Ausgabe 
2.8.1935
 
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ßreitag, 2. August 1955

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Vberhesten)

UrJ78 Zweites Blatt

Eine Tannenberg-Ausstellung im Zeughaus

Er sah nur unverwandt nieder auf die beiden Bücher, das durch ein Wunder rein erhaltene und das von seinem eigenen Schuß zerfetzte; er sprach willenlos Stellen des großen Werkes vor sich hin und wußte nicht, ob es seine eigene Stimme war oder die unendlich ferne und doch so schmerzhaft brüderlich nahe des Toten.

der Lage gewesen, die heute fällige Rate des ru­mänischen Auslandsschuldendienstes nach Paris zu überweisen, obwohl die Summe bereits in rumä­nischer Währung bei der Nationalbank hinterlegt worden ist. Finanzminister Antonescu erklärte, die für den Transfer notwendigen Devisenbestände könnten nur durch eine Förderung der rumänischen Warenausfuhr nach den Gläubigerstaaten beschafft werden. Unterstaatsse­kretär Victor P a t u l e s c u führt Verhandlungen mit den Vertretern der Gläubiger des rumänischen Staates, um eine Neuregelung der heute fälligen Zahlungen zu erzielen. Die aus Paris eingetrof­fenen Berichte Patulescus zeigen, daß die Ver­handlungen sich sehr schwierig gestalten.

OauerndeZinssenkung für den landwirtschastlichen Nealkredit

sen die Büsten der Generale Otto von Below, Krahmer, von Scholtz, von Schmettau, Brelthaupt, Fritz von Unger. In der gleichen Weise werden später die Büsten im Feldherrnturm des Tannen- bergdenkmals Aufstellung finden. Am heutigen Todestag Hindenburgs werden von der General­verwaltung der Museen und der Verwaltung des Zeughauses sowie vom Nationalverband deutscher Offiziere Kränze an den Ehrungsstätten für Hin­denburg im Zeughaus niedergelegt. Unser Bild zeigt einen Blick in die Ruhmeshalle mit der Toten­maske des Feldherrn im Mittelpunkt und den im Kreise aufgestellten Bronzebüsten. (Deutsche Presse- Photo-Zentrale-M.)

französischen Zeitungen abgedruckt worden ist, zeigt, wohin sich ein Teil der ausländischen Presse in ihrem Deutschenhaß treiben läßt, wobei es bemer­kenswert ist, daß selbst ein Büro wie Havas sich nicht schämt, e i n so kindisches und alber­nes Zeug zu verbreiten. Der Leiter der Fest­spiele teilt dazu mit:Es ist u n w a h r , daß die Oberammergauer Festspiele nicht mehr stattfinden. Wahr ist, daß, wie bisher stets, nach den 1934 durchgeführten Festspielen eine zehnjäh­rige Pause eintritt, während der Proben- und Lehrstücke aufgeführt wurden. Ein solches Stück ist auch das zur Zeit angesetzte Schau- spielDie Ernte", das schon vorher vom Münchener Residenttheater gegeben wurde. Die Verführung eines deutschen Mädchens durch einen Juden, die nach der Lügenmeldung Thema des Stückes sein sollte, ist überhaupt nicht G e g e n st a n d des S p i e l e s. Die Oberammer­gauer Festspiele werden selbstverständlich pro- grammäßig stattfinden.

Wirtschaftliche Schwierig­keiten in Rumänien.

Rücktritt des Handelsministers.

Bukarest, 1. Aug. (DNB.) Der König hat den Rücktritt des Handelsministers Manolescu- S t r u n g a angenommen und den Gesundheits­minister Dr. Eosti ne scu mit der vorläufigen Leitung des Handels- und Jnduftrieminifteriums betraut. Don einer Umbildung des Kabinetts wurde einstweilen Abstand genommen.

Jon Manolescu-Strunga war zurückgetreten, weil er das auf einer 44prozentigen Exportprämie aufgebaute rumänische Außenhandelsregime nicht für zweckmäßig hielt. Rumänien ist infolge des ständigen Absinkens der Devisenbestände nicht in

trotzdem abgeschlossen werden könne. Es sei jedoch offensichtlich, daß s e i n e Bedeutung dann ganz anders wäre.

Oie englische presse schweigt.

Schwere katholikenfeindliche Ausschreitungen in Schottland.

London, 1. August (DNB.) In Cowgate bei Edinburgh kam es am Mittwochabend zu wüsten katholikenfeindlichen Auf­tritten. Als der katholische Geistliche Collins sich in seine Garage begeben wollte, wurde er von einer erregten Menschenmenge angegriffen. Kurz daraus trafen die Teilnehmer einer in der Nähe stattfindenden Versammlung ein, mit deren Hilfe der Priester flüchten konnte. Einer feiner Ver­teidiger, der Präsident eines katholischen Verbandes, Jack Higgins, wurde von der Menge so schwer mißhandelt, daß er ins Krankenhaus gebracht werden muhte. Es ist außerordentlich bezeichnend, daß von der gesamten Londoner Presse nur ein.einziges Blatt nur ein paar Zeilen über diese neuesten religiösen Ausschrei­tungen in Schottland enthält, aber auch diese Zei- hing hat den Bericht nur in einem Teil ihrer Aus­gabe.

Ausländische Lügenmeldung über die Oberammergauer Vaisionsspiele.

Berlin, 1. August (DNB.) Die Agence Havas gibt eine aus Wien stammende Meldung wieder, wonach die Passionsspiele in Ober­ammergau nicht mehr in der bis­herigen Form durchgeführt, sondern durch ein antisemitisches Stück ersetzt werden sollen, das die Verführung eines deutschen Mädchens durch einen Juden zum Inhalt hat. Die unsinnige Meld u n g, die in den meisten

Das Geheimnis der germanischen Ielsbilder von Aohuslän.

Die außerordentlich reizvolle Küstenlandschaft Bohusläns, der westschwedischen Meeresprooinz, ist für die Kenntnis der germanischen Vorgeschichte von großer Bedeutung. Jeder Fjord setzt sich dort in einem langgezogenen Tale fort. Die ganze Land­schaft, von der das Wasser in langen zurückliegenden Zeiten abgesunken ist, besitzt -eine Fülle von ver- schiedenartigsten Denkmälern über eine Seefahrts­kultur der ältesten Vergangenheit. Unter ihnen nehmen die Felsritzungen einen hervorragenden Platz ein; sie sind noch ziemlich unbekannt, denn die Fundorte liegen sehr versteckt. Man muh sich schon viel Mühe machen, ehe man allmählich die einzelnen Linien der Spuren erkennen kann, die dort eingeritzt sind. Demjenigen, der seine For­schungsarbeit mit vieler Geduld und Sorgfalt be­treibt, bietet sich das Bild eines zunächst verwirren­den Durcheinanders von menschlichen und tierischen Gestalten, Schiffen, Wagen und vielen unerklär­lichen Zeichen. Am besten sind noch die Felsbilder in der Gegend von Tanum erhalten. Die anderen kann man eigentlich nur ahnen. Man muh seinen Tastsinn zu Hilfe nehmen und die schwach hervor- tretenden Linien mit Kreide nachzeichnen, um einen Gesamteindruck zu erhalten. Es kann vermutet werden, daß mindestens die Hälfte aller vorhan- denen Einritzungen noch unter Moos oder Erde verborgen liegen. So berichtet A. Glucksen in der Frankfurter WochenschriftDie Umschau", daß es ihm ohne viel Erfahrung während eines viertägigen Aufenthaltes an einem Orte gelungen sei, zwei neue Felsritzungen zu entdecken. In Bohuslän gibt es also reichhaltigstes noch unerforschtes Material, das über die altgermanische Kultur wertvolle Aufschlüsse in Aussicht stellt, lieber die Deutung des bisher bekannten haben sich schon die widersprechendsten

Berlin, 1. Aug. (DNB.) Die Reichsregierung hat soeben ein Gesetz über die Zinsen für den land­wirtschaftlichen Realkredit beschlossen, das im Reichs­gesetzblatt vom 1. August verkündet worden ist..

Die seit der Notverordnung vom 27. Dezember 1932 geltende Herabsetzung der Zinsen für den landwirtschaftlichen Realkredit wird über den 30. September hinaus ohne zeitliche Be­grenzung verlängert. Bauern und Land­wirte haben daher nach der neuen Regelung nur den in d e n letzten drei Jahren entrich­teten ermäßigten Zinssatz weiter zu zahlen. Die zunächst zeitlich begrenzte Zinssenkung ist damit eine dauernde geworden. Eine Aen- derung gegenüber dem bisherigen Rechtszustand tritt jedoch insofern ein, als den Pfandbrief- an st alten in Zukunft allgemein ein Zins- fatz von 4,5 v. H. (ausschließlich Berwaltungs- kosten) zu zahlen ist.

Die gesetzliche Stundung der zinsge- senktenForderungen wird bis zum 1. April 1940 verlängert; das Amtsgericht kann jedoch dem Gläubiger unter bestimmten Voraussetzungen ge­statten, das Kapital schon früher zurückzuver- langen. Die entstehenden Kost e n der Zinser­mäßigung einschließlich der dem Gläubiger zu zah­lenden Entschädigung (Bonus) werden bet land- wirtschaftlichen Hypotheken- und Grundschulden, die der Zinsherabsetzung nach der Notverordnung vom 27. September 1932 unterliegen, d e n Grund- kreditan st alten vom Reich erstattet.

Der Zinssatz der Hypotheken- und Grundschulden, deren Schuldner sich im Entschuldungsver­fahren befinden, bleibt unberührt. Den Grundkreditanstalten wird vom Reich der Unter­schied zwischen dem Zinssatz ihrer Schuldverschrei- bungen und dem Zinssatz der Deckungswerte zur Verfügung gestellt werden.

Paragraph 3 des Gesetzes vom 28. September 1934, der für die Schuldner die Möglichkeit vor­sah, die Eröffnung des Entschuldungs­verfahrens zu beantragen, um sich die Vor- teile der Zinssenkung zu erhalten, ist a u s ge­hoben worden. Das neue Gesetz trifft eine Rege­lung, die dem Bauern und Landwirt die Vorteile der Zinsherabsetzung für den landwirtschaftlichen Realkredit auch ohne Entschuldungsantrag er- hält. Neue Entschuldungsanträge sind demnach un- ; zulässig.

Kunft und MMenschaft.

Zwanzigjähriges Bestehen der Delikriegsbücherel.

Die Weltkriegsbücherei auf Schloß Rosen- st ein zu Stuttgart, eine Gründung des schwä­bischen Fabrikanten Dr. h. c. Richard Franck blickt in den ersten Augusttagen auf ein 20jähriges Be- stehen zurück. Als historisch-politische Speztalbiblto- thek, wissenschaftliches Forschungsinstitut, Kriegs- archio und Kriegsmuseum bearbeitet diese einzige 1 deutsche Weltkriegsbücherei alle Fragen der Ge- ' schichte und Vorgeschichte des Weltkrieges mit feinen Folgen und gibt in denNeuerwerbungen" und den 1Bibliographischen Dierteljahrshesten" den einzigen ' laufenden Katalog der Weltkrieg slite- ' ratur und nach und nach eine Weltkriegsbibliogra­phie heraus. Ihre reichen Schätze, die das gesamte , in- und ausländische Schrifttum der politischen Ge» * schichte von der Reichsgründung bis zur Gegenwart t umfassen, stehen nicht nur der gelehrten Welt, son- ; dem auch allen historisch und politisch interessierten i Volksgenossen zur Verfügung.___________

Heute wird im Zeughaus Unter den Linden in Berlin in der großen Ruhmeshalle eine Ausstel- lung eröffnet, die dem Andenken an die Schlacht von Tannenberg gewidmet ist. Um die Totenmaske des verewigten Generalfeldmarschalls, die den Kup­pelraum beherrscht, gruppieren sich in einem fast geschlossenen Kreise die Bronzebüsten der sieg- reichen Generale, die zu Beginn des Weltkrieges als die treuen Helfer Hindenburgs ihre Truppen in die gewaltige Schlacht führten. Links von Hin­denburg befindet sich der markante Kopf Macken­sens und rechts die Büste Ludendorffs. Nach rechts schließen sich die Generale von Franxois, von Mülmann, Brecht, von Pappritz, von Morgen, von der Goltz. Nach links sieht man neben Macken-

Bestreben, zu finden, forschte der Leutnant von Scharizer in jedem Gesicht mit einer seltsamen Be­harrlichkeit. Einmal stieg das Bild des getöteten Feindes vor ihm auf, und bann wieder das Buch, im steten Wechsel kreisten die beiden Gegenstände seines Suchens, verschwammen ineinander, daß er sie kaum mehr zu unterscheiden wußte, im ver­worrenen Gefühl, daß sie irgendwo miteinander ver­bunden seien. Hastiger stieg er den Berg hinauf, kein Mitgefühl mit den Gefallenen, die da, Oesterreicher und Preußen, wahllos vermengt, den Boden deckten, nichts war in ihm als die Besessenheit, zu finden, Buch oder Mensch, das wurde ihm nicht klar.

Bis es endlich vor ihm lag, sein geliebtes Buch. Er wollte es ausheben, da erst bemerkte er, daß eine Hand es hielt, eine Totenhand. Und dann blickte er in das Gesicht, das ihn in schmerzender Ueberschärfe begleitet hatte, den Abend und die Nacht lang und sah das Blut, das den blauen Waffenrock besudelte. Er kniete nieder, wollte das Buch den starren Fin­gern entwinden, sie hielten es fest. So hob er be­hutsam Buch und Arm hoch. Auch der kleine Band war voll Blut und von einem Schuß zerfetzt. Der Tote hatte es wohl in der Brusttasche getragen und im letzten Krampf hervorgerissen.

Jäh ergriff den Leutnant ein Grauen, er trat zurück, wollte den Ort verlassen, wieder zwang ihn eine stumme Gewalt, heranzutreten, er bohrte den Blick in den Boden, um das Bild nicht zu sehen, da glänzte es auf von der Erde, wenige Schritte weit von dem Toten; es war fein eigenes Buch. Wie durch ein seltsames Wunder war es unversehrt, von keinem Fuß beschädigt.

Er hob es auf, öffnete es, beugte sich nieder zu dem zerschossenen Buch des Toten; es war dieselbe Ausgabe. In derselben Minute vielleicht hatten der andere und er dieselben Worte gelesen, mit der gleichen Inbrunst und Freude am Zauber des Werkes.

Der Leutnant von Scharizer hatte sich über die­sen Krieg feine großen Gedanken gemacht. Als Soldat an Gehorchen gewohnt, war er marschiert, hatte gestürmt und getötet, als Glied einer großen, von einem übermächtigen Willen bewegten Ma- schine Auch jetzt wußte er die Tragik des Ge- chehens, in das er gestellt war, nicht mit einem erlöenden Wort und Begriff zu bannen.

Meinungen gebildet. Das gleiche gilt für die Schätzung des Alters, das von zweitausend bis zwanzigtausend Jahren angenommen wird. Wenn man die allmähliche und stetige Wasserspiegelsen­kung des Kattegatt berücksichtigt, konnte man die meisten Felsbilder für rund fünftausend Jahre alt halten, denn vorher muß der Fundort noch unter Wasser gelegen haben. Die ganze Art der Her­stellung läßt darauf schließen, daß man Eindrücke festhalten wollte, die große Zeitspannen überdauern sollten. Es handelt sich nicht um gelegentliche und zufällige Darstellungen. Unter den Ritzungen fallen immer wieder die Zeichnungen eines Bootstyps auf, den man für ein Auslegerboot ansehen konnte. Die Menschen darauf sind nur mit Strichen angedeutet. Unter ihnen ist der Führer des Bootes hervorge- hoben. Besonderes Interesse verdienen die Bug- und Heckverzierungen. Um die Schiffe herum be­finden sich die seltsamsten Bilder von riesenhaften Menschen, Reitern, schwer verständliche Tierfiguren, Vögeln, Schlangen und Sonnenrändern. Nur selten erscheint in diesen Zeichnungen auch einmal ein Baum. Aufsehenerregend ist die Tatsache, daß auf einer Platte fremdländische Tiere dargesteltt sind, deren Heimat in der Krim liegt.So rückt die Mög­lichkeit näher, daß hier Fahrtberichte von Wikinger- zügen vorliegen aus einer Zeit, in der wir diese Fahrten bisher noch nicht nachgewiesen haben. Sollte ein großer Teil der Bilder also überliefern, was man auf großen Fahrten gesehen und erlebt hatte? Diese Deutung der Felsbilder scheint eigent- lich am meisten für sich zu haben. Daneben gibt es noch eine Reihe anderer. Die einen wollen das ganze für Bterndarstellungen, die anderen für rett- qiöfe Darstellungen halten. Aber war nicht viel­leicht die ganze religiöse Welt dieser nordischen Vol- ker aufs engste mit ihren Reifen verbunden? Wie­der andere meinen, es feien mit den Feksbildem Kartenzeichnungen gemeint, und auch diese Meinung hat viel für sich, wenn man die dargestellten Land- chasten nachweisen kann. Hierbei sollen die Schiffe jedesmal Wasser und die Menschen und Tiere Land darstellen. Doch auch in dieser Deutung geht die ganze Darstellung noch nicht lückenlos auf. So ist heute diese Frage noch nicht entschieden, doch wird die natürlichste Auffassung der Zeichen sicher der Wahrheit am nächsten kommen."

Das Buch.

Don JRo&crf Hohlbaum.

Der k. und k. Leutnant Ferdinand von Scharizer vom 15. Infanterie-Regiment hatte von jeher unter feinen Kameraden für verrückt gegolten. In der lom­bardischen Garnison hatte er die Museen und Ge­denkstätten besser studiert als die Trattorien und Tavernen, und Bücher waren ihm von jeher lieber gewesen als Weiber. Selbst in den Feldzug hatte er einen grünen Band mitgenommen, der feine Liebes­geschichten enthielt, sondern den Faust von Goethe.

Deshalb fiel es auch niemandem besonders auf, daß er am Abend der Schlacht von Irautenau, dem einzigen Sieg, den Oesterreich im deutschen Bruder- kämpfe 1866 zu verzeichnen hatte, sich gar bald aus dem kleinen Wirtshaus, in dem es überlaut wurde, fortstahl. Er irrte zunächst ein roenia in den Gassen umher, ehe er fein Quartier fand, Licht schlug und nach der Brusttasche griff, wo der kleine, grüne zer- lefene Band stak und sich nach dem schweren Tage im Geiste zu entschädigen suchte. Aber die Tasche war leer.

Da ergriff ihn, der am Tage des Gefechts feine Nerven wunderbar gebändigt hatte, ein jäher Schreck von solcher Gewalt, als hinge an dem Besitze des kleinen Buches das Heil feines künftigen Lebens. Er zergrübelte das arme überreizte Hirn, wo er den Schatz verloren haben mochte, bis ihm mit einemmal aus dem verworrenen Geschehen des auf­geregten Tages ein Bild sich überscharf darbot: der preußische Gardeleutnant, den er mit einem Pisto­lenschuß niedergestreckt hatte.

Warum eben dieses Bild ihn nicht verlassen wollte, wurde ihm nicht klar. Aber es bot sich ihm immer deutlicher im quälenden Ueberlicht, jeder Zug in dem jungen Gesichte, jede Geste bohrte sich in fern Auge, und das Verlangen, dies alles noch einmal in Wahr­heit zu sehen, um fid) von dem schmerzenden Phan- tasiegebilde zu befreien, wurde so stark, daß er in nachtwandlerischem Zwange sein Haus verlieh und den Kapellenberg aufstieg, wo das heftigste Gefecht getobt hatte.

Man hatte die Verwundeten schon nach den Ho- fpitälern gebracht, aber die Toten lagen noch im Lichte der helle« Juninacht. Ohne Grauen, nur tm

Nationalfeiertag der Schweiz

Dem, 1. Aug. (DNB.) Der 1. August steht in der Schweiz im Zeichen der Bundesfeiern zur Er­innerung an das historische Ereignis auf dem Rütli, wo im Jahre 1307 auf dem Schwur von Männern der drei Urfantone die Freie Eidgenoffenschaft be­gründet wurde. Eine große Menschenmenge ver- sammelte sich mit den Mitgliedern der Bundes- und Kantonalregierung in Bern am Donnerstagnach­mittag auf dem Münsterplatz, um nach Musikvor- trägen und dem Absingen vaterländischer Lieder die große Rede von Bundespräsident Minger anzu- hören.

Bundespräsident Minger verglich, häufig von ftarfem Beifall unterbrochen, die schweren Kämpfe vor 600 Jahren mit dem heutigen, nicht minder schweren Ringen. Dem Ausland erscheine das ein­trächtige Zusammenleben von vier Na­tionen innerhalb der Eidgenossenschaft wie ein Wunder. Dem Lande selbst sei dies aber nur natür­lich. An dieser Zusammengehörigfeit gebe es nichts zu rütteln. Er sprach dann von den Verpflichtungen, welche die Neutralität dem Lande auferlegt, das zur Wahrung feiner Grenzen aus eigener Kraft einer starken Armee bedürfe. Europa müsse sicher sein, daß die Schweiz den Willen und die Kraft habe, die ihr auferlegten Aufgaben zu er­füllen. Neuwahlen für den Nationalrat würden unter einem anderen Zeichen vor sich gehen als demjenigen der Zentralrevision der Bundesver­fassung. Diese werde kommen, habe aber als Vor­aussetzung die politische Sammlung des Schweizer Volkes und des einzelnen Staatsbürgers.

Bundesrat M o 11 a, der Vorsteher des Eidgenössi­schen Politischen Departements, betonte den Willen der Schweiz, ihre Eigenart zu bewahren. Die Tes­siner verurteilten jeden Versuch, zwischen sie und die übrigen Schweizer Kantone Keime des Miß­trauens und des Argwohns zu säen. Eine kleine Gruppe unternehme versteckte Versuche, bei italieni­schen Behörden einen verderblichen Einfluß auszu­üben. Mit dem Trsiben dieser Gruppe müsse Schluß gemacht werden. Die freundschaftlichen Beziehungen zwischen der Schweiz und Italien müßten vor den Umtrieben von Verantwortungslosen und Schlecht­gesinnten bewahrt werden. Es liege dies auch im eigensten Interesse Italiens, wenn das Gerede um den schweizerischen Tessin ein für allemal ein Ende nehme.

Oer Oonaupaki.

Eine italienische Stimme über den Stand der Verhandlungen.

Rom, 2. Aug. (DNB.) Zur Wiederaufnahme der Donaupaktoerhandlungen bringt die dem italie­nischen Außenminister nahestehende Zeitschrift A f f a r i E st e r i" einen ausführlichen Aufsatz ihres Herausgebers E n g e l y. In dem Aufsatz wird besonders auf die Meinungsverschie­denheiten zwischen Ungarn und der Kleinen Entente hingewiesen, die sich beson­ders aus den Minderheiten- und Reoi- sionsfragen ergeben. Nach der Ansicht Enge- lys werde sich der kommende Donaupakt auf Nichteinmischung, Nichtunterstützung des Angreifers und auf Konfiskation beziehen. Hier­über herrsche im großen und ganzen bereits Einigkeit zwischen Oesterreich, Ungarn und der Kleinen Entente. Der Abschluß gegenseiti­ger Beistandspakte müßte hingegen den einzelnen vertragsschließenden Parteien f r e i - stehen. Italien und Frankreich hätten ein müh­sames und geduldiges Werk begonnen, die sich schroff gegenüberstehenden Ansichten O e ft e r - reichs und Ungarns einerseits und der K l e i- nen Entente andererseits einander näherzu­bringen. Diese Bemühungen seien offensichtlich von Erfolg gefrönt. Es wäre jedoch unangebrach- ter Optimismus, wollte man glauben, daß nunmehr die Donaukonferenz von einem Tage zum anderen zusammentreten würde. Nunmehr müsse die Hauptfrage, nämlich die Teilnahme Deutschlands, ins Auae gefaßt werden. Don Deutschland hänge zum größten Teil die zukünftige politische Orientierung des Donauraumes ab. Hier­mit solle allerdings nicht gesagt werden, daß im Falle einer Weigerung Deutschlands, an dem Donaupakt teilzunehmen, der Pakt nicht

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