der Rede Hoares vorgeschlagen wurde.
Es regnet noch.
Addis Abeba, 1. Okt. (DNB.) Militärische Kreise Abessiniens äußern sich dahin, daß die f a st achttägige Verlängerung der Regen- zeit die militärischen Entschlüsse Italiens kaum ändern würde, da die Provinzen 0 g a d e n, Danakilund Westtigre nur noch kleine Regenfälle aufzuweisen hätten, die der Boden jofort aufnehme. Im abessinischen Hochland bis
nach Gondar hinein regnet es noch immer. Die abessinischen Truppenbewegungen werden hier als noch gering geschildert. Die Ansichten über den Zeitpunkt des italienischen Vorgehens schwanken zwischen dem 5. und 10. Oktober. Als erste Aktion wird das Bombardement der Eisenbahn und der Funkstationen in Harrar und Addis Abeba erwartet. Amerikanische Journalisten haben außerhalb von Addis Abeba in der Nähe des Gefanbfchaftsviertels Häuser belegt. Zehn
amerikanische Journalisten rüsten Karawanen aus, um d.i e Front zu besuchen. Die Regierung wird kaum die Bewilligung für dieses Vorhaben erteilen.
Japanische Offiziere für Abessinien.
London, 2. Oft. (DNB. Funkspruch.) Reuter meldet aus Addis Abeba, ein unbestätigtes Gerücht besage, daß mehr als husidert japanische Offiziere aufdemWeg nach Abessinien in Britisch-Somaliland eingetroffen feien
Wiens Recht ans Kolonien.
Nom fordert Wiedergutmachung für seine Nichtberücksichtigung bei der Verteilung der Mandate.
Appell an Frankreich.
Mailand, 2. Okt. (DNB. Funkspruch.) In einem anscheinend von hoher Stelle selbst verfaßten Leitartikel setzt der „P v p v l o d'Italia" das „Recht des italienischen Volkes" auseinander. In Dem Aufsatz wird betont, daß Die Ankündigung Der Mobilisierung in Abessinien Die bereits bestehende bedrohliche Lage noch verschärfe. Italien habe „freiwillig" einen heroischen und entscheidenden Beitrag für den Sieg Der Alliierten geliefert, aber man ljabe ihm als EntfchäDigung nicht eine einzige Kolonie gegeben. Der Grundsatz, daß Die Welt nicht statisch sein könne, sei immer von allen Italienern und Der italienischen Regierung verfochten worden. Das statische Prinzip könne also auch nicht auf Italien angewendet werden, indem man Die ihm in Abessinien schon zuerkannten Rechte verleugne, nachdem man d i e Erteilung eines Mandats über Die ehemals feindlichen Kolonien verweigert hatte. Das italienische Volk frage ferner, warum ihm Die Uebertragung einer befonbers hohen zivilisatorischen Aufgabe in Abessinien verweigert werbe. Das italienische Volk habe ein volles Recht auf Die W i e D e r g u t m a d) u n g Der bei Der Mandats-
verteilung begangenen Irrtümer. Das Verbleiben Italiens im Völkerbund fei eine Notwendigkeit für Die Zusammenarbeit in Europa und für das Leben des Völkerbundes. Die Anwendung von „Maßnahmen" Italien gegenüber würde es aber zwingen, den Völkerbund zu verlassen.
Die Turiner „Stomp a" fordert in einem ge« gen die englische Methode gerichteten Aufsatz eine entschiedene Anstrengung zur Befreiung aus b em Netz, bas Die Politik ßonbons gesponnen habe, unb mit bem sie versuche, alle ßänber in eine Art moralischer und militärischer Kreuzung gegen Italien z u verstricken. Dieser Ausruf gilt befonbers Frankreich, benn es heißt weiter: Nun sei die Stunbe für Frankreich gekommen, klar und kräftig zu sprechen. — „(Sortiere Della Sera" ist ziemlich erregt über Die Anfrage (Eng» lanbs an Frankreich, wie sich Dieses im Falle eines nicht provozierten Angriffes Der italienischen Flotte gegen Die englischen Mittelmeer-Streitkräfte verhalten würbe, unb sieht barin ein neues, sehr ver- wunberliches antiitalienisches Manöver. „Was gibt Herrn Hoare bas Recht, an einen evtl. Angriff Italiens zu benfen?" fragt bas Blatt.
Note Verbrüderung in Frankreich.
Kommunistisch-sozialistische Zusammenarbeit auch auf dem Lande.
Moskau hochbefriedigt.
Moskau, 1. Oft. (DNB.) Nachdem erst vor einigen Tagen in Frankreich eine Einigung über das Zusammengehen zwischen Den Gewerkschafts- Derbänben ber oerschiebenen Richtungen unter kommunistischer Führung zustanbegekommen ist, berichtet heute Die sowsetamtliche Telegraphenagentur über einen neuen Erfolg Der kommunistischen Politik in Frankreich. Auf bem Kongreß ber Sozialistischen Partei sei offiziell mitgeteilt worden, daß das Angebot Der Kommunisten über ein gemeinsames Vorgehen in der Frage der Bauernpolitik angenommen worden sei. Man sei übereingekommen, die kommunistisch-sozialistische Einheitsfront auch auf bem Dorfe herzustellen, Da Die kommunistischen Forderungen auf diesem Gebiete Dem Programm Der Sozialisten entsprächen. Die Vereinigung Der beiDen Parteien zum gemeinsamen Handeln sei erfolgt unter Der ßofung: Für Die Demokratie und den Sozialismus. Der neue Erfolg Der kommunistischen Politik in Frankreich hat in Moskau lebhafte Genugtuung ausgelöst.
Seitdem in Italien der Faschismus und in Deutschland Der Nationalsozialismus zur Herrschaft gelangt ist, sieht sich Der internationale Marxismus um Die Früchte feiner Wühlarbeit betrogen. Seine Drahtzieher mußten Deshalb nach neuen Kampfmethoden und neuen Schlagworten suchen, wenn sie Die Scharte roieDer auswetzen wollten. So wurde in diesem Sommer auf dem 7. Weltkongreß Der Komintern in Moskau Die neue Parole aus- gegeben, Die Zweite und Dritte Internationale in Den einzelnen ßänbern zum Kampfe gegen Faschismus und Kriegsgefahr z u - sammenzuschließen. Man glaubt in der Hauptstadt Der Sowjetunion, daß der kleine taktische Umweg sich lohnen wird und daß Das große Ziel Der Weltrevolution auch unter Zuhilfenahme Der rosaroten Bundesgenossen erreicht werDen kann. Wie hat nun Die sozialistische Internationale auf Das bolschewistische Angebot geantwortet?
Die Partei Der Zweiten und Dritten Internationale haben langwierige Kämpfe gegen
einander ausgefochten, aber sie haben auch immer miteinander geüebäugelt und zusammen- gearbeitet, wenn es galt, irgendwo die nationalen Kräfte eines Volkes zu unterdrücken. Der Marxismus hat in Mitteleuropa feine wichtigsten Bastionen verloren, er muß feine Kräfte zusammennehmen und Ausschau halten nach anderen ßänberrt, deren demokratisch-parlamentarische Verfassung ein leichteres Arbeiten ermöglicht als das autoritäre Regime der modernen Führerstaaten. Das nächste Angriffsziel war Frankreich, des, sen innerpolitische Schwierigkeiten eine erfolgreiche Zerfetzungsarbeit verhießen. Deshalb schloß die Sowjetunion mit dem hilfesuchenden Frankreich einen militärischen Bündnispakt ab und gab damit ihren Agenten neue, unerhörte Propagandamöglichkeiten in der Dritten Republik. Die erste Folge der bolschewistischen Aktivität war die Schaffung der sogenannten „Front popu- l a i r e", der Volksfront. Damit fanden sich zum ersten Male in der Geschichte der beiden politischen Internationalen (die Zweite Internationale wurde ■1889, die Dritte Internationale 1919 gegründet) die Sozialisten und Kommunisten auf französischem Boden zu einer gemeinsamen Angriffsfront gegen Die nationalen Organisationen und Parteien zusammen. Daneben aber bestand der Gegensatz zwischen den sozialistischen und kommunistischen G e - werkschaften wenigstens zunächst auch weiterhin fort. Seit fünfzehn Jahren wird zwischen der sogenannten Amsterdamer Gewerkschaftsinternationale unter der Führung von Iouhaux, einer Spitzenorganisation, in der seit 1913 die sozialistischen Gewerkschaften zusammengeschlossen sind (in Paris: CGT. = Confädäration gön^rale du Travail), und der bisher bedeutungslosen kommu- n i st i s ch e n G e we r k s ch a f t (CGTU = Conf&te- ration g^närale du Travail Unitaire) ein erbitterter Kleinkrieg geführt. Unter dem Drucke Moskaus ist es nunmehr auch gelungen, die beiden feindlichen Gewerkschaftsbrüder miteinander zu versöhnen. Der Pariser Einigungskongreß ist unter Dem Jubel der Delegierten abgeschlossen worden, und es bleibt nur noch die Frage, welcher von den roten Brüdern in dieser Fusion schließlich die Oberhand behalten wird.
Feierliche Eröffnung des Museums für deutsche Volkskunde.
Berlin, 1. Okt. (DNB.) Im S ch l o ß B e l l e- oue fand in Gegenwart hervorragender volkskundlicher Wissenschaftler des In- und Auslandes die feierliche Eröffnung des Staatlichen Museums für Deutsche Volkskunde statt. Generaldirektor Professor Dr. Kümmel begrüßte Die Gäste. Dann nahm Der preußische Finanzminister Prof. Dr. P o p i tz das Wort, um nach einem Hinweis auf die bisher völlig unzulänglich untergebrachte Vvlkskundesammlung u. a. auszuführen: „Als nach dem Umbruch eine neue preußische ©taatstegierung zusammentrat, waren der zur Zeit leider erkrankte Kultusminister R u st und ich uns alsbald darüber einig, daß es gelte, hier ein Versäumnis der Vergangenheit gutzumachen. Es kam darauf an, eine wahre Vvlkserziehungsstätte zu f ch aff e n. Der Entschluß wurde durchführbar, als die Wahl auf dieses Schloß fiel, das, in einem der schönsten Parke Berlins gelegen, nicht nur der Sammlung eine ausreichend entwicklungsfähige Stätte darbot, sondern auch seinerseits als Kunst- und Kulturdenkmal eine Wiederbelebung erfahren konnte. So haben wir eine Stätte Der Erziehung von jung und alt bereitet. Sie soll zugleich sein Vorbild und Ansporn für die deutschen Heimatmuseen, die in kleinerem Rahmen vor ähnliche Ausgaben gestellt sind. Als ein erstes Zeichen dafür mag Die Ausstellung deutscher Bauernkunst gelten.
mit der das Museum heute eröffnet wird, und Du eine lebendige Anschauung von der alten Kultur des deutschen Bauerntums vermittelt, das in wenigen Tagen auf dem Bückeberg bei Hameln fein größtes Jahresfest, bas Fest des Erntedankes, feiert.
Reichsminister Dr. Frick überbrachte Die Grüße und Glückwünsche des Führers. Der Minister führte etwa folgendes aus: Der Führer und Reichskanzler hat mich beauftragt, fein lebhaftes Interesse für die deutsche Volkskunde und seine guten Wünsche für die Entwicklung des Museums zum Ausdruck zu bringen. Die nationalsozialistische Regierung hat das völkische Kulturgut der Nation an die erste Stelle des nationalen Bildungswesens gesetzt. Sie will vor allem die Kräfte pflegen und fördern, die aus der völkischen Erbanlage, aus den Charakterwerten der Nation entspringen. Darum ist auch die Wissenschaft vom Volke, die deutsche Volkskunde, für das nationalsozialistische Deutschland eine Grundwissenschaft. Die Ahnen der deutschen Volkskunde sind auch Die Ahnen Des völkischen GeDankengutes. Was Die Männer ber Deutschen Einheits- unb Freiheitsbewegung Herber unb Grimm, Jahn, Arnbt, Fichte unD Der Freiherr vom Stein begriinbet haben, bas hat ADolf Hitler und bie nationalsozialistische Bewegung vollstreckt unb zum Staatsprinzip erhoben. Auch Die Geschichte bieses Museums ist mit Der Geschichte Des völkischen BilDungs- unb Staatsgedankens aufs enfl*


