Ausgabe 
2.4.1935
 
Einzelbild herunterladen

Oie Pachologen-Tagung in Gießen.

Heber die wissenschaftlichen Vorträge auf der Tagung der Deutschen Pathologischen Gesellschaft in Gießen vom Donnerstag haben wir bereits berichtet. Am Donnerstagabend fand im Studentenheim ein U n t e r Haltungs­abend statt, an dem sich sämtliche Teilnehmer mit ihren Angehörigen beteiligten. Prof. Gg. Herzog (Gießen) eröffnete den Abend mit einem Vorspruch, dem sich die Begrüßung der Gäste durch Bürger­meister Dr. Hamm anschloß. Im Vordergrund der Darbietungen stand das hessische Volksleben in Aus­schnitten aus einem Heimatspiel von Georg Heß (Leihgestern), das von jungen Mädchen aus den Dörfern der Umgebung Gießens in Lied und Tanz veranschaulicht wurde. So gewannen die Teilnehmer des Kongresses auch einen Einblick in altes Brauch­tum, das sich gerade in unserem Hessenlande durch Jahrhunderte hindurch erhalten hat. Neben diesen mit außerordentlich großem Beifall aufgenommenen Vorführungen wurde der Abend durch das hervor­ragende pianistische Können des Herrn Kuhl­mann aus Frankfurt a. M. verschönert, der eine Chopin-Ballade und mit Frl. Renate Herzog einen Walzer von Brahms zum Vortrag brachte sowie zum Abschluß des Abends die Gäste mit einer Parodie im Stile verschiedener Komponisten erheiterte.

In der wissenschaftlichen Sitzung am Freitagvormittag fand eine sehr angeregte Aus­sprache über die Hauptreferate und Vorträge vom Donnerstaa statt, in Seren Mittelpunkt bie Erörte­rung des Krebsproblems stand. Anschließend sprach Dr. Behrens (Gießen) über eigene Versuche, auf mechanischem Wege einzelne Zellen und Gewebs­bestandteile zu trennen. Prof. F e u l g e n berichtete über den chemischen Nachweis verschiedener Zell­bestandteile. Dann folgten Prof. Huebschmann (Düsseldorf), Prof. Krauspe (Königsberg) und Dr. P u t s ch a r (Göttingen) mit Demonstrationen seltener Krankheitsfälle. Frau Prof. Schmidt- m a n n (Stuttgart-Canstatt) gab eine kurze Dar­stellung von ihren Untersuchungen über das Kropf­problem. Heber experimentelle Erzeugung akuter Nierenentzündung referierten Prof. Fahr (Ham­burg) und Prof. Klinge (Münster). Prof. Büch­ner (Berlin) behandelte die Frage der Einwirkung verschiedener therapeutischer Mittel auf die kranke Herzmuskulatur. Daraufhin erstattete Prof. B ü r« k e r (Gießen) Bericht über seine Versuche über Förderung und Hemmung der Blutgerinnung durch Hormongaben. Prof. Zwick (Gießen) sprach über eine bisher in Deutschland noch wenig bekannte Er­krankung, die Tularaemie, die insbesondere bei Nagetieren beobachtet wird und deren Hebertragung auf Menschen bereits festgestellt worden ist. An­schließend sprach Dr. Roth mann (Gießen) über einen seltenen tödlich verlaufenen Fall von Bang- scher Erkrankung.

Am Freitagnachmittag fand zunächst eine- G e - schäftssitzung statt, in der als neuer Vorstand Professor Fischer-Wasels gewählt wurde: als Tagungsort für den nächstjährigen Kongreß wurde Dresden oder Breslau in Aussicht genom­men. Nach Erledigung des Kassenberichtes und

einiger anderer geschäftlicher Angelegenheiten et= griff Pros. Rößle (Berlin) das Wort:Heber die Ausbildung des Pathologen" und führte etwa fol­gendes aus: Wie man von Aerzten, die sich einer Spezialausbildung in den klinischen Fächern unter­zögen, eine mindestens einjährige theoretische Vor­bildung verlange, so müsse man auch von dem wer­denden Pathologen fordern, daß er sich zum besse­ren Verständnis seines Faches auch eine entspre­chende Zeit praktisch in einer der großen Kliniken betätige. Nach einer vierjährigen Ausbildung als Pathologe, sowie nach kürzerer bakteriologischer Betätigung könne man die Fachausbildung als ab- gsschlossen betrachten. An der anschließenden regen Aussprache über diese Fragen beteiligte sich vor allem auch der stellvertretende Reichsärzteführer Prof. Wirz, der bie Reformbestrebungen begrüßte und ihnen seine Unterstützung im Rahmen der von der Regierung vorgesehenen allgemeinen Hochschul­reform zusagte.

Der spätere Nachmittag galt einem Besuch von Bad-Nauheim. Dort wurden das Dalneolo- gische Institut der Hniversität Gießen unter Füh­rung von Prof. W eb er und das Karkhoff-Jnstitut unter Führung von Prof. Koch gemeinsam besichtigt. Außerdem sand eine gemeinsame Demonstration von Prof. Weber (Bad-Nauheim) und Prof. Büch­ner (Berlin) über Fälle von Herzerkrankungen statt. Während dieser Vorträge waren die Frauen Gäste der Kurverwaltung auf bem Johannisberg. Der Abend vereinte alle Teilnehmer zu einem ge­meinsamen Abendessen in den Räumen des Kur­hauses. Der Direktor der Kurverwaltung begrüßte die Kongreßteilnehmer im Namen des Bades, auf dessen lOOjähriges Bestehen in diesem Sommer er hinwies. Den Dank der ausländischen Besucher brachte Prof. Orsos aus Debreczin zum Ausdruck, eine außerordentlich humorvolle Damenrede hielt Prof. Gruber (Göttingen). Ferner sprachen der Rektor der Hniversität in Gießen und der stellver­tretende Reichsärztesührer.

Am Samstagmorgen sand die Schlußsitzung statt. Prof. v. Balogh (Budapest) sprach über durch Nierenschädigungen hervorgerufenen Zwerg­wuchs. Zu verschiedenen Problemen von Lungen­erkrankungen sprachen Dr. Hörner (München), Dr. Wurm (Heidelberg), Pros. Westenhöser (Berlin) und Dr. Koppenhöf er (Stuttgart). Leuchtgasschädigungen des Herzens behandelte Dr. Jeckeln (Halle); einen Fall von hochgradiger Gicht durch chronische Bleivergiftung demonstrierte Dr. F r o b o e s e (Berlin-Spandau). Heber experi­mentelle Untersuchungen der Milz berichteten Dr. G u i l l e r y (Köln) und Dr. Giese (Freiburg).

Zum Abschluß der Tagung sprach Prof. Di et- r i ch als Vorsitzender der Deutschen Pathologischen Gesellschaft der Stadt Gießen für die gastfreundliche Aufnahme, Herrn Prof. Herzog für die umfassen­den Vorbereitungen und die vorzügliche Organisa­tion des Kongresses und Herrn Prof. B ü r k e r (Gießen) als den Direktor bes Physiologischen Insti­tutes, in dem die Tagung stattfand, nochmals seinen Dank aus.

Stickerei- und dann Häkelarbeiten bildeten die erste Einführung in die eigentliche weibliche Handarbeit, dann wurde weiter aufgebaut in verständnisvoller Steigerung der Aufgaben. So entstanden unter immer geschickter werdenden Händen auf der Grund­lage einer beherrschten Technik eine Fülle von vraktischen und sehr netten Dingen des täglichen Gebrauches. Den Kindern dürfte dabei zweifellos auch die Bedeutung der Handarbeit bewußt ge­worden fein. Es wurden kleine Täschchen, Mappen, Einkaufstaschen, Topflappen, dann Decken, Strümpfe, Mützen, Taschentuchbehälter, ja, schließlich Pullover, Kleider, Wäsche usw. in sehr sauberer Handarbeit gefertigt.

Die schön aufgebaute Ausstellung gibt in ihrer Gesamtheit einen Heberblick über wertvolle Arbeit, die dem späteren Beruf der Mädchen als Hausfrau wertvoll dienen wird. Die Ausstellung und das war in ihr gezeigt wird, muß die Elternschaft und alle anderen Besucher mit Freude erfüllen. Die Schau fand denn auch ein starkes Interesse und war gut besucht. Aus diesem Grunde entschloß sich die Leitung der Schule auch, die Ausstellung noch bis zum Mittwoch, und zwar an den Nachmittagen, offen zu halten.

Lustpost im Sommer -1935.

Der am 1. April in Kraft getretene Flug plan des Sommerverkehrs umfaßt Verbindungen nach fast allen europäischen Ländern. Die Verbindungen wer­den mit wenigen Ausnahmen zur Postbeförderung benutzt. Am wichtigsten für den Postverkehr sind die nachts verkehrenden R e i ch s p o st f l ü g e. Solche Flüge werden am 1. April im Anschluß an die ständigen Reichspostflüge BerlinHannoverKöln London auf folgenden Linien wieder ausgenom­men: BerlinHalleLeipzig, HannoverFrankfurt (Main)Stuttgart, KölnBrüsselParis, Köln Frankfurt (Main)München und MünchenNürn­berg. Luftpostsendungen, die in den an das Nacht- flugnetz angeschlossenen Orten abends eingeliefert werden, erreichen die Empfänger in den andern Orten des Netzes in der Regel bei der ersten, spä­testens aber bei der zweiten Zustellung des nächsten Tages. Entsprechenden Vorteil haben die Postver­sender in den nicht an das Netz angaschlossenen Orten, die mit den Lustpostorten durch günstige Verkehrsgelegenheiten anderer Art verbunden fino. Nähere Auskunft bei den Postanstalten.

Oie evangelische Kirche in Oesterreich.

Der hiesige Gustav-Adolf-Verein ver­anstaltete am Sonntagabend wieder einen Vortrags­abend, der im Johannessaal stattfand und sehr stark besucht war. Nach dem LiedeNun lobt mein Seel' den Herre", und nach kurzer herzlicher Be­grüßung durch Pfarrer Becker sprach Pfarrer K r ö ck e r aus Burkersdorf bei Wien über den österreichischen Menschen und die evangelische Kirche in Oesterreich. Der Redner, der bereits am Vormittag in der Stadtkirche predigte und auch im Gottesdienst der Kinder sprach, schilderte aus eigener praktischer Erfahrung und aus seiner Kenntnis des österreichi­schen Menschen erworben in einer zwölfjährigen Seelsorgertätigkeit im Dienste der österreichischen evangelischen Kirche die Mentalität des Oesterreichers, wie auch das Verhältnis des Reichsdeutschen zum Deutschen in Oesterreich, und betonte dabei, daß gegenseitige Achtung die Voraus­setzung für ein engeres Verhältnis sein müsse. Oester­reich sei, insbesondere auch während des Weltkrieges häufig verkannt worden. Jedem Teilnehmer des Weltkrieges fei es bekannt, daß der Deutsch-Oester- reicher an der Front seine Pflicht bis zum Aeußer- ften getan habe. Die Ursachen einer zeitweiligen Entfremdung seien auch nicht bei den Deutschen in Oesterreich zu suchen, sondern bei anderen Kräften.

In kurzer Heberschau sprach er dann davon, wie der Oesterreicher schon durch Jahrhunderte für das deutsche Volk insgesamt seine Haut mit zu Markte getragen habe: in den Hunnenkriegen, als Wall gegen die türkische Invasion, in der Gegenrefor­mation usw. Interessant sei es in diesem Zusammen­hang, daß Grillparzer einmal sagte:Gebt dem

Oesterreicher drei Generationen lang Protestantis­mus und er ist der wertvollste deutsche Mensch". Der Oesterreicher habe sich noch immer für eine große Sache begeistert und ihr immer gerne gedient. So auch der evangelischen Sache. Geschichtliche Einzelheiten, die Pfarrer Kröckel eindrucksvoll her­ausstellte, ließen erkennen, wie sehr die evangelischen Oesterreicher für ihren Glauben einzustehen jederzeit bereit waren. Die österreichische Seele sei, so betonte er u. a. von Natur aus evangelisch. Mit Hinweisen auf die entscheidende Bedeutung des Kampfes um die Erhaltung des evangelischen Glaubens und mit dem Hinweis auf die Notwendigkeit der festen Hal­tung im evangelischen Hinterland, schloß der Vor­tragende seinen Vortrag.

Pfarrer Becker dankte dem Redner und forderte die Zuhörer auf, dazu beizutragen, daß der Gustav- Adolf-Verein auch für die Zukunft in den Stand gesetzt werde, der evangelischen Diaspora helfen zu können. Mit einem gemeinsam gesungenen geistlichen Liede wurde der Abend geschlossen.

Vornotlzen.

Tageskalender für Dienstag: Stadttheater: 20 bis 22.30 UhrDer Vetter aus Dingsda". Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: Der alte und der junge König". Oberhessischer Kunstverein Turmhaus am Brandplatz: 2. Ausstel­lung aus Gießener Privatbesitz von 16 bis 17 Hhr.

Stadttheater Gießen. Heute, 20 Hhr, die hübsche Meisteroperette Künnekes:Der Vetter

OieZfflandstöchter und ihre Freier.

Vornan von J. Schneider-Foerfil

Copyright by Verlag Oskar Meister, Werdau i. Sa.

20 Fortsetzung Nachdruck oerboten!

Beim Frühstück sah man sich - wieder. Bob war schon anwesend, als Luzie eintrat. Der Hund saß hinter ihm und lugte nach seiner Namenskollegin aus.

Trotz der vorgerückten Stunde war es noch ganz dämmrig in dem großen Eßzimmer, denn draußen schneite es in dicken, schweren Flocken.

Man sagte stchGuten Morgen", reichte sich die Hand und ließ sich dann am Tisch nieder. Luzie goß dem Stiefbruder Kaffee ein, strich ihm das Brot, schälte ein Ei für ihn und gab eine Prise Salz darüber.Du hast schon Post bekommen?" fragte sie ungläubig, als sie den ausgeschnittenen Brief neben seinem Teller liegen sah.Von Niels?" Ja. Ich habe ihm mitgeteilt, daß ich ab 16. De­zember hier bin."

Was schreibt er denn?" Bob bemerkte ihre Neu­gier, lächelte nachsichtig und reichte ihr den Bries hinüber.

Sie griff hastig danach und las.

Mein Bob!

Dein alter Niels ist seit zwei Tagen wieder auf den Beinen. Du darfst nur nicht fragen, was das für Beine find. Jämmerlich. Dann weißt Du alles.

Ich habe Dir zum Christkind eine kleine Heben rafchung zugedacht, die Du von Berlin aus zu- geschickt bekommen wirst. Vielleicht macht sie Dir Spaß. Desgleichen liegt eine kleine Aufmerksam­keit für Henriette bei.

Meinerseits habe ich nun eine große Bitte an Dich. Ich habe Dir von der jungen Dame, die mich so treulich pflegt, geschrieben. Hier auf der Karrer-Hütte gibt es nun nichts, was man einem Mädchen als Gabe unter den Christbaum legen könnte. Fahre also nach München, das heißt unterbreite mein Ersuchen Mama Henriette sie soll für mich wählen. Es ist, glaube ich, das erstemal, daß ich mit einem Anliegen zu ihr komme. Vielleicht erfüllt sie es. Eine Frau weiß jedenfalls am besten, was einer anderen Frau wertvoll erscheint.

Es ist zwar sehr unbescheiden, aber ich muß um sofortige Erledigung bitten, da es sonst bis zum vierundzwanzigsten Dezember zu spät wird. Empfiehl mich Mama und den Deinen.

Dein Niels."

Blödsinnig, was?" sagte Luzie und rührte mecha­nisch in ihrer Tasse. In Bobs abweisendes Gesicht sehend, lachte sie auf.Daß Henriette nicht zu Hause ist, meine ich natürlich."

Ach so." Der Ausdruck seiner Augen erinnerte sie jetzt ganz wieder an den Bob von früher.Könn­test du das nicht auch besorgen, Luzie?" fragte er bittend,

Schon."

Aber du willst nicht?" bedauerte er.

Doch! Ich weiß bloß nicht, was ich für die Klau- bine aussuchen soll."

Irgend etwas Schönes", bat er.Seide zum Beispiel."

Das ist nichts. Da würde Niels enttäuscht sein, weil sie das doch nicht von ihm annehmen würde."

Du bist doch ihre Schwester", drängte Bob,du weißt doch sicher, was ihr Freude macht."

Luzies Löffel schlug plötzlich in die Kaffeetasse, daß es rundherum auf dem weißen Damast lauter braune Tupfen gab.Ich hab's, Bob! Ich hab's! Das war schon immer Klaudines Wunsch. Aber Vater war es zu teuer: Ein Grammophon mit schönen Platten! Niels hat aber nicht geschrie­ben, was es kosten darf", meinte sie kleinlaut.Ein gutes Grammophon ist nämlich teuer."

Bob schien das nicht weiter zu berühren. Er sagte nachdenklich.Also ein Grammophon. Unb was sonst noch?"

Mein Gott! Niels kann ihr doch nicht ein gan­zes Haus schenken!" rief Luzie entrüstet.Ein Gram­mophon! Das genügt boch! Du wirst schon sehen, was bas kostet!" Sie bemerkte in ihrer Aufregung gar nicht, bas Bob lachte.

*

Schon am Nachmittag fuhren sie los. Mit bem Schlitten zur Bahn, mit ber Bahn nach ber Stabt. Es war einfach fabelhaft, wie sich bie Schaufenster herausgeputzt hatten. Unb erst innen, bie Lüben! Einmal kniff Luzie Bob in ben Arm.Ich muß mir Luft machen!" raunte sie.Ich platze sonst!"

Bob hatte seinen Arm burch ben ihren geschoben unb trug einen seligen Ausbruck im Gesicht. Wie zwei Liebesleute traten sie in ein Spezialgeschäft für Musikinstrumente.

Bob war jetzt ganz ber Situation gewachsen. Luzie würbe in einen tiefen Leberstuhl gesetzt unb bekam eine Auswahl verschiebenster Grammophone auf ben runben Tisch vor sich hingestellt. Bald schmetterten abwechselnb Märsche, Potpourris, Lie­ber, Schlager unb Arien burch ben Raum.

Man einigte sich auf ein Koffergrammophon in bunteigrünem Leber unb auf Platten von Ca­ruso, Strauß unb berühmten Lieberkomponisten. Zum Schluß Nahm Bob noch eine Platte, bie Stille Nacht, heilige Nacht" roiebergab.

Der Verkäufer machte es zwar ganz unauffällig, als er Bob ben Preis nannte, aber Luzie spitzte bie Ohren: Zweihundertdreiundneunzig Mark!

Beinahe wäre bie jüngste Jfsland vom Stuhl ge­

fallen. --Da hatte er's letzt! Sie hatte ja schon

im vorhinein gewußt, was bas Zeug kostete.

Um neun Hhr vormittags war Klaubine auf ben Schneeschuhen nach Bruck hinuntergefahren. Jetzt war es vier Hhr nachmittags. Sie mußte also balb zurückkommen.

Barthelmes kochte einen Kaffee, ber sich sehen lassen konnte, unb Pöttmes ftanb am Fenster, um ben Augenblick nicht zu versäumen, wenn Klaubine unten auf ber Lichtung auftauchte.

Niels hatte ihr eingeschärft, für ben Heimweg, wenigstens bis zu ben ersten Almhütten, einen Schlitten zu mieten. Jeber Pferbebesitzer in Bruck war froh, wenn er um biefe stille Zeit etwas zu oerbienen bekam. Klaubine hatte versprochen, es zu tun, weil sie sonst in ber Stabt hätte übernachten müssen. Unb bas wäre ihr nicht sympathisch ge­wesen.

Sie kann ja no gar net ba sein", meinte Bar­thelmes, brei geblümte Tassen auf bie buntgewür­felte Tischbecke stellenb.

Etwan hat's a a bißl einkehrt, in an Kaffee­haus ober in aner Weinstuab'n. Muaß a fei. Wann ma fcho amol brunt is, muaß ma all's nütz'n."

Pöttmes sah bas ohne weiteres ein, holte sich ben Hauskalenber, ben er schon brei dutzenbmal von hinten nach vorn burchgelesen hatte, unb ftubierte bie Namenstage.

Als er mieber nach ber Hhr sah, was es halb fünf.

Draußen war es bereits stockbunkel. An bas Fen­ster tretenb, horchte Niels gespannt. Man konnte, wenn ber Winb günstig war, bas Gebell ber Hunbe hören, wenn ein Frember am letzten Almhof vor­überging.

Aber noch hatten bie Hunbe nicht gebellt. Dem­nach war Klaubine noch nicht einmal bei ben Alm­höfen ...

Barthelmes bemerkte bie Unruhe, bie Pöttmes in sich trug, unb suchte ihn zu zerstreuen.Jetzt trink'n wir zwa unfern Kaffee, unb baweil wirb's scho kimm'n. Ganz g'wiß kimmt's! I hab' ihr brauß'n, wia sie sich b' Brettl'n ang'schnallt hat, no g'sagt: Tuan's Eahna fei net versäum'n, Fräul'n Klau- binia. I bang mi fünft--Koa Wörtl hab' i

g'sagt, baß Eahna a bangn tätn. I hab' mirs g'merkt von bamals.."

Pöttmes war glücklich für eine Viertelstunbe ab­gelenkt unb blätterte, währenb er seinen Kaffee trank, mieber im Kalenber, sah zwischenhinein nach ber Uhr unb begann Figuren auf bie leeren Ka- lenberfeiten zu zeichnen: Lauter gleiche Rechtecke mit spitzen Dächern barüber unb einer Fahne barauf.

Als es halb sechs war, rollte er ben Kalenber zusammen unb schleuberte ihn hinter sich auf bas Fensterbrett.Nun wirb es aber Zeit! Glauben Sie, baß ihr etwas passiert ist?"

A wo!" verneinte Barthelmes, ber bie Tassen abräumte.Wird sich halt vawettt hab'n, brimfn

T^hcVi Suppen - gute Suppen!

** Die Dienftftunben des Kreisamrs Gießen finb mit Wirkung vorn 1. April ab auf bie Zeit von 7 bis 15 Uhr, Samstags von 7 bis 12 Uhr festgelegt worben. Amtstage finb wie bis­her Dienstag unb Freitag vormittag.

** Die Dienftftunben bei ben hiesigen Justizbehörben (Lcmbgericht, Staatsanwalt­schaft, Amtsgericht) würben vom 1. April l. I. ab festgesetzt: Montags bis Freitags von 7 bis 12.30 Uhr unb von 13.30 bis 16.30 Uhr; Samstags von 7 bis 12.30 Uhr.

** Stäbtischer Betriebsappell. Am fommenben Donnerstag, 4. April, findet ein Be­triebsappell sämtlicher stäbtischer Betriebe unb Ver­waltungen im Garten bes Stabthauses, Bergstraße,

statt. Der Appell beginnt um 7.45 Uhr unb enbet um 8.15 Uhr. Es spricht ber Kreiswalter ber Deut­schen Arbeitsfront, Hermann Wagner.

** Geschäfts - Jubiläum. Am gestrigen 1. April konnte die Kunsthandlung von I. Hirz, Seltersweg 22, auf ihr 60jähriges Bestehen zu- rückblicken. Das Geschäft wurde im Jahre 1875 in kleinem Rahmen im Hause Seltersweg 15 gegrün­det. Später wurde dieses Haus verkauft und dafür das Grundstück Seltersweg 22 erworben. Im Jahre 1899 wurde dieses Haus abgebrochen und an seiner Stelle ein Neubau errichtet, in dem auch die Ge- schäftsräume ein entsprechendes Unterkommen fan­den. Durch die stete Beobachtung guter kaufmän­nischer Grundsätze war es den Geschäftsinhabern im Verlaufe der sechs Jahrzehnte möglich,' ihr

Heule, 20 Uhr, im Lase Leib Spcrrl-Werbeabend des Bb2H. und der Zungmädel. Körperschule, Laufschule, Bodenturnen usw. Die Vorführungen werden von Liedern und Sprechchören umrahml.

Kommt alle! Am Eingang wird ein Unkostenbellrag von 20 Pf. erhoben.

Grünkern, die deutsche Suppensrucht

mit dem unvergleichlichen Aroma, ist in Form der kochfertigen £norc Grünkern-Suppe eine immer will­kommene Abwechslung auf dem Mittagstisch und eine angenehme Überraschung für alle, die diese ebenso eigenartige wie ansprechende Geschmacksrichtung zum.erstenmal kennen lernen! Mit einigen Mark- klöszchen angerichtet: ein Hochgenuß! IWürf el-2 reichliche Teller-l OMg.

Schon feit 50 fahren:

Dorftag I

Die Sortrai \ Mimischer V , wieder zu ein ! in die Neue

Bergingenic wissenschaftlich Grönlandexpei men hatte, ft die Arbeit di Eindrücken, 1 -Reise verbu zunächst in j wiMf/aftliify WatfjtDtii ber. 1 K'onlikienteoersü sich eine ftontv riesigen Eislast gedrückt hat. 1 weiterer wisset schung der Ei der Echolotunc wurde, in der Eises, usw. (5 Versuchen für . lich nach mit ' hältnisse über

Der Redne der Erforsch hm, indem er päische Wette Verhältnissen Grönland a | über bem Atl tzier über (Br ^edürfe. der Redner d< Nordamerika Voraussetzung rungsverhältni , Schließlich n Anhänge i nM>n und be ft", bie die ?'tzch°st un

in Bruck. Arn End' hat's a koan Schlitt'n auf- triebn. Is all's rnögli. Möchten's zum Nachtmahl a Muserl, Herr?"

Muserl?" fragte Niels.Ist bas ein Kinder- brei?"

Ja, ja, o so was is scho!"

Danke. Ich mag überhaupt nichts. Für mich brauchen Sie gar nichts herzurichten."

Mir roern's ja fegm, dachte Barthelmes, girfj nach bem Herb, plätscherte mit bem Spülwasser unb warf ab unb zu einen Blick nach Pöttmes hin­über.

Der saß jetzt in ber Ecke, bas Gesicht bem Fen­ster zugekehrt unb böfte vor sich hin. Hinter ihm rückten bie Zeiger ber Schwarzwälberuhr hastig vorwärts: Sechs Uhr.

Kein Wort fiel mehr zwischen ben beiben Män­nern, bis es halb acht Uhr war. Da ftanb Pött­mes mit einem Ruck auf, streckte bie Knie vorsich­tig unb hinkte zur Tür. Barthelmes eilte ihm nach. Dös wär' bös Wahre, jo! Wia weit tätns benn kommen, liagtst schon bo! Nachher hob ma bie Be­scherung roieber. Tuan's Eahna ums Feuer küm­mern, daß's net ausgeht. Unb schütt'ns biamal a bißl Wasser im Kessin nach, sunst z'reißts'n. I geh jetzt nachschau'n. Unb wann's no net auf b' Alm­höf is, nachher muaß a Knecht einfpann'n unb ihr a Stück! entgegenfahr'n."

Pöttmes dünkte es schrecklich langsam, bis ber Alte in bie Schuhe schlüpfte, seine Weste überzog, bie pelzgefütterte Mütze auf ben Kopf stülpte unb bem Walbl pfiff. Lauter Obliegenheiten, bie er zehnmal schneller gemacht haben würbe, unb bie boch ebensogut unterblieben wären, benn in bem Augenblick, als Barthelmes bie Tür öffnen wollte, klopfte braufeen jemanb ben Schnee von ben Schuhen.

Gleich barauf ftanb Klaubine im Türrahmen unb blinzelte vergnügt in bie Helle. Pöttmes lehnte am Tisch. Die geballte Hanb gegen bie kantige Ecke ge­stützt, starrte er nach ihr hinüber.Das war rück­sichtslos!"

Für einen Augenblick glaubte sie, unter ben Sprühregen eines eiskalten Bergwassers geraten zu sein, bann hatte sie sich gefaßt. Der einzige rasche Blick, mit bem sie Niels gestreift hatte, war iyr Beweis genug, wie es in ihm aussah.Es tut mir selbst sehr leib", sagte sie entschulbigenb, bie halberstarrten Hände aufeinanderschlagend.Aber ich konnte nicht früher kommen."

Eine Ausrebe, bie allen Frauen geläufig ist!" Es ist keine Ausrebe, Herr Pöttmes!"

Barthelmes, ber einen Streit befürchtete, warf sich ins Mittel.Jetzt hat a schier weiße Hoar' kriagt, ber Herr Pöttmes, weil 's ganz so lang ausbliebn san. Unb jetzt schimpft er halt." Der Alte merkte, baß er roieber einmal etwas ge­sagt hatte, was er besser für sich behalten hätte, unb machte sich am Herb zu schaffen.

(Fortsetzung folgt!)

Ortsgruppe, meinsamdast.' tragen bas 8" leiters, ben $rei* M-nd«rS-

®itgüeberaber führte bann V bie TV der bereiWU deutscher Ar Kaiser seinem feien, ich Jahren der zustandegebm Zeit ließ den Menschen be; Todes, aus tu land ungeheu und Rang tr Menschenwuri unb es wurd Stimme des 3 der Völker sch

>* *8 sfes finix täte

♦♦ nlte Otto S c nerungl^

aus Dingsda", in dieser Spielzeit zum erstenmal. Leitung haben Hub, Cujö, von Rabenau.

Gesellschaft Liebigmuseum. Am Montag, 15. April, findet im Horsaal des Liebig- museums bie Mitgliederversammlung statt. Näheres in ber Einladung im gestrigen Anzeigenteil.

CT äi m bit, Jtbe

° öWfibes 3 e,ner Ntbenk l Weber'

fiener K unten

wer in S .U S!b'n