ttr.52 viertes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)Samstag, 2. März (935
Offizier vom Ortsdienst sieht den Wachanzug nach.
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Diener der Nation.
Ein Tag bei unseren Gießener Goldaten.
Vergatterung der Wache.
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Postenablösung.
Der Wehrwille und die Wehrfreudigkeit, die nach dem Weltkrieg dem deutschen Volke verloren gegangen schienen, sind durch den Nationalsozialismus zu neuem Leben erweckt worden, sind durch die sorgsame Pflege heute nicht nur Willensausdruck unserer Jugend, sondern des ganzen deutschen Volkes. Wehrmacht und Volk sind wieder eins geworden. Denen, die das heutige Soldatenleben noch nicht oder wenig kennen, soll durch die Schilderung eines Tageslaufs unserer Feldgrauen gezeigt werden, wie wir in unserer Wehrmacht eine vorbildliche Schule haben, in der der junge Mensch zur Disziplin, Pünktlichkeit, Ordnung und Reinlichkeit erzogen wird, in der alle Standesgegensätze fallen, in der die Begriffe Kameradschaft und Volksgemeinschaft oberste Grundsätze sind, in der also das Ideal des nationalsozialistischen Staates schon immer eine Pflegestätte gefunden hat.
Doch nun hinein in die Kaserne. Es ist 6 Uhr morgens. Nach erfolgtem Wecken durch den Unteroffizier vom Dienst und Waschen im Waschraum, werden die Betten gebaut, die Stube in Ordnung gebracht und der Kaffee empfangen. Für manchen unordentlichen Muttersohn mag das eine gute Lehre fein. Die erste für den Soldaten besonders angenehme Unterbrechung des Dienstes ist der Morgenkaffee (Frühstück), der von allen gemeinsam am der Stube eingenommen wird. Dann beginnt der eigentliche Dienst. Zuerst eine Stunde Unterricht, um die noch müden Geister aufzurütteln. Gar mannigfaltig sind die Unterrichtsthemen und die Stofi- ge'biete, die durch Offiziere und Unteroffiziere dem wackeren Grenadier übermittelt werden. Daran schließt sich der praktische Dienst im Gelände und auf dem Kasernenhof an. Wenn auf dem „Trieb" auch mancher Schweißtropfen gelassen wurde und der Dienst wieder einmal „stramm" war, so ist dve alles vergessen, wenn sich die Kompanie in Richtung Kaserne sammelt und den Heimmarsch an tritt. Das Kommando „Rührt Euch" wird prompt mit einem srisch, fröhlichen Soldatenlied beantwortet. MU frohem Mut gehts nun zur schönsten Beschäftigung des Tages, zum Essenempfang. Besonderes Lob erntet der Koch (Küchenbulle) für die kräftige tmb schmackhafte Mittagskost.
Nach kurzer Mittagsruhe folgt der Nachmittagsdienst, bestehend aus Leibesübungen, Schießausbildung, Unterricht, Waffenreinigen usw. An den Dienst schließt sich Empfang der Abendportionen, die gemeinsam auf den Stuben verzehrt werden, an. lieber die nun folgenden Stunden kann jeder frei verfügen. Jetzt trennen sich die Gemüter. Hier sieht man welche auf der Stube oder im Lesezimmer über eine Zeitung, eine Zeitschrift oder ein Buch gebeugt, dort wird ein Skat gedroschen, dort Schach,
Halma oder ein anderes Ssiiel gespielt, andere suchen die Kantine auf, wieder andere gehen „ins Städtchen", eingedenk der Worte „Schön ist das Soldatenleben".
Der Zapfenstreich (21 Uhr) vereinigt alle wieder auf der Stube. Der Zapfenstreich wird durch einen Spielmann der Kasernenwache geblasen oder geschlagen, nachdem eine Viertelstunde vorher das „Locken" oorausgegangen ist. Wie aus dem mittleren Bild oben bervorgeht, ift der Wacke ein Sviel-
samkeit das Leben vieler Kameraden abhängt. Die Wachen, die in obenstehenden Bildern dargestellt sind, sind Kasernenwachen. Bevor die Wache aufzieht (12 Uhr) werden Anzug und Ausrüstung durch den Offizier vom Ortsdienst genau nachprüft, erst dann findet die „Vergatterung" statt: es ist die Ankündigung, daß die Wache nunmehr unter den Befehl der Wachvorgesetzten tritt. Der Wachhabende übernimmt darauf von seinem Vorgänger die Wache und läßt die Poften der alten Wache ablöfen Für
Unterricht am Sandkasten.
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mann zugeteilt. Es seien im folgenden noch einige Worte über den Wachdienst gesagt.
Nach beendeter Rekrutenausbildung wird der junge Soldat in den Wachdienst eingeführt, der besonders an Pflichttreue, Disziplin und selbständiges Handeln erhöhte Anforderungen stellt, der also einen fertigen Soldaten zur Voraussetzung hat. Die Wache, insbesondere der Posten, ist Repräsentant der Truppe der Öffentlichkeit gegenüber; die größte Verantwortung ruht auf ihren Schultern; das zeigt sich am deutlichsten im Kriege, wo von ihrer Wach
jeden einfachen Posten sind drei Mann bestimmt, die sich mit zweistündigem Wechsel ablösen. Nur Personen mit Ausweis können gegen Vorzeigen desselben den Posten ungehindert passieren, alle anderen müssen sich beim Betreten und Verlassen der Kaserne auf der Wachstube melden und werden hier in ein Kontrollbuch eingetragen.
Noch etwas über Ehrenbezeugungen der Wache und Posten. Der Posten präsentiert vor dem Führer und Reichskanzler, dem Reichswehrminister, sämtlichen Offizieren, den Militärbeamten und den
Rittern oder Inhabern der höchsten Kriegsarden; er erweist Ehrenbezeugungen durch Stillstehen mit Gewehr über den vorher genannten Kreis hinaus bei geladenem Gewehr den Wehrmachtsbeamten im Offiziersrang, den Wachvorgesetzten im Range eines Portepeeunteroffiziers, den Polizei- und Gendarmerieoffizieren, den Führern der SA. und SS. vom Standartenführer an aufwärts. Die geschloffene Wache erweist Ehrenbezeugung mit präsentiertem Gewehr den im Dienstanzug befindlichen Vorgesetzten der Wache, soweit sie im Offiziersrang stehen, den unmittelbaren Vorgesetzten des wachhabenden Truppenteils vom Bataillonskommandeur aufwärts, den militärischen Trauerparaden, Fahnen und Standarten des früheren Heeres. Der Posten vor Gewehr ruft die Wache „Heraus", sobald sich ein solcher Vorgesetzter der Wache nähert. Vom Einbruch der Dunkelheit an bis 6 Uhr treten Wachen nur auf besonderen Befehl zur Ausführung der Ehrenbezeugung heraus. Während der Nachtzeit teilt der Wachhabende feine Leute so ein, daß jeder eine bestimmte Zeit ruhen kann. Für die Nachtruhe sind besondere Holzpritschen aufgestellt.
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Ein Besuch bei den Soldaten unserer Garnison lenkt nicht nur den Blick auf das Wirken der Feldgrauen im Dienste des Vaterlandes und der deutschen Nation, sondern er läßt auch erneut das Bewußtsein der innigen Verbundenheit zwischen unserem Reichsheer und der Gießener Bevölkerung lebendig werden. Schon vor dem großen Kriege fühlten sich die Gießener mit ihren 116ern als eine einzige große Familie. Das gleiche Gefühl der Zusammengehörigkeit besteht erfreulicherweise auch schon seit dem Zeitpunkt, an dem unsere 15er Gießener Garnison wurden, zwischen der Bevölkerung und den Gießener Soldaten. Je länger je mehr ist daraus ein starkes Fundament für die Volksverbundenheit unserer Wehrmacht mit allen Schichten und Altersklassen der Bevölkerung unserer Stadt und der Provinz Oberhessen geworden. Eindrucksvolle Zeugen dafür sind die herzlichen Bekundungen der Sympathie und der Wertschätzung, die unseren Soldaten von der Bevölkerung in vielfältiger Weise entgegengebracht werden, nicht minder aber auch die dankenswerte Bereitwilligkeit unserer Garnison, im Rahmen ihrer Möglichkeiten der Bevölkerung stets zu zeigen, welche starken Wurzeln der Gemeinschaftsgedanke gegenüber der Zivilbevölkerung bei unseren Soldaten geschlagen hat. Es ist daher nicht zuviel gesagt, wenn wir bei dieser Gelegenheit betonen, daß die Gießener Bevölkerung und ihre 15er ebenfalls eine vorbildliche Familiengemeinschaft bilden.
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Oben Mitte: Unterricht am Gewehr 98.
Links oben: Der schönste Dienst des Tages. Rechts oben: Der Eßnapf wird gereinigt. Links unten: Beim Bettenbauen.
Rechts unten: Korporalschaft zum Dienst angetreten. (Sämtliche Aufnahmen: Photo-Pfaff.)
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