Ausgabe 
1.10.1935
 
Einzelbild herunterladen

ltr.229 Dritter Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheflen)

Dienstag, l. Moder l9Z5

>

)

r

|. s s 5 1 ( 5 .0 v ),

.0 ).

r t«

1. n. tel el, in

6.

8, is n* tt« nn -b.

sofort Sonderzugkarten

HL. an die Front

Achtung Bückebergsahrer!

Aus der Provinzialhauptstadt

ab

3.50 Hameln

an

2. Sonderzug (kommt von Kaiserslautern)

am 5. Oktober 1935:

ab

an

14.50

ab

6.49 Hameln

an

rechtzeitig zum

Nachdruck verboten!

5 Fortsetzung.

19.18

20.15

21.02

21.46

21.58

22.22 0.28

20.46

21.40

22.06

22.44

23.40 0.38

1.04 1.27

2.00

Darmstadt Frankfurt Friedberg Gießen Lollar Marburg Kassel

Worms Mainz Wiesbaden Niedernhausen Limburg Wetzlar Gießen Niederwalgern Marburg

wollen, wenden sich sofort dienststelle, die ihnen dann besorgt.

Fahrpreis 7,50 RM. 7, 6,30 5,70 5,50 5,10

zu leisten. Nähere Einzelheiten über Verpflegung, Uebernachtung usw. werden noch bekanntgegeben.

Oie Anmeldung nicht abgeschloffen.

deutschen Arbeiter, Handwerker und jeden einzelnen Volksgenossen in der Stadt als Verbraucher bäuer­licher Erzeugnisse sein Mühen und Schaffen keinen Sinn hätte. Dennoch gibt es vereinzelt Bauern, die diese naturgegebenen Grundsätze im Leben des Volkes nicht begreifen, oder nicht begreifen wollen. Die Landesbauernschaft wird mit tunlichen Mitteln dafür sorgen, daß auch diese Bauern im Winter 1935/36 ihre Pflicht gegenüber der Volksgemein­schaft erfüllen.

Durch Vereinbarung zwischen dem winterhilfs- werk einerseits, der Inneren Mission und dem Caritas-Verband und den übrigen Verbänden anderseits ist das Winterhilfswerk der alleinige Sammler in diesem Winter. Durch es werden alle deutschen Volksgenossen in ihren sozialen Einrichtungen betreut und versorgt. Darum, Bauern, sorgt dafür, daß sich das kommende Winterhilfswerk würdig an die Seite der bei­den letzten mit ihren hervorragenden Ergeb­nissen stellen kann. Sorgt dafür, daß der Reichsnährstand mit der Winterhilfsspende vor seinem Volk und feinem Führer bestehen kann.

Der Nationalsozialismus treibt keine falsche Unter­stützungspolitik, sondern verwirklicht den Gemein­schaftssinn ui\b das Gemeinschaftswerben der Be­wegung, das seinen höchsten Ausdruck in der

Bückeberg teilnehmen an die nächste Partei-

Oer Erntedanktag 4935 wird ein leuchtendes Fanal auf dem Marsche des geeinten deutschenDolkes indiegroßeLukunstOeutschlandSsein.

Die Sonderzugfahrkarten gelten nur für den Sonderzug und grundsätzlich nur für die H i n - und Rückfahrt. Die Züge, für welche die Son­derzugskarten gelten, sind den Karten aufgedruckt. Auf den Z u b r i n g e r st r e ck e n zur Sonderzug­station erhalten die Teilnehmer ebenfalls 7 5 v. H. Fahrpreisermäßigung, wenn sie im Be­sitze der Sonderzugfahrkarte sind. Die Anschluß­karten zur An- und Abfahrt zu und von den Son­derzügen gelten jeweils ein Tag vor Abgang und ein Tag nach Rückkunft des Sonderzuges. Fahrt­unterbrechung mit Sonderzugkarten und An­schlußkarten ist ausgeschlossen. Den Anord­nungen des Transportführers ist unbedingt Folge

Nachdem sich die Tür hinter ihr geschlossen, erhob ich Großmama Jutta. Schmal und vornehm war ihre Gestalt und biegsam fast wie in jungen Jahren.

Ihre dunklen Augen blitzten.Manieren führt der Junge hier ein, kaum glaublich ist das. In Hans muß schon alles durcheinander geraten sein, sonst hätte er sich nie und nimmer so weit vergessen. Mit der Erklärung ,überarbeitet* läßt sich sein Beneh­men überhaupt nicht deuten. Ich wenigstens gebe mich damit nicht zufrieden."

Gretel wehrte:Bitte, befrage ihn nicht etwa selbst, Grohchen, du würdest ihn nur quälen. Ich hab's schon versucht."

Jutta von Syden schüttelte den Kopf.

Du hast es schon versucht? Hm, wenn einer von uns was aus ihm herausbringen kann, bist du es wohl, du, sein Liebling." Sie faltete die schmalen, mit wertvollen Ringen geschmückten Finger.Der Junge hat alles, was sich ein junger Mensch nur wünschen kann. Tadellosen alten Namen, eine her­vorragende Stellung und glänzende Einnahmen. Er macht oft förmliche Weltreisen, ist berühmt als erstklassiger Fahrer und kommt diesmal heim wie einer, dem man das Letzte weggenommen hat. Ich kenne mich da nicht mehr aus. Wenn es sich um irgendwelchen Berufsärger handelte, hätte er längst den Mund aufgetan." Sie zuckte die Achseln.Am besten ist's, über das von heute zur Tagesordnung überzugehen, es als ,nicht geschehen' zu betrachten. Auf jeden Fall ist Hans schwer nervös."

Sie strich Bettina, für die sie von je eine be­sondere Vorliebe hatte, über das weiche Haar und ging dann auf ihr Zimmer.

Die Spätnachmittagssonne lag über einem Teil des Zimmers, übertupfte die hellbraunen Polster- möbel mit goldenen Lichtern und gab dem schönen Raum etwas von der frohen Frühlingsstimmung, die draußen über Berg und Tal, über Wald und Fluß lag, als glückselige Erfüllung der Hoffnung des Wiederauferstehens der Natur.

Aber Bettina und Gräfin Jutta spürten nicht, wie sehr die frohe Frühlingsftimmung hier im Zimmer durch ihre Sonnenstrahlenboten um Freu­digkeit ward, sie waren sehr ernst. Bettina saß nun neben Jutta Syden und wußte nur, fie wäre am liebsten auch fortgelaufen wie Gretel, die wohl bei dem Bruder war. Durch den Park, durch den Wald zum Rhein hinunter, nach Hause ins Städt­chen, in ihr Stübchen über dem Goldschmiedsladen und hätte dort gemeint Sich so recht von Herzen ausgeweint, ohne daß sie eigentlich hätte erklären können, warum sie meinen mollte, denn es hatte ihr ja niemand etwas zuleide getan. Daß fte Hans Syden liebte, ging ja niemand etwas an, daß mußte auch niemand. # m ...

Jutta Sydens linke Hand langte sich Bettinas Rechte und drückte sie sanft

Oie Anfahrt zum Aückeberg.

Es rnird darauf vermiesen, daß die Anfahrt mit Automobilen und sonstigen Fahrzeugen zum diesjährigen Erntedanktag auf dem Bückeberg in den vorgesehenen Straßen jeder­mann ohne Wagenkarte gestattet ist. Die Fahrzeuge meröen an einer festgelegten Sperr­zone auf Parkplätze geleitet, von mo die Volks­genossen einen kurzen Marsch zum Festplatz antreten müssen. Lediglich innerhalb des Sperrgebietes ist der Fährverkehr nur mit Wagenkarte gestattet.

Vornan von Anny von panhuys Urheberrechtsschutz Aufrnärts-Verlag G. m. b. H., Berlin SW 68.

thek einzutreten. Schon nach zrnei Jahren mürbe er Assistent und 1884 Sekretär. Neben seiner bibho» thekarischen Berufsarbeit geht eine eifrige Forscher­tätigkeit her, zunächst hauptsächlich auf dem Gebiet der" alten Geschichte und Literatur. Em größeres Buch über den römischen Grenzmall in Deutschland erschien 1885. In dieser Zeit setzten aber auch be­reits seine Studien zur mittelalterlichen und Sekten- geschichte ein, die dann immer mehr im Vordergründe seines rnissenschaftlichen Interesses stehen. 1882 er­schien sein Beitrag über die religiösen (Akten tn Franken vor der Reformation und 1885 seine erste größere Arbeit über das Waldensertum, dessen Ge­schichte ihn ganz besonders anzog.

Die Berufung dieses als Bibliothekar und als For- fcher gleich tüchtigen jungen Gelehrten zur Leitung der durch den Tod des Professors Dr. N o a k ver­waisten Gießener Universitäts-Bibliothek war em glücklicher Griff. Mutig übernahm Haupt am 16. Ok­tober 1885 die nicht leichte Aufgabe, waren doch auch der zweite wissenschaftliche Beamte Kustos Dr. Rumpf und der Diener inzwischen gestorben.

Rasch arbeitete er sich in die neuen Verhältnisse und in das Gießener Katalog-System ein. In Dr.

Wenn irgend jemand, dann stehen wir Flieger voll und ganz hinter Eurer großen propaganba- aklion, die in diesen Tagen die gesamte Oefsentlich- keit erfaßt.

Der Fliegernachwuchs sollaus Euren Reihen kommen. Das Ziel ist klar!

Flieger soll nur werden, wer hi 1 lerjunge war. Darum gehört jeder deutsche Zunge in die h ).

Armes Dingelchen, gib dir keine Mühe, vor mir Haltung zu bewahren, ich weiß Bescheid, wie es um dein Herz steht." e

Ein erschrockenes Augenpaar starrte die Spre­chende an. Die Gräfin preßte die schmale Mädchen­hand noch fester.

Törichtes Kind, Jutta Syden war im allgemei­nen immer eine gute Menschenkennerin, und in deinem Fall war die Menschenkenntnis gar nicht be­sonders schwer. Ich ahnte längst, daß dir mein Enkel gefiel, daß du ihn aber liebst, weiß ich be­stimmt seit heute. Dein Erröten vorhin, das Zit­tern deiner Stimme beim Singen verrieten mir, daß du vielleicht mehr als mir alle um Hans bangst, weil ihn irgend etwas quält, von dem mir nicht missen, mas es ist."

Bettina mollte sich mehren, mollte lügen:Ich hab Ihren Enkel gern und es tut mir leid, menn er irgendmelche große Sorgen hat, aber lieb, nein, lieb hab ich ihn nicht!"

Sie brachte noch ein halbes Sätzchen ähnlichen Inhalts hervor, aber vor dem Blick der Gräfin

Man stand wie unter einem Bann, mar ganz tn die Gewalt des Liedes verstrickt, atmete schwer, als glitte ein düsterer Schatten vorbei an der Sonne und hülle alles ringsum in bange Nacht.

Die gewollt holperigen Verse, die eigenartige Melodie schienen wirklich einer Zeit zu entstammen, die weit in der Vergangenheit lag. Dazu gesellte sich der gefühlsmäßig hervorragende Vortrag Bet­tinas. Nachdem sie geendet, blieb alles still, nie­mand sprach ein Wort, allen mar es, als hätte über zwei Jahrhunderte hinweg eine Unglückliche noch einmal ihr abgrundtiefes Leid hinausgejam­mert. .

Hans Syden dachte flüchtig, Bettina war eigent­lich eine Künstlerin, und zugleich dachte er, das Lied hatte ihn wohl gepackt, aber zugleich auch tief verstimmt. . , , .

Großmama Jutta schüttelte zuerst das bleiern Niederdrückende ab, das dies Lied hinterlaßen. "Sie lächelte:Du verstehst es wirklich, einem das Gruseln beizubringen, Bettina. Der Musiklehrer Wilderling hat wirklich war los., Vor allem hat er deine Stimme glänzend geschult." _

Großmama Leonore fuhr sich über die Stirn.

Ein unheimliches Lied, ich möcht's nicht oft hören, ich meine, das läuft noch hinter mir her bis in den Traum."

Großmama Jutta lächelte noch immer.

Ich hab es ganz gern, das Unheimliche! Und weil du heute so besonders gut bei Stimme, finge doch, bitte, das Lied, das ich so gern von dir höre." Bettina nickte:Mit Freude, Frau Gräfin." Sie präludierte schon.

an 15.19

15.17

14.41

13.53

13.42

13.22

0.53 23.56 23.35 23.07 22.01 21.02 20.36 20.13

Er glaubte plötzlich, Wally Walb vor sich zu ehen in ihrer blendenden sinnbetörenden Schönheit und erinnerte sich überdeutlich an alles, was mit ihr in Zusammenhang stand. Er durchlebte alles noch einmal. Wußte genau, Wort für Wort, auf welche Weise er mit ihr verabredet, daß sie die Pflegemutter und ihren Verlobten verlassen sollte. Wie er den Tag bestimmt. Er bezweifelte nicht, daß sie noch lebte, menn sie ihn nicht kennen ge­lernt. Während der Fahrt zur Schneiderin, wo sie ihren Koffer hatte holen wollen, war sie getötet worden, das Schicksal hatte hart und schroff ihr Leben ausgelöscht.

Er konnte das Lied nicht hören, es zu sehr an seinen Nerven. Unbeherrscht fprahg er auf und lief hinaus. Er lief nach oben und warf sich auf das Sofa, drückte das Gesicht gegen das Kopfpolster, löhnte ganz wirr:

Laß ihn und die Mutter und schau nicht zurück, Wir beide fliehen ins seligste Glück!"

Allgütiger Himmel, es mar ja nicht zu ertragen, das, was er jetzt leiden mußte. So überstark, so überwältigend klar wie heute, war ihm das Ge­schehene, trotz aller bisherigen Seelenqualen, doch noch nie zum Bewußtsein gekommen wie jetzt, nach­dem Bettina Hochwald die zwei Zeilen des bekann­ten Liedes gesungen. Musik wirkte von je besonders stark auf ihn, in feiner Verfassung mar Musik Nervenqual. Er stöhnte:Wir beide fliehen ms seligste Glück!" .

Der Traum, den er geträumt, mar vorbei. -uor=

Fahrpreis 9,20 RM. 8,30 8,10 7,70 7, 5,90 5,70 5,40 5,10 am 7.10.35

11.36

ab 8.20 am 7.10. 35

Herman Haupts.

Im August hatte Geheimrat Haupt auf der Heimreise von einem Besuch in seinem geliebten Würzburg nach Betzdorf, mohin er vor zrnei Jahren übergesiedelt war, in Gießen Station gemacht, um seine Universitätsbibliothek und seine hiesigen Freunde einmal wiederzusehen. Trotz seiner 81 Jahre war er so frisch und in der Unterhaltung so lebhaft, daß uns die Nachricht von seinem Scheiden nun ganz überraschend kommt. Nach kurzem Kranksein hat eine Lungenentzündung in der Nacht von Samstag auf Sonntag seinem Leben ein Ende gemacht.

Er stammte aus dem Frankenland. Am 29. Juni 1854 war er in Markt-Bibart geboren als Sohn des Rechtsanwalts August Haupt, hatte das Würzbur­ger und Schweinfurter Gymnasium und dann von 1871 bis 1874 die Universität Würzburg besucht. Er studierte klassische Philologie und Geschichte, mit 22 Jahren wurde er bereits auf Grund einer philo­logisch-historischen Arbeit zum Dr. phil. promoviert. Nach seinem Staatsexamen war er erst kurze Zeit im Gymnasiallehrerberuf tätig, im Mai 1876 ent­schloß er sich in die Würzburger Universitätsbiblio-

Auch in diesem Winler wird die Not für viele deutsche Volksgenossen wieder groß. Darum gilt es, zum dritten Male die Volksgemeinschaft, die in uns und um uns der Führer schmiedete, unter Beweis zu stellen und sie immer inniger und fester als ein unzerreißbares Band um alle Volksgenossen zu knüpfen.

wenn auch die Ernte in vielen Gegenden un­serer Landesbauernschast keinen vollen Erfolg gebracht hat, so verlangt der Rationalsozialis­mus. daß dennoch jeder Bauer seine Pflicht gegenüber der Volksgemeinschaft erfüllt und nach besten Kräften zur Winterhilfe der RSV., die ein Liebeswerk ist, das aus nationalsoziali­stischem Ideengut geboren wurde, beisteuert.

Das Winterhilfswerk ist nicht nur nehmend, son­dern auch gebend. Ganze Industriezweige werden durch es beschäftigt. Auch hat es im vergangenen Jahre u. a. 6 Millionen Pfund. Fleisch im eigenen Saft, mehrere Millionen Zentner Kartoffeln, 500 000 Zentner Weiß- und Rotkohl und erhebliche Men­gen anderer Nahrungsmittel von der deutschen Landwirtschaft bezogen. Daran haben Bauern und Landwirte, Metzger, Bäcker, Müller usw. ihren An­teil. Daran sollte jeder in den kommenden Wochen denken, wenn sich die freiwilligen Helfer in opfer-

Die Organisationsleitung Bückeberg teilt mit: Entgegen anderslautenden Nachrichten ist die Anmeldung von Teilnehmern zu Sonderzügen nach dem Bückeberg nicht ab­geschlossen. Volksgenossen, die am 6. Oktober am Staatsakt auf dem

Diejenigen Personen, die sich , w Termin bei den Dienststellen des Reichsnährstandes gemeldet hyben, müssen ihte Fahrkarten bis spä­te st e n s M i 11 w o ch , 2. Oktober, bei den zu­ständigen Ortsbauernführern und Kreisbauernschas- ten gegen Erstattung des Fahrpreises abholen.

Nächstenliebe der Tai.

Aufruf desLandeSbauernführerS Or.Wagner für dasWinterhilfswerk4935/36.

LPD. Die Landesbauernschaft Hessen- Nassau teilt mit:

Nachstehend geben wir den Fahrplan für die aus unserer Landesbauernschaft zum Staatsakt auf dem Bückeberg fahrenden Sonderzüge bekannt:

1. Sonderzug am 5. Oktober 1935:

williger Bereitschaft an ihn wenden.

Die Richtsätze und Richtlinien, die ich für den Be- ....

reich der Landesbauernschaft Hessen-Nassau erlassen Nächstenliebe der Tat findet, habe, sind für jeden einzelnen Bauern tragbar. Der weitaus größte Teil der Bauernschaft weiß, auf 1

was es ankommt, nämlich darauf, daß ohne den' Dr. Wagner, Landesbauernführer.

bei für immer! t _ ... .

Nachdem Hans Syden so brüsk das Musikzimmer verlassen, hatte Bettina sofort mit Spiel und Ge­sang aufgehört und sah erschreckt und fragend die drei Damen an, die untereinander betroffene Blicke wechselten. Es stand für fie alle drei fetzt fest, Hans war diesmal sehr verändert helmgekommen.. Ihn bedrückte, ihn quälte etwas stark, so überstark, daß er alle gute Erziehung vergaß und sich benahm wie ein rücksichtsloser Hinterwäldler, der einfach tat, was ihm gerade paßte.

Großmama Leonore sagte leise:Hans ift über­arbeitet, wir wollen es ihm deshalb nicht allzu dick antreiben, daß er sich eben em bißchen flegelhaft benommen hat. Es tut nur leib,., nu-h l° aus­drücken zu müllen, aber wozu beschönigen. Ich bin kein Freund von Menschen, die sich zu weit gehen lassen und menns gar einer meiner t)amihe tut, empört es mich doppelt."

Sie erhob sich und trat zu Bettina.Verzeihe ihm mein Kind, weil er dich so schroff unterbrochen hat und mich entschuldige jetzt bitte, ich mochte nach oben gehen, ein Stündchen ruhen,, meine Migräne plagt mich schon den ganzen Tag.

Sie nickte allen zu und ging langsam zur Tur. Sie trug immer schwarze Kleider und bevorzugte sehr langgesc^'ttene Röcke, die leicht schleppten. Sie hinkte ein wenig, kaum merklich, das sollte die kleine Schleppe verdecken.

Hans Syden nahm sich vor, nach dem nächsten Lied fortzugehen, er bereute schon ins Waldschlöß­chen gekommen zu sein. Er hätte mit seinem Schmerz, seiner Verzweiflung in die tiefste Em- samheit zu ganz Fremden flüchten müssen. In ein weltentlegenes Dorf, wo er sich für niemand eine gleichmütige Maske aufzuzwmgen brauchte. Noch ein Lied wollte er mitanhören und dann sofort gehend In den Wald, in.die Stille.

Eben setzte Bettinas Stimme ein. Sie sang:

Ich gönne dich keinem hier auf Erden, Du darfst nicht das Weib des anderen werden. Laß ihn und die Mutter und schau nicht zuruck, Wir beide fliehen ms seligste Gluck.

Dem Manne war es, als träfe ihn jedes Wort wie mit Nadeln.

Und schon wollen dunkle Mächte wieder versuchen, diese Einheit zu zerstören. Sie glauben, mit Lug und Trug uns wieder zu verderben. Sie sollen sich bitter täuschen, denn in dem Volk von morgen, dessen Religion es ist, ein Bolk zu sein, marschieren all die Tausend und Millionen Opfer mit, die der Kampf um die deutsche Einheit forderte, das Erbe zweier Jahrtausende trägt dieses junge Volk in sich.

Ein gewaltiges Bekenntnis zur Einheit wird die gesamte nationalsozialistische Bewegung Hessen- Nassaus in den nächsten Wochen in Limburg ab­legen.

Im Mittelpunkt dieser großen Aktion steht für uns die Kundgebung der Hitlerjugend, auf der der Reichsjugendführer zu 20 000 Mädel und Jungen sprechen wird.

Mädel, wir sind stolz, daß uns die Gelegenheit gegeben wird, an diesem lag ein erneutes begeistertes Bekenntnis zum Volk abzulegen.

An diesem Tag muß die kleine Schar der Hetzer und Dunkelmänner erkennen: gegen das Deutschland von morgen können wir nicht kämpfen, denn gegen unsere Waffen setzen sie ihren unerschütterlichen Glauben, ihre Liebe, ihren Willen, der zur Tat wird und sich einsetzt, denn ein Volk zu sein ist ihre Religion!

Mädel! Am 13. Oktober sind wir alle in Limburg!

BDM., Obergau 13.

Um allen an der Fahrt Beteiligten die Reise an­genehm zu gestalten, soll jeder einen Platz bekommen. Das kann aber nur dann erreicht wer­den, wenn jeder Teilnehmer den Wagen benutzt, der ihm durch eine Nummer auf der Rückseite der Fahrkarte zugewiesen ift. Beim Einsteigen in den Wagen ist dem Ordner die Fahrkarte vorzuzeigen.

kam sie nicht zu Ende damit.

Die neben ihr Sitzende lächelte'Es hört nie­mand, was wir sprechen, Kind, deshalb können wir offen und ehrlich miteinander sein. Es tut mir sehr leib, daß dein Gesang nicht den Erfolg bei Hans hatte, den sich Gretel und ich davon verspra­chen. Ich rate dir sogar, obwohl du für ein paar Tage eingeladen wurdest, möglichst gleich heute wie­der heimzukehren. Die Wolke, die Hans mitge­bracht, ist doch wohl viel dunkler, als sie anfangs schien. Ich hab jetzt so ein peinliches Gefühl, als ob es hier noch zu irgendwelchen Familienszenen kommen könnte und dabei, verzeih, liebes Kind, ist's doch besser, die Familie ist ganz unter sich/

Sie streichelte Bettinas Hände.Nicht etwa be­leidigt sein, liebes Mädel, nicht etwa gekränkt denken: Erst holt man dich her und dann kündigt man dir die Gastfreundschaft. Solche Mißverstand- nisse darf es zwischen uns nicht geben. Wir beide müssen immer wissen, woran wir miteinander sind, nicht wahr? Ich habe dich nämlich sehr lieb, Betti­na, so lieb, als gehörtest du zu den Sydens durch Bande des Blutes."

Bettinas Wimpern feuchteten sich, ein paar große Tränen zogen langsam über ihr schmales kluges Gesicht und leise gestand sie:Ich habe Sie auch sehr lieb, Frau Gräfin, Sie waren von je so her­zensgut zu mir."

Da küßte die Gräfin das blonde Mädel auf die Stirn.

Also sind wir einig und so etwas rote Mißver« ständnisse gibt es zwischen uns nicht."

Bettinas Herz schlug schon ruhiger, es war ihr nicht mehr peinlich, daß diese gütige, warmherzige Frau von ihrer heimlichen Liebe wußte, denn bar1 war ja nicht anbers, als wenn eine verschwiegene Freunbin barum gewußt hätte.

(Fortsetzung folgt!)

heil Hitler!

Der Führer der Luftsport-Landesgruppe 11.

Gez.: $ dj a e b e L

Ein Volk zu sein, das ist die Religion unserer Zeit.

Möbel! Noch find bie Tage in Nürnberg wach unb lebendig in uns, bie klar unb hart einer ganzen Welt bewiesen: der zweitausend Jahre alte Kampf der deutschen Menschen um völkische Einheit hat jetzt zum Siege geführt. Hier steht ein Volk, das, erwacht, aus jahrhundertelangem Schlaf, das Pochen feines Blutes wieder hört und sich über alle Unter­schiede und Klüfte hinweg zu einem Glauben, einer Liebe, einem Willen und einer Tat zusammenschließt. Zweitausend Jahre lang hat der Kampf gedauert gegen die finsteren Mächte der Zerrissenheit, bis alle Deutschen erkannten:

Lin Volk zu sein, das ist die Religion unserer Zeit!