Ausgabe 
2.5.1935
 
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Das Drama von Gorlice.

Zur Erinnerung an die Durchbruchsschlacht im Osten vom 1. bis 3 Mai 1913.

Die gigantische Durchbruchsschlacht von Gorlice-Harnow, die mit einer katastropha­len Niederlage der zäh und verbissen kämpfenden russischen Truppen endete, gehört zu den eindrucks­vollsten und dramatischsten Geschehnissen des Welt­krieges. Wir wissen aus zahlreichen Dokumenten, aus Feldpostbriefen und spannenden Schilderungen von Augenzeugen und Mitkämpfern, aber auch aus militärischen und kriegswissenschaftlichen Darstel­lungen, mit welcher Erbitterung damals um jede einzelne Stellung, um jeden Hügel und jede Berg­kuppe gekämpft wurde, um die stark verschanzten russischen Truppen aus ihren Positionen und Schützengräben hinauszudrängen und einen Be­wegungskrieg zu erzwingen. Es würde zu weit füh­ren, die strategische Bedeutung jener denkwürdigen Durchbruchsschlacht, die mit dem Namen Macken­sens für immer verknüpft bleiben wird, in allen Einzelheiten zu analysieren.

Die amtlichen Meldungen, die damals vom deut­schen Großen Hauptquartier ausgegeben wurden, lassen die Größe und den Umfang des furchtbaren Dramas von Gorlice nur dunkel ahnen. Schlag auf Schlag kamen die offiziellen Berichte über das ge­waltige Ringen.

Großes Hauptquartier, 3. Mai. Südöstlicher Kriegsschauplatz.

Im Beisein des Oberbefehlshabers Feldmarschalls Erzherzog Friedrich und unter der Führung des Generalobersten v. Mackensen haben die verbünde­ten Truppen gestern nach erbitterten Kämpfen die ganze russische Front in Westgalizien von nahe der ungarischen Grenze bis zur Mündung des Dunajec in die Weichsel an zahlreichen Stellen durchstoßen und überall eingedrückt. Diejenigen Teile des Fein­des, die entkommen konnten, sind im schleunigsten Rückzug nach Osten, scharf verfolgt von den ver­bündeten Truppen. Die Trophäen des Sieges las­sen sich noch nicht annähernd übersehen."

Großes Hauptquartier, 4. Mai. Südöstlicher Kriegsschauplatz.

Die Offensive zwischen Waldkarpathen und obe­rer Weichsel nahm guten Fortgang. Die Beute des ersten Tages beläuft sich auf 21 500 Gefangene, 16 Geschütze, 47 Maschinengewehre und zur Zeit noch unübersehbares Kriegsgerät aller Art."

Großes Hauptquartier, 5. Mai.

Der Angriff der verbündeten Truppen nördlich der Waldkarpathen durchbrach gestern bereits die dritte befestigte Linie der Russen, die dort auf der ganzen Front geworfen, auf die Wisloka zurück­weichen. Die Größe des Sieges kann man daraus ersehen, daß infolge des Durchbruchs der Verbünde­ten die Russen ihre in der nördlichen Flanke be­drohten Stellungen in den Waldkarpathen südwest­lich von Dukla zu raumen beginnen. Nach den vor­läufigen Meldungen scheint die Zahl der Gefange­nen bisher über 30 000 zu betragen.

Einmal schon, zu Anfang des Jahres 1915, war der Versuch unternommen worden, die russische Dampfwalze, die sich in den Kämmen und Hängen des wilden und zerklüfteten Karpathengebirges fest- geklemmt hatte und die ungarische Tiefebene be­drohte, aufzuhalten. Der deutsche General L i n s i n ° gen bildete damals die Südarmee. Im Schnee und Eis, bei furchtbarer Kälte versuchten die Deutschen vergeblich, eine klare Entscheidung herbeizuführen. Ihre wütenden Angriffe zerschellten immer wieder an einem mörderischen Klima. Die Natur bot unüberwindliche Hindernisse, und wenn auch hier und dort Teilerfolae erzielt wurden, so versandete dennoch die Offensive in einem zähen und lang­wierigen Stellungskrieg.

Als Mackensen eingriff, waren die österrei-, chisch-ungarischen Truppen durch die grauenvollen Strapazen außerordentlich geschwächt. Der Russe lag immer noch drohend in den Karpathen über­all machten sich die Folgen des Winterfeldzuges be­merkbar. Die Kämpfe waren ins Stocken geraten, der zermürbende Stellungskrieg hatte eingesetzt, mit letzter verlöschender Kraft wurde in einem schroffen,

unwegsamen Gelände um jeden Fußbreit Boden gekämpft.

Da begann Zug um Zug aus Deutschland nach dem Osten zu rollen. Gewaltige Vorbereitungen wurden getroffen, um eine entscheidende Durchbruchsoffensive zu erzwingen. Nie­mand von den Soldaten, die nach längerer Ruhe­pause sorgfältig für den neuen Angriff geschult und ausgebildet wurden, wußte, wohin es ging. Deutsche Kerntruppen wurden auswaggoniert, die im Bewe­gungskrieg schon Hervorragendes geleistet hatten und in Sturmangriffen erprobt waren. Truppen aus allen Gauen Deutschlands wurden unter der Führung Mackensens eingesetzt und von der West­front weggenommen, um Schulter an Schulter mit den österreich-ungarischen Truppen die russische Dampfwalze" zurückzuwerfen. Die russische Front in Westgalizien mußte um jeden Preis durchbrochen werden.

Die deutschen Truppen, die dazu auserkoren wa­ren, die Russen mit Kolben und Bajonett aus ihren Stellungen zu verdrängen, waren vor ihrer Abbeförderung wochenlang auf Uebungsplätzen für die besonderen Erfordernisse der Durchbruchs­schlacht, des Angriffes gegen eine stark verschanzte und befestigte Feldstellung und des Bewegungs­krieges vorgebildet worden. Uebungsmärsche brach­ten die Truppen in eine glänzende Form, Bewaff­nung, Ausrüstung und Bekleidung wurden ergänzt, die Gefechtseinheiten waren neu zusammengeschweist.

Die Russen wurden durch Ablenkungsmanöver irregeführt und durch die plötzlich einsetzende Offen­sive, die durch ein ungeheuer intensives und umfassendes Artilleriefeuer ein­geleitet wurde, völlig überrumpelt.

Die Uhr zeigte Punkt sechs Uhr, so schildert ein Augenzeuge die Kämpfe am 2. Mai, und gleich­zeitig fuhren die Geschosse aus den Batterien. Tau­sende und Abertausende von Geschossen aller Kaliber jagten hinüber zum Feinde. Dumpf hallten die Ge­birgstäler wider. Wie ein furchtbares Gewittergrol- len zitterte es durch die Luft. Drüben sah man hohe Staubwolken aufwirbeln. Meterhoch spritzte der gelbbraune Boden in die Luft. Grauschwarzer Qualm hüllte bald die feindlichen Linien ein. Weit hinter den russischen Stellungen sah man an den großen Straßenzügen dicke Chausseebäume wie Streichhölzer umknicken. Um 8.30 Uhr vormittags brach ein Höllenlärm los. Scharfes, durchdringen­des Krachen fuhr durch die Luft, riesige braune Erd­massen und schwarze Rauchwände stiegen wie Springbrunnen in die Höhe. Steinerne Häuser stürz­ten wie Kartenhäuser zusammen, feindliche Schan­zen wurden zertrümmert und auseinandergerissen. Man hatte den Eindruck: dort kann nichts mehr leben.

Auf das Wirkunasschießen der Artillerie folgte am 2. Mai der Jnfanterieangriff. Pionier- Sturmtrupps bahnten den Stürmenden mit Draht­scheren und Handgranaten den Weg. Am Abend dieses Tages war nach mörderischen Nahkämpfen die ganze russische Stellung im Abschnitt der 11. Armee in der Hand der Verbündeten. Am 3. Mai wurde der weichende Feind bis gegen Mittag verfolgt, wobei es erneut zu einem erbitterten Ringen kam. Wieder wurde der Russe von der 11. Armee a u f der ganzen Linie geworfen. Der große befreiende Durchbruch war geglückt, die russische Front war aus dem Stellungskrieg herausgezwun­gen und zusammengebrochen. In einem Zeitraum von drei Tagen war die starke russische Armee des Fürsten RadkoDimitrjewaus drei Stellungs­systemen geworfen und völlig geschlagen worden.

Mit dem Bataillonskommandeur an der Spitze", so schildert ein Mitkämpfer das Vorgehen der 271er, stürmte die tapfere Schar den Berg hinauf, über­schüttet von geradezu wahnsinnigem Feuer des Geg­ners. Aber weder das Feuer, noch die Gräben, Schluchten, Sümpfe und Drahtverhaue konnten den Sturmlauf aufhalten. Zwar wurden die Reihen immer lichter, aber nach 35 Minuten war trotz

Im Eidechsenland.

Von Friedrich Schnack.

Auf die weite Steppe war ein Wolkenbruch niedergegangen. Noch im peitschenden Regen eilte ich zum Fluß Sakatovo, um sein blitzschnelles An­schwellen zu beobachten. Aber ich kam zu spät, das Hochwasser raste bereits in dem felseingesägten Flußbett mit urweltlicher Wucht. Die trübe, weiß­kochende Flut, noch immer steigend, führte ent­wurzelte Bäume, Sträucher, Trümmer von Ein­geborenenhütten, Blätter, Zweige und Blumen weither. Sie krachte, toste und grollte: ich schrie und brüllte in das Orgelbrausen der Lärm übertäubte meine lächerliche Stimme.

Als der Regen aufhörte, arbeitete ich mich durch klatschnasses Gras und Büsche, vollgesogen wie Schwämme, auf eine hochliegende Gneisbarr hin­auf und sah von oben in das wilde, drachengleiche Strombild. Noch ein kurzer Regenschauer stob her­an, ein paar Blitze schlugen blendend in der Nähe ein so rasch wie das Unwetter gekommen war, verschwand es nun wieder. Aber es war nun auch Zeit für mich, heimzugehen, ehe die Nacht herein­brach.

Wie seltsam sah der Himmel aus. Im Westen nahe am Horizont leuchtete er schwefelgelb, als hätte die Erde eine fieberische Ausstrahlung ange­nommen, vor einer durchsichtig gläsernen Mem­brane. Ueber dem gelben Vulkanlicht lagerten, schnurgerade abgeschnitten, langhingedehnte, schwarze Wolkenbänke. Diese Tintenwolken schienen einer schwarzen Landschaft zu entstammen, einer unter­irdischen Steppe.

Der Weg leitete mich geradeaus nach Osten, hohen, schönen Wolfsmilchbäumen entgegen. Wäh­rend ich heimschlenderte, rutschte die Sonne hinter den dunkeln Wolkenriffen herunter und goß weit- um in die Landschaft ein durchdringendes Schwefel­licht, elektrisch hell, fast unheimlich. Gleich unge­heuren Schwefelbrocken schimmerten die mächtigen, sonst weißen Quarzitfelsen, auf denen ich entlang­turnte. Und leuchtend gelb, wie aus Schwesel- quadern herausgehauen, standen die schönen Wolfs- milchbäume, nun ganz weltunwirklich vor dem ultramarinblauen Reaenhimmel. Und darin wölbte sich ein flammender Doppelregenbogen. Völlig aus­gebildet schwang er sich über Die abendliche Urland­schaft, ein siebenfarbiges Tor, in das ich hinein­schritt. Dann und wann fegte noch ein Blitz durch den Raum. Das ferne Donnerrollen und das leise, beständige Klatschgeräusch der von den Zweigen niederfallenden Tropfen klangen wie eine sonder­bare Musik, deren Rhythmus erregend und be­sänftigend zugleich wirkte. Klangtropfen über Bässen.

Ich hockte mich auf einen der Schwefelfelsen und schaute über das Land« Der fiLwdartlg-ungeheure

Eindruck war überwältigend schön. Die Erde hat noch ihre Wunder. Das Fabelgesicht der Dämme­rung strahlte mich Einsamen an, gleich wie das Spiegelbild einer menschenlosen Sternenlandschaft.

Die Sonne sank, der Regenbogen stieg empor, und wie er sich langsam hob, verlor er an Leucht­kraft und verging. Der Abendwind begann zu wehen, leises, schlangenhaftes Zischeln und zittern­des Flüstern durchstrich das hohe Buschgras, ge­heime Stimmen durchirrten die Wildnis, als raun­ten die Seelen der Tropenpflanzen. Schlüpften kleine Tiere durch die Dickichte? Leben regte sich, wie von schweifenden Buschgeistern.

Plötzlich spürte ich an meinem Fuß eine leise Berührung. Es war jemand da, in Eidechsengestalt. Eine große Eidechse hatte sich herangewunden und zu mir gesetzt. Ihr schlanker, braungrüner Drachen­leib lag auf dem Schwefelstein, und ihr spitzer Kopf auf meinem Schuh. Sie hatte noch nie einen Lederschuh gesehen, und es mochte ihr auch gleich­gültig sein mein Schuh war für sie ein Stück Holz oder Stein, Totes im Eidechsenland. Ahnungs­los waren ihre blinkenden Perlaugen auf mich ge­richtet, kleine Glasknöpfe voll bläulich-grauem, gelb- durchblinktem Schimmer. Ich rührte mich nicht und wagte kaum zu atmen. Die Eidechse blickte mich an und ich die Eidechse. Dann, ehe ich noch die un­schuldsvolle Eintracht zwischen mir und dem stum­men Wesen recht begriff, war sie auch schon zer­stört. Die Eidechse mußte ein verdächtiges Geräusch gehört haben, sie hob den Kopf und war ver­schwunden.

Im gleichen Augenblick ging die Sonne unter, die Farben erblindeten, und die Steppe lag als flaches, stumpfes Dunkelgrün vor mir, das sich rasch mit Finsternis sättigte.

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Berufserzieher in die Gchulbeiraie!

Von Otto (Sfonqe, Serlw.

Vor kurzer Zeit brachteDer Gemeindetag", die Zeitschrift für deutsche Kommunalpolitik, einen be­achtenswerten Hinweis auf die gemeindliche Schul­verwaltung unter der Ueberschrift: Um die Berufs- schule.. Es wurde gefordert, daß die praktische Durchführung der mit der Berufsschule zusammen­hängenden Aufgaben gemeinschaftlich von den ge­meindlichen Schulträgern, der Deutschen Arbeits­front, der Wirtschaft und der Lehrerschaft erstrebt werden müsse. Auch sei die fachliche Durchgliederung der kleineren Berufsschule erforderlich. Dieser Ruf kommt aus der Reihe der Schulträger selbst. Er sucht den Standort, an dem die von ihm unter­haltene Ausbildungsstätte ihre Aufgabe erfüllen kann. Der Schulträger wendet sich an dis Lehrer­

schaft, an die Deutsche Arbeitsfront und an die Wirtschaft. Er will die Verantwortlichkeit anspre­chen, die er bei den Genannten erwartet. Der Schul­träger hat mit seiner Stimme das Stichwort für eine Überprüfung der noch geltenden Anschauungen über die Berufsschule gegeben. Diese Stimme sollte darum von allen Berufserziehern in der Lehrer­schaft und im Arbeitsleben gehört werden.

Der Aufsatz verrät die Gefahr, in der die Berufs­schule stehen würde, wenn sie ohne Mitwirkung der Erziehungsberechtigten im Arbeits- und Wirtschafts­leben in ihrer oft schon isolierten Stellung verbleibt. Die Verantwortlichen werden daran erinnert, nicht wieder den liberalistischen Fehler zu wiederholen, eine eigene Berufsschulpolitik zu treiben. Die Berufs­schule muß heute ihre bisher oft fehlgeleitete Ent­wicklung in den Gesamtrahmen der deutschen Be­rufserziehung lenken. Sie. muß sich als dienendes Glied in der ihr ursprünglichen Aufgabe der Be­rufserziehung bekennen. Dieses Bekenntnis wird die Voraussetzung dafür sein, an der Neugestaltung der deutschen Berufserziehung ebenso verantwortlich teilzunehmen, wie das von der Lehrerschaft und von den im Arbeitsleben stehenden Berufserziehern gefordert werden muß. Die Neugestaltung wird sich aber nur dann vollziehen, wenn in nationalsoziali­stischer Disziplin alle an der Berufserziehung betei­ligten Personen und Körperschaften in ihrem Willen und Handeln übereinstimmen, wenn die Richt­linien für die neue Berufserziehung aus dem Arbeitsleben entstehen und wenn sie ihre Verwirklichung unter das Gesetz der Leistungsgemeinschaft unseres Volkes stellen.

Als Berufserzieher sind die Persönlichkeiten ge­meint, die mitten im Arbeitsleben stehen, die als Meister in ihrem Berufe oder am Arbeitsplatz gelten und die fähig sind, die Anforderungen an die Berufsausbildung und -erziehung des arbeitenden Menschen zu überblicken. DerVertreter" einer be­stimmten Berufs- ober Wirtschaftsgruppe wird heute nicht gebraucht, sondern der Berufserzieher, der als beruflich tätiger Lehrer oder als Betriebs­führer, als Hanowerksmeister, als Werkmeister oder Vorarbeiter überall im Arbeitsleben anzutreffen ist. Von diesen Persönlichkeiten wird ein großes Maß persönlicher Verantwortung, charakterlicher Werte, die nationalsozialistische Zuverlässigkeit und die Sachkunde der beruflichen Erziehung gefordert.

Aus diesem Kreise der Berufserzieher werden die Schulträger in Preußen die Mitglieder der Schul- beiräte zu berufen haben. Erst am 1. April d. I. sind die neuen Bestimmungen für Preußen in Kraft getreten. Bisher haben sogenannte Schulvorstände oder Schulausschüsse bestanden, in ihrer bisherigen Zusammensetzung blieben sie erfolglos. Nunmehr werden fach- und sachkundige Personen in die Schuldeiräte der Berufsschulen gelangen. Wen» alle

tropischer Sonnenglut der Gegner erreicht, und der Nahkampf begann. Furchtbar wüteten Bajonett und Kolben, und Entsetzen packte die Russen in ihren Gräben."

In der Schilderung eines Kompanieführers des bayrischen Infanterie-Regiments Nr. 22 heißt es:

Von rechts über die Mulde und oben von dem »Iägerhäusll bekamen wir ein übles Flanken­feuer. Immer mehr schoben wir uns kriechend und eingrabenb vorwärts. Am stärksten war das Feuer von rechts seitwärts. Aber auch vorn schossen sie noch, also waren noch immer Leute im Graben. Mit Schutzschildern versehen, kletterten unsere Leute bis zum Drahthindernis vor. Bis dahin hatte unsere Artillerie, mit einem Feuerschutz dicht vor uns her.

noch das Vorgehen begleitet. Am Drahthindernis stockte das Vorgehen. Da gab es plötzlich links einen Ruck. Die Russen schienen zurückzugehen. Unsere Leute sprangen sofort auf, ich hinüber über das Drahthindernis. Die Leute mir nach! Der eine stol­perte, der andere blieb hängen, aber bald waren wir fast alle im Graben. Schon streckten die Russen die Hänge hoch und winselten. Hier im Graben sah es schrecklich aus. Tote und scheußlich verstümmelte Russen lagen darin und dahinter. Verwundete, Ge­wehre, Tausende von Patronen, Kochgeschirre und allerlei Materialien lagen auf dem Boden herum. Die Artillerie und die Minenwerfer hatten schreck­liche Arbeit geleistet." Dr. W. H.

Aus aller Meli.

Furchtbare Explosion in Nlukden. Bisher 64 Todesopfer.

Im Arsenal in Mukden in der Mandschurei ist vor einigen Tagen ein Großfeuer ausgebrochen, das bis jetzt 64 Todesopfer gefordert und außerordentlich großen Sachschaden angerichtet hat. Das Feuer wird auf eine Kesfelexplosion zurückge- führt, die, wie vermutet wird, durch Sabotage herbeigeführt wurde. Das Standrecht ist sofort ver­hängt, der Vizedirektor des Arsenals und mehrere Arbeiter seien bereits verhaftet worden. Die Ex­plosion war so stark, daß mehrere Tote angeblich zwei Meilen vom Arsenal entfernt gefunden wur­den. Die japanische Polizei hat 13 Verhaftungen vorgenommen.

Furchtbare Granalexplosion in Bourges. Bier französische Arbeiter getötet.

Bei der Anfertigung einer Granate großen Ka­libers wurden vier Arbeiter der Hauptschule für Feuerwerker in Bourges durch eine Explo­sion getötet. Zwei von ihnen wurden zerfetzt. Die Explosion war so stark, daß der Eifenbeton- unterftanb, in dem die Arbeiten ausgeführt wur­den, völlig zertrümmert wurde.

Lastkraftwagen vom Zug überrannt. Zwei Insassen getötet.

Ein Personenkraftwagen durchfuhr die geschlos­sene Schranke der Weidkampstraße bei Essen-Berge- Borbeck. Der Wagen wurde im gleichen Augenblick von der Lokomotive eines durchfahrenden Eilgüter­zuges erfaßt, mitgeschleift und zertrümmert. Die beiden Insassen des Wagens, deren Persona­lien noch nicht festgestellt werden konnten, wurden auf der Stelle getötet.

DerCEinbredjerfönig von Kärnten zum Tode verurteilt.

Ein berüchtigter Verbrecher namens Isidor Stürze!, der von der Bevölkerung derEin­brecherkönig von Kärnten" genannt wird, stand vor dem Klagenfurter Geschworenengericht. Er ist ange­klagt, 13 Einbrüche begangen, einen Wachbeamten niedergeschossen und viele Personen mit dem Tode bedroht zu haben. Der Verbrecher wurde zum Tode durch den Strang verurteilt.

Wirbelsturm über Bordeaux.

'In der Gegend von Bordeaux hat ein Wirbel­sturm großen Schaden angerichtet. Viele Schorn­steine wurden umgerissen. Durch zahlreiche Trüm­mer und riesige Staubwolken ist der Kraftwagen- verkehr stark behindert. Auch die Flußschiffahrt hat unter dem Unwetter zu leiden. Verluste an Menschenleben werden bisher nicht gemeldet.

Der Bergrutsch am Tatzelwurm. keine weitere Gefahr.

Die im Gebiet des Tatzelwurms abgerutschten Bergmassen sind nunmehr durch das Aufhören der Niederschläge nahezu zum Stillstand ge­kommen. Die Hauptmure hatte sich bis Donnerstag- früh noch ganz langsam fortbewegt. Durch die Be­endigung der Schneefchmelze hat sich die Wasser­bildung vermindert und übt nicht mehr den Druck wie bei Beginn des Erdrutsches aus. Die Kommission der Sektion für Wildbachverbauung in Rosenheim,

die dieser Tage an Ort und Stelle weilte, ist der Ansicht, daß wohl noch weitere Erdmassen beim Eintreten einer Schlechtwetterperiode abrutschen werden. Eine Gefahr für den großen Tatzelwurm- Wasserfall, der etwa 20 Minuten von dem Berg- rutschgebiet entfernt liegt, besteht vorerst nicht.

Voolsunglück auf der Unterweser. Drei Personen ertrunken.

Der 60jährige Bauer Campen, der 50jährige Bauer Kuhlmann und dessen 25 Jahre alter Sohn hatten mit einem Kahn den Ort Werder an der Unterweser verlassen, um von einer gegenüber­liegenden Ortschaft Sand zu holen. Auf der Rück­fahrt nach Werder geriet der vollbeladene Kahn in der Mitte des Stromes in den Sog eines vorbei­fahrenden großen Frachtdampfers derNeptun"- Linie, wodurch das schwerbeladene Boot mit dem tieferen Teil absackte und bald völlig in den Fluten verschwand. Die Insassen versuchten sich in bas Beiboot zu retten, bevor sie jedoch die Leine kappen konnten, wurde auch dieses unter Wasser gezogen. Alle drei Insassen ertranken.

Französisches Militärflugzeug brennend abgestürzt. Ein Toter, ein Schwerverletzter.

Ein französisches Militärflugzeug, das zu einem Probeflug geftärtet war, ist bei Saint Aubin süd­lich von Paris aus 200 Meter Höhe brennend abge stürzt. An Bord befanden sich zwei Leut­nants. Es scheint, daß der Flugzeugführer infolge Fehlzündung des Motors notlanDen wollte, aber die Gewalt über den Apparat verlor. Der Beobach­ter erkannte die Gefahr und sprang mit dem Fall­schirm ab. Der Schirm öffnete sich jedoch nicht, und der Leutnant erlitt beim Aufprall so schwere Verletzungen, daß an seinem Aufkommen ge­zweifelt wird. Der Flugzeugführer ist mit dem Flugzeug verbrannt.

Haupttagung der Deutschen Röntgen-Gesellschaft.

Am Sonntag, 28. April, beginnt in Berlin die diesjährige wissenschaftliche Haupttagung der Deutschen Röntgen-Gesellschaft. Sie steht unter dem Vorsitz von Professor B a e n s ch (Leipzig). Zur Losung der der Röntgen-Gesellschaft gestellten Aufgaben, nämlich der Förderung der wissenschaftlichen Arbeit auf dem Gebiet der Röntgen­kunde und Strahlenforfchung, vereinigt die Gesell­schaft in ihren 1200 Mitgliedern eine Arbeitsgemein­schaft von drei Berufsgruppen, Aerzte, Physiker und Ingenieure. Entsprechend dieser Zusammen- setzung werden auf den jährlich stattfindenden Haupt­tagungen der Gesellschaft drei Hauptthemen behan­delt, Diagnostik, Therapie, Physik und Technik. Die diesjährigen Referate und Vorträge zum Thema Diagnostik stehen im Bemühen um die Erkennung von Geschwülsten des Schädelinnern. Sie haben das Ziel, die Verfeinerung der Diagnose zu fördern. Die Vorträge über Strahlentherapie erhellen neuere Methoden Der Röntgenbestrahluna bösartiger Ge­schwülste und die Dosismessung bei der Radium­behandlung. Auf dem Gebiet der Physik und Tech­nik wird über neuere Ergebnisse in der Atom- forschung und über Elektrodenstrahlen und deren Bedeutung für die Strahlentherapie berichtet wer­den. Außer den deutschen Fachleuten sprechen auch vier ausländische Geleyrte.

Schulträger den Sinn des preußischen Gesetzes recht verstehen, Dann müssen sie die neu zu berufen- Den Schulbeiräte verpflichten, an Der Gesamt- gestaltung Der Berufserziehung und an Der Neu- orDnung Der Berufsschule verantwortlich mitzu- wirken. Sie werDen sich mit Den Fragen Der Berufsberatung, Berufswahl unD -Vorbereitung, Der Berufsausbildung in Der Lehre und in Der Schule sowie mit Den Anforderungen an die Be­rufsleistung Des Erwachsenen beschäftigen müssen. Die Auswahl Der Erzieher in Betrieb und Schule, Die Lehrmittel und -methoDen sowie Das Prüfungs­wesen begutachten. Sie können der Mittler sein zwischen Den Bedürfnissen Des wirklichen Arbeits­lebens unD Den berufserzieherischen Einrichtungen. Auf diesem Wege kann auch die noch bestehende Entfremdung Der Wirtschaft von der Berufsschule vermindert, wenn nicht gar beseitigt werden. Es muß auch wieder jene ErziehungÄbereitschaft Der Meister" im Berufe geweckt werDen, Die einmal zu Den ersten Pflichten im HanDel unD Handwerk gehörte dann aber später von den rechnerischen und verstandesmäßigen Ueberlegungen des persön­lichen Vorteils überwuchert wurde. Wenn es den in der Berufserziehung tätigen Lehrern und Ar­beitsmännern gelingt. Die noch fehlende Einheit der Berufserziehung durch die prak­tische Gemeinschaftsarbeit zu begrün­den, wird unser Berufsschulwesen allen berechtigten Ansprüchen genügen können. Dann kann jenes Wort, das wir oft über dem Eingang unserer Schulen in lateinischer Sprache gelesen haben, wie­der seinen Sinn bekommen:Nicht für die Schule, sondern für das Leben lernen wir".

Die beiden Dumas hatten Appetit.

Der ältere Dumas war nicht nur wegen seiner Dichtkunst, sondern auch wegen seines außerge­wöhnlich gesunden Appetits weithin bekannt. Seinem Magen mutete er alles zu, ohne daß feine Gesundheit Schaden darunter litt. Während in Pa­ris gerade eine Choleraevidemie wütete, und sich jeder besonders vor dem Genuß von rohen Früchten hütete, fand der junge Dumas seinen Vater in feiner Wohnung, wie er gerade behaglich mehrere Melonen verspeiste. Der Sohn schrie entsetzt auf und machte dem Vater heftige Vorwürfe.Laß doch", sagte dieser,jetzt ist gerade die rechte Zeit, Me- tonen zu essen, sie kosten nichts." Der junge Dumas war übrigens ein ebenso starker Esser und schien den bewunderungswürdigen Magen des Va­ters geerbt zu haben. Als jemand darüber staunte, wie er einen Teller mit Radieschen ober Krabben füllte, die er beide leidenschaftlich gern, bemerkte er nur:Beruhigen Sie sich, das bekommt mir nur schlecht, wen» ich wenig davon _____