Ausgabe 
2.10.1935
 
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An Hindenburgs Geburistag.

Die Gedächtnisfeier im Tannenberg-Denkmal

Geschichte wieder

gelehnt. Aber er war sich bewußt, daß ein Volk auf den ungesunden Gedanken der Revanche nur verzichten kann, wenn es seine wahre Stärke kennt. Und daß diese Stärke in der Einheit liegt das dem ihm anvertrauten Volk einzu­hämmern, ist er nicht müde geworden von Beginn seiner Amtszeit an.

Sein Nachfolger hat uns diese Einheit verwirk­licht, und weniger denn zuvor brauchen wir dem schillernden Irrlicht der Revanche nachzujagen. An der Einheit freilich, die auch über trennende Gren­zen hinweg Ostpreußen dem Reiche verbindet, lassen wir um so weniger rütteln! Als ein Mahnmal dafür ragt über die ostpreußische Erde das Tan­nenberg-Denkmal, und im Tannenberg- Denkmal der Hindenburg-Turm. Das ganze, das ewige Deutschland, weit über die Grenzen des Reiches hinaus, fühlt sich dem Sieger von Tannen­berg unlösbar und für immer verbunden in der Stunde, wo heute am 88. Geburtstag des Feld­marschalls fein Sarg in die ihm bestimmte Gruft

Auf der Fahrt nach Tannenberg.

Hohenstein (Ostpr.), 2. Okt. (DRV. Funkspr.) Von Norden fahren wir an einem wundervoll über­sonnten Herbstmorgen denselben Weg, den wir in jener herrlichen ostpreußischen Sommernacht fuhren, als wir den toten Feldmarschall auf seinen letzten Weg geleiteten. In uns ist noch jene Erinnerung aus der Nacht der Ueberführung, m uns leben noch als die ergreifenden Bilder des ostpreußischen Volkes, das seinem Herold die letzte Ehre gab. Durch Rosenberg kommen wir, Deutsch- Eylau, Osterode. Dann klingen Schlachtnamen auf und schließlich kündet der Namen Mühlen, bekannt aus dem großen Gefecht im August 1914, daß Tannenberg nicht mehr weit ist. In un­serem Zuge fährt Generalfeldmarschall v. Macken­sen, trotz seines hohen Alters eine sportlich ge­streckte Reitergestalt. Er hat es sich nicht nehmen lassen, zu dieser Feier nach Tannenberg zu fahren. Minister und Staatssekretäre sind im Zuge, die kommandierenden Generale, Admirale, Gauleiter.

Wundervoll ist diese ostpreußische Landschaft und unbeschreiblich schön ist dieser Morgen. Zwischen leichten Wölkchen lugt blauer Himmel hervor. Die Sonne ist wie eine mattgoldene Scheibe. An der Strecke stehen hohe Tannen im dunklen Grün wie eine Trauerparade. In Sträuchern und Bäumen, die noch das fahle Herbstlaub zeigen, hängt Alt­weibersommer. Auf den Feldern sind die Bauern dabei, die Kartoffeln herauszunehmen. Blaue Seen liegen an der Strecke, umrahmt von Laubwäldern, überhöht von grünen Hügeln. Nun tauchen d i e Zinnen von Tannenberg aus dem Hügel­land, und dann läuft unser Zug in Hohen st ein ein.

der Reichspräsident dem Staat Adolf Hitlers zu vermachen hatte. Ihre erste Feuerprobe hatte diese Autorität einst bestanden in den schweren Kriegs­stürmen Ostpreußens auf dem Schlacht selbe von Tannenberg. Und das Dritte Reich be­wies nur sein seines Gefühl für geschichtlichen Zu­sammenhang, als es den toten Reichspräsidenten im Tannenbergdenkmal zur letzten Ruhe bettete. Um die Türme dieses Denkmals wehen die Geister deutscher Geschichte, die emporragen als eine Mahnung an die bösartige Willkür des schlech­testen Friedensschlusses, den die Menschheit hat er­dulden müssen, in dem er die Grenzmark vom

hat.

Das war die erste Tat des Mannes, als er 67 Jahre alt war: die Rettung der Ostprovinzen des Reiches und damit der Schuh des ganzen Lan­des vor einem rücksichtslosen Feinde ...

Wenn man sich entsinnt, dann geschieht es, daß uns die Erinnerung nicht wieder loslätzt. Und sie setzt einen mitten nach Frankreich hinein... wo? das ist fast gleichgültig heute, denn Frankreich wat überall Schicksal.

Es ist an einem dämmerigen Herbstabend, noch »weit hinter der Front. Aber man hört sie bi» hier-

Die HZ gedenkt Hindenburgs.

Tagesbefehl des Reichsjugendführers.

Berlin, 1.Off. (DBB.) Der Reichsjugendfüh. ter Baldur von Schirach erläßt an die Lin- helfen der HZ. den nachstehenden Tagesbefehl:

Berlin, 1. Oktober 1935.

Die deutsche Jugend gedenkfam 2. Oktober in Treue und Dankbarkeit des großen Generalfeldmarschalls. An allen Stand­orten der Hitler-Jugend legen, daher im Laufe des Mittwochs Abordnungen der Hitler-Jugend, des BdM. und des Deutschen Jungvolkes Blumen­sträuße oder Kränze zum Gedächtnis Paul von Hindenburgs am Ehrenmal der Gefal­lenen des Weltkrieges nieder.

Der Iugendführet des Deutschen Reiches: gez.: Baldur von Schirach.

Heer und Volk.

Auf solche Weise ist Hindenburg, als Führer und Persönlichkeit von Größe des Charakters, ins Bewußtsein des Volkes getreten. Er lebt im deut­schen Volke, und darüber hinaus ist die Persönlich­keit, die mit dem NamenHindenburg" verbunden

Der Feldherr.

Von Kranz Schauwecker.

Das Altertum, das Mittelalter und vielfach auch

Vordem EingangzurGruftin dem tiefen, mit riesigen Granitplatten ausgelegten Hof, ist ein Blumenbeet angelegt worden. Einige Stühle sind bestimmt für den Führer, die Reichsminister, die Oberbefehlshaber der drei Wehrmachtsteile, die alten Generale der Tannenbergschlacht, die Familie des verewigten Feldmarschalls und die Gauleiter.

Aufmarsch der Abordnungen.

Die Aufstellung der Einheiten erfolgt reibungs­los und schnell. Die Fahnen geben dem Bild einen farbigen Hintergrund. Aus den Wehrgängen der Mauern ziehen wieder Soldaten auf, die dort Ge­wehr bei Fuß mit ausgepflanztem Seitengewehr stehen. Dor dem Denkmal wehen halbmast die Reichskriegsflagge und die Fahne des Deutschen Reiches, die Hakenkreuzfahne. Die Türme des Denkmals tragen gleichfalls Reichskrieysflagge und Hakenkreuzflagge mit langen Trauerwimpeln.

Die Ehrengäste.

Als Ehrengäste werden an der Feier teilnehmen: der Reichskriegsminister Generaloberst von Blom­berg, der Oberbefehlshaber des Heeres, General der Artillerie Freiherr von Fritsch, Admi­ral Dr. Raed er, der Oberbefehlshaber der Kriegsmarine, und General der Flieger Göring, als Oberbefehlshaber der Reichsluftwaffe, mit ihm Staatssekretär Generalleutnant Milch. Es folgen die Oberbefehlshaber der Gruppe I bis III, die Kommandierenden Generäle und Admirale und die

Er war, wie die Fürsten selbst, reichsunmittelbar. Und als das Land Ostpreußen, der Rest des Ordens­staates, ein weltliches Herzogtum geworden war, da kam es alsbald an das deutsche Fürstenhaus, dem die Aufgabe der staatlichen Zusammenfassung des zersplitterten Reiches vorbehalten war, an die Hohenzollern.

In seinem Herzogtum Preußen ließ der Sohn des Großen Kurfürsten sich zum König krönen und legte damit seinem Hause eine Verpflichtung auf, deren die Nachkommen sich wohl bewußt gewesen sind. Als dann die Hochflut des französischen Imperialis­mus auch über den Staat des Großen Friedrich hereinbrach, da ward Ostpreußen die letzte Zuflucht des Königshauses der Hohenzollern. Die Flucht nach Königsberg hat auch der nachmalige erste Kaiser des neuen Deutschen Reiches als Knabe mitgemacht. Und von Ostpreußen ging dann, schon wenige Jahre später, der erste tatkräftige Anstoß zur Be­freiung Deutschlands von der Fremdherrschaft aus. Ein Jahrhundert später aber ward Ostpreußen der Eckpfeiler, woran der Ansturm des russischen Imperialismus zerbrach.

Der damals die Führung hatte, Paul von Hindenburg, fühlte sich als Sohn der ostpreu- tzischen Erde, auf der sein Geschlecht ansässig war, wenn der Zufall der Geburt ihn auch in Posen zur Welt kommen ließ. Und schicksalhaft seltsam, wie Ostpreußen mit der deutschen Geschichte verbunden war, war Hindenburgs Leben in den Werdegang des neuen Reiches verflochten. Drei Jahre vor der Schmach von Olmütz", jenem umstrittenen Abkom­men, das den Hohenzollernstaat außenpolitisch wie­der der Führung der Habsburger unterstellte, war Hindenburg, am 2. Oktober 1847, geboren. Als jun­ger Leutnant aber focht er schon mit in der Schlacht von Königgrätz, die zwischen der Interessensphäre der Hohenzollern und der Habsburger den scharfen Schnitt machte. Und dann hat er, im deutschen Einigungskrieg gegen Frankreich, seinem König die deutsche Kaiserkrone erstreiken helfen und stand da­bei, als in Versailles zum zweiten Mal das Reich der Deutschen gegründet wurde.

Dasselbe Reich, dessen Zusammenbruch nach bei­spiellosem Widerstand er als 71jähriger erleben muhte! Da aber sollte sich zugleich zeigen wie wur­zelecht tief dieser Mann mit deutschem Wesen und deutscher Geschichte verwachsen war. Er gab das Vorbild unbeirrbarer Pflichterfüllung, indem er sich dem Staate, dessen Form Zerbrochen war, mcht ver­sagte. Daß er damals an der Spitze des deutschen Volksheeres ausgehalten hat, das gab ihm die An­wartschaft auf die große Zukunft, die noch vor ihm lag. Hindenburg sollte die Klammer werden, die das zweite Reich der Deutschen mit dem dritten verband!

Vielleicht muß man im Grenzland groß gewor­den sein, um so sicher uitb tief zu empfinden, was der Einzelne der Volksgemeinschaft schuldig ist. Um der Volksgemeinschaft ihr letztes und höchstes Gut: die Einheit des Staates, zu erhal­ten, war Hindenburg im November 1918 auf dem Posten geblieben. Um diese Einheit im wild und wilder werdenden Widerstreit der Parteien mcht gefährden zu lassen, stellte der 77jährige sich 192) für die Präsidentenwahl zur Verfügung. Und von Hindenburgs Wahl zum Reichspräsidenten datiert die Rückkehr des Deutschtums zur Selbstbesinnung, beginnt die langsame Festi­gung, zeichnet sich die gerade Linie ab, die zum Einheitsstaat Adolf Hitlers führt.

Sie mußten einmal zusammenkommen, der alte Feldherr des Kaiserreiches und der junge Gefreite des großen Krieges, derunbekannte Soldat", in bem das Frontsoldatentum sich zu schöpferischer Staatsmannschaft entwickeln sollte. Es gab noch schwere Irrungen und Wirrungen, wie sie leider uns Deutschen von jeher geläufiger gewesen sind, als das Vordringen auf gerader Linie zum einzig vernünftigen Ziel. Aber als dann am 30. Januar 1933 die beiden ihre Hände ineinander legten, der alte Reichspräsident und der junge Kanzler da vollma sich eins der Wunder deutscher Geschichte, die uns im Glauben an unseres Volkes Zukunft nicht wankend werden lassen. Anderthalb Jahre sind sie dann noch zusammengegangen der Feldmarschall und der Frontsoldat, und °ls Hindenburg sich nach völlig erfülltem Leben zur letzten Ruhe legte, und Hitler tief erschüttert von seinem Sterbelager kam, ÄnnteVbeibe wissen, daß das Werk zu dem sie sich an jenem 30.Januar verbündet hatten, auf ^A^iL des Namens Hinden- bürg war es gewesen, die den inallen Fugen krachenden Staat von Weimar umhre, s letzten Jahre allein noch zusammengehalten hatte. Diese Autorität war die kostbare Morgengabe, die

noch die neuere Zeit sahen ihre großen Feldherren oft inmitten der Schlachtreihen ihrer Soldaten, im Getümmel des Kampfes, am Lagerfeuer, auf den Märschen. Die geringe Reichweite der damaligen Kampfmittel, die beschränkte Größe der Heere, der eng begrenzte Raum der einzelnen Kriegsschauplätze uno nun gar der Schlachtfelder, die Unmöglichkeit aller Fernverbindungen zwangen den Feldherrn dicht an das Heer heran, wenn anders der Krieg nicht unmöglich werden sollte. Auch war noch nicht jene Entfernung der Menschen voneinander, jene Unpersönlichkeit und Mittelbarkeit des Führertums eingetreten, die für unsere Zeit so charakteristisch ist. Damals stand der Führer mitten unter den Ge­führten, Blick, Wort, Stimme, Gebärde, Gestillt wirkten unmittelbar heute sitzt der Führer in einem Raum, weit hinter der Linie der Entschei­dung, sitzt er in einem Gebäude für sich, das alle Entfernungen überbrückt und sie heranholt mit den kupfernen Nervenbündeln der Telephon- und Tele­graphendrähte, mit rasenden Autos und Flugzeugen; heute lenkt er eine unendlich ausgedehnte Front im notwendigen Abstande des Ueberblicks; heute ver­hindert die Millionenzahl der Heere notwendig die persönliche Bekanntschaft und Vertrautheit mit dem Führer. Mit anderen Worten: Heute ist es unend­lich viel schwieriger, das persönliche, durch nichts zu ersetzende Band zwischen Feldherren und Heer zu schlingen. Aber die Hilfsmittel der Zeit helfen auf ihre Weise, jene Verbindung herzustellen: Photo­graphie, Zeitung, Bildbeilagen verbreiten im Nu Rede und Bild, schaffen und verbreiten überall die Atmosphäre des Mannes und bringen ihn unter

Befehlshaber der Luftkreise.

Von den Familienangehörigen, persön­lichen Freunden und Mitarbeitern des verewigten Generalfeldmarschalls sind Generalmajor a. D. v o n Hindenburg mit seiner Gattin erschienen. Die Töchter des Generalfeldmarschalls, Frau v. Pentz und Frau v. B r o ck h u s e n , die Enkelkinder des Feldmarschalls, Generalfeldmarschall v. Macken­sen, der General der Infanterie a. D. Franke, die Generalleutnants a. D. vonKrahmer, von Unger und Nehbel.

Es erscheinen ferner der Stellvertreter des Führers, Reichsminister Heß, der Reichs­und Preußische Minister des Innern, Dr. Frick, die Staatssekretäre Körner, Dr. Lammers, Funk, und Reichsarbeitsführer Hier!, weiter Staatssekretär Meißner, der Oberpräsident und Gauleiter Erich Koch, Oberpräsident und Gauleiter Schwede, Senatspräsident Greiser und Gau­leiter Forster, Vorstand und Abordnungen des Reichsverbandes deutscher Offiziere des Reichstreu­bundes, des Reichskriegerbundes Kyffhäuser, Abord­nungen der Offiziers- und Regimentsvereine des ehe­maligen 3. Garde-Regiments zu Fuß, der Infanterie- Regimenter 91 und 147, des Verbandes der Ost­preußischen Regimentsvereine Berlin, der Komman­dant des früheren PanzerkreuzersHindenburg", Konteradmiral a. D. von Arpff, Abordnungen des Landeskriegeroerbandes Saargebiet, die Stützen der Wehrmacht, Partei und Behörden Ostpreußens.

Das Städtchen Hohenstein steht schon seit Tagen im Zeichen der Feier. Schon gestern haben die Truppen für die heutige Trauerfeier geübt, ist die Aufstellung geprobt worden. Im Denkmal wurde die letzte Hand angelegt, wurden die Ge­rüste herausgeräumt, die Gruft unter dem großen Mittelturm würdig gerichtet. Das ganze Denkmal hat nun ein anderes Gesicht bekommen. Das große Grab in der Mitte mit den zwanzia unbekannten Soldaten ist verschwunden. Je zehn Der toten Sol­daten werden nun z u beiden Seiten der Hindenburg-Gruft ruhen, so daß der Feld­herr auch im Tode mit seinen Soldaten verbunden ist. Das große Kreuz, das über dem Grab der unbekannten Soldaten stand, ragt nun gewaltig an der Mauer des Hindenburgturmes. Stufen führen vom Umgänge herunter in die Mitte d e s Denkmals, die mit großen Plat­ten ausgelegt ist. Ueberall Fahnen und Grün. An den Denkmälern der Regimenter, in den Arkaden hängen grüne Kränze. Auch die übrigen Turme sind fertiggestellt und das ganze Denkmal bietet nun ein geschlossenes Bild.

Am Denkmal.

Durch die reich geschmückte Stadt vom Bahnhof her wo die Ehrengäste aus Berlin und schließlich der Sonderzug des Führers aus Allen- ftein erwartet werden, zieht sich e t n langes 6 n alt er der SS. bis zum Dentmal; bart wirb es von dem Spalier des Heere s abge. löst Mann neben Mann steht, bas Gewehr mit aufaepflanztem Bajonett oor sich unbeweglich unb fteinern. Die Stabt Hohenstein ist in em Flaggen- ^Alle^Häukr sind mit Girlanben geschmückt. Vom frühen Morgen an vollzieht,sich der A nm a r s ch her Einheiten zur Ausstellung am Denkmal. In langen Sonberziigen unb mit Lastkraftwagen Kolonnen sind die Einheiten herangeschafst worb^i. Rechts und links vom Haupteingang des Denkmals sind NSKK SA., SS. unb HI. ausgestellt. An bie SA. schließen sich ber Kysihauser-Bunb bann bie Wehrmacht: an bie HI. ber Reichstreubunb ber Ar- beitsbienst unb bie Politischen Leiter an. Neben bem Gruftraum haben die Ehrengäste, die schon zum großen Teil mit zwei Sonberzugen aus Ber­lin eingetroffen sind, Ausstellung genommen. Die Wehrmacht flankiert bie anbere Seite bes Turmes.

sogleich dasteht, eine fest bestimmte.

Im deutschen Heere des Weltkrieges, d. h. im besten Teile des Volkes, im eigentlichen Volk be­gann die Gestalt Hindenburgs zuerst lebendig zu werden. Nach langen Friedensjahren war hier zu- erst wieder ein Mann der Tat. Das war unerhört in Deutschland. Hier war ein Mann, der Verantwortung in bet sichtbarsten, schwersten Form auf sich nahm und diese Verantwortung erfüllte. Hier war zum ersten Male lebendig für das lebende Geschlecht ein Mann mit einem Werk der Tat für die ganze Nation. Wann war das je zuvor erlebt!

Die Tat Hindenburgs, die feinen Namen sogleich bei seinem ersten Auftreten unauslöschbar tief in das Herz gebrannt hat, war die zweimalige Erret­tung deutschen Landes vor einem schonungslos hausenden Feind. Diese heimatschützende Tat gab ihm den Glanz eines Vaters des Vater­landes. Aus tiefster Dankbarkeit eines geretteten Landes erwuchsen ihm Verehrung und Liebe. Ein uneingeschränktes Vertrauen des gesamten Volkes legte den Oberbefehl über die Wehrkraft des Reiches so gläubig und beruhigt in die Hand des Feldherrn, wie ein Kind seine Hand in die seines Vaters legt. Von diesem Augenblick an waren Heer, Volk und Hindenburg persönlich verbun­den miteinander. Von diesem Augenblick an waren Heer und Volk von dem Genie seines Heerführers so unbedingt überzeugt, daß sie jeden Zweifel daran verlacht oder mit Empörung zurückgewiesen hätten. Und auch heute noch ist dieser Glaube zwar wohl gewandelt, nicht aber erschüttert worden, denn man hat in Deutschland die Ueberzeugung, daß am Der- tust des Krieges andere Dinge als die Persönlichkeit Hindenburgs schuld gewesen sind, Dinge, die zu überwinden ihm nicht gegeben sein konnte.

Zugleich trat aus dem Laufe der Geschichte wieder ein deutsches Gesicht neben die deutschen Köpfe Luthers und Bismarcks ein Gesicht, das wieder Symbol zu sein vermochte: das Ge- sicht und die Gestalt Hindenburgs. Das ist nicht zu unterschätzen. In Gesicht, Wort und Blick drückt sich ein Inneres aus, das hier sichtbar wird. Die Men- scheu verlangen nach solchen sichtbaren Dingen, und am Ende lebt neben der Tat das Aeußere eines Mannes am stärksten in dem Herzen des Volkes und spricht zu ihm, wie das Gesicht Bismarcks Dinge ausdrückt, die kein anderes Gesicht zu ver­künden vermag. Heer und Vckk kennen Hindenburgs Gesicht, das die besinnliche Ruhe und die eherne Tatkraft selbst ist, kennen seine Gestalt, die riesig ist wie die Gestalt Bismarcks, kennen fein Wort, das sich nur selten hören läßt, das aber immer gütig ist von der zuredenden Sicherheit des Ueber» legenen und zuweilen durcharollt von der leisen Mahnung dessen, der lieber lobte als grollte, und dessen, der lange Jahre reichen Lebens zurückgelegt

Reiche abtrennte.

Die Erinnerung an den großen Toten, der dort inmitten alter Ostpreußenkämpfer ruht, mahnt uns, daß unsere größte Stärke, zugleich aber auch das teuerste Gut. das wir zu verteidigen haben, die Einheit ist, und daß wir diese Einheit fesi­tz a l t e n sollen, auch über die Willkür trennender Grettzen hinweg. Hindenburg, der drei schwere . , Kriege miterlebt hatte, hat den 'Revanchekrieg ab- übergeführt wird.

Oer (Staatsmann.

Von Dr. Paul Harms.

Ostpreußen ist deutsches Schicksalsland. Als der Hochmeister Hermann von Salza das Gesicht des deutschen Ritterordens von der Mittelmeerwelt nach Osten wandte, da hat er tiefer in den Gang der Geschichte eingeariffen, als er selbst ahnen konnte. Der überschüssigen Volkskraft des Deutsch­tums wurde hier, östlich der Weichsel, eine Aufgabe gewiesen, gerade zu der Zeit, als für das Deutsch­tum in der Mittelmeerwelt nichts Rechtes mehr zu holen war. Der O r d e n s st a a t, der in der Folge gegründet wurde, unterstand keinem Landesfürsten.