Ausgabe 
2.5.1935
 
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M.W Zweites Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen)

Donnerstag, 2. Mai 1935

Der Danziger Gulden auf neuer Grundlage.

Danzig, 2. Mai. (DNB.) Der Senat her Freien Stadt Danzia erklärt in einem Aufruf an die Danziger Bevölkerung u. a.:Seit Wochen und Monaten haben bestimmte Elemente Gerüchte verbreitet, der Danziger Gulden sei in Gefahr. Tatsächlich haben teils vielleicht ver- ängstigte, in weitaus überwiegenden Fällen aber gewissenlose Elemente versucht, in den letzten Ta­gen steigend Guthaben bei den Banken und Spar- kassen abzuheben, um sie in Zloty und andere Währungen umzutauschen und somit spekulativ zu verwerten. Durch dieses landesverräterische Trei­ben schien der Danziger Gulden tatsächlich in Ge­fahr zu kommen, zumal ein Schutz durch die Ein­führung einer staatlichen Devisenzwanbsvorschrift infolae der geltenden Verträge nicht möglich war. Um Diese Entwicklung zu entbinden, Hot die Dan­ziger Regierung dem Beispiel Englands, Skandi­naviens, Amerikas, Belgiens und Polens folgend, eine Neubewertung des Guldens auf fester Goldbasis öorgenommen. Mit dieser Maßnahme wird sie verhindern, daß fernerhin zu Lasten der anständigen schaffenden Bevölkerung mit dem Danziger Gulden noch weitere Spekula­tionen gemacht werden.

Der Wert des Danziger Gulden ist mit sofortiger Wirkung um 42,37 v. S). herabgesetzt worden. Demnach sind 100 Gulden der bisherigen Währung gleich 170 des neuen Danziger Gulden; 100 RM. sind nunmehr gleich 212 Danziger Gulden.

Der Gulden steht damit noch etwas über dem Wert des polnischen Zlotys, der bekanntlich bereits zweimal abgewertet worden ist. Die Golddeckung des Danziger Gulden ist durch den Beschluß der Danziger Regierung e r - heblich erhöht worden. Eine Schließung der Sparkassen und Banken ist nicht beabsichtigt, da nach der Stabilisierung des Danziger Gulden auf einen festen Kurs kein Anlaß zu einem Sturm auf die Schalter besteht. Die Bank von Danzig hat mit Wirkung vom 2. Mai 1935 ihren Dis­kontsatz von 4 a u f 6 v. H. und ihren Lom­bardsatz von 5 auf 7 v. S). erhöht. Die Neubewertung des Gulden macht bis auf weiteres eine scharfe Kreditrestriktion für Geldkredite not­wendig, zumal in den letzten Wochen eine gesteigerte Kredit-Inanspruchnahme bei der Bank von Danzig zu verzeichnen ist.

Unhaltbare Vertrage stören den Frieden!

Eine interessante Debatte im britischen Oberhaus.

London, 2. Mai (DNB. Funkspruch.) 2m Oberhaus fand eine außenpolitische Aussprache statt, in der die Frage der Vertragsrevision behandelt wurde. Der Liberale Lord Davies be­antragte, den Artikel 19 der Völkerbundssatzung durch ein Verfahren zur Revision von Verträgen zu ergänzen. Lord Davies erklärte u. a., daß Frankreich, England und Italien die deutsche Regierung zwar zur Beteiligung a n einem Luftpakt eingeladen hätten, daß sie in Wirklichkeit versuchten, Deutschland zur Un­terzeichnung des Status quo zu be- wegen. Niemand könne, sich einbilden, daß durch die Einkreisung Deutschland durch einen Ring bewaffneter Nationen ein ständiger F r i e d en herbeigeführt werden könne.

Der liberale Abgeordnete Lord Esher erklärte, daß es unfair sei, Deutschland des alleinigen und einseitigen Vertragsbruches zu bezichtigen.

Lord L o t h i a n erklärte: Wenn es Frieden geben soll, dann muß Deutschland einen Platz in der Welt erhalten, der ihm zu- ko m m t. Es ist eine Täuschung, wenn man glaubt, daß der Friede Europas auf irgendeine andere Grundlage gestellt werden kann. Zur Frage der entmilitarisierten Zone sagte Lord

Lothian, es sei zwecklos, zu glauben, daß sich eine große Nation auf lange Zeit hinaus dar­ein fügt, bafo eines ihrer arößten Gebiete d e m Einmarsch benachbarter Staaten of­fen st e h t, ohne das Recht der Selb st- Verteidigung zu haben. Es ist daher die Pflicht der Staatsmänner, diese Dinge rechtzeitig zu ver­handeln und eine Vereinbarung herzustellen. Die deutschen Kolonialwünsche müßten mehr als eine Frage der nationalen Ehre, denn als wirt­schaftliches Problem betrachtet werden.

Lord Allen of Hurtwood sagte u. a., ich habe die Dinge in Deutschland mit eigenen Augen gesehen. Meiner Ansicht nach ist es unbedingt er­forderlich, Schritte für die Revision der Rüstungs­klausel des Versailler Vertrages zu unternehmen.

Im Namen der Regierung beendete Unterstaats­sekretär Lord Stanhope die Aussprache. Er sagte u. a., er könne nicht glauben, daß die von Eitler vorgeschlagene Zahl von 36 Infanterie-Divi­sionen für die anderen europäischen Mächte auch

Reibungen führen, die größer sind, als wenn die Dinge beim alten belassen werden." Hit- ler habe es klar gesagt, daß er nach Regelung der Saarfrage keine territorialen Wünsche im Hinblick auf Frankreich oder auf eine andere we st europäische Nation habe. Das Rheinland falle unter den Locarno- Vertrag. Dieser gehöre zu den Verträgen, die Deutschland freiwillig unterzeichnet habe und die somit einer ganz anderen Kategorie ange­hörten, als die aufgezwungenen Friedensverträge. Selbstverständlich würde eine äußerst ernste Lage entstehen, wenn in England ober anberswo an­geregt würbe, nicht nur ben auferlegten Vertrag von Versailles, sonbern auch Verträge wie ben von Locarno für ungültig zu erklären.

Kabinettswechsel m England

Paris, 2. Mai. (DNB.-Funkspruch.) Das Oeuvre" will erfahren haben, baß bie britische Re­gierung beschlossen habe, bem König in ben er«

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Das nebenstehende Bild zeigt den Dichter Friedrich Eisenlohr. Er schrieb unseren neuen VornanGut, daß Du da bist eine überaus fesselnde und bewegte Erzäh. lung aus der Welt des deutschen Theaters und des Films, die Geschichte von Ruhm und D'ebe, von Glück und Untergang eines großen Schauspielers in dieser Zeit. Eisenlohr ist 1889 in Freiburg in Baden geboren, studierte Philosophie, Geschichte und Sprachen, lebte bis 1914 als Journalist in Paris, war dann als Offizier an der Front und lernte nach dem Kriege als Autor und

Dramaturg die Welt des Theaters von Grund auf kennen und lieben: aus dieser jahrelangen, lebendigen Berührung entstand unser neuer Römern; er erscheint

LNovgen in den Gießener LanrMenblättevn

nur annähernb annehmbar sei, hoch müsse man noch ein lvenig aüf bie Entwicklung Mr Läge war­ten, benn seiner Ansicht nach werbe eine äbwar­te n b e Haltung im Hinblick auf bie zu er= roartenbe Rebe Des Führers gerechtfertigt sein. Dann ging Lorb Stanhope plötzlich zu einem Angriff auf Lloyb George über, inbem er be­merkte: Wer auch immer ben Krieg gewonnen habe, Lloyb George fei ber Mann, her ben 5 rieben verlor. Der Grunb bafür, baß A r - titel 19 noch niemals zur Anwenbung gebracht worben fei, liege barin, bah es stets einige Natio­nen gegeben habe, bie sich seiner praktischen Anwenbung wibersetzten. Lorb Stanhope erklärte:Bevor ein großes Gefühl ber Freunb- schaft unb Des Vertrauens zwischen ben Nationen hergestellt werben kann, wirb jebes etwaige Ver­fahren für bie Aenberung von Grenzen öffenbar nur zu Mißoerstänbnissen, Schwierigkeiten unb

ft en Tagen hes Juni ihren Gesamt- rucktritt zu erklären. Dieser Umftanb sei umso bemerkenswerter als weber ber bishe­rige Außenminister S i r John Simon noch b er gegenwärtige Luftfahrtmi­nister Lorb Lonbonberry bem neuen Kabinett angehören würben. Man werfe befonbers bem Luftfahrtmnüster vor, ber Auf­rüstung Deutschlanbs nicht zur gegebenen Zeit genügenb Rechnung getragen zu haben.

Deutsch-englische Flottenverhand- kungen bis Bitte Ms vertagt.

London, 30. April. (DRV.) 3n London wurde am Dienstag mitgeteilt, daß die deulscheug- lischen Flottenbesprechungen vorläufig bis nach der erwarteten außenpoliti­

schen Erklärung des Führers aufge­schoben worden sind. Die Erklärung Hitlers wird etwa Mitte Mai erfolgen. Wahrscheinlich wür­ben die Flottenbesprechungen nunmehr etwa in der dritten Maiwoche stattfinden, anstatt, wie ursprünglich vorgesehen, in der ersten Woche dieses Monats.

3m Unterhaus antwortete Macdonald auf die Frage, ob fein vor etwa einer Woche in der Zeitschrift31 e w s Letter" veröffentlichter Ar­tikel, der die Verantwortlichkeit für den Fehl­schlag der Friedensverhandlungen der deutschen Regierung zuschiebt, die Politik der briti­schen Regierung darstelle: ..Die Ansichten der Regierung über die Wirkung der kürzlichen Aktion Deutschlands in der Frage der Militärflugzeuge unö zwar sowohl hinsichtlich der Methode als auch des Umfanges sind in Sfrefa und Genf zum Ausdruck gebracht und in Reden im Unterhaus durch den Außenminister und durch mich selbst nn- gedeutet worden. Der fragliche Artikel hält sich im wesentlichen im Rahmen dieser Erklärungen und stellt die Ansicht der britischen Regierung dar."

Eindrucksvolle Fernsehübertragung.

Vor Vertretern ber Presse unb zahlreicher Fach, leute spielte sich in Tempelhof ein für bie weitere Entwicklung ber F e r n s e h t e ch n i k bebeutungs- volles Ereignis ab. Knapp sechs Wochen nach Er- Öffnung bes ersten Fernsehprogramms ber Welt durch bie Reichsrunbfunkgesellschaft erfolgte als großzügiger Programmversuch bie e r ft e Fern- sehübertragung eines aktuellen Ge» s ch e h e n s. Es hanbelte sich hierbei um eine nicht­öffentliche Propaganbaübertragung ber Reichsrunb- funkgesellschaft mit ber Firma Telefunken unb ber Fernseh AG. unter Ausschluß bes Fernsehfenbers Witzleben. Auf bem Tempelhofer Felb würben burch ben Fernsehwagen unmittelbar ausgenommen unb weitergesenbet bie Ansprache bes Stellvertreters bes Reichssenbeleiters Böse, eine Rebe bes Lan- bespropaganbaleiters Schulze-Wechfungen unb von Walter Schulze von ber Reichspropa- ganbaleitung München. Die Sprecher befanben sich auf bem Platz, von bem aus ber Führer während des Staatsaktes am 1. Mai feine große Rebe hielt. Ton unb Bilb waren gleicherweise vorzüglich. Dis brei Rebner, bie auf bie historische Bebeutung bie» fer Übertragung hinwiesen, waren nicht nur beut« lich zu verstehen, sonbern in bem verbunkelten Emp- fangsraum auf ber etwa 500 Ouabratzentimeter großen Bilbfläche bes Fernsehempfängers in jeher ihrer Mienen unb Gesten beutlich zu ernen­nen; eine in Anbetracht ber schlechten Witterungs- Verhältnisse ungemein überzeugenbe Leistung, bis einen Markstein auf bem Wege ber Entwicklung ber Fernfehtechnik bebeutet.

Reichssendeleiter Habamowsky, Chefinge­nieur Dr. Hupmann unb anbere Fachmänner erläuterten bie Technik biefer Uebertragung. Es hanbelt sich um ein sogenanntes Zwischenfilmver­fahren. Don einer normalen Tonfilmkamera kann jeher gewünschte Bilbausschnitt herangeholt wer­ben. Anschließenb wirb ber Filmstreifen entwickelt unb fixiert. Die Zerlegung bes Bilbes in Bilb- punkte erfolgt burch eine Lochscheibe. Dann werben bie Lichtschwankungen in Stromimpulse umgewan­delt, worauf bie Uebertragung burch einen Relais- fenber vor sich geht. Der ganze Vorgang nimmt knapp 70 Sekunben in Anspruch, so baß ber Fern­sehempfänger bas Bilb etwa eine Minute nach er­folgter Aufnahme empfängt.

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Beethovens Neunte.

Die Aufführung der »Kraft durch Freude" in der Bolkshalle.

Der Vorabenb bes Nationalfeiertages mürbe zum erhebenben Ausbruck bes Sich-Finbens in innerer Derbunbenheit zum gemeinsamen Wirken in her Kunst burch eine glanzvolle Aufführung von Beethovens Neunter Symphonie, in her wohl fast alle fanges- unb mufifbefüffenen Kräfte Gießens sich für bas hohe Ziel einsetzten. Diesem vereinten Wollen würbe ein restloser Erfolg.

Angesichts ber geistigen Tiefe bes Inhalts ber Neunten liegt her Entscheid für bas Gelingen in her Persönlichkeit bes Dirigenten. Was uns Pro­fessor Dr. Stefan Temesvary im Verlauf feiner Gießener Tätigkeit gegeben hat, ist anerkennungs­voll in aller Erinnerung lebenbig. Was er aber biesmal mit ber Neunten erreichte, übertrifft bei weitem alle bie Höhepunkte feines hiesigen Wir­kens. So vollenbet, burchbrungen in reifster Ge­staltung, hat man von ihm hier hoch noch kein Werk gehört. Dor solch einer Aufführung muß jebe Kritik verstummen; ba nimmt man teil am Erleben unb ist banEbar bafür.

Professor Temesvarys Ausbeutung ber Neunten löste alle bie problematischen Schwierig­keiten auf; in her Erfassung bes Ganzen burchbrang leudjtenbe Klarheit das Werk bis in bie fernsten, oft weniger beachteten Teile hinein. Da erschien bisse inhaltsschwerste Symphonie Beethovens so verstänblich unb unmittelbar, als könnte es gar nicht anders fein. Diese tiefe Durchgeistigung hielt sich frei von allem hemmenden Derstanbesmäßigen; ein fast von fanatischer Liebe zum Werk getragener musikalischer Impuls burchglühte bas Ganze, be­herrscht unb verantwortungsbewußt, unb in um- faffenbem Durchleben würbe ber Untergrunb wach, der einst bas Werk aufkeimen unb erstehen lieh.

Unter feiner Führung formte sich ber verschie­dentlich zusammengesetzte Orchesterkörper es wirk­ten mit bas Stabttheater-Orchester, bie Wehrmacht- Kapelle, verstärkt burch Mitglieber bes Orchstter- vereins, unb bie SA.-Kapelle zu organischer Einheit, bemüht, bas Letzte unb Höchste herzu­geben. Eine solche Differenzierung ber dynamischen Abstufungen, wie sie biesmal über höchstes Erwar­ten hinaus vollenbete Tatsache würbe , nötigt schlechthin Bewunherung ab. Einem so schwan­den Pianissimo wirb man nicht immer begegnen; ebenso w.e einem solchen abgewogenen Ausgleich!

in ber Mischung ber Bläser unb Streicher in Klang­farbe unb bebeutungsvollem Anteil am führenhen Gebauten bes Werkes. Da konnten sich bie klang­lichen Kontraste in unmittelbarer Größe unb über- roältigenber Wucht auswirken; ba wuchsen bie ge­waltigen Steigerungen zu gigantischer Höhe heraus. Die Feinheit her musikalischen Durchglieberung (rote etwa im Scherzo) wirb jehern unvergeßlich bleiben, wie auch bie getragene, inbrünstige Weihe bes Abagio ober bas aus geheimnisvollem Raunen ber Bässe allmählich aufblühenbe instrumentale Freu- benthema im Finale. Wie ba jeher an seinem Pult mitschuf, oerbient höchstes Lob: Streicher, Holzbläser, Schlagzeug, Blcchqruppe unb bie Hor­ner mit ihrer Weichheit bes Tones.

Was bas Orchester in ben ersten brei Sätzen so verheißungsvoll begonnen hatte, bas erfüllte ber Chor (sämtliche Gießener Gesangvereine unb anbere Gemeinschaften) im Finale burch Schönheit, Ausgeglichenheit ber Tongabe in allen Stimmgrup­pen, burch ein bem Wollen bes Dirigenten jeberzeit gefügigen Nachaeben unb Folgen, durch ein Be­reitsein zum letzten Einsatz aller Kräfte zur Meiste­rung ber großen Anforberungen. vom tiefsten Er­schauern bis zum Hingerissensein höchsten Jubels.

Dazu trat ein Soloquartett (Ria Ginster, Frankfurt a. M. {Sopran], Henni Schmitt, Frankfurt a.M. sAlt], Willi Lorscheiber, Frank­furt a. M. sTenor], Wilhelm Strienz, Berlin sBaß]), ganz erfüllt von seiner bebeutungsvollen musikalischen Aufgabe. Wilhelm S t r i e n z gestal­tete bie Rezitative mit befonberer Ausbruckskrast, gestützt auf fein umfangreiches, mehr baritonal ge­färbtes Organ, bas ihm selbst bie höchsten Grenz- töne in Strahlkraft ermöglicht (ohne bie sonst im­mer quqlenb empfunbene Abdunkelung). In Frische erklang Willi Lorscheibers Tenor im heldischen Siegeshymnus. Unb über allem Ria Ginsters glanzvoll aufleuchtenber Sopran; bie große Quar- tett-Solostelle (Wo bein sanfter Flügel weilt") zeigte jede her Stimmen mit ausgeprägtester Pla­stik ihres so schwierigen thematischen Anteils, habet in geschlossener Einheit ben musikalischen Gesamt­klang zum letzten Ausbruck erhebenb.

Die zahlreichen Besucher ber voll besetzten Fest­halle waren in Begeisterung entflammt, unaufhör­lich bankte jubelnber Beifall allen Helfern am Werke. Unb gerabe auch bei benen, bie nicht zu ftänbigen Konzertbesuchern zählen, Fünbeten strah­lende Gesichter unb leuchtenbe Augen von innerer Ergriffenheit. ...... ..... Dr. H..

Zigeunerbaron/'

Auch berZigeunerbaron" ist ben Weg aller Ope­retten gegangen unb von ber Ufa in großem Stil unb mit bebeutenben Mitteln verfilmt wor­ben. Das Drehbuch würbe nach ber berühmten: Operette von Johann Strauß, bie wir vor nicht langer Zeit auch hier im Theater sahen, unb nach einer Novelle von Maurus I o k a i von Dineta Klinger, Walter Supper unb Tibor j) o st geschrieben. Die Bearbeiter waren klug genug, bie Glanzstücke ber Straußschen Partitur, von benen von jeher ber eigentliche Erfolg unb bie zünbenbe Publikumswirkung ber Operette ausgeht, unver- änbert in ben Film zu übernehmen. Dabei blieb ber Phantasie bes Spielleiters Karl Hartl noch immer reichlich Spielraum für eigene Einfälle unb bie film- gerechte Ausgestaltung ber Vorlage. So würbe zum Beispiel bas stets beliebte Lieb bes Zsupan (Mein ibealer Lebenszweck ist Borstenvieh unb Schweine­speck") in parobistischer Form auf ben Barinkay übertragen. Ein filmisch überaus bankbares Motiv, bas rhythmisch, musikalisch, in Bewegung unb Masse breit ausgeschöpft würbe, ist ber große Csarbas zu ben Klängen ber Zigeunerkapelle. Das Schatzgräber- Motiv würbe zu einer volkstümlich-komischen Epi- sobe umgewanbelt, unb bas berühmte Dompfaffen­lieb erhielt statt staubiger Kulisse eine malerische Naturszenerie unb läßt bas Ganze abweichenb von ber Dperettenfaffung ausklingen. Ueberhaupt hat her Film in manchen Teilen bas Libretto auf feine eigene Weife behanbelt, unb ber Charakter bes Spieles hat sich vor ber Kamera im Gstamt- einbrurf von ber Operette zum Dolksstück hin ge- roanbelt, wobei insbefonhere bie unbegrenzten räum­lichen Möglichkeiten ber Freilichtaufnahme unb eines natürlich-romantischen Schauplatzes grünblich aus­genutzt würben. Immer ist ja ber Film an sinn­fälliger Wirkung bem Theater überlegen, wenn er die an ben starren Bühnenraum gebunbene Hanb- lung ins fVreie unb Weite verlegen unb beliebig große Menschenmassen in eine malerische Bewegung versetzen unb auflösen kann. In ber Titelrolle sieht man Abolf Wohlbrück, ber mitMaskerade" unbRegine" bie größten Erfolge seines Lebens errang. Er spielt ben Barinkay nicht nur mit einem überrafdjenben musikalischen unb tänzerischen Elan, sonbern auch mit ber Mischung von Kavalier unb Zigeuner, welche bie Rolle charakteristisch, kömöbian- tisch anstehend und dankbar macht. Hansi K n o t e ck. imSchloß Hubertus" ein wenig furblcs und .oentioncü, entwickelt als Saffi ein erfreulich an^ t

gemessenes Temperament, während Gina Falcken- b e r g ber minber ergiebigen Partie ber Arsena immerhin aparte Episoben abzugewinnen weiß. Kämpers gibt ben Zsupan herb-komisch unb ziem­lich geräuschvoll; Rubolf Platte macht aus bem Ernö eine mit vielen witzigen Nuancen ausgestattete, volksstückmäßige Charge. Der Film lief gestern bei recht gutem Besuch zum erstenmal im Licht­spielhaus. Im Beiprogramm: bie Wochenschau unb eine Reise burch ben Harz.r

Unbekannte Helden.

Wer bichtet bas Helbenlieb ber namenlosen Fun­ker, bie auf finfenben Schiffen ihren SOS - Ruf er­schallen ließen, bis ber Tob sie packte? Gleich ben Kapitänen halten bie Funker nach einem ungeschrie­benen Ehrencobex bis zum letzten aus, erst bann denken sie an bie eigene Rettung wenn es nicht schon zu spät ist. Zum ersten Male war es ein großer englischer Passagierbampfer mit 761 Men­schen an Borb, ber finfenb burch bie Tätigkeit bes Funkers gerettet würbe. Schiffe aus ber Nähe wür­ben herbeigerufen, unb alle Passagiere konnten 'n Sicherheit gebracht werben. 1909 sank ber Dampfer Ohio" an ber Küste von Alaska. Der Funker tele­graphierte:Die Passagiere haben alle bas Schiff verlassen". Nach einer längeren Pause kamen noch bie Worte:Ich bin", bann blieb es still. Später fanb man die Leiche des Funkers, er war noch ins Wasser gesprungen unb hatte eine klaffende Wunds an der Stirn. Bei dem Untergang derTitanic" mit 1513 Menschen waren die beiden Funker hie letzten, hie bas Schiff verließen. Man fanb sie am nächsten Tage in einem Rettungsboot, her eine mar völlig erschöpft, ber anbere war tot. Ein halbes Jahr später geriet ber DampferDolturno" mit 654 Menschen im Atlantischen Ozean in Vranb. Mann­schaften unb Passagiere waren von einer Panik ergriffen, nur her Funker tat seine Pflicht, bis Hi sie herbeieilte unb bie Menschen rettete, nur ber Funker verbrannte mit bem Dampfer. 1927 ging bas ita­lienische SchiffMafakba" an ber Küste von Bra­silien unter. Der Funker schloß sich, als er erfuhr, daß bas Schiff finke, in feine Kabine ein, um bei feiner Arbeit nicht burch bie erregten Passagiere gestört zu werben. Diele sprangen ins Wasser unb ertranken, aber viele konnten noch burch anbere Schiffe gerettet werben. Mit hem Schiff gin- auch d"r Funker unter. Sein letzter Ruf war:Meine Apparate haben dis-zuletzt gut gearbeitet".