Zu jedem kommt einmal das Glück. Vornan von Ellen Kulm
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9. Fortsetzung. Nachdruck verboten!
Noch lange lag Monika wach und blickte mit offenen Augen ins Dunkel.
Wie viele Eindrücke hatte ihr hier ein einziger Abend geboten! Wie leer war ihr Dasein bisher gewesen! Nun trank sie die berauschende Buntheit des Lebens in sich hinein. Und dieser Herr von Gerling! Das war ja ein fabelhaft interessanter Mann. Er gefiel ihr ausgezeichnet. Was würde Lotte zu dem allen sagen? Aber wie lange war sie Lotte schon einen Brief schuldig!
Plötzlich erfaßte sie Lust, jetzt sofort der Freundin zu schreiben.
Sie schlüpfte aus dem Bett, warf einen Umhang über; dann knipste sie das Licht an und begann zu schreiben.
Meine teuerste Lotte!
Bar.
lernten in
Ich schreibe Dir jetzt, spät in der Nacht, weil ich ja doch noch nicht schlafen kann. Ich erlebe so viel. Ein Tag ist schöner als der andere. Ich will Dir aber nur von dem heutigen Abend erzählen. Zuerst waren wir im Theater, in der Oper „Aida". Du weißt doch, wie ich die Musik liebe. Und jetzt war alles so schön: das Or- chester, die herrlichen Stimmen und das ganze Stuck überhaupt. Und dann waren wir in der "■ 'iier; denn, denke Dir, wir
— er überließ Frau ......- ,
heißt von Gerling und ist fabelhaft interessant. Denke Dir, er hat Jahre in Persien Bahnen gebaut und ist jetzt auf Heimaturlaub. Er sieht so aus wie die Helden in den Romanen. Und wir haben getanzt. Denke Dir, ich habe mich getraut; er führt so gut, es war gar nicht schwer. Und es war herrlich. Ich möchte so gern jeden Tag tanzen. Ich glaube aber, Frau Klinke wird es mir öfter erlauben. Sie ist so gut zu mir, als wäre ich ihre Tochter. Aber gerade das macht mich oft traurig, denn ich denke mir, wie herrlich es sein muß, eine Mutter zu haben. Aber ich will nicht undankbar sein. 34 J)abe auch mit Johnie Klinke getanzt. Seine Mutter hat sich sehr darüber gefreut. Sie sagte, er hat schon lange nicht mehr getanzt. Er studiert doch immer. Du kannst mir glauben, '4Jjabe emen großen Respekt vor ihm. Er spacht mast viel — aber alles, was er sagt, ist so klug. Er versteht viel. Und er muß riesig gelehrt fern. Aber denke
Wir waren ,
unserer Loge einen Hotelgast kennen ließ Frau Klinke seinen Platz —, er
bandes Hessen-Nassau der Schwelnezü4ter statt. Auf die Anzeige in unserer Samstagsausgabe sei besonders aufmerksam gema4t.
Vornotizen.
— Tageskalender für Montag: NSG. »Kraft dur4 Freude": Winzerfest in der Volkshalle. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Besuch am Abend".
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** EinFünfundsiebzigjähriger. Heute Montag, 2. September, begeht der Maurer Wilhelm Steinmüller, Brandgasse 7, in körperli4er und geistiger Fris4e seinen 75. Geburtstag. Herr Stein- muller ist langjähriger treuer Bezieher des Gießener Anzeigers.
"Zweiter Familientag der Familie Kling. Man berichtet uns: In no4 größerer Zahl als bei der im März d. I. vorangegangenen erstmaligen Zusammenkunft versammelten fich dieser Tage auf der „Karlsruhe" die Angehörigen der Fa-
mllie Kling aus Wieseck und Gießen zu ihrem Familientag. Diese Veranstaltung, die — neben der Erörterung familiengeschichtlich interessanter Fragen — vor allem dazu dienen sollte, die verwandtschaft- lichen Bande innerhalb der einzelnen Familien enger zu knüpfen, nahm in allen Teilen einen recht här- monis4en Verlauf. Von einem in Hamburg wohnenden Familienglied war ein Begrüßungstelegramm eingetroffen, das na4 dem Willkommgruß verlesen wurde. In dem ans4ließenden zwanglosen Beisam- meinsein bei Kaffee und Kuchen erfreute Dr. Kling (Wieseck) alle Teilnehmer mit Mundartvorträgen voll urwü4sigen Humors, während Bäckermeister August Deibel (Gießen), au4 ein Glied dieser Familie, u. a. in anerkennenden Worten den für unser Volk und Vaterland bevölkerungspolitis4en Wert des weitverzweigten Familienkreises würdigte. Bei frohen Liedern und deuts4en Tanzweisen blieben jung und alt lange in angeregter Stimmung zusammen. Den musikalis4en Tell hatte Herr Pianist Hahn (Gießen) übernommen, der für seine Darbietungen dankbaren Beifall fand.
Zungmädels werten.
Wir Jungen haben die Aufgabe, neue Wege SU suchen, neue Wege zu bahnen und s4liehli4 auch den Mut aufzubringen, sie zu gehen.
Wir Jungmädel des Obergaues 13 Hessen-Nassau werben vom 31. August bis 11. September. Mädel, oie den Willen haben, mit uns in einer großen Ge- JneM4aft am Neubau Deutschlands mitzuhelfen.
Wie kann man den Jungmädeln den Vorwurf wachen, sie wären no4 viel zu jung! Nein, sie wis- en auch schon mit 10 Jahren, daß es ihre Pfli4t ist, als Jungmädel in der Hitlerjugend in der vordersten Reihe zu stehen, wenn etwas von ihnen gefordert wird, denn unser Führer brau4t au4 die Mitarbeit der Jungmädel. Und darauf sind sie sehr stolz.
Jungmädel sind ni4t nur immer lustig und ver- gnugt, sondern sie wissen um ihre Aufgaben und Psli4ten. Sie wollen Menschen werden, die gerade und treu ihren Weg gehen, ohne si4 vor irgend etwas zu drücken. Unser Bundesleben bringt neben vll den Pflichten und Aufgaben des Jungmädels soviel Frohsinn und Vergnügtsein mit. Diese fröh- lidje Arbeit auf Fahrten und in Heimnachmittagen laffen uns zu einer großen Gemeinschaft zusammenwachsen, die mutig vorwärts stürmt.
Jungmädel sind keine Kinder, die auf der Ofenbank sitzen und si4 von Mutti spazieren führen lassen. Bei Sport und Spiel härten wir uns draußen in fris4er Luft ab. Wir lassen uns gerne Wind und Wetter um die Ohren pfeifen, und wollen ni4t zimperlich jedem Regentropfen auswei4en. Wir wollen Mädel sein, die kein Hindernis zurücks4reckt. Junamädelleben ist eine Fülle von übersprudelnder Kraft und Fröhlichkeit, von Forderung und Verant- wortli4keit.
Kameradin, die du no4 abseits stehst unserer großen Gemeins4aft, warum zögerst du eigentli4 no4? Auch ßu sollst ein Glied in der großen Kette werden, die bereit ist, unserm Führer bei seiner großen Aufbauarbeit zu helfen.
Du sollst Gelegenheit haben, während unserer großen Jungmädelaktion unser Jungmädelleben mitzuerleben und di4 dann entj4eiden, ob du Mitarbeiten ober untätig hinter dem Ofen sitzen willst.
Immer nur drumherum gehen? — Nein — und tausendmal nein! — Mitten hindurchstürmen? — Ja — und tausendmal ja!
Heil Hitler!
Erika D e s 4, Jungmädelführerin im Obergau 13.
Gin Fest seltener Treue aus dem Aeuhof.
Ein Leben voll Arbeit ist Gottesges4enk, Nur dienendes S4affen ist Leben.
Und bringt es auch Lasten, verzag ni4t und denk: Zum Segen hat Gott sie gegeben.
Die Arbeit muß führen, sie zeigt dir die Bahn, Wird grübelndes Sorgen verni4ten.
Nur der hat gelebt, der mit Freuden getan Doll Treue des Tagewerks Pfli4ten.
Unter diesem Gedanken stand die gestrige Feier des Hofmeisters He in ri4 Winter, der 65 Jahre ununterbro4en auf dem Neuhof in Dienst gestanden. Verbunden damit war das Arbeitsjubiläum des Karl G r e m m, mit 33 Jahren, des Brennmeisters Franz Sikora mit 23 Jahren, des Johann B o l e w i t f 4 mit 17 Jahren, des Georg S4neidmüller mit 11 Jahren und der Karoline v. Fulde mit 21 Jahren auf demselben Platz.
Den Auftakt zum großen Tag bildete der Gottesdienst in Leihgestern, geschlossen von der Be- triebsgefolgsckaft des Neuhofs besucht, im Anschluß an 1. Kor. XV, 10 unter dem Gedanken stehend: ^Berufsauffassung". Zwei Lieder, von Frau P a s ch m a n n vorgetragen, führten das Ganze auf die Höhe.
Der eigentliche Festakt, der um 14.30 Uhr auf dem Neuhof begann, wurde nach dem Spiel des Badenweiler Mars4es eröffnet durch Pächter Brückmann, der mit herzlichen Worten der Treue feiner Mitarbeiter gedenkend als ein Zeichen der Dankbarkeit feiner Familie dem Hofmeister Winter eine goldene Uhr und jedem der anderen Jubilare einen Polstersessel überreichte. Zugleich gab er ein Glückwunschschreiben des Führers, das am Morgen des Sonntag für Winter ein- getroffen war, bekannt. Es folgten zwei Lieder, gesungen von den Feldmäd4en: „Ueb immer Treu und Redlichkeit" und „Am Brunnen vor dem Tore", daran anschließend die Rede auf den Führer, gehalten von Pfarrer P a f ch m a n n, mit dem Deutschland- und Horst-Wefsel-Lied. Am besten gefielen wohl die von cand. theol. Heidegger verfaßten Gedichte auf jeden einzelnen Jubilar, die von Wilhelm, Elfe und Anneliese Brückmann meisterhaft oorgetragen wurden. Nach der Fest- ouoertüre von Brahms hielt der Ortspfarrer die Festrede, ebenso sprach der Besitzer des Neuhofs, Oefonomierat Müller, treffliche Worte zu feinem alten Freund Winter und zu denen, die mit ihm geehrt wurden. Ein wundervolles Mundharmonikakonzert von 4 Gespannführern, ein Trio für
Dir, er tanzt auch ganz gut. Ich war eigentlich sehr überrascht. Ich hätte nicht gedacht, daß er es kann. Ich glaube ja nicht, baß er sich viel baraus macht. Es war wohl so eine Laune von ihm. Aber eigentlich glaube ich nicht, baß er launisch ist.
Morgen vormittag gehe ich mit Herrn Gerling auf ben Obeonsplatz, die Tauben füttern. Es sollen dort fast so viel fein wie in Penedig, und sie sollen auch sehr xat)m sein, wenn sie auch nicht auf die Schultern fliegen wie in Venedig. Das muß sehr schön fein; ich wünschte wohl, daß Johnie Klinke einmal nach Venedig müßte, um dort Kunstwerke zu studieren. Dann käme ich auch hin.
In einem Zuge schrieb Monika bas, nieber, so wie ihre Gedanken kamen; bann sah sie auf ihre Uhr und erschrak.
Meine liebe Lotte, denke doch, es ist halb drei Uhr in der Nacht, ich muß also schlafen gehen, denn ich will ja früh wieder frisch fein. Ich freue mich jetzt auf jeden neuen Tag und auf morgen besonders. Ich werde Dir bald wieder schreiben, aber laß mich auch von Dir hören. Ich denke viel an Dich und Erich und Annemichen. Ihr seid die einzigen gewesen, die gut zu mir waren. Aber Frau Klinke und ihr Sohn sind auch sehr gut zu mir. Oft denke ich daran, wie ich es ihnen einmal lohnen könnte. Ich wünschte, es käme bald einmal eine Gelegenheit dazu. — Und nun schlaf wohl, liebe Lotte, und bitte, bitte schreibe!
Als dieser Brief bei Lotte anlangte, stieß diese einen lauten Jubelruf aus und stürzte dann zu ihrem Manne, der nach beendeter Sprechstunde über seinen Eintragungen und wissenschaftlichen Büchern faß.
„Erich, es wird! Paß auf, es wird! — Sie hat schon einen ganzen Abend mit ihm getanzt, und sie findet ihn so wie ben Helden eines Romans. Was sagst bu bazu?"
„Vorläufig sage ich gar nichts, Lottchen! Ich weiß ja nicht einaml, von wem bu sprichst!"
„O Gott, bist bu schwerfällig! Von wem anberen denn als von Monika! Don unserer Monika, unb natürlich von biesem Herrn von Gerling! Ich bin jo froh, Erich — bas war boch meine Jbee! Jetzt kennt sie ihn erst einen Abenb unb ist schon ganz verliebt in ihn. Mitten in ber Nacht hat sie mir noch schnell einen Brief über ihn geschrieben. Lies ihn boch, Erich!"
In feiner ruhigen Art las Doktor Hartenberg ben Brief. , „.
Danach faltete er ihn bedächtig zusammen.
, Ganz nett! Scheint ber Monika gut zu gehen. Na, ich gönne es ihr. War kein Leben hier für das arme Dingelchen."
Klavier, Geige und Flöte, gespielt von Pfarrer P a f 4 m a n n , Verwalter Müller unb bem Obertertianer Gerh. Abam aus Siegen, benen ein Glückwunsch des Gespannführers Karl Zimmer im Namen feiner Kameraben an ben Hofmeister Winter unb eine Rebe bes Herrn Reuschling- Gießen, einem Enkel von Winter, folgten, be- schlossen ben Festakt.
Währenb bes Kaffees, an bem sämtliche Bewohner bes Neuhofs in bem einzigartig festlick) geschmückten Saale teilnahmen, bra4te ber Gesangverein „Eintracht" Leihgestern bem Jubilar ein Stäubchen. Die Glückwünsche bes Vereins übermittelte ber Dorsitzenbe bes Vereins, Beigeorbneter Seipp. Im inoffiziellen Teil wechselten Klaviervorträge, Einzellieber von Frau P a s 4 m a n n mit gemeinsam gesungenen Liebern ab. Die Schlußrebe,
in der Pfarrer Paschmann neben dem Gebauten bes Jubiläums au4 ben bes Erntedankfestes, ben biefer Tag ebenso haben sollte, betonte, gipfelte in einem herzlichen Dank an Herrn unb Frau Brückmauu für biefen einzig schönen, äußerlich unb innerlich sonnigen, unvergeßlichen Tag. Was a schon bie Menge ber Jahre, in benen bie Geeierten auf ihrem Posten waren, bewies, was jeber, )er>inen Einblick in ben Betrieb hat, jeben Tag eheu kann, biefes selbstverstäubliche, stille Jnein- auber-, Zusammen- unb Füreinander-Arbeiten, bei bem sich jeher verantwortlich für bas Ganze weiß, von einem Willen geleitet, ber für jeben Einzelnen Verstäubuis unb ein Herz hat, biefe innere Harmonie kam auch an biesem Festtag ber Treue rounberbar zum Ausbruck. Möge sie bem Neuhof unb seinem Betrieb allezeit erhalten bleiben!
Obecheffen.
Wiedereinweihung der Kirche zu Langsdorf.
oo Langsdorf, 1. Sept. Heute fand die feierliche Wiedereinweihung unserer im Innern völlig erneuerten Kirche statt. Das Gotteshaus prangte im Schmuck der nationalen Fahnen und der Kirchenfahne, so schon äußerlich die Verbundenheit zwischen Kirche und Volkstum, wie sie bie Dorfkirchenbewegung seit fast einem Menschenalter anftrebt, kuudgebeud.
Im Festgottesbienst erfreute zum ersten- mal unser neuer Posaunenchor, ben unsere Jungen aus eigenem Antrieb unb voll Freude zur Sache begründet haben, die ganze Gemeinde. Der ebenfalls feit Herbst roiebererftanbene Kirchen- chor, der fast 50 Säuger und Sängerinnen im Alter von 15 bis 66 Jahren umfaßt, sang unter Leitung von Lehrer Held manu zwei Motetten über Psalm 103 und Lukas 11, 28. Die Weihe- rede hielt auf unsere Bitte Pfarrer Kohler (Darmstadt), der nach Blut unb Seele ein Langs- borfer ist. Er legte seiner Ansprache denselben Text zugrunde, Psalm 84, 1, 2, mit dem vor 153 Jahren, am 11. August 1782, die Kirche geweiht worden mar. Seine Ausführungen fanden ihren Höhepunkt in der Verlesung der Stiftungsurkunde, die am 22. Mai 1780 in den Grundstein eingemauert wurde, deren Abschrift im Pfarrarchiv liegt. Die Fe st predigt des Ortspfnrrers über Psalm 33, 18, beschränkte sich darauf, die einzige symbolische Darstellung zu schildern, die sich in unserer streng reformierten Kirche findet: Im Mittelpunkt ber Decke ist eine vergoldete Stukkatur angebracht, in deren Mitte das beherrschende Auge Gottes ruht. Es ist umgeben von einem Dreieck, das die S Dreifaltigkeit versinnbildlicht. Um dieses ein goldener Kreis, das Symbol der Ewig- feit. Don diesem gehen ringsum goldene Sttahlen aus, die Sttahlen ber Liebe Gottes. Die ganze Feier machte auf die große Gemeinde, die, zum erstenmal in ihrer erneuerten Kirche weilend, das Unser Vater gemeinsam betete, einen großen Eindruck.
Am Nachmittag trat bas erste Brautpaar in ber renovierten Kirche zum Traualtar. Der Bräutigam ist der Sohn eines Kriegers, der mit seinem Bruder an einem Tag in derselben Champagneschlacht Herbst 1915 fiel. — Im Anschluß an die Trauung fand eine Nach Versammlung statt, in der ein Vortrag über die baugeschichtliche unb kunstgeschichtliche Bedeutung der Kirche gehalten wurde. Der Gemeinde ward dargelegt, daß es die Ausgabe ber Bauleitung war, die Reinheit bes Kunststils zu bewahren oder wieder herzustellen und andererseits den reinen Charakter der reformierten Predigttirche zu voller Geltung zu bringen. Danach wurde das erneuerte Gotteshaus einige Stunden zur allgemeinen Besichtigung offen- gehalten. Es herrschte allgemein Befriedigung über das wohlgelungene Werk.
Heldengedenkfeier des Gesamt-DH(k.
* Herchenhain, 1. Sept. Der Gesamt- VH C. hielt am heutigen Sonntagnachmittag auf der Herchenhainer Höhe vor dem einzigartig schön gelegenen Ehrenmal für die im Weltkrieg gefallenen VHC.er eine Gefallenen- Ehrung ab. Zahlreiche Mitglieder aus allen Zweigvereinen, der näheren und weiteren Umgebung waren gekommen, um an dieser Feier teilzunehmen. Die Ausrichtung der Feier hatte der Gau Südost übernommen.
Der Vorsitzende des Zweigvereins Offenbach, Rektor Dem, hieß die Mitglieder willkommen und dankte ihnen für ihre zahlreiche Beteiligung an dieser Feierstunde. Eine DHC.-Schwester trug bann einen ganz dem Charakter ber Stunde verbundenen Vorspruch vor, dem sich verschiedene Lieddarbietungen eines Doppelquartetts des VHC.» Zweigvereins Büdingen anschlossen; so horte man die ernste Mahnung „Nun schweige jeder von seinem Leid" und dann das bekannte Lied „Wo aen Himmel Eichen ragen". Im weiteren Verlauf horte man noch ein Lied, das in Text und melodischem Stimmungsgehalt ganz den Gefallenen des Weltkrieges gewidmet war.
Rektor Dem (Offenbach) hielt die Gedächtnisrede, in ber er das heroische Opfer der für das Vaterland Gefallenen in eindrucksvollen Worten schilderte. Die gehaltvolle Ansprache wurde von allen Zuhörern bewegt und mit großer Aufmerksamkeit verfolgt. Zum Abschluß der würdigen Stunde sprach Dr. Bruchhäuser (Ulrichstein), ber Führer bes G^samt-VHC., allen benen herzlichen Dank aus, die sich um das Zustandekommen und um die Ausgestaltung dieser Feierstunde bemühten. Mit einem dreifachen „Sieg-Heil!" auf den Führer Adolf Hitler und mit den gemeinsam gefundenen ersten Versen des Deutschland- und des Horst- Wessel-Liedes fand die Veranstaltung ihren Abschluß.
Die VHC.-Brüder und -Schwestern machten sich bann wieder auf den Heimweg. Viele ber Teilnehmer an der Gedächtnisfeier nahmen Gelegenheit, noch zum Hoherodskopf hinüber zu wandern, um dort dem Ausklang des heimatlichen Bergturn- feftes beizuwohnen.
Landkreis Gießen.
[U Großen-Linden, 31. Aug. Die Gewerk- schäft Gießener Braunsteinbergwerke, welche (eit Frühjahr einen neuen Betrieb eröffnet hat, hat zur Zeit einen guten Absatz. Auch bas Kalkwerk geht gut. Die Belegschaft war vor Jahren auf 50 Mann zurückgegangen, und ist heute wieber auf 3 0 0 Mann geftiegen. Vor ber Kriegszeit war bie Stärke 6—700 Mann. Währenb bes Krieges war die Belegschaft 1200 Mann stark.
8 Lang-Göns, 31. Aug. Auch In unserer Ge- meinbe würbe ein „S t ü r m e r" - K a st e n am Rathaus aufgehängt, bamit jeber Volksgenosse baran erinnert wirb, baß ber Jube der Feinb bes Deutschtums ist.
„Ja — ja! Aber was hälst bu nun von ber <5ad)e mit bem Gerling? Das wird boch was, wo sie jetzt schon so verliebt in ihn ist."
„Ist sie bas?"
„Sicher, Erich! Sie schreibt boch, wie ich gelesen habe, so viel von ihm."
„Don bem anderen, bem — wie beißt er boch gleich? — Johnie, steht boch aber auch genug brin, scheint mir."
„So? — Ach, gib boch mal her!"
Und Lotte sah noch einmal ganz aufmerksam ben Brief durch.
„Ja — finbeft bu?" sagte sie bann etwas zögernd. „Aber bas ist boch wieber was anderes, wie sie von bem schreibt."
„Na, bu muß es halt abwarten, Lottchen! — Vielleicht hast bu recht. Ihr Frauen versteht ja solche Sachen viel besser."
6. Kapitel.
Und wirklich! Immer schöner wurde bas Leben.
Jeder Tag brachte neue Eindrücke für Monika. Ihr reger Geist entwickelte sich nach allen Seiten.
Frau Klinke ließ ihr jede Freiheit. Sie konnte mit Friedrich von Gerling beisammen jein, so oft sie wollte.
Ein prachttoller Herbst lag über ber Lanbschaft.
In Gerlings kleinem Wagen machten sie wun- berbare Ausflüge in bie Umgebung Münchens. Am meisten liebte Monika bald ben Starnberger See. Die romantische Lanbschaft unb bie Schlösser, besonders Schloß Berg, das bem unglücklichen König Ludwig von Bayern gehört hatte, zogen sie an. Bei biefen Ausflügen zu zweit erschloß Monika Gerling ihr Herz unb erzäylte ihm von ihrem ganzen Leben.
Und oft sprach Monika auch von ihrem Vater. Dann brannte es wohl Gerling jedesmal, ihr boch endlich zu sagen, daß ja auch ihm der Major einer der teuersten Menschen gewesen war, unb boch schloß ihm eine merkwürdige Hemmung ben Munb.
Manchmal fragte er sich: Worauf warte ich eigentlich? Monika unb ich sind die besten Freunde. Ich habe Gelegenheit, ihre reine, feine Seele zu erkennen. Und ich glaube, wenn ich sie fragen würde, ob sie meine Frau werden will, so würde sie wohl „Ja!" sagen. Und ein tapferer Lebenskamerad ist sie auch. Wie gern hört sie von meinem Leben in Persien. Sie würde gern hingehen, sie fürchtet sich nicht vor Strapazen. Aber trotz- Dem: Liebt mich Monika?
Und darauf wußte er keine Antwort. Dann sagte er sich, daß er ja noch keine Eile habe, unb daß sie beibe noch ganz gut eine Zeit zusammen verbringen konnten wie zwei gute Kameraden, die sich durch Zufall kennengelernt hatten.
Manchmal kam bei diesen Ausflügen auch Frau Klinke mit, aber niemals Johnie, ber nach wie vor eifrig arbeitete. Dagegen geschah es zuweilen, daß
ihn Monika in ein Museum oder in eine Galerie begleitete.
In einem ihrer Briefe schrieb Monika an Lottes
Das Leben ist oft so schon, daß ich manchmal zu träumen glaube. Gerling ist ein prächtiger Kamerad. Wir machen so herrliche Ausflüge zusammen. Du kannst Dir gar nicht denken, wie schon ber See ist, wenn bie Sonne untergeht unb bie ersten Abenbnebel aufsteigen. Ober das Isartal. Ja, ich finde bas Leben herrlich. Jeder Tag ist so schon, daß ich traurig bin, wenn er zu Ende ist. Und boch ist ber nächste ebenso schon.
Ich freue mich aber auch, baß ich Gelegenheit habe, zu lernen. Johnie nimt mich manchmal in die Museen mit. Ich war einmal allein dort, aber es gab so viel zu sehen unb ich lief durch die Säle, unb nachher hatte ich Kopfweh. Ich habe ihm bas erzählt, unb ba meinte er, ich verstände es wohl nicht, etwas richtig anzusehen. Und bann gingen wir gemeinsam, zuerst ins Museum unb bann in bie BildergÜlerie. Er hat so gut gewußt, was mich interessieren müßte, baß ich ganz erstaunt war. Unb benfe Dir, er führte mich zu seinen Lieblingsbildern, und ich finde, es waren so schöne Bilder, daß ich diese Bilder auch liebe. —
Wir haben jetzt schon viel Gesellschaft. Meistens auch Hotelgäste. Besonders wenn Amerikaner kommen, werden sie schnell mit uns bekannt. Obwohl bie Klinkes ja immer betonen, baß sie Deutsche sind. Aber bie Amerikaner schließen sich boch an sie an. Besonders bie Frauen wollen gern mit uns sein. Ich glaube, bie meisten von ihnen beneiden mich um Herrn von Gerling. Er sieht so schrecklich interessant aus. Sie machen ihm immer solche Augen, weißt Du. Ich habe nie gewußt, baß Frauen so sind; ich finde es aber luftig, wenn ich auch nie so fein könnte. Ich glaube, Herr von Gerling findet es auch luftig. Aber Johnie Klinke wollen sie auch erobern.
Da ist so eine kleine Amerikanerin mit gefärbten Haaren unb gemalten Brauen und einem kleinen Mund, ben sie immer zuspitzt, wenn sie mit Johnie spricht. Sie sagt, sie wolle ihn bavon abbringen, immer so viel zu lernen. In Amerika tun bas bie Männer nicht. Dort ftubieren meist nur bie Frauen, unb auch bie nur, wenn sie häßlich finb. Mit (Beding flirtet sie übrigens auch... Wen sie wirklich meint, weiß ich nicht. Aber es ist ganz gut möglich, baß sie es selbst auch nicht weiß.
Gerabe während Monika diesen Brief schrieb, saß Shirlev Preston in ihrem Zimmer vor bem Spiegel und bemalte ihr hübsches kleines Puppengesicht.
(Fortsetzung folgt!)


