Ausgabe 
2.3.1935
 
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glücklich, heute trotz allem in dieser Zeit leben zu dürfen, weil wir dann von uns sagen können:

Das Schicksal hat uns hart geprüft, das Schick­sal hat uns oft vor schwere Entscheidungen ge­stellt, aber wir wollen einmal von uns sagen können: die Aufgaben, die man uns stellte, haben uns nicht kapitulieren lassen, denn wir haben diese Aufgaben mutig angepackt und sind nicht davor zurückgeschreckt, weil wir der Meinung sind, daß durch den Einsatz der gan­zen Nation in Deutschland das vollbracht wer­den kann, was der Führer von uns fordert.

So, deutsche Männer und deutsche Frauen, haben wir heute abend an diesem gewaltigen Tage, der in den kommenden Jahrtausenden noch genannt wer­

den wird, dte Verpflichtung, auch in Gießen dem Führer, wie die deutschen Menschen an der Saar, ein erneutes Treugelöbnis abzu­legen, ihm in Disziplin zu folgen.

Treue und Disziplin müssen die Grundlagen sein für den Aufbau des Dritten Reiches, von dem wir heute schon sagen können, es soll das Reich der deutschen Unsterblichkeit fein! Auf dieses Reich und seinen Führer, deutsche Män­ner und Frauen, ein dreimaliges Sieg-Heil!

Voll Begeisterung stimmte die riesige Menschen­menge in die dreimaligen Rufe der Treue und des Gelöbnisses zu Führer und Vaterland ein. Anschlie­ßend spielte das Musikkorps unserer Garnison das Saarlied. Hiermit fand die Kundgebung ihren Ab­schluß. Sodann formierten sich die Kolonnen zum

Faaelzug

Der militärische Zapfenstreich eröffnete den impo­santen Aufmarsch. An der Spitze die Spielleute, dann das Musikkorps unter Obermusikmeister K r a u ß e mit zwei Schellenbäumen, hierauf folgte die Zapfenstreich-Kompanie mit geschultertem Ge­wehr unter dem Befehl von Oberleutnant Fett. Anschließend schritt das Offizierkorps mit seinem Kommandeur an der Spitze, hierauf folgten weitere Abordnungen der Garnison.

Den Repräsentanten der Wehrmacht folgten die Hoheitsträger der Partei und des Staates unter Führung des Kreisleiters Klostermann, dem sich die PO. mit den Hakenkreuzbannern der Orts­gruppen anschloß. Anschließend sah man eine Ab­teilung des Arbeitsdienstes, an der Spitze ihre Fahne. Weiter folgten der Spielmannszug und der Musikzug der HI., dann kamen die Formationen, das Jungvolk und der BdM. Die Buben des Jung­volks halten tapfer den Marschschritt ein. Hinter dem Spielmannszug flattern lustig ihre Wimpel, und auch die Landsknechtstrommeln sind dabei. Die Mädels vom BdM. singen frisch in den Abend hin­ein und ihre Wimpel am steil getragenen Schaft schauen wie Reiterlanzen aus. Der VDA., der nur durch eine Wimpelgruppe vertreten ist, die ein Bub mit einer Hakenkreuzfahne führt, schlägt in Gedan­ken die Brücke zu den Millionen deutscher Volks­genossen in aller Welt, deren Herzen an diesem Tage höher schlagen werden, wenn über die Wellen des Aethers bis in den fernsten Winkel ihrer An­siedlungen der Jubel von diesem Weihetage der Nation zu ihnen bringt.

Nach einigem Abstand künden Militärmärsche den anrückenden NSDFB. (Stahlhelm) an. Die alten Soldaten führen die Kriegsflagge mit dem Symbol des Dritten Reiches und dem Bundesabzeichen mit. Die alten Fahnen der Militär- und Regimentsver­eine derHassia"-Kriegerkameradschaft sind weiter­hin Zeugen dieses herrlichen Ereignisses.

Der endlos lange Aufmarsch ist noch immer nicht beendet. Jetzt ist der Oswaldsgarten einigermaßen

übersehbar. Ein letztes Kommando, die Wirbel des Spielmannszuges klingen auf, die SA. des Stand­ortes Gießen hat zum Fackelzug Tritt gefaßt. Der Spielmannszug und der Musikzug unter Leitung von Musikzugführer Hermann wird sichtbar, hell glitzert im Lampenschein der große Schellenbaum. Brigadeführer Schmidt- Bad-Nauheim mit seinem Stab folgt ihnen nach. In einigem Abstand kommt Standartenführer Lutter, dann folgen das Feld­zeichen der Standarte, die vielen Sturmfahnen und der Stander der Motor-SA. Strammen Schritts rücken die braunen Kolonnen an.

Die beiden Freiwilligen Feuerwehren waren als Begleitmannschaften auf den unendlich langen Zug verteilt, den ein kleiner Trupp der Freiwilligen Feuerwehr beschloß. Kaum hat der letzte Mann den weiten Platz verlassen, da entläßt ein Kommando auch die den Ordnungsdienst versehende SS.

Ueberall in den Straßen stehen dicht gedrängt die Menschen; sie recken die Arme zum Gruße der Standarte und der Fahnen, staunen die fast nim­mer endenden Kolonnen an, reiten freudig ihren mitmarschierenden Freunden und Bekannten zu und sind ergriffen von einer stillen, begeisterten Festes­freude, die an diesem Tage das ganze deutsche Volk beherrscht, das mitgerissen ist von dem Pulsschlag stolzen, starken Lebensdranges, der ihm den Weg zur Einigkeit und Freiheit weist.

Im Seltersweg ist ein Schieben und Drängen der Volksgenossen. Der außerordentlich zahlreiche Flaggenschmuck, die hell erleuchteten Geschäfte fügen sich zu einem eindrucksvollen Bild. Ununterbrochen ziehen die Marschkolonnen hindurch. Die Weisen der Musik, der frische Gesang der Jugend beflügeln den Lauf der Gedanken, erhöhen den Pulsschlag ter Freude; denn ein solcher, anhaltender Rhythmus nationaler Feierstimmung in Gießens Mauern schwingt, kräftiger und lebensfroher als in mancher Großstadt erkennbar, mit in der Dankes- und Ju­belstimmung, die das ganze Volk feinem Führer entgegenbringt.

Der Abschluß der Feier.

Großer Zapfenstreich und Feuerwerk.

Im Anschluß an den Fackelzug marschierten die Formationen erneut auf Oswaldsgarten auf, um hier als prächtigen Abschluß des unvergeßlichen Er­lebnisses den vom Musikkorps unserer Garnison un­ter Leitung von Obermusikmeister Krauß e ge­spielten Großen Zapfenstreich zu hören. Diese musi­kalische Darbietung fesselte die Aufmerksamkeit der dankbaren Hörer in höchstem Maße und verdient die vollste Anerkennung.

Nach dem Zapfenstreich bereitete ein von dem Pyrotechniker Bourgeois hergestelltes und ab­gebranntes prächtiges Feuerwerk der Menschen­menge eine dankbar empfundene Freude.

Oer Abmarsch der Kolonnen.

Nach dem Zapfenstreich rückte die Abordnung der Garnison ab. Anschließend erfolgte der Abmarsch der SA., die zum Landgraf-Philipp-Platz marschierte, wo vor Brigadeführer Schmidt am Kriegerdenk­

mal ein zackiger Vorbeimarsch erfolgte. Hierauf mar­schierten die Stürme zu ihren Sturmlokalen.

Oie Feiern in der Provinz.

Die Landbevölkerung in Oberhessen feierte, wie aus vielen uns heute früh vorliegenden Berichten hervorgeht, die Rückkehr der Saar in das Reich nicht weniger herzlich und freudig, als die Stadt­bevölkerung. Ueberall prangten die Häuser im Schmuck der Flaggen und frischen Grüns, überall läuteten zur festgesetzten Stunde die Glocken. Kaum ein Volksgenosse, der an dem großen Ereignis nicht inneren und äußeren Anteil genommen hätte! Gemeinsam gesungene vaterländische Lieder, Ge° dichtoorträge, gesangliche Darbietungen verschönten die Kundgebungen. An den Fackelzügen beteiligten sich die Gliederungen der Partei, die verschiedenen Vereine, während die übrigen Volksgenossen den Aufmärschen mit allem Interesse folgten. Die Feiern in ihrer Gesamtheit nahmen überall einen wür-

Oiemann puk.

Von Hans Friedrich Blunck.

Wie Olemann Puk oben aus dem Uhlenloch im Doktorhaus zu einer Frau gekommen ist, das hat sich folgendermaßen begeben:

Drüben im Knick, gerade gegenüber dem Doktor­haus, wohnte ein kleines unterirdisches Fräulein, dem Olemann Puk gewogen war. Eines Tages aber hat ein Unhold sich das Mädchen zum Dienst ein­fangen wollen. Er warf seinen schwarzen Schatten­mantel gerade mit Sonnenuntergang über das arme Ding, da hatte er es verzaubert, es mußte ein Jahr lang als Frosch, als Schlange, aber immer in Tieren weiterleben.

Ehe der Riese seine Beute aber ausgehoben und gesichert hatte, ist Olemann Puk, der alles gesehen hatte, hinzugefahren und hat mit einem riesigen Messer ten Unhold in die Ferse gestochen. Der hat gemeint, er habe in Wespen getreten, hat nach hinten geteilt und Olemanns Knie getroffen; währenddes ist seine Beute aber in Gestalt einer kleinen Ringel­natter davongeschlüpft, und der Unhold hat von seinem Zauber keinen Lohn gehabt.

Nun, der Puck bat ein lahmes Bein behalten, er hatte dafür aber die Freundschaft des armen ver­zauberten Mädchens gewonnen. Jeden bellen Tag sind die beiden umeinander gewesen; über Nacht aber ist Olemann wie zuvor im Doktorhaus auf Wache gegangen, und das Mädchen hat sich, in einen Wasserfrosch verwandelt, unten in der Au in einem alten Kochtopf schlafen gelegt.

Nun ist die Kleine ja ein Schelm gewesen, und weil sie m ihrer Verzauberung zu den Ihren nicht heimkehren konnte, hat sie rund um ihren Kochtopf viel Schabernack getrieben. Wenn die Wagen die dunkle Heerstraße zum Maanhagen fuhren, hat sie sich von den Bäumen als Schlange niedergelassen und Leute und Pferde erschreckt. Oder sie hat sich wie ein schönes Antlitz einem schlafenden Hagemann genähert. Wenn der schon die Lippen spitzte, ist sie ihm dann als stachliger Igel übers Gesicht gerollt, so daß der Unhold alle Winde vollschrie. Oft auch ist sie als piepende Maus oben im Doktorhaus durch alle Kammern geschlichen, so daß die arme Hausstau schier verzweifelte, hat sich auf einmal zur Schlange gewandelt und hat unterm Herd gesessen und die Leute freundlich angezüngelt. Immer aber ist sie zur Nacht wieder in ihr Froschkleid geschlüpft und hat getreu geschlafen, solange ihr Vertrauter auf Wache ging.

Schließlich hat aber der Doktor, um dessen Haus der Spuk geschah Fietebum hieß er, die Ge­schichte herausgekriegt. Und er hat mit seiner Frau besprochen, daß man den beiden, dem Fräulein und Olemann Puk, ein geordnetes Hauswesen verschaffen müsse, da sei der Unfug vorbei.

Er ist also eines Tages um die Dämmerung mit seiner Frau in guter Absicht zur Au gegangen, die beiden haben zwei Haselhaken geschnitten und vor­sichtig die Henkel des alten Kochtopfs gefaßt; dann haben sie eins, zwei, drei gezählt und ihn flink hoch- gehoben.

Aber unten im Topf ist ein Loch gewesen; das Froschfräulein, das sich im grünen Rock gerade zum Schlafen gelegt hatte, ist mit erschrockenem Lachen hindurchgeschlüpft und auf den Grund gegangen.

Der Doktor Fietebum hat sich den Topf besehen, hat das Loch gefunden und heimlich ein Stück Blech hineingeklemmt. Dann hat er ihn stillschweigend wieder ins Wasser versenkt.

Natürlich hat das Fräulein am nächsten Tag die ganze Geschichte Olemann Puk wiedererzählt, und der ist sehr böse gewesen. Dann hat er das Frosch­fräulein getröstet und gesagt, zweimal mache sein Herr solche Dummheit nicht.

Weil die Jungfer aber zum Schabernack den hellen Tag über alles in Keller und Küche durch­einanderwarf und hier als kleine Ratte, da als Marder pfiff, dann wieder als riesige Fliege um den Schreibtisch des Hausherrn schwirrte, hat der an das Stück Blech im Kochtopf denken müssen. Und er ist am Abend, so eine Stunde vor Mitter­nacht, ganz allein zur Au hinuntergegangen, um nocy einmal den Kochtopf aufzuheben. Aber sei es nun, daß der gelehrte Herr abergläubisch war, oder daß Olemann auf der Lauer lag: als der Doktor den Kochtopf beinahe aus dem Wasser gehoben hatte, hat er sich über irgend etwas baß erschrocken, hat das Uebergewicht bekommen und ist mit den Armen zuerst in die Au gefallen. Dabei sckülpte der Topf über und das Froschfräulein, das schon ver­geblich nach dem Loch am Boden suchte, ist lachend über den Rand gehüpft.

Und es hat den beiden Menschen oben im Hügel­haus weiterhin wenig Ruhe gelassen, hat vielmehr andern tags vom Boden bis zum Stall hin und her seinen Spuk getrieben. Solch ein Aufruhr ist gewesen: als der Mann den Puk gerufen und ihn gebeten hat, seine Braut zur Ruhe zu bewegen, hat der Lümmel nur gegrinst und gefragt, wer denn ten Streit angefangen hätte. In allen Ecken hat es dazu gelacht, und als die Hausfrau zur Versöhnung eine Schale Milch für das kleine Fräulein hin­stellte, damit es sich als ordentliche Magd bequeme, hat jemand ihr ten dicken Butterlöffel in die Suppe

digen Verlauf und hinterließen wohl bei allen Teil­nehmern den tiefen Eindruck, den das geschichtliche und völkisch so hochbedeutsame Ereignis der Rück­gliederung der Saar für jedermann mit sich brachte. (Auf den Abdruck von Einzelberichten können wir nach dieser zusammenfassenden Feststellung ver­zichten.)

Morgen Saar-Gottesdienst.

Aus Anlaß der Rückgliederung des Saargebietes und entsprechend einer Anordnung des Landes­

bischofs der evangelischen Kirche Nassau-Hessen fin* bet morgen, Sonntag, 18 Uhr, in der Johanne s- k i r ch e ein liturgischer Gottesdienst statt. Organist N e b e l i n g wird Kompositionen von Johann Sebastian Bach und Johann Georg Walther zu Gehör bringen, Musiklehrer Rein wird eine Violinsonate von Händel spielen. Außerdem wirkt ein Schülerchor mit. Gemeindegesang, Gebet und Ansprache werden zu dieser Feier hinzutreten.

Aus der Provinzialhauptstadt.

Oie erste Frühlingsstimme.

Wer einen ©arten beim Hause hat, der wird auch im Winter oft nach ihm schauen, denn ein ©arten erfreut uns nicht nur im Sommer, sondern zu jeder Jahreszeit. Arbeit gibt es im ©arten im­mer. Jetzt erst recht.

Wenn auch der Wind jetzt bläst und Regen in der Luft liegt, wir greifen zur Schere, zur Baumbürste und wirken, so oft wir Zeit haben.

So war es auch heute. Ich hatte schon einige Zeit Bäume ausgelichtet und wollte, da mir die Luft doch noch zu rauh war, in das warme Zim­mer flüchten, da erklang plötzlich vom nahen hohen Birnbaum der Frühlingsruf einer Amsel. Nicht ein­mal, sondern ununterbrochen. Es war kein leises, zages Versuchssingen. Nein! Es war die volle schöne Frühlingsstimme des schwarzen Sängers. Da war alles ringsum vergessen, der warme Ofen und der kalte Wind. Ich ging vorsichtig näher und betrachtete den ersten lebenden Boten des Frühlings.

Er saß auf der höchsten Spitze und lockte und lockte. Der gelbe Schnabel, die gelben Beine leuch­teten hell. Unermüdlich fang der Vogel sein schönes volles Lied. Er schien überhaupt nicht zu ermüden. Die Sonne kam noch einmal über einige Augen­blicke hinter den grauen Wolken hervor. Da schwieg er und plusterte sich auf. Ganz leise ging sein Flö­ten. Dann aber begann er wieder mit lauter, voll tönender Stärke.

Das war die erste Vogelstimme, die überzeugend verkündete, daß es nun wirklich Frühling werden will. Wie oft hatten die kleinen Meisen an unserm Fenster gezirpt, zum Dank für das gestreute Futter, wie oft hatten wir das Lärmen und Schwatzen der Stare vernommen. Aber es war nie ein Lied, es waren kleine, liebe (Erinnerungstöne an ver­gangene Zeiten. Jetzt aber erklang voll und jchmel- zend die Stimme der Amsel durch die Luft.

Wie eigentümlich wird es uns Menschen bei sol­chem frohen Frühlingsboten ums Herz! Wir wissen ja, welch seltsames Ding das menschliche Herz ist. Hier merken wir es wieder. Wir vergessen alles und können uns stundenlang an dem Gesang des lieben Vogels erfreuen. Gehts unferm Nachbar nicht auch fo? Er hat das Fenster weit geöffnet und schaut blinzelnd nach dem schwarzen Sänger. Auch er hat etwas in feinem Zimmer gehört und will nun teilhaben an dem Frühlingsgesang.

Wie oft haben wir im vorigen Sommer vielleicht geschimpft, wenn die Amseln sie kamen immer mit ihrer gesamten Familie! unsere Erdbeeren ober auch die Kirschen stahlen. Das frohe Früh­lingslied entschädigt uns nun für alles. Oder ist es der Dank für die faulen Aepfel, die wir den schwar­zen Gesellen während des Winters in ten Vor­garten legten und die sie mit Genuß verzehrten? Oder sollte es gar so fein, daß die Amsel schon mit Vergnügen nach den dicken Knospen unseres Kirsch­baumes schaut und an die kommende Ernte denkt?

Das wollen wir nicht annehmen. Was dem Bogel das schöne Lied aus dem innersten Herzen erklin­gen läßt, das ist die reinste tiefste Freude am kom­menden Frühling. Es ist ein Weckruf für uns Men­schen: Vergeßt den Winter, denkt nicht mehr an die Tage, an Denen es nicht Winter und nicht Sommer war, an denen wir durch Schnee und Wasser waten mußten und das ungesunde Wetter verwünschten! Der Blick soll nicht an der Vergangenheit und nicht an der Gegenwart haften, er soll weit hinaus in die Zukunft gelenkt werden.

Wir grüßen den Frühling! H. W.

Amt für Volkswohlfahrt, Ortsgruppe Gießen-Sud.

Die Kohlenhändler werden aufgefordert, die in Zahlung genommenen Kohlengutscheine am Dienstag, 5. März, zwischen 15 bis 18 Uhr, auf unserem Geschäftszimmer, Credner- straße 24, einzureichen. Später eingereichte Gut­scheine werden nicht mehr angenommen.

Die Pfundsammlung in der Ortsgruppe Gießen-Süd wird am Montag, 4., und Diens­tag, 5. März, von der NS.-Frauenschaft durch­geführt. Die Hausfrauen werden gebeten, die Pa­kete bereitzustellen und auf den Umhüllungen Ge­wicht und Inhalt zu verzeichnen, da für jede Spende eine Quittung erteilt wird.

Erstmalige Gehilfen-prüsung der Rechtsanwalts- und Tlotariatslehrlings

Wie wir von zuständiger Seite erfahren, ist eins Vereinbarung zustandegekornrnen zwischen dem Be- rufsgruppenamt der Deutschen Arbeitsfront und der Reichsrechtsanwaltkammer, wonach im Monat April 1935 erstmalig die Gehilfenprüfung durchgeführt wird. Währeno im übrigen Reich die Vorarbeiters noch nicht überall zum Abschluß gekommen sind, wird im rhein-mainischen Wirtschaftsgebiet die Prüfung abgehalten, zu der jeder Lehrling bei einem Rechtsanwalt oder Notar verpflichtet ist.

Zweck der Prüfung ist die Feststellung der in ter Lehre erworbenen Kenntnisse und Fertigkeiten so­wie der Nachweis einer auf die Volksgemeinschaft ausgerichteten Allgemeinbildung, die den Lehrling befähigen, als Gehilfe eines Rechtsanwalts oder Notars tätig zu fein. Es ist jedoch nicht der Sinn dieser Prüfung, etwa eine Auslese der Besten und Begabtesten vorzunehmen, sie soll vielmehr ledig­lich den Beruf vor völlig ungeeignetem Nachwuchs bewahren. Die Lehrlinge, die die Prüfung be­stehen, erhalten einen Gehilfenbrief für Rechts­anwalts- und Notariatsgehilfen.

Die Deutsche Arbeitsfront, Abteilung des Be­rufsgruppenamtes, ©au Hessen-Nassau mit dem Sitz beim Rhein-Mainischen Industrie- und Han­delstag, wird für diese Gehilfenprüjung einen stän­digen Ausschuß einsetzen, der sich aus je einem Vertreter der Rechtsanwälte und Notare, der An­waltsgehilfen und einen Diplomhandelslehrer der Fachschule zusammensetzt. Oertliche Prüfungsaus­schüsse werden gebildet in Frankfurt a. M., Darm­stadt, Mainz, Wiesbaden, Offenbach, Worms, Gießen, Limburg und Hanau. Die Mitglieder dieser einzelnen örtlichen Ausschüsse werden im Ein­vernehmen mit den Anwaltskammern berufen und setzen sich in ähnlicher Weife wie der ständige Aus­schuß zusammen. Gleichzeitig wird mit der Ein­führung der Gehilfenprüfung die gesamte Lehr­lingsausbildung durch einen einheitlichen Lehrver­trag auf eine neue Grundlage gestellt. Die Lehr­herren sind verpflichtet, den örtlichen Prüfungs­ausschüssen die Lehrlinge, die jetzt auslernen, an­zumelden. Der Zeitpunkt wird noch bekanntgegeben.

Vornotizen.

Tageskalender für Samstag. Orts­gruppe Gießen-Süd: 20.30 Uhr, im Cafö Ebel Kameradschaftsabend. (PO., Amtswalter der NSV. und der DAF.) Stadttheater, 20 bis 23 Uhr: Der goldene Pierrot". Lichtspielhaus, Bahnhof­straße:Prinzessin Turandot". Astoria-Lichtspiele, Seltersweg:Der blaue Diamant". VHC., 20.30

und die Erbsen in das Mehlfaß geworfen. Aber die Milch ist unangerührt geblieben.

Da haben der Doktor Fietebum und feine Frau sich nach dem Abendessen wieder zusammengesetzt, die Stirn krausgezogen und nachgedacht, was nun zu tun fei. Und der Mann hat nach feinem Hut ge­wiesen und ein Zeichen des Ueberftülpens gemacht. Die Frau aber hat stillschweigend einen Kochtopf­deckel aus der Küche geholt und unter der Schürze versteckt. Dann find sie um Mitternacht zum dritten- mal zur Au hinuntergegangen.

Olemann hat in jener Nacht nicht rund um das Haus gewacht, wie es feine Pflicht gewesen wäre, sondern hat bei seiner Liebsten im Tovf gesessen und große Reden über Recht und Gerechtigkeit ge­halten. Er glaubte ja nicht, daß Menschen dreimal nacheinander sich um einen Kochtopf kümmern mürten.

Aber auf einmal hat das Wasser sonderbar ge­gluckt, dann ist alles pechdüster geworden. Und als die beiden nach draußen wollten, hat der Topf einen Deckel gehabt, und auch das Stück Blech hat immer noch im Loch gesteckt. Da sind die Gefangenen wie Quappen an Der Wand entlanggefahren, haben keinen Ausweg entdecken können und haben sich endlich mit einem kläglichen Gewissen auf dem Stück Blech nietergesetzt. Der Topf aber hat ge­schwankt und geschwippt und einen langen Weg bis oben zum Haus gemacht. Da ist er schließlich mit einem hörbaren Schurren auf den Herd ge­rückt worden.

Ihr könnt euch denken, in welche Angst die beiten geraten sind, als sie das Schurren horten.Hilfe, Hilfe! Hier sind Leute im Pott!" hat der Puk ge­schrien und laut an den Deckel geklopft.Ja, zwei Leute im Pott!" hat eine feine Stimme hinterher gerufen.

Ist das nicht unser kleiner Olemann", hat der Doktor gefragt.Frau, da kommt Besuch, hast du den Kaffee auf dem Herd?"

Und das kleine Fräulein von drüben ist wohl auch dabei", hat Die Hausfrau gesagt,dann will ich nur gleich den Pastor holen!^

Als sie vom Pastor horten, haben Olemann und das arme Mädchen aber so kläglich Durch den Koch- topf hindurch zu bitten und sich zu entschuldigen begonnen, den beiden Menschen draußen hat sich das Herz gerührt. Sie haben den Deckel ein klein wenig angehoben, da hat es unterm Topfrand heraus geschrien und geschworen, vier kleine Hände und Pfoten haben sich nach draußen gehoben und alle besten Dienste statt Unfug angeboten.

Die beiden Großen sind ja Schelme gewesen, sie haben immer noch getan, als wüßten sie nicht, was sie anfangen sollten und ob sie nicht doch zum

Pastor müßten. Da hat Olemann in feiner Angst das heile Bein zwischen Topf und Deckel hinausge­schoben, hat dem Hausherrn gewinkt und um Himmelswillen getan, als hätte er das Fräulein nur um seiner Herrschaft willen ins Haus gelockt. Und als die Hausfrau mit etwas Ziegenmilch näher gekommen ihr wißt, damit geben sich die kleinen Wesen in unfern Dienst, haben das Fräulein und er gleich davon genippt und zu allem jaja gesagt, solche Furcht haben sie gehabt.

Ich glaube auch nicht, daß die beiden einen schlechten Tausch gemacht haben; ich glaube sogar, daß dem kleinen Olemann im ©runde feines Her­zens die Unruhe im Bach längst zuwider gewesen war und dah ihm das Leben heut besser gefällt Er hat feine alte Kammer oben im Stall wie vor­dem, und wir wissen alle, wie sehr er seine Gemäch­lichkeit liebt.

Die neue Jungfer wird ihm die Stube kehren, zumeist aber hilft sie der Hausfrau, der sie alles blitzblank putzt und alles Geschirr besorgt und alle Möbel stäubt und über Nacht die Wäsche wäscht oh, es lohnt sich wohl, solchen Hausgeist zu fangen.

Oer Einbrecher in der Ritterrüstung.

Wie eine Szene aus einem Film mutet der Ein­bruch an, ter dieser Tage von einem Dieb in einer Villa in St. Cloud bei Paris versucht wurde. Der Einbrecher hatte sich nachts ins Haus geschlichen und horte den Besitzer der Villa zurückkommen. Da er keinen anderen Ausweg wußte, schlüpfte er in eine eiserne Ritterrüstung, die in einer Halle stand und verhielt sich ruhig. Durch eine ungeschickte Be­wegung stürzte er aber dennoch mit ter Rüstung um, und zwar gerate in dem Augenblick, als der Hausherr mit zwei Begleitern an ihm vorüberging. Der Dieb wurde in der Ritterrüstung gefesselt und ter telefonisch herbeigerufenen Polizei übergeben.

Sochschulnachrichten.

Professor Dr. Walter Bogt, Ordinarius für Anatomie an ter Universität Zürich, ist zum ordentlichen Professor für Anatomie an der Uni­versität München ernannt worden. 1928 wurde ihm auf der Tagung der deutschen Anatomischen Gesellschaft und ter Gesellschaft für Anthropologie in Frankfurt a. M. der Dr. E. v. Meyer-Preis ver­liehen.

Dem nichtbeamteten ao. Prof. Dr. Arthur Kron seid in der Medizinischen Fakultät der Universität Berlin ist auf Grund von § 18 der Reichs-Habilitations-Ordnung die Lehrbefug« nis entzogen worden.