Ausgabe 
2.9.1935
 
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Nr. 204 Drittes Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesien)

Montag, 2. September 1955

Das BDM-Spottfest in Gießen.

Am gestrigen Sonntag stand der Universiiäts- fportplatz in Gießen ganz im festlichen Zeichen des Sports deutscher Mädel. BDM.-Untergau und Jungmädeluntergau 116 hielten ihr diesjähriges Sportfest ab. Dieser Sporttag bewies wieder ein­mal, in welch hervorragender Weife deutschen Mä­deln in den Reihen des BDM. eine Erziehung zu­teil wird, die sich nicht nur auf sportliche Dinge jur körperlichen und gesunden Ertüchtigung erstreckt, sondern hiermit verbindend auf weltanschauliche Schulung, Kameradschaftlichkeit und eine Reihe an­derer fürs praktische Leben geeigneter Dinge zurück­greift.

Die Morgenfeier.

Der Tag selbst begann am Dormittag durch eine schlichte Morgenfeier. Die verschiedenen Gruppen des Untergaues hatten sich auf dem großen Platz verteilt aufgestellt, im Vordergrund zu beiden Sei­ten des Rednerpodiums die Wimpelgruppen. Die Feier wurde mit einem Lied eingeleitet, worauf ein Sprechchor zum Vortrag gebracht wurde, der in schöner Form symbolisch Wollen und Aufgaben des BDM. darlegte. Hierauf ergriff die

Führerin des Untergaues 116 Käthe Pfeffer

das Wort zu folgenden Ausführungen: Meine Kameradinnen!

Wenn ich heute am 1. Sportfest des Untergaues 116 zu euch spreche, so wollen wir daran denken, daß wir im BDM. eine einsatzbereite Kampftruppe sein müssen, auf die man sich unbedingt verlassen kann, denn wer leben will, der muß kämpfen und

Hierauf ertönt das Kommando:Heiß Flagge", die Arme erheben sich zum deutschen Gruß und an den beiden Fahnenmasten steigen die Fahnen des jungen Deutschlands empor. Rach dem Liede: Unter der Fahne schreiten wir" begrüßt die Unter­gauführerin die zahlreich erschienenen Eltern und Zuschauer und betont in einigen kurzen Worten die Bedeutung dieses BDM.-Sporttages. Im BDM. werde heute das großmöglichste getan und einge­setzt, um durch planmäßige körperliche Ertüchtigung deutsche Mädels im nationalsozialistischen Sinne zu erziehen irn Dienste für Führer, Volk und Vaterland.

Wettkampf, Vorführungen, Volkstanz.

In derKörperschule des BdM." zeigten Massen­freiübungen die sportliche Breitenarbeit. In ansehn­lich schöner Form wird hier die mannigfache ayrn- nastische Körperbeherrschung des Mädels vor Augen geführt. Das Bodenturnen, die Spielwiese und die Seilübungen der Jungmädels lassen die körperliche Ertüchtigung bis zu den Jüngsten der Mädels er­kennen. Es folgt der BdM.-Mannschaftsmehrkampf, bestehend aus den 5 Hebungen: 75-Meter-Lauf, Hochsprung, Weitsprung, Schlagballweitwurf und Kugelstoßen

Während der Durchführung dieses Fünfkampfes, der an verschiedenen Teilen des Sportplatzes gleich­zeitig zum Austrag kommt, treten die Jungmädels zu ihrem Mannschaftskampf, dem Stafetten- laufen, an. Hieran schließen sich als Abschluß der Vvrführungen dieses außerordentlich gut ge­lungenen ersten Sporttages des Untergaues 116 die Volkstänze an. Rach den Klängen des Schiffer-

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on schöner Disziplin iDeruen irremr>urigen geze-g:

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Die Mädchen bei ihrer luftigen

wer nicht kämpfen will auf dieser Welt eines ewigen Ringens, der verdient feine Daseinsberech­tigung. Und das müssen wir auch in unseren Reihen. Rach dem 30. Januar sind viele zu uns gekommen, viele aber auch, die nicht zu uns paßten, find wie­der gegangen. Und das ist weiter nicht schlimm. Vorher waren wir nur eine geringe Gruppe, die ein felsenfester einsatzbereiter Kampfgeist beseelte. Und ein Geist wie der damalige muß auch heute wieder in unseren Reihen herrschen, damit wir den Aufgaben gewachsen sind, die uns gestellt sind. Wir wollen Mädels sein, ganze Kerle an Leib und Seele, wir wollen unser ganzes Leben einstellen auf die Arbeit in unserem Bund, wir wollen das Werk des Führers weiterführen mit all unserer Kraft nur für Deutschland und seine leuchtenden Fahnen. _

Am Nachmittag liegt herrlichster Sonnenschein über dem Universitäts-Sportplatz. Die Kapelle der Arbeitsdienstgruppe 222 unter Leitung von Mufik- zugführer Knaf sorgt mit schneidigen Marschen für die Unterhaltung der zahlreichen Zuschauer während der Pausen. In flottem Marschschritt er­folgt dann zur angegebenen Zeit der Einmarsch sämtlicher Formationen des Untergaues 116, und nach der exakten Aufstellung bietet die schwarz- weiße Sportkleidung vor dem grünen Wald des Hintergrundes ein anmutiges Bild. Nach einem Fanfarenmarsch des Gießener Jungvolks folgt em gemeinsam gesungenes Lied. Alsdann wird folgen­der Fahnenspruch Dorgetragen:

Wir wollen stets in stiller Ehrfurcht stehn An allen Fahnen, die der Freiheit wehn, Vor allen Menschen, die gerecht und gut, vor jeder Mutter und vor jedem Mut! Und alle, die zur Ehrfurcht sich bekennen, Wollen wir Bruder unseres Blutes nennen; Doch den, der diese tiefe Treue schmäht, Vekämvien wir. Der Kampf ist uns Gebet!

llaviers, das natürlich auch von Mädels gespielt wird, drehen sich die Tanzenden in ihren bunten Kleidern und geben so ein malerisch schönes Bild ab.

Sodann ergreift die stellvertretende

Obergauführenn Elise Daab

das Wort: Der heutige Sporttag ist beendet. In 17 Städten unseres Obergaues waren heute die Mädels angetreten um Rechenschaft darüber abzu­legen, was sie auf dem für sie eigenem Gebiet des Sports geleistet Sport ist ein wesentlicher Bestand­teil unserer weltanschaulichen Schulung, bedeutet die durch ihn bedingte körperliche Beherrschung die Grundlage unserer inneren Haltung, Erziehung zur Gemeinschaft und gleichzeitig Dienst am Volke. Es geht nicht darum, das Können des Einzelnen in den Vordergrund zu rücken, sondern nur um den Dienst der Gesamtheit gegenüber, um die Grundlage innerer Haltung nach außen hin als Zeichen der Disziplin, die das Gesicht geben soll für eine kom­mende Generation. Körperertüchtigung, Pflicht und Dienst am Volke, ein gesunder Geist in einem ge­sunden Körper, das sind die Dinge, die uns zu ge­sunden Mädels werden lassen und die unser Ziel sind. Und wer hier nicht kann mit uns laufen, der mag sich verschnaufen, bis an den jüngsten Tag.

Die Untergauführerin 116 nimmt sodann die

Siegerverkündung

vor und verteilt die Siegerpreise in Gestalt von Medizin- und Handbällen, Speeren und Bogen zum Pfeilschießen.

Die Fahnen werden während demLied der Jugend" niedergeholt. Die einzelnen Gruppen rücken .mit Gesang und dem Gefühl innerer Befriedigung über den wohlgelungenen Tag in ihre Standorte lab.

Der BDM. erfreut viele Zuschauer mit schönen Volkstänzen.

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Ergebnisse des Mannschastskampfes.

1.

Gruppe

3/116, Gießen - Mitte

409 Punkte

2.

2/116, Gießen - Nord

379

3.

18/116, Heuchelheim

367

H

4.

4/116, Gießen - Oft

364

M

5.

15/116, Leihgestern

334

6.

1/116, Gießen-Süd

325

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7.

9/116, Grünberg

321

II

8.

5/116, Lollar

301

II

9.

II

17/116, Klein - Linden

297

II

10. Gruppe 13/116, Hungen 294 Punkte

11. 7/116, Allendorf/Lumda 269

12. 14/116, Watzenborn-Stbg. 249

13. 12/116, Lich 202

16/116, Großen - Linden 202

14. 10/116, Reiskirchen 200

Sfafetfenlauf der 3ungmäbel (321L):

1. Gruppe 4/116, Gießen-Ost; 2. Gruppe 1/116, Gießen-Süd; 3. Gruppe 2/116, Gießen-Nord.

Aus her Provinzialhauptstadt.

Oie Bekämpfung der Landflucht!

Der Rhythmus der Arbeit in deutschen Landen ist in den letzten zwei Jahren ein anderer geworden. Nicht nur in der Stadt, nicht nur in der Industrie ist diese Wandlung festzustellen, sondern ebensosehr auf dem Lande. Da marschieren singende Kolonnen, straff gegliedert und ausgerichtet zur Arbeit, und wenn man, ganz gleich in welcher deutschen Land­schaft, fragt, zu welchem Dienst diese jungen Men­schen ziehen dann hört man immer nur eins: Arbeitsdienst oder Landdienst? Arbeitsdienst da weiß ein jede gleich Bescheid, aber Landdienst. Ob sich wohl alle der besonderen Bedeutung dieser frei­willigen Dienstleistung bewußt sind?

Landdienst! Ein Wort, das mehr an deutschem Schicksal in sich trägt, als mancher wohl glauben mag. Landdienstler! Das sind die ersten und vor­dersten Stoßtrupps jener Front, die dem Grundübel der Landflucht schärfsten Kampf angesagt hat. Wäh­rend langer Jahrzehnte waren die deutschen Menschen vom Lande geflohen, während langer Jahrzehnte war die Stadt mit ihren beque­meren Arbeitsmöglichkeiten die große Sehnsucht gewesen. So war denn im Laufe weniger Jahr­zehnte das deutsche Volk von einem überwiegenden Bauernoolk zu einem Volk der Stadtmenschen ge­worden Die gesunde Grundlage einer bäuerlichen Wirtschaft war zugunsten der Industrie und des Handels vernachlässigt, ja man kann fast sagen, vernichtet worden. Und dann war dieser Aufstieg der städtischen Lebenshaltung eines Tages zerrüttet. Mit der Krise der Weltwirtschaft kam der Zusam­menbruch eines Großteils der städtischen Berufe. Die Arbeitslosigkeit stieg; Hunger und Not waren ständige Gäste des deutschen Volkes geworden. Ge­gen diese Not marschieren nun die jungen Kamera­den des Landdienstes. Kampf der Landflucht das ist der Feldruf. Heraus aus der Stadt, die nicht allen Arbeit geben kann, und heraus auf das Land, das heute schon dringend nach geeigneten Arbeits­kräften sucht. Je größer der Einsatz des Bauern­tums in der Erzeugungsschlacht wird, desto größer wird auch der Bedarf an Arbeitskräften. Der Auf­ruf an die deutsche Jugend ist nicht umsonst er­gangen. 160 000 Landhelfer und Landhelferinnen find im letzten Sommer und 60 000 bis 70 000 auch im Winter in der Landwirtschaft während eines jeden Monats tätig gewesen. Aber man begnügt sich nicht mit diesem einen Erfolg. Durch den Ar­beitsplatzaustausch können weiter mehrere zehn­tausend junge Arbeitskräfte der Landwirtschaft zu­geführt werden. 110 000 Arbeitsplätze sind bisher ausgetauscht worden, und der weitaus größte Teil der freiwerdenden Jungmannschaft ist zur Dienst­leistung in die Landwirtschaft übergegangen. Die Zuwanderung ländlicher Volksgenossen in die Städte mit noch verhältnismäßig hoher Arbeitslosenziffer

wird mit gesetzlichen Bestimmungen unterbunden. Der Präsident der Reichsanstalt für Arbeitsvermitt­lung und Arbeitslosenversicherung hat sogar das Recht, in bestehende Arbeitsverhältnisse einzugreifen, um der Landwirtschaft kundige und erfahrene Ar­beitskräfte zuzuführen.

Die verantwortlichen Leiter all dieser Maßnah­men sind sich darüber klar, daß damit der eigent­liche Grund der Landflucht noch nicht beseitigt ist. Diesen zu beseitigen, bedarf es einer gründlichen und umfassenden Vorarbeit. Zunächst muß die Be­deutung des Bauernlebens jedem Volksgenossen vor Augen geführt werden. Erzieherische Maßnahmen sind notwendig, um die Stadtmenschen wieder mit der Natur in Verbindung zu bringen. Dann muß dafür gesorgt werden, daß auch auf dem Lande eine Form des geselligen Zusammenlebens erreicht wird, welche die besonderen Unterhaltungen der Stadt für bäuerliche Menschen unnötig macht. Das Volk muß den Willen zum Bauerntum wieder­bekommen dann wird auch der Landflucht bald ein Ende bereitet werden können!

Deutsche Arbeitsfront.

Ortsgruppe Gießen-Süd.

Am Mittwoch, 4. September, findet eine Amts­walterbesprechung abends 8.30 Uhr in der GastwirtschaftZum Graf Zeppelin", Wilhelm- straße, statt.

Es ist Pflicht eines jeden Amtswalters (Zellen-, Block- und Betriebsgemeinfchaftswalter), pünktlich zu erscheinen.

Wegen der Wichtigkeit der Besprechung bitten wir, sich für diesen Abend freizuhalten.

Heil Hitler!

gez. Schmidt, Ortsgruppenwalter^ NSLB. Fachschaft Volksschule, <Sieheu-S>tadt.

Sitzung der Arbeitsgemeinschaft Deutsch am Mittwoch, 4. September, 16 Uhr pünktlich, im Lehrer­zimmer der Schillerschule (Die Feier").

Beamte besuchen die Ausstellung Mein-Mainische Wirtschaft.

Eine Aufforderung der Hessischen Landesregierung.

An alle unterstellten Behörden, Gemeinden, Ge­meindeverbände und Körperschaften öffentlichen Rechtes richtete die Landesregierung eine Auf­forderung, in der es u. a. heißt:

Weit über die Grenzen unseres Heimatgebietes hinaus hat die AusstellungDie Rhein- Mainische Wirtschaft" das Aufsehen aller Kreise erregt. In jedem Volksgenossen oertieft der Besuch der Ausstellung das Wissen um die Dinge seiner Heimat und erweckt in ihm das Verständnis

Die stellvertretende Gausührerin spricht zur Siegerverkündigung. (Aufnahmen [4]: Photo-Pfaff.)

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