Die Vogelscheuchen.
Von K.H. Waggerl.
Habt ihr schon einmal eines von diesen sonderbaren Geschöpfen irgendwo angetroffen? Ich meine nicht die zahmen Vogelscheuchen an den Gartenzäunen, nein, andere, die Jahr und Tag auf den Feldern stehen und allmählich lebendige Wesen werden, Charakter und Haltung bekommen?
Oh, die führen ein abenteuerliches Leben auf ihre Art, denkt nicht, sie wären aus Zaunholz und alten Lumpen gemacht, so sind sie nur anfangs, in den ersten Wochen. Manche sind einbeinig geboren und schrecklich verwahrlost, geradezu aussätzig und schon gar nicht mehr menschenähnlich. Andere wieder legen Wert auf gute Kleidung, besonders in flotten Hüten können sie sich nicht genug tun. Ja, sie tragen Hüte in allen Formen und Farben, sie haben sie finster und verwegen ins Gesicht gedrückt, aber es ist nicht ganz ernst gemeint mit ihrer Näu- bermäßigkeit. Ach nein, ich habe einmal eine Vogelscheuche gekannt, die lachte sich nachts krumm, als eine fremde Magd vorüberging und ihr einen guten Abend bot in ihrer Herzensangst.
Dann gibt* es wieder andere, die haben es weit gebracht in allerlei seltsamen Künsten, sie verstehen laut zu schnarren und hohl ans ihrer leeren Brust zu pfeifen, und das tun sie natürlich nicht aus Pflichtgefühl, um die Krähen abzuschrecken. Die Feldscheuchen sind herzlich befreundet mit Krähen und Hasen. Sie tun es aus reiner Freude an der Kunst, weil es wunderbar klingt in den Mondnächten, wenn das Gras rauscht, wenn der Wind unterwegs ist und in Feldern und Büschen alles Schlafende weckt.
Denn der Wind ist die Seele für viele Dinge, man mutz das nur richtig verstehen. Es ist so, daß die Dinge ihre Seele nicht zeitlebens gefangen halten, sie haben eine freiere, leichtere Seele als wir. Gewöhnlich sind sie ja ganz still und tot, wir lassen uns täuschen, eine Feldscheuche, sagen wir, ein hohler Pfahl an der Straße! Aber bisweilen kehrt die Seele der Dinge zurück, sie war die ganze Zeit unterwegs gewesen zwischen Himmel und Erde, und nun ist sie zurückgekommen, und es ist gar nicht zu sagen, wie munter und gesprächig bann manche Dinge sein können, in Mondnächten, wenn der Wind geht und das Gras rauscht.
Was aber die Vogelscheuchen betrifft, die sind in feder Hinsicht sonderbare Wesen, geradezu hoch- mutig mitunter, ehrgeizig. Man kann allerlei Schlimmes erleben, wenn man sich zu sehr mit ihnen einläßt. Es gibt beispielsweise Landstreicher,
Goriderzüge tu den Funkiagungen nach Berlin.
Zu den Rundfunktagungen anläßlich der Funk- Ausstellung 1935 in Berlin werden auch in diesem Jahre wieder einige Sonderzüge nach Berlin ge- fuhren. Es sind zwei Arten von Sonderzügen vorgesehen, und zwar eine mit dreitägigem Aufenthalt und eine andere mit siebentägigem Aufenthalt in Berlin. Die Beteiligung steht jedem deutschen Volksgenossen offen. Der Fahrvreis für Hin -und Rückfahrt beträgt etwa 11 Mark. Der Sonderzug I (dreitägiger Aufenthalt) fährt am Samstag, 17. August, hier ab und kehrt in der Nacht zum 21. August wieder zurück. Der Sonderzug II (siebentägiger Aufenthalt) fährt Sonntag, 18. August, hier ab und trifft am Sonntag, 25. August, wieder hier ein. Es steht zu erwarten, daß von den Sonderzügen reger Gebrauch gemacht wird. Nichtarier sind von der Fahrt ausgeschlossen. Mitglieder des RDR. erhalten außerdem noch weitgehende Vergünstigungen. Meldungen sind bis zum 15. Juli erbeten. Meldungen und nähere Auskunft in der Geschäftsstelle des Reichsoerbandes Deutscher Rundfunkteilnehmer, Kreisgruppe Gießen, in Gießen.
Achtet aut die Heu-Lelbstentzündung!
In jedem Jahre werden häufig große Schaden- feuer durch Selbstentzündung von eingelagertem Heu und Klee in landwirtschaftlichen betrieben verursacht und damit wertvolle Wirtschaftsgüter vernichtet.
Bei eingelagertem Wiesen- und Kleeheu entsteht bisweilen Jnnenwärme, die sich bis zur Selbstentzündungstemperatur steigern kann. Diese tritt erfahrungsgemäß dann ein, wenn das Heu nicht gut durchgetrocknet und dazu bei der Aufstapelung fest eingestampft wird. Durch besondere Anzeichen, wie ungleiches Einsinken des Heuftapers, starke Feuchtigkeit der oberen Schichten und mar- tanten Geruch, ähnlich dem gedörrten Obstes, frisch- gebackenen Brotes und gebrannten Kaffees, läßt sich die Gefahr der Selbstentzündung rechtzeitig erten- nen. Der Geruch wirkt anfänglich angenehm, wird aber schließlich brandig und brenzlich. Eine wichtige Vorbeugungsmaßnahme ist die st ä n d i g e U e b erwach u n g der Wärmeentwicklung. Zur Prüfung der Temperatur in den Heustapeln und zur genauen Feststellung des Umfanges eines Selbstentzündungsherdes stellt die Feuersozietät jedem Bauern und Landwirt Heusonden zur Verfügung, die bei den Kommissaren der Feuersozietät hinterlegt sind und von diesen angefordert werden können. Liegt die ermittelte Temperatur im Innern des Heustapels zwi- schen 55 und 65 Grad Celsius, so sind durch Auflockerung und Durchlüftung Brandschutzmaßnahmen einzuleiten. Uebersteigt die Wärme jedoch eine Temperatur von 70 Grad Celsius, so besteht bereits höchste Brandgefahr. Nun ist jede Durchlüftung nach Möglichkeit zu verhindern und die Feuerwehr zu alarmieren. Unter deren Löschbereitschaft muß der Heustapel sofort auseinandergeworfen und abgelöscht werden. Die Kosten für die Tätigkeit der Feuerwehr, das Abräumen sowie für die Zurverfügungstellung der Sonden übernimmt die Feuersozietät bei ihren Versicherungsnehmern. Nichtmitgliedern der Feuersozietät werden die Sonden gegen Erstattung der Unkosten ebenfalls zur Verfügung gestellt. Brände durch Selbstentzündung lassen sich durch Wachsamkeit und rechtzeitig eingeleitete Maßnahmen sicher vermeiden.
Schützt wertvolles Volksoermögen, dessen Erhaltung bei der zu leistenden Aufbauarbeit unseres Volkes besonders notwendig ist, durch rechtzeitige Erkennung und schnelle Bekämpfung des heimtückischen Brandstifters der Heu-Selbstentzündung.
Gießener Wochenmarktpreise.
* Gießen, 2. Juli. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Molkereibutter, das Pfund 1,50 bis 1,55 Mark, Landbutter 1,40 bis 1,42 Mark, Matte 20 bis £5 Pf., Käse, das Stück 5 bis 10, Eier (inländische) 9 bis 10, Wirsing, das Pfund 12 bis 15, Weißkraut 15 bis 20, Gelbe Rüben, das Bündel 10, drei Bündel 25, Rote Rüben, das Pfund 10 bis 12, Spinat 15 bis 20, Römischkohl 8 bis 10, Bohnen (grün) 30 bis 35, Erbsen 20 bis 25, Mischgemüse 8 bis 10, Tomaten 40 bis 60, Zwiebeln, das Bündel 10 bis 12, das Pfund 15 bis 18, Rhabarber 8 bis 10, Pilze 35 bis 40, Kartoffeln 4% Pf., der Zentner 3,50 bis 4 Mark, neue, das Pfund 18 bis 22, Pfirsiche 55,
Himbeeren 50, Aprikosen 50, Kirschen 35 bis 40, Heidelbeeren 40 bis 45, Stachelbeeren 15 bis 20, Erdbeeren 40 bis 50, Johannisbeeren 35, Nüsse 50, Tauben, bas Stück 45 bis 55, Blumenkohl 10 bis 60, Salat 5 bis 10, Salatgurken 20 bis 45, Oberkohlrabi 8 bis 10, Rettich 5 bis 15, Suppengrün 5, Radieschen, das Bündel 8 bis 10 Pf.
Vornotizen.
— Tageskalender fti r Dienstag: NSG. „Kraft durch Freude": 19 bis 21 Uhr, Fröhlicher Sport- und Spielbetrieb auf dem Univerfi- tätsfportplatz am Kugelberg. 21 bis 22 Uhr, Reiten, Reitschule Schömbs. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Der Kampf mit dem Drachen".
*
* * Freie Lehrer stelle. An der Volksschule zu Eschenrod, Kreis Schotten, ist eine Stelle für einen evangelischen Lehrer frei geworden. Mit der Stelle ist die Versetzung des Organistendienstes verbunden. Eine Dienstwohnung ist vorhanden und frei.
* * 107 Kinder aus dem Kreise Groß- Gerau kehren zurück. Am gestrigen Montag- vormittag traten 107 Kinder aus Dem Kreise Groß- Gerau, nach einem vierwöchigen Aufenthalt in Oberhessen die Rückreise an. Besonders guten Eindruck hinterließen die Kinder, die im Provinzialkinderheim untergebracht waren, indem sie singend zur Bahn zogen. Allerdings fiel auch ihnen der Abschied schwer. Das herzliche Verhältnis, das sich zwischen den Pflegeeltern und den Kindern ent
wickelt hatte, kam auch diesmal wieder stark zum Ausdruck.
** SAL. Sturm 11/116 feierte Sonnenwende. Der Sturm 11/116 der SA.-Landwehr beging am vergangenen Samstag an den neuen Schießständen an der „Unteren Hardt" eine Son- nenroenbfeier in der Form eines Kameradschaftsabends. Mitternachtsfeuer und Haldenbeleuchtung gaben der Veranstaltung eine feierliche Stimmung. Kamerad Richter brachte, begeistert ausgenommen, einen Feuer- und Kampfruf zum Vortrag. Musik der Sturmbannkapelle Lollar trug zur Unterhaltung bei. Manches Kampflied wurde gemeinsam gesungen. An dem Kameradschaftsabend nahmen der Oberbürgermeister Ritter und Obersturmbannführer M ü n k e r teil.
* Außerkurssetzung von Postwertzeichen. Die am 5. November 1934 ausgegebenen Wohlfahrtsmarken zu 3, 4, 5, 6, 8, 12, 20, 25 und 40 Rpf. mit Bildern von Männern der schaffenden Stände und die Wohlfahrtspostkarte mit dem Brustbild eines SA.-Mannes im Wertstempel haben — entsprechend der Bekanntgabe bei ihrer Herausgabe — mit Ablauf des Monats Juni 1935 ihre Gültigkeit verloren. Nicht verbrauchte Wertzeichen werden weder umgetaufcht noch zurückgenommen.
** Der Blitzschlag in der Wilhelm- straße, über den wir am Samstag berichteten, traf, wie wir nachträglich von einem Hausbewohner erfahren, nicht eine Antenne am Haufe, sondern unmittelbar das Dach. Die Meldung fei dahingehend richtiggestellt.
Die Deutsche Arbeitsfront.
AG-Gemeinschaft „Kraft durch Freude".
Reichswehrkonzect bel Vanninger.
Am kommenden Mittwoch, nachmittags 4 Uhr, findet im Hof der Fittingsfabrik Bänninger G. m. b. H. ein Konzert unserer Wehrmacht statt. Es wird allen Betriebsangehörigen eine Freude sein, nach des Tages Last und Mühe eine Stunde den Klängen unserer Wehrmachtkapelle zuzuhören. Der Betrieb nimmt geschlossen an dieser Veranstaltung teil.
Das Schumann-Theater wieder in Gießen.
Am Freitag, dem 5. Juli, gastiert das von seiner letzten Tournee in bester Erinnerung stehende Schumanntheater aus Frankfurt a. M. mit vollkommen neuem und großem Varietsprogramm im Gießener Stadttheater. Die Preise der Plätze sind sehr niedrig gehalten, so daß es jedem Volksgenossen möglich sein wird, diese Vorstellung zu besuchen. Preise der Plätze sind: 0,60, 1,— 1,30 und 1,50 Reichsmark. Karten sind u. a. zu haben im Vorverkauf im Musikhaus Challier, Schokoladenhaus H u n t e m a n n , auf der Kreisdienststelle, Schanzenstraße 18, bei Ortsmart Pg. Fritz Richter, Feuerbachstraße 10, und bei sämtlichen Betriebswarten der NS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude".
Rheinfahrt am 14. Juli.
Der für den 23. Juni geplante Sonderzug an den Rhein ist, wie schon bekannt, auf den 14. Juli verlegt worden. Die Fahrt mit dem Schiff geht nun, wie ursprünglich vorgesehen, nach Bingen. Es können sich noch einige Volksgenossen melden.
Sonderzug
zu dem Motorradrennen nach Schotten am 21. Juli.
Unter der Voraussetzung, daß eine Gesamtteilnehmerzahl von 800 zusammenkommt, fährt die NS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude" einen Sonderzug zu Dem bekannten Motorradrennen nach Schotten. Die Fahrt geht gegen 7.30 Uhr in Gießen ab. Der Fahrpreis einschl. Eintrittspreis beträgt 2,35 Mark. Wir fordern die Betriebswarte auf, in allen Betrieben eine Rundfrage aufstellen zu wollen, damit in kurzer Zeit die nötige Teilnehmerzahl zu- fammenfommt.
Sonderzug an den Mrburgring.
Am 28. Juli findet auf dem Nürburgring das Entscheidungsrennen um den großen Preis von Deutschland statt. Die NS. - Gemeinschaft „Kraft durch Freude" beabsichtigt, einen Sonderzug laufen zu lassen. Die Fahrtkosten einschl. Eintrittspreis
betragen nur 5 Mark. Wir bitten die Kameraden, sich umgehend bei den KdF.-Warten zu melden, damit wir einen Ueberblick bekommen.
Sportkurse des Eportamts Gießen „Kraft durch Freude".
Mit dem 1. Juli setzt das neue Vierteljahres- Programm des Sportamts „Kraft durch Freude" ein. Kurse aller Art geben allen Volksgenossen die Möglichkeit, billig und bequem unter Anleitung von geprüften Lehrkräften Leibesübung zu treiben. Niemand ist zu alt oder zu ungelenk zu den KdF.-Sportkursen! Die Gebühren für die Kurse sind so niedrig gehalten, daß ein Jeder daran teilnehmen kann. Auskunft aller Art erteilt das Sportamt Gießen, Schanzenstraße 18, Tel. 2919. Sprechstunden täglich von 8—13 Uhr.
Bisher hat das Sportamt Gießen folgende Kurse aufgestellt:
Allgemeine Körperschule.
Für Frauen und Männer gemeinsam. Eintritt jederzeit möglich. Ab 2. 7. Dienstags von 19—21 Uhr, Universitätssportplatz (Kugelberg); ab 4. 7. Donnerstags von 16—18 Uhr, Universitätssportplatz (Kugelberg); ab 5. 7. Freitags, von 20—21,15 Uhr, Lyzeum, Dammstraße.
Fröhliche Gymnastik und Spiele.
Nur für Frauen. Eintritt jederzeit möglich. Ab 4. 7. Donnerstags, von 20—21 Uhr, für Jüngere, Lyzeum, Dammstraße; ab 4. 7. Donnerstags, von 21—22 Uhr, für Aeltere, Lyzeum, Dammstrahe; ab 5. 7. Freitags, von 20,30—21,30 Uhr, Lollar, Gasthaus zur Linde.
Relchssporlabzelchen.
Für Frauen und Männer gemeinsam. Eintritt nur bei Kursusbeginn möglich. Ab 4. 7. Donnerstags, von 18.30—20.30 Uhr, Universitätssportplatz (Kugelberg).
Reiten.
Für Frauen und Männer gemeinsam. Eintritt nur bei Kursusbeginn möglich. Ab 8. 7. Montags, von 21—22 Uhr jeweils Reitschule Schömbs, Brandplatz; ab 2. 7. Dienstags, von 21—22 Uhr; ab 10. 7. Mittwochs, von 20—21 Uhr; ab 5. 7. Freitags, von 20—21 Uhr.
Zu diesen Kursen werden noch Anmeldungen, schriftlich mit Angabe der gewünschten Uebungs- zeiten, entgegengenommen. Weitere Kurse für Reiten können nach Bedarf als Frühkurfe von 6.30 bis 7.30 Uhr und als Abendkurse von 21—22 Uhr
Leute mit schlechten Gewohnheiten, die machen sich kein Gewissen daraus, so eine Feldscheuche anzufallen und auszurauben. Wirklich, da steht eine, die trägt einen kleidsamen Rock seit etlichen Tagen, fragt nicht, woher. Er ist ein bißchen fleckig an den Aermeln, aber sonst noch sehr gut und stattlich mit seinen Hellen Hornknöpfen. Die Scheuche fühlte sich wohl darin, sie wollte ihn schonen und lange tragen.
Aber nein, dieser Räuber zerrt ihr den Rock ohne Umstände vom Leibe, er nimmt sich nicht einmal die Mühe, ihr seine eigenen alten Fetzen anständig umzuhängen, halbnackt läßt er sie zurück in ihrer schamoollen Blöße. Und darum wirft die Scheuche einen tödlichen Haß auf den Mann, sie schwört hinter ihm mit ausgestrecktem Arm und steht wie ein Galgen gegen den Himmel.
Und es trifft sich, daß Die Polizei an diesem Tage einen Mörder jagt. .Was ist das für ein Rock?* fragt man den Landstreicher, ,wir suchen so einen Rock mit hellen Knöpfen. Und was sind das für Flecken auf deinem Aermel, ist es nicht Blut?*
Da hilft es nicht, wenn der Landstreicher beteuert, er habe niemand umgebracht und ausgeraubt, nur eine Feldscheuche, überzeugt euch selbst! Die Vogelscheuche leugnet alles, ach was, sie sieht wirklich nicht aus, als ob sie gewöhnlich Röcke mit Hornknöpfen trüge. Es ist gelogen und der Mann muß hängen.
Ja, unbarmherzig.
Wir wissen nur wenig von der Rachsucht der Dinge. Wir nehmen das nicht ernst und mißhandeln sie, aber die Gelegenheit kommt, und dann rächen sie sich auf eine teuflische Art.
Der Sandmann.
Geheimnisse des Schlafes.
Von Or H. Schütte.
Die hübsche Fabel vom Sandmann, der abends herumgeht und den Kindern Sand in die Augen streut, damit sie müde werden und schlafen gehen, hat durch die moderne Forschung eine überraschende Beleuchtung erfahren. Wenn man müde wird, so stellen verschiedene Körperorgane, u. a. auch die Trä- nendrüsen ihre Tätigkeit allmählich ein. Die Augen- rander werden dadurch trocken und man hat das Bedürfnis, das ermüdende Auge wieder aufzufrischen, »den Sand" wegzureiben. Daß das Auge diejenige Stelle des Organismus ist, an der das Schlafbedürfnis sich zuerst zeigt, weih jeder, der abends spät zu lesen pflegt. Die Augenlider werden plötzlich schwer, die Buchstaben erscheinen doppelt, weil die Muskeln,
die die gleichmähigen Bewegungen beider Augen Hervorrufen, nicht mehr im selben Takt arbeiten und auch die richtige Einstellung der Linse auf das Nah- sehen läßt nach. Ist es erst einmal so weit, dann kommt der Schlaf meist rasch.
♦
Es kann natürlich auch anders kommen. Wenn man zum Beispiel den ganzen Tag in schöner, ruhiger Landschaft gewandert ist und am Abend sozusagen jeden Muskel einzeln spürt, so hat man deshalb nicht unbedingt das Anrecht auf tiefen Schlaf erworben. Es stellt sich manchmal, besonders bei Menschen, die ständig geistig zu arbeiten gewohnt sind, der sonderbare Zustand ein, daß man todmüde ist und doch nicht schlafen kann. Es sind eben nur die durchgearbeiteten Muskeln, die angestrengt wurden, das Gehirn aber konnte den ganzen Tag ausruhen und hat nun noch gar nicht das nötige Schlafbedürfnis. Lbrigens schläft das Gehirn niemals ganz; einzelne seiner Teile wachen auch im Schlaf. Selbst die Hirnrinde ruht lediglich im sogenannten Tiefschlaf ganz, der aber nur 7, - 1 Stunde dauert.
*
Es gibt Menschen, bei denen das Gehirn überhaupt nicht schläft und selbst während des Schlafes seiner gewohnten Tätigkeit nachgeht. Es wird, während der übrige Körper untätig ist, vom „Hnterbe- wuhtsein" beschäftigt. Ein berühmter Mathematiker behauptete sogar die Lösung eines schwierigen Problems sozusagen im Schlaf gefunden zu haben. Nachdem er bis zum Einschlafen ununter, brochen an die Aufgabe gedacht hatte, wußte er am andern Morgen plötzlich das Ergebnis.
Ganz Ähnliches geschieht ja auch bei den söge- nannten Nachtwandlern. Hier handelt es sich um triebhafte Wünsche, die das vom Bewußtsein nicht mehr kontrollierte Gehirn Überfällen und sich dienst, bar machen. Die Neigung zum Schlafwandel ist übrigens erblich wie u. a. der Fall eines Philo- sophieprofeflors beweist, den vor einigen Jahren der bekannte Berliner Psychiater Prof. Schultze wiffen- schaftlich untersuchte. Die ganze Familie des betreffenden Gelehrten litt an Schlafwandel. Keiner wußte es aber vom andern. Eines Nachts warf die eine Tochter im somnambulen Zustand einen Stuhl gegen einen Spiegel. Durch den Lärm erwachte die ganze Familie und fand sich am Kaffeetisch Vormacht? um 3 Ahr! Nun erkannten alle ihren Zustand und begaben sich in ärztliche Behandlung.
♦
Während natürlich solche Zustände einer ständigen ArbettSbereitschast unseres DenkorganS nur als
eingerichtet werden. Auch hierzu ist baldige schriftliche Anmeldung an das Sportamt erforderlich.
Leichtathletik.
Für Frauen und Männer gemeinsam. Eintritt jederzeit möglich. Ab 6. 7. Samstags, von 17—19 Uhr, Universitätssportplatz (Kugelberg).
Schwimmen.
Für Frauen und Männer gemeinsam. Ab 3. Juli Mittwochs, von 20 bis 21 Uhr, im Volksbad; ab 3. Juli Mittwochs, von 21 bis 22 Uhr, im Dolksbad; ab 1. Juli Montags, von 18 bis 19.30 Uhr, Badeanstalt des Männerbadevereins; ab 6. Juli Samstags, von 16 bis 17.30 Uhr, Lollar, Lahnbadeanstalt.
Tennis.
Für Frauen und Männer gemeinsam. Für Anfänger, Eintritt nur bei Kursusbeginn möglich. Ab 1. Juli Montags, von 18 bis 19 Uhr; ab 1. Juli Montags, von 19 bis 20 Uhr; ab 2. Juli Dienstags, von 6.30 bis 7.30 Uhr (Tennisplätze am Schützen- Haus). Für Fortgeschrittene (Uebungsstunde ohne Lehrer) Eintritt jederzeit möglich. Nach Vereinbarung. Städtische Tennisplätze am Schützenhaus. Zu den Tenniskursen ist ebenfalls baldige schriftliche Anmeldung mit Angabe der gewünschten Uebungs- zetten an das Sportamt erforderlich. Für die Anfängerkurse werden Schläger und Bälle vom Sportamt gestellt, für Fortgeschrittene werden Bälle gestellt.
Sporlkurse in Lollar.
Wie schon oben angegeben, laufen in Lollar vorerst folgende Kurse: Ab 5. Juli Fröhliche Gymnastik und Spiele, Freitags von 20.30 bis 21.30 Uhr, Gasthaus zur Linde. Ab 6. Juli Schwimmen, von 16 bis 17.30 Uhr, im Lahnbad.
Boxen.
Für einen Boxkursus liegen schon Anmeldungen vor, so daß in der nächsten Woche begonnen werden kann. Wer noch teilnehmen will, melde sich baldigst beim Sportamt!
Kurse in Grohen-Buseck, Dieseck, Heuchelheim und Großen-Linden.
In den vorgenannten Orten werden in nächster Zeit KdF.-Sportkurse verschiedener Art eingerichtet. Interessenten erhalten Auskunft bei den zuständigen Orts« oder Betriebswarten „Kraft durch Freude" oder beim Sportamt Gießen, Schanzenstraße 18.
pächierschutz verlängert.
Im Reichsgesetzblatt erscheint soeben ein „Viertes Gesetz zur Aenderung des Gesetzes über Pächterschutz", nach dem der Pächterschutz bis zum 3 0. September 1936 verlängert wird. Auf Pachtgrundstücke, die zur Neubildung deutschen Bauerntums bereitgestellt sind oder mehr als 125 Hektar groß sind, sowie auf Pachtgrundstücke, die nach einer von einer obersten Reichsbehörde bzw. der von ihr bestimmten Stelle ausgestellten Beschei- nigung für sonstige öffentliche Zwecke gebraucht werden, finden die Vorschriften des Gesetzes keine Anwendung.
Diese Verlängerung des Pächterschutzaesetzes war notwendig, weil ohne sie die große Masse der mittleren Pachtbetriebe schutzlos geworden wäre. Zur Zeit ist dieser Schutz besonders erforderlich, weil das Angebot von kleinen und mittleren Pachtgrundstücken gering ist. Ein Fortfall des Pächterschutzes könnte und würde wahrscheinlich auch zu zahlreichen Kündigungen nur zwecks Erreichung höherer Pachtpreise führen. Im Interesse der Er- zeügungsschlacht und auch der Arbeitserhaltung ist aber der mit diesen Kündigungen und Neuverpachtungen verbundene Wechsel in der Bewirtschaftung durchaus unerwünscht. Einmal wird vorübergehend jeder Wechsel zur Minderung der Erträge führen und zum anderen die Gefahr bestehen, daß der weichende Pächter keine neue Pachtung findet und damit arbeitslos wird. Bei größeren Pachtbetrieben (über 125 Hektar) ist diese Gefahr kaum oder überhaupt nicht vorhanden, so daß für diese Pacht- arundstücke eine gewisse Lockerung des Pächterschutzes eintreten konnte.
krankhaft angesehen werden können, ist das Ohr von einer natürlichen Empfindlichkeit. Es ist dasjenige Organ, das zuletzt einschläft und das auch zuerst wieder bereit ist zu erwachen. Es gibt natürlich auch hierbei ganz verschiedene Veranlagungen. Menschen mit.leisem" Schlaf werden schon durch daS kleinste Geräusch gestört, andere wieder schlafen so „fest", daß man neben, ihrem Kopf die bekannte Kanone abschieben könnte. Es ist das eine Frage der Empfindlichkeit des Nervensystems. Die besondere Einstellung des Ohres auf die Außenwelt ist ein Überbleibsel aus jenen Tagen der Menschheit, wo der Lebenskampf den Einzelnen zwang, auch im Schlaf auf verdächtige Geräusche zu achten.
♦
Sin Organ schläft überhaupt nicht: das Herz. SS beginnt seine Tätigkeit schon vor der Geburt und übt sein verantwortungsvolles Amt ohne Pause, ohne je Urlaub zu beanspruchen bis zum letzten Atemzuge aus. Allzuviel hängt von seinem Funktionieren ab, vor allem die Ernährung aller übrigen Organe.. Während des Schlafes wird nun zwar der Blutdruck in den Arterien um etwa ein Fünftel herabgesetzt. das hat aber seine Ursache darin, daß die Gefäße des Gehirns zur gleichen Zeit stark erweitert sind. Da außerdem der Schlafende mehr Sauerstoff einatmet als der Wachende, wird dieser mit dem vermehrten Blutstrom offenbar dem Gehirn zu- geführt. Die ermüdeten Gehirnzellen werden während des Schlafes also wieder mit Sauerstoff auf- geladen. Sie saugen sich wie ein Akkumulator nachts mit Energie voll für die tägliche Arbeit.
Versuche mit Menschen, deren Schädelkapsel verletzt wurde, haben übrigens einwandfrei ergeben, daß mindestens das Einschlafen mit einer Vermehrung der Blutmenge im Gehirn zusammenhängt, ebenso konnte eine Abnahme des Blutdrucks im Gehirn beim Erwachen beobachtet werden.
Was ist also der Schlaf? — Jedenfalls kein Zustand absoluter Ruhe, eigentlich ist er sogar nichts andres als eine starke Abnahme des Wachseins. Sein natürlicher Zweck ist jedenfalls nur eine Erneuerung der Energien des Körpers. Wenn er diesen Zweck besonders gut erfüllte, dann war es ein gesunder Schlaf. — Das ist das ganze Geheimnis.
Hochschulnachnchten.
Profeffor Dr. Josef H ä m e l, Extraordinarius für Haut« und Geschlechtskrankheiten an der Universität Würzburg, ist zum ordentlichen Professor an der Universität Greifswald ernannt worden.


