Nr. 204 Zweites Blatt
Montag, 2. September 1955
Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)
ASIahre Gpietvereinigung 1900 Gießen
um- aus, dem viel-
Ich trat eine Weile zwischen den Gräbern her, ich schritt den Friedhof in allen Ecken und darüber vergaß ich ganz, daß ich so nahe Tode und der Verwesung war. Mich deuchte mehr, ich sei in einem alten lieben Garten.
der zunächst die Glückwünsche des Oberbürgermeisters überbrachte. In seinen, mit besonderem Interesse oerfolgten Ausführungen betonte der Redner, daß man sich bei der Stadtverwaltung darüber klar sei, daß in unserer Stadt noch vieles für den Sport zu tun sei. Ueberall seien noch Wünsche offen. Das aber, was zu Gunsten und zur Förde» rung des Sportes in unserer Stadt geschehen solle, "üsse nach klaren Richtlinien geschehen. Man dürfe
ledigen sucht. „Kerl, was machst du da?" ruft er ihn an. „Ich laufe", antwortete jener barsch; und Leopold, indem er in die Tasche greift, versetzt Aufheben: „Da tust du wohl, mein Sohn! Nimm da
Eine Grab-Lnschrist.
Von Karl Burkeri.
In einem kleinen schwäbischen Dorffriedhof hab' ich sie gelesen. Von einer rauhen, grasigen Brockenmauer war er umfangen. So breit war sie, daß ein wegmüder Wanderbursche sich bequem auf ihr zum Schlaf hinstrecken konnte. Ein schöneres Bett als dies war auf der ganzen weiten Welt schon gar nicht zu haben. Denn da ruhte man auf lauter gelbblühendem Steinpfeffer wie auf goldenen Polstern und die blauen, krispelnden Glocken, die aus allen Ritzen wuchsen, wehten einem immerzu übers Gesicht, sangen einem ein hauchzartes Schlummerlied.
Der Mann, -er Wasserflöhe sängt...
.. und andere seltsame Berufe. - Gewerbe, von denen man selten spricht.
nicht in den Fehler verfallen, alles auf einen großen Wurf machen zu wollen. Es gelte vielmehr, einen genauen Plan aufzuftellen, der dann allmählich, Stück für Stück, feiner Verwirklichung entgegengebracht werden müsse. Alle Beteiligten mühten sich einmal zusammensetzen und den Plan vorbereiten helfen. Die Stadtverwaltung werde nach besten Kräften helfend einspringen. Die Erfüllung bestehender Wünsche sei allerdings jetzt nicht möglich, da die Stadt Gießen gegenwärtig starken finanziellen Belastungen gerecht werden müsse. In seinen weiteren Ausführungen gab Bürgermeister Dr. Hamm einige persönliche Erinnerungen aus seiner aktiven Tätigkeit im Fuhballsport in zwanglos erzählender Form zur Kenntnis und bot damit gleichzeitig einen kurzen geschichtlichen Abriß über Oie Entwicklung des Fußballsports in Deutschland. Seine Worte wurden mit starkem Beifall ausgenommen.
In einer längeren Ansprache vermittelte dann das
Vereinsmitglied Karl Müller
einen sehr sorgfältig ausgearbeiteten Rückblick auf die Geschichte der Spielvereinigung 1900 und rief damit vielen alten Mitgliedern schöne Erinnerungen wach. Er kennzeichnete dabei klar den Weg des Fußballsportes in Gießen und wußte sehr viele Einzelheiten zu berichten. Er schilderte die Schwierigkeiten, die dem Fuhballsport und seiner Entwicklung entgegenstanden, aber auch die große Freudigkeit, mit der die Jugend dem neuen Sport huldigte. Er sprach von den verschiedenen Vereins- grünbungen im Fußballsport unserer Stadt und stellte besonders die Höhepunkte in der Dereinsge- fchichte der Spielvereinigung 1900 heraus. Er gedachte hierbei auch der 63 gefallenen Sportkameraden, die im Weltkriege den Heldentod für bas Vaterland starben. Die Anwesenden erhoben sich zu ihrem Gedenken von den Plätzen. Die Musik spielte das Lied vom guten Kameraden. Mit richtungsweisen Gedanken über die Zukunft des Vereins und feine Arbeit für die Ertüchtigung der Jugend, mit einem dreifachen Sieg-Heil auf Führer und Vaterland fand der anregende Vortrag feinen Abschluß. Gemeinsam wurden sodann die ersten Verse des Deutschland- und des Horst-Wessel-Liedes gesungen.
Der Kreisführer im Kreise Gießen des DFB.
H. Henkel
überbrachte im weiteren Verlauf des Abends die Grüße und Glückwünsche des Gauführers im Gau Nordhefsen des DFB. (Oberftudienrat Riemann). Gleichzeitig nahm er Gelegenheit, zwei Mitglieder der Spieloereinigung 1900, und zwar Karl Keiner, den derzeitigen zweiten Dereinsführer, und Ernst B ö tz in besonderer Weise auszuzeichnen.
nen Reisetasche, in der die Futtertüten untergebracht sind, und aus einem schwarzen Schild, auf dem in weißer Schrift weithin lesbar geschrieben steht: „Vogelfutter 10 Pfennige! Tierfreunde, Tauben nicht jagen!"
„An warmen Tagen geht das Geschäft ganz gut", sagt „Taubenmaxe^ und berichtet, wie er zu diesem einzigartigen Beruf kam. „Eines Tages aß ich als Arbeitsloser zur Mittagszeit hier auf der Bank meine Stulle. Plötzlich kamen unzählige Tauben und halfen mir, mein Mittagbrot zu verzehren. Da dachte ich mir, bei der großen Tierfreundlichkeit der Berliner müßte man diese Beobachtung auswerten und den Leuten, die hier auf den Bänken fitzen, Taubenfutter verkaufen. Don diesem Augenblick an war mir und den Tauben geholfen!"
Die Tauben vom Lustgarten kennen ihren Maxe schon genau und fliegen ihm, sobald er im Park erscheint, flügelrauschend entgegen. Sie nehmen ihm die Futterkörner nicht nur aus der Hand, sondern im Notfall auch von seinem Munde.
Wenn „Taubenmaxe" am Abend seinen „Laden" zusammenpackt, die Futtertüten ausverkauft hat und den Heimweg antritt, umgirren ihn Dutzende von wohlgenährten Tauben, die ihn dankbar ein Stück Wegs begleiten.
Zwei Brüder ziehen Kirchenturmuhren auf.
Es gibt ein Brüderpaar in Berlin, das klettert jeden „geschlagenen" Abend hoch über den Dächern von Berlin in den Kirchturmspitzen herum, um die Turmuhren aufzuziehen, ihren Gang zu regulieren und Schäden zu beseitigen.
Jede Uhr kommt ungefähr alle sechs Tage an die Reihe! Nur die Sophienkirche, das Schmerzenskind der Turmspezialisten, verlangt eine zweimalig« Bedienung am Tag. „Die Reparaturen müssen hoch oben an Ort und Stelle vorgenommen werden", klärt einer der seltsamen Kletterkünstler auf, „weil man zur Fortschaffung der Uhren Lastautos brauchen würde und außerdem in den meisten Fällen das Abmontieren gar nicht möglich wäre, weil es bei der Anbringung der Turmuhren nicht vorgesehen wurde."
Meist sind es Zentnergewichte, mit denen diese beiden Berliner Turmuhrmacher umgehen müssen. Das Herumtumen im Uhrwerk hoch über den Glocken wird im Winter doppelt schwiehg durch die heftige Kälte, die nicht selten die Zeiger vereist und die arbeitenden Hände steif werden läßt.
voraus, und fetzt sich eine Strecke weiter, wo Leopold sogleich vorbei muß, in gleicher Beschäftigung am Wege hin. Aber der Schnurrbart hat schon die ganze Sache durchschaut: „Was machst du, Kerl?" fragte er auch diesen, und behend: „Ich suche Läuse",, antwortete der, des Talers schon gewiß. „So?" ver- setzte Leopold, „nun da geh nur" — mit der Hand zurückweisend — „zu dem dort, der hat welche." —
Dann ein rührender Zug aus dem Leben des alten „Schnurrbarts": Seine Tochter Luise, regierende Fürstin von Anhalt-Bernburg, lag hoffnungslos darnieder; sie wünschte vor ihrem Ende noch zum letztenmal ihren Vater ander Spitze seines Re- giments aus den Fenstern ihres Schlosses zu sehen. Einem solchen Wunsche der geliebten Tochter konnte Leopold nicht anders als willfahren. In tiefster Iraurigfeit brach er mit feinem ganzen Regimen^ von Halle nach Bernburg auf; kaum daselbst ringe- rückt, warf er sich lautschluchzend zur Erde und betete voll Inbrunst: „Herr, ich bin kein solcher Lump, der dir bei jeder Hundsfötterei mit Gebeten beschwerlich fällt. Ich komme nicht oft, will auch so- bald nicht wiederkommen: so hilf mir denn auch jetzt und laß meine Tochter gesund werden!" Inzwischen rückte das Regiment unter Kriegsmusik über den Schloßhof; die Fürfttn erhob sich zum Fenster und bezeigte die größte Zufriedenheit über die schönen Truppen, welche Leopold unter Heulen und Weinen ihre Uebungen machen lieh. Das Regiment wurde hierauf mit Bier und Brot bewirtet, die Offiziere speisten an der fürstlichen Tafel, Leopold aber verlieh die Versammlung, setzte sich auf das Geländer der Saalebrücke und meinte.
Die Fürstin überlebte dies Schauspiel nur wenige Tage; der Vater kehrte voll herben Kummers mit seinem Regimente nach Halle zurück. Jahrelang nachher lud ihn der Fürst von Anhalt-Bernburg zu sich ein; Leopold versprach zu kommen, und begab sich von Halle mit großem Gefolge dahin auf den Weg; dicht vor Bernburg aber, als er des Schlosses ansichtig wurde, hielt er an und kehrte kopfschüttelnd wieder um, indem er sagte: „Ich mag den Ort nicht wiedersehen, wo meine Luise hat sterben müssen."
Und nun ein anderes Bild: Der Alte Deffauer vor der Schlacht bei Kesselsdorf! Indem die ganze Linie der Preußen mächttg anrückte, setzte sich Leopold an die Spitze dreier Grenadierbataillone, unterstützt von drei Bataillonen seines Regiments, hütete laut gen Himmel das Gebet: „Lieber Gott, steh' mir heute gnädig bei, oder, willst du mir diesmal nicht beistehn, so hilf wenigstens auch den Schurken von Feinden nicht, sondern sieh, wie's kommt!" — rief dann mit gezogenem Degen: „In Gottes Namen! Marsch!" und führte den siegreichen Angriff! g«rade-u gegen di« Spitze von JUflelrtorU* I
noch gekonnt hatte und die inzwischen in Vergessenheit gekommen sind, wie so manches.
Aber das Schönste bleibt zu sagen noch übrig. Das Schönste war der Spruch im unteren Feld der Tafel. „Ich bin eingegangen in die ewige Stille!" hieß es da. Ich weih nicht, wie lang ich fjinge- ftanben bin vor diese sieben Worte. Mir war, ich könnte die Augen nicht mehr von ihnen losbekommen. Dreimal ging ich hinweg und ebensooft muhte ich, wie von einer unsichtbaren Hand geschoben, wieder zurückkehren.
„In die ewige Sttlle!" klang und fang es in mir. Klang und fang es rings in Der Luft und flüsterte es in.allen Gräsern und Blumen. „In die Sttlle!" Wo kein Äug', kein Ohr, kein Herzschlag mehr ist, keine Begierde, kein Wunsch, keine Schmerzen. Wo es keine Sehnsucht mehr gibt, die sich in der Erfüllung verzehren muß, wie sich jedes Feuer, jede Hitze zuletzt verzehrt. Wo keine Freuden mehr locken, die doch alle, alle verwelken müssen. „Sttlle!" Das heißt: Heimkehr in den Ursprung. Wieder erlöst werden aus der Vielheit und zurückgenommen werden in die Einheit. Wieder versinken in das Geheimnis, das wir Gott nennen. Mich dünkt, einen schöneren Grabspruch hätte ich nie gelesen.
„Go leben wir,so leben wir..
Geschichten vom Alten Dessauer
In dem Anhalt-Dessau gewidmeten neuesten Heft der „Illustrirten Zeitung", Leipzig, erzählt Staats- minifter a. D. Dr. Müller geschichtliche Erinnerungen aus Anhalt und Dessau, in denen auch die zahllosen Geschichten über den Schöpfer der preußi- schen Infanterie, den Sieger von Kesselsdorf und Berater des Soldatenkönigs Friedrich Wilhelm von Preußen, den als Alten Dessauer volkstümlich gewordenen Fürsten erzählt werden. An ihn erinnert uns auch der Dessauer Marsch mit dem untergelegten Text: „So leben wir, so leben wir alle Tage in der allerschönsten Saufkompanie!", vor allem aber ist seine romantische Liebesheirat mit der Apothekerstochter Anneliese Föse aus Dessau allbekannt und auf der Bühne wie im Film schon verherrlicht worden.
Als Probe des wilden Humors des Alten Dessauers werden folgende Anekdoten mitgeteilt: „Einesmals trifft Leopold vor dem Tor am Wege einen Soldaten sitzend, der sich Ungeziefers zu ent-
Wilhelmshaven.
Um die Namensgebung der Stadt Wilhelmshaven spinnt sich eine kleine, reizende Anekdote:
Um die Mitte des vorigen Jahrhunderts erwarb Preußen ein kleines Stück oldenburgifchen Staatsgebietes an der Jade. Dort, wo bisher ein unscheinbares Fischerdorf gelegen hatte, sollte ein mächtiger Kriegshafen entstehen. Dem regierenden Herrscher, König Wilhelm, zu Ehren wurde der Namen Wilhelmsha„f"en gewählt. Damit wäre an sich nun alles schön und gut gewesen, und in dieser Schreibweise würde uns wohl heute der Namen unseres Reichskriegshafens entgegentreten, wenn sich nicht die wackeren Bürger der neugeplanten Stadt ins Mittel gelegt hätten.
Die wenigsten Menschen geben wohl gerne zu, daß sie gestern noch klein und unbedeutend gewesen und sozusagen erst über Nacht zu Rang und Wür» den gekommen sind. So war es auch hier. All- anderen ehrwürdigen Hafenstädte, die etwas ailf sich hielten, schrieben ihren Namen mit einem „v", wie z. B. Cuxha„v"en, Bremerha„v"en usw. Wenn dazwischen nun plötzlich neuerstanden ein Wil- helmsha„f"en auftauchte, nun das sah so „neureich" aus, würden wir heute sagen. So dachten jedenfalls auch die zukünftigen Wilhelmsha,,f"ener, als sie unter Führung ihres Bürgermeisters eine Eingabe einreichten, in der sie um eine Aenderung des „f" in ein „v" baten.
Offenbar bestanden keine Bedenken dagegen. Die Bitte wurde genehmigt. Die Freude der Wilhelms- ha„v"ener steigerte sich jedoch zur Hellen Begeisterung, als sie erfuhren, daß König Wilhelm persönlich die Stadturkunde dem Bürgermeister überreichen würde. Der große Tag kam heran. Die Stadt prangte in festlichem Schmuck, Magistrat und Bürgerschaft waren versammelt. Nach einer kurzen Ansprache übergibt König Wilhelm unter brausenden Hochrufen die Urkunde. Der Bürgermeister schickt sich an, seinen Dank auszusprechen, da fällt fein Blick auf den Stadtnamen. Entsetzen malt sich auf seinen Zügen, groß und deutlich steht dort W i l h e l m s h a „f" en!! Seine wvhlvvrberei- tete Rede bleibt ihm im Munde stecken: „Majestät", stammelt er verwirrt, „aber da steht ja doch Wil- helmsha„f"en mit „f" geschrieben!" Totenstille ringsum, nur um den Mund des Monarchen zieht ein Lächeln, als er sich mit einem Blick von dem verhängnisvollen Versehen überzeugt hat: „Nim, mein lieber Bürgermeister", erwidert er, „ich werde dafür Sorge tragen, daß die Urkunde entsprechend geändert wird. Im übrigen hoffe ich doch — und hierbei verstärkt sich das Lächeln um seinen Muntz — „daß ich den Namen wenigstens richtig ausge* sprachen hatzet" | • R.
Klingt es nicht unvorstellbar, daß es in Berlin Menschen gibt, die sich und eine ganze Familie durch den Fang von Wasserflöhen ernähren? Im Südoften der Stadt wohnt ein Mann, der sich diesen Beruf ausgewählt hat. Er hat das Talent, Wasferflöhe zu fangen, geerbt, denn schon fein Großvater ging ebenso wie der Vater mit recht gutem Erfolg auf die Flohjagd. Seine Kunden sind die großen zoologischen Geschäfte Berlins, seine Lie- Oranten die flohreichen Gewässer und Teiche der Umgegend Berlins, die er mit seinem Motorrad besucht. Wenn er Glück hat, bringt er es manch- mal auf 80 bis 100 Liter lebende Flöhe am Tag- dann hat er feine Freude — und die Fische auch! „Für ein Pfund getrocknete Flöhe gibt es im Durchschnitt eine halbe Mark", erzählt er und hofft auf ein recht gutes Flohjahr.
Champignons, die im Keller wachsen ..
In dem Keller eines alten Gebäudes am Sene- selderplatz im Norden Berlins befindet sich eine (£ h am p i g n o n z ü ch t e r e t. Ein durchdringender Geruch empfangt den Besucher beim Betreten der aus mehreren Raumen bestehenden weitläufigen Gewölbe. Große Mengen von Pferdemist lagern in einem besonderen Raum. „Er muß hier ruhen, bis er die Temperatur von 20 Grad Celsius erreidjt hat", erzählt der Unternehmer. Dieser Wärmegrad ist von allergrößter Bedeutung. Drei Wochen lang wird das empfindliche Material immer wieder umgefchichtet, um dadurch feine 23er- brennung zu verhüten. Dann wird der Pferdedung wohlerhitzt in andere Räume gebracht und hier zu fpargelbeetähnlichen Reihen ge- schichtet. Sie sind dazu bestimmt, junge Champignon- , ber Züchter aus wissenschaftlichen Jn- IniK-in sich aufzunehmen. Wenn alle Vorbedingungen erfüllt sind, hat die Brut nach vier Wochen ihre vielfädigen Wurzeln nach allen Rich- rungen durch die Beete geästelt und verädert. Dann erst wird das ganze mit einer dünnen Schicht Erde bedeckt. '
vierzehn Tage später", berichtet der fleißige Züchter, zeigen sich die ersten weißen Köpfchen an der Oberfläche. Sie müssen bann schnellstens geerntet werden, denn der Champignon wird schon nach kurzer Zeit fruchtbar, fetzt sich einen großen Meißen Hut auf und streut seinen Blütenstaub über Die Beete. Dann ist er nicht mehr zu genießen." Man erntet die fleischigen Pilze, indem man sie geschickt mit einem Ruck aus der Erde herausdreht. Oer Mann, der 30000 Tätowierungen entfernte
selbst die Bilder zu entfernen. Da erfand ich plötzlich eine Lösung, die innerhalb kurzer Zeit das ganze Hautstück mit der Zeichnung schmerzlos entfernt und für die schnelle Bildung einer neuen Haut sorgt."
Taubenfutter gefällig?
Jeder kennt die berühmten Abbildungen vom Markusplatz in Venedig, wo sich der Fremde, von unzähligen Tauben umgeben, fotographieren lassen kann. Die 'Berliner hätten es eigentlich gar nicht nötig, sehnsüchtig auf die photographierte Taubenpracht zu blicken. Wer einmal am Nachmittag den Platz am Lustgarten überquert, wird feststellen können, daß die Reichshauptstadt über ein ebenso liebliches Taubenparadies verfügt. Zwischen all den zierlichen Vögeln steht Taubenmaxe, der einzige konzessionierte Taubenfütterer Berlins!
Er hat sich unter freiem Himmel ein Geschäft mit Taubenfutter aufgemacht! Das Inventar seines Freiluftladens besteht aus einer alten leder-
Die beiden Herren wurden für ihre langjährige stets opferbereite Arbeit im Dienste des deutschen Sportes mit schön gerahmten künstlerisch ausgeführten Diplomen bedacht. In seinen weiteren Ausführungen hob Herr Henkel die bei der Spielvereinigung 1900 stets verantwortungsbewußt gepflegte Jugendarbeit hervor. Mit den besten Wünschen für die weitere Arbeit des Vereins und mit dem alten Ruf des Fuhballfportes, mit dem dreifachen „Hipp-Hipp-Hurra" schloß er seine Worte.
Herr B e l l o f überbrachte die Glückwünsche des VfB.-Reichsbahn Gießen und gab dem besonderen Wunsche Ausdruck, daß sich die Beziehungen zwischen den beiden Vereinen so gestalten möchten, daß es ium Besten der von beiden Vereinen gepflegten ßeibesübungen fei.. Für den Sportverein Wetzlar sprach der alte Fuhballkämpe Schindler, der mit feinen kurzen Worten schöne Erinnerungen wachrief. Herr Lang sprach für den Schwimm» verein Gießen und wies auf die starken De. n- düngen zwischen den beiden Vereinen hin. Er erinnerte Daran, daß der Schwimmverein aus den Reihen der Mitglieder der Spielvereinigung 1900 heroorgegangen sei. Der Gießener Ruderklub „Hassia" ließ durch Herrn K. Müller ebenfalls herzliche Glückwünsche übermitteln. In der Reihe der Gratulanten fehlte auch der Offenbacher Sportverein 1899 nicht. Ferner waren zahlreiche Glückwünsche schriftlich eingegangen.
Ehrungen.
Mit einen Höhepunkt der Iubiläumsveranstal- tung bedeutete die Ehrung zahlreicher langjähriger Mitglieder des Vereins. Drei alte Mitglieder und zwar Ludwig K ö h l i n g e r, Karl Müller und das langjährige Vorstandsmitglied Adolf M ü n • k e r wurden zu Ehrenmitgliedern ernannt.
Mit dem goldenen umrahmten Derrinsabzeichen und einem entsprechenden Diplom wurden für ihre 2 5 • und mehrjährige Mitgliedschaft 27 Herren bedacht. Es sind dies folgende Mitglieder: Louis Althoff, Heinrich Clarius, Fritz Bieler, Karl Demuth, Albert Bötz, Ernst Bötz, Karl Enders, Hans Happel, Ludwig Hof, Walter Jung, Ludwig Köhlinger, Frltz Kehr (Alsfeld), Karl Keiner, Wilhelm Kraushaar, August ßöbermann, Friedrich Müller, Karl Müller, Wilhelm Plank, Karl Sack, Ernst Schmidt, Gustav Schmidt, Willy Schwan, Ernst Seyferth, Gottlieb Spörhafe, Louis Vogt und Theo Weber.
Für 15- und mehrjährige Mitgliedschaft würben mit silberner Ehrennadel und dem Diplom 23 Mitglieder geehrt. Es sind dies: Fritz Althoff, Hans Birkenstock, Willy Beil, Friedrich Bötz, Hermann Elges, Josef Enders, Willy Glitsch,
In ihrem Vereinslokal „Zur Stadt Wetzlar" beging am vergangenen Samstag die Spielvereinigung 1900 das Jubiläum ihres 35jährigen Bestehens mit einem sehr gut besuchten Kommers. Neben den Mitgliedern war die Stadtverwaltung Gießen durch Bürgermeister Dr. Hamm vertreten, für die NSDAP, nahm Kreispropagandaleiter Pg. Schmelz teil. Verschiedene Vereine, die sich der Spieloereinigung 1900 freundschaftlich verbunden fühlen, hatten ebenfalls Vertreter entsandt. Nach einem einleitenden Musikstück hieß der
Vereinsführer Hohmann
die zahlreichen Gäste und die Mitglieder herzlich willkommen. In einer kurzen Ansprache führte er u. a. folgendes aus: 35 Jahre Spieloereinigung 1900 bedeuteten 35 Jahre Arbeit an der körperlichen Ertüchtigung und an der charakterlichen Willensbil- düng der Jugend. Es habe gegolten, viele Klippen zu umschiffen, bis der Verein aus feinen Anfangsgründen bis zum heutigen Stande entwickelt worden sei und ein starker Stamm werden konnte. Das Vermächtnis, das die Alten den Jungen in die Hand gaben, fei geachtet und erfüllt und werde stets neu erfüllt werden. Die hohe Mission, die der Spielver- einigung dem Vaterlands gegenüber aufgegeben fei, werde getreulichst erfüllt. Dies um so mehr, als heute im Reiche Adolf Hitlers, der den Wert des Sportes so klar erkannt habe und im Reichsbund für ßeibesübungen eine Zusammenfassung aller ßeibesübungen treibenden Verbände besitze, nichts für uns selbst, sondern alles für das Vaterland geschehe. Es fei auch klar erkannt, daß ein Volk, das nur aus Intellektuellen bestehen wolle, nicht existieren könne, sondern unbedingt der körperlichen Ertüchtigung bedürfe. Neben der Stählung des Körpers werde der Spielvereinigung aber auch die Pflege der Kameradschaft gefördert. 1900er fein bedeute Sportmann und Kamerad sein! Mit den besten Wünschen für den Verlauf des Abends schloß der Vereinsführer feine sehr beifällig aufgenommene Ansvrache.
Als Vertreter der Stadtverwaltung Gießen sprach sodann
Bürgermeister Or. Hamm,
Nichts als Blumen, wohin ich blickte. Sie quollen in allen Düften und Farben aus der Erde. Sie füllten mir Äug' und Herz. Es waren alles jene treuen, einfältigen Bauernblumen aus Urgroh- mutters Zeiten, aus den Zeiten des Volksliedes unb noch früher. Von den meisten wußte ich, wie sie hiezuland genannt wurden: Gretel im Busch, Liebstöckel und Prangrose, sagte ich zu ihnen, Himmel- schwertel, Baldersheil und Reiterskapp. Und sie nickten mir zu, als wären wir gute Bekannte.
Und ich strich hier mit der Hand über eine vermorschte Holztafel, zupfte dort einen windverzerrten Perlkranz wieder zurecht. Ich versuchte jetzt, ob ich wohl den einen ober andern Bauernnamen, so einen groben, knorrigen, aus Moos und Flechten herausstudieren könnte, und dann freute ich mich über die bunte, sttlle Sonnenuhr, über das schilpende, zeternde Spatzenvolk, das droben auf dem Kapellendach fein unverwüstliches Wesen trieb und fort und fort zu den Drettelfenstern der Glockenstube aus und ein stob.
Und ganz zuletzt, ich wollte schon meines Weges gehen, kam ich unversehens vor eine alte, schon etwas verwitterte Marmortafel. Auf der Morgenseite war sie in die Kapellenmauer gefügt. Dom zähen Efeu war der gelbliche Stein zur Hälfte überfponnen, aber die Schrift lag noch ziemlich frei. Ulrike Zoschlin, las ich. Und weiter, daß die hier Verewigte die hoch- und ehrengeachtete Ehe- Üebfte eines weiland gräflichen Vogts gewesen. Nicht lange nach dem bösen Schwedenkrieg hatte man sie in die Erde gelassen. Ich hätte es auch , .. . _.
ohne die Jahreszahl gewußt. Ich sah es an den, den Taler und kauf dir em neues wunderfeiyen Schriftsormen. bi» mal dottmais lhat »in Zweier Soldat mit angesehen, eilt verstohlen
3n der Nähe des Alexanderplatzes wohnt ein fin» biger Berliner, der sich feinen Lebensunterhalt dadurch verdient, daß er feinen Mitmenschen die Haut abzieht und dadurch die mehr oder weniger schönen Bilder von ihren Körpern entfernt, lieber 3 0 0 0 0 „Patienten" hat er in feiner 2Ojäh- rigen Praxis von bunten Tätowierungen befreit. Vorwiegend waren es wohl Schiffersleute und Matrosen, die zu seiner Kundschaft zählten.
Dieser Mann besitzt nebenbei noch das eigenartigste Buch Berlins. Zwischen festen Papierseiten sind zahlreiche Stücke menschlicher Körper- Haut in dieses Album eingebunden, auf denen heute noch die farbigen Körpergemälde deutlich erkennbar sind. Man sollte es fast nicht für möglich halten, was sich seine internationale Kundschaft alles einst auf den Leib malen ließ. Landschaftsbilder wechseln mit luftigen Karikaturen und Por- trätzeichnungen ab. „Und wie tarnen Sie zu diesem außergewöhnlichen Beruf?" fragt man den Haut- künstler. „In Amerika habe ich mir in meiner Jugend selbst den ganzen Oberkörper tätowieren lassen." Als er dann in Deutschland sich einem neuem Beruf zuwenden wollte, wäre er wohl gern aus feiner Haut gefahren. „Ich probierte alle möglichen Präparate aus", erzählt er, „um mir mü1


