Ausgabe 
1.10.1935
 
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Das Gießener Theater-ein Theater des Volkes!

in

tende Gelände nur

sind die

ner« !eton«

Am Erntedankfest um 20.30 Uhr: Urauffüh­rungHolzappe l", ein lustiges Dolksstück von S). A. Weber.

Ehrensache muß es für jeden Gießener sein, dieses Volksstück mit aus der Taufe gehoben zu haben.

Um die Ansprüche der einzelnen Grundeigentümer auf ihre Berechtigung hin zu prüfen, war ein Gut­achten des Kulturbauamtes eingeholt worden, bei dem in einer Tagfahrt oon Fachleuten festgestellt wurde, daß viele als Pflanz« und Grasgärten be­nutzte Grundstücke, die Gartenhäuser, wie auch zum Teil die Umzäumungen schlecht unterhalten bzw. ogar abgängig sind. Den meisten Gärten könne, so wurde betont, ein über den Wert oon Bauland

Stücke durch ihre straffe Form im Aufbau und durch ihre klaren und einfachen Linien in der Stimmfüh­rung die beste Schule für die Erweckung musikalischen Verständnisses.

dem Maße, wie wir uns alle berufen fühlen, das Theater als Kulturinstitut Oberhessens zu erhalten in dem gleichen Maße regen wir die Künstler zu neuen Werken an. Das Theater zu besuchen ist unser Pflichtanteil, den wir, die wir nicht selbstschöpferisch sind, der deutschen Kunst, die uns alle beglückt, zu geben haben. Sorgen wir deshalb dafür, daß das Gießener Theater in feiner Buntheit erhalten bleibe, daß es das wird, was es für ganz Oberhessen sein muß: Der Mittelpunkt des kulturellen Ausbaues, der kulturellen Lebendig­keit!

Karl Christ,

Kreiswart der NSG.Kraft durch Freude".

Deshalb: Orts, und Betriebswarte der HS. - GemeinschaftKraft durch Freude", seht euch ein in der Propaganda für unser Stadttheater, werbt bei allen Volksgenossen für ein Abonnement.

Denn in dem Maße, wie wir alle mitmachen,

Die Vaulandumlegung im EichMengebiet

Verhandlung vor dem Kreisausschuß.

Oie OienWunden der Behörden.

Der Reichsstatthalter in Hessen Landesregie­rung hat an alle unterstellten Behörden folgende Anordnung ergehen lassen:

In Abänderung aller bisherigen Anordnungen wird für das kommende Winterhalbjahr wie­der die geteilte Arbeitszeit eingeführt. Die Dienststunden werden für die Zeit oom 1.101935 bis 31.3.1936 wie folgt festgesetzt: für die Wochen­tage von Montags bis Freitags oon 8 Uhr bis 13 Uhr und oon 15 Uhr bis 18.30 Uhr und Samstags oon 8 Uhr bis 1 3.30 Uhr.

ASOAP. - Amt für Dolkswohlfahrt.

Ortsgruppe Gießen-Mitte.

Velr. Lebensmillelopferring.

Arn Mittwoch, 2. Oktober, werden die Spenden (Pfundpäckchen) durch die RS.-Frauenfchaft einge- farnrnelt. Die Hausfrauen werden gebeten, den In­halt der Päckchen auf der Umhüllung kenntlich zu machen und die Mitgliedskarte zur Quittungsein­zeichnung bereitzuhalten.

Deutsche Arbeitsfront.

Ortsgruppe Giehen-Hord.

Am Donnerstag, 3. Oktober, 20.15 Uhr pünktlich, findet im Hause der Deutschen Arbeitsfront Schan­zenstraße 18 eine Zusammenkunft der Orts­frauenschaft Gießen-Nord statt. Hierzu sind auch alle weiblichen Mitglieder der Deutschen Arbeitsfront Ortsgruppe Nord herzlich eingeladen. Wir bitten um zahlreiches Erscheinen.

Ortsgruppe Gießen-Süd.

Am Donnerstag, 3. Oktober, findet die Amtswalter- Versammlung für den Monat Oktober abends 8.30 Uhr in der GastwirtschaftZum Graf Zeppelin", Wilhelmstraße 49, statt. Mit Rücksicht auf die ab 1. Oktober einsetzende Blockkassierung in sämtlichen Zellen der Ortsgruppe ist es Pflicht eines jeden Amtswalters, pünktlich zu erscheinen. Wegen der Wichtigkeit der Besprechung ersuchen wir, sich für genannten Abend frei zu halten.

Spielzeit-Eröffnung im Gtadttheater Gießen.

Aus dem Büro des Gießener Stadttheaters wirb uns geschrieben: Heute 20 Uhr Festvorstellung zur Eröffnung der Spielzeit 1935/36. Den Auftakt bildet die feierliche Ouvertüre Beethovens zuCoriolan", gespielt vom städtischen Orchester unter Leitung von Kapellmeister Paul Walter. Dann folgt eine kurze Ansprache des Intendanten. Hieraus kommt erst­malig in neuer Inszenierung das Schauspiel:Der Prinz von Homburg" von Heinrich von Kleist unter der Spielleitung von Intendant H. Schultze- Griesheim zur Aufführung. Mitwirkende: Sa­men: Birkmann, Decker, Henckell, Stirl; Herren: Frickhoefser, Geiger, Hub, Kühne, Lindt, Lüpke, Mosbacher, Neuhaus, Rosenthal, Schorn, Seitz, von Spallart, Tank, Volck. Der festliche Eröffnungs­abend ist zugleich die erste Vorstellung im Diens­tag-Abonnement und dauert von 20 bis nach 23 Uhr.

Schülerkonzert

bei Frau Cläre Gchlefier-Altmann.

Schülerkonzerte sind im wesentlichen von ihrer er­zieherischen Wirkung aus zu betrachten. Darin liegt überhaupt der eigentliche Zweck solcher Veranstal­tungen.

Emil Heuser sand er einen fleißigen Mitarbeiter, 3ii denen bald noch andere ich nenne nur Dr. Karl Ebel und Dr. Robert Fritzsche kamen. Mit ihnen baute er die damals noch verhältnis­mäßig kleine Bibliothek, für die keine großen Mit­tel zur Verfügung standen, in unermüdlichem, zähem Ringen aus. Mit dem von ihm und Buch- binbermeifter Sann erfundenen Katalogkapseln, die heute weltbekannt und in vielen Bibliotheken und wissenschaftlichen Anstalten eingeführt sind, er­neuerte er den Katalog, das Ausleihe-System wurde vereinfacht, der regelmäßige Leihverkehr mit der Hofbibliothek und anderen größeren Bibliotheken ausgebaut, der Schriftenaustausch mit den Hoch­schulen des In- und Auslandes erweitert.

Oberregierungsrat Dr. S ch ö n h a l s gab zunächst an Hand des Aktenmaterials die Sachlage zur Kennt­nis. Er wies einleitend darauf hin, daß eine beab­sichtigte, auf freiwilliger Vereinbarung zwischen der Stadtverwaltung und den Grundstückseigentümern durchzuführende Umlegung gescheitert sei. Die Zwangsumlegung sei in der Folge durch die Regie­rung genehmigt und durchgeführt worden. Gegen die dabei getroffenen Regelungen erhoben vierzehn

Die Grundlage des neuen deutschen Kulturwillens ist das Gefühl der unbedingten Zusammengehörigkeit aller arbeitenden deutschen Menschen. Keiner lebt sein Leben für fick allein, irgendwie ist jeder Deutsche mit seinem Schaffen dem anderen untrennoar ver­bunden.

Der miteinander schafft, der soll auch miteinander feiern!

Seit Bestehen der NS.-GerneinschastKraft durch Freude" im Kreis Gießen kämpfen wir darum, aus unserem schönen Gießener Stadttheater, das eins der schönsten Theater des ganzen Reiches ist, ein Volkstheater zu machen. In der neuen Spiel­zeit des Winters 1935/36 ist unser Gedanke zum ersten Male verwirklicht, das Gießener Stabt- cheater ist ein V o lkstheater ! Im Rahmen von Veranstaltungen der NS.-GemeinschaftKraft durch Freude" wird das Gießener Stadttheater in einer ganzen Reihe von Städten des nördlichen Gaues Gastspiele geben.

Das Theater muß bunt fein, bunt wie das Volk; es muß fähig fein, alle Register zu ziehen. Das Volk in seiner Buntheit, nicht einzelne Kreise, ist berechtigt zu fordern. Die Buntheit des Volkes verlangt alle Kunstgebiete. Der neue Intendant ist uns Garant dafür, daß Schauspiel, Lustspiel, Tragödie, Oper, Singspiel, Tanz und Danzpantomime in einer voll­endeten Form gebracht werden, daß jedes Gebiet Kunst ist und kein Künstchen.

Das Konzert am Sonntag hatte natürlich auch die Absicht, einen musikalischen Wert zu vermitteln; so war mit einem ersten Teile eine Bach-Händel-Feier verknüpft. Die gute Absicht ist unverkennbar. Wie weit sind aber Schüler und zumal noch so junge geeignet, Interpreten einer so schweren Musik zu sein? Bedarf es nicht eigentlich eines langen Stu­diums, um über den großen Zeitabschnitt hinweg Zugang zu Bach zu finden? Aber um diesen Zugang überhaupt zu finden, ist es richtig, im Klavierunter­richt möglichst früh damit anzufangen: der musik­erzieherische Wert gerade dieser kontrapunktischen Stücke ist nicht zu unterschätzen. Abgesehen von der gleichmäßigen Ausbildung der beiden Hände, ft * Stücke durch ihre straffe Form im Aufbau und

hinausgehender Wert nicht beigemessen werden. In dem Gutachten wurde lediglich ein Garten, der mit einer massiven, betonfundierten Einfriedigung ehen ist, herausgestellt, da der Umbau der B undamente einen nicht unerheblichen Kostenaufwand erfordern würde.

Unter dem Vorsitz von Oberregierungsrat Dr. S ch ö n h a l s tagte gestern vormittag im Sitzungs­saal des Kreisamtes Der Kreisausschuß des Kreises Gießen im Verwaltungsstreitverfahren. Es ging da­bei um Einsprüche gegen die Bauland- umlegung im Eichgärtengebiet. Ver­schiedene Landbesitzer hatten gegen die im Verein mit dem Umlegungsverfahren getroffenen Maß­nahmen Einspruch erhoben, da sie der Meinung sind, ungerecht hart betroffen worden zu sein.

Nachdem die Grundstückseigentümer ihre Ein­sprüche im einzelnen vorgetragen hatten, sprach Bürgermeister Dr. Hamm als Vertreter der Stadt in kurzen grundsätzlichen Ausführungen über die Sachlage. Er betonte, daß für die Stadtverwaltung keine Möglichkeit bestehe, weiter entgegenzukom-

Don diesem Gesichtspunkt aus sind auch die Dar­bietungen der Schüler zu betrachten. Im großen un& ganzen konnte man eine ordentliche Technik und ein Bemühen um das Verstehen der Musik sehen; unb gerade in diesem ehrlichen Bemühen soll die größtt Anerkennung liegen. Daß Dynamik und Rhythmus im Anfangsunterricht immer Schwierigkeiten be­reiten ist klar, hinzu kam hier noch die Aufregung der Kleinen als vermindernder Faktor.

Zuerst ein Menuett in Q-Dur von Rosemarie W e l l st e i n : als Ganzes war die Leistung recht ordentlich, vor allem erfreute die gleichmäßige Tech­nik der beiden Hände. Weiter hervorzuheben ist das Menuett in Q-Moll von Margot S t i tz : sie spielte es klar und ruhig, die ganze Art des Vor­trags verriet Begabung. Das folgende Menuett in v-Moll, gespielt von Marianne Krämer, zeigte ebenfalls gute Anlagen. Am besten war zweifel­los die Leistung von Inge Dietz, die wohl über­haupt die fortgeschrittenste Schülerin ist. Sie verstand es, ein Präludium von Bach recht geschickt zu spielen, ebenso wie die Orgelsonate Nr. 2 von Händel, die sie zusammen mit ihrer Lehrerin vierhändig vortrug. Frau Schlesier-Altmann bemerkte hierzu, daß diese Leistung von Inge Dietz besonders beach­tenswert sei, da sie das Stück innerhalb von vierzehn Tagen gelernt habe; diese Tatsache entschuldigt denn auch das nicht ganz so gute Zusammenspiel. Das Präludium von Händel, gespielt von Helmut Dietz, zeigte Begabung, hervorzuheben ist der markante, aber doch nicht harte Anschlag.

Der zweite Teil, der etwas zu unmittelbar auf den ersten folgte, zeigte noch weiter die verschiedenartig­sten Fähigkeiten Der Schüler. Es kamen Le Couppey, Corelli, Beethoven, Schumann, Kullak, Mozart und Schubert zu Gehör. Hervorzuheben sind die Leistun- gen von Hannelore Dem, Marianne Heißler und Marianne Krämer. Besonders lobenswert war Inge G i e s l e r, die als Einzige wagte, aus­wendig zu spielen; ihr Anschlag war sehr weich. Den Abschluß bildete wieder Inge Dietz mit dem Im­promptu op.90 Nr. 4 von Schubert. Im ganzen ge­nommen war es eine recht beachtliche Leistung; nur hätte bisweilen das Pedal etwas weiter zurücktreten können.

Die für den Schluß der beiden Teile vorgesehenen Darbietungen von Herrn Heinz Weiser mußten wegen Erkrankung des Künstlers ausfallen. Reicher Beifall belohnte die Schüler. Rt.

Gießener Dochenmarttprelse.

* Gießen, 1. Oft Auf dem heutigen Wochen­markt kosteten: Molkereibutter, bas Pfund 1,50 bis 1,55 Mark, Landbutter 1,42 Mark, Matte 20 bis 25 Pf., Käse, das Stück 4 bis 10, Eier (bulgarische) 11 bis HVz, (inländische) Handelsklasse G U, imge*

Kartoffelernte.

Sie hat heuer später begonnen, als in den letzten Jahren. Der Regen nach der langen Trockenheit schuf neue Wachtumsmöglichkeiten, und so sehen wir heute zahlreiche grüne Kartoffelstauden, die ruljig noch einige Wochen stehen und wachsen kön­nen. Im vorigen Jahre waren die Felder um diese 3eit schon geleert. Beim wärmsten Sonnenschein und schönstem blauen Himmel ging die Ernte vor sich. Ob's diesmal wieder so wird?

Der Herbst sandte schon recht rauhe Tage, und im Zimmer brannte das Feuer. Aber das macht den fleißigen Kartoffelausmachern nichts aus. Sie schätzen das kühle und windige Wetter mehr als den heißen Sonnenschein. Denn das Ausmachen und Auflesen sind keine leichten Arbeiten. Da braucht man alle Kräfte. Wie leicht aber ermüdet man in der warmen Sonne!

Bei der Kartoffelernte liebt man die kühlen, fischen Morgen, wenn Gras und Kräuter vom Tau behangen sind und ringsum schwere Nebel das Land bedecken. An solchen Tagen sollten die Städter einmal hinaus auf die Dörfer wandern' Da würden sie sehen, welches Leben schon am frühen Morgen in allen Häusern herrscht. Da wer­den Pferde eingespannt, Körbe und Säcke aufge- laden, die Auswurfmaschinen an den Wagen ge­hängt, dann wird schnell etwas gegessen, und hin- aus geht es in den Herbstmorgen.

Auf dem Felde ertönt lautes Rufen der Fuhr­leute, denn auf den größeren Aeckern werden heut- zutage fast alle Kartoffeln mit der Maschine ausge- worfen, helles Lachen der Kinder und Frauen, Die nun die Knollen auflesen. Unter heiterem Zuspruch sind die Korbe bald gefüllt. Sie werden in die Säcke entleert, und weiter geht die Arbeit. Welcher Stolz, wenn bis zur Mittagszeit schon eine lange Reihe dieser gefüllten Kartoffelsäcke fein säuber­lich ausgerichtet! auf dem Acker steht!

Aber auch mit dem Karst werden noch viele Kartoffeln ausgehackt. Das ist freilich anstrengender und geht langsamer, aber auch hier sind die Leute zufrieden und froh, daß es wieder eine gute Ernte gibt. Kommen doch die Knollen so schön sauber aus der Erde wie in den vergangenen Jahren. Kein Unwetter, keine übermäßige Nässe haben das Wachstum gestört, i

Mit dem Kartoffelfeuerchen freilich müssen die Buben noch ein bißchen warten, denn die Sonne muß erst die Stauden etwas abtrocfnen und dürr machen.

Am Abend kommen die Wagen, und die Säcke werden auf geloben. Bis spät in die Dunkelheit hort man das Rasseln der Erntewagen, den Ruf der Fuhrleute und die Unterhaltung der Kartoffelaus­macher.

tung habe nahezu 60 000 Mark in Zusammenhang mit dieser Umlegung aufgebracht. Es fei der Stadt­verwaltung unter diesen Umständen nicht möglich, auch nur einen Schritt weiter entgegenzukommen. Die Grundstückseigentümer sollten auf der anderen Seite berücksichtigen, daß jetzt jeder Anlieger ein im Werte erheblich gesteigertes Grundstück besitze, das als Bauland anzusehen sei, das vielleicht in absehbarer Zeit entsprechende Verwendung finden werde. Der prozentuale Landabzug trefft jeden völlig gleichmäßig. Die Stadtverwaltung sei in der Behandlung des Umlegungsverfahrens gegen die Grundbesitzer in keiner Weife streng verfahren, son­dern habe Zugeständnisse gemacht, zu denen sie im Grunde nicht verpflichtet gewesen sei.

Nachdem der Vertreter des Kulturbauamtes noch kurz zur Sachlage Stellung genommen hatte, zog sich der Kreisausschuß zur Beratung zurück. Er gab nach geraumer Zeit folgenden B e schl^u ß be­kannt:

Die Einsprüche von vier Grundstückseigentümern sind gegenstandslos geworden, da die Einsprüche zurückgezogen wurden. Der Beschwerde des O. L. wird stattgegeben und ihm eine Entschädigung von 400 Mark zuerkannt. Alle übrigen Beschwerden wurden als unbegründet zurückgewiesen. Die Kosten des Verfahrens sind anteilsmäßig zu übernehmen.

men, als es bisher geschehen sei. Die Stadt habe zu dem gesamten umzulegenden Gelände von etwa 39 000 Quadratmetern aus eigenem Besitz etwa 11000 Quadratmeter zugeschlagen, so daß das von den Grundbesitzern des Eichgärtengebietes abzutre­tende Gelände nur 11 bis 12 v. H. ihres Besitzes betrage. Das Gesetz sehe hier vor, daß Grundab­gaben bis zu 35 v. H. vertretbar seien, ohne daß irgendwelche Einwendungen gemacht werden form« ten. Ferner habe die Stadtverwaltung sämtliche Kosten des Umlegungsverfahrens getragen und da­durch den Grundstückseigentümern nicht unwesent­liche Belastungen abgenommen. Die Stadtverwal-

Mit der Eingliederung der Bibliotheken der Ober- hessischen Gesellschaft für Natur- und Heilkunde, des Oberhessischen Geschichtsoereins und später der Hes­sischen Vereinigung für Volkskunde übernahm die Universitäts-Bibliothek auch deren Tausch mit vielen hundert Vereinen und Anstalten, deren Veröffent­lichungen heute einen sehr wesentlichen Teil ihrer Bestände ausmachen. Das Wachstum der Universität stellte immer größere Anforderungen an ihre Biblio­thek. Jahr für Jahr bemühte sich Haupt bei der Einreichung des Voranschlages um die Einstellung größerer Mittel und um die Vermehrung des Per­sonals. Nur langsam ging es vorwärts, aber es ging vorwärts.

Die Verhältnisse in dem Haus am Brandplatz wurden nachgerade unerträglich, die Regierung mußte sich endlich zu einem Neubau entschließen. Nach den von Baurat Becker in Gemeinschaft mit Haupt ausgearbeiteten Plänen erstand in den Jahren 1901 bis 1904 die neue Universitäts-Biblio­thek, wohl eines der schönsten Bauwerke unserer Stadt, das aber auch in seiner wohldurchdachten Raumoerteilung und geschmackvollen und praktischen Einrichtung den höchsten Anforderungen entsprach.

Hatte Haupt im Anfang seiner Tätigkeit als Bib­liothekar in Gießen nur einen wissenschaftlichen Be­amten und einen Diener, so unterstanden ihm, als er nach 36jährigem Wirken als Direktor 1921 in den Ruhestand trat, zwei Oberbibliothekare, drei Bibliothekare, ein wissenschaftlicher Hilfsarbeiter, ein Volontär, drei mittlere und drei untere Beamte. Der Bücherbestand war auf etwa 320 000 Bände und 180 000 Dissertationen angewachsen. Seine Biblio­thek war zu einer Anstalt geworden, auf die die Landesuniversität mit Recht stolz sein kann, und die sich auch neben ihrer älteren und größeren Schwester, der Landesbibliothek in Darmstadt, nicht mehr als Aschenbrödel zu fühlen braucht. Haupt fand immer wieder Wege, um mit den nie ausreichenden Mitteln möglichst viel zu erreichen. Er verstand sich gut dar­auf, immer wieder Gönner für die Bibliothek zu finden, die in der Not oder bei günstigen Gelegen­heiten halfen.

Die bedeutendste Vermehrung brachte das Univer­sitäts-Jubiläum von 1907. Außer 35 000 Mark, die von den Städten Gießen und Mainz und von einigen Industriellen und Gelehrten der Bibliothek in bar gestiftet wurden, gelang es Haupt, von 41 deutschen Verlegern die Ueberweisung von Werken ihrer Verlage im Werte von fast 60 000 Mark zu er­bitten. Der Frankfurter Diakonissen-Pfarrer Levd- Hecker ftiftete 5000 Mark für Bücher aus dem Gebiet der äußeren und inneren Mission, die den Grundstock zu einer setzt einzigartigen Missions- BibliotPek gebildet haben.

Der Mann, der diese große Verwaltungs- und Dr» ganifationsarbeit leistete und dabei immer auch noch Zeit für die Beratung der Benutzer und für freund­schaftliche Aussprachen mit seinen Beamten hatte, der im Vorstand des Geschichtvereins und der Oberhessi­schen Gesellschaft, in den Historischen Kommissionen von Hessen-Darmstadt und Kurhessen im Lese- hallen-Derein und als zweiter Vorsitzender der von ihm mitbegründeten Hessischen Vereine für Volks­kunde jederzeit mit Rat und Tat zur Verfügung stand, hat dabei seine wissenschaftlichen Forschungen ruhig und erfolgreich weitergeführt. Zunächst waren es noch Schriften über das Waldensertum und über die Vorgeschichte der Reformation und des Bauern­krieges. Als dann feine Würzburger Burschenschaft Arminia", der er als Student angehört hatte, zu 1 ihrem 50. Stiftungsfest rüstete, schrieb er auf Grund eines reichen Dueüenmat^rials die FestschriftDie alte Würzburger Burschenschaft 1898". Zur hundert- ften Wiederkehr des Todestags des Freiherrn Rena­tus Karl von Senckenberg, der seine große Bücher­sammlung der Universität vermacht hatte, verfaßte Haupt eine Biographie dieses Mannes (1900).

Als das Universitätsjubiläum 1907 bevorstand, fiel ein großer Teil der literarischen Vorbereitungen ihm zu, der wohl der beste Kenner der Gießener Univer- sitäts- und Studentengeschichte war. Mit G. Leh­nert bearbeitete er für die Festschrift dieChronik der Universität Gießen", als Festgabe des Ober- hessischen Geschichtsvereins schrieb er fein Buch Karl Fallen und die Gießener Schwarzen 1815 bis 1819", und mit Professor Sauer gab er während Des Festes die reich illustrierte FestzeitungLudo- viciana" heraus. 1909 erschien ein ebenfalls aus diesen Studien erwachsener AufsatzZur ältesten Geschichte des Verbindungswesens der Ludoviciana Das Pfälzerkränzchen".

Im selben Jahre wurde die Burschenschaftliche historische Kommission gegründet und Haupt zum Vorsitzenden ernannt. Er schuf für sie das burschen­schaftliche Archiv, das erst vor einigen Jahren an das Frankfurter Stadtarchiv übersiedelte, und be­gründete dieQuellen und Darstellungen zur Ge­schichte der Burschenschaft und der deutschen Ein­heitsbewegung", von denen 13 Bände erschienen sind mit manchem wertvollen Beitrag aus der Feder des Herausgevers.

Sich in das Leben von bedeutenden Menschen zu versenken, zog ihn immer an. Dieser Vorliebe ver- dankt ja auch unsere Bibliothek ihre reichen Be­stände an Biographien und Briefsammlungen. Diele kleinere Biographien von Gelehrten, Staatsmän­nern, Politikern, Burschenschaftern erschienen von ihm in Zeitschriften. Als die Hessische historische Kommission sich auf seinen Antrag zur Herausgabe eines SammelwerksHessische Biographien" ent­schloß, war es selbstverständlich, daß er die Leitung übernahm. In den Jahren 1912 bis 1930 gab er in 1 Verbindung mit E s s e l b o r n und L e h n e r t drei : starke Bände heraus, in denen auch viele inter­essante Beiträge von ihm enthalten sind.

Als der Krieg ausbrach, entfaltete Haupt in sei- ner glühenden Vaterlandsliebe eine eifrige Tätig- 1 red in der Aufklärung des Auslandes, im Kampf : in per Heimat für geistiges und materielles Durch- ?atten; für die Verwundeten und Kranken gab er i 1916 bis 1918 eineHessische Lazarett-Zeitung" her- ; aus. Schwer litt er unter dem schmachvollen Frie« I den und den Zustanden der Nachkriegszeit. Die un- I ermudliche Forschungsarbeit und die Tätigkeit für < bte Deutsch- Burschenschaft hielten ihn aufrecht. In - bem Burschenschaftlichen Hanbbuch für Politik I Kn-b -r 1820 überDie politische Stellung ber ! Burschenschaft un ersten Jahrhundert ihrer Ent- : 4,Iu!8 unb neben denQuellen" gab er seit , 1922 dasHandbuch für ben brutschen Burschen- i

schafter", heraus, dessen 5. Auflage 1929 erschien. Als die Gießener BurschenschaftGermania" 1931 ihr 80. Stiftungsfest feierte, widmete er ihr, die ebenso wie DieFrankonia" ihm wegen sei­ner Verdienste um die Burschenschaft ihr Ehren­band verliehen hatte, mit H. Schneider zusam­men als FestgabeBeiträge zur Geschichte der Gießener Urburschenschaft". Seine letzte größere Veröffentlichung ist der ausgezeichnete Aufsatz über Wilhelm Snell und seinen deutschen Bund von 1814 auf 1815 und dessen Einwirkung auf die Ur­burschenschaft im 13. Bande derQuellen" (1932).

Man müßte natürlich auch noch die vielen Hei­neren Beiträge Haupts in Zeitschriften und Zei­tungen, seine Rezensionen, seine Vorträge in wis­senschaftlichen Vereinen aufzählen, um ein vollstän­diges Bild von der rastlosen, fruchtbaren Arbeit des Entschlafenen zu geben. Dabei war er durchaus kein Bücherwurm, sondern auch ein liebenswürdiger Gesellschafter, ein Meister auf dem Cello, dessen schönste Erholung das Spielen der Werke unserer großen Musiker mit gleichgestimmten ,Freunden war, ein großer Naturfreund, der die Schönheit unseres Vaterlandes auf seinen Reisen genoß und besonders innig feine fränkische und seine hessische Heimat liebte.

Seine Verdienste fanden ihre Anerkennung durch die Ernennung zum Professor (1897) und Geheimen Hofrat (1904 bei der Einweihung des neuen Biblio- thekgebäudes). Er war Ehrenmitglied der Soci6t6 dhistoire vaudoise, des Oberhessischen Geschichtsoer« eins und des Vereins für hessische Geschichte in Kassel. Die Universität Gießen ernannte ihn 1922 zum Ehrensenator, die Gesellschaft für burschenschaft- liche Geschichtsforschung zum Ehrenvorsitzenden. Zu seinem 70. Geburtstag errichteten die Alten Bur- schenschaster eineHaupt-Stiftung" zur Förderung der burschenschaftlichen Geschichtsforschung, an sei­nem 75. Geburtstag brachte ihm die Gießener Bur- schenschast einen Fackelzug, und die Deutsche Bur- schenschaft stiftete eineHaupt-Plakette", die als Auszeichnung für hervorragende Leistung auf dem Gebiete der Geschichte der Burschenschaft verliehen wird.

Seinen Beamten war er nicht nur ein gerechter und gütiger Vorgesetzter, sondern auch ein treuer Freund, der an allem, was sie erlebten und was sie bewegte, herzlichen Anteil nahm, stets Zeit für sie hatte, ihnen half und sie forderte, wo er konnte. Seinen Freunden hielt er die Treue bis übörs Grab. Wir, die wir ihn kannten und die ihm nahe- ftanben, trauern in dankbarem Gedenken mit feiner Witwe, feinen Kindern und Enkeln um diesen edeln, vornehmen Mann. Sein Name ist in unseren Her­zen eingetragen wie in die Annalen unserer Uni­versität und der Geschichtswissenschaft. H.

Grundeigentümer Einspruch und verlangten Ent- chäbigungen oder Ergänzungen. So wurden Ein- riebigungen auf Kosten der Stadtverwaltung, Um« etzuna von Gartenhäusern, Herrichtung von Beton­einfassungen, Umrobung von Gelanbe, Ersatz feh­lenden Grunbes, Anpflanzen von Hecken, Versetzen von Obstbäumen, Einrichtung von Zapfstellen usw. verlangt. Da sich bie Stadtverwaltung zur Erfüllung aller dieser Wünsche nicht bereitfinden konnte, wurde die Angelegenheit zur Entscheidung vor den Kreis­ausschutz gebracht.