Ausgabe 
2.8.1935
 
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Hin-enburg-Gedenkappell der Wehrmacht in Gießen.

alten Bauerngeschlechtern, die von zäher Lebenskraft sind. Der Stamm Roth ist in unserer Gegend seit tanger als 500 Jahren nachweisbar, die Sippe K r a u s ch siedelt in Birklar auch seit Jahrhunder­ten. - Unsere O r t s d u r ch s a h r t ist nun dem Verkehr wieder f r e i g e g e b e n. Die Obergasse hat durch die Modernisierung ihrer Fahrbahn wesentlich an Schönheit und Bequemlichkeit gewonnen. Der Getreideschnitt nähert sich seinem Ende. Die Landwirte rechnen mit einer guten Mittelernte im Körnerertrag. Der Behang der Obstbaume ist in unserer Gemarkung leider nur gering.

Kreis Stiebberg.

LPD. Bad-Nauheim, 1. August. In der Scheune des Bauern Eisner in Rödgen entstand gegen 22 Uhr ein Brand, dem die Scheune, die Stallungen und Neben­gebäude zum Opfer fielen. Das Feuer, das zuerst von einem Dienstmädchen bemerkt worden war, breitete sich so schnell aus, daß sich die Feuer­wehren darauf beschränken mutzten, das Wohnhaus vor dem Uebergreifen der Flammen zu bewahren.

ftrti* Bübingen.

)( Ober-Widdersheim, 1. Aug. Be­günstigt durch die Witterung hatte der Bauersmann in diesem Jahre in Getreide und Hackfrucht viel mit dem U n k r a u t zu kämpfen. Erstmalig wurde dabei auch das Vorkommen des Knopfkrautes ver­merkt, das durch französische Kriegsgefangene in die Gegend von Gießen gebracht wurde und darum dort als Franzosenkraut oder Gießer Un­kraut begegnet wird. Jedenfalls hat der Wind die feinen Samen in das neue Verbreitungsgebiet ge­bracht. Jeder Feld- oder Gartenbesitzer sollte es beim Auftreten sofort vernichten. Dieses überaus lästige Unk-aut hat nämlich die Eigenart, daß der noch un­reife Samen schon vermehrungsfähig ist.

Kreis Schotten.

* W etter f eId, 1. Aug. Der seit über 30 Jahren an der Spitze unseres Dorfes stehende Bür­germeister Krauß wurde wiederum auf sechs Jahre zum ehrenamtlichen Bürgermei- st e r ernannt und vom Kreisamt für sein Amt verpflichtet.

# Rainrod, 1.August. Dieser Tage feierte der Bahnhofsvorsteher i. R. Johannes Ulrich in körperlicher und geistiger Frische seinen 8 5. Ge­burtstag. Zu seiner großen Freude wurde chm durch Ober-Inspektor Bohr von Nidda im Auftrag der Reichsbahndirektion Frankfurt a. M. ein schönes Glückwunschschreiben unter Beifügung eines ansehn­lichen Geldgeschenkes überreicht. Zahlreiche Gratu­lanten fanden sich in seinem Hause ein, um dem alten Herrn die besten Glückwünsche darzubringen. Der Jubilar hat die hiesige Bahnstation von der Eröffnung der Strecke NiddaSchotten an bis zu seiner Pensionierung tm Jahre 1917 treu und ge­wissenhaft verwaltet und ist jetzt der älteste Ein­wohner unseres Dorfes.

Kreis Alsfeld.

£ Groß.Felda, 1. Aug. Unsere Kirche wird zur Zeit im Innern erneuert. Die Arbeiten konnten in Angriff genommen werden, da die Ge­meindeglieder die erforderlichen Mittel gespendet hatten. In wenigen Wochen wird sich die Kirche in einem neuen Kleid zeigen, das sich vom alten wesent­lich unterscheidet. In ihren ältesten Tellen stammt die Kirche noch aus katholischer Zeit und war im gotischen Stil gehalten, wie sich aus Tabernakel, Kanzel und Taufstein feststellen läßt, die aus dem 15. Jahrhundert stammen. Unter dem Verputz sind Wandmalereien festzustellen, die wahrschein­lich aus derselben Zeit stammen. Leider sind sie so zerstört, daß sie sich nicht w i e d e r h e r st e l l e n lassen. Wie aus dem Verputz an der Nordselle sich feststellen läßt, haben im Jahre 1678 wesentliche Umbauten, insbesondere Emporen, die Kirche ver­ändert. Ein' Teil der Kirchenbänke, deren Backen reich verziert sind, stammt aus dem Jahre 1795. Ein häßlicher brauner Anstrich hatte der Kirche ihren ganzen Reiz genommen.

Aus Anlaß des Todestages des Generalfeldmar­schalls und Reichspräsidenten von Hindenburg wehen heute von allen öffentlichen Gebäuden und den Kasernen die Flaggen des Reiches bzw. der Wehrmacht auf Halbmast. In der Neuen Kaserne fand am heutigen Vormittag ein Standort- appell der Wehrmacht für den großen Heerführer des Weltkrieges, den getreuen Ekkehard des deutschen Volkes statt. Im offenen Viereck waren die Mannschaften unseres Regimentes an­getreten. Pünktlich um 10 Uhr begann die kurze Gedenkfeier. Oberstleutnant von Wachter mel­dete dem Standortältesten, Oberst Vierow, die Truppen, der die Soldaten mit einem kräftigen Heil Grenadiere!" begrüßte. Wie ein Rus klang dasHeil!" der Mannschaften über den weiten Platz. Sodann hielt der

Regimentskommandeur Oberst Vierow

folgende Ansprache an das Regiment:

Grenadiere!

Heute vor einem Jahre schloß der Reichspräsident und Generalfeldmarschall Paul von Hinden­burg für immer die Augen. Wir gedenken seiner als des großen Feldherrn des Weltkrieges und treuen Ekkehard des deutschen Volkes in tiefer und aufrichtiger Verehrung.

Als am 22. August 1914 der nach einem arbeits­reichen Leben im Ruhestand in Hannover wohnende ehemalige Kommandierende General des IV. Armee­korps an die Spitze der 8. Armee in Ostpreußen berufen wurde, kannten nur wenige seinen Namen. Acht Tage später, nach der siegreichen Schlacht bei Tannenberg, der größten Vernichtungsschlacht des Weltkrieges, nannte den Namen Hindenburg die ganze Welt. Seit jenem unerhörten Siege sahen wir alle in ihm den großen Feldherrn, der dem deutschen Volke in schwerster Not vom Hinnnel gesandt war, dazu berufen, es gegen eine Welt von Feinden zu beschützen.

Wir erblicken in ihm den großen Soldaten, der in vorbildlicher Pflichttreue und harter selbstloser Arbeit seine Pflicht tat. wir sahen in ihm den väterlichen Vorgesetzten, der in Güte und selbstloser Hingabe ein warmes Herz für seine Untergebenen zeigte.

Dieses Vertrauen, das Millionen Deutscher zu die-

fern großen schlichten Manne hatten, wurde nicht enttäuscht. Im Osten folgte auf Tannenberg Sieg auf Sieg, er wurde der Befreier Ostpreußens von der russischen Dampfwalze, er wurde der Besieger Rußlands.

Im Jahre 1916 wurde Hindenburg zusammen mit seinem genialen Gehilfen, dem General L u -

Kreis Lauterbach.

£ Lauterbach, 1. August. In der heutigen Stadtratssitzung wurde zunächst die Hauptsatzung der Stadt Lauterbach dahin­gehend geändert, daß für die Folge für die Stadt nur noch 10 Gemeinderäte vorzusehen sind und dem hauptamtlich anzustellenden Bürgermeister zwei ehrenamtliche Beigeordnete zur Seite stehen. Bei­geordneter Gürtler teilte, entgegen verschiedenen Gerüchten, mit, daß unmittelbar mit der Auflassung des Geländes mit dem Bau des neuen P o st- gebäudes begonnen werde. Die Arbeiten sollen nur an Lauterbacher Handwerker vergeben werden. Sodann wurde beschlossen, zur Adolf-Hitler- Spende der deutschen Wirtschaft den Betrag von 82 Mark zu stiften. Die G e m e i n d e g e w e r b e- {teuer soll unter bestimmten Voraussetzungen aus Billigkeitsgründen nachgelassen werden. Beigeord-

dendorff, durch das Vertrauen seines Obersten Kriegsherrn an die Spitze der Obersten Heeres­leitung berufen. Es ging wie ein Aufatmen durch die im Stellungskriege erstarrten Fronten, als diese beiden Männer an die Spitze des deutschen Heeres traten. In einem bisher unerhörten Ausmaße wurden alle Kräfte des deutschen Volkes für die große Entscheidung eingespannt. Als im Anfang des Jahres 1918 alle Vorbereitungen getroffen waren, begann im März die gewaltige Schlacht in Frankreich. In wuchtigen Schlägen sollte die feind­liche Front im Westen durchbrochen werden. Daß der deutschen Armee letzten Endes der Erfolg ver­sagte, ist nicht Schuld des Feldherrn und seiner unvergleichlichen Armee. Das war Schicksal. Als Ende 1918 das Chaos hereinbrach, blieb er an der Spitze der Armee und führte sie geschlossen in die Heimat zurück.

An seinem stillen Heldentum richteten sich alle diejenigen auf, die noch an Deutschland glaub­ten. Er war es, der schließlich das Schlimmste, das Absinken in den Bolschewismus, verhinderte. 1925, mit 78 Jahren, übernahm Hindenburg das Amt des Reichspräsidenten. Durch feine staatsmän­nische Weisheit, seine schlichte, große Persönlichkeit wuchs das Vertrauen zu ihm von Jahr au Jahr, er wurde im Herzen aller wahrhaft Deutschen der treue Ekkehard, der Mahner zu Einigkeit und Treue.

Die Erfüllung seines Traumes, die Erneuerung des deutschen Volkes, durste er noch erleben. In Adolf Hitler fand er den Mann, der diese Ausgabe meisterte.

Wir Soldaten aber werden nie vergessen, was dieser große alte Wann uns gewesen ist, der sieg­reiche Feldherr, der vorbildliche Soldat, der Wah­ner zur Einigkeit und Wehrhaftigkeit. Ihm nachzu­eifern, wollen wir mit heißem herzen bemüht sein. 3n ihm und dem Vollstrecker seines Wil­lens, Adolf Hitler, sehen wir die großen solda­tischen Persönlichkeiten, die ein gütiges Schick­sal Deutschland in letzter Stunde bescherte.

Und so wollen wir in dieser Stunde der Erinne­rung an den großen Feldmarschall des Mannes gedenken, der den Wunsch des Siegers von Tan­nenberg erfüllte, indem er dem deutschen Volke die Ehre und Wehrsteiheit Wiedergabe

Der Oberbefehlshaber der Wehrmacht, unser ge­liebter Führer und Reichskanzler

Hurra!

Das Musikkorps spielte sodann unter Begleitung des Spielmannszuges die Melodien des Deutschland- und des Horst-Wessel-Liedes. Hierauf rückten die Kompanien ein.

neter Gürtler gab bekannt, daß die Erweite­rung des Friedhofes unbedingt notwendig sei. Die Erweiterung solle noch im Laufe dieses Jahres begonnen und im nächsten Frühjahr fort­gesetzt werden. Die Schaffung von Wegen, wie die Erweiterung überhaupt, erfordere einen Aufwand von 7000 bis 8000 Mark. Das notwendige Ge­lände soll, soweit es nicht schon stadteigen ist, im Feldbereinigungsverfahren zugeteilt werden. Die gärtnerischen Arbeiten sollen von Lauterbacher Gärtnern ausgeführt werden. Sodann wurde über den Stand der Wasserleitungsarbei- t e n Bericht erstattet. Der erste Bauabschnitt ist fertig, der zweite Abschnitt, vom Hochbehälter zur bereits gefaßten Quelle in der Gemarkung Allmen­rod, soll sofort in Angriff genommen werden. Einen Anschluß will man für das Arbeits­dienstlager Sickendorf schaffen.

Ein Teilnehmer an der Versailler Kmserproklamaüon gestorben.

LPD. Marburg, 1. Aug. Im hohen Aller von 90 Jahren verstarb hier der frühere Gendarm und spätere langjährige Wirt der Marburger Her­bergeZur Heimat", Rentner Andreas Weber. Mit dem Verblichenen ist einer der letzten Teilnehmer an der Versailler Kai­serproklamation zur großen Armee abberu- fen worden. Weber, der aus Thüringen stammt, gehörte vom Jahre 1866 ab dem früheren Mar­burger Jägerbataillon Nr. 11 an und machte im Musikkorps dieses Bataillons den Feldzug 1870/71 mit, in dessen Verband er auch die Ehre hatte, an der feierlichen Kaiserkrönung im Versailler Spiegel­saal teilnehmen zu dürfen.

Vorbildliche Tierschuharbeit.

Der unter Leitung von Ministerialrat Rings- hausen stehende Tierschutzverein für Darmstadt und Umgebung hat zur Unter­bringung herrenloser Kleintiere ein Tierheim errichtet und am 1. Juli in Betrieb genommen. Die jahrzehntelangen Bemühungen der Darmstädter Tiersteunde um die Schaffung einer einwandfreien Unterbringung der aufgegriffenen, herrenlosen Tiere ist nun gelöst. Neben herrenlosen Hunden, Katzen und sonstigen Kleintieren können auch Tiere aufge- genommen werden, die in Anwendung der Para­graphen 10 und 11 des Reichstierschutzgesetzes ihrem Besitzer fortgenommen werden, weil er sie fortge­setzt roh mißhandelte, oder in der Haltung und Pflege so vernachlässigte, daß sie erhebliche körper­liche Schädigungen davontrugen. Auch Tiere, deren Besitzer auf Reisen oder vorübergehend abwesend sind, finden Aufnahme.

Unter der sachkundigen Beratung von Obervete­rinärrat Dr. Küthe und Oberrechnungsrat N. Kratz wurde bei sorgfältigstem Haushalten mit den zur Verfügung stehenden Geldmitteln eine muster­gültige Einrichtung zur wirksamen Ausübung des Tierschutzes geschaffen. An eine freundliche Woh­nung für den Tierpfleger schließt sich ein fester Winterbau an, der zur Unterbringung der Tiere in der kalten Jahreszeit dient. Sonst tummeln sich die Pfleglinge im Freien in geräumigen Zwingern. Wenn der äußere Aufbau des Tierheimes vollstän­dig fertiggestellt ist, werden die Zwinger mit dich­ten Hecken und dichtem Buschwerk umgeben sein, das die Tiere vor den sengenden Sonnenstrahlen- schützen wird.

Oeutschlandfahrt auf gestohlenen Fahrrädern.

LPD. Frankfurt a. M., 1. August. In Bar­celona stand die Wiege des 46jährigen Alfred Grützner, der, obwohl er das Licht der Welt im Lande der Stierkämpfe erblickte, deutscher Staatsangehöriger sein will. Als er dem Schöffen­gericht wegen einer Serie von Fahrrad- dies stählen vorgeführt wurde, erzählte er, daß er einerkleinen Sache" wegen Spaniens Fluren habe verlassen müssen, und daß er sich im Vertrauen auf seine Sprachkenntnisse er spricht sieben Sprachen nach Deutschland begeben habe, wo er Arbeit zu finden hoffte. Aber das Glück war ihm nicht hold, und so fristete er sein Leben als Uhr- reparateur, in der Hauptsache aber durch Fahrrad­diebstähle. Seit 1933 ist er in Altona, Chemnitz und Plauen wegen Diebstahls bestraft worden und be­gann, als er im August des vergangenen Jahres aus der Haft kam, eine D e u t s ch l a n d f a h r i auf gestohlenen Fahrrädern. In den einzelnen Städten stahl er jeweils ein bis zwei Räder, die er unterwegs verkaufte. In Frankfurt wurde er schließlich gefaßt und legte dabei ein umfangreiches Geständnis ab.Ich habe nicht aus Wollust gestohlen und bin auch kein Berufsver­brecher", meinte der Angeklagte mit dem Hinzu­fügen, daß er sich nie die Räder armer Leute, son­dern meist von Beamten genommen habe. Der Fahrradmarder wurde zu 14 Monaten Ge­fängnis verurteilt.

)ir sanden zueinander

*

Nachdruck verboten!

17. Fortsetzung.

Roman von Klothilde v. Stegmann, vrheberrechtschutz: Fünf-Türme-Verlag Halle (S.)

und nach Fassung rang. Dietrich schien es nicht zu sehen. . r

Darf ich dich bitten, Marlen", sagte er,dieses als Brautgeschenk von mir anzunehmen?" Er holte , ein Kästchen aus seiner Tasche und öffnete es. Auf blausamtenem Grunde lag ein wunderschön gefaßter Ring mit zwei großen, grauen Perlen. Er war ein Wunder an Schönheit. Aber wieder mußte Marlen denken:

Perlen? Perlen bedeuten Tränen!

Eiskalt war ihre Hand, als Dietrich ihr den Ring an den Finger steckte. Kaum vermochte sie ein mühsamesDanke wie schön!" herauszu- stammeln.

Und nun können wir wohl das Notwendigste besprechen", fuhr Dietrich fort.Wenn ihr gestattet!" Er setzte sich, nachdem die beiden jungen Mädchen Platz genommen hatten.

Karla betrachtete.stumm und angstvoll die beiden Menschen. Wie bleich sie aussahen, wie ihre Augen einander mieden! Ach, wie ganz anders hatte sie sich die Verbindung von Marlen und Dietrich ge­dacht! Mußte sie weiter schweigen? Sollte sie nicht die Hände dieser beiden Menschen nehmen und sagen: Besinnt euch doch! Was steht zwischen euch? Wollt ihr wirklich so den Lebensbund mit­einander schließen? Irgendein Mißverständnis muß zwischen euch fein. Wenn das geklärt ist, werdet ihr den Weg zueinander finden.

Aber sie war ja durch ihr Versprechen Marlen gegenüber gebunden. Mit sehenden Augen mußte sie zuschauen, wie die beiden teuersten Menschen aus dem tiefsten Glück das größte Unglück machten.

Dann entwickelte Dietrich feine Pläne für die nächste Zukunft. Die Verlobungsanzeigen waren schon bestellt. Sie würden morgen, Freitag, heraus­gehen können am Sonntag würde man den gro­ßen Empfang abhalten können.

Ich möchte den Verlobungsempfang auf Schloß Veltheim veranstalten. Darf ich dich, Karla, und deinen Vater bitten, mich dabei zu unterstützen?"

Karla nickte mit feuchten Augen.

Dietrich fuhr fort:

Und dich, Marlen, bitte ich, mir deine Papiere auszuhändigen ich möchte das Aufgebot be­stellen. Wenn es dir recht ist, heiraten wir vier Wochen nach dem Aufgebot."

Marlen zuckte zusammen. So bald schon!, dachte sie gehetzt. Aber als Dietrich nun zum ersten Male seinen kühlen Blick auf sie richtete, sagte sie, an­scheinend gleichmütig:

Mir ist alles recht, wie Sie wie du es be­stimmst." -

Es war das erste Mal, daß sie ihn mit dem ver- i trautenDu" anredete. Schwer kam es ihr über - die Lippen. Jetzt erst ermaß sie ganz, wie fern t sie beide sich standen.

Dietrich erhob sich.

-Dann will ich wieder zuruckfahren. Es ist für . die Verlobungsfeier noch Verschiedenes zu richten.

In seiner etwas lärmenden Art streckte er ihr beide Hände entgegen:

Was höre ich, kleine Marlen? Sie sind Braut? Die Karla hat's mir eben erzählt. Braut von un- ferm lieben Dietrich? Na, da sind zwei prächtige Menschenkinder zusammengekommenl Kommen Sie her, Kindchen, von einem alten Krauter wie mir können Sie schon einen Glückwunsch annehmen." Damit hatte er sie in die Arme genommen und schallend auf beide Wangen geküßt.

Dann schob er Marlen von sich, sah sie prüfend

Bißchen blaß sehen Sie aus, Kindchen! Und die Aeuglein sind gar nicht so frisch wie fünft Na ja, die Aufregung das bräutliche Glück! Werden sich schon gewöhnen, Kindchen. Na, und wann kommt er denn nun, der. Heißgeliebte? Rosen sind ja ganz schon, aber ein richtiger Kuß ist doch noch schöner nicht wahr?"

Karla, die jetzt hereingekommen war, machte ein gequältes Gesicht. Am liebsten hätte sie den Vater gebeten, er möge schweigen. Wie mußte Marlen unter all dem leiden? Aber Marlen nickte Karla unmerklich zu, als wollte sie sagen: Laß nur! So ist es am besten. So bekomme ich mich am ersten dazu, mich nicht gehen zu lassen.

Karla bewunderte Marlen im geheimen. Wie konnte sich die Freundin beherrschen! Ja, sie ver­mochte sogar auf die Scherze Weckenroths einzu­gehen und heiter und gleichmütig zu antworten.

Dann kamen die Hausangestellten; sie alle hatten schon von der freudigen Nachricht gehört. Sie gra­tulierten so herzlich, daß man fühlte, sie alle hatten Marlen von Herzen gern.

Kaum war man mit dem Frühstück fertig, da rief auch Dietrich an und meldete sein Kommen für den Vormittag.

Da wurde Marlen aber doch blaß:

Laß mich nicht allein, Karla!" bat sie leise, nachdem Hauptmann Weckenroth in seinem Zimmer verschwunden war.Laß mich um Gottes willen mit Dietrich Veltheim nicht allein!"

Angstvoll umkrampfte sie die Hand der Freundin. Ihre sonst so klaren, grauen Augen hatten einen gehetzten Ausdruck.

Beruhige dich nur, Liebes, ich bleibe ja bei dir!" versprach Karla. Sie wich nicht von Mar­lens Seite, als Diettich bann kam. Und er schien es auch nicht anders erwartet zu haben. Er be­grüßte Marlen mit einem vollendet höflichen Hand­kuß, bann Karla. Karla sah, wie Marlen zitterte

was ich mit meiner Haushälterin zu besprechen habe. Noch eins, Marlen: -Ich wünsche, baß du an deinem Verlobungstag so auftrittft, wie es der zukünftigen Herrin auf Schloß Veltheim zukommt. Darf ich dir dies überreichen?"

Er zog einen Briefumschlag aus der Tasche.

Hier ist ein Ausweis auf meine Bank. Bitte, verfüge ganz nach deinem Belieben und in der Höye, die du für notwendig findest."

Marlen wurde glühend rot. Ihre Hand zuckte zurück. Es war chr, als hätte sie einen Schlag erhalten.

Ich ich glaube, ich werde das nicht brauchen", tammelte sie.

Mit kalter Verwunderung sah Dietrich Veltheim sie an.

Ich glaube, darüber täuschst du dich, Marlen. Ich habe ja eben gesagt: Meine Braut und zu­künftige Frau muß standesgemäß auftreten. Aus eigenen Mitteln wirst du dir das wohl nicht ge­statten können. Ich begreife nicht, warum du dich weigerst du hast doch selbst gesagt, warum du auf diese Heirat eingehst. Jetzt also kommst du aus der Armut heraus, wie du es gewünscht hast."

Marlen wurde kreideweiß. Sie sprach kein Wort mehr. Sie nahm den Briefumschlag, den Dietrich ihr noch hinhielt. Dann neigte sie stolz den Kopf und ging mit festen Schritten hinaus.

Karla fühlte, wie die Tränen kamen.

Aber Dietrich, wie kannst du so hart und scho­nungslos sprechen! Es hat ja gerade den Anschein, als "wolltest du Marlen tödlich treffen."

Und wenn ich es wollte!?" fragte Diettich Velt­heim wild zurück. Dann schwieg er. Er konnte Karla nicht sagen, was er jetzt gedacht. Daß ja auch Marlen ihn tödlich getroffen, daß man diesen Schmerz nur betäubte, wenn man selbst hart war, hart und rücksichtslos.

14. Kapitel.

Mit dem Vollmond war das Wetter umgeschla­gen. Alles Land ertrank in grauen Regenfluten. Ein häßlicher Wind jagte über die Felder. Es war, als wäre der Herbst statt des Frühlings wieder eingekehrt.

Auf Schloß Veltheim aber spürte man nichts von dieser Veränderung. In allen Gesellschaftsräumen brannten die elektrischen Kronen, eine wohlige Wärme verbreitete sich, lag in allen Räumen. Aus Anordnung des Arztes war die Heizung in diesen kalten Tagen wieder in Gang gesetzt worden. Die angegriffene Gesundheit des Schlohherrn erforderte noch allergrößte Schonung.

Blumen dufteten aus allen Schalen und Vasen. In den Ecken der saalartigen Räume standen große Kübel mit blühenden Pflanzen: Hortensien, Kame­lien, Azalien. In dem mittleren Empfangsraum, der ganz in Weiß und Gold gehalten war, stand

, Marlen neben Diettich, neben ihm Hauptmann

Weckenroth und Karla. Unaufhörlich fuhren neue Autos und Wagen vor dem Portal von Schloß Veltheim vor. Unaufhörlich kamen neue Gratulan­ten, von dem Kammerdiener geleitet, um dem jun­gen Brautpaar ihre Glückwünsche zu übermitteln.

Diettich Veltheim war im ganzen Kreise sehr beliebt. Alle Gutsbesitzer und hervorragenden Per­sönlichkeiten der Umgebung freuten sich, den Schloßherrn von Veltheim nun auch offiziell be­grüßen zu dürfen. Die Testamentsklausel Frau Albertas war dem weiteren Kreise natürlich nicht bekannt. So glaubte jeder, daß Diettich Veltheim und Marlen Korda aus wirklicher Liebe zusammen- gefommen wären. Diese Verlobung war der Ge­sprächsstoff der ganzen Gesellschaft. Man hatte Marlen hin und wieder bei Hauptmann Weckenroth gesehen. Alle hatten das schöne, feine Mädchen gern und freuten sich ihres Glücks.

Und wirklich, diese beiden Menschen schienen glück­lich zu sein. Wie sie da nebeneinander standen, waren sie nach dem Urteil aller ein wunderschönes Paar. Dietrichs schlanke Figur wurde durch den tadellos gearbeiteten Frack noch mehr hervorge­hoben. Sein Gesicht war zwar noch hager, sah aber jetzt in der warmen Beleuchtung hier nicht mehr so elend aus. Die vornehme Herbheit feiner Züge wurde durch die Magerkeit eher noch betont

Neben ihm Marlen, wie ein lichter Traum in dem hellen Leuchten ihrer goldblonden Flechten, dem warmen Grau ihrer großen Augen unter den schwarzen Wimpern. Marlen trug ein Kleid aus kostbaren weißen irischen Spitzen, in die Kanten von handgestickten Rosen hineingearbeitet waren. Das schöne Muster der Spitzen hob sich wirkungs­voll ab von dem rosenfarbenen seidenen Unterkleid. Das Kleid war in der Taille eng zusammengenom­men und hatte einen breiten Gürtel aus weichem rosenfarbenen Samt, der hinten in einer breiten Flügelschleife gebunden war. Marlens schlanke, zarte Figur wurde durch dieses Kleid noch größer und schlanker.

Um Marlens schmalen Hals lag ein altertüm­licher Brillantschmuck, der Schmuck des Hauses Veltheim. Im Gürtel befestigt hatte sie einen großen Strauß Maiglöckchen, die einen süßen Duft aus» strömten. Weiße Seidenschuhe und zartrosa Strümpfe vervollständigen den kostbaren und dabei doch vornehmen Anzug.

Karla sah in ihrem mattgelben Crepe-de-Chine- Kleid neben der schön gewachsenen Freundin ziem­lich unscheinbar aus. Aber ihre warmen, dunklen Augen gaben dem ganzen feinen Gesicht den Aus­druck einer solch strahlenden Güte, daß sie davon unendlich verschönt wurde. Besorgt sah sie immer wieder auf Marlen. Nur sie allein wußte ja, was die Freundin litt. Würde sie diese Haltung der Selbstbeherrschung und des scheinbaren Glücks be­wahren können?

(Fortsetzung folgt!),