Ausgabe 
2.9.1935
 
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Aebtissin 96 Jahre alt.

Der Führer gratuliert.

LPD. Fulda, 31. Aua. Die Aebtissin des Ful­daer freiadligen Stiftes Wallenstein, Freifrau von Hammer st ein, beging am Freitag ihren 96. G e- burtstag. Der Führer und Reichskanzler be­glückwünschte die Greisin durch ein Handschreiben.

Freude in Danzig über den deutschen Flotienbesuch.

Danzig, 1. Sept. (DNB.) Die festliche Stim­mung, die anläßlich des Besuches des deutschen PanzerschiffesAdmiral Scheer" in Danzig herrscht, erreichte am Sonntagmittag ihren Höhepunkt mit einer von der NSDAP, veranstal­teten Dolkskundgebung auf dem Langen Markt. Der Platz und die umliegenden Straßen waren von einer unübersehbaren Menschenmenge erfüllt. Neben den Ehrenstürmen der SA. und SS., der HI., sowie den Marinevereinen marschierten 300 Mann der Besatzung des Panzerschiffes auf, die von der Menge begeistert begrüßt wurden.

Gauleiter Forster gab in einer Ansprache der dankbaren Freude der Danziger Bevölkerung über den deutschen Kiegsschiffbesuch Ausdruck. Die Danziger fühlten, so rief der Gauleiter unter dem jubelnden Beifall der Massen aus, daß Deutsch­land und sein Führer in Danzig stehen. Gauleiter Forster schloß seine Ansprache mit einem Treuebekenntnis zum Führer und einem dreifachen Siegheil auf das deutsche Volk und die deutsche Marine. Der Kommandant desAdmiral Scheer", Kapitän zur See Marschall, sprach in sichtbarer Erariffenheit den Dank der Besatzung für die Be­geisterung und Treue aus, die den deutschen Ma­trosen in Danzig von Alt und Jung entgegen« aebracht wurden. Als er mit drei Hurras auf Danzig seine Ansprache schloß, stimmte die Menge spontan das Deutschland- und das Horst-Wessel- Lied an.

Danzig und seine Vororte stehen völlig im Zeichen des deutschen Flottenbesuchs. In allen Straßen steht man die blauen Jungens, die überall schnell mit der Bevölkerung Freundschaft geschlossen haben, lieber alle Nöte der Gegenwart kommt der unzer­störbare Glaube der Danziger an Deutschland in diesen festlichen Tagen wieder einmal zum Aus­druck. Am Samstag und Sonntag fanden zu Ehren der Besatzung verschiedene festliche und sport­liche Veranstaltungen statt. Der Kommandant und die Offiziere waren Gäste beim Hohen Kommissar des Völkerbundes, beim diplomatischen Vertreter Polens und beim Präsidenten des Hafenausschusses.

Ein peinlicher Vorgang beim Danziger Völkerbunds­kommissar.

Danzig, 2. Sept. (DNB.) Bei einem Ernp - fana, Den am Sonntagabend der Hohe Kom­missar des Völkerbundes anläßlich der Anwesenheit des deutschen Panzerschiffes Admiral Scheer" veranstaltete, ereignete sich ein durch den Gastgeber selbst hervorgerufener peinlicher Vorgang. Zu Beginn des um 22 Uhr angesetzten Empfanges stellte sich heraus, daß der Hohe Kommissar L e st e r u. a. auch den unter sehr bedenklichen Begleitumständen ausge­schiedenen früheren Danziger Senatspräsidenten Dr. Rauschning, sowie verschiedene Marxisten und andere Vertreter der Danziger Opposi­tion eingeladen hatte.

Senatspräsident Greiser hat sich daraufhin so­fort von dem Hohen' Kommissar verabschiedet und mit den anwesenden Danziger Herren das Haus verlassen. Der Kommandant desAd­miral Scheer", Kapitän z. S. Marschall, ver­abschiedete sich kurze Zeit danach und verließ mit seinen Offizieren das Haus, um an zwei an­deren am gleichen Tage stattfindenden Veranstal­tungen teilzunehmen.

Mit einem solchen Fehlschlag aber sei die kollektive Sicherheit verloren.

Daily Herald" verlangt, daß die Auto­rität des Völkerbundes aufrechterhalten werde. Wenn die Welt das Gesetz nicht schütze, bann werde es in einem Durcheinander gebrochener Verpflichtungen der Verachtung anheim­fallen. England habe die Pflicht, die selbstsüch­tige Politik abzuändern, die nach dem Kriege begonnen worden sei.

Denn man Gerechtigkeit predige, müsse man auch Gerechtigkeit üben.

Daily Expreß" vertritt die Ansicht, daß es keinen Krieg geben werde. Italien sei im Falle der Anwendung von Sühnemaßnahmen Groß­britannien, Frankreich und den kleineren Staaten einschließlich Jugoslawien, nicht gewachsen. Wenn keine Sühnemaßnahmen zustandekommen, werde es ebenfalls keinen Krieg geben, soweit Großbritan­nien in Betracht komme, denn es könne nicht allein im Namen des Völkerbundes handeln.

Eden und Laval.

Im Hintergrund die englische Flotte.

Paris, 2. Sept. (DNB.-Funkspruch.) Die fran­zösische Presse wartet, ehe sie neuerlich zur Entwick­lung der Lage in Abessinien Stellung nimmt, die Ergebnisse des heutigen Tages ab, der die Fühlung­nahme zwischen Laval und Eden bringt. Zwei der NachrichtenblätterMatin" undJournal" bringen ausführliche Nachrichten ihrer Berichterstat­ter in London über die Bereitschaft der eng­lischen Flotte, die, wie es imMatin" heißt, in der Lage sei, zur Durchführung jedweder etwa notwendig werdender Verteidigungs- ober Offensiv- Maßnahmen auszulausen.

Nichts ünchristtiches.

London, 1. Sept. (DNB.) In einer Rundfunk- ansprache beschäftigte sich ber Erzbischof po n Port mit ber gegenwärtigen außenpoliti­schen Lage. Er erklärte, baß, wenn Großbritan­nien notwenbigerweise von seinen Kriegswaffen Ge­brauch machen müsse, um bie Einhaltung ber Völ- kerbunbssatzungen burchzusetzen, Großbritan­nien bereit sein müsse, seine Waffen zu gebrauchen. Hieran sei nichts U n christ­liches. Wenn ber Völkerbund Gewalt gegen ein aggressives Mitglied gebrauche, so sei bas kein Krieg im eigentlichen Sinne. Es komme jedoch darauf an, daß Großbritannien nicht allein handele. Jedenfalls sei es pflichtgemäß wenn Groß­britannien und Frankreich und die anderen Mächte ihre Truppen gebrauchten, um eine Entscheidung burchzusetzen, bie von ber Gemeinschaft der Natio­nen gefällt worben sei.

England gegen die Konzessionen in Abessinien.

Ein Schritt der englischen Regierung beim abessinischenKaiser./Ztalien hält an seiner Linie fest.

£ o n b o n, 31. Aug. (DRV.) 3n einer Erklärung des Foreign Office wird am Samstagabend erklärt, daß der britische Gesandte in Ad­dis Abeba ermächtigt worden ist, für den Fall, daß der Bericht über die Erteilung der Oelkon- Zessionen richtig ist, dem abessinischen Kaiser mit- zuteilen, daß die britische Regierung ihm rate, die Konzession vorläufig nicht zu erteilen.

Der Dortlaut der Verlautbarung hierüber heißt: Die britische Regierung hat bis jetzt keine Bestäti- gung der Berichte in der heutigen presse erhalten, wonach Konzessionen für Oele und RNneralrechte in Abessinien erteilt worden sind. Jedoch hat die Re­gierung es für notwendig gehalten, den britischen Gesandten in Addis Abeba dahingehend zu infor­mieren, daß eine solche Konzession zweifellos not­wendigerweise vorerst mit der britischen Re­gierung besprochen werden mühte, sowie mit der französischen und der italienischen Regierung, und zwar gemäß Artikel 2 des Drei- Parteien-Vertrages von 1906. Unter diesen Umstän­den ist der Gesandte ermächtigt worden, für den Fall, daß der Bericht zutrifft, den Kaiser von Abes­sinien zu unterrichten, daß die britische Regierung zu ihrem Teil ihm anrät, die Konzession nicht zu erteilen.

Zustimmung in London.

London, 1. Sept. (DNB.) Die Mitteilung des englischen Auswärtigen Amtes, in der dem abessini­schen Kaiser angeraten wurde, die Konzession an die englisch-amerikanische Gesellschaft nicht zu erteilen, findet in der Presse allgemeine Zustim­mung.

Der diplomatische Korrespondent desO b s e r oer" weist darauf hin, welche Ueberraschung die Nachricht über bie Erteilung der Konzession erregt habe. Der Bericht habe geradezu Bestürzung in Anbetracht ber bevorstehenden Völkerbunds­ratstagung hervorgerufen. Wie unbequem ber Bericht über die Beteiligung englischer Interessen gewesen sei, werde verständlich, wenn man feststelle, auf welcher Grundlage Großbritannien in Genf vor­gehen will. England habe stets betont, daß es die Grundsätze der Döl kerbundssatzung verteidige und keine selb st süchtigen Mo­tive habe. Der Bericht sei daher geeignet gewesen, die britische Haltung schwer zu verdächtigen.

DieS u n d a y Times" stellt die Sorge der britischen Regierung über die Einwirkung der Mel­dung von ber Erteilung ber Konzession auf der nächsten Völkerbunbssitzung heraus. Die Regierung fürchte, daß die Aufgabe Edens, eine friedliche Regelung des Streites - herbeizuführen, auf das schwerste behindert würde. Wie groß die englische Besorgnis sei, zeige die Verlautbarung vom Sams­tag. Das Blatt weist darauf hin, daß am Sams- tagnadjmittag im Foreign Office, bas sonst an diesem Tage geschlossen sei, große Geschäftigkeit geherrscht habe. Eben sei sogar persönlich erschie­nen. Er habe Gespräche mit bem britischen Botschafter in Paris und in Rom ge­führt, und er habe sich auch an den amerikanischen Botschafter in London gewandt, der daraufhin Rückfrage in Washington gehalten habe.

People" bezeichnet die Verlautbarung vom Samstag als einen dramatischen Entschluß zur Verhinderung der K o n z e s si o n s e r t e i- I u n g. Das Blatt verzeichnet mit besonderer Be­friedigung die beruhigende Wirkung der brittschen Erklärung in Paris.

Gute Wirkung im Ausland.

London, 2. Sept. (DNB. - Funkspruch.) Der diplomatische Berichterstatter der Preß Associa­tion schreibt: Das Abrücken ber britischen Regierung von bem abessinischen Oelabkommen hat im A u s l a n b e eine vorzügliche Wir­kung gehabt und unberechtigtes Mißtrauen zer­streut. Die öffentliche Meinung des Auslandes ist beruhigt worben durch die Bekanntgabe der Tat­sache, daß die Oelverhandlungen hinter bem Rücken unb ohne Wissen der britischen Regierung geführt worben finb, unb baß bie britische Regierung sie nicht nur nicht billigt, sonbern auch ihren Gesandten in Addis Abeba angewiesen hat, dem Kaiser den Rat zu geben, die Konzes­sion noch in der Hand zu behalten

Die erste Bekanntgabe des Pachtvertrages hat im Auslände auch Fälle von Kritiken hervorgerufen, die in bem Vertrag einen Beweis für ihre Behauptung sahen, baß bie britische Politik zu dem abes- sinischen Streit nur durch selb st süchtige I n - tereffen bestimmt wirb. Dieser Stanbpunkt grün- bete sich auf die Annahme, daß bie britische Regie­rung an bem Oelgeschäst beteiligt war, ober es min- bestens besroegen begünstigte. Es ist jetzt klar, baß bie britische Regierung nichts von ben Verhandlun- gen wußte unb entschieden gegen bie ganze Sache ist. Unter biesen Umftänben hat bte Erklärung ber Regierung viel gutes getan, sie hat gezeigt, baß bie britische Politik sich auf etwas soli­deres gründet, als auf kühne Finanzmanöver, unb sie hat bie Grunblosigkeit unb bas auslänbifche Miß­trauen bargetan. Am Samstag schienen sich bie Aus­sichten in Genf durch die neue Wendung verschlech­tert zu Haden. Aber die Erklärung ber Regierung hat bie Möglichkeit neuer Gegensätze unter ben Mächten wegen bieser Frage beseitigt. Es ist tatsächlich benfbar, baß bie Atmosphäre in Genf, wo am Mittwoch ber Völkerbunbsrat zusam­mentritt, jetzt weniger gespannt sein wirb, als es ohne ben Deloertrag ber Fall gewesen wäre.

DerBatin" erstatt:

Wer kann es dem abessinischen Kaiser verwehren k

Paris, 1. Sept. (DNB.) DerM a t i n" meint zu bem unerwarteten Privatvertraa zwischen ber englisch-amerikanischen Betriebsgesellschaft unb bem Negus, wer könne es bem abeffini- schen Kaiser verwehren, baß er fein Lanb statt einerbrutalen Niederlage einem wirtschaft- lichen Aufstieg entgegenführen wolle. Erst seien bie Worte, bie ber Negus Enbe Juni bem Son­derberichterstatter desMatin" gegenüber ge­äußert habe, voll verständlich:Wenn Italien er­warte und hoffe, ein Mandat über Abessinien zu erhalten, bann irre es sich. Selbst wenn Abessi­nien eines Tages Manbatsgebiet werben sollte, so werbe nicht Italien dieses Manbat

ausüben." Werbe Italien, so fragt derMatin" weiter, sich damit zufrieden geben, ein Mandat über ben Grunb unb Boben, nicht aber über die Bodenschätze zu haben? Man könne auch nicht sagen, daß dieser Privatvertrag gegen die Ab­machungen von 1906 oder 1925 verstieße; denn Abessinien habe diese zwischen England, Frankreich unb Italien abgeschlossenen Verträge nie anerkannt. Der Schlag für Ita­lien fei hart. Anberseits aber seien durch diesem Abkommen zum ersten Male bie wahren Interessen jutagegetreten, bie von oerschiebenen Mächten im italienisch-abessinischen Streitfall ge­hegt worben seien.

Es riecht nach Petroleum."

Parts, 1. Sept. (DNB.) Der Vertrag, durch den der Negus die Bodenschätze ber größten Teile seines Reiches unter Tage an eine englisch-amerikanische Interessengemeinschaft abtritt, bietet ber französischen Presse reichlich Stoff zu Besprechungen unb Deu­tungen. Einmal hebt man in Paris hervor, baß bie italienischen Truppen in Afrika Gefahr liefen, ein Lanb zu erobern, besten U'ntergrunb be-

Washington, 31. Aug. (DNB.) Staatsse­kretär Hüll teilte in ber Pressebesprechung am Samstag mit, baß bie amerikanische G e - sanbtschaft in Abbis Abeba ben Abschluß eines riesigen Pacht- unb Ausbeutungsoertrages für eng­lisch-amerikanische Interessen telegraphisch bestä­tigt habe. Auf bie Frage, ob bie amerika­nische Regierung nicht vorher zu Rate ge­zogen worben sei, antwortete der Staatssekretär, bas sei unter ber Regierung Roosevelt nicht üb- l i ch. Die Regierung lehne es ab, ihren Lands- leuten in alle Erdteile zu folgen unb sich um Dinge zu kümmern, bie rein privater Natur seien. Er fürchte baher keinerlei Hineinziehung ber ame­rikanischen Regierung in Streitfragen, die sich aus diesem Vertrage etwa ergeben sollten. Im übri­gen könne er sich nicht äußern, solange ihm Einzel­heiten nicht bekannt seien.

In politischen Kreisen glaubt man indes, daß die amerikanische Regierung dieses Desinteresse-

Rom, 31. Aug. (DNB.) Von zuständiger italienischer Seite wird am Samstagabend erklärt, daß amtliche italienische Kreise vorläufig zu bem Abschluß bes Konzessionsvertrages nicht Stellung nehmen könnten, da bisher nur aus Zei­tungsnachrichten etwas darüber befcumt sei. Wie verlautet, hat jedoch bie italienische Regie- r u ng durch ihre Botschaft in London Nach­forschungen über den wirklichen Tatbestand anstellen lassen. Man hält es für unerläßlich notwendig, daß sowohl die englische, wie die amerikanische Regie­rung baldigst klar zum Ausdruck bringen, wie sie zu den aufsehenerregenden Nachrichten stünden.

Man erblickt in hiesigen politischen Krei­sen in dem Abschluß bes Vertrages zwischen bem Negus unb der Anglo-Amerikanischen Gesellschaft, falls bie Nachrichten darüber zutreffen, einen Bruch sowohl der von England eingegangenen inter­nationalen Verträge, wie der von Amerika kürzlich abgegebenen feierlichen Neutralitätserklä­rung. Falls geltend gemacht werben sollte, baß es sich um eine Abmachung privater Gesellschaften hanbele, würde diese Begründung nicht für stich­haltig angesehen werden können. Eine irgendwie geartete Anerkennung und Achtung ber hier als rechtswidrig*betrachteten Konzessio­nen durch Italien wird hier als sehr unwahrschein­lich bezeichnet. Im übrigen könne der Vertrag zwi­schen bem Negus unb ber Anglo-Amerikanischen Gesellschaft nach hiesiger Auffassung bie von Ita­lien eingeschlagene Linie nicht ändern oder bie italienische Regierung irgendwie von ihren Be­schlüssen bei ber Durchführung des ostafrikanischen Unternehmens abbringen.

Rom nach dem englischen Dementi

Rom, 1. Sept. (DNB.) Nach dem offiziellen D e m e n ti ber britischen Regierung und den Er­klärungen, daß die großen Pettoleumgesellschaften Amerikas nichts mit dem Konzessionsvertrag des Herrn Rickett zu tun haben, erscheint hier die ganze Angelegenheit immer rätselhafter. In Rom gibt man im übrigen bem Weltecho, das die Bombe desDaily Telegraph" gefunden hat, breitesten Raum.

Unter der SchlagzeileDiel Lärm und Heber- raschung ber Affäre einer britischen Konzession in

Washington, 1. Sept. (DNB.) Die ame­rikanische R e g i e r ü n g hat in einer von Staatssekretär Hüll ausgegebenen öffentlichen Er- kläruna, bie allerdings nicht in Form einer Note nach Moskau gesandt wurde, in sehr deutlicher Form zu verstehen gegeben, baß die künftigen freundschaftlichen Beziehungen zwischen ben ber­einigten Staaten unb der Sowjetunion einzig und allein von der strengen Innehaltung des sowjetrussischen Versprechens der Nichtein­mischung in die inneren Angelegenheiten des mnerikanischen Volkes abhängen. Die Erklärung

Die kürzliche Note ber Vereinigten Staaten und die Antwort der Sowjetunion werfen die Frage aus, ob bie Sowjetteyierung unter Verletzung des ausdrücklichen Uebereinfommens bezüglich ihrer Anerkennung durch bie Vereinigten Staaten im Jahre 1933 auf ihrem Staatsgebiete Organisatio­nen ober Gruppen bulben will, bie solche Unter­nehmungen planen ober leiten, die ben Umsturz ber politischen ober sozialen Ordnung der ^Bereinig- ten Staaten bezwecken.

Nach eingehender Würdigung des früheren Noten­wechsels zwischen ben Vereinigten Staaten und der Sowjetunion wird in der Erklärung Hulls weiter­hin festgestellt, daß die in den vorerwähnten Noten der Somjetregierung abgegebenen Versprechungen

reits anderweitig verpachtet rst zum andern aber glaubt man, baß ber ganze Vorfall bie S t e 11 u n g Mussolinisin Genf nur g e ft ä r 11 habe, denn jetzt könne Englanb bort nicht mehr als der reine Vertreter eines hohen Jbeals erscheinen und Sühne- maßnahmen gegen Italien verlangen, die nunmehr verbächtig unb selbstsüchtig aussehen wurden. Im übrigen ist man in Paris der Ansicht, daß die Ver­lautbarungen ber englischen unb ber amerikanischen Regierung, bie besagen, baß sie von den Plänen nichts gewußt hätten, eine gewisse Entspan­nung gebracht haben.

DerM a t i n" schreibt, in A b e s s i n i e n r i ech e es stark nach Petroleum. Die englische Re­gierung wasche sich ihre Hänbe in Unschulb unb bie amerikanische Regierung scheine sich bie Nase zu­halten zu wollen. Der Berichterstatter besMatin in London untersucht, ob bie Verlautbarung bes Foreign Office ber Wahrheit entspreche und glaubt, dies bejahen zu können. Denn England werbe die Belange ber neuen afrikanischen Gesell­schaft nicht in bie Liste ber britischen Rechtsansprüche aufnehmen, bie Mussolini zu achten versprochen habe.

ment nicht lange werde aufrechterhal» ten können. Man ist geneigt, die Angelegenheit als eine kluges Manöver britischer In­teressen aufzusassen, um ben Teil Abessiniens, in bem Italien im Kriegsfälle zuerst einmarschieren würbe, zu einer neutralen Zone zu machen und gleichzeitig Amerika in bas abessinische Problem zu verwickeln. Man nimmt weiter an, baß sich die amerikanische öffentliche Meinung zunächst abwar­tend unb kritisch verhalten werbe, baß aber bie Stimmung, wenn ber Vertrag wirklich burchgeführt werbe unb umfangreiche Bestellungen auf bie bem Ausfuhrverbot nicht unterliegenden Waren eingehen sollten, sich allmählich für das Projekt erwärmen werbe. Die öffentlicye Meinung würbe sich bann auch energisch gegen eine italienische Einmischung in bie friedliche Entwicklung Abessiniens aus­sprechen. Jebenfalls bezeichnet man schon jetzt die Nachricht von dem Abschluß ber Konzession als d i e Melbung bes Jahres".

Abessinien" stellt das SonntagsblattVoce d'Italia" in einem Leitartikel Gaydas fest, daß die Lon­doner Regierung erklärt habe, nichts mit der Angelegenheit zu tun zu haben und vorher auch nichts davon gewußt haben wolle. Aus W as h i n g- t o n leugne man bie Teilnahme irgend einer ame­rikanischen Gesellschaft. Ein großer Teil der briti­schen Presse wolle ebenfalls dem Geschäft des Mister Rickett keinen Glauben schenken. Auf Grund dieser Feststellungen müsse man nunmehr auf italienischer Seite fragen, welche Glaubwürdigkeit ber Information desDaily Telegraph",News Chro- nicle" unbDaily Sketch" zukomme, bie im Namen ber Vökkerbunbsprinzipien eine Agitationspatrouille gegen Italien ritten.

Die britischen Blättermelbungen deckten im übri­gen weitere Vertragsverletzungen fettens ber abessinischen Regierung auf unb legitimier­ten daburch um so mehr bas italienische Mißtrauen unb seine Anschulbigungen gegen Abessinien. Durch Zubilligung eines Monopols an bie Gesellschaft Rickett habe Abessinien unter­schriebene Verträge klar gebrochen. Das Blatt erinnert daran, daß bie abessinische Re­gierung schon vor längerer Zeit eine Petroleumkon­zession in Dankalia an eine italienische Gesellschaft vergeben habe. Die jetzt unterzeichnete Konzession stelle barum eine grobe Verletzung bieses vorher ab­geschlossenen Vertrages dar. Offenbar könnten bie britischen Zeitungen, bie sich jetzt kampflustig für die Dölkerbundspolitik Großbritanniens unb die Ver­teidigung Abessiniens ereiferten, schlecht die Wir­kung ihrer Geschosse abroägen. Durch ihre Haltung leiteten sie ben Verbacht unb die Verantwortung der wechselseitigen Paktverletzbng zugunsten ihrer britischen Sonderinteressen allein auf sich selbst.

Unter der UeberschriftVerlegenheit um bie Pe­troleumkonzession in Abessinien" unterstreicht auch P opo 1 o bi Roma" in zahlreichen ßonboner, Pariser und Washingtoner Meldungen den fatalen unb veinlichen Einbruch ben die Sensattonsnach- richt des ,Daily Telegraph" allenthalben hervorge- rufen habe.M e f f a g e r o" faßt ben Eindruck bes Konzessionsvertrages bahin zusammen, baß es sich um nichts anberes, als um einen brutalen Jnter- essenkonflikt handele.

durchaus klar und keineswegs zweideuttg ausae- drückt seien, und daß sich

die Sorojetregierung unzweifelhafter Mißach­tung ihrer gegebenen Versprechungen schuldig gemacht

habe. Die amerikanische Regierung, die sich in frÜ- Heren Verbalnoten bereits darüber beschwert habe, daß bie Sorojetregierung ihre Versprechungen nicht in die Tat umsetzte und die angesichts der wächsern den Unsicherheit in den internationalen Beziehun­gen und der sich daraus ergebenden gefährlichen Folgen hinsichtlich des Friedens und der wirtschaft- lichen Erholung tief besorgt sei, habe in ber Not« oom 25. August ernsthaft versucht, der Sowjet­regierung bie Heiligkeit ihrer gegebenen Verspre­chungen vor Augen zu führen, um eine weiter« Entwicklung der freundschaftlichen und amttichen Beziehungen sowie eine wertvolle Zusammenarbeit auf vielen nützlichen Wegen zu ermöglichen.

Wenn die Sorojetregierung in ihrer Antwort­note die Absicht zum Ausdruck gebracht habe» ihr versprechen, die Tätigkeit der Komintern und ähnlicher Organisationen zu verhindern, durchaus nicht zu hatten, so habe dies dem Gefüge der fteundschafttichen Beziehungen zwi­schen den beiden Ländern einen schweren

Schlag verseht.

Zurückhaltung der amerikanischen Regierung.

Italien sieht die Konzessionen als rechtswidrig an.

Der"

S:

ortbruch der Gowjetregierung.

Eine scharfe Erklärung der amerikanischen Regierung.