Ausgabe 
2.9.1935
 
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Schließlich sei es der Sowjetregierung angesichts der offenen Sprache der von ihr eingegangenen Verpflichtungen unmöglich, ihr Versprechen, auf ihrem Hoheitsgebiete die gegen die politische und soziale Ordnung der Vereinigten Staaten gerichteten Bestrebungen zu verhindern, abzuleugnen. Die Sowjets leugneten auch nicht und könnten ihre Ver­antwortung für die Durchführung ihrer Verpflich. hing auch gar nicht ableugnen, weil ihre Herrschaft in ihrem Staatsgebiet unumschränkt und ihre Macht, die Handlungen und Äußerungen ihrer Organisa­tionen und Untertanen innerhalb dieser Grenzen zu überwachen, unbegrenzt sei.

Es bleibe abzuwarten, in welchem Ausmaße die in der Antwort der Sowjetregierung angedeutete Absicht, die im Widerspruch mit den früheren Ver­sicherungen stehe, verwirklicht werde.

Falls die Sowjetregierung weiterhin die Politik verfolge. Handlungen auf ihrem Hoheitsgebiet zu dulden, die eine Einmischung in innere An­gelegenheiten der Vereinigten Staaten dar­stellten. anstatt solche Handlungen laut schrift­licher Verpflichtung zu verhindern, dann könnten die freundschaftlichen und amtlichen Beziehungen zwischen den beiden Ländern ernstlichen Scha­den erleiden.

Ob diese Beziehungen zwischen den beiden großen Nationen auf diese Art unglücklicherweise getrübt und die Möglichkeiten gedeihlicher Zusammenarbeit gestört würden, hänge einzig und allein von der Haltung und den Handlungen der Sowjetregie­rung ab.

Bergung des letzten Opfers in Berlin.

Dr. Goebbels dankt den Bergungs­mannschaften.

Berlin, 31. Aug. (DNB.) An der Unglücks­stelle in der Hermann-Göring-Straße konnte am Samstagabend um 19.05 Uhr nach größten Schwie­rigkeiten nun auck das letzte, das 19. Opfer des Einsturzunglücks geborgen werden. Der Bergung wohnten Reichsminister Dr. Goebbels und Generalleutnant Daluege bei. Nachdem der Tote, Schachtmeister Dimke, im Minister­garten aufgebahrt war, hielt Reichsminister Dr. Goebbels eine Ansprache an die Bergungsmann­schaften, in der er u. a. sagte: Die Bergung der 19 Opfer, die wir nun der Erde abgerungen haben und die wir wieder in der Erde bergen mußten oder müssen, ist das lebendige Zeugnis einer Volksgemeinschaft, die weit über die Phrase der Versammlungssäle hinweg wirkliche Tat geworden ist, einer Volksgemeinschaft, in der Arbeiter und Soldaten zusammengestanden sind. Ich habe in dieser Stunde, da wir diese traurige Arbeit be­enden, das Bedürfnis, Ihnen dafür meinen Dank, den Dank der Regierung und den Dank des deut­schen Volkes auszusprechen. In Eintracht und Ka­meradschaft habt Ihr ein Werk des Sozialismus vollbracht. Die ganze deutsche Nation steht vor diesem Werk in Bewunderung.

Die traurige Arbeit ist zu Ende, und nun fängt für uns das Leben wieder an. Wir wissen, daß das Leben Opfer kostet, und weil wir alle bereit sind, diese Opfer, wenn nötig bis zum Letzten, zu brin­gen, deshalb können mir auch vom Leben fordern. In diesem Sinne bin ich der Ueberzeugung, daß diese Station am Ende doch segensreich in dem gro­ßen Werk des deutschen Aufbaues werden wird und daß die Toten, die wir in den Gräbern bergen, am Ende die leuchtendsten Blutzeugen eines Aufbaues fein werden, den wir unter dem Führer nicht nur begonnen haben, sondern den wir unter dem Führer auch einmal beendigen werden. So rufe ich euch auf mit mir in den alten Ruf einzustimmen: Unser Volk und unser FührerSieg-Heil!

Nach Abschluß der Bergungsarbeiten sandte der mit der Oberleitung beauftragte Befehlshaber der deutschen Polizei Generalleutnant D a l u e g e an den Führer folgendes Telegramm:Mein Füh- rer! Ich mefi)e: Samstag 19.05 Uhr Bergung des letzten Toten auf der Unfallstelle Hermann-Göring- Straße in der Reichshauptstadt und Abschluß der Rettungsarbeiten."

3n seinem Abschlußbericht über die Arbeiten er- klärte Generalleutnant Daluege u. a.: Es muß immer wieder betont werden, daß jeder einzelne der an der Unglücksstelle tätigen Bergungskolonnen un- ter Lebensgefahr stand. Einige Gefahrenmo­mente seien erwähnt.Das Auftauchen eines gefüllten Denzinfasfes unter dem Kran, dicht an den Flam­men eines Schweisbrenners, den ein schnell hinzu­springender Pionier unter höchster Lebensgefahr ab- riß, womit er die Explosion verhinderte. Ein Ka- belbrand einer nicht außer Strom gesetzten Lei- tung dicht neben dem Benzinlager. Der plötzliche Einbruch von Grundwasser bei dem Bau der neuen Kanalschächte, auftretender Bruch von Steifen- und Eisenkonstruktionen an den Anschluß­stellen und anderes mehr. Es zeigt den national­sozialistischen Geist, der alle, sowohl den Soldaten als auch den Arbeiter, den Offizier und den Inge­nieur beseelt, wenn alle selbst darum gebeten haben, im einzelnen nicht in der Oeffentlichkeit besonders gelobt zu werden.

Der Reichsleiter der Deutschen Arbeitsfront, Dr. Ley, hat an Generalleutnant Daluege ein Te­legramm gerichtet, in dem er ihm und der gesamten Bergungsmannschaft dankt. Daluege und alle an der Bergungsarbeit beteiligt gewesenen Arbeiter sollen als Gäste der DAF. nach dem Parteitag an einerKraft durch Freude"- Seereise teilnehmen.

Gefängnis für plakatbesubelung.

Ehemaliger Zentrumsstadtverordneter als Täler.

Neisse, 30. Aug. (DNB.) Das hiesige Schöf­fengericht verurteilte im Schnellgerichtsverfahren den Angeklagten Paul Knothe wegen Verunstal- tung einer öffentlichen Bekannt­machung in zwei Fällen zu 10 Monaten Gefängnis. Der mitangeklagte Paul Olbrich erhielt wegen Begünstigung der genannten Straf- tat einen Monat Gefängnis. Der Ange- klagte Knothe, ehemaliger Z e n t r u m s st a d t- verordneter und Glöckner der Jakobikirche in Neisse, hatte in zwei Fällen das Plakat der NSDAP.Deutsches Volk, horch auf" in unglaub­licher Weise beschmutzt. Der Angeklagte war bei der Durchführung des zweiten Anschlages von

einem insgeheim aufgestellten Posten beobachtet worden, entzog sich aber der Festnahme durch die Flucht, die ihn zu dem Angeklagten Olbrich führte, bei dem er seine Kleidung vertauschte, um unerkannt zu bleiben. Knothe wurde jedoch noch am gleichen Abend gestellt. Er leugnete anfänglich, gab aber dann die Straftaten zu.

Oie größten französischen Manöver seit Kriegsende.

Paris, 1. Sept. (DNB.) Am heutigen Sonntag beginnen in der Gegend von Reims die großen französischen M a n ö v e r, die sich bis Ende der Woche hinziehen werden. Man erklärt in unter­richteten Kreisen, daß diese Manöver die größten seien, die seit Kriegsende in Frankreich durchgeführt worden sind. Nicht weniger als vier kriegs­starke Divisionen, die durch Reservisten er­gänzt worden sind, werden sich gegenüberstehen. Das Charakteristische an diesen Manövern ist die

Tatsache, daß diesmal kein einziges Pferd Verwendung finden wird, da die im Manöver liegenden Streitkräfte durchweg motorisiert sind. Um ein ungefähres Bild von dem Grad der Motorisie­rung der französischen Armee zu vermitteln, wird darauf hingewiesen, daß beispielsweise die vierte leichte Division von Reims alles in allem über 2200 Kraftwagen verfügt, wovon 400 Panzerwagen mit Radiogerät ausgerüstet sind. Zweck dieser Manöver ist, festzu­stellen, wie lange es dauert, um eine durch Reser- nisten auf Kriegsstärke gebrachte Division kampf­fähig zu machen, bzw. wie lange diese Reservisten brauchen, um sich der neuen modernen Kriegs­waffen bedienen zu können. Die Manöverleitung hat General P r e t e l a t übernommen. Der Chef des Generalstabs, General Garnelin, und der französische Kriegsminister werden dem Manöver beiwohnen. Belgische, italienische, polnische und sowjetrussische Militärabordnungen sind als Manövergäste eingeladen.

Krieg" in der Lüneburger Heide.

Am Vorabend der großen Herbstmanöver des 6. Armeekorps.

Celle, 1. Sept. (DNB.) Arn Vorabend der gro­ßen Herbstmanöver des 6. Armeekorps ist in Celle, dem Sammelpunkt der Ehrengäste und der Presse, die den großen Herbstmanöoern als Gäste des die Uebungen leitenden Befehlshabers im Wehrkreiskomando 3, des kommandierenden Gene­rals des 6. Armeekorps, Generalleutnant von Kluge, beiwohnen, von den bevorstehenden großen Tagen nicht allzuviel zu merken.

Die teilnehmenden Truppen aus Westfalen, Nie­dersachsen, Hannover und Oldenburg haben in den vorangegangenen Regimentsübungen die befohlenen Ausgangsstellungen für die Herbstübung des Korps erreicht. Die Uebungen beginnen am Montag, 2. September, um 12 Uhr. Die erste Hebung wird sich über drei Tage erstrecken. Sie zeigt eine Division, die einem doppelt starken Gegner langsam weicht, ihn aber durch ihr hinhaltendes Bekämpfen am Dorwärtskommen hindert und schließlich in einer rückwärtigen Linie eine Verteidigungsstellung be­zieht, um die dann bis zur Entscheidung gekämpft wird.

Die Gefechtslage ist folgende: Das blaue 6. Armeekorps, das mit drei Divisionen in der vor- berften Stellung liegt, weicht seit mehreren Tagen

in hinhaltendem Widerstand vor dem stark über­legenen Feind in nördlicher Richtung aus. Im Ver­laufe des Sonntags war es gelungen, den Feind in der Linie Belsen-Sülze und ostwärts aufzuhalten und zu verlustreichen Angriffsvorbereitungen zu zwingen. Das 6. Armeekorps hatte am Abend des Sonntags den Abbruch des Kampfes in der zuletzt gehaltenen Linie befohlen. Dabei sollte so gekämpft werden, daß bis Montagmittag, dem Beginn der Uebungen, die allgemeine Linie HartemWard BoehmenUnterlueß ostwärts in der Hand des Korps blieb. In der Mitte des Korps befand sich die von Generalmajor K u n tz e geführte 6. Division t roa im Abschnitt Großes MoorStraße Münster- Hermannsburg. Die Division hatte nach dem erhal- tenen Auftrag des Armeekorps in der Nacht vom Sonntag zum Montag ohne wesentliche Störung den Kampf abgebrochen und ist am Montag um 12 Uhr im Besitz der Höhen MühlenbergWietzer- bergHausselberg. Das angreifende rote 1. Armee­korps hatte demgegenüber im Angriff mit zwei Divisionen in Front mit der vordersten Linie Lutter lohHermannsbergBleckmarburg erreicht.

Diese Gefechtslage liegt der ersten Uebung der großen Herbstmanöver zu Grunde.

Eröffnungssitzung -er Reichsarbettskamrner. Or. Ley über Grundfragen der Arbeitsordnung.

Berlin, 31. Aug. (DNB.) Die R e i ch s a r - beitsfammer, eine neue wichtige Säule im or­ganischen Aufbau des Staates, hat am Samstag in feierlichem Rahmen ihre Eröffnungs­sitzung abgehalten. Zusammen mit den 80 Mit­gliedern der Kammer den Amtsleitern und Gau- waltern der Deutschen Arbeitsfront, den Leitern der Reichsbetriebsgemeinschaften und einer Reihe Ein­zelpersonen waren im festlich geschmückten Sitzungssaal der Bank der Deutschen Arbeit viele Ehrengäste erschienen.

Als Beauftragter für die Durchführung der Leip­ziger Vereinbarung eröffnete Hauptamtsleiter ©eigner die Tagung. Staatssekretär Krohn vom Reichs- und Preußischen Arbeitsministerium überbrachte der Kammer die Glückwünsche namens der geladenen Reichs- und preußischen Minister, Be- Hörden und Ehrengäste. Dann nahm der Reichsor- ganisattonsleiter der NSDAP, und Reichsleiter der Deutschen Arbeitsfront

Dr. Ley

in seiner Eigenschaft als Leiter der Arbeitskammer das Wort. Er führte u. a. aus: Während noch im ganzen übrigen Europa die Sozialordnung von klassenkämpferischen Gedanken mehr ober weniger erfüllt ist, kann allein Deutschland sich rühmen, den Klassenkampf innerlich und äußerlich hinweggeräumt zu haben.

Arbeitnehmer und Arbeitgeber bilden heute bei uns eine schicksalhafte Gemeinschaft. Wie für den Marxismus der Klassenkampf ein Glau­bensbekenntnis ist, fo ist für uns der Sah Der Betrieb ist eine Einheit" ein Glaubens­satz, über den es keine Erörterung mehr gibt. Unsere Sozialpolitik ist auf weite Sicht eingestellt. Wir dürfen uns gerade auf diesem Gebiete nicht verleiten lassen, Flickwerk zu tun. Nur wenn sie allen nützt, hat sie Wert. Wenn man dem Arbei­ter etwas nehmen muß, um es der Wirtschaft zu geben ober umgekehrt, so wäre eine solche Sozial­politik verberblich. Wir sind zu ber Erkenntnis ge­

kommen, baß nicht etwa bie Lohnfrage die Sozial- orbnung bes Menschen allein ausfüllt, baß es viel­mehr feine Stellung im Volk, seine Ehre ist. Es ist eine Lüge, so betonte Dr. Ley unter stürmischer Zustimmung, baß ber Arbeiter nur um Lohnpfennige gekämpft hätte. Er hat ge­kämpft um bie Anerkennung seiner selbst unb seiner Ehre.

Große und schwere Aufgaben harren der Deut­schen Arbeitsfront. Denn noch ist vieles, un­geheuer vieles zu ändern, zu verbessern, zu kultivieren. Die Deutsche Arbeitsfront muß und wird unter diesen Umständen immer wie­der gewissermaßen der Exerzierplatz einer sich praktisch auswirkenden, täglich neu zu üben­den Gemeinschaft sein, einer Gemeinschaft des Kampfes, der für uns nicht eine Last, sondern der Inhalt des Lebens ist.

Vielleicht ist es richtiger, statt von Selbstverwal­tung von ber Selb st Verantwortung ber Menschen zu sprechen. Diese Selbstverantwor­tung wollen wir förbern. Es ist uns gelungen, eine neue tief und fest gesicherte Sozialordnung aufzu­stellen, wie sie in den Gesetzen der letzten Jahre ihren Ausdruck findet. Und mag die Komintern schwätzen, was sie will den deutschen Arbeiter, der eine andere innere Haltung eingenommen bat, der von einem neuen besseren Geist erfüllt ist, be­kommt sie nie wieder!

Dr. Ley gab abschließend die Versicherung, daß die Reichsarbeitskammer es als ihre vornehmste Aufgabe betrachten wird, in dauernder Fühlung­nahme mit den in der Front der Arbeit stehenden Männern zu bleiben und eine Aufbauarbeit zu leisten, die sich durch eine geradezu fanatische Wahr­heitsliebe auszeichnet.

Anschließend nahm der Leiter der Reichsarbeits­kammer nach Abnahme des Eides die Verpflichtung jedes einzelnen Mitgliedes durch Handschlag vor.

Am Nachmittag trat die Kammer zur ersten Ar­beitstagung zusammen.

Die Gudetendeuischen fordern ihr Recht.

Ein Appell Henleins an Prag und die Welt.

Prag, 1. Sept. (DNB.) Die Sudetendeut­sche Partei Conrad Henleins hatte am Sonntag, 1. September, zu einem Volkstag nach Haida in Nordböhmen aufgerufen. Dem Ruf hatten 60 000 Sudetendeutsche Folge geleistet. Im Mittelpunkt der Tagung stand die Rede des

Parteiführers Eonrad Henlein.

Er sagte:Wir stehen hier vor der vielleicht größten Kundgebung, die unser Staat jemals ge­sehen hat. Hier steht nicht eine Partei, hier steht die Verkörperung eines neuen Lebens­willens unb Lebenalaubens, eine Volks­bewegung, die über alle Lebenswolken hinweg die Erneuerung sucht und die unter allen Um­ständen bereit ist, das Recht, das uns in der Ver­fassung und in den Minderheitenschutz- Verträgen verbürgt ist, zu erkämpfen. Für uns gibt es kein Zurück mehr.

Dir können und wollen uns nicht mit Bro­samen abspeisen lassen. Dir wollen unser gutes

Recht haben bis zum letzten Punkt.

Das Volk hat vor wenigen Wochen gesprochen. Die ganze Welt hat aufgehorcht, und überall dort war Jubel, wo in ber Welt Deutsche mobnen. Aber auch die nichtbeutsche Welt nimmt an dem Siege unserer Bewegung stärkstes Interesse, weil man eingesehen hat, daß in ber tschechoslowakischen Repu­blik noch nicht alles so befriedigt ist, wie man es gern der Welt glauben machen wollte. Wir finb durch unseren Kamps und durch unsere Disziplin eine europäische Angelegenheit gewor­den und werden solange eine europäische Ange­legenheit bleiben, solange wir einig sind. Leider hat das, was in der ganzen Welt von unserem Siege gilt, unser innenpolitischer Gegner nicht wahr haben wollen. Wir haben den Gedanken vertreten, daß Staatstreue und Volks- treue zu vereinbaren sind. Gerade aber das will man in gewissen Parteikreisen nicht anerkennen, weil man bas Schlagwort von den bösen Deutschen nicht aufgeben will.

Unsere erste unb heiligste Forderung muß sein, daß alle Mittel dafür eingesetzt werden, um die

Aus aller Wett.

Drei Tote beim Zusammenstoß derEisenachs.

Der deutsche DampferE i s e n a ch", der, wie gemeldet, am Freitagabend mit dem englischen SchlachtschiffR a m i l l i e s" z u s a m m e n st i e ß, wurde am Samstaavormittag von zwei Schleppern in den Hafen von Dover eingeschleppt. Nach einem beim Norddeutschen Lloyd eingegangenen Tele­gramm wird über die bei dem Zusammenstoß be­dauerlicherweise eingetretenen Verluste an Menschenleben endgültig folgendes mitgeteUt: Tödlich verunglückt sind ber Heizer Hinrichs, der Kesselhilfswärter Besser sowie der Trimmer Kupka. Vermißt wird der Heizer Iagow. Die übrigen Vesatzungsmitglieder des Dampfers Eisenach sind sämtlich unverletzt.

lieber den Zusammenstoß liegt nunmehr ein Be­richt der britischen Admiralität vor. Danach er­folgte der Zusammenstoß 9 Seemeilen südwestlich von Dover. Die Sicht war infolge starken Regens M. DieRamillies" unb bieRenown" ftan- :Eisenach" bei, bis sie von den aus Dover herbeigeeilten Bergungsdampfern ins Schlepp ge­nommen worden war. Drei Mann der Besatzung derEisenach" wurden verwundet an Bord ber Ramillies" genommen, erlagen dort jedoch ihren Verletzungen. DieRamillies", die leicht be­schädigt wurde, befindet sich in Portsmouth, um oort untersucht und wenn nötig auf Dock genommen zu werden. Wie Reuter weiter berichtet, haben sich die deutschen Seeleute sehr anerkennend über die Hilfsmaßnahmen der englischen Schiffe ausgesprochen. Der DampferEisenach" konnte erst nach stundenlangem Kampf mit schwerer See in den Hafen von Dover eingebracht werden. Die veröffentlichten Photographien zeigen, daß das Schiss am Bug gerammt worden ist und ein Loch von etwa 12 Meter Breite aufweist.Eve- ning Standard" veröffentlicht den Bericht eines Augenzeugen, wonach der stählerne Bug des Kriegsschiffes wie ein Messer durch dieEise­nach hindurchgeschnitten hat, mitten durch das Schlafquartter der Heizer, die ahnungslos von dem Unheil überrascht wurden.

Die britische Admiralität richtete anläßlich des Zusammenstoßes ein Beileidstelegramm an den Norddeutschen Lloyd, in dem sie die Rederei bat, den Angehörigen ber vier von dem Unglück schwer betroffenen Besatzungsmitglieder die herz­liche Anteilnahme auszusprechen. Der Norddeutschs Lloyd hat der britischen Abmirafttät telegraphisch gedankt.

3000 Mark-prämie für Erbauer und Führer des Muskelflugzeugs.

Mit zwei weiteren Flügen mit bem Mus­kel f l u g ze u g am Samstagabend, find nun zu­nächst die Versuche in Frankfurt a. M. beendet. Am Montag verlassen die erfolgreichen Konstrukteure und der Flugzeugführer Frankfurt, um nach kurzer Ruhepause in der Stille an ihrem Werke weiter zu schaffen. Das Preisgericht für das Preisausschreiben ber Polytechnischen Gesellschaft Frankfurt für einen Flug mit eigener Muskelkraft gab folgenden Be­schluß bekannt: Obwohl die Bedingungen bes Preis­ausschreibens bis heute noch nicht erfüllt wer­ben konnten, hat in Anerkennung ber technischen unb fliegerischen Leistungen bei ben Bewerbungs­flügen vom 29. bis 31. August das Preisgericht mit Zustimmung des Reichsluftsportführers beschlossen, ben Wettbewerbern Nr. 1, Muskelflugzeug Haeß» ler-Villinger (Führer D ü n n e b e i I), eins Ermunterungsprämie von 3000 M k» zuzusprechen.

Die beiben Erfinber des Muskelflugzeuges, dis Ingenieure H a e ß l e r und Dillinger, sind Statiker bei den Junkers-Flugwerkzeugen in Dessau. Der eine ist 25, der andere 27 Jahre alt. Die Ma­schine haben sie in ihrer freien Zeit und aus eige­nen Mitteln in Dessau gebaut.

Graf Zeppelin" auf ber Rückfahrt nach Pernambuco.

Das LufffchiffGraf Zeppelin" lanbete am Sonntag um 10.58 Uhr MEZ. in Rio be Janeiro unb startete um 11.53 Uhr MEZ. zur Rückfahrt nach

furchtbare Xof der sudelendeulfchen Gebiete zu mildern und zu beseitigen.

Ich fordere alle Minister auf, sich selbst einmal durch den Augenschein davon zu überzeugen, wie groß die Not ist, unter der unser sudetendeutscher Arbeitsmensch leidet, wie groß Die Hoffnungslosig­keit unserer Jugend ist. Wir wollen aus eigener Kraft mithelfen, daß die Not wenigstens einiger­maßen gemildert wird. Es ist ein Ehrenblatt in der Geschichte des Sudetendeutschtums, daß das ausgeblutete Volk im letzten Krisenwinter 8 Millio­nen tschechischer Kronen als Hilfe für die Aermften aufbrachte. Wir fordern aber, daß ber Staat einen gleichen Opferwillen zeigt. Denn ist ber Staat nicht willens oder fähig, die Not zu lindern, dann muh er uns die Möglichkeit geben, durch ein großes internationales Hilfswerk unsere Brüder und Schwestern vor dem Verhungern zu bewahren.

Ich sage euch, Kameraden, wir sind nicht zu­sammengekommen, um uns an flammenden Reden zu berauschen, sondern um vor aller Welt kundzutun, daß wir ehrlich gewillt finb, mitzuarbeiten, daß wir aber ebenso entschlossen finb, unfer Recht, bas Recht ber Heimat unb bas Recht ber Zukunft unter allen Umstänben zu erkämpfen. Ulan glaube nicht, bah Kunbgebun- gen wie biese eine augenblickliche Aufwallung finb. Das Volk ist In ben letzten Wochen poli­tisch geworben. Das Volk hat erkannt, baß nie­mals bie Zwietracht, fonbern nur Einigkeit zum Erfolge führen kann. 2Han mag kleinen Grup­pen Brosamen hinwerfen, 3,5 Millionen aber haben bas Recht, voll Genüge zu haben. 3n ben Tagen unseres Kampfes ist in uns ein neuer Glaube unb ein neuer Dille entstauben. Das Gefühl ber Kamerabschaft hak feste Gestalt angenommen. Ich weiß, baß bie Zukunft unser ist, weil ich auf euch vertrauen kann, sowie ihr mir vertraut.

Die mit starker innerer Leidenschaft gesprochenen Worte Konrad Henleins losten großen Beifall aus. Die Menge sang zum Abschluß das Lied vorn guten Kameraden. Daran schloß sich ein Vorbei­marsch an Konrad Henlein.