Ausgabe 
2.3.1935
 
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(unff des Reichskanzlers Hitler in Saarbrücken her­vorrief." Mit solchen und ähnlichen Worten leiten die englischen Morgenblätter ihre spal­tenlangen Meldungen über die endgültige Rückkehr der Saar zu Deutschland ein. Alle Zeitungen ver­öffentlichen drahtlos übermittelte Bilder von dem Feiertag des Saargebietes und von dem triumpha­len Einzug des Führers.Daily Telegraph" meldet: Deutsche!" dieses einzige Wort Hitlers rief einen Sterin der Begeisterung hervor. Frauen weinten vor Freude, kleine Kinder rann­ten, um ihren Führer zu sehen. Die Hörer am Rundfunk betrachteten die Rede Hitlers als mehr als eine bloße Siegeskundgebung. Sie entdeckten in ihr eine neue Geste der Freundschaft gegenüber Frankreich.

Die Erklärung Hitlers, daß sich Deutschland und Frankreich die Hände reichen soll­ten, um alle Hindernisse, die dem Frieden im Wege stehen, zu beseitigen, wird von der Presse be­sonders hervorgehoben und in Schlagzeilen mit­geteilt. Auch die Worte Hitlers über die Einheit des Deutschen Reiches und Volkes und seine Worte: Blut ist stärker als alle papiernen Dokumente" finden große Beachtung. Unter der Überschrift Hitlers Friedensappell schreibtDaily Mail" u. a.:Hitler hat von neuem seine Stellung bekräftigt als unumstrittener Vorkämpfer des deut­schen Nationalgeistes, als Verkörperet der Volks­seele und als vollkommen beherrschender Einfluß in allen Angelegenheiten, die aus den Herzen des deut­schen .Volkes ausgehen."

Die Vefreiungsfeier Berlins.

Berlin, 1, März. (DNB.) Als auf dem Rat­hausplatz in Saarbrücken die gewaltige Befreiungs­feier ihren Anfang nahm, hallte die Reichshaupt­stadt wider von dem Rhythmus endloser Marsch­kolonnen sämtlicher Parteigliederungen, die unter klingendem Spiel zu der großen Saar­kundgebung nach dem Lustgarten marschierten. Gleichzeitig rückte von der Charlottenburger Chaussee eine unübersehbare, feurige Schlange, der Fackelzug an. Voran die Ehrenkom­panie der Reichswehr, dann die Formatio­nen der Landes- und der Schutzpolizei, des Feld­jägerkorps, die Schwarzen Soldaten Adolf Hitlers, die braunen Bataillone der SA., PO., des NSKK. und NSBO., die Männer des Arbeitsdienstes, ge­folgt von der HI., den blaugrauen Fliegern, den feldgrauen des NSDFB. (Stahlhelm) und schließ­lich den Ehrevabordnungen des Luftschutzes, der Teno, des VDA. und des Kyffhäuser. Ein Bild deut­schen Kampf- und Gemeinschaftsgeistes! Von der Schloßfront grüßte weithin sichtbar eine über die ganze Schloßhöhe gespannte und von Scheinwerfern angestrahlte Hakenkreuzfahne, darüber ein leuch­tendes, weißes Transparent mit der Inschrift: Deutsch i st die S a a r".

Um 19 Uhr trafen Obergruppenführer v. I a g o w, der stellvertretende Gauleiter Staatsrat Görlitz er und wenige Minuten später Reichswehrminister Ge­neraloberst v o n B l o m b e rg in Begleitung seines Stabes ein. Im gleichen Augenblick traf d i e Spitze des Fackelzuges von den Linden kommend ein. In scharfem Rhythmus h-allte der Parademarsch der Reichswehrehrenkompanie, ein herrliches militärisches Bild im lodernden Fackel­schein. Dann tönte laut das Kommando Über den Platz:Präsentiert das Gewehr!" Und unter den Klängen des Parademarsches marschierten die Fah­nen sämtlicher Parteigliederungen auf der West­rampe des Schlosses aus. Während auf der Rampe die Magnefiumfeuer angezündet wurden und .das Schloß in seiner ganzen Front in blendender Hel­ligkeit erstrahlte, lauschten die Hunderttausend den Worten des Führers und stimmten begei­stert in die Beifallsstürme ein, die die Aetherwellen herübertrugen vom Grenzland in die Hauptstadt des Reiches. Nach Beendigung der Uebertragung begann die Reichswehrkapelle den GroßenZap- f e n st r e i ch. Unter den Klängen des Hohenfried­berger Marsches marschierten dann die Formatio­nen zum Ehrenmal, wo Reichswehrminister von Blomberg, Obergruppenführer v. I a - g o w und Staatsrat G ö r l i tz e r den Vorbeimarsch abnahmen.

M KreuzerEmden" um die halbe Well.

(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!) V.

Von East London nach Porto Amelia.

Don Korvettenkapitän (3ng) Weber*.

An Bord KreuzerEmden", im Februar 1935.

An Emden: Abstimmung an der Saar 90,04 Prozent für uns. Heil Hitler! Nord­deich." Wie ein Lauffeuer geht die N a ch r i ch t d e r K ü st e n f u n k st e l l e durch alle Decks und Raume; von Mund zu Mund, durch Fernsprecher und Sprachrohre wird sie weitergegeben. NachAlle Mann achteraus" weist in einer Ansprache an die Besatzung der Kommandant auf die vorbildliche Haltung unserer Saarländer und auf die noch gar nicht absehbare Bedeutung dieses Erfolges hin. Ein Funkspruch geht an den Führer:Sol­daten des Kreuzers Emden gedenken aus dem In­dischen Ozean in Begeisterung, Liebe und Treue des Vaterlandes, der Saar und des Führers." Drei Hurras für die Saar und unsere Heimat klingen über das Meer.

Meldung von Steuerbord-Maschine: Stb.-Ma- schine hat soeben die 5 000 OOOfte Umdrehung ge­macht. Stb.-Maschine gratuliert und wünscht weiter gute Fahrt!" Vor mir steht ein Oberheizer als Ab­gesandter des vorderen Turbinenraumes, in den Armen hält er einen übergroßen Schraubenschlüssel, der an den Enden mit Wischbaumwolle, Schrauben­muttern und Schrauben garniert ist. In der Mitte des Schlüssels steht ein Licht und zu beiden Seiten des Lichtes ist in großen Kreidelettern d i e Zahl 5000000 niedergeschrieben. Das ist ein traditio­neller Brauch, und es ist mit der Meldung allein natürlich nicht abgetan. Nach der Abendwache wird die ganze Angelegenheit noch eingehend besprochen, und an Durst fehlt es hier in den Tropen natürlich auch nicht.

3n Porto Amelia.

Am 19. Januar 1935 stehen wir morgens vor der Pombabucht, einem sehr guten Hafen im nördlichen Teil von Portugiesisch - Ostafrika (Mozambique), einem Hafen, der mit 13 Kilometer Länge, 8 Kilo­meter Breite und einer guten Einfahrt als einer der geräumig ft en Naturhäfen der Welt gilt. Zunächst taucht linker Hand ein Negerdorf mit eng aneinander gebauten Hüt­ten auf und nach einer Wendung nach Backbord sieht man Porto Amelia liegen. Es ist nur ein kleines, sehr stilles Städtchen mit 2000 Einwohnern, unter ihnen 70 Weiße. Das Deutschtum ist in diesem Orte und seiner Umgebung nicht stark ver­treten, mit Frauen und Kindern sind es etwa 60: Kaufleute, Farmer und Angestellte auf den Pflan­zungen. Ein Teil von ihnen sind richtigeAfri­kander", sie sind nach dem Kriege aus Deutsch- Oftafrika in diese neue Heimat übergesiedelt; andere sind in der Zeit der vierzehn Jahre nach dem Kriege ausgewandert. Alle fühlen sich wohl hier, sind ge­achtet und werden von den portugiesischen Behörden unterstützt. Die meisten sind für ein paar Tage zu unserem Einlaufen herbeigekommen, trotzdem man­cher von ihnen der Landmann wird das be­urteilen können von seiner Farm sich nur mit Bedenken loslösen konnte. Es sind Menschen, wie ich sie bereits in meinem Bericht über Angola gekenn­zeichnet habe: verwachsen mit ihrem Boden, dankbar und hilfsbereit dem Gastgeber- lande gegenüber, aber mit allen Fasern ihres Her­zens an der deutschen Heimat hängend. Die Aussichten, die deutsche Auswanderer hier haben, sind dieselben wie in Portugiesisch-Angola: Charakter, landwirtschaftliche Kenntnisse und Geld sind notwendig, letzteres vor allem jetzt, wo die Weltwirtschaftskrise überall tobt. Und noch eins muß man in diesem Zusammenhang sagen: der deutsche Auswanderer soll sich eine deutsche Frau

* Vgl. Nr. 40 des Gießener Anz. vom 16. Febr.

nehmen, damit er deutsche Kinder kriegt, denn an­ders ist er nur Kulturdünger.

Porto Amelia ist für uns ein 21 u s b 1l du ngs - Hafen, so können die Einladungen der Deutschen auf ihre Farmen nicht alle berücksichtigt werden. Nur einige wenige können von Bord. Mit etwas Bedenken werden diese Ausflüge angetreten, Denn schon längst hätte die Regenzeit einsetzen müssen, und setzt sie ein, dann ist das Fortkommen mit einem Kraftwagen kaum mehr möglich. Schließ­lich wird aber doch aufgebrochen, gegebenenfalls muß der Weg zurück zu Fuß gemacht werden, Soldaten können ja marschieren. Um es vorweg zu nehmen, alle trafen hier wieder auf normale Weise ein, aber kurz nach der Rückkehr unsererBusch­männer" setzte der Regen ein und zwar ein echter Tropenregen.

Man darf dem seefahrenden Volke natürlich nicht alles glauben, was sie erzählen, aber auch schon 50 v. H. von dem, was sie nach ihrer Rückkehr er­zählen, reicht aus, um sich daran begeistern zu können. Ein Teil ein Offizier, ein Feldwebel, drei Unteroffiziere und fünf Mann, die stärkste Expedition" begibt sich nach der Pflanzung N a m a n j e. Zunächst bringt sie unser Verkehrs­boot bis zur gegenüberliegenden Seite der Bucht, wo der Zoll sie erwartet. Beanstandungen gibt es nicht, die Waffenscheine jeder hat selbstverständ­lich ein Gewehr mit und beabsichtigt einen Löwen zu schießen sind in Ordnung. Die Fahrt geht weiter mit einem Leichter bis in die See hinaus, durch kleine Inselgruppen hindurch. Ein kleiner Fluß wird angesteuert und die Navigation fangt an wegen der einbrechenden Dunkelheit schwieriger zu werden. Nach weiterer zweistündiger Fahrt ge­langt man endlich an d i e Anlegestelle der Pflanzung. Jetzt werden die Expebitwnsmit- glieder aufgeteilt, mit Opelwagen und Eisenbahn­loren letztere werden von Negern geschoben geht es zu den einzelnen Wohnungen der Deutschen.

Die nächsten Tage bringen viel Abwechselung, vor allem ist es öie Jagd, die eine fieberhafte Unruhe in alle hinein gebracht hat, schon allem deshalb, weil zwei Löwen und em Leo­pard sich auf der Farm herumtreiben sollen. Lei­der hat niemand die Tiere zu Gesicht bekommen, denn jetzt zu Beginn der Regenzeit steht bas Gras im Busch übermannshoch und bildet den besten Schlupfwinkel für das Wild. Aber Wild­schweine und Buschböcke werden geschossen und der Fährte eines Flußpferdes nachgespurt. Mit Eifer find die Neger, die selbst keine Waffen besitzen und kein Wild jagen dürfen, habet, mit Fingerzeigen und Augenzwinkern weisen sie den danna-Deutschen auf das stehende Wild, das ihre buschgewohnten Augen sofort erspähen.Banna" ist der Ausdruck fürHerr" und, um die einzelnen Weißen zu unterscheiden, setzen sie dahinter einen Begriff, der die hauptsächlichste Tätigkeit bes zu Bezeichnenben ausmacht. So gibt es ben Begriff banna-Geld für ben, ber den Lohn berechnet unb auszahlt, banna-Fabrik für ben Ingenieur, banna» Pflanzung unb schließlich banna=cuba, ber große Herr unb bas ist ber Pflanzungsleiter. Auch banna» Heini gibt es, weil seine Frau ihn mit bem Namen Heini ruft. Fröhlich unb lustig geht es so auf allen Farmen zu, überall herrscht bie Jagb vor unb grau­siges Jägerlatein wirb abenbs von ben Pflanzern aU^ber^aud) wir Daheimgebliebenen ver­leben schöne Tage. Nach bem Dienst führen uns bie beibert in Porto Amelia lebenben Deutschen burch das Negerborf, unb bie Photojäger haben hier ge­nug Gelegenheit, interessante Momente auf ber Flotte festzuhalten. Uebrigens haben wir 298 sol­cher Jäger an Borb, jeher von ihnen besitzt einen Apparat. Auch burch bie wenigen indischen G e- schäfte schlenbern wir. Man hanbelt hier genau noch so wie vor hunbert unb mehr Jahren, her Neger bringt seine Ware unb erhält aus bem Ge­schäft irgenb etwas anberes. Meistens nehmen sie als Gegenwert bunte Tüncher für ihre Frauen, unb genau wie bei uns zu Hause müssen bieDa­men" in ber nächstenSaison" roieba ein neues

Tuch haben, denn die Mobe hat gewechselt, man trägt in biesem Jahr anbere Streifen unb anbere Farben.

Auch in bie Umgebung bringen uns unsere Freunde. Ohne uns anzumelben, fahren wir auf eine Farm in Marunga, selbstverstänblich stark bewaffnet an biesem Tage finb insgesamt 58 Gewehre an Lanb, aber wir haben kein Jagb- glück, nur eine größere Katzenart sehen wir plötz. lich in bem Scheinwerferlicht unseres Wagens. Loben muß man bie außerorbentliche ® a ft freunbschaft her Farmer. Bei unserer Ankunft auf ber Pflanzung ist niemanb zu Hause, aber ber schwarze Boy holt trotzbem alles herbei, benn er hat Anweisung von seinem banna-cuba, keinen Weißen unbewirtet weiterziehen zu lassen. Als bann später ber Herr unb bie Frau bes Hauses kommen, wirb ein Abenbessen gerabezu schlagartig auf ben Tisch gezaubert. Auch bie Gelegenheit, einer Goma, einem Negertanz beizuwohnen, wirb uns an biesem Abenb noch gegeben unb es ist ro­mantisch, bem Rhythmus ber tanzenben Männer- unb Frauengruppen zuzusehen. Sie tanzen unb essen bis zum frühen Morgen.

Aber bald gehen auch bie Tage von Porto Amelia zu Enbe. Wer von uns wäre nicht gerne ein paar Tage wenigstens länger hier geblieben, hier, wo man noch das unberührte Afrika erlebt. Aber wir müssen weiter, am 28. Januar laufen wir mit dem Kurs auf Mombassa aus.

3n Mombassa.

Nachbem wir in See in roürbiger Weise bes 3 0. Januar gebucht haben, läuft ber Kreuzer Emben zwei Tage später in Mombassa ein. Die schmale Einfahrt nach Mombassa, bem Haupt­hafen ber britischen Kenya-Kolonie an ber Ostkuste Afrikas, bietet an beiben Ufern herrliche Silber; Buschwerk, Palrnenwälber unb große Mengen von Affenbrotbäumen ziehen sich hort entlang, unb in ihrem Schatten stehen schöne Villen ber Europäer, Jnber unb Araber. Mombassa hat zwei Häfen, von denen ber eine unmittelbar vor ber Stabt, ber anbere auf ber gegenüberliegenben Seite ber Insel, auf der diese Stadt liegt, angelegt ist. Letzterer er heißt Kilinbini ist ber für größere Schiffe bestimmte, er hat moberne Liegeplätze, Lagerschup­pen, Kräne usw. Man fühlt sofort, daß man sich hier in einem Handelsmittelpunkte ber afrikanischen Ostküste befinbet, Kaffee, Sisal, Mais unb Häute werben neben manchem anberen Produkt bes Landes verschifft unb ber größte Teil ber xDom Sähen unb burch ben Suez­kanal fommenben unb für ben Afrikadienst be­stimmten Dampser legen in biesem Hafen an. Wir gehen in Kilinbini an ben Pier, herzlich begrüßt von unseren deutschen ßanbsleuten, benen bie Freude über unser Kommen aus den Augen strahlt. Unter diesen ßanbsleuten finb auch solche, bie weit im Innern von Kenya, in Nairobi usw. wahnen. Sogar Deutsch-Ostafrikaner fehlen nicht. Das Programm, das sie uns unterbreiten, sieht manches Schöne vor und ist lückenlos bis in bie letzten Kleinigkeiten hinein unb bis zur letzten Minute durchdacht. Man muß hier mit sehr viel Liebe zu Werke gegangen sein, als man unseren Eknpfang vorbereitete.

Wir gehen an Land, fahren kreuz unb quer burch bie Insel, schlenbern burch bas Europäervier- t e l, burch bie Geschäfte ber Jnber unb burch ben Basar. Man merkt sofort: Die letzte Seefahrt hat uns in bie unmittelbare Nähe bes Orients gebracht. Besonders interessant ist es im Basar, im allen Mombassa. Eng finb bie Straßen, unb zwischen bie Steinhäuser ber Jnber hier unb da eingeftnut liegen bie Lehmhütten ber Schwarzen. Der Weg führt uns vorbei an schön geschnitzten Türen und an einer Moschee. Wenn man auf bas Döller- gemisch sieht, glaubt man an einem Schei.depunct zwischen bem Orient unb Afrika zu sein. Der I n - ber herrscht vor, er betrachtet ja Afrika als sein Amerika in bezug auf bie Auswanderungsmögnch- Eeiten für fein übervölkertes Mutterlanb. Aber auch ber Araber, ber schon vor Jahrhunderten sich hier niedergelassen hat, ist stark vertreten. Im ganzen ist es ein farbenfrohes Bilb, man sieht ben Fez bes Mohammebaners, bie verschiebenartigen Kopf-

Der alte Fahrensmann, ber zusah damals war er ganze achtzehn hat während her Hosen­mahlzeit die unangenehmsten Gefühle in fernen lebendigen Beinen gehabt. Er redete sich ein, es sei ber Ischiasnerv, aber er wußte natürlich ganz genau, was es war. Später ist ihm bie englische Lederhose im Traum erschienen unb hat bie Beine haben wollen, bie zu ihr gehörten. Seme Logis- genos en erzählten ihm am anberen Morgen, er habe im Schlaf tief aufgeseufzt:Wie gut, baß sie nicht drinsteckten ..."

Erfreulicherweise ist ber Genuß bes Umgangs mit Haien auch bem Schwächsten ermöglicht, benn ber Hai ist feige. Als wir auf her Höhe ber Galäpagos- Jnfeln, bie burch ben verstorbenen Herrn Ritter in Deutschland populär geworben finb, ein Boot aus» setzten, um eine Schilbkröte zu fangen, kam ein Hai ganz bicht heran, unb bas ärgerte benn ja ben Steuermann Jessen. Er nahm ben langen Eschen­riemen, mit bem er bas Boot achtern lenkte, unb stieß ben Hai vor bie Nase. Wenn ber Hai gewollt hätte, würbe er aus bem unliebensroürbigen Steuer­mann Jessen nebst sämtlichen Bootsinsassen Ragout gemacht haben, denn ber Kerl war gut sechs Meter lang. Aber er wollte nicht, er bachte nur ans Aus­reißern Kein Häschen kann geschwinber oerbuften als ein Hai, ber eins auf bie Nase gekriegt hat.

Der Kollege bes Herrn Jessen, ber Müller hieß, behauptet zwar, hies sei nicht bie richtige Art, mit Haien umzugehen, unb fast an jebem Sonntagmor­gen bemonftrierte er uns bas System, bas er sich zurechtgelegt. Müller, wegen seiner Khakijacke auch her Gelbe" genannt, lehnte bann an ber Reling bes sicheren Halbbecks unb schoß auf bie amüsierten Haie aus einer Reiterpistole, bie angeblich schon ein Vorfahr, ber Felbkornett Müller, im Dreißigjähri­gen Kriege ohne bemerkenswerten Erfolg in Tätig­keit gesetzt haben soll. Es war immer ein allerlieb­ster Anblick, wie Herr Müller sich mühte, seine Kanone abzuziehen, unb wie die Haie, bie am Sonntag auch mal Spaß verstehen können, einen lustigen'Ringelreihen um bie aufspritzenben Geschosse tanzten. Wer Humor im Leibe hat, mag sich immer­hin auf biese Weise mit ben Haien beschäftigen; er soll sich aber um Gottes willen nicht einbilben, baß der Hai, wenn er ihn einmal erwischt, aus Freund­schaft für ben guten Spielonkel auf bie Mahlzeit verzichtet. Haie sinh in biefer Beziehung krasse Ma­terialisten.

Die einzigen, bie wirklich mit ben Hai umzugehen wissen, verdanken ihre Beliebtheit ber Anpassung an jenes immer vorhanbene Verlangen bes großen Brubers nach bem vollbesetzten kalten Buffet. Es finb bies hie kleinen schwarz unb blau gestreiften Lotsenfische, bie ben Hai zur Futterkrippe führen. Ihnen tut er nichts, obwohl sie anbauernb um fein

Leber denLmgangmilHaifischen.

Don Waldemar Keller.

Wer sich, zwecks Durchbilbung feiner Gesellschafts- fähigkeit, barüber unterrichten will, wie man mit Haifischen umgeht, wirb Auskunft natürlich nur von einem alten Fahrensmann erlangen können, bas heißt von einem Manne, ber minbeftens sechs­mal an Borb eines Winbjammers Kap Horn um­segelt hat. Der Schlag ist heute im Aussterben, unb es wirb daher für ben Wißbegierigen höchste Zeit.

Zunächst einmal wirb ihm her alte Fahrensmann sagen, baß man nicht vonHaifischen" spricht. Das ist so eine Wortvemieblichung, bie offenbar von 21quarienfreunben stammt; auf See kennt man nur Haie, runbweg Haie ber Fisch versteht sich von selber. Wer auf See vonHaifischen" rebet, gibt zu erkennen, baß er über ben Ranb seiner Babe- manne noch nicht ins nasse Element vorgebrungen ist.

Der Hai barf als Respektsperson gelten. Der alte Fahrensmann wirb bas erläutern müssen. Als wir, beispielsweise, auf bem SübseeklipperMarion Frazer" ein solches Vieh erwischten, schlug es mit bem Schwanz gegen eine Teakholzkante unb schlug glatt ein Stück bavon ab. Teakholz ist so hart wie Eisen; selbst ein kräftiger Arm, ber ein Hanbbeil führt, vermag kaum etwas dagegen auszurichten. Der Schwanz bes Hais aber vermochte es. Kein Wunber, nicht wahr, baß ber Hai als unangenehm wirkenbe Respektsperson gilt.

Obwohl er es nicht verdient hat, kommt man ihm hoch am besten mit gesteigerter Achtung ent­gegen. Niemals näher als höchstens fünf Schritt Herangehen bas sollte beim Umaang mit ge­fangenen Haien eherner Grunbsatz sein. Befinbet sich aber ber Hai im Wasser unb berjenige, ber sich mit ihm beschäftigen muß, auch, so ist ber Absianb um ein bebeutenbes zu verlängern. Davon später.

lieber bas Gebiß des Hais ist viel berichtet wor­den; es- stimmt, daß für Zahnärzte hier keine Aus­sichten bestehen. Peber Eyemose, ber Koch, bem ber Schreiber biefer Zeilen m einem seiner Romane ein ewiges Denkmal gesetzt hat, steckte einmal einem Hai ein zweizölliges Eichenbrett zwischen bie Kiefer, unb obschon biefer Hai nicht mehr ganz war, benn seine Leber zerfloß bereits im Trankesfel, zerknackte er hoch bas Eichenbrett, als fei es Zigarrenkisten­holz. Peber Egemose lernte daraus, daß auch ber Umgang mit einem Hai ohne Leber gewisse Ge­fahren in sich birgt. .

Im übrigen ist es selten, baß sich em Schifss- koch zu einer so aktiven Hanblung hinrelßen laßt. Jeder von uns hat schon einmal im Zirkus gesehen, wenn die Stallmeister den Teppich aufrollen, und der August kommt und schreit: Arbeiten, arbeiten!

Genau so verhält sich, im allgemeinen, der Koch beim Haifang. Peber Egemose nicht ausgenommen, er hatte nur manchmal heroische Anwanblungen. Jetzt kann man bas ruhig sagen. Peber Egemose ist tot, er kann sich nicht mehr rächen, inbem er Kakerlaken in die Erbsensuppe schmeißt.

Peinlich ist es, darüber nachzudenken, was für einen gesunden Maaen so ein Hai hat. Zweifellos gehört die Nachbarschaft von Magenkranken nicht zu ben Annehmlichkeiten. Aber wieviel einfacher wäre ber Umgang mit Haien, wenn sie alle an chronischer Magenübersäuerung litten unb nur von trockenen Semmeln unb Haferschleim leben müßten. Leiber kann bavon keine Rebe sein. Der Marl- spieker, ben wir im Magen eines sehr munteren Hais fanden, zeugt gar zu sehr für bie gute Be­schaffenheit ber Derbauungsorgane biefer Sorte von Lebewesen. Ein Marlspieker ift nämlich ein etwa breihig Zentimeter langes, runbliches, spitzzulaufen- bes Stück Stahl, mit hem bie Seeleute früher, als es noch richtige Seeleute gab, Trossen spleißten unb jene geheimnisvollen Knoten machten, bie man türkischer Bunb" nannte. Trotz bes Marispiekers schien ber Hai nicht im geringsten unter Magen­drücken zu leiben, er betunbete sogar lebhafte Neigung, noch mehr zu verschlucken, es tat ihm aber keiner ben Gefallen, unb ba erinnerte sich nun ber alte Fahrensmann an feine speckige englische Leberhose, bie er in der Nähe der Palmerston- Inseln über Bord warf, unb wenn er sich baran erinnert, wirb ihm heute noch schwach.

Mit ber Hose kommen wir auf bas Thema Freier Hai im freien Wasser". Die Geschichte war solgenbermahen: Das Schiff, ein großer Viermaster, lag faul in einer absoluten Winbstille, unb zwei Haie machten sich ben Spaß, runb um ben schau- felnben Stahlleib bes außer Betrieb gesetzten Seg­lers ein Sechstagerennen zu veranstalten. Sie schwammen ohne Hast, es war ein stetigneutra­lisiertes" Rennen, offenbar erwarteten sie, daß gelegentlich ein paar Salzfleischknochen von oben kommen würben. Es kam bann auch was von oben, unb zwar jene mit Del, Mennige unb Kohlenbreck beschmierte englische Leberhose, bie ihr Besitzer los» werben wollte, weil sie ihn mehrfach des Nachts erschreckt hatte; sie blieb nämlich, wenn er sie aus­zog, wie eine Ritterrüstung vor seiner Koje stehen unb ähnelte bei Monbschein einem Gespenst. Kaum war bie steife Hose aufs Wasser aufgeschlagen, ba packte der Hai, ber links schwamm, bas linke Bein, unb ber Hai, ber rechts schwamm, packte bas rechte, unb wie so die Hosenbeine in den Rachen ver­schwanden, machte es den Eindruck, als ob die Haie Spaghetti lutschten. Dann gab es einen kleinen Knall, jeder hatte seine Hälfte, das Sechstagerennen i wurde fortgesetzt.

Maul herumschwimmen. Zuweilen aber spielen sie ihm einen Streich. Die Möglichkeit gemeiner Rache­akte soll man nicht ausschließen, denn wer will be­haupten, daß sich der Lotsenfisch nicht ärgert unb bann seinen bösen Instinkten freien Lauf läßt? Vielleicht war es ber Mißgunst eines solchen Pilo­ten zuzuschreiben, baß ber Hai, ben wir in Santa Rosalia an einer unserer Weißfischangeln hängen fanben, einen für Haie überaus beschämenben Tod sterben mußte. Er hatte, aufmerksam gemacht von seinem heimtückischen Wegweiser, bas Stückchen Köberspeck gierig verschlungen; offenbar jeboch be­staub zwischen bem Lotsenfisch unb bem Angelhaken eine geheime Derabrebung, benn ber Angelhaken klemmte sich berart nieberträchtig in den Gaumen des unglücklichen Hais, daß er die Maulsperre be­kam und bis oben hin voll Salzwasser lief. Als wir ihn abnahmen, war er wie eine Ratte ersoffen.

Der alte Fahrensmann hat diese Geschichte ein­mal einem Boxer erzählt, und darauf ift es zurück­zuführen, daß ihm die unteren Schneidezähne feh­len. Der Boxer war jedoch im Irrtum. Es handelt sich nicht um ein hinterm Ofen gesponnenes Lü­gengarn, sondern die Sache hat sich tatsächlich so zugetragen. Das Schiff hießLisbeth", ber Kapi­tän war 54 Jahre alt, unb ber Koch hatte einen grauen Spitzbart. Daraus schon ergibt sich bie Zu­verlässigkeit bes Berichterstatters.

Man kann sich beim Umgang mit Haien aller möglichen Instrumente bebienen, von ber Reiterpi­stole bis zum Angelhaken, nur bas Messer soll man schicklicherweise nicht benutzen. Sonst ergeht es einem wie jenem babenben Englänber, ber sich bes Angriffs auf biese primitive Art erwehren wollte, unb bem her Hai vorwurfsvoll zurief:2lber, Sir, Fisch mit bem Messer!"

Seine gute Kinberstube soll man auch im Verkehr mit Haien nie außer acht lassen.

Mißlungene Rache.

In ßonbon ist kürzlich ein Großkaufmann ge­storben, her sein stattliches Vermögen von etwa 200 000 Psunb nicht seiner Frau, fonbern ber Prin­zessin Marina, ber jetzigen Herzogin von Kent, ver­machte. Das geschah nicht aus Verehrung für bie Prinzessin, fonbern aus Rache an feiner Frau, weil sie ihn nie in Ruhe habe seine Zeitung lesen lassen, es vielmehr gerabezu barauf abgesehen hätte, ihn stets um ben Genuß biefer Lektüre zu bringen. Ganz leer geht bie Witwe allerbings nicht aus: sie erbt einen Schilling. Die Rache kann aber schon als mißlungen bezeichnet werben, ba nach bem eng­lischen Gesetz Mitglieber ber königlichen Familie von Privaten keine Erbschaften antreten dürfen.