Ausgabe 
2.3.1935
 
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Geschichten aus aller Welt

Am

OJlXfpOTt

Fußballabteilung des Turnvereins Wieseck.

Lollar I und II Wieseck I und II. morgigen Sonntag wird die Fußballabtei-

an Hand dieses Ergebnisses eine Voraussage für den morgigen Kampf zu treffen. Die Eschweger Mann­schaft, die sich durchweg aus jungen Spielern zu- sammensetzt, hat nämlich in den letzten Spielen be­wiesen, daß sie keinPunktelieferant" ist, sondern es recht gut versteht, selbst Punkte zu erringen. Am deutlichsten mußte das die als spielstark bekannte Mannschaft des To. 47 Wetzlar (vorjähriger Gau-

Platz zurück, wo sie noch einige hüpfende Bewegun­gen oollführte. So schnell er konnte, lenkte der Fah­rer den Wagen heimwärts ins Magazin, wo als­bald das ganze Personal der Firma zusammenlief. Mit großer Vorsicht und nicht ohne Spannung wurde die Kiste geöffnet. Das darin enthaltene Stroh bewegte sich und es erschien ein menschlicher Kopf mit verwählten Haaren und schreckensblei­chen Zügen, verzweifelt nach Luft schnappend. Bei diesem Anblick brachen die Umstehenden in schallendes Gelächter aus und riefen im Chor: Es ist Angelo!" Er war tatsächlich Angelo, ein Fuhrknecht, der sich in der Mittagspause nichts­ahnend in der halb mit Stroh gefüllten Kiste nie­dergelassen hatte, um sein Mittagsschläfchen zu hal­ten. Zwei Kameraden, die ihm einen harmlosen Streich spielen wollten, hatten den Schlafenden mit Stroh bedeckt, und so war es gekommen, daß die anscheinend mit zerbrechlicher Ware gefüllte Kiste ordnungsgemäß vernagelt und verladen worden war. Erst als sie sich bereits unterwegs befand, er­wachte Angelo zum Bewußtsein seiner wenig be­neidenswerten Lage Der Strohstaub belegte ihm die Stimme, die kaum imstande war, aus dem In­nern der festen Kiste heroorzudringen. Glücklicher­weise gelang es dem Mann, sich auf andere Weise bemerkbar zu machen, sonst hätte er ein elendes Ende nehmen können.

Dramatische Heimkehr.

(d) Turin.

Carlo Sovatti aus Turin war vor vielen, vielen Jahren nach Argentinien ausgewandert, da die Heimat ihm keinen Broterwerb mehr sicherte, hatte dort fleißig gearbeitet, bescheiden gelebt und sorg­sam ein kleines Vermögen erspart und beschloß nun wie alle Italiener, von der Sehnsucht nach der Heimat getrieben, zurückzuckehren und im Dater- lande einen geruhigen und friedlichen Lebensabend zu genießen. Gleichzeitig erinnerte er sich des Vor­handenseins von Verwandten, der beiden Töchter seiner verstorbenen Schwester, bestimmte für sie als echterOnkel aus Amerika" einen ansehnlichen Anteil seines ersparten Geldes und beschloß, seine Nichten unerwartet zu überraschen.

Er schiffte sich ein, kam glücklich im Baterlande an, sah sich aber in seiner Heimatstadt Turin inso­fern Schwierigkeiten gegenüber, als seine Nichten inzwischen geheiratet hatten und er erst ihre Woh­nung ausfindig machen mußte. Nach längeren Nachforschungen gelang ihm dies auch, und als er die jüngste von ihnen kürzlich aufsuchte und glück­

schwere Kämpfe geliefert hat. Die Frohnhäuser sind eine typische Kampfmannschaft, deren ganze Spielweise auf Erfolg eingestellt ist. Daneben ver­fügen die Frohnhäuser über genügend Technik, um sich auch mit Erfolg gegenüber einer Mannschaft mit besserer Spielkultur durchsetzen zu können. Ob es den Grünweißen gelingt, die auf dem Frohn­häuser Platz erlittene Niederlage wettzumachen, ist fraglich. Der Ausgang des Spieles muß als offen bezeichnet werden. Die zweite Mannschaft muß zu ihrem letzten Verbandsspiel nach Krofdorf und hat die Scharte der Vorspielniederlage auszuwetzen. Die dritte Mannschaft fährt nach Lang-Göns. Die AH.-Mannschaft spielt gegen die gleiche von Frohnhausen.

Sportverein 1920 Heuchelheim.

Auf dem hiesigen Sportplatz treffen sich am mor­gigen Sonntag die erste Mannschaft des Sportver­eins 1920 und die erste Elf der Spielvereingung Leihgestern zum Verbandsspiel.

Die Gäste sind bekanntlich zur Zeit als spielstark anzusprechen und werden in Heuchelheim keine schlechte Partie liefern. Für die Einheimischen steht sehr viel auf dem Spiel, denn ein Punktverlust kann die Meisterschaft ernstlich gefährden. Trotzdem die Elf bei den letzten Meisterschaftsspielen sehr gut ab­geschnitten hat, darf der Gegner keinesfalls unter­schätzt werden. Der Ausgang des Kampfes ist nicht vorauszusehen.

Vorher treffen sich die 1. Jugend-Elf vom Platz­verein und die gleiche vom Tv. Allendorf. Bei die­sem Spiel sollten die Einheimischen sicherer Sieger bleiben.

In diesem Spiel treffen die Hiesigen auf einen yjtanniqjaji oes xd. »v i&segiar (voriayriger Gau- Gegner, der ihnen während der Verbandsspielserie I meister) erfahren, die erst kürzlich glatt in Esch-

lung des Turnvereins Wieseck mit ihren beiden Mannschaften zum Freundschaftsspiele in Lollar zu Gaste sein. Im Spiel der zweiten Mannschaften beider Vereine, das am frühen Nachmittag beginnt, stehen sich zwei Mannschaften gegenüber, die sich ein gleichwertiges Spiel liefern werden. Im Spiel der ersten Mannschaften werden sich zwei Gegner treffen, die sich schon öfters schöne Spiele geliefert haben. Im bevorstehenden Spiel werden die Platz­besitzer wohl ein Plus für sich in Anspruch neh­men können, da die Gäste mit Ersatz antreten und sich mächtig anstrengen müssen, wenn eine Nieder­lage verhindert werden soll.

Sportverein 1928 Garbenteich.

Garbenteich I Watzenborn-Steinberg II.

Die 1. Mannschaft des Sportvereins 1928 Garben­teich wird am morgigen Sonntag das letzte Ver­bandsspiel der Rückrunde gegen die zweite Mann­schaft des FC.Teutonia" Watzenborn-Steinberg bestreiten. Die Leute von Garbenteich, die in den letzten Svielen bewiesen, daß sie ein ernst zu neh­mender Gegner sind, werden alles daran setzen, in diesem letzten Punktekampf ehrenvoll zu bestehen. Das Spiel, das von Schiedsrichter Keller (Naun­heim) geleitet wird, werden beide Mannschaften in stärkster Aufstellung bestreiten.

Handball der Gauliaa.

Turnv. 61 Lschwege zum Gauliga - Verbandsspiel in Gießen.

Morgen empfangen 1900s Handballer den Turn­verein 1861 Eschwege zum fälligen Rückspiel der Verbandsrunde. Das Vorspiel sah die Gießener mit 7:3 Toren in Front. Es wäre jedoch verfehlt.

(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!)

Wo das Alphabet nur 12 Buchstaben hat.

(ur) Honolulu.

Unsere Abcschüler wären gewiß begeistert vom Hawaischen. Denn es hat nur 12 Buchstaben. Wie bei uns gibt es a, e, i, o, u, aber die Konsonanten beschränken sich auf h, k, l, m, n, p, w. Damit baut man nun die trotzdem recht klangvolle Sprache zu­sammen, die allerdings eine starke Neigung zeigt, zu erliegen. Wenn früher die Nationalversamm­lung aus Hawai zusammentrat, dann hatten die Dolmetscher viel zu tun, denn sie mußten die hawa­ischen Reden ins Englische übertragen. Heute spre­chen die Redner alle gleich englisch. Ein wenig hart und grob, aber immerhin englisch. Wer über 30 ist, der unterhält sich zuhause noch auf Hawaisch, aber die jungen Leute kennen fast nur noch die englische Sprache. Erst in den letzten Tagen haben sich die Studenten wieder besonnen und nun ihr Interesse für ihre Muttersprache sogar dadurch be­kundet, daß selbst eine Zeitung in hawaischer Sprache herausgegeben wird. Man hatte schon früher hawaische Zeitungen, aber sie hatten nie ein langes Leben. Teils weil die Leute damals nicht lesen konnten, teils weil die Blätter zu teuer kamen. Jetzt hat man das Blatt sehr pompösKe Halakai o Hawaii" genannt. Das bedeutetLeuchte von Hawai". Die Leuchte ist vier Seiten stark und wird auf einer richtigen Setzmaschine gesetzt. Aber nur jede Woche einmal erscheint das Blättchen, das den Grundstock zu einer Erhaltung der hawaischen Sprache bilden soll. Mit 12 Buchstaben immer­hin eine Leistung in unserer vielsprachigen Zeit.

Der gute Rat des lieben Vetters.

(ie) Somno.

Beihilfe zur Fahnenflucht ist gewiß ein schweres Verbrechen, und auch Herr Barauskas aus der litauischen Stadt Schaulen hat die ihm zudiktierten zwei Jahre Zuchthaus schon verdient. Doch die Art der Hilfe, die er seinem Vetter Gaputis, der dem freiwilligen Militärdienst entflohen war und bei ihm Rat suchte, angedeihen ließ, war etwas merk­würdig. Nicht mehr und nicht weniger riet er dem Verzagten, als seine Flucht aus der Kaserne gleich bis ins Jenseits fortzusetzen, wo kein Uniform­zwang besteht. An einem frischgeschaufelten Grabe auf dem Schaulener Friedyof nahmen die Vettern gerührten Abschied; mit der von Barauskas liebe­voll zur Verfügung gestellten Flasche Seifenstein­lösung begann der Todeskandidat seine letzten Ge­danken zu denken. Erst wurde ihm unheimlich, dann sprang ihm ein Knopf, und er bekam es wieder mit der Lebenslust und eilte zu seinem Vetter, um diesem seine ernstlichen Gegengründe vorzustellen. Da kam er aber schön an; Barauskas war sehr ärgerlich, seinen guten Rat verachtet zu sehen, und die verwandtschaftliche Auseinander­setzung nahm Formen an, die erst die Nachbarschaft und dann die Polizei in Bewegung setzte. Man setzte die Streitenden in getrennte Zellen, und von da an haben sich die Gerichte der Sache angenommen.

Die zappelnde Kiste.

ch. Mailand.

Eines Nachmittags bewegt« sich durch die Straßen Mailands ein schweres Lastauto, beladen mit drei riesigen Kisten, die nach Casablanca expediert wer­den sollten. Sie enthielten elektrische Beleuchtungs­körper und Apparate und waren alle drei aufs sorgfältigste vernagelt und versandtbereit. Unter­wegs bemerkte der Fahrer, daß die eine der Kisten sich von ihrem Platz verschoben hatte und nahe daran war, vom Wagen zu stüzen. Er hielt an und wollte die Kiste zurechtrücken, als diese mit einer unerwarteten Bewegung selbsttätig zurückschnellte. Zugleich drangen aus ihrem Innern unartikulierte Klagelaute und Seufzer. Der erschrockene Fahrer rief einige Fußgänger um Hilfe, und mit zitternder Hand rückten sie die gespenstische Kiste an ihren

licherweise auch antraf, überwältigte ihn die Freude des Wiedersehens derart, daß er die er­schrockene junge Frau an sich riß und mit glühen­den Onkelküssen überschüttete. Diese jedoch, die ihn nicht kannte, rief gellend um Hilfe, ihr Mann eiste herbei und verprügette den armen Onkel der­art, daß er ins Krankenhaus geschafft werden mußte.

Als er wieder zum Bewußtsein erwachte und an seinem Schmerzenslager von der Polizei ver­nommen wurde, klärte sich der Sachverhalt auf. Und es ist ein Beweis für das gute Herz Carlo Sorattts, daß er feiner über diese Entwicklung un­tröstlichen Nichte verzieh und ihr trotz des stürmi­schen Empfangs die ihr von vornherein zugedachte Summe schenkte.

Die Pille.

Dr. D. Budape st.

Einer Witwe in dem ungarischen Dörfchen Fel- sötarkany waren 50 Pengö abhanden gekomen. Aus ihrem Versteck unter dem Kopfkissen. Es war wirk­lich sehr ärgerlich.

Der Dieb konnte nur unter den Dorfbewohnern stecken. Die Witwe riet auf diesen und jenen, aber die Nachforschungen führten zu nichts. Außerdem hetzte sie die Leute gegen sich auf.

Sie versuchte es mit allerlei kleinen Listen und abergläubigen Mittelchen, um den Schleier zu lüf­ten. Sie befragte die Karten und ließ sich etwas von ihrem Huhn vorgackern; sie deutete ihre Träu­me und verbrannte ein paar Strohalme von ihrem Dach, um aus der Richtung des Rauches ihre Schlüsse zu ziehen. Die Witwe wurde aber nicht klüger. Da entsann sie sich, daß ihre Großmutter einmal von einer geheimnisvollen Pille gesprochen habe, die verbrannt werden mußte und dadurch bewirkte, daß der Dieb blind wurde.

Kurz entschlossen machte sich die bestohlene Witwe auf den Weg in die nächste Stadt. Der Apotheker, bei dem sie ihr Anliegen vorbrachte, schüttelte baß erstaunt den Kopf. Aber um die merkwürdige Kun­din los zu werden, holte er eine harmlose Tablette vor. die allerdings die Eigenschaft hatte, mit großer Rauchentwicklung zu verbrennen.

Triumphierend machte die heimgekehrte Frau ihr Vorhaben im ganzen Dorf bekannt. Gerade, als sie ein tüchtiges Feuer im Herd angemacht hatte und die Pille, die zauberkräftige, 'hineinwerfen wollte, stürzte die Nachbarin ins Haus, warf die 50 Pengö hin und bat mit flehender Stimme, die Witwe solle sie nur nicht blind werden lassen.

Das war ja nun nicht mehr nötig, aber die Pille hatte sich doch wieder einmal bewährt. Gepriesen sei die Großmutter!

fairneß sollte dabei oberster Grundsatz sein. Den pielleiter (voraussichtlich Schiri W i n g e n f e l d, Fulda), erwartet eine schwere, jedoch auch dankbare Aufgabe.

1900 entsendet folgende Vertretung: Schmidt; Zeiler, Lippert; Mank, Jäger, Heinbach; Wilhelmi, Hammer, Schmelz, Heilmann, Dörr.

Lollar I 1900 II.

Zu einem noch ausstehenden Meisterschaftsrück­spiel fährt 1900s Reserve nach Lollar. Dort an Er­folge der Gießener zu glauben, ist gar nicht mehr möglich, nachdem diese Elf am letzten Sonntag so stark enttäuscht hat. Die Gießener Mannschaft wird auf einigen Posten anders besetzt sein, ohne jedoch dem spieltüchtigen Gegner den Endsieg streitig machen zu können. Der eigene Platz wird aus­schlaggebend sein.

VfB.-Reichsbahn Gießen.

VfB.-Reichsbahn LigaOranien Frohnhausen

Spielvereinigung 1900 Gießen.

Dillenburg I 19001.

Die Blauweißen absolvieren am morgigen Sonn­tag das letzte Meisterschafts-Fußballspiel der Saison 1934/35. Der Weg führt die Gießener zum Tabellen­letzten. Es wird viele geben, die glauben, die Spiel- vereinigungsleute kämen dort zu einem leichten Sieg. Diese Kalkulatton dürfte von Grund auf falsch sein. 1900s Vertretung muß ganz andere An­strengungen machen, wenn nicht auch aus dieser Begegnung, wie am vergangenen Sonntag, eine Niederlage herauskommen soll. Diese zahlreichen Anhänger wurden schon insofern enttäuscht, als durch einige zu Beginn der Saison leichtsinnig verbum­melte Punkte, das so nahe scheinende Ziel, die Er­ringung der Gruppenmeisterschaft, nicht mehr er­reicht wurde und man wieder, wie leider schon so oft, mit dem zweiten Platz vorlieb nehmen mußte. Man hofft aber, daß sich die Gießener im Dillen­burger Treffen ganz besonders einsetzen und damit die Serie zu einem guten Abschluß bringen.

Helma lächelt.

Kriminalroman von Klothilde von Stegmann.

Urheberrochtsschutz: Fünf-Türrne-Verlag, Halle (S.).

20. Fortsetzung Nachdruck verboten!

Das Beste wird sein", fügte er hinzu,wir bringen Fräulein von Bodenberg in ein abgelegenes Zimmer, damit sie beim Erwachen nichts sieht und nichts hört von allem, was hier vielleicht noch vor sich geht."

Sanft schob er seine Arme unter die schlafende Gestalt Helmas und trug sie, als wäre sie eine Fe­der, auf den Armen dem entfernten Fremdenzim­mer zu, das Fanny, voranschreitend, ihm zeigte.

Dort legte er Helma sanft auf das Ruhebett, be­fahl der zitternden Fanny noch einmal ganz ein­dringlich, seine Weisungen genau zu befolgen. Dann verließ er sie. Er war überzeugt, daß Fanny ihm in allem getreulich gehorchen würde.

Als er unten in die Halle kam, fand er seine Be­amten vor. In einem Stuhl saß gefesselt ein Mann. Es war Charles. Mit wütendem, verzerrtem Gesicht schaute er den Detektiv an.

Na, habt ihr den Vogel gefangen?" fragte Hop- man seine Leute.

Wachtmeister Schönberger lachte:

Der flog uns ja geradezu in die Arme, Herr Kom­missar aus dem Fenster heraus, hast du nicht gesehen, und gerade an unser Herz. Beinah wäre er noch dem Brettschneider auf den Kopf gesprun­gen."

Na, Brettschneider, dann hätten Sie mal wirk­lich einen offenen Kopf gehabt!" sagte Hopman lachend. Aber nun fix, Leute, alles fort hier! Mo­torräder habt ihr doch gut versteckt?"

Da könnte der Teufel kommen, Herr Kommis-i sar, der würde sie auch nicht finden."

Hopmans Lachen verschwand.

Berufen Sie es nicht, Schönberger! Es könnte schon fein, daß der Teufel wirklich kommt."

Na, na, Herr Kommissar! Bangemachen gilt nicht!" lachte Schönberger.

Der Gefangene auf dem Stuhl bewegte plötzlich die Lippen.

Was wollen Sie?" fragte Hopman.

Kommt er her?" fragte der Mann mit angst­verzerrtem Gesicht.

Wer er?" fragte hopman wieder, indes die Beamten den Gefangenen neugierig anstarrten.

Er!" sagte der Gefangene wieder flüsternd. Sie wissen doch. Dann machen Sie mich lieber tot. Wenn ich dem in die Hände falle, und ich habe die Sache nicht richtig gefingert, bin ich ein toter Mann."

Na", sagte Hopman mit grimmigem Humor, da scheint ja die Polizei einmal der Schutzengel zu sein. Solange Sie in den Händen von Brett»

schneider und Schönberger sind, so lange passiert Ihnen nichts. Und nun los", wandte er sich an die Kommissare.Fort mit dem Gefangenen! Hinunter in den Keller! Wir müssen ihm sogar einen Knebel in den Mund stecken. Kein Mensch darf wissen, was hier vorgegangen ist, wenn uns der wirkliche Ver­brecher ins Garn gehen soll."

Während die Polizeibeamten mit Charles die Treppe hinuntergingen, von dem angstvoll das Licht haltenden Hausmeister geleitet, stand Hopman auf­merksam am Fenster des Gartensaales. Als er nach einer Weile am Horizont ein grünes Licht einmal und noch einmal aufblitzen sah, nickte er zufrieden. Martins war auf feinem Posten.

Alles im Haufe war vollkommen still. Es war, als läge das Schloß in tiefstem Schlaf. Die Diener­schaft des Hauses, die von den Schüssen und dem Lärm erschreckt zusammengelaufen war, hatte sich auf Hopmans energische Weisung in ihre Zimmer zurückgezogen. Nirgends brannte Licht. Hopman hatte zur Sicherheit den Hauptschalter, der den Dienerschaftstrakt des Schlosses beleuchtete, abge­stellt. Mochten die Leute heute nur ruhig im Fin­stern sitzen, alles besser, als wenn durch irgend­einen Lichtschein vor der Zeit etwas verraten wurde.

Eine halbe Stunde nachdem der grüne Lichtschein am Horizont erschienen war, schlich vorsichtig eine Gestalt mit leisen Schritten jenseits des Parks ent­lang. Wachtmeister Schönberger, der im Dickicht der alten Bäume verborgen lag, sah, wie ein Schatten über die Mauer kletterte und ein zweiter Schatten, halb gezogen, dem ersten folgte. Dann schlichen zwei Gestalten, geduckt, an der schützenden Mauer entlang dem Schloß zu. Beide Eindringlinge schie­nen keine Schuhe anzuhaben oder doch Schuhe mit Gummisohlen, denn ihr Tritt war lautlos. Ab und zu zerriß das dichte Gewölk, das am Himmel da­hintrieb.

Dann war es dem Wachtmeister Schönberger, dessen Augen sich vollkommen an die Dunkelheit gewöhnt hatten, als wäre die eine der Gestalten schmaler und kleiner als die andere. Aber alles verschwamm sofort wieder in Finsternis.

In dem Schlafzimmer Helmas war gleichfalls alles dunkel. Der schöne Raum lag vollkommen ruhig und leer da. Jetzt öffnete sich leise die Schlaf­zimmertür. Zwei Gestalten huschten herein.

Komm!" ertönte fast unhörbar eine Männer­stimme. Man sah, wie eine schmale Gestalt, die draußen gewartet hatte, zögernd hereinkam. Die Person, die gesprochen hatte, ein Mann, schlich zum Fenster, schloß es leise und behutsam. Nun wurden die Vorhänge zugezogen. Dann ging dieser Mann mit schleichenden Schritten zur Tür, schloß den Riegel von innen. Nun blitzte eine Blendlaterne auf. Ihr Strahl beleuchtete ein süßes, bleiches Mäd­chengesicht. Der Mann machte sich an einem Wäsche­schrank zu schasse».

So!" sagte er dann befriedigt.Nun, hier ist alles, was wir brauchen. Ich halte solange Wache! Zieh du dich aus. Du legst dich ins Bett, Helma, und schläfst fest bis morgen früh verstanden? Morgen früh wachst du auf, als wäre nichts ge­schehen."

Das blasse Mädchen nickte mit einem eigentüm­lichen Gesichtsausdruck. Die Bewegungen, mit denen sie ihren dunklen Mantel abstreifte, nun das Kleid, bann die Schuhe mit den Gummisohlen diese Bewegungen hatten etwas seltsam Leblos-Auto­matisches. Der Mann stand am Fenster, horchte hin­aus. Nein, überall im Schloß und ringsum war tiefe, nächtliche Stille.

Dann wandte er sich um. Das Mädchen lag lang ausgestreckt im Bett. Sie hatte die Bettdecke bis an das Kinn gezogen. Jetzt trat der Mann an ihr Bett, setzte sich auf den Bettrand. Dem Mädchen starr in die Augen sehend, strich er mit einer har­ten Hand über Stirn und Lider. Schon schlossen sich die Augen.

Schläfst du, Helma?" fragte der Mann.

Sie antwortete nicht.

Du weißt alles, was du zu tun hast", sagte der Mann mit leiser, befehlender Stimme, indem er unablässig über die Stirn der Schlafenden strich. Du kennst den Plan. Ich habe ihn dir oft genug eingehämmert. Du tust ganz, was ich dir befehle. Horst von Gernsheim darf niemals der Erbe die­ses Hauses werden. Du wirst reich und glücklich sein, Helma, und der Schatz unter dem Gewächs­haus wird uns gehören. Ich werde jetzt eine Weile von dir gehen, Helma. Aber du trägst meine Be­fehle in dir, auch wenn du mich für eine Zeit nicht wiedersiehst."

Das letzte Wort war noch nicht von feinen Lip­pen verklungen, da flog mit einem Stoß die Tür eines eingebauten Schrankes auf. Der Mann wandte sich fluchend um. Er sah den Lauf eines Revolvers auf sich gerichtet.

Hände hoch, Bastieni!" rief Hopman und fetzte sogleich eine Signalpfeife an seine Lippen.

Bastieni sah wild um sich. Seine Hand fuhr in die Tasche. Aber ehe er noch den Revolver heraus­reißen konnte, hatte Hopman geschossen. Bastieni stürzte rücklings tot nieder.

Hopman beugte sich zu der leblosen Gestalt. Er sah, hier war nichts mehr zu tun. Ein Schuldiger hatte seine gerechte Strafe empfangen. Schon pol­terten von unten die schweren Schritte der Be­amten die Treppe herauf. Hopman ging zur Tür schob den Riegel fort. Schon standen die Wacht­meister Brettschneider und Schönberger im Zim­mer.

S)ab ich es nicht gesagt, daß der Teufel leibhaf­tig kommen würde?" fragte Hopman.Wißt ihr, wer das ist? Das ist Bastieni."

Bastieni!" sagte Schönberger.Donnerkiel, da haben wir aber einen Fang gemacht. Da sind wir ja berühmte Leute geworden, Herr Hopman! Das

werden uns die Kollegen aus Neuyork verdammt Übelnehmen. Und was soll nun geschehen? Herrje!" unterbrach er sich plötzlich.Da liegt ja eine Dame!"

Er sah etwas geniert nach dem Bett hinüber, wo im tiefsten Schlaf das junge Mädchen lag.

Verduften sollt ihr!" sagte Hopman energisch. Hier den Toten mitnehmen, ehe die junge Dame aufwacht. Kein Anblick für zarte Frauenaugen!"

Det will ick meenen!" bestätigte Brettschneider. Also los, Schönberger! Hopp!"

Sie faßten den Erschossenen an und trugen ihn hinaus, nicht ohne daß Schönberger noch einen wohlgefälligen Blick zu der schönen Schläferin hin» übermarf.

Hopman beugte sich über das schlafende Mädchen. Sein Gesicht zeigte immer größeres Erstaunen.

Meisterhaft!" sagte er zu sich selber.Meister­haft hat dieser Bastieni das angefangen. Wenn ich nicht selbst genau wüßte, daß Helma drüben in dem Fremdenzimmer liegt, würde ich glauben, sie ist es."

Etwas ratlos sah er die Schläferin an. Der Hypnoseschlaf, in den Bastieni sein Werkzeug ver­senkt hatte, war offenbar ungeheuer tief. Am besten war es wohl, man ließ dies junge Mädchen schla­fen, bis der Arzt gekommen war zur Untersuchung.

Gerade, als Hopman sich leise hinausbegeben wollte, um an den Kreisarzt zu telephonieren, hörte er ein Geräusch vom Bett her. Er wandte sich um. Das Mädchen war erwacht. Ein Paar geweitete Augen starrten auf Hopman. Plötzlich richtete sie sich auf. Ein erschütternder Schrei brach aus ihrem Munde. Sofort war Hopman bei ihr.

Ich bitte", sagte er,seien Sie ruhig. Es ge­schieht Ihnen nichts." >

Was ist mit mir?" flüsterte das Mädchen jetzt mit einer erstorbenen Stimme.Was ist mit mir? Wer bin ich? Ich bin doch nicht Helma von Boden- berg? Um Gottes willen, helfen Sie mir! Ich glaube, ich verliere den Verstand."

Hopman setzte sich neben das vollkommen ver­störte Mädchen, das am ganzen Körper zitterte.

Nein, nein!" sagte er.Sie verlieren nicht den Verstand, mein armes Kind. Sie fangen an, ihn wiederzugewinnen. Soll ich Ihnen helfen?"

Die schreckensbangen Augen, die Hopman so rüh­rend an Helma von Bodenberg erinnerten, hefteten sich auf sein Gesicht: fragend, forschend, zweifelnd.

Ja! Helfen Sie mir, bitte!" sagte die Unbe­kannte. In ihrer Stimme war ein Ton rührenden Vertrauens.

Lange, beinah bis zum Morgengrauen, saß Hop- man neben der Unbekannten und hörte die Erzäh­lungen ihres Lebens, ihres Unglücks. Immer wie­der mußte er ermuntern, tröffen. Immer wieder wußte er der Verängstigten versichern, daß mit dem Tode Bastienis auch der unheilvolle Bann von ihr genommen wäre.

Als sie endlich ihr Geständnis beendet hatte, bet­tete er sie sanft in die Kissen.

(Fortsetzung folgt 1)