Oie falsche Verteilung des Goldes.
Eine der großen Fragen, die mit der Weltwirtschaftskrise aufs engste Zusammenhängen, ist die Verteilung des Goldes unter den Kulturvölkern. Das Gold ist nämlich auf der Erde keineswegs knapper geworden. Die Golderzeugung hat vielmehr stärker zugenommen als noch vor einem Jahrzehnt erhofft werden konnte. Südafrika und neuerdings vor allem Sowjetrußland fördern alljährlich steigende Goldmengen zutage. Wenn trotz dieser Zunahme der Goldvorräte das Gold seine Funktion als internationales Ta u sch mittel nicht mehr auszuüben vermag, so liegt das ausschließlich an seiner falschen Verteilung. Bei einigen wenigen Notenbanken, insbesondere in den Vereinigten Staaten und in Frankreich, liegen ungeheure Goldmengen nutzlos aufgespeichert. Sie siind im Grunde genommen dem internationalen Handelsverkehr, also ihrem eigentlichen Daseinszweck, entzogen. Der bekannte deutsche Währungspolitiker und Leiter des Instituts für Konjunkturforschung, Professor W a g e m a n n , hat in diesen Tagen in einem vor der Amerikanischen Handelskammer in Deutschland gehaltenen Vortrage das harte Wort gesprochen, daß sich mit dem bei den internationalen Zentralbanken angehäuften Golde heute höchstens die Tresorbeamten dieser Banken vergnügen. Im übrigen aber ist es völlig nutzlos, weil es keine Kaufkraft mehr zu schaffen vermag. Professor Wagemann vergleicht diesen Zustand sehr treffend mit dem, den die Spanier bei der Entdeckung der Goldreichtümer Mexikos und Perus vorfanden. Dort lagen ungeheure Mengen von Gold ungenützt in den Schatzkammern der Tempel- und Königspaläste. Heute ruhen sie ebenso zwecklos in den Kellern der Zentralbanken einiger Länder, die es verstanden haben, das meiste Gold an sich zu ziehen, dieses Gold ab^r nicht seinem eigentlichen Zwecke, nämlich dem zwischenstaatlichen Warenaustausch zuzuführen vermögen. Das Gold aber, das nicht dem Handel dient, ist so gut als ob es überhaupt nicht vorhanden wäre. Das Gold, das nicht genutzt wird, liefert nur den Beweis, daß es nicht gebraucht wird, daß es also im wahrsten Sinne des Wortes für die wirtschaftende Menschheit nur eine Chimäre ist.
Daß der Notenumlauf eines Landes einer Golddeckung, die in den Tresors der Notenbank liegt, nicht bedarf, hat die Stabilität der deutschen Währung in den letzten Jahren aufs deutlichste bewiesen. Auch andere Länder haben gezeigt, daß sie ihren Papiergeldumlauf ohne entsprechende monetäre Gsldvorräte vollwertig zu erhalten vermögen, wenn sie nur eine richtige Geld- und Handelspolitik treiben. Ein Land wie die Vereinigten Staaten dagegen, die bekanntlich über die größten Goldreserven der Welt verfügen, hat trotzdem eine abgewertete Währung? Nicht die Golddeckung, sondern das Verhältnis des Zahlungsmittelumlaufs zu dem Bedarf der Wirtschaft bestimmt den Kurs der Zahlungsmittel eines Landes im inneren wie im zwischenstaatlichen Verkehr. Der Welthandel aber hat gelernt, wohl oder übel auch ohne G o l d auszukommen. Seine Nöte und feine Schwächen sind ganz gewiß nicht auf die Knappheit des Goldes zu- rückzuführen. Weder die Vereinigten Staaten noch Frankreich sind durch ihre angehäuften Goldreserven glücklicher oder wohlhabender geworden. Sie leiden unter den Handelshemmungen und unter der Arbeitslosigkeit nicht weniger als die Länder, die über kein Gold mehr verfügen. Professor Wagemann hat in seinem Vortrage darauf aufmerksam gemacht, daß heute zwei Drittel alles in der Welt vorhandenen Goldes in Ländern aufgespeichert sind, auf die zusammen nur ein Vier- t e I des Welthandels entfällt. Drei Viertel des Welthandels werden also von Ländern betrieben, die über keine ober nur über sehr geringe oder ganz unzureichende Goldmengen verfügen. Wenn also früher eine Beziehung zwischen dem Goldreichtum eines Landes uni) seinem Anteil am Welthandel bestanden haben sollte, so ist sie heute sicher nicht mehr vorhanden. Das Gold ist entthront, es hat seine Herrscherstellung im Reiche des Welthandels endgültig verloren.
Ganz gewiß leidet der Welthandel schwer darunter, daß d i e K a u f k r a f t, die früher durch das im freien Verkehr befindliche Gold beschafft wurde, infolge der Einkapselung des Goldes in den Tresors der Zentralbanken zerstört ist. Aber welche Möglichkeiten gibt es, das Gold wieder dem Handelsaustausch dienstbar zu machen? Zweifellos sind auch große Goldmengen von Privatleuten gehortet und dem Verkehr entzogen worden. Vielleicht gäbe es Möglichkeiten, dieses von Privaten gehortete Gold wieder in Kaufkraft zurückzuverwandeln. Aber man schätzt den Wert dieses Goldes auf insgesamt höchstens 8 Milliarden Mark. Das ist ein Betrag, der für den zwischenstaatlichen Warenaustausch kaum ausschlaggebend ins Gewicht fällt. Welches Mittel aber gäbe es, um b i e Notenbanken zu veranlassen, ihre nutzlosen Goldreserven, die ihnen nur eine vermeintliche, trügerische Sicherheit verschaffen, wieder in den Verkehr zu bringen? Professor Wagemann weist mit Recht darauf hin, daß gerade diejenigen Länder, die überreichliche Goldreserven angehäuft haben, eine aktive Handelsbilanz haben. Bei ihnen sammelt sich also immer mehr Gold an. Dagegen ist die Handelsbilanz der goldarmen Länder in der Regel passiv. Es gibt also keine Möglichkeit, das Gold wieder richtig, d.h. so zu verteilen, daß diejenigen, die kaufen müssen und wollen, über genügend Gold verfügen, um wieder eine ihren Bedürfnissen entsprechende Kaufkraft zu erlangen. Wagemann warf deshalb die Frage auf, ob nicht ein'anberes internationales Zahlungsmittel geschaffen werden könne, das den zwischenstaatlichen Warenaustausch zu beleben imstande wäre. Er denkt dabei in erster Linie an eine internationale Banknote.
Eine internationale Geldreform ist schon häufig gefordert worden, und es scheint, daß sie heute eine unumgängliche Voraussetzung für die Wiederbelebung des gelähmten Welthandels ist. Viele Währungspolitiker sind der Ansicht, daß das Gold trotz seiner zunehmenden Erzeugung auch bei richtiger Verteilung nicht mehr ausreichen würde, um die moderne Weltwirtschaft mit Zahlungsmitteln von internationaler Geltung zu versorgen. Die Frage ist nur, wer die internationale Banknote ober den internationalen Scheck schaffen soll, ber überall zu vollem Werte gegen Waren aus- getauscht werden würde. Diese Frage ist gewiß nicht leicht zu lösen, und sie hat wohl auch, solange die Nationen noch mit anderen Lebensfragen überreichlich beschäftigt sind, nur theoretische Bedeutung.
Die Eröffnung der Winterhilfs-Siraßenlotierie.
In Berlin vor dem Schloß waren 400 Verkäufer in ihren bekannten grauen Gummiumhängen erschienen, um Loskasten und Lose entgegenzunehmen.
«M
Auch ein Schwadronsangehöriger.
Von Obergefreiter Scheffer, 3. Esl. 16.
Aus den unter dem Titel „Waffenträger der Nation" in Buchform zusammengefaßten preisgekrönten Arbeiten des vom Reichswehrminister veranstalteten Preisausschreibens bringen wir im Folgenden eine weitere Arbeit: Hier soll von einem Schwadronsangehörigen besonderer Art die Rede sein, von einem, der unaufgefordert und ohne jede Verpflichtung nunmehr ein Jahrzehnt in unseren Reihen lebt. Es ist dies ein Beweis dafür, daß es sich im Heere gut leben läßt, sofern man bereit ist, seine Pflicht und Schuldigkeit zu tun und treu zur Fahne zu stehen. Pflichterfüllung erfordert Achtung, und Treue wird mit Treue vergolten.
Im Frühjahr 1924 stellte er sich der Kasernenwache vor, machte weder einen gepflegten Eindruck, noch konnte man ihm besondere Schönheiten zusprechen. Er zeichnete sich vor allem durch Unverfrorenheit aus, denn als man ihn fortschicken wollte, ließ er durckblicken, daß man in diefer Beziehung von ihm auf keinerlei Entgegenkommen zu hoffen brauche.
So blieb er und verstand es, sich durch Fleiß und gründliche Arbeit Achtung zu verschaffen.
Das kam so: Wir litten damals unter einer großen Rattenplage. Besonders die Stallwache konnte ein Lied davon fingen, wie sehr diese Plagegeister uns zusetzten. Hatte man als Posten seine zwei Stunden gestanden und wollte nach der Ablösung die verdiente Ruhe genießen, so wurde sie uns dadurch verleidet, daß die pfundschweren Ratten unbekümmert über uns hinwegmarschierten. Wurde dann plötzlich Licht gemacht und die Flucht in die Schlupfwinkel setzte ein, dann überliefen den Ruhenden ganze Scharen.
Die restlose Vernichtung dieser Ratten machte sich der Neue zur ersten Aufgabe. Was wir mit Fallen, Gabeln, Schaufeln und Besen nicht vermocht hatten, das gelang ihm in ganz kurzer Zeit. Am ersten Tage brachte er gleich 22 Stück zur Strecke, dann ließen die Erfolge allerdings von Tag zu Tag nach. Das lag aber nicht an mangelndem Fleiß, sondern daran, daß die Ratten entweder alle weggefangen waren, oder aber, daß sie sich in sichere Gegenden verzogen hatten. Tatsache ist, daß keine Ratte mehr zu sehen war. Dadurch wurde der Fremde aller Freund.
Ein Ausruhen, auf den Lorbeeren des Rattenkrieges entsprach nicht seinem Wesen. Er wandte sich nun dem Schwadronsdienst zu, rückte mit uns
aus, durchschwamm mit uns die Fulda, wenn es zum Exerzieren ging, und beteiligte sich an allen Hebungen. Nach dem Einrücken zog er auf Kasernenwache.
Einmal hatte ihn der Regimentskommandeur bemerkt und verboten, daß unser Freund mit beim Exerzieren sei. Infolgedessen rückten wir am Tage der Besichtigung ohne ihn aus. Er war dem Koch unterstellt worden. Der hatte ihn, weil er seine Vorliebe für Hebungen und feine Verbundenheit mit der Schwadron kannte, eingeschlossen. Das gab unserem Freunde Anlaß, den Weg durchs Fenster zu nehmen. Die Besichtigung hatte kaum begonnen, da kam er angehetzt, und wir freuten uns über sein Erscheinen so, daß alles tadellos klappte und ein Lob für die Schwadron nicht ausblieb.
Deshalb wurde ein Bierabend angesetzt; auch da fehlte er nicht. Seine besondere Vorliebe galt den warmen Würsten. Doch obwohl er dem Bier gegenüber strengste Abstinenz bewahrte, fand man auch ihn am Schluß dieses gemütlichen Abends auf dem „Leichenwagen".
Bei einem Turnier wurde eine Schaunummer aufgeführt, und als sich die Schwadron schon zur Parade aufgestellt hatte, erschien er plötzlich neben dem rechten Flügel und — kratzte sich hinter dem Ohr. Das half; denn die Richtung stimmte dann haargenau.
Bei all seiner emsigen Tätigkeit fand er aber doch noch Zeit, seine bevölkerungspolitische Mission zu erfüllen. Zu abendlicher Stunde verließ er auf. Schleichwegen die Kaserne zum Stelldichein. Böse Zungen behaupteten damals, daß er mehrfacher Vater sei. Wenn dem so war, dann erklärt sich auch seine Freude über den Standortwechsel von Kassel nach Erfurt.
Auch hier hat er noch manches geleistet, aber so nach und nach fühlte er sich doch als „alter Knochen". Auf Wache zieht er schon feit Jahren nicht mehr. Sein zeitweiliges Erscheinen dort mutet fast so an, als wolle er prüfen, ob noch alles in Ordnung sei. Vorm Ausrücken drückt er sich auch oft. Trotzdem haben wir ihn alle gern, und jeder steckt ihm etwas zu, und, sofern es nahrhaft ist, zeigt er feine alte Anhänglichkeit.
Wir wollen hoffen, daß ihn fein Gesundheitszustand nicht an der Vollendung seiner zwölf Dienstjahre hindert. Es würde uns allen leid tun, wenn wir ihn verlieren sollten, unseren „Prinz" — den Schwadronshund!
Italiens Brücke nach Asien.
Von unserem römischen ^.-Korrespondenten.
Rom, im Dezember.
Selbst geographiekundige Leute kommen in Verlegenheit, wenn man sie fragt, welche von den unzähligen Inseln des Mittelmeeres in italienischem Besitz sind. Zu einem neckischen Gesellschaftsspiel aber wird die Frage: Wem gehört der Dodekanes? Die meisten werden auf Griechenland oder die Türkei raten, wenn sie nicht eine gerechte Verteilung vornehmen, bei der auch England und Italien auf ihre Rechnung kommen. Selbst in Italien weiß es nicht einer von Tausend, wo er die „zwölf Inseln" hintun soll. Römer, deren täglicher Umgang die Außenpolitik ist, kratzten sich auf meine Frage grübelnd hinter den Ohren, und als schließlich ein berühmtes deutsches Nachkriegslexikon aufgeschlagen wurde, war dort zu lesen: „...zu den Sporaden gehörige Gruppe von 12 Inseln, mit vorwiegend griechischer Bevölkerung, bis 1912 türkisch, 1912 bis 1918 von Italien besetzt, seit 1919 bis auf das bei Italien verbliebene Rhodos g r i e ch i sch." Punktum.
Aber die bemerkenswerte Wandlungsfähigkeit der Landkarten hat auch nach dem Kriege nicht nachgelassen, Italien zeigte sich geneigt, gegen Einflußzonen in Anatolien auf die Inselkette zu verzichten, es kam zum griechisch-türkischen Krieg, zum zweiten Vertrag von Lausanne (1923) und schließlich blieb Italien, was die allerneuesten Lexika bestätigen werden, in unbestrittenem Besitz sämtlicher Inseln, einschließlich Rhodos. Ein Zukunftsgeschenk von nicht absehbarer Bedeutung, denn die Inseln liegen in langer Kette von Kreta bis Samos dicht vor der Küste Kleinasiens: eine Sperrfortkette ersten Ranges, ein Gürtel von Stützpunkten für Flotte und Flugzeuge — die Brücke nach Asien!
Heute ragen diese Felsen und Klippen noch wie die Fialen und Pfeilerkronen eines überschwemmten gotischen Domes aus dem Wasser, sie ragen aus der homerischen Antike noch romantisch in unsere kriegerische Zeit und scheinen nur für Robinsone, für Dichter und Schwärmer geschaffen, morgen aber
wird man anders von ihnen sprechen. Denn still und zäh ist Italien ans Werk gegangen, die Brücke strategisch zu unterbauen und kulturell zu verschönern; es bahnt sich hier etwas an wie in der früher so geschmähten tripolitanischen „Sandkiste", von der nun ein so entschiedener Zug ins Weite, nach dem Tschadsee und dem Indischen Ozean ausgeht ... Der Wert der Kolonien und Besitzungen (possedimenti e colonie) ist gar nicht zu überschätzen. Nur wer ihn auf Grund der Handelsbilanzziffern am grünen Tisch ausrechnet, kann zu der Meinung kommen, daß sich Kolonien nicht rentieren, sondern bloß Geld verschlingen. Wenn England jemals so kalkuliert hätte, um dann auf so kahle Felsen wie Gibraltar und Malta zu verzichten, wäre es heute nicht Herr der Welt. Das Italien Mussolinis ist gewillt, von dem größeren Schrittmacher zu lernen.
Die 12 Inseln hießen bisher Patmos, Seros, Ka- lymnos, Stampalia, Nisyros, Tilos, Symi, Charki, Karpathos. Kasos, Kos und Rhodos. Heute lautet die amtliche Bezeichnung für die sporadischen Inseln „ä g e i s ch e Inseln" und wenn man sie mit den italienischen Namen aufzählt, von Nordosten nach Südosten: Patmo, Lisso, Lero, Calino, Coo, Nisiro, Piscopi, Simi, Ealchi, Stampalia, Scarpanto, Caso, Castelrosso und Rodi, so merkt der nachzählende Leser, daß es — 14 sind. In Wirklichkeit sind es noch viel mehr, a n d i e vierzig, ungerechnet die kleinen unfruchtbaren Eilande und Klippen. Ein Jnselgewimmel, ein Archipel. Groß und bedeutungsvoll darunter Rhodos, nur 20 Kilometer vom asiatischen Festland entfernt, die Hochburg der Johanniter, einst eine Seemacht, während des Tripolis- krieges von den Italienern besetzt, die es, wie jenes Nachschlagewerk nicht ohne Humor behauptet, „angeblich später an Griechenland ausliefern wollen". Nun, das wird wohl am Sankt Nimmerleinstag fein. Rhodos allein ist so groß wie ein Fürstentum, 1460 Quadratkilometer, während die gesamte Inselgruppe knapp den doppelten Flächeninhalt aufweist.
Wer Näheres über diese Inselwelt wissen will.
Pfarrer a. D. D. Dr. Theodor Hoppe, der jahrzehntelang an der Spitze des Diakonissen-Mut- terhaufes „Oberlinhaus" in Berlin-Nowawes gestanden hat, ist im Alter von 89 Jahren gestorben. Als Vorsitzender des Kaiserswerther Verbandes deutscher Diakonissen- Mutterhäuser und der Kaiserswerther Generalkonferenz hat Pfarrer Hoppe eine überaus segensreiche Tätigkeit entfaltet.
fei auf das Reisehandbuch des italienischen Touringklub hingewiesen, ein wirklich hervorragendes, aufschlußreiches und ebenso gut geschriebenes wie gedrucktes Handbuch, das bis in unsere Jahre nachgetragen ist.
Vulkanischer Natur, liegen die Inseln nicht flach und behäbig auf dem Wasser, sondern fallen felsensteil ab und sind oft unter Wasser miteinander verbunden, ja, sie erscheinen nur als Ausläufer der anatvlischen Küste und gehören geographisch zum asiatischen Festland. Nur Rhodos und Coo verfügen über nennenswerte Ebenen. Die Bevölkerung ist daher nicht dicht, man rechnet mit 38 Einwohnern auf’ den Quadratkilometer und zählt insgesamt etwas über 100 000, wovon die Hälfte auf Rhodos entfällt. Die meisten sind Griechen, auf Rhodos und Coo gibt es viele Muselmanen, Minderheiten bilden Juden, Albanesen, Araber und Armenier. Die Herren des Landes, die Italiener, zögern noch zu kommen, so daß die Carabinieri vielfach gleichzeitig das Amt der Lehrer, Richter, Poft- und Steuerbeamten versehen müssen. Vom Militärdienst hat man die Hreinwohner befreit und manche Gemeinden sind so unaussprechlich arm, daß sie seit altersher auch der Steuerpflicht nicht unterworfen wurden. Antiker Aberglaube beherrscht alles Volks- und Brauchtum, weit größere Macht als der unumschränkt regierende Familienvater hat der Zauber, der böse Blick, es wimmelt noch von Faunen und Nymphen wie in den schönsten Götterzeiten, niemals würde eine werdende Mutter sich fremden Blicken zeigen oder während der Schwangerschaft irgend etwas berühren, was dunkel oder häßlich ist, denn das gäbe entsprechende Flecken bei dem Kinde.
In dieses Neuland stößt nun d i e italienische Kultur vor, die moderne Industrie verdrängt die altertümlichen Schwammfischer, Flugzeuge landen auf Rhodos und bringen Gäste aus der großen Welt. Nicht mit Hnrecht verspricht man sich dort ein neues Reisegebiet, schon sind Hotels ersten Ranges am Strand hochgeschossen, die Rosenstadt hat ihre Saison. Die Straßen werden ausgebaut und geteert, auf einem Netz von 300 Kilometer kann' man bequem im Auto fahren, die Krankenhäuser kommen nicht mehr „wenn Allah will", sondern über Nacht, weil es Mussolini will. Ein wundersames Klima lockt, unter 10 Grad sinkt das Quecksilber nicht im Winter, warum soll man nicht ein neues Capri entdecken? Rhodos hat schon viele Namen gehabt, fast alle aber preisen feine Schönheit: nicht nur die Roseninsel heißt sie, sondern auch Eliusa oder Asteria, Sonne und Gestirn, Glück und Fee ist sie ihren Bewohnern. Schon tausend Jahre vor Christus von den Doriern besetzt, hat sie noch einen Sesam für die Archäologen. Uralte Mauern und schneeige Moscheen, Palmen und Drangen, echte Teppiche in den Basaren — wer möchte nicht einmal ins unverfälschte Hellas, in den Orient, wo er noch Orient sein darf, obwohl der Muezzin zum Lande Kemal Paschas hinüberschauen kann?
Seit die Ordensritter im Jahre 1522 die Insel verlassen mußten, blieb sie, was sie war, vier Jahrhunderte lang. Nun ist der Dornröschenschlaf zu Ende. Rom hat seine Brücke nach Asien geschlagen.
Schwere Bluttat in Neu-Lsenburg. Ein junger Mann im Streit durch Nevolverschüsse getötet. LPD. Frankfurt a. M., 1. Jan. Im benachbarten Neu-Isenburg kam es nach Handgreif, lichen Auseinandersetzungen in einem Kaffeelokal in der fünften Morgenstunde des Neujahrstages vor dem Waldschwimmbad zu weiteren Auseinandersetzungen zwischen jungen Leuten, in deren Verlauf der Hermann Schreiber aus Buchschlag den Revolver zog und den 22jährigen Alfred Rind aus Neu-Isenburg mit drei Schüssen niederschoß. Rind ist den schweren Verletzungen alsbald erlegen.
Wie wir dazu erfahren, war Schreiber im Verlaufe der Silvesternacht zusammen mit seinem Freund Meier aus Buchschlag in mehrere Schlägereien verwickelt, wobei Meier leichte Kopfverletzungen davontrug. Schreiber begab sich daraufhin in das Schwimmbad, wo ihm jedoch das Lokal verboten wurde. In der Tür gerieten Schreiber und Meier in einen Wortwechsel mit einigen jungen Leuten. Im Verlaufe des kurzen Streits zog Schreiber eine Pistole, die Meier gehörte, und streckte den jungen Rind mit drei Schüßen, von denen der eine in die Lunge, der andere in das Becken und der dritte in das rechte Bein eindrang, nieder. Rind brach zusammen und starb, ehe ihm ärztliche Hilfe gebracht werden konnte. Der Täter und fein Komplize flüchteten; sie stellten sich aber später der Polizei und wurden in Haft genommen. Wie verlautet, hat Schreiber bereits ein Geständnis abgelegt und zugegeben, daß er die Schüsse auf Rind abgefeuert hat. Die Motive für die Tat sind noch nicht hinreichend geklärt.
Sprechstunden der Redaktion.
11.30 bis 12.30 Uhr, 16 bis 17 Uhr. Samstag nachmittag geschlossen.


