Das Infanterie regiment Gießen im Manövergelände.
Vom 3. bis 10. September hält das Infanterie- Regiment Gießen zwischen Magdeburg und Braunschweig seine Herbstübungen ab. Herbstubungen! Manöver! Welchem alten Soldaten werden bei diesen Worten nicht Erinnerungen wach? Lange Märsche — drückendes Gepäck — Sonnenglut mid durchfrorene Regennächte, dann aber auch die Erinnerung an ein nie ausgesprochenes, nie zugegebenes Grauen beim Vorgehen durch die Morgendämmerung — hinein in das Ungewisse — oder auch an die feierliche Stunde am Biwakfeuer, an die Klänge des großen Zapfenstreiches.
Richt zuletzt denkt man an die ausgelassene Stimmung des älteren Jahrganges, der am letzten Manovertag mit dem „Löffel" auch die Anstrengungen und Entbehrungen der Dienstzeit begrub — und dann an die guten Quartiere — die schönen Mädchen und die frohen Manöverbälle.
Nachdem der Führer dem deutschen Volte die allgemeine Wehrpflicht wiedergegeben hat, werden in diesem Jahre zum erstenmal wieder junge Sol- baten nach dem Manöver entlassen. Und doch haben sich die Gedanken des jungen Soldaten gegen die Vorkriegszeit etwas gewandelt. In die Freude über die überstandenen Anstrengungen des Kasernenhofes, des Uebungsplatzes und des Manövers mischt sich ein Gefühl der Wehmut und die Erinnerung an die schrecklichen Zeiten der Arbeitslosigkeit.
In der Nacht vom 2. zum 9. September bricht das Regiment im Lager des Truppenübungsplatzes
Winzerfest in Gießen.
Rheinische Stimmung — Rheinischer Sang mitten in einem schön angelegten Winzerdorf, wer sollte da nicht für einige Stunden alle Sorgen des Alltags vergessen. „Nur am Rhein, da möcht ich leben", „Ein rheinisches Mädchen, beim rheinischen Wein" und „Wohlauf noch getrunken den funkelnden Wein" — das war die Stimmung des Samstagabend, vermischt mit fröhlicher Laune und köstlichem Humor.
Niemand hätte geglaubt, daß auch das diesjährige von der NS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude" veranstaltete Winzerfest eine solche Anziehungskraft ausüben würde. Noch selten war der Besuch einer Veranstaltung in Gießen so stark, wie am Samstagabend. Gegen 21 Uhr war kein Plätzchen mehr freu Trotzdem war der Zustrom auch weiterhin so stark, daß die Volkshalle gegen 22 Uhr wegen Ueberfül- lung vorübergehend geschlossen werden mußte.
Beim Eintritt in die Volkshalle bietet sich dem Besucher ein farbenprächtiges Bild. Die Volks- Halle ist nicht wiederzuerkennen. Karl Löffler, vom Gießener Stadttheater, hat mit seinen Mitarbeitern den Saal in ein prachtvoll hergerichtetes Winzerdorf umgewandelt.
Die aufgestellten bunten Häuschen, grünen Umzäunungen und Landschaften vermitteln an sich schon rheinische Stimmung. Dazu kommt die machtvolle Dekoration. An Tannengrün wurde dabei nicht gespart. Girlanden und Erntekränze mit bunten Schleifen geben dem Fest ein besonderes Gepräge. An den Säulen sind für das Winzerfest zugeschnittene Bilder mit humoristischen Sprü- chen angebracht, die von Rud. Sarg gezeichnet sind. In der Mitte des Saales befindet sich ein mit Tannengrün und bunten Bändern geschmückter Musikpavillon, zu beiden Seiten desselben sind zwei grün eingezäunte Tanzböden eingerichtet. Auch eine kleine Redner- und Vortragsbühne fehlt nicht. Zur Aufrechterhaltung der Ordnung ist für die Ortspolizei ein besonderes Haus errichtet worden. Der Dienst des beleibten Polizeidieners besteht nur im Ausschellen „öffentlicher Bekanntmachungen".
Altengrabow auf und marschiert bis vor die Tore von Magdeburg. Bei Netlitz und Königsborn wird Biwak bezogen. Die Ruhe ist nur kurz. Um Mitternacht werden die Zelte abgebrochen, die Elbe wird überschritten und über Magdeburg geht es weiter in Richtung auf Braunschweig. Nun beginnen die Uebungen. In Trupp — Gruppe — Zug — Kompanie und Bataillon hat der junge Soldat schon ost geübt. Jetzt soll er dies im Rahmen des Regiments tun. Bis zum letzten Schützen muß der Wille der Führung in kurzer Zeit durchdringen und dort eine Unzahl von Tätigkeiten auslösen. Außerdem soll der Soldat sich auch im unbekannten Gelände und im größeren Verbände in Angriff und Abwehr üben.
Nach den Uebungen geht es ins Quartier in und um Helmstedt. 10 Kilometer südostwärts von Helmstedt liegt Sommereschenburg, der Sitz der Grasen Gneisenau. Hier ruhen die sterblichen Ueberrefte des Feldmarschall Grafen Neithardt von Gneifenau, des großen Soldaten, ber an dem Abschütteln des Franzosenjoches vor über 100 Jahren wohl militärisch das größte Verdienst trägt. Am Grabe Gneisenaus wird das Offizierskorps des I. R. Gießen einen Kranz niederlegen und des großen Soldaten gedenken.
Am 11. September 1935 wird das Regiment nach beendetem Manöver von Braunschweig aus mit der Bahn in die Garnison transportiert werden.
Am Saaleingana links befindet sich die Weinschänke „3um deutschen Eck", auf der rechten Seite in der Mitte mahnt ein Schild „Rolandseck" zur Einnahme einer weiteren Erfrischung. Auch „Auerbachs Keller" (rechts von der Bühne) stattet man gern einen Besuch ab.
Stark wird oie links von der Bühne eingerichtete „Bauernschänke" in Anspruch genommen. Auf der Galerie kann man zunächst bei der „blonden Kathrein" einkehren und den Weisen der in der Nähe befindlichen Stimmungskapelle lauschen, die zum Tanz aufspielt. Auch auf der linken Seite der Galerie entdeckt man eine weitere Ausschankstätte „Zum Rolandsbogen". Etwas müde von dem Umherwandern kehrt man schließlich in „Alt-Heidelberg" ein. Dor der gemütlich eingerichteten Weinstube ist eine schön angelegte Weinlaube hergerichtet, die, mit Weinranken verziert, den Gästen an- genehmen Aufenthalt bietet. In der Weinstube selbst sorgt eine Stimmungskapelle für die nötige Unterhaltung. Dann wird man auch wieder in den Saal zurückkchren, wo seit Beginn der Veranstaltung ber Musikzug der Standarte 116 unter Leitung von Musikzugführer Herrmann konzertiert. Die einzelnen Darbietungen sind begreiflicherweise ganz auf rheinische Musik eingestellt und tragen dem Charakter des Abends Rechnung. Kein Wunder, daß schon kurz nach Beginn der Veranstaltung eine echt rheinische Stimmung herrschte. Als das Rheinlieder- Potpourri „Rheinischer Sang" erklang, sang alles mit, die Begeisterung stieg von Lied zu Lied, um schließlich in einer urgemütlichen Stimmung aus- zuklingen. Bei allen Darbietungen der Kapelle war das Publikum sehr beifallsfreudig und machte auch von der Tanzgelegenheit weitgehend Gebrauch. Viel Heiterkeit erregte auch der von anderen Veranstaltungen der NS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude" bekannte Polizeidiener, wenn er trotz starker Heiserkeit etwas „ortsüblich" bekanntmachen wollte.
Mit der (Stimmung stieg auch der Weinumsatz, zumal der Stoff durchweg als „süfftg" bezeichnet wurde. Je mehr der Zeiger vorrückte, desto bewegter wurde es im Winzerdorf.
für die Leistungen seiner Mitbürger. In diesem Geist muß ber Angriff auf die Zahl der letzten einhunderttausend Erwerbslosen unseres Gaues gelingen. , ....
Bon jedem Beamten erwarte ich daher in erster Linie, daß er diese einzigartige Gelegenheit benutzt, um sich über den Rahmen der alltäglichen Berufsarbeit hinaus einen umfassenden Einblick in die Leistungskraft der rhein-mainischen Wirtschaft zu verschaffen. Mit besserem Verständnis wird er bann wieder an die Dinge seines Berufes herantreten und zum Wohle unserer engeren Heimat und des gesamten Volkes seine Kraft einsetzen können.
Den Behördenvorständen mache ich zur Pflicht, durch geeignete Maßnahmen den ihnen unterstellten Beamten den Besuch der Ausstellung zu ermöglichen. Ihrer Initiative muß es gelingen, z. B. durch gemeinschaftliche Hin- und Rückfahrt in Omnibussen oder auf ähnliche Weise die nun einmal unumgänglichen Kosten des Besuches auf ein Mindestmaß herabzusetzen. Ich bin damit einverstanden, daß den teilnehmenden Beamten einer Dienststelle an dem betreffenden Tag unter Wahrnehmung der dienstlichen Notwendigkeiten bereits ab 12 Uhr Urlaub gewahrt wird.
Gestellungsbefehl abwarten! wichtig für die Gemusterten des Jahres 1914. Mehrfach ist bekannt geworden, daß Angehörige des Jahrganges 1914, die gemustert, für tauglich befunden und für eine bestimmte Waffengattung vorgesehen sind, ihre Zioilstellung bereits aufgegeben haben, oder daß für sie besonders in Familienbetrie. den, wo Söhne im elterlichen Unternehmen mit- arbeiten, bereits Ersatzkräfte angenommen worden sind. Es kann nur geraten werden, mit solchen Maß- nahmen noch zu warten, wenn tunlich bis der Gestellungsbefehl eingeht. Zugleich sei darauf hmgewie- fen, daß die Zahl der freiwilligen Meldungen so groß ist, daß mit der Einstellung von nur einem Teil der Gemusterten des Jahrganges 1914 gerechnet werden kann.
Reichsverband für das Blindenhandwerk.
DNB. Durch gemeinsame Anordnung des Reichsund Preußischen Arbeitsministers und des Reichsund Preußischen Wirtschaftsministers vom 26. August 1935 ist im Rahmen der Reichsgruppe Handwerk ein Reichsverband für das Blindenhandwerk errichtet worden. Dem Reichsoerband, der die rechtliche Stellung eines Reichsinnungsverbandes hat, müssen die blinden Handwerker angehören. Ferner müssen dem Reichsoerband die in die Handwerksrolle eingetragenen Gewerbetreibenden, sowie alle Einrichtungen und Unternehmungen beitreten, die überwiegend blinde Handwerker beschäftigen und ihre Waren als Blindenwaren vertreiben. Aufgabe des Reichsverbandes ist es, das deutsche Blindenhandwerk zu för- dern und die blinden Handwerker, die sich im freien Wettbewerb allein nicht behaupten können, durch geeignete arbeitsfürsorgerische Maßnahmen zu betreuen. Insbesondere erteilt der Reichsverband seinen Mitgliedern das Blindenwarenzeichen (zwei stilisierte Hände, die sich den Strahlen der Sonne entgegenstrecken) zur Kenntlichmachung als Blindenware. Mit der Anbringung des Blindenwarenzeichens an der Ware muß der Inhaber die Gewähr dafür übernehmen, daß es sich um handwerklich her- gestellte Mindenware handelt. Mit diesem Blindenwarenzeichen dürfen von Blinden handwerklich hergestellte Besen- und Bürstenwaren und Korbwaren, Seilerwaren sowie weibliche Hand- und Strickarbeiten, Flechtarbeiten jeder Art versehen werden.
Luftschutz aus dem Lande.
LPD. Mancher Bauer wird vielleicht noch nicht recht daran glauben wollen, daß auch das flache Land im Ernstfälle durch Lustangriffe gefährdet fein wird. Doch im Kriegsfall wird Der Angreifende immer das Bestreben haben, außer dem Heer und der Kriegsindustrie die Ernährungsgrundlage des Volkes an der Wurzel zu treffen. Hierzu wird er die Luftwaffe einsetzen, die bei einer im zivilen Luftschutz nicht geschulten Landbevölkerung großen Schaden anrichten kann. Und zwar ist als eine der Hauptangriffswaffen auf dem Lande die Brandbombe anzusehen, die infolge ihres verhältnismäßig geringen Gewichts in großen Mengen mitgeführt werden kann.
Der Reichsluftschutzbund wird deshalb nach der Erntezeit seine bereits begonnene Ausbildungsarbeit im „Luftschutz auf dem Lande" in verstärktem Maße fortsetzen. In den vorgesehenen Luftschutzlehrgängen werden die Notwendigkeiten der Anlage von Feuerlöschteichen sowie alle Maßnah
men zum Schutze der Gebäude, der (Betreibe- und Futtervorräte sowie des toten und lebenden Inventars besprochen. Die Aufstellung und Ausbildung von Luftschutzgemeinschaften, die aus mehreren Gehöften gebildet werden, wird angestrebt. Gleich wichtig ist die Schulung in einfachen Ber-
gungsarbetten und In der ersten HilfekeistunL
Es leuchtet ohne weiteres ein, daß diese Ausbiv dungsarbeit auch im Frieden der Schadenverhutung dient. Das gilt nicht nur für die Ausbildung der Landbevölkerung im Brandschutz (in jedem Jahr fallen etwa 400 Millionen Reichsmark Volksvermögen dem Roten Hahn zum Opfer), sondern ebenso für die Schulung in der ersten Hilfeleistung. Auch sie ist in Friedenszeiten von großem Nutzen, denn gar oft gibt es bei den ländlichen Arbeiten Um glücksfälle und Verletzungen.
Starkes Angebot an Bohnen.
Günstige Einkoussmögtichkeil für die haussra».
Die Landesbauernschaft Hessen-Nassau teilt mit, Zur Zeit fallen auf dem Lande und lm Gmtenbait große Mengen von Bohnen an, die ihrer Verwertung zugeführt werden müssen. Für die 5) aus fr au ergibt sich hier eine günstige Einkaufsmoglichkeit zur Eindeckung ihrer Wintervorräte. Zweckmäßig werden die Bohnen abgezogen und über Nacht in Wasser stehen gelassen, am nächsten Tage gewaschen, geschnitten und gesalzen. Auf 10 Pfund Bohnen rechnet man gewöhnlich ein Pfund Salz und jS nach Geschmack Vk Pfund Zucker. Die Bohnen
Als Lustschuhhauswart
kann dle deutsche Iran dem Vaterlande 1 und der Zamilie dienen!
müssen gut eingedrückt werden, damit keine ßufh räume im Topf bzw. Faß entstehen und der Säue, rungsprozeß ungestört vonstatten geht. Es sollt- deshalb keine Hausfrau versäumen, von dem der« zeitigen günstigen Angebot geschmacklich hervor« ragender Bohnen Gebrauch zu machen. Je mehr sich unsere Hausfrauen auf die einheimische Ge« museerzeugung einstellen und bereits im Sommer und Herbst an die Sicherstellung des Winterbedarfs denken, um so günstiger gestaltet sich unsere Ernährungslage. Im Interesse unserer Devisenwirtschaft kann ein noch viel stärkerer Teil des Gemüsebedarfs aus einheimischem Boden gedeckt werden. Niemand sage, daß wir aus dem Ausland Gemüse abnehmen müssen, um selbst ausführen zu können. Denn wir benötigen wichtigere Rohstoffe, die unbedingt ein* geführt werden müßen, als gerade ©emüfeartei^ die im Inland in genügender Menge erzeugt wer« den können.
privatielegramme an Lustreisende.
Dom 1. September an sind Privattelegramme aX Empfänger auf deutschen Flugzeugen 3ugeIaffeiL Die Telegramme werden nach der Auflieferung bet den Telegrammannahmeftellen der Deutschen Reichspost Der für das Empfangsflugzeug in Betracht kommenden Bodenfunkstelle zugeführt, und zwar über die der Aufgabenanstalt nächstgelegens Flugfernmedestelle eines deutschen Flughafens. Die Bodenfunkstelle übermittelt das Telegramm an das Flugzeug. Es find nur Telegramme in offener Sprache mit höchstens 15 Wörtern zugelassen. Die Anschrift muß den Namen des Empfängers, die Bezeichnung der Flugstrecke und den Namen der Flugfernmeldestelle enthalten, die bei der Telegrammannahmestelle zu erfahren ist. Diese Leitstells erhält den Zusatz „Aeradio"; z. B. Müller, Berlin- Köln, Hannover Aeradio. Die Wortgebühr setzt sich zusammen aus der Telegraphengebühr (15 Rpf.), der Landgebühr (30 Rpf.) und der Bordgebühr (15 Rpf.). Bei dringenden Telegrammen wird nur die Telegraphengebühr verdoppelt.
69. Ausstellung und Zuchtviehversteigerung in Wehlar.
Der Reichsverband der Rinderzüchter Deutschlands, Abteilung 5 — Mitteldeutsches Rotvieh — veranstaltet am Freitag, 6. September, 11 Uhr, in Wetzlar (Neue Markthalle) dis 69. Ausstellung und Zuchtviehversteigerung für mitteldeutsches rotes Höhenvieh. Aufgettieben werden 60 Bullen und Rinder über 12 Monate alt mit Leistungsnachweis aus den Zuchten der Unterab* teilungen Oberhessen, Kurhessen, Odenwald, Westfalen, Usingen und Lahn-Dill. Gleichzeitig findet ein Zuchtschweineverkauf des Landesvev-
Der Bauer und feine Flur.
Von Werner Lenz.
Der Begriff Flur ist auch dem Städter bekannt, der sich feiertags so gern in „Feld und Flur" tummelt. Bei der Dreifelderwirtschaft mit ihrer Wechselfolge von Brache, Winterkorn und Sommerkorn spricht man von „drei Flure n". Da die einzelnen Aecker grundätzlich rechteckig geschnitten waren, so hat sich der Begriff „F l u r" auch im Hause, nämlich für den meist länglich-viereckigen Serbin* dungsgang zwischen den Zimmern eingebürgert. Die „© e m e i n b e f I u r" enthält nach vorherrschendem Sprachgebrauch die gesamten Liegenschaften der bäuerlichen Gemeinde. Sie zerfällt in die „G e - ö a n n f l u r", deren Fruchtfolge mancherorts durch festen „Flurzwang" bestimmt wurde. „Gewanne^ sind die eingangs erwähnten rechtwinkligen Feldabschnitte der „Gemarkung" oder „Dorfmark". Das Wort „Gewanne" kommt vom althochdeutschen „giwinnan" her, bedeutet also dasjenige Ackerland, das der einzelne Dorfgenosse bei der Verteilung der Dorfflur für seine Bearbeitung gewinnt. Er gewinnt es durch das „L o s", althochdeutsch „hloz", das ist der ihm zufallende Anteil am Gemeindeland. Die Verteilung wurde peinlich genau, gerecht und gleichwertig vorgenommen.
Der Begriff „Gewanne" umfaßt das „Brachland" und die „Z e l ch e", „Zelge", „Zelche" ist das bestellte Ackerland. Für Brachland sagt man niederdeutsch auch „Le ho e", das ist zur Zeit nicht bestelltes Land, das aber schon unter Kultur gestanden hat. Zur Flur der „Markgenossen"-Marken sind die Grenzen des Gesamtbesitzes — gehört sodann die „Allmende", mittelhochdeutsch „almanbe"; bas bebeutet schlichthin „Allgemeinheit". Zunächst versteht man darunter Den Teil der Gemeindeflur, der als Wald und Weide gemeinsam benutzt wird. Ist die Gewanneinteilung heute zumeist vom persönlichen Eigentum, vom erblichen Hofbesitz ober vom Pachtrechte abgelöst, so besteht gleichwohl der All- menbebegriff noch mancherorts, zumal in Süd- deutschlanb. Er ist somit ein Rest bes liegenschast- liehen Gemeinschaftseigentums der Dorf- und Mark- genoffen.
Der Eigenbesitz eines Bauern, aber auch das gesamte ihm zufallende „Los" mit allen Rechten und Pflichten wurde schon frühzeitig mit „Hufe" althochdeutsch ,huoba" bezeichnet. Ein „Hüfner" ober „Hübner" ist also letzten Endes der „Hofbesitzer". Das Wort J)of" hat sich.daraus ent
wickelt, bedeutet aber ursprünglich mehr, als man meist darunter versteht. Erst das „Erbhofgesetz" hat das Verdienst, uns den Begriff Hof in feiner alten Bedeutung, d. h. also das landwirtschaftlich genutzte Eigentum mit seinen Rechten und Lasten, ja selbst mit einem Teil seiner Fahrnis, dem Hofzubehör, wieder nahegebracht zu haben. Auch ber wieber aufgenommene Begriff „Acker- Nahrung" dieses Grundgesetzes der Bauernreform ist urgermanisch. Die Hufen, die Höfe nämlich wurden bei ihrer Vergebung an den Dorfgenossen ehedem nach dem DÜrchschnittsbedarfe einer Bauernfamilie errechnet und abgesteckt. So umfaßte ein Hof — also Ackerland einschließlich Hofstätte — ursprünglich soviel Land, wie ein Bauer mit Hilfe ber Seinen, mit einem Pfluge und mit einem Gespann bewirtschaften kann und ihnen die „Ackernahrung" sichert.
Ist die Hufe somit das Gesamtackermaß des Besitzers einschließlich seiner sonstigen kommunalsozialen Bindungen, also Weiberecht auf ber Allmende, Schutzpflicht bei Feuersnot und sonstiger Gefahr, so steht sie rein räumlich in einem festen Begriffsverhältnis zu den kleinen Teilmassen, die man „M orgen , „I o ch", „Tagesmahd" oder „M a n n e s m a h d" nennt, je nach dem was durchschnittlich an einem Tage mit der Hand gesät ober geschnitten ober mit einem Joch Ochsen umgepflügt werben kann. Je nach ben örtlichen Verhältnissen — Lage, Schwere, Güte bes Bobens unb besonders nach Dem Wirtschaftscharakter des betreffenden Gaues — sind die Hufen größer oder kleiner gewesen. In Pommern nannte man beispielsweise vor Hunderten von Jahren „Heyn-Hufen" solche Höfe, Die 60 Morgen groß waren. Schlichthin „Land- Hufen" nannte man solche von 30 Morgen. Außerdem gab es „Hacken-Hufen" von 15 Morgen. Mit ber leibigen Erbzersplitterung, die heute bas Erbhofrecht erfolgreich bekämpft, entstauben Dann überall „Halbhufen", „Diertelhufen" usw. Eine „Rotthufe" umfaßt bis zu 160 Morgen — wenn auch wohl selten — unb zwar eine durch Rodung gewonnene Hufe auf ,Königsland", hieß also auch „Königshufe". Da bei ber Gewannverteilung bie einzelnen Aecker „im Gemenge", also verstreut, lagen, bemühten sich bie Vorkämpfer von Bauernreformen stets, bie ^Flurstreifei/ des einzelnen Dorfgenossen durch Austausch zusammenzulegen, um die Bewirtschaftung zu erleichtern: doch ist auch heute noch oft die uralte Gewannteilung erkennbar.
Der alte ßlefontenjäger.
Wenn man den alten Kwesi Kunsu fragt, was er für einen Beruf habe, so sagt er stolz: „Ich hin Elefantenjäger!" In der Tat hat dieser wackere Krieger, Der heute friedlich in einem Aschanti-Dors im Herzen des Schwarzen Erdteils wohnt, schon von Kindesbeinen an viele schwierige Jagdabenteuer mit den Kolossen des Urwaldes bestanden. Wenn man feinen Erzählungen folgt — und man darf ihnen sicher Glauben schenken —, so kann man sich errechnen, daß Kwesi Kunsu im Verlaus seines Lebens ungefähr zwanzig Elefanten, zwei Löwen und mehr als achthundert Büffel erlegt hat. Man muß Dabei bedenken, wie spärlich die Jagdausrüstung dieses Eingeborenen bei seinen Beutezügen gewesen ist. Die Flinte, die er kaum aus den Händen legte, war die einzige Waffe, mit der er den ßrnchen Gegnern zu Leibe rückte. Als Kwesi
,n ein kleiner Knabe war, gab ihm fein Großvater zwei Ratschläge für feinen Beruf mit auf den Weg. „Vergiß nie, daß Der Elefant zwar nicht weit sieht, aber einen scharfen Geruchssinn hat", sagte er, „und Dann schieße immer in feine Achselhöhle, Da du so seinem Herzen am nächsten kommst." Diese Ratschläge hat Kwesi Kunsu Denn auch befolgt, was ihn allerdings nicht davor bewahrte, daß er fehl traf und fein Heil m der Flucht suchen mußte. Er erlerne es, wie fein eigener Bruder vor feinen Augen von einem Elefanten zu Tode gemalmt wurde, und er selbst enttarn oft nur mit größter Mühe diesem schrecklichen Tod. Ost mußte er viele Tage Den Spuren des Wildes folgen, ehe er zum Angriff übergehen konnte, und mancher feiner Beutezüge hat sich nicht gelohnt. Uebrigens jagte Kwesi Kunsu immer im Auftrage Des Häuptlings feines Stammes, und jeder Elefant, den er erlegte, gehörte Omanhene. Allerdings erhielt er immer einen Anteil an Der Beute, und er war zufrieden, wenn er ein wenig Geld, ein Schaf, ein Gewarck oder etwas Schießpulver als Lohn für feine wochenlange Mühe erhielt. Heute ist Kwesi Kunfu geradezu ein wohlhavenber Mann; er hat eine kleine Hütte, ein oder zwei farbige Kleider und eine Alarmglocke, bie nicht mehr ganz in Ordnung ist. Dafür aber genießt er bei seinem Stamm als erfahrener Elefantenjäger ein großes Ansehen, und wenn er bes Abends beim Lagerfeuer von seinen Abenteuern berichtet, bann will jeder ihm zur Seite sitzen, um keines feiner Worte zu überhören. Kwesi Kunsu hat sich übrigens zum Christentum bekehrt. Wenn man ihn fragt* was sich Lxümrch
in seinem Leben geändert habe, so antwortet et bereitwillig: „Früher muhte ich fünf Frauen haben und hatte meinen Merger mit ihnen. Nun habe ich eine Frau, unb es ist friedlich um mich. Es herrsch Frieden in meinem Haus und es ist Friede in meinem Herzen. Und manchmal bin ick so froh» daß ich vor Freude zu fingen anfange/ Als ihn kürzlich ein Europäer in seiner Hütte aufsuchte und sich ein „Interview" mit ihm erbat, zeigte er viel Verständnis für die Fragen Des weißen Mannes» Aber als dieser ihm als Dank zum Abschied seine Photographie schenkte, wußte er nichts Rechtes Damit anzufangen. Er betrachtete sie kopfschüttelnd und konnte nicht herausfinden, daß ber Dargestellte eben Der weihe Mann sei, mit Dem er sich geraume Zeit unterhalten habe. So scharf Das Auge Des alten Elefantenjägers auch auf Dem Beutezug ist^ eine Photographie gibt ihm Rätsel auf, die er in seinem Leben nicht mehr lösen wird.
Oer gutmütige Kant.
Obwohl Kant bei feinem Tode ein beträchtliches Vermögen hinterließ, das er sich durch die größte Sparsamkeit in seinen späteren Jahren erworben, ging es ihm doch in den Anfängen feiner Lehrtätigkeit recht schlecht, und er war auf die pünktliche Zahlung der Kollegiengelder angewiesen. Ein Student, der sich auch nicht in glänzenden Verhältnissen befand, blieb ihm einmal Das Honorar von 4 Talern für Das Semester schulDig. Als er schließlich in Den Besitz Des Geldes gelangte, eilte er sofort zu seinem Lehrer und bat um Entschuldigung, daß er Das Geld solange nicht habe zahlen können. Aber Kant erwiderte: „Zur Bezahlung meiner Miete fehlt mir gerade noch ein Taler — den will ich von Ihrem Gelbe annehmen. Das übrige aber nehmen Sie für sich: Sie brauchen es noch nötiger als ich."
Hochschulnachrichien.
Professor Dr. Böhmer an Der Medizinischen Akademie in Düsseldorf ist zum Ordinarius füt gerichtliche und sozial Medizin ernannt worden.
Mit dem Ablaist bes Sommerhalbjahres find an Der Universität Breslau folgende ordentlichen Professoren von ihren amtlichen Verpflichtungen entbunden worden: Professor Dr. Friedrich Henks (Pathologie), Professor Dr. Wilhelm Kroll (Klassische Philologie), Professor Dr. Eugen Kühne» mann (Philosophie) und Professor Dr. Karn nagel (Altes Testaments


