Ausgabe 
1.11.1935
 
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Äeichsmimster Dr. Goebbels an der Vahre Otto Laubingers.

Die Beisetzung des ersten Präsidenten der Reichsiheaterkammer.

Die sterbliche Hülle des so früh verstorbenen Präsidenten der Reichstheaterkammer, Ministerialrats Otto Laubinger, wurde aus Bad-Nauheim nach Berlin übergeführt. Bei der Ankunst des Sarges in der frühen Morgendämmerung des Dienstags entboten zahlreiche Schauspieler und die Abteilungsleiter des Reichspropagandaministeriums dem Toten einen stillen Gruß. (Weltbild-M.)

Berlin, 31. Okt. (DNB.) In einer zu Herzen gehenden Trauerfeier nahmen heute im Theater am Horst-Wessel-Platz alle Mitarbeiter, Kameraden und Künstler Abschied von dem mitten aus seinem segenbringenden Wirken gerissenen Präsidenten der R e i ch s t h e a t e r k a m - mer, Ministerialrat Otto Laubinger. Das Theater hatte für die Feier eine würdige Aus- schmückung erhalten. Im Dorraum liegt ein großer Teil der Kranzspenden, die von allen führenden Buhnen, Organisationen und Fachschaften an der Bahre niedergelegt worden waren. Aus dem Halb­dunkel der Bühne leuchtet das Hakenkreuzbanner, das den Sarg deckt. Aus der Fülle der Kranzspen­den hebt sich derKranz des Führers hervor. Punkt 11 Uhr betritt die Gattin des Verstorbenen, geführt vom Präsidenten der Reichskulturkammer, Reichsminister Dr. Goebbels, begleitet von Staatssekretär Funk und vom stellvertretenden Präsidenten der Reichstheaterkammer Dr. Schlös­ser den Saal. Ein großer Lorbeerkranz mit wei­ßen Chrysanthemen wird zu Füßen des Sarges niedergelegt, auf dessen Schleife die WorteMei­nem unvergeßlichen Kameraden und Mitarbeiter, Reichsminister Dr. Goebbels", stehen.

Nach dem Trauermarsch aus derGötterdämme­rung", vom Berliner Philharmonischen Orchester un­ter Leitung von Generalmusikdirektor Peter Raabe gespielt, und der HymneDie Himmel rühmen des Ewigen Ehre", die Kammersänger Heinrich Schlußnus zu Gehör bringt, spricht General- intendant Oskar Walleck im Namen der deut­schen Theaterleiter. Laubinger habe als Erster der Zukunft des Theaters im neuen Deutschland Rich­tung und Ziel geben dürfen und aus Niederbruch und Versumpfung den reinen Schild deutscher Kunst wieder hoch erhoben. Staatsschauspieler Eugen Klöpfer widmet seinem toten Kameraden einen warmempfundenen Nachruf. Otto Laubinger fei ein Vorbild im großen und schönen Reich deutscher Schauspielkunst, ein Mensch und Kamerad, ein Kämpfer der deutschen Schauspieler. Reichsdrama­turg Oberregierungsrat Dr. Rainer Schlösser führte u. a. aus: Laubinger sei der geborene Künstler und politische Mensch gewesen. Das Wort von der Bühne als moralischer Anstalt sei die Sturmfahne seines Idealismus gewesen. Der Drang, sich einer Sache bis zur Aufopferung zu verschreiben, habe ihn zum Nationalsozialismus ge­führt. Hilfsbereitschaft und Fleiß, das seien die Kennworte, mit denen man das Wesen Otto Lau­bingers heraufbeschwöre.

Äeichsminisler Dr. Goebbels

nimmt dann das Wort zu seiner Gedenkrede. Mit ergriffener Stimme führt er u. a. aus: In der Ar- beit des Alltags, der uns verschlingt und unsere Herzen und Hirne verbraucht, der von uns das Opfer der ganzen Hingabe an die Größe des Werkes for­dert, dem wir willenlos untertan sind, kommen wir nur selten dazu, Dankbarkeit an den einzelnen zu verwenden. Gerade unsere Liebsten und Wert­vollsten sind meistens auch der gemeinsamen Aufgabe so ganz und gar verhaftet, daß wir sie kaum noch als besonders auffällig empfinden. Das, was sie uns aber sind und was sie für die große Aufgabe bedeckten, das bemerken wir meistens dann, wenn der Tod sie mit grausamer Hand mitten aus un­serem Kreise nimmt. Dann empfinden wir plötzlich die ungeheure Leere, die sich auftut an der Stelle', an der der Freund und Kamerad stand. Zu diesen Men­schen gehört OttoLaubinger. Selten sahen wir einen, der mit so glühendem Idealismus wie er sei­ner Aufgabe diente, dessen Kämpfermut unerschrocke­ner, dessen rührende Güte größer und unerschütter­licher, dessen kameradschaftliche Verbundenheit be­dingungsloser und dessen soziale Hilfsbereitschaft warmer und opferfähiger gewesen wäre als die seine. Er war ein Freund unter den Freunden in des Wortes wahrster und tiefster Bedeutung. Der Künstler Otto Laubinger zog seine Lauterkeit

Berlin, 31. Okt. (DNB.)Erst Deutscher dann Beamter" unter diesem Leitwort steht die Arbeit des Beamten im neuen Deutschland. Das wurde treffend bewiesen durch den überaus ein­drucksvoll verlaufenen Generalappell der Berliner Gemeindebeamten im Sport­palast, bei dem Reichsminister des Innern Dr. Frick in einer großen Rede über die Pflichten des deutschen Beamten und über die Gesetzgebung des Dritten Reiches sprach. Reichsminister Dr. Frick erklärte u. a.: Er nehme gern die Gelegenheit wahr um der gesamten deutschen Beamtenschaft seine Anerkennung und seinen Dank für ihre treue Mitarbeit am Aufbauwerk Adolf Hitlers in den letzten zweidreiviertel Jahren auszu- fprechen. Der Reichsminifter warnte davor, die Vorwürfe der Bürokratie zu verallgemeinern. Es sei im Verlauf der nationalsozialistischen Revolution nicht immer leicht gewesen, den Schwung der jun­gen Bewegung mit dem Gang der Verwaltung in Einklang zu bringen. Aber das sei nicht wesentlich ins Gewicht gefallen.

Je mehr der deutsche Beamte sich seinem Volk verbunden fühlt, und je mehr er vom nalional- sozialistischen Geist erfüllt ist, desto mehr werden die Vorwürfe der Bürokratie verschwinden. Der Beamte muß volksverbunden sein, und er darf sich nicht abschließen. Er muh der Freund und Berater jedes Volksgenossen fein, der sich an ihn hilfesuchend wendet. Gerade die Beamten von der Gemeindeverwaltung sind dazu als erste berufen, die unmittelbare Fühlung mit dem Volk zu halten.

Unter starkem Beifall kündete der Reichsminister nun an, daß in Zukunft alle höheren Beam- ten eine gewisse Zeit in den äußeren Dienststellen gearbeitet haben müssen, da­mit sie die unmittelbare Fühlungnahme mit dem Volk haben. Als segensreiches Beispiel führte er feine eigene mehr als zehnjährige Tätigkeit als Beamter in einem bayrischen Landratsamt an, die er nie bereut habe.

Reichsminister Dr. Frick griff dann auf das Ge- fetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums

und prägnante Schlagkraft aus der tiefen Mensch­lichkeit, die ihn erfüllte. Seine Künstlerschaft war aktives Bekennertum. Für ihn war das Theater nicht Stätte des Luxus oder des Amüsements: er sah in ihm eine Erziehungsan st alt für das ganze Volk. Gedanken wie der der Reichs­theaterfestwoche und der der Heidel­berger Nationalfe st spiele entsprangen seiner unermüdlichen Phantasie. Die Zusammen­fassung aller am Theater schaffenden Kräfte in einer einheitlichen Organisation war sein LebenSkverk.

Im Aufbau des deutschen Nationalthea­ters im Schillerschen Sinne wollte er ihm die letzte Krönung geben. Mitten im Werk und kurz vor seiner Vollendung ist er nun in den Sielen ge­storben. In dieser Stunde, da wir nun Abschied von ihm nehmen müssen, ist es mir ein Bedürfnis, ihm das zu sagen, was ich ihm zeitlebens nur selten sagen konnte: w i e menschlich nah und ver­traut er mir a l s Freund und Mitarbei- t e r stand, wie rührend und erhebend mir feine stete Hilfsbereitschaft schien, wie wärmend und wohltuend seine persönliche Nähe auf uns alle wirkte. Wenn ich ihm aus tiefergriffenem und schmerzerfülltem Herzen meine Dankbarkeit zum Ausdruck bringe für die Arbeit, die er dem großen Werke widmete und in der er sich aufbrauchte und verzehrte, so weiß ich, daß es auf den deutschen Bühnen nicht einen gibt, vom Intendanten bis flum' letzten Maschinisten, der sich diesem Bekennt­nis nicht anschlösse. Nun lebe wohl, du guter Kame­rad. Alle stehen wir um dich versammelt, da du von uns gehen mußtest. Ich aber, dem du die Kraft und Stärke, den Glauben Und den Idealismus, die Treue und Anhänglichkeit deiner besten Mannes-

zurück. In diesem Gesetz sei zum ersten Male der Arierbegriff eingesührt und verlangt worden, daß der deutsche Beamte arischer Abstammung sein müsse, da das deutsche Volk wie er unter dem stürmischem Beifall der Versammlung feststellte ein Recht darauf habe, von Deutschen re­giert zu werden. Auf Grund dieses Gesetzes seien alle Elemente aus dem Beamtentum ausgemerzt worden, die sich in der Systemzeit widerrechtlich emgeschlichen hätten.

Nun stehe man vor den großen Aufgaben eines neuen Beamtengesehes, das im Ent­wurf bereits fertig fei. In diesem neuen Beam- tengeseh kenne man keinen Unterschied mehr zwischen dem Beamten der Lander, des Reiches und der Gemeinden (stürmischer, anhaltender Beifall), denn für das einheitliche Reich solle es nur noch ein Beam- tenrecht geben.

Die lebhafteste Zustimmung der Versammelten fand der Minister, als er betonte, daß die Beamten sich nicht durch ihre eigenen kleinen Sorgen den Blick für das große Ganze trüben lassen dürften. Die Nachwelt werde uns nicht danach beurteilen, wieviel Butter oder Schweinefleisch einmal verzehrt werden konnten, sondern sie werde uns nach den heroischen Taten beurteilen. Dieses Ur­teil werde aber nur günstig ausfallen können, denn wenn man rückblickend übersehe, was in den ver­gangenen 2X Jahren geschaffen worden sei, so könne man wirklich nicht sagen, daß die Zeit ver­trödelt wurde. Dr. Frick verwies auf die fundamen­talen Nürnberger Gesetze, die Einführung der Hakenkreuzflagge als einzige Reichsflogge, das Reichsbürgergesetz und die Iudengesetzgebung. Wer Verständnis für die Geschichte habe, müsse auch Verständnis für das Flaggengesetz haben, denn nur unter der Hakenkreuzfahne sei das Reich erneuert worden. Das Reichsbürgergesetz werde in Zukunft die Staatsangehörigen von den Reichsbürgern unterscheiden. Das Reichsbürgerrecht erwerbe man nur auf Grund seiner Lei- stungen zu Staat und Volk. Reichsbürger könne nur ein deutschblütiger Volksgenosse sein

jahre geschenkt hast, möchte über den Hügel, der nun in einigen Stunden deine sterbliche Hülle be­decken wird, die Worte der ergreifenden Totenklage schreiben, mit der Mathias Claudius von feinem Vater Abschied nahm:

Friede sei um diesen Grabstein her Sanfter Friede Gottes.

Denn sie haben einen guten Mann begraben, Und mir war er mehr.

Dann nimmt der Schauspieler Friedrich K a y ß - l e r mit den eindrucksvollen Worten Stephan Geor­gesErhebung" Abschied von seinem Kollegen und Kameraden. Nachdem das Berliner Philhar­monische Orchester Griegs Aases Tod 'ausPeer Gynt" intoniert hat, beginnt die letzte Fahrt nach Stahnsdorf, wo er inmitten des schönen Wald­friedhofes feine letzte Ruhestätte finden wird. Pfar­rer Hoßenfelder segnete nach einer kurzen Trauerrede in der Kapelle die Leiche aus. Inmitten des Waldes versenkte man den Sarg in die Erde. Die Ortsgruppen-, NSBO.- und SA.-Fahnen schlu­gen über dem offenen Grab zusammen, als eine SA.-Kapelle das Lied vom guten Kameraden in­tonierte Mit ergreifenden Worten nahm der Bru­der des Verblichenen Abschied und sprach dann nach dem letzten Segen in seiner Eigenschaft als Pastor das Vaterunser. Viele Freunde und Arbeitskame­raden traten nach den Angehörigen an die offene Gruft. Als letzter verweilte Reichsminifter Dr. Goebbels an der Stelle, an der man das Sterbliche eines seiner besten Mitarbeiter in den mütterlichen Schoß der Erde gesenkt hatte. Das Horst-Wessel-Lied schallte als letzter Gruß des un­erschütterlichen Vorkämpfers der Bewegung.

Schließlich habe die Arierfrage ihre Fortsetzung im Iuden gesetz gefunden. In den Ausführungen dazu werde klar gesagt werden, daß der Jude nicht Träger eines politischen Rechts und auch nicht In- Haber eines öffentlichen Amtes fein könne. Endlich fei d e r Rassen mischung ein Ende ge­macht worden. Der Nationalsozialismus sei fern haoon, wie man es ihm unterstellen wolle, die Iu- den bis aufs Blut zu quälen, sondern es solle a u f legalem Wege eine klare Scheidung eintreten. Wenn diese Scheidung klar durchgeführt sei, werde es auch keine Beschwerden mehr geben Der Minister verwies abschließend auf den Aufruf des Gauleiters Vürckel, der sich an die nicht schwerarbeitenden Parteigenossen richte, a uf ihre Fet t r a t i o n zugunsten der Schwerarbeiter zu verzichten Das sei nationalsozialistische Tctt- aestnnung. daß einer für den anderen einstehe Die­ses Beispiel könne er a l l e n e m p f e h l e n. Wenn das deutsche Volk danach lebe, würden auch alle Gegensätze aufhören. Alles Schwere, das dem dellt- schen Volk noch bevorstehen sollte, könnte leicht über­wunden werden, wenn alle einmütig s i ch hin­ter unseren Führer Adolf Hitler scha- r e n der durch seine geniale Führung in den letz- ten Jahren bewiesen habe, daß er zur Führung bes deutschen Volkes berufen und befugt sei (Lang­anhaltender stürmischer Beifall.) Wenn es not tue, Io endet? der Minister unter erneuter stürmischer Zustimmung, werde das deutsche Volk seine ganze Kraft In die Waagschale werfen.

- $nft ein Abkommen zwischen D e.u t I chlanü und Iran unterzeichnet worden, s.- ,<er zwischen den beiden Ländern und die Durchführung der Zahlungen auf eine i^ere SruriMa^e gestellt werden. Das Abkommen sieht die Einrichtung eines Derrechnungs- . r/ *e b r $ zwischen der Deutschen Verrechnungs­kasse und der Mellie-Bank vor. Ausländer-Sonder­konten für Jnlandszahlungen können unter be­stimmten Voraussetzungen bestehen bleiben und neu errichtet werden. Es ist zu hoffen, daß das Abkommen zu einer Steigerung des beiderseitigen Warenaustausches führen wird.

Generale von morgen"

Don Karl von Schoch, Generalleutnant a. O.

ii.

In einer hochinteressanten Anlage zu seinem Buch Generale von morgen" über dasLebensalter berühmter Feldherrn." hat Fuller sich das Verdienst erworben, nicht weniger als 98 Führer zusammen­zustellen, unter Anführung der Jahreszahl ihrer Großtaten und daneben des Lebensalters. Diese Zu­sammenstellung beginnt mit dem 29jährigen leno- phon in der Schlacht bei Kunaxa 401 v. Chr und endet mit dem 66jährigen Moltke von König« grätz. Aus dieser Liste können mir uns unter ande­rem folgendes errechnen.

Es standen im Alter von 22 bis 30 Jahren: 13 Heerführer, 30 bis 40 Jahren: 43, 40 bis 50 Jahren: 32, über 50 bis 73 Jahren: 12 Heerführer.

Leider muß man bei genauerer Prüfung feststellen, daß b[e Auswahl derberühmten Feldherrn" recht einseitig ausgefallen ist. So finden wir nicht weniger als 16 Namen aus dem amerikani­schen Bürgerkrieg und aus englischen Kolonialkämpfen, natürlich zählen sie fast alle zur Jugend. Wenn weiter Montecucculi mit der Schlacht von Zusmarshausen aufgeführt wird, so hätte wohl sein Zeitgenosie, der Große Kurfürst, mindestens ebensoviel^Anrecht, genannt zu werden, genau so wie neben dem jungen Schwe­den Baner der greife Tilly im Dreißigjährigen Krieg erwähnt werden mußte. Die preußische Ar­mee ist besonders stiefmütterlich behandelt. Es feh­len z. B. D e r f f I i n g c r und der alte Dessauer, Graf Schwerin und Yorck, und wenn aus dem Siebenjährigen Krieg der 36jährige S e y d l i tz von Roßbach erscheint, so durfte der alte Zielen von Torgau auch nicht fehlen. Streicht man also die oben erwähnten 16 unbekannten Feldherren und ergänzt umgekehrt die Lifte weiter noch durch den Russen Suworow und den Oesterreicher Radetzky, durch Hindenburg, Kluck, Mackensen, 3o rfre und Foch, so wird man ein Gesamtbild gewinnen, das der kriegsgeschichtlichen Wahrheit we­sentlich näher kommt, als Fullers Schlußfolgerung, daß mindestens 75 v. H. derwirklich großen, nicht bloß durchschnittlichen Generale" in der Kriegs­geschichte unter 45 Jahren waren.

Nach dem bisher Gesagten wird man sich nicht rounbern, daß auch FullersVorschlag zur Erneuerung" nicht gerade zahm ausfällt. Zwar gibt er noch zu, daß man im Frieden nicht alle höheren Führer zwingen kann, mit 45 bis 50 Jahren den Abschied zu nehmen, weil sonst kaum ein Vater seinen Sohn ins Heer stecken und dieses zu Grunde gehen würde. Bei Kriegsausbruch aber will er sämt­liche Generaleabsägen", in einer Ersatzliste führen oder gar in der Heimat zur Ausbildung von Ersatz- truppen verwenden: an ihre Stelle sollen lauter be­sonders ausgewählte Offiz ie re zwi­schen 35 und 45 Jahren treten. Dieses Radi­kalmittel klingt nun doch schon allzu stark an den Bakkalaureus des Faust an:

Hat einer 30 Jahr' vorüber, So ist er schon so gut wie tot. Am besten wär's euch zeitig tot zu schlagend Fuller führt dann selbst zwei Einwande ge­gen seinen Vorschlag an, die er allerdings mehr blendend als richtig nennt: 1. die jüngeren Offiziere werden in der Führung nicht genügend er­fahren fein, 2. sie werden bei Kriegsausbruch ihrer Truppe fremd gegenüber stehen und nur wenige ihrer Unterführer kennen. Den ersten Einwand tut er ab mit der kühnen Behaup- hing, es gäbe nur zwei Einheiten, die Kompanie und das Bataillon, in denen die Führung lebendig verwirklicht ist, und zum zweiten meint er, die Ueberalterung werde zwar einen General nicht hindern, die Namen seiner Offiziere zu kennen, wenn er aber im Krieg doch nur hinten in einem Schloß ober Unterftanb sitze, sei bas wertlos. Wie­der muß bezweifelt werben, ob bas wirklich in fol- chem Umfang auf bie ganze englische Armee zu- trifft: jebenfatty aber kann man sagen: Von ber Tatsache, baß gerabe ber Oberst bie Erziehung seines Offizierkorps unb bamit feiner ganzen Truppe leitet, ja, baß er, wenn er überhaupt eine Per- wnl'chkeit ist, bem ganzen Regiment feinen Stempel aufdrückt, unb daß das Gleiche von einem kommandierenden General gegenüber fei­nem Armeekorps gilt, davon scheint Fuller überhaupt keine Ahnung zu haben

Schließlich kehrt der Verfasser gewissermaßen zum Ausgangspunkt zurück, indem er nochmals d i s Millionenheere schonungslos verurteilt:Sol- che Massen können ebenso wenig wirklich wendig ge­führt werden wie die Völkerhorden des Xerxes und Darius." Oder gar:Die heute noch herrschende An­sicht vom Krieg... ist scheußlich, kostspielig und unmenschlich bis zur äußersten Uebertreibung; ihre Verwirklichung würde bedeuten, daß Millionen von Bauern und Arbeitern zusammengeballt auf den Schlachtfeldern in ganzen Reihen in den Tod getrie­ben werden." Aus all diesen und anderen Sätzen hört man die ausgesprochene Abneigung des Engländers gegen die allgemeine Wehrpflicht heraus, die ja nur mit großem Widerwillen während des Weltkrieges eingeführt worden, ist: der Gedankedes Volkes in Waffen", der es jedem Waffenfähigen zur Ehrenpflicht macht, das Vaterland zu verteidigen, klingt ihm offenbar fremd im Ohr.

So erhofft Fuller gewiffermaßen alles von der steigenden Technik. Er folgert, daß die unge- heuren Kosten eines motorisierten und mechanisier- ten Heeres es einfach unmöglich machen werden gepanzerte Massenheere aufzustellen. Diese würden also verschwinden. Damit wird derGeneral ber Zukunft" aber nur einen kleinen unb leicht beweg- n v r o f r 6 a n b ju führen haben.Des- halb müssen auch bie Generale roieber persönlich so f h- unb kampftüchtig fein, wie es bie Führer her Ritterheere waren unb müssen auch ihre Rüstung wieder anlegen in Gestalt des schußfesten rollenden Panzers!" Mit diesen Gedanken wendet Ter ber umstrittendsten Fragen in der Milttarltteratur zu: in allen militärischen Diskussiv. neu nimmt der Kamps um Millionenheer ober moto r iHertcs Heer zur Zeit schon einen breiten Raum ein. Vielleicht wirb Enaland, weil es eben nach wie vor mehr auf seine Flotte baut unb das Landheer vorwiegenb für Kolonial- rieoe Mtimmt sieht, biefe Frage zugunsten des kleinen Panzerheeres entscheiden.' Sicher ist auch zu erwarten, daß in künftigen Kriegen bie motori­sierten Verbänbe eine bisher ungeahnte Rolle svie- len werben. Dagegen scheinen gerade bie größten Militärstaaten wie Rußlanb, Frankreich, Japan und anbere noch nicht an bie Abschaffung bes Volks- Heeres zu denken: auch Italien, das ja im Kriege sieht, hat feine Massen zu ben Waffen aerufen.

.Arthur Erhardt, ber Ueberfetzer bes Buches, hat, wie er selbst schreibt,an Stelle eines beutschen Nachwortes" bie beiden Ehrentafeln aus ber Ruhmeshalle des Zeughauses in Berlin angefüg^

Erst Deutscher dann Beamter

Grundsätzliche Ausführungen des Reichsinnenministers Dr. Frick auf einem Generalavpell von Berliner Gemeindebeamten im Berliner Sportpalast