Ausgabe 
2.4.1935
 
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Nr. 78 Drittes Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gderhessen)

Dienstag, 2. April 1935

Aus her Provinzialhauptstadt.

Waldbrandgefahr.

Wer erinnert sich nicht an den riesigen Wald- branb, der im vergangenen heißen Sommer in Mecklenburg wütete. Rund 10 000 Hektar schönsten Waldbestandes wurden ein Raub der Flammen, ehe es dem Einsatz aller verfügbaren Kräfte gelang, des Feuers Herr zu werden. Und die Ursache? Ein Schäfer hatte vvr dem Heimtreiben der Herde leicht­fertig im Walde feine Pfeife ausgeklopft. Die glim- 'tnenden Tabakreste fetzten die ausgetrocknete Wald- bodeudecke in Braud, das Feuer breitete sich aus, erfaßte die nächste Schonung, sprang schließlich in die Wipfel und wurde zur Katastrophe.

So entstehen die meisten der alljährlich immer noch zahlreichen Waldbrände. Leichtfertigkeit, Un- achtfamkeit und Gedankenlosigkeit kosten dem deut­schen Volke jahrein-jahraus ein großes Vermögen. Sn dem schweren wirtschaftlichen Kampfe, in dem wir uns befinden, ist die Vergeudung deutschen Volksvermögens aber eine Unmöglichkeit. Die Ver­luste sind um so schwerwiegender, da wir den be­sonders wichtigen Rohstoff Holz noch nicht in aus­reichender Menge für unsere Wirtschaft erzeugen, und daher mit allen Mitteln eine Steigerung des jährlichen Anfalles anstreben müssen. Für dieses Ziel hat bei der deutschen Forstwirtschaft auf der ganzen Linie der Kampf eingesetzt, der sich nicht nur mit besserer Bewirtschaftung, der Einführung ertragreicherer Wirtschaftsformen usw. befaßt, son­dern vor allem auch mit den negativ wirkenden Kräften aufräumen muß. Dazu gehören vielerlei Schädlinge, nicht nur die zahlreichen Arten der Käfer und Schmetterlinge, sondern zuweilen auch der Mensch selbst. Auch der Mansch als Schädling steht in der Erzeugungsschlacht auf der anderen Seite.

Richt nur der Hochsommer mit seinen heißen Sonnentagen bringt dem Walde Gefahr, noch ge­fährlicher sind die beiden ersten Frühlingsmonate. Die Frühjahrsstürme haben auch das letzte trockene Blatt von den Bäumen geweht. Der Winter ist endgültig abgezogen. Die steigende Sonne beginnt den Boden zu erwärmen mit allem, was sich dar­auf angesammelt hat. Diese Ansammlung von lleberreften abgestorbener Pflanzenteile, Radeln und Blätter, Zweige und Aeste, Gras und Rinde, birgt aber die große Gefahr für den Wald. Ein achtlos weggeworfenes, schwelendes Streichholz, ein glimmender Zigarren- oder Zigarettenstummel ge­nügen, um diese feuergefährliche Mischung in Brand zu setzen. In jedem Frühjahr häufen sich solche Brandstiftungen, und zwar besonders in der Nähe der Städte. Im Feld- und Forftpokizeigesetz steht zwar nicht nur, daß das Azünden von Feuern im Walde, oder in dessen gefährlicher Nähe ohne be­sondere Erlaubnis des Grundeigentümers oder sei­nes Stellvertreters mit Strafe bedroht ist, sondern auch ausdrücklich, daß vom l.März ab bis Ende Oktober das Rauchen im Walde vollständig ver­boten ist. Es stehen auch genügend Tafeln in der Natur hsrum, die den Unwissenden mitteiien sollen, was ihm untersagt ist. Wenn jeder die für den Aufenthalt im Walde erlassenen Vorschriften beher­zigen würde, könnten die Waldbrände mit einem Schlage auf ein geringes Maß gemindert werden. An den Bränden, die dann noch entstehen, z. B. durch Funkenflug der Lokvmvtiven, hat der Mensch nur noch indirekten Anteil.

Die Möglichkeit der Entstehung von Waldbrän­den mit ihren wirtschaftlichen Verlusten bleibt svmit immer bestehen. Es kommt also darauf an, die Ver­luste auf ein Mindestmaß zu beschränken. Das heißt, die Bekämpfung jedes Brandes muß so schnell als möglich erfolgen. Wer einen Brandherd entdeckt hat, den er mit Aussicht auf Erfolg nicht allein bekämp­fen kann, hat auf dem schnellsten Wege der nächsten Försterei oder Gemeinde Meldung zu erstatten. In der Nähe befindliche Menschen, Waldarbeiter, aber auch Spaziergänger werden herangeholt. Jeder ist verpflichtet zu helfen. Wer der Aufforderung, beim Löschen Hilfe zu leisten, böswillig nicht nachkommt, macht sich strafbar.

Es gibt allerlei, was man tun, aber auch lassen

Rotkehlchen und Singdrossel.

Von Hans Brandenburg.

Sie kommen beide bis in die Stadt und ihre Gärten, und sie singen beide gleichzeitig, aber ge­trennte Frühlingslandschaften steigen vor uns auf, wenn wir einsamer Stunden draußen gedenken, wo die eine oder die andere Stimme vorherrschte.

Die Jsarauen sind nicht weit und doch weltferne Wildnis und Dschungel. Diele Stimmen weckt der Frühling in ihnen: überall des Laubvogels eintöni­ges Zilpzalp, Gesang von Meisen und Finken, Dros­seln und Amseln, die kleine Strophe der Gold­ammer, in den Waldstücken Taubengurren, im Schilf am grün hintreibenden Bach Entengeschnat­ter, in den Gründen den rührenden Doppelhuster der Fasane, dem der Balzschlag der Flügel folgt, von hoch das Lachen des Hähers und noch höher aus den Lüften vom Fluß her, den oben Chor der Möwenschreie. Die noch kahlen Bäume und Sträu­cher und die noch fahlen Halme des Schilfes und der Gräser krausen ein Gegitter, das auch die Schat­ten der nackten Stämme mitspinnen. Im hohen Teppich der Erlenjugend, die sich im welken Ge­schlinge von wildem Hopfen und Waldrebe ver­stricken, dämmern, schutzfarbig angeglichen, die Ge­stalten der Rehe, und nur die violetten Blütenstände des Seidelbastes heben sich heraus. Auf den Jäger­kanzeln hat man das rötlich-braune Rutenmeer der Büsche unter sich, überragt von den gewaltigen Rie­sen der Eschen und Pappeln. Aus den Dickichten der Dörner aber, die über den Wildwechseln ihre Boll­werke flechten, wirft immer und immer wieder das Rotkehlchen das klirrende silberne Gesplitter und knirschende Glas seiner Lockung. Das ist die hörbare Seele dieser Auenlandschaft, auch als zarter Gesang ein helles und scharfes Gespinst, das hier im an» geästen Unterholz des bunt gemischten Hochwaldes hängt, die blühende Dornröschenstimme all des knospigen Gehecks.

Wie anders dagegen die Stimme der Singdrossel: kein Filigran im Diskant, sondern hallender Grund- und Orgelton von Wald und Weite. Wir wandern von Starnberg durch die Maisinger Schlucht. Wäh­rend sich unten der Boden mit Anemonen und Leberblümchen weiß und blau bestirnt, leben die Wipfel droben früher als vom ausschlagenden Laub vom Drosselschlag. Das ist bald lauter Ruf, bald bange Frage, bald jubelnde Klage, bald zweifeln­des Gespött, bald seliges Geschwätz. Immer wie- der neu und anders ansetzend, stammelt die Dros­sel auf ihrer großen, ahnungsvollen Flöte, Vogel

DieIagd

Der 1. April 1935 ist ein Markstein in der Ge­schichte der deutschen Jagd, denn an diesen? Tage gilt zum ersten Male einheitlich in ganz Deutsch­land e i n Jagdrecht, dessen gesetzliche Grundlage das Reichsjagdgesetz bildet. Damit ist ein Ziel er­reicht, dem die Besten unter den deutschen Jägern schon immer nachstrebten und das auch in den letz­ten Jahren noch so weit entfernt schien. Und nun ist es doch erreicht! Daß sich die Umstellung von 20 bis jetzt gültigen Länderjagdrechten auf ein neues, in feiner Art ganz anders geartetes und außerordentlich verantwortungsvolles Jagdrecht des Reiches nicht überall gleich gut und rasch vollziehen wird, ist klar. Jeder Jäger, der es ehrlich meint mit der deutschen Jagd, muß die Arbeit der Iagd- behörden in jeder Weise unterstützen und dadurch mithelfen, über die Mängel jeder Uebergangszeit rasch hinauszukommen. Um so eher wird er selbst die Früchte des Gesetzes ernten können. Wer aller­dings nur auf feinen eigenen Vorteil bedacht ist und alles nur durch die Brille des Eigennutzes sieht, der wird wenig Freude daran erleben.

lieber die Auswirkungen des Gesetzes kann im einzelnen an dieser Stelle jetzt um so weniger gesprochen werden, als im Augenblick der Nieder­schrift dieser Zeilen wenigstens die Durchführungs­bestimmungen zum Reichsjagdgesetz noch nicht ver­öffentlicht sind. Sobald dies geschehen ist, werden die Leser in geeigneter Weise rasch über das Vor­dringlichste unterrichtet werden. Darüber hinaus kann dem Jäger nicht dringend genug empfohlen werden, sich mit dem Inhalt des Gesetzes vertraut zu machen. Verstöße dagegen weiden in unangehm- fter Weife geahndet, und die Grundgedanken sind ganz anderer Art als in den seitherigen Jagd­gesetzen.

Der Jagdmon-at April ist bei uns ein ausgespro­chener Hegemonat. Denn die Jagd -auf den großen Hahn", den Auerhahn, kommt für die Reviere unserer vberhessischen Heimat ,so gut wie nicht in Frage, und derkleine Hahn", der Birkhahn, fehlt ganz. Beide Hähne stehen jetzt in der Balz.

Von Nutzwild ist es allein derVogel mit dem langen Gesicht", die Waldschnepfe, der noch in der ersten Monatshälfte gejagt werden darf. Denn wenn auch der F a s a n e n h a h n in Hessen noch Schußzeit hat (falls die Durchführungsbestim­mungen ihr nicht in den nächsten Tagen ein Ende setzen), so sollten wir bei uns lieber an eine Hebung des Bestandes, als an einen Abschuß denken.

Im Rotwildrevier, wo der Hirsch mit dem Schieben des neuen Geweihes beginnt, dürfen aus­reichende Salzlecken jetzt nicht fehlen.

Das Schwarzwild frischt. Der Abschuß füh­render Bachen ist gesetzlich verboten.

Das Rehwild steht gern in lichten, sonnigen Beständen in der Nähe -der Feldäsung, wo gerade in diesem Jahre sein Tisch reich gedeckt ist. Die mit

soll, um Anteil zu haben an dem Erfolg der Er­zeugungsschlacht. Dazu gehört der Schutz des Wal­des und die Unterlassung aller Handlungen, die ihm Schaden bringen können.

Deutsche Arbeitsfront.

firtisroalfung Gießen.

Im Anschluß an den heutigen Gemeinschafts­empfang aus dem Reichsbahn-Ausbesserungswerk München, bei dem der Stellvertreter des Führers, Reichsminister Pg. Rudolf Heß sprach, weisen mir heute schon darauf hin, daß am 5. April, mittags 12 Uhr, aus den Krupp-Werken in Essen der Reichs­organisationsleiter Pg. Dr. L e y über alle deutschen Sender sprechen wird.

NGL8., Kreis Gießen.

Fachschaftkörperliche Erziehung", Bezirk Gießen.

Der Turngang, der für Mittwoch vorgesehen war, muß infolge der Kreiskonferenz ausfallen. Er findet nach den Osterferien statt.

als Prophet. Wir kommen an den Maisinger See, der kein See mehr ist, sterbender See, schon gestor­bener: tiefe neue Entwässerungsfurchen graben ihm das letzte Lebensblut ab. Noch schirmen mächtige Bäume einen hohen Uferdamm, aber Brandung schlägt nicht mehr gegen ihn, sondern letzte Flut versumpft zum Tümpel eines Bläßhuhnvolkes und zwischen vier Meter hohen Schilfspeeren morscht der Steg zum Schirm für die Entenjagd, der über Schlick und Morast verfällt. Durch Wald geht es zu den Höhen von Pöcking hinauf und weiter nach Feldafing. Drunten lebt noch der große See, ver­schleiert und mit den weißen Traumburgen der Berge dahinter. Und den ganzen stundenweiten Gang säumt die Begleitung des Singdrossel-Liedes. Es schmückt den Waldrand, wo es mit den gelben Kätzchen niedertropft und als Gold erster Himmels- schlüffel liegen bleibt, es durchträumt den Parkhang des Seeufers und beim Schloß Possenhofen über der stummen Dampferlände schluchzt es mit dem Glucksen der samtblau geblähten Wasser in die Abenddämmerung.

Abenteuerliches Amsterdam.

Don Wilmoni Haacke.

Amsterdam tut auf dem Bahnhof so, als sei es eine Stadt, die nur zum Weiterreisen da ist. Man kommt an und steht einem Zug gegenüber, dessen Türen von Schaffnern mit einladendem Lächeln auf- gehalten werden: nach Paris! Auf dem gleichen Bahnsteig lockt ein anderer Zug nach London über Hoek van Holland. Rotterdam und Antwerpen bit­ten um einen kurzen Besuch. Da die Fahrkarte aus dem Berliner Reisebüro nur bis hierher geht, wird man besser erst einmal aussteigen und dann weitersehen.

Die Ueberraschungen beginnen sofort. Man er­fährt, daß die Taxen mit Einheitspreisen fahren. Ein kleiner Mann mit großem Gepäck kann für vierzig Cents, das find etwa 75 Pfennige, durch die ganze Stadt fahren bis zu feiner Pension draußen inZuid-West", die mit Futter und Stallung bil­liger kommt als eines der großen Hotels an der Station", wie sich der Bahnhof titulieren läßt.

Man hält die Holländer aus irgendeinem über­kommenen Grunde für langsame, verschlafene und allzu bedächtige Burschen, das mag für die Majo­rität derEingeborenen" der Niederlande ja auch stimmen. Aber vor den Taxichoffören Amsterdams muß man entschieden den Hut ziehen, sollte man dazu überhaupt noch Zeit haben. Junge, Junge,

im April.

der Grünäsung verbundene Gefahr wird durch Salzgaben, sowie Schütten von Eicheln gemildert. Die Böcke haben zu Monatsbeginn z. T. schon gefegt.

Die Feldhühner sind gepaart und schreiten zur Brut, sobald die Felder genügend Deckung bieten.

Die Märzente hat bereits mit dem Gelege begonnen. Allerlei nordische Entenarten kommen auf dem Rückzug in die Heimat bei uns zur Be­obachtung.

Junghasen werden schon oft festgestellt. Weiterer günstiger Frühjahrsverlauf kann der Hasenjagd des Spätjahres nur günstig sein.

Im Fuchsbau sind Junge. Es kommt die Zeit, wo der Fuchs jagdlich am schädlichsten ist. Der Abschuß führender, säugender Fähen ist mit Recht gesetzlich verboten, denn er würde die Jungen dem Hungertode ausliefern.

Der Weidmann treibt vor allem Jagdschutz, indem er Wiesel, Krähen, Katzen und Hunde kurz hält. Am 1. April sind auch in Hessen die Bestim­mungen über den Abschuß jagender Hunde in Kraft getreten und endlich ein Zustand geschaffen, der dem Jäger eine wirksame Hilfeleistung für fein Wild gestattet. Jeder Hund, der sich außerhalb der Ein­wirkungsmöglichkeit seines Herrn draußen herum­treibt, darf durch den Jagdausübungsberechtigten abgeschossen werden. Damit ist die Möglichkeit der Bekämpfung des Hauptfeindes unserer Rehstände aeaeben. Wiesel gehen in geeignete Fallen (Kasten­sallen, Rattenschlagfallen), die Krähe wird vor allem am Nest gejagt. Am besten wirkt allerdings das Giftei, das auch im Reichsjagdgesetz vorgesehen ist. Allerdings soll nicht mehr der einzelne Jager damit arbeiten, sondern seine Anwendung Pflicht für alle Reviere sein und durch den Kreisjägermeister orga­nisiert werden. Einzelne Reviere in unserer engeren Heimat arbeiten seit Jahren regelmäßig damit und haben bei ihren Hasen- und Hühnerstrecken den Erfolg für sich. Wenn die Hebung der Wildstände ein Teil der Erzeugungsschlacht sein soll, dann muß gegen die Krähen und Elstern als Feinde aller Gelege und des Jungwildes etwas geschehen!

Die Nester und Jungtiere sind deswegen so ge­fährdet, weil es an der nötigen Deckung fehlt. Wo noch eine Hecke steht, verschwindet sie bestimmt in aller Kürze. Alle Vorstellungen, alle Hinweise auf den Wert des Vogelschutzes scheinen taube Ohren zu finden. Darunter leidet in stärkster Weise auch die Niederjagd. Deswegen sollte der Weidman, jede Möglichkeit ausnutzen, um Deckung zu schaffen. Ginster, Sachalinknöterich, Brombeere gedeihen fast an jeder Stelle, die sonst öd liegt. Je mehr kleine Deckungen vorhanden sind, um so besser. Die Un­kosten sind nicht hoch. Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Der Erfolg lohnt alle Mühe reich.

Hubertus.

Kundgebung des TlSLA. Kreis Gießen.

Am morgigen Mittwoch, 3. April, 15 Uhr, findet im Caf6 Leib zu Gießen eine Kundgebung des NSLB., Kreis Gießen, statt, zu der alle Gliede­rungen der Partei, die Vertreter der Behörden und die Mitglieder der Schulvorstände eingeladen sind. Das Erscheinen der Mitglieder des NSLB. gilt als selbstverständliche Pflicht. Kreisschulrat N e b e Ii n g spricht über das Thema:Die Wesensgestalt der neuen deutschen Schule als Aufgabe der deutschen Erzieher".

Geschichtliche Fachschaft.

Dienstag, den 2. April, 17% Uhr, Oberrealschule: Das Geschichtsbild des Nationalsozialismus".

*

Der Bezirk L i ch des NSLB. versammelt sich am Mittwoch um 14 Uhr in der Turnhalle in der GemeinschaftKörperliche Erziehung", in der Ar-

wie die Kerls um die Ecken brausen! Das geht im­mer haarscharf an kleinen Kindern, taumeligen Straßenbahnen und selten einmal an dem mit dem klingen Finger winkenden Schutzmann vorbei. Halt' dich fest, stemm die Beine gegen den Vordersitz, sonst landest du beim nächsten Notar, um über den Inhalt des Koffers ein Testament zu machen, in dem du hoffentlich aus Fairneß deinem Führer für feinen Sportgeist dankst!

Die Lichtreklamen sind sämtlich mit ein bißchen gutem Willen und etwas Kombinationsgeist zu ent­ziffern. Mystisch ist die Reklame fremder Länder eigentlich nie. Es sind überall die gleichen Dinge, die ihre stumme und bunte Sprache reden.

Das Carlton-Hotel, auf das man sehr stolz ist, weil es ebenso groß wie neu ist, sieht innen nicht anders aus, als jedes Hotel. Aber es hat eine präch­tige Fassade. Es wächst leicht und ein wenig un­ruhig aus einem modernen Säulengang neben der Hauptstraße über die faul dahinfließenden Grachten.

Kinos, Hotels, Läden, Straßenbahnen alles wie überall. Nur andere Aufschriften, die nur sel­ten rätselhaft bleiben. Wie in London am Leicester Square stehen die Leute schon am Nachmittag Schlange nach den Eintrittskarten für die Kinos. Eskortiert von Schutzleuten und prächtigen, dick­bäuchigen und rotbäckigen Portiers, die den unseren bis auf die Bartspitze ähneln, wartet man geduldig. Langeweile dürfte in diesem Lande niemals der Grund zu Selbstmord sein!

Dor den Theatern bilden sich übrigens keine Schlangen. Die Schauspielerei in ihnen ist zu schlecht. Der Holländer fährt lieber des öfteren nach Köln ober Düsseldorf.

Wo ist Amsterdam? Es liegt zunächst einmal in der Luft. Schnüffele ein wenia in die Seitenstraßen, fall' in eine dunkle Gasse, stolpere über eine hoch- gebogene Brücke und starre in das schwarze, teer­schillernde Wasser. Venedig an der Nordsee!

Da spürt man Amsterdam, das eine Amsterdam: alt, müde, satt und träge. Weite Bäuche haben die Schiffe, die hier an den Straßen liegen wie an­derswo Hunde vor der Tür. Vielerlei 'Gerüche be­drücken die Nase, Feuchtigkeit bringt in bie Lunge.

Der Morgen zeigt eine anbere Stabt, bunt, be­wegt, schillernd unb laut vor Handel unb vielfachem Reichtum. Viel Lärm um viel Geschäft! Auf ben Märkten werben Berge von frischem Obst angebo­ten, Tulpen wuchern über bie Zeltplanen, Fleisch häuft sich auf ben Tischen, bie Kähne liegen tief von schweren Frachten neben den Ständen im fauligen Wasser. Die Dampfer husten mit mächtigen Or­ganen unb stoßen schwere Wolken aus fetter Kohle in die Luft. Man treibt Handel, klug und befon»

beitsgemeinschaftVolksschule" um 15 Uhr bei Glöckner mit Vortrag von Rektor Erb über Flur­namen. Die Besucher sollen bas Mitbringen der Sippschaftsbogen nicht vergessen.

Im Bezirk Nidda versammelt sich die Fach« schäftVolksschule" am Mittwoch 15 Uhr in der Treppe".

Reichsbund Volkstum und Heimat.

Ortsring Gießen.

Heute um 21 Uhr Einführung in die Sternen­welt durch Herrn Professor Dr. Henneberg. Treffpunkt auf dem Bahnhofsplatz vor dem Caf6 Schwarz. Falls der Himmel wieder bedeckt ist, findet bie Zusammenkunft am Donnerstagabend statt. Gäste willkommen!

Mittwoch, 3. April, 20% Uhr, Heimatabend zusammen mit demS ä n g e r k r a n z" im Stu- dentenhsim. Stadtbaurat Gravert spricht über Alte unb neue Straßen um Gießen" (mit Lichtbildern). Eintritt für Mitglieder 15 Pf., für Nichtmitglieder 30 Pf.

Ehrung von Pros Dr.philalethesKuhn durch die Universität Gieren.

Von der Pressestelle der Universität Gießen wird uns mitgeteilt:

Arn 1. Mai 1935 scheidet der verdienstvolle Vor­kämpfer des Nationalsozialismus an der Universi­tät Gießen, Professor Dr. PH. Kuhn, aus seinem Amt als Direktor des Hygienischen Instituts qus. In Anerkennung feiner Verdienste um Hochschule, Volk und Vaterland wurde ihm durch ben Rektor unb ben Dekan ber Juristischen Fakultät bas Diplom bes Ehrenboktors ber juristischen F a - k u (t ä t überreicht.

Kuhn würbe am 13. Oktober 1870 in Berlin ge­boren unb genoß seine mebizinische Ausbilbung auf ber Kaiser-Wilhelm-Akademie. Als Militärarzt im Kolonialbienst bei ber Schutztruppe in Sübwest- Afrika machte er 1897/98 ben Felbzug gegen bie Hottentotten mit unb mürbe Distriktchef von Groot- fontein. Nach bem Herero-Felbzug 1904, in bem er Omaruru verteibigte, erhielt er Kommanbos im Reichskolonialamt unb im Reichsgefunbheitsamt. Nach weiterer Tätigkeit in ben Kolonien als Medi- zinalreferent bem Gouvernement Kamerun würbe er 1914 an ber Universität Straßburg a. o. Profes­sor für Hygiene unb Leiter ber bakteriologischen An­stalt für bas Elsaß. Nach kurzer Tätigkeit am Hygie­nischen Institut ber Universität Tübingen erhielt er 1920 bie o. Professur für Hygiene an ber Tech­nischen Hochschule Dresben unb würbe zum Kura­tor bes Hygiene-Museums unb zum Direktor ber Lanbesstelle für öffentliche Gesunbheitspflege bort- felbft ernannt. Seit 1926 ist Kuhn Inhaber bes Lehrstuhls für Hygiene an ber Universität Gießen.

Kuhn ist einer ber wenigen Hochschullehrer, bie schon seit vielen Jahren zu ben Anhängern unseres Führers gehören. Mit unermüblicher Tatkraft unb zähem Willen hat er sich stets für bie geistige Er­neuerung von Volk unb Hochschule eingesetzt, bem Dienst für bie Allgemeinheit hat er seine Gesunb- heit geopfert. Seiner jugenbfrischen Kampfnatur fällt es auch jetzt noch schwer, sich ber wohlverbien- ten Ruhe hinzugeben, aber er kann stolz fein auf bas, was er geleistet hat, Kameraben und Freunde werden ihm auch weiterhin dankbare Treue halten.

Handarbeitsaussteilung in der Gvetheschule.

Die Goetheschule veranstaltete nach mehrjähriger Pause am Samstag und Sonntag in einem ihrer Schulsäle eine Handarbeitsausstellung, in der eine große Fülle der im vergangenen Schuljahr her- gestellten Handarbeiten der Schülerinnen gezeigt wurde. Die Ausstellung bewies, daß unter der Lei­tung der in der Schule tätigen beiden Handarbeits­lehrerinnen eine überaus sorgfältige und gründliche Arbeit geleistet wurde. In sinnvoller Weise, ange­messen dem technischen und dem geistigen Vermögen der Schülerinnen der verschiedenen Altersstufen, wurden die Arbeiten entwickelt. Mit kleinen reiz­vollen Bastelarbeiten wurde begonnen, sehr einfache

nen und berechnend, wie Ingenieure Maschinen an« treiben, wie Rennfahrer ben Motor anziehen las­sen: immer vorwärts, immer weiter, immer höher unb mehr aber stets mit bem Blick auf bie Kon- trollnabel.

Das spielt sich ab zwischen einer Fülle von Ibyl- len, bie alle aufgebaut zu sein scheinen für entzückte Maleraugen, für leicabewaffnete Bilbreporter. Bunte, alte unb hochgieblige Häuser wachsen schief aus bem Pflaster, das holperig neben ben einge- bämmten Wassern glauben machen möchte, hier sei bie Zeit vorübergegangen, ohne ben Großstabtver- kehr burch bie Gassen zu jagen

Geflickte Wäsche aller Farben hängt wie in ben steilen Gassen oberitalienischer Stäbte von Haus zu Haus, bie unter bem Himmel näherrücken, so baß bie Sonne nur in schmalen, roinbigen Streifen über bas fahle Rot ber zerbrockelnben Steine roanbern kann. Unb ben Durchblick burch ein altes Tor mit Laternen, beren Zier schon lange verrostet ist, füllt plötzlich ber bauschige Sack eines rostroten Segels, bas einen bunteigrünen Kahn langsam zur nächsten Brücke treibt. Männer stehen barauf mit braunen, bärtigen Gesichtern, wie genommen aus einem Bil- berbuch ber Hansezeit.

Ein vierbeiniger Bahnwärter.

Wer mit ber Eisenbahn von Lübeck nach Bad Kleinen bzw. Rostock fährt, wirb kurz vor bem Bahnhof Grevesmühlen unter ben Stammgästen im Zuge eine gewisse Unruhe bemerken? Sie brängen sich ans Fenster, um an ber Wärterbude vor dem Bahnhof einen guten Bekannten zu be­grüßen. Es ist ein kleiner Foxterrier, der feinen Herrn, den Bahnwärter, bei der Arbeit getreulich unterstützt. Kommt ein Personenzug ober Schnellzug vorbei, sitzt ber kleine. Hunb, männchenmachenb, kerzengerabe unb mit ernsthaftem Gesicht neben seinem Herrn unb läßt bie Züge an sich vorüber­fahren. Die V-Züge liebt er befonbers, weil ihm oft aus bem Speisewagen Zucker zugeworfen wirb. Da er aber weiß, baß er sich bei einerAmtshanblung" nicht ablenken lassen barf, wartet er, bis ber Zug erst ganz vorübergefahren ist, bevor er sich biefe kleinen Belohnungen holt: zu Weihnachten soll es sogar schon einmal ein kleines Wurstpaket gegeben haben. Mit feinem Instinkt für bas, was sich gehört, macht er fein Männchen nur bei Perfonenzügen: rollt ein Güterzug vorüber, begnügt er sich mit gewöhnlichem Stillstehen auf vier Beinen. Auch bei den Dienstgängen am Schinenstrang begleitet der kleine Terrier feinen Herrn.