Da hatte es der rote Emissär schon leichter, der mit dem den Sowjets eigenem Geschick nationale Ideale mit weltrevolutioären Gedankengängen zu mischen verstand. Die von Moskau bezahlte Propaganda hat zweifellos in der malayischen Welt Fortschritte gemacht, und die Zahl der nach den australischen Inseln verbannten roten Revolutionäre aus den niederländischen Besitzungen ist in ständigem Steigen begriffen. Selbst Siam blieb von dieser Bewegung nicht verschont, und die jüngsten Vorgänge um die Person des Königs haben ihren letzten Grund in den Moskauer Umtrieben in Bangkok. Es ist leicht, ein System zu stürzen, aber unendlich schwer, an seine Stelle etwas Neues zu setzen. Der Bauer und Jäger in der Welt der siamesischen Wähler mag keine westliche Bildung haben. Wohl aber besitzt er ein untrügliches Gefühl für Fremdes, das er blutsmäßig als feindlich ansieht. Das ist in Siam genau so wie anderwärts auf dem weiten Erdenrund. Und es heißt nun eben abwarten, ob die „konstitutionellen" Versuche in Bangkok von Erfolg gekrönt sein oder weiter ins Extrem führen werden, zur Freude derer, die Siams Feinde sind.
Der dritte Grund für das Erwachen der malayischen Welt ist in den Versuchen Japans zu finden, auch in diesem Raume die panasiatische Bewegung: „Asien den Asiaten" zu entfachen. Dieses Unternehmen verspricht von allen am meisten Erfolge. Der Japaner steht naturgemäß den Ma- layen seelisch viel näher als der Weiße, sind doch die Bewohner Nippons selbst aus der Vermischung nordmongolischer Stämme mit malayischen Völkerschaften des Südens entstanden. Japan will hier nicht erobern, sondern „erwecke n", will gegen die Fremdherrschaft Volkskräfte mobilisieren. Diese Bewegung gewinnt dauernd an Anhängern, und auf sie sind die britischen Manöver zurückzuführen. Ihretwegen soll mit größter Beschleunigung alles getan werden, um einen Angriff auf Singapore von der Seeseite her zu verhindern. Deswegen endlich erstrebt die britische Regierung ein Abkommen mit Washington, Paris und dem Haag über eine gemeinsame Sicherung der Interessen der Westmächte gegenüber den Plänen Japans. Im Reichstag in Tokio hingegen beschäftigt man sich mit der Schaffung einer zusätzlichen Bauernhilfe und einer Selbstverwaltung für die stark mit Malayen untermischte Bevölkerung der Insel Formosa ...
Der Raum um das Südchinesische Meer ist also gegenwärtig der Schauplatz eines vorläufig noch fast unblutigen Ringens zwischen staatlichen und weltanschaulichen Mächten. Wir finden hier fast alle vertreten: Die Vereinigten Staaten von Amerika, Großbritannien, Frankreich und die Niederlande, Moskau und Japan — und ihr gemeinsames Schachbrett ist die malayische Welt, ihre Figuren und Objekte die Millionen der malayischen Rasse. Noch ist nicht abzusehen, wer der schließliche Gewinner dieses Spieles mit gewaltigen Einsätzen um riesige materielle und moralische Güter sein wird. Die militärischen Stellungen an den Straßen von Malakka, Singapore und Balabac (zwischen Borneo und den Philippinen) mögen von größter Wichtigkeit sein. Noch größer aber ist zweifellos der wirtschaftliche Reichtum des malayischen Archipels, dessen Rohstoffbasis bei pfleglicher Behandlung den Bedürfnissen fast des gesamten Erdkreises genügen könnte. Und um eben diese Reichtümer geht es im Letzten ...
Kühn sind die malayischen Träume, die von einem Siam der Zukunft sprechen, das seine Küsten von den Wassern zweier Weltmeere bespülen läßt. Träume von einer Einigung aller malayischen Menschen, die von malayischen „Verwandten" sogar in Mittelamerika zu erzählen wissen. Verwegen auch sind die Pläne Moskaus, die zu den „revolutionären" Massen Chinas auch die Malayen zählen möchten, um den großen Schlag gegen Japan und England führen zu können. Die Niederlande hoffen auf eine noch mächtigere wirtschaftliche Stellung durch den Ausbau und die rationelle Ausbeutung der Rohstoffquellen der Sundainseln, Großbritannien glaubt an seine ewig unangreifbare Machtposition in Singapore. Und selbst Frankreich wiegt sich in der Hoffnung, einst zu seinen schwarzen und braunen auch noch gelbe Soldaten zu erhalten, —
aus Gründen der Sicherheit. Aber Japan ist überzeugt, daß der Tag kommen werde, an dem der letzte weiße Kolonialsoldat, das letzte westliche Langrohrgeschütz und Flugzeugmutterschiff aus Süd- ostasiens Gewässern verschwindet, den Weg srei- machend in den menschenleeren Erdteil zwischen dem pazifischen Paradies und den Wassern der Antarktis.
Das sind die Träume und Hoffnung. Nur einer ist ohne jegliche Phantasie, kennt nur Fleiß und Arbeit: der chinesische Handwerker und Händler. Er kommt ohne Waffen, ohne Spione
Unter dem Titel „Der Kampf um die Wiedergeburt des Volkes und feine Erfolgsaussichten" hat Friedrich Burgdörfer im „Archiv für Bevölkerungswissenschaft (Volkskunde) und Bevölkerungspolitik" (Verlag S. Hirzel, Leipzig) außergewöhnlich interessante Ausführungen veröffentlicht. Burgdörfer ist Direktor im Statistischen Reichsamt, und so behandelt sein Aufsatz vorwiegend statistische Fragen. Statistik ist eine trockene Materie. Wenn aber diese toten Zahlenreihen belebt werden von tiefer Erkenntnis innerster Zusammenhänge, so lesen sie sich interessanter als die spannendsten Geschichtsbücher und die fesselndsten Romane.
Denn heutzutage ist unser Auge geschärft durch die bevölkerungspolitische Propaganda und die erbbiologische Schulung, die weite Kreise des Volkes erfaßt und durchsetzt hat. Wir wissen heute, warum alte Kulturvölker wie die Babylonier, die Aegyp- ter, die Hellenen und Römer aus höchster Blüte und Machtentfaltung herabsanken in das Nichts völkischer und politischer Bedeutungslosigkeit. Wir wissen aber auch, warum andere, ebenso alte oder ältere Kulturen wie die der Chinesen und Japaner über viele Jahrtausende hin sich in ungeschwächter Kraft erhalten konnten. Bei den einen nicht etwa verlorene Kriege, Revolutionen,
und ohne Emissäre ins Land, arm und zerrissen; nach einer bis zwei Generationen ist seine ganze Familie eingetroffen. Eine Unzahl von Menschen, und alle sind nun reich, alle arbeiten und verdienen. Diese Eroberung schreitet unaufhaltsam vorwärts. Sie ist bereits ein ansehnlicher Machtfaktor in der gesamten malayischen Welt geworden und ist vielleicht ernster zu nehmen als London und Paris, als Tokio und Bangkok, Moskau und Washington. Man denkt an die Worte Li-jung-tschangs an General Waldersee: „Das ewige China..."
Seuchen, Hungersnöte (wie wir es in der Schule lernten), sondern S e l b st m o r d der führenden, zur Erneuerung und ewigen Verjüngung des Volkes befähigten Schichten durch Kinderlosigkeit, Ueppigkeit und La st er. Auf der anderen Seite trotz Krieg, Revolution, Pestilenzen, Ueberschwemmungen und Erdbeben, die immer wieder Millionen dahinrafften, unversiegbare Lebenskraft und stete Erneuerung durch den im Religiösen verwurzelten Ahnenkult, durch die überragende Stellung und Geltung der Familie im gesamten völkischen Dasein.
Aus solchem Wissen heraus berührt es uns heute wie ein Schauer des Todes, wenn wir etwa folgende aanz trockene Zahlen lesen: Frankreich das klassische Land des Geburtenrückganges hat aufs Tausend der Bevölkerung immerhin noch über 17 Geburten, Deutschland dagegen nach der letzten gültigen Jahresstatistik 1933, nur 14,7. Japan hat bei etwa gleicher Einwohnerzahl wie Deutschland mehr als doppelt soviel Geburten wie wir. Polen hat nur halb so viel Einwohner als das Deutsche Reich und dennoch die gleiche Geburtenzahl wie wir. „Biologische Selbstverstümmelung" des deutschen Volkes nennt Friedrich Burgdörfer dieses beispiellose Versagen'
des deutschen Volkes, besten Nachwuchs schon seit 1926 nicht mehr ausreicht, um in Zukunft auch nur seinen Bestand zu erhalten.
Noch in anderer Hinsicht sind die Burgdörfer» schen Zahlen aufschlußreich und konstruktiv. Eheschließungen und Geburtenzahlen dokumentieren die stillschweigende, vielfach unbewußte Einstellung eines Volkes zu seiner Staatslenkung. Nach dem Kriege mit seinem selbstverständlichen tiefsten Darniederliegen gab es einen zunächst imposant erscheinenden Aufschwung sowohl bei den Eheschließungen, als auch bei den Geburtenzahlen. Als aber die Enttäuschung weiter Volkskreise einsetzte, als Jahr um Jahr, auch nach der Ueberwin- dung der Inflation, unser nationales Leben mehr und mehr erlahmte, jeder Selbstbehauptungswille erstarb, schließlich fast Verzweiflung herrschte, da sanken auch die Zahlen der Eheschließungen und der Geburten auf noch nie dagewesenen Tiefstand.
Man bedenke, daß wir in Deutschland um 1870 etwa 40 Geburten auf tausend Einwohner hatten, daß um die Jahrhundertwende noch über 30 aufs Tausend kamen, daß wir jetzt auf 14,7 abgesunken waren. Früher kam auf jede dritte Frau im gebärfähigen Alter ein Kind, jetzt beispielsweise in Berlin auf jede 17.! Ein solches biologisches Versagen des ganzen Volkes war die Quittung auf das staatsmännische Versagen all der zahlreichen Regierungen der Nachkriegszeit. Der Lebenswille des Volkes, sein Glaube und seine Zukunftshoffnung waren tief* stens erschüttert.
Dann kam der Umschwung, dann ergriff mit Beginn des Jahres 1933 Adolf Hitler das Steuer. Im selben Augenblick setzte fast automatisch eine Steigerung der Heiratszahlen ein, die sich so außerordentlich gut entwickelt hat, daß das Deutsche Reich unter sämtlichen Ländern der Welt jetzt bei weitem an der Spitze marschiert. Schon im zweiten Vierteljahr des Jahres 1933 betrugen auf tausend Einwohner berechnet die deutschen Heirats- Ziffern 9,7 (im Vorjahre 8,3, im Jahre 1913 9,0). Aus gleicher Höhe hielten sie sich im dritten Vierteljahr, während sie im vierten Vierteljahr sogar auf 13,5 emporstiegen, wobei zu bedenken ist, daß der Jahresdurchschnitt des Jahres 1913 (also der Vorkriegszeit) nur 7,8 betragen hatte und im Jahre 1931/32 8,0 und 7,9. In absoluten Zahlen ausgedrückt bedeutet das, daß im Jahre 1933 im Deutschen Reich 631000 Ehen geschlossen wurden. Damit steigerte sich die Zahl der Eheschließungen gegen das Vorjahr um 121 000 oder rund 24 o. H.
Nun werden die berufsmäßigen Meckerer einzuwenden haben, daß diese gewaltige Steigerung der Heiratsfreudigkeit durch die Gewährung der Ehe- ftandsdarlehen hervorgerufen sei. Zunächst ist demgegenüber zu betonen, daß diese Feststellung die Bedeutung der erfreulichen Aufwärtsentwicklung in keiner Weise herabsetzt. Vielmehr ist nur eine B e st ä t i g u n g der richtiggetroffenen Regierungs- Maßnahme und ihrer Uebereinstimmung mit dem Volksempfinden daraus ersichtlich. Man darf aber nicht glauben, daß ein Darlehen von ein paar hundert Mark einzig entscheidend für das Eingehen einer Ehe sein kann. Daß es sich tat- sächlich um eine Wandlung in der inneren E i n st e l l u n g des deutschen Volkes zum Problem der Ehe gehandelt hat, geht vielmehr daraus hervor, daß der Anstieg der Heiratsziffer schon l ä n g st vor dem Gesetz über die Gewährung der Ehestandsdarlehen, das frühestens im August sich aus- wirken konnte, nämlich im zweiten Vierteljahr einsetzte. Schon in diesem Vierteljahr lag eine Steigerung im gesamten Reichsdurchschnitt, nämlich eine Zunahme der Eheschließungen um 17 v. H. vor.'
Weiterhin werden die Allesbesserwisser einwenden, daß auch in anderen Ländern im Jähre 1933 eine Zunahme der Eheschließungen festgestellt wurde. Auch das ist durchaus richtig. So hatte die Schweiz z. B. eine Zunahme von 0,03 v. H., Frank- reich 0,1 v. H., Portugal 1,0 o. H.. diese Zahlen steigern sich bei Großbritannien auf 3,4, bei Schweden auf 4,2 und bei Italien, das ja auch bewußt bevölkerungspolitische Propaganda betreibt, sogar auf 6,3. Im Deutschen Reich war bereits im ersten Vierteljahr nach der Machtergreifung eine Steigerung um 17 v. H. und im gesamten Reichsdurch- schnitt um 23,7 v. H. festzustellen. Es handelt sich also tatsächlich um einen Weltrekord!
Verdrießlich ist das Waffenspiel, wenn aus -em Schützen wir- -as Ziel.
Das französische Torpedoboot „O u r a g a n" hat beim Uebungsschießen sich selbst einen Torpedo ins Heck geschossen. Der Torpedo, dessen Steuermechanismus falsch eingestellt war, beschrieb — wie ein Bumerang — eine Schleife, kehrte zum Schiff zurück und schlug in dessen Heck ein, ohne allerdings großen Schaden anzurichten.
Auch ein -eutscher Wellrekor-.
Von Dr. C. Thomalla.
Ein Laie wun-eri sich über Eishockey. Von Georg Mühlen-Schulte.
Wächters drei im Tor? Wenn sie ihre Schlittschuhe breitstellen und sich unterhaken, kann die Scheibe unmöglich vorbei. Alles wäre durch diese kleine Maßregel ungefährlicher und bequemer; die Leute könnten Zeitung lesen oder Kreuzworträtsel raten, und sie würden schön bei Atem bleiben.
Ich verstehe nicht viel von den Spielregeln des Eishockey. Zum Beispiel könnte man mir erzählen, daß ein Abseits dann gegeben wird, wenn einer der Spieler die Scheibe in die Tasche steckt und die Bahn verläßt, um erst mal einen Grog zu trinken oder einer schönen Frau seiner Bekanntschaft die Hand zu küssen. Diese Erklärung würde ich ohne weiteres schlucken, denn ich kenne keine bessere. Aber ich weigere mich, die Schilderung als richtig anzuerkennen, die mir ein gewisser Schöpke von den Möglichkeiten des Spiels gab.
„Haben Sie vielleicht ein Markstück da?" fragte er mich.
Ich gab ihm eins.
„So, das ist also die Scheibe!" sagte er und machte auf dem Tisch des Beäustübls in Garmisch Platz. „Also hier steht Riessersee, und da steht Berlin, nicht wahr. Berlin kriegt die Scheibe, stürmt los ... so! ... so! ... so! ..., umspielt die Verteidigung, ... so! ... so! ... schießt, und das Führungstor für Berlin ist da! ... Mirzl, zahlen! Zwe Maß ... Ist gut so!"
Mirzl kassierte die Mark, und freundlich grüßend verließ Schöpke das Lokal.
Wie gesagt, ich bestreite die Richtigkeit seiner Darstelluna von dem Spielverlauf. Ich hätte doch zum mindesten meine „Scheibe" wiederkriegen müssen.
*
Es ist, wenn mich nicht alles täuscht, das Bestreben der Spieler, die Scheibe in eins der aufgestellten Tore zu schieben. Glückt das, dann bedeutet es für die Partei, der das betroffene Tor gehört, eine Katastrophe. Die Männer dieser Partei sind sehr niedergeschlagen. Sie machen schreckliche Gesichter. Sie sind in einer Laune wie wir andern, wenn uns der Zahnarzt seinen Bohrer in den Zahn schiebt.
Das mit dem Zahnarzt wollen wir als „abseitig" nicht näher erörtern. Kommen wir auf das Tor zurück! Wenn es ein Unglück bedeutet, die Scheibe im eigenen Tor zu haben, warum trifft man dann nicht entschiedene Verhütungsmaßnahmen? Es soll nicht davon gesprochen werden, daß man die Gitteröffnung durch eine feste Tür verschließen könnte. Gmen diesen Ratschlag würde man mir sicher mit d?rn Einwand der Spielregeln kommen. Aber warum, bitteschön, postiert man nicht statt des einen
Inzwischen könnte der Rest der Mannschaft stürmen. Und da gäbe es auch wieder allerhand kleine Hilfsmittel, die dazu dienen würden, die Schwierigkeiten des Spiels zu vermindern. Ich habe zum Beispiel beobachtet, wie leicht der Läufer die Scheibe verliert. Er würde sich die Sache zweifellos wesentlich erleichtern, wenn das Ende seines Schlägers mit Kaugummi präpariert wäre oder mit einer anderen gutklebenden Masse.
Diese und noch eine Reihe anderer gutgemeinter Anmerkungen machte ich gelegentlich eines der letzten Uebungsspiele auf dem Riessersee. Ich verstehe nicht, weshalb daraufhin ein dicker Herr in meiner Nachbarschaft äußerte, wenn ich jetzt gleich zur Bahn ginge, würde ich grade zum Beginn des Münchener Karnevals zurechtkommen und ich brauchte als Kostümierung nichts weiter als einen schlichten Eisbeutel auf dem Kopf.
Schöne Manieren find das!
Mehrfach hörte ich von einem Spieler der Berliner Mannschaft als von dem „Kapitän" sprechen. Ich bin selber in meinen jungen Jahren zur See gefahren und rühme mich, einen Blick für alles zu haben, was mit der Waterkant zusammenhängt. Offengestanden, ich glaube nicht an diesen „Kapitän". Der Vorkämpfer der Berliner ist ein ausgezeichneter und tapferer Eishockeyspieler, aber er hat bestimmt niemals etwas mit nautischen Dingen zu tun gehabt. Es fei nicht näher auf den Mangel an äußeren Kennzeichen für feinen seemännischen Charakter eingegangen; der „Kapitän" trägt weder Bordjacke noch Mütze, und er hat an keiner Stelle seines Kostüms goldene Litzen. Davon sei ganz abgesehen, wie gesagt. Es gibt einen anderen Zweifelsgrund. Ich erkläre, der Kapitän kann zum mindesten kein Patent für große Fahrt haben, denn er steuert leichtsinnig. Dreimal sah ich ihn hart karambolieren, und das letzte Mal kenterte er mit einer Wucht, daß seine Spanten krachten.
Später, als das Spiel aus war, stand ich am I Bahnausgang. Als der „Kapitän" vorbeikam, hielt ich ihn an.
„Verleihung, Sie
sind Kpitän, nicht wahr?"
„Hm! Ich habe mir den Kopf darüber zerbrochen, was für ein Schiff Sie wohl befehligen. Entschuldigen Sie die Frage: Führen Sie vielleicht einen Eisbrecher?"
Er ließ mich ohne ein Wort der Erwiderung stehen.
Irgendetwas stimmt da nicht.
*
Uebrigens soll man die Parteinahme für die Mannschaft der eigenen Neigung nicht übertreiben, und wenn sie einen zehnmal so tüchtigen Vertreter wie den Spieler Jaenecke aufzuweisen hätte. Lokal- patriotismus ist eine schölle Sache, aber er darf nicht ausarten. Auf jeden Fall habe ich Einwände gegen den Mann, mit dem ich im Anschluß an das letzte Treffen des Eishockeytourniers an der Bar des „Ettaler Mandl" saß. Dieser Zeitgenosse hatte ein paar Cocktails zuviel getankt; er saß mit auf- gestützten Ellbogen da, hatte den Kopf in die Hand gelegt und schlief.
Vlötzlich rutschte ihm der Arm weg. Gleichzeitig fiel mit hartem Schlag der Teller mit den Salzmandeln auf den Fußboden.
Hier öffnete der Mann ein wenig die schweren Lider.
„Bravo, Jaenecke!" brummte er. Danach schlief er wieder ein.
Wie gesagt — das geht zu weit!
Wer hat das Biilardspiel erfunden?
Italien und England streiten sich um den Ruhm, das Billardspiel erfunden zu haben. Während es nach der einen These wahrscheinlich im 16. Jahrhundert in Italien entstand und von dort nach Frankreich kam, wo es sich unter Ludwig XIV. schon großer Beliebtheit erfreute, besagt ein altes englisches Dokument, daß der Entdecker des Billard- spiels ein Engländer namens Bill Kew gewesen sein soll. Er war der Inhaber eines Pfandgeschäftes, das nicht gerade zum Besten ging; so hatte er sehr viel freie Zeit, in der ihn Langeweile plagte. Schließlich kam er darauf, sich die Zeit dadurch zu vertreiben, daß er auf seinem Ladentisch mit den drei Kugeln spielte, die als Zeichen des Ge- schäfts vor der Tür hingen; er war aber allein und um das Spiel noch ein wenig zu variieren, kam er darauf, feinen hölzernen Maßstab, ein „Yard", wie man es noch heute oft bei den Tuchhändlern sehen kann, zu benutzen. Das Spiel ergötzte ihn sehr und half ihm über die geschäftsleere Zeit hinweg; bald aber wurden auch die Nachbarn auf die eigenartige Beschäftigung des guten Bill aufmerksam, sie begannen ebenfalls mit einem Stock und Kugeln zu spielen und diesen Stock nannten sie BiU’s Yard, aus dem später „Billard" wurde. Allein diese Behauptung ist nicht unangefochten, denn es fehlt nicht an Anzeichen, die die Entstehung des Wortes Billard aus dem einfachen Worte „biIles" erklären, der französischen Bezeichnung für Kugel.
Zeitschriften.
— Dos Januarheft der Zeitschrift „Volk und Rosse" (I. F. Lehmanns Verlag, München 2 SW, Preis 0.70 Mark) eröffnen die Bilder Eikes von Repgow , des großen germanischen Gesetzgebers der Niedersachsen und Heinrich des Löwen, des ost- deutschen Kolonisators, der durch seine Städtegrün- düngen viel für die Befestigung des ersten Reiches der Deutschen leistete. Obermed.-Rat Dr. Kurt Mönch teilt die wichtigen Ergebnisse seiner Untersuchungen über „Die bevölkerungspolitische Bedeutung des Schwachsinns" mit. Die erfolgreiche Arbeit, me das nationalsozialistische Deutschland auf dem Gebiete der Erbpflege und Rassenhygiene leistet, ist sur viele Staaten inzwischen zum Vorbilde geworden. Dies zeigt ein polnischer Gesetzentwurf für Eugenik, der, trotz mancher Abweichungen vom ,,Ge« setz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses" doch deutlich seine Beinflussung durch deutsche Maßnahmen erkennen läßt. Falk Ruttke hot diese „Polnischen Bestrebungen auf dem Gebiete der Erbpflege" besonders übersichtlich zusammengestellt. Besondere Beachtungen verdienen auch die Ausführungen G. E. Troches über „Kunst und Rasse des Nordens". Der Verfasser sieht in der Kunst den Ausdruck der Rassenseele. Ausgehend von der Ornamentik nordischer Gerätekunst der Stein- und Bronzezeit weist er das dieser Kunst und damit ihren nordischen Schöpfern innewohnende Prinzip der Irrationalität nach und zeigt ihre Wesensoerschiedenheit von der Kunst des Südens. Wertvolle Abbildungen ergänzen den Text. Dr. Reinhold F. G. Müller vermittelt unter dem Titel „Rassegedanken in Alt-Indien" Ausschnitte aus den indischen rechtlichen Vorschriften über die Ehefähigkeit der Braut.
— In der neuesten Nummer der „Jllustrir- t e n Zeitung" (I. I. Weber, Leipzig) berichtet u. a. Walter Wessiak, der als Leiter einer neu zu gründenden Skischule nach dem Atlas berufen wurde, vom „Skilauf unter Palmen" in einem in- tereffant bebilderten Aufsatz. Von dem japanischen Tempelleben, das die Europäer jetzt aus eigener Anschauung kennenlernen können, erzählt Mat Ty Sen in einem illustrierten Beitrag „Um Frieden und Einsamkeit". Ein Kunstbeitrag behandelt die saarländische Kunstausstellung im Berliner Schloß, die die Verbundenheit der Kunst des Grenzlandes mit dem Schaffen der gesamtdeutschen Künstlerschaft darlegt. Von naturwissenfchaftlichem Interesse ist der Artikel „Außenseiter im Reiche der Natur" von Rudolf Schiffel. In die Welt der Kaiserin Marie Luise fuhrt eine historische Novelle von Paul Zu- chardt, zu deren Verlebendigung zahlreiche Bilder vom Wiener Hof und feinen Persönlichkeiten beitragen.


