Ausgabe 
2.3.1935
 
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Nr. 52 Drittes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)5amstag,2.Mrz ty35

Der Saar-Feiertag der deutschen Nation in Gießen.

Der Verlauf des gestrigen Freitag, der die end­liche Heimkehr der Saar zum deutschen Mutterlands brachte, wird auch in unserer Stadt allen Volks­genossen, die diese Weihestunden der deutschen Na­tion mit ganzem Herzen miterlebten, für alle Zeiten unvergeßlich in Erinnerung bleiben. Das war ein Erleben inmitten des Alltags mit all seinen Kämp­fen und Sorgen, das eine Stätte der Freude und der seelischen Stärkung darstellte, aus der die na­tionale Kraft und Willensbildung einen neuen star­ken Auftrieb erfuhr.

Bereits am frühen Morgen wurden an vielen Häusern die Hakenkreuzfahnen und die schwarzweiß­roten Flaggen gehißt, um dadurch äußerlich die freudige Anteilnahme der Volksgenossen an dem großen Festtag der Nation zu bekunden. Als dann gegen 10.15 Uhr von der Saar her über den Rund­funk das Kommando zum Flaggenhissen kam, zeig­ten im Handumdrehen die Straßen unserer Stadt ein außerordentlich starkes und eindrucksvolles Flaggenmeer. Zur gleichen Zeit erklangen die Glocken der Kirchen im feierlichen Geläute, während

grünen Blattwerks eine ausgezeichnete Wirkung erzielte. Ein Porzellanhaus, ebenfalls am Kreuz­platz, stellte schönes Porzellan und keramische Scha­len aus Mettlach an der Saar aus. Eine inter­essante Schau zeigt ferner eine Textilfirma am Kreuzplatz, die einen Bergmann in seiner Tracht, alte Grubenlampen, interessante Bilder, und in charakteristischen Stücken auch das vom Bergmann geförderte Material ausstellte. Ein Textilhaus in der Marktstraße stellt in sinnvoller Symbolik das Haken­kreuz als aufgehende Sonne hinter einer Jndustrie- silhouette dar. Eine sehr geschmackvolle Dekoration sieht man ferner bei einer Firma an der Ecke Oswaldsgarten und Neustadt; in schöner Anordnung werden hier auf Flaggentuch Erzeugnisse der saar­ländischen Hüttenindustrie ausgebreitet und dabei in feiner Weise auf die Befreiung des Saarlandes hin­gewiesen Eine Metzgerei am Rathaus ließ in der Dekoration des Schaufensters auch eine glückliche Hand erkennen. Ein Hutgeschäft im Seltersweg um­gibt ein Bild mit schönen Blattpflanzen, viele an­dere Geschäftsleute haben ihre Häuser und Laden-

Der Kommandeur verliest den Erlaß des Reichswehrministers.

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in den Betrieben eine Minute feierlichen Schwei­gens als Gedenken und Treubekenntnis an die Saar eintrat. In dieser Stunde trat

unsere Garnison

auf dem Hofe der Neuen Kaserne vor ihrem Kom­mandeur zu einem Appell an, an dem auch die Heeresbeamten, Angestellten und Arbeiter der Gar­nison teilnahmen. Nachdem der Kommandeur die Front der Truppe abgeschritten hatte, leitete das Mu­sikkorps die Feier mit dem Saarlied ein. Dann verlas der Kommandeur den in unserem gestrigen Blatte bereits berichteten Erlaß des Reichswehrministers an die Wehrmacht. Mit dreimaligen kräftigen Hurra- Rufen und mit dem Deutschland- und dem Horst- Wessel-Lied fand die militärische Feier ihren Ab­schluß.

Oie Betriebskameradschaft der Stadt mit Oberbürgermeister Ritter an der Spitze ver­sammelte sich um 10 Uhr im Stadtheater zum Ge­meinschaftsempfang der Uebertragung von der Saar. Das Theater war bis in den obersten Rang hinauf dicht besetzt. Am Schlüsse der Uebertragung rich­tete Oberbürgermeister Ritter einen begeisternden Appell an die Betriebskameradschaft. Wenn wir, so führte er u. a. aus, wieder eine solche Weihe­stunde der Nation erleben durften, so danken wir es dem Manne, der unser Volk nach Jahren schwersten Kampfes aus seiner Not geführt, es aus seinem Verfall und seiner Zerklüftung geeint hat und dem feine ganze Arbeit und Liebe gilt: un­serem Volkskanzler Adolf Hitler! Wenn bei der Abstimmung einige Saardeutsche mit Nein" abstimmten, so ist das für uns verständ­lich da sie das geeinte Deutschland nicht kannten und ein Opfer der Verleumdung wurden. Wir aber wollen dankbar und stolz diesen Tag feierm schlicht und würdig, wie es sich für uns geziemt! Wir wol­len aber auch dankbar unseres herrlichen Führers gedenken, der uns immer wieder bewiesen hat daß sein Weg der richtige ist, der unser Volk geeint und stark gemacht, ihm wieder Arbeü und Selbstver­trauen gegeben hat, unserem Führer, um den uns die Welt beneidet. Unser geliebtes Deutschland und unser geliebter Führer, die heimge ehrte Saar, Sieg- Heil! Begeistert stimmte die Versammlung in den Ruf ein. Damit war der Festakt beendet.

Oie Feiern in den Schulen.

Schüler und Lehrkörper fanden sich am gestrigen Vormittag zu Feiern der Schulen em. Die Feiern, die in geschmückten Turnhallen, m den.Aulen usw. abgehalten wurden, nahmen durchweg einen Verlauf. Sprechchöre, gemeinsam gesungene Lieder, Choraldarbietungen einzelner Klassen, Vorträge von Gedichten der Dichter unserer Zeit und der Fre= heitsdichter deutscher Vergangenheit leiteten die Feiern ein. Schulleiter bzw. Herren der Lehrkörper hielten Ansprachen. Dankbar gedachte man immer auch des Führers Adolf H itl", durch deff-n starke Initiative der Sieg des deutschen Blutes getzen fremde Gewalt und Willkür möglich geworden ift In der üblichen Weise wurden die Feiern über die wir im einzelnen aus technischen Gründen nicht ve richten können, beschlossen.

SchöneGchaufensterzumTag der Saar

Eine Reihe von Gießener Geschäftsleuten gab ihrer herzlichen Sympathie den deutschen Volks- aenassen an der Saar gegenüber dadurch Ausdruck, sie ihre Schaufenster zum Tage der Ruckglie- dcrung der Saar in besonderer und sinniger Welse ^Sehr^geschmackvoll dekorierte eine Photo- und Drogenfirma am Kreuzplatz, indem sie große Re­produktionen der Saarbriefmarke und emes Bildes aus dem Industriegebiet der Saar zum Mittelpunkt der Schaufenster machte und durch eine reiche Fülle

eingänge mit Tannengrün und langen Girlanden geschmückt, und in einer Reihe von Schaufenstern sieht man Blumen, Spruchbänder, Bilder usw. im Rahmen der Warenschau. Auch in den Außenbe­zirken der Stadt ist manches Schaufenster schön ge­schmückt.

Ein sehr sinniges Gedenken der Saar soll hier nicht unerwähnt bleiben: die Freiwillige Sanitäts­kolonne vom Roten Kreuz hatte an ihrem Depot am Kanzleiberg inmitten eitles grünen Kranzes eine brennende Grubenlaterne von der Saar aufge­hängt, die der Kolonne für ihre Arbeit afn Tage der Saarabstimmung im Saargebiet als Geschenk überreicht worden war.

Die Kundgebung aus Oswaldsgarten.

Nachdem der Tag unsere Volksgenossen in Gießen mit herzlichster Freude über die unvergeßlichen Stunden der Heimkehr der deutschen Saar zum Mutterlande erfüllt hatte, vereinigten sich am Abend etwa 10 000 Menschen auf Oswaldsgarten und den anliegenden Straßen, um hier in gemeinsamer Feierstunde voll Freude und Dankbarkeit der Saar und des Führers und Kanzlers unseres Volkes

Pg. Klostermann bei seiner Ansprache.

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zu gedenken. Von 19 Uhr ab sammelten sich die Formationen an ihren Treffpunkten, von wo aus sie in geschlossenem Zuge zum Oswaldsgarten mar­schierten. Zur selben Stunde marschierte auch die Abordnung unserer Gießener Garnison von der Kaserne zu dem Platze der Kundgebung. Ferner zogen in geschlossenen Kolonnen viele weitere Teil­nehmer heran, so daß etwa von 19.30 Uhr ab von allen Seiten her der Anmarsch im Gange war. Ein sorgfältig durchdachter Aufmarschplan ermöglichte den glatten Aufmarsch der riesigen Menschenmenge, die auf Oswaldsgarten Aufstellung nahm, während gleichzeitig Tausende von Volksgenossen als Zu­schauer den weiten Platz umsäumten.

An der Stirnseite des Oswaldsgarten vor dem Grundstück der Feuerwache war, wie bei früheren Kundgebungen, der Stand des Redners errichtet, von hier aus grüßten die Freiheitsbanner der nationalsozialistischen Bewegung die gewaltige Men­schenmenge. Unmittelbar vor diesem Stand fand Vie Standarte der SA. ihren Platz, rechts und

Das Reichsheer eröffnet den Fackelzug.

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links reihten sich die Fahnen der Formationen an. Davor stand das Musikkorps der Gießener Teile unseres Reichsheeres. In langen Kolonnen über den ganzen Platz hinweg standen die Formationen aufmarschiert, und zwar das Offizierkorps mit der Abordnung des Reichsheeres, die SA. des Stand­orts Gießen, die PO., der Arbeitsdienst, die HI., BDM., Jungvolk, der NSDFB. (Stahlhelm) und die Arbeitsgemeinschaft der Regimentsvereine. Die

SS. versah wiederum, wie immer, in wüster» gültiger Weise den Absperr- und Ordnungsdienst. Punkt 20 Uhr war der Aufmarsch in allen Teilen vollendet.

Kreispropagandaleiter Schmelz eröffnete mit einem kurzen Hinweis auf das gewaltige nationale Erleben der Heimkehr der Saar die Kundgebung. Das Musikkorps der Garnison spielte sodann den Badenweiler Marsch. Hierauf sprach.

pg. Klofiermann:

Deutsche Frauen! Deutsche Männer!

Kurz vor der entscheidenden Abstimmung an der Saar sprach der Führer das Wort:Wir werden am 13. Januar die Tore aufreißen und ihr werdet nach Deutschland zurückkehren."

Heute, an diesem denkwürdigen 1. März, ist dieses Dort Tatsache geworden, und umbrandet von dem übel der Zehntausende hat der Führer heute in Saarbrücken seinen Einzug gehalten, übervoll von Dank für die Bevölkerung dieses deutschen Landes, übervoll von der Genugtuung, daß sein löjähriger Kampf um Deutschland heute schon solche Siege in unblutiger Weise erringen konnte.

Wir, die wir heute in Gießen zusammengeströmt sind, vereinigen uns mit all den Tausenden, Hundert­tausenden, ja Millionen, die überall in Deutschland aus öffentlichen Plätzen der Freude ihres Herzens darüber Ausdruck geben, daß wir heute von uns sagen können:

Wir sind wiederum e i n Volk geworden, wir sind wiederum eine Nation!

Dieser Kampf ist heute zum Teil nur beendet. Wenn der neue Gauleiter des Saargebietes, Bürckel, aus der Pfalz vor einer Stunde den Saarländern fein Programm verkündete, dann ist dieses Programm genau s o verpflich­tend und bindend für uns. Er sagte, daß es uns nun gelungen ist, die liberaliftifchen und mar­xistischen Schlacken abzustreifen, daß es uns gelungen ist, durchzustoßen z u dem Herzen des deutschen Menschen, daß es uns gelungen ist, in diesen Herzen der deutschen Menschen das zu finden, was wir brauchen für ein einiges Reich: dieses deutsche herz, das in dem andern nur den Genossen des deutschen Volkes sieht..

Wir wissen auch, daß gerade an der Saar das alte Wort wieder wahr wurde, daß des Vaterlandes ärmster Sohn oft sein getreuester ist. Wir empfinden volle Genugtuung darüber, daß wir heute sagen können: Wir haben zu verbuchen das größte und gewaltigste, nämlich, daß wir dem deutschen Arbeiter das deutsche Vaterland zu- rückerobert haben.

Der Führer hat noch vor einer halben Stunde gewarnt und seinen Gegnern gesagt: Wir sind bereit, dir die Hand entgegenzustrecken, wir sind aber auch bereit und entschlossen, die Faust, solltest du sie uns zeigen, aufzubrechen. Du wirst, Deutscher, nicht gewertet nach deiner Herkunft, nach deinem Stand, nach deiner Bildung,

du wirst gewertet nach deiner inneren Gesin­nung, der Gesinnung, die von dir verlangt, daß du bereit bist, alles zu geben, was früher dir einmal hoch und wert erschien, alles zu geben.

um diese Volksgemeinschaft in Deutschland auf­zubauen und zu erhalten. Du sollst durchdrungen sein von dem Glauben, daß nur dadurch Deutsch­

land für alle Zeiten gerettet werden kann.

Die Gesinnung verlangen wir von. dir, daß du in Deutschland den Inhalt dieses irdischen Lebens siehst, wir verlangen von dir, daß du, Volksgenoise, wie andere Millionen, kein anderes Ziel hast, als für Deutschland in dieser Gemein- sck;aft der Volksgenossen zu arbeiten, nicht für dich, sondern für die Gesamtheit des Vol­kes Der Individualismus muß auch für dich er» kes. Der Individualismus ist begraben, und aufsteigt der Begriff der

Ganzheit des deutschen Volkes.

Für diese Ganzheit stritten mir, für diese Ganz­heit streiten wir heute, und mir sind überglücklich, den gemaltigen Sieg errungen zu haben, daß es uns gelungen ist, durch den Appell an das Herz und den Appell an das Gemüt der Saarländer die Stimme des Blutes dort drüben sprechen zu lassen, die Stimme, die diese deutschen Volks­genossen uns miedergegeben und zu uns zurückge- führt hat, trotz aller schnöden materiellen Verspre­chungen aller Feinde Deutschlands in der ganzen Welt.

Wir sind glücklich, heute sagen zu können: Der

Nationalsozialismus in Deutschland marschiert.

Wir sind e i n Volk, wir haben unsere Ehre, und wir haben den Willen, sie zu erhalten auf ewige Zelten.

Das Programm, das mir vor zmei Jahren be­gonnen, hat schöne und große Früchte gebracht, und trotzdem missen mir, daß es nur ein kleiner Anfang ist. Um diesen Anfang auszubauen, aus diesem Anfang heraus das neue Deutschland er­stehen zu lassen,

braucht der Führer alle in Deutschland, die guten Willens sind, die die Gesinnung mitbrin­gen, sich selbst zu opfern für das Leben dieses unsterblichen Volkes.

Wir missen genau, daß mir noch viel zu ar­beiten und zu schaffen haben, mir mis­sen genau, daß mir noch viele Opfer brin­gen müssen, mir sind aber trotzdem dem Schicksal dankbar dafür, daß es uns in der heutigen Zeit leben läßt. Wir können als Zeitgenossen Adolf Hitlers Zeuge sein dieses gemaltigen Umbruchs der Seelen und Herzen der deutschen Menschen, mir dürfen Mitarbeiten an den Grund­mauern dieses tausendjährigen Reiches. Wir sind

Das Musikkorps unserer Garnison spielt den Großen Zapfenstreich. (Sämtliche Aufnahmen von Photo-Pfaffs

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