Ausgabe 
1.8.1935
 
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Am Hebel der Mobttmachungsmaschine. 3m preußischen Kriegsministerium am Tage des Kriegsausbruchs 1914.

Don Generalleutnant a. O. Gcheüch, damaligemDirektor des Zentraldepartements im Kriegsministerum"?

Krieg und Frieden.

Am 1. August 1914 begann der große Völkerkrieg nach aufregenden Tagen mit wildem Notenwechsel, mit einem Ultimatum nach dem anderen seit den Schüssen von Sarajewo. Und doch ist es ein Irrtum, behaupten zu wollen, daß der Krieg erst da begann. Die klare Auseinandersetzung mit Waffengewalt hatte da ihren Anfang genommen. Die Politik von damals hatte versagt und Clausewitz sagte schon: Krieg ist die Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln." Wenn also der erbittertste Entwicklungs­kampf derFriedenszeiten", sich durch menschliche Kleinheit festgefahren hat, wenn der Geist, der die Dinge regulieren soll, versagt, dann kommt die Zeit oer Faust. Donnernde Kanonen und knatternde MG.'s ersetzen dann diplomatische und parlamen­tarische Rede und Gegenrede. Aber die Tatsache ist nicht zu leugnen, daß somit so paradox es klingt der Beginn des Krieges der erste Schritt für den Frieden ist.

Wenn wir vom Standpunkt des Heute aus die Dinge betrachten, so zeigt sich mit aller Klarheit das Bild, daß in den letzten Jahrzehnten vor dem Krieg eine neue Epoche menschlicher Entwicklung ihren Anfang nahm. Technische Erfindungen und kulturelle Fortschritte bahnten, Hand in Hand gehend, den Weg in ein neues Zeitalter. Gas, elek­trischer Strom, Auto, Fernsprecher, Funk, Flugzeug usw. lösten das Zeitalter der Romantik, dieRo­mantik der Postkutsche", ab und führten die Aera desStahls" herauf. Damals begann der Krieg, dessen Schlußakkord die Kanonen von 14 bis 18, ja fast bis in unsere Tage donnerten. Was ist klarer als die Tatsache, daß die Menschen, die diese Zeit im eigensten Erleben fühlten, innerlich gespalten wurden, daß es ein harter Kampf war, sich los­zureißen von den anscheinend festgefügten Dingen, in denen sie herangewachsen waren, und nun hin­einzuwachsen in etwas ganz Neues? Erleben wir es nicht aus den Erzählungen der Alten von da­mals, daß ihnen lange Jahre das Vertrauen zu diesem technischenTeufelszeug" fehlte? Bis sie dann erkennen mußten, daß diesetechnische Sint­flut" nicht mehr zu dämmen war, daß sie die ersten Auswirkungen von Dingen sahen, die sich in er­staunlicher Schnelle und unaufhaltsam als Vorboten kommender Tage über den Horizont der Zeiten schoben.

Die Menschheit hat schon eine Reihe von Ent­wicklungen durchgemacht. Diese allerdings zeichnete sich durch ihr ungeheures Tempo aus. Aeußerlich kamen die Menschen von damals mit Mühe und Not mit, innerlich nicht. Die Kultur als wahr­haftigster Ausdruck des Seelenlebens einer Nation hinkte weit hinter der Entwicklung her. Die Men­schen liefen leer und suchten nun ihre Sehnsucht nach inneren Werten zu verlagern. Die unmöglich­sten Versuche wurden gemacht, richtige und falsche. In allem Chaos der versinkenden alten und der anbrechenden neuen Zeit, im Kriege um die neue Weltgestaltung tauchten falsche und richtige Pro­pheten auf. Die Jugendbewegung, Walter Flex, Löns und Gorch Fock waren Bahnbrecher für den richtigen Weg. Aber nicht nur Cinzelfragen, alle Fragen des Lebens mußten in harten und verbis­sensten Kämpfen auf eine neue Basis gestellt wer­den. Die Menschheit war aufgewühlt und versuchte, so oder so die Schicht des Gewesenen zu durchbre­chen, um zum Kommenden zu finden. Es war ein Krieg aller gegen alle, eine gewaltige Auseinander­setzung mit sich und den Dingen.

So kam der Weltkrieg als letzte Entladung, als gigantische Menschheitsdämmerung mit unerbitt­licher Zwangsläufigkeit und, mit allen Hinter­gründen gesehen, in logischer Schlußfolgerung. Dort aber erst, in den Schützengräben der ganzen Welt, kam diese Entwicklung aus dem Unterbewußtsein in das Bewußtsein der Menschen. Deshalb auch ging der Krieg um den Frieden einer neuen Zeit. Deshalb auch sind die Männer, denen zuerst die klare Erkenntnis kam, eindeutig und ohne Phrase, die Berufenen, den Frieden zu schaffen; denn sie haben an ihm gearbeitet und das Fundament der neuen Zeit mit ihrem Blut und mit ihrem Leben gemauert. Ungesunde und zeitfremde Geister wollen noch aus den Wirrnissen der lieber« gangszeit gewinnen. Sie glauben, aus dem jahr­zehntelangen Entwicklungskrieg profitieren zu kön­nen. Die Frontsoldaten, die seinerzeit an die prak­tische Lösung dieses Problems gegangen \ haben sich heute auf ihre Aufgabe wieder befoi .1. Sie sind sich klar über die Verpflichtung, die ihnen und nur ihnen auch weiterhin erwächst. Sie haben eingesehen, daß es nicht genügt, nur das Funda­ment zu schaffen und andere weiterbauen zu lassen. Die anderen waren nicht fähig dazu. Gut. So eben werden sie die Kelle wieder in die Hand neh­men und die Dinge, um die sich alles dreht, zu einem glücklichen Ende führen: zu dem wahrhaft ehrlichen Frieden, den unsaubere Geschäftemacher nicht mehr in Gefahr zu bringen vermögen. So erst wird der Krieg seinen Sinn bekommen als erster Schritt zum Frieden. So wird aber auch erst d e r Glaube wieder einkehren, der allein die Welt neu gestaltet. So erst wird der 1. August der Gedanktag fein, wo der Kampf um den Frie­den der Welt begann.

(Ein Blitz lötet 17 Schafe und eine Zuchtsau.

Während eines heftigen Gewitters, das über den Bergen der linken Mofelfeite niederging, schlug der Blitz in der Nähe des Sievenicher Hofes bei Trier in eine Schafherde und tötete 17 Tiere. Der Schäfer, der etwa zehn Meter von den Tieren entfernt saß, wurde von dem Blitzschlag betäubt. Die übrigen Schafe insgesamt 250 Stück blie­ben unverletzt. Im Schweinepferch des Gutshofes löste sich durch einen weiteren Blitzschlag die Hoch­spannungsleitung und fiel auf eine trächtige Zucht­sau, die sofort getötet wurde.

Wetterbericht

des Reichswetterdienstes. Ausgabeort Frankfurt.

Die Periode unbeständigen, unfreundlichen und kalten Wetters ist zu Ende gegangen, ohne be­dauerlicher Weise der Landwirtschaft ausreichende Niederschläge zu bringen. Der Zustrom der kühlen polarmaritimen Luftmassen ist langsam zurückge- gangen, der Einfluß kalter Lust bereits am Zu­sammensinken. Dabei ist in Frankreich und im an­schließenden Südwestdeutschland und Süddeutschland bereits Aufheiterung eingetreten, die sich weiter ausbreitet und durch Sonneneinstrahlung neue Wärmezunahme bringen wird.

Aussichten für Freitag: Trocken und überwiegend heiter, weiterer Anstieg der Tages­temperaturen, schwache, meist westliche Winde.

Lufttemperaturen am 31. Juli: mittags 15,8 Grad Celsius, abends 13,1 Grad; am 1. August: morgens 12,8 Grad. Maximum 15,9 Grad, Minimum 11,1 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 31. Juli: abends 17,5 Grad; am 1. August: morgens 16 Grad Celsius.

(Nachdruck, auch auszugsweise, verboten.)

Im Zeichen des Mobilmachungsterminkalenders.

Bis Mitte Juli war es ruhig im Kriegsministe­rium. _

Diese Situation änderte sich mit einem Schlage, als bekannt wurde, daß Poincare nach Petersburg abgereist sei. Von dem Moment an hatten wir die Ueberzeugung, auf Komplikationen gefaßt sein zu müssen.

Falkenhayn war zurückgekommen. In äußerster Spannung saßen wir beisammen, besprachen die neuesten Meldungen. Dennoch änderte sich auch jetzt noch nichts im Dienstbetrieb des Kriegsmini­steriums. Die Arbeit ging weiter wie jeden Tag.

Doch je mehr sich die Situation zuspitzte, desto mehr mußte uns diese völlige Untätigkeit beun­ruhigen. Schon hörte man von Truppenzusammen- ziehungen ausländischer Mächte.

Oft gingen in diesen Tagen der General von Falkenhayn und ich im Garten auf und ab, und immer wieder war es die gleiche Frage, die uns peinigte:

Drüben macht man mobil. Die Grenzen sind bedroht! Warum warten mir?"

Wie stets feit Jahr und Tag waren auch jetzt die Mobilmachungspläne parat, jene Mobil- machungs - Terminkalender, die alljährlich zum 1. April für alle Truppenteile und Behörden zu­sammengestellt wurden und in denen die Mobilisa­tion jedes einzelnen Soldaten, jedes Pferdes und jeder Kanone mit genauer Angabe von Zeit und Ort festgesetzt war. Diese Pläne lagen in den Schubladen des Majors van den Bergh, des Mo­bilmachungsreferenten der Armeeabteilung.

Wir mußten sie ruhen lassen. Denn noch immer hofften die deutschen Politiker, die Entfesselung der furchtbaren Kräfte verhindern zu können.

In dieser Sorge erschien uns die Bekannt­machung der drohenden Kriegsgefahr am letzten Julitage fast wie eine Erlösung aus ent­setzlicher Gefahr. Wir kannten ja die gewaltige Uebermacht der russischen Millionenarmee, wir wußten um die ungeheure Bedrohung, die das An­rollen dieserDampfwalze" für den deutschen Osten bedeutete; nur die größere Schnelligkeit der deut­schen Mobilmachung konnte die Städte und Dörfer unserer östlichen Provinzen vor den Schrecken des Krieges bewahren.

Doch noch immer rief der Kaiser sein Volk nicht zu den Waffen. Denn noch in dieser letzten Stunde versuchte er mit äußerster Kraftanstrengung, den Frieden zu erhalten!Drohende Kriegsgefahr" das bedeutete für uns lediglich das Aufstellen von Grenzschutztruppen, scharfe Bewachung der Eisen­bahnanlagen und Brücken, Schutz der Küste.

Das Schilksalsdokumenk.

Der 1. August ist angebrochen. Arn Nachmittag wird General von Falkenhayn zum Kaiser ins Schloß befohlen; wortlos begleite ich ihn zum Wagen.

Ich weiß, die Plappe, die er bei sich trägt, birgt jenes Blatt Papier, das schon seit Jahren bei uns in der Armeeabteilung in der Schublade lag, und auf dem die schicksalsschweren Sätze stehen:

Ich bestimme hiermit: das Deutsche Heer und die Kaiserliche Marine sind nach Maßgabe des Mo­bilmachungsplanes für das Deutsche Heer und die Kaiserliche Marine kriegsbereit aufzustel- l e n.

Der......wird als erster Mobttmachungstag fest­gesetzt Berlin, den.........

An den Reichskanzler (Reichs-Marineamt) und den Kriegsminister."

Wird jetzt der entscheidende Entschluß gefaßt, das Datum ausgefüllt, das Dokument unterzeich­net...?"

Das deutsch-englische Flottenabkommen und die Bekanntgabe der kürzlich erfolgten Indienststellung des ersten nach dem Weltkriege erbauten deutschen Unterseebootes haben das allgemeine Interesse wie­der auf diese einzigartige Waffe gelenkt. 17 Jahre lang hat der U-Bootbau in Deutschland erzwunge- nermahen geruht. Seit den gewaltigen Leistungen unserer Unterseeboote im Weltkriege hat das deut­sche Volk nur hin und wieder etwas darüber er­fahren, wenn etwa eine Notiz durch die Zeitungen ging, daß irgendwo im Ausland wieder einmal ein noch größeres, ein noch schwerer bewaffnetes Unter­seeboot in Dienst gestellt wurde.

Ein kurzer Rückblick auf die Entwicklung und die Eigenschaften der Unterseebootwaffe ist in diesem Augenblick vielleicht am Platze. Der Gedanke, Tauchboote zu bauen, beschäftigt die Menschheit schon seit Jahrhunderten. Er wurde zum ersten Male in die Tat umgesetzt im Jahre 1771, als der amerikanische Arzt Dr. Bushnell sein, Boot American Turtle" baute und mit ihm, wenn auch nur für kurze Zeit, erfolgreiche Versuche unter­nahm. Auch Ful ton hat ein Unterwasserfahrzeug gebaut, das am Anfang des vorigen Jahrhunderts sogar den ersten Torpedoangriff gegen ein Zielschiff gemacht hat. Allerdings gab es damals noch keine Preßlufttorpedos, sondern das Geschoß mußte von dem Boot gegen die Scheibe geschleppt werden.

Der erste erfolgreiche deutsche U-Bootkonstrukteur war Bauer, ein bayerischer Ingenieur, der in der schleswig-holsteinischen Armee diente. Nach seinen Angaben wurde im Jahre 1849 bei der Werft von Schweffel und Howaldt in Kiel das erste deutsche Unterseeboot gebaut, das den Namen B r a n d t a u ch e r" erhielt. Das Boot, das heute im Museum für Meereskunde in Berlin zu besichti­gen ist, hatte eine Länge von 8 Meter, war etwa 2 Meter breit und bestand aus Holz. Seine Fort­bewegung erfolgte durch Schrauben, die vom Innern des Bootes aus durch Menschenkraft be­wegt wurden. Bauer machte mit seinem Brand­taucher, der außer ihm noch zwei Mann Besatzung hatte, verschiedene erfolgreiche Tauchfahrten in der Kieler Föhrde. Am 1. Februar 1851 geriet er bei einer solchen Fahrt in zu große Tiefe und konnte das Fahrzeug nicht wieder nach oben bringen. Es gelang der Besatzung, das Boot zu verlassen und an die Oberfläche zu gelangen, wo sie von Begleit- booten aufgenommen wurden. Im Jahre 1887 ist

Tausende von Gedanken kommen in diesen Mi­nuten; schon zeichnet sich am Horizont der Ring des Feindbundes ab, dessen Heere in gewaltiger Uebermacht gegen uns marschieren werden. Noch einmal erinnere ich mich der Meldung, die heute vormittag aus dem Großen Generalstab gekommen ist, daß russische Militärtransporte, Zug auf Zug und gespickt mit Kanonen, der deut­schen Ost grenze zurollen...

Da fährt um 5 Uhr nachmittags der Wagen desKriegsministers vor unserem Hause vor. Falkenhayn ist vom Kaiser zurück.

Eine Minute später schrillt.in meinem Zimmer das Telephon, ich werde zum Minister gerufen. Einen Augenblick lang sieht mich Falkenhayn schweigend an. Dann sagt er:

Scheüch cs ist mobil."

Kurz darauf sind die leitenden Offiziere des Mi­nisteriums im Vortragssaal zusammengetreten. Noch weiß keiner, ob die Entscheidung gefallen ist. Atemlose Stille liegt über dem Raum, als der Minister eintritt. Er spricht nur zwei Sätze:

Seine Majestät der Kaiser hat soeben d i e Mobilmachung des Heeres befohlen. Ich lege den Mobilmachungsbefehl in die Hände des Chefs der Armeeabteilung."

Als er verstummt, wagt niemand ein Wort; wir alle sind ergriffen von der Bedeutung dieser Stunde. Noch einmal klingt Falkenhayns Stimme durch den Raum, sie scheint zu beben, als er sagte:

Gott schütze und erhalte das deutsche Heer!"

Ein Rad griff ins andere...

Es ist bekannt, daß die Mobilmachung muster­gültig verlies. In der Oeffentlichkeit ist die Meinung verbreitet gewesen, es habe bei uns eine fieberhafte Tätigkeit geherrscht, und das Kriegs­ministerium hätte einem Bienenschwarm geglichen. Das Gegenteil war der Fall.

Fieberhaft war die Spannung der vergangenen Tage, nun aber war wieder vollkommene Ruhe eingezogen, wir lebten völlig in der Arbeit, die sich von der der vergangenen Wochen und Jahre kaum unterschied. Alles lief wie am Schnürchen.

Die Hauptoerantwortung und das hohe Verdienst für die glatte Durchführung der Mobilmachung la­gen bei der Armeeabteilung, die unter Lei­tung des Oberstleutnant von Wrisberg stand. Ihm hatte Falkenhayn den Mobilmachungsbefehl des Kaisers übergeben, und unter feiner Leitung lief nun dieMobilmachungsmafchine" ab, deren Pläne in jahrelanger Arbeit bis in die letzte Einzel­heit durchdacht waren.

Besonders anschaulich hat den Gang der Mobil­machung der Generalmajor a. D. Max van den Bergh geschildert, der bei Kriegsausbruch Mobil­machungsreferent in der Armeeabteilung mar. So wurde er zum eigentlichen Mittelpunkt dieser Mil- lionenmobilisierung. Don dem Erfolg feiner vor­bereitenden Arbeit berichtet er unter anderem in folgenden Sätzen:Es war kaum zu glauben, daß nicht ein Hilferuf der Truppe an die Zentralbehörde gelangen sollte! Und doch war es so. Tage hindurch saß ich, nur schwach beschäftigt, auf dem Geschäfts­zimmer als (Befangener meines Dienstes und horte von der Außenwelt nur vaterländische Gesänge so­wie Hoch- und Hurrarufe der begeisterten Men­schenmassen von der Leipziger Straße zu mir her­aufschallen."

Ohne einen einzigen Zwischenfall lief so der in den vergangenen Jahren einem Uhr­werk gleich zusammengesetzte Mechanismus der Mobilmachung programmäßig ab. Während es für uns nichts Besonderes mehr zu tun gab, zogen, den Mobilmachungs-Terminkalendern gemäß, die deut­schen Männer und Jünglinge zu Hundertttausenden in die Kasernen, die Kolonnen formierten sich, bald rollten die ersten Züge durch die Heimat, der Grenze zu...

dieses erste deutsche U-Boot bann gehoben und später nach Berlin übergeführt worden. Der erste Unterseebootangriff erfolgte im amerikani­schen Sezessionskrieg durch das amerika­nische BootH u n l e y", das im Jahre 1864 vor Charleston die FregatteHousatonic" versenkte, dabei aber f e 1 b ft mit der ganzen Besatzung ver­loren ging.

Die größte Schwierigkeit für den Bau von Unter­wasserfahrzeugen bot anfangs d i e Frage des Antriebes bei Unterwasserfahrt, die man durch Preßluft, Dampfmaschinen, aber auch Handbetrieb vergeblich zur vollen Zufriedenheit zu losen versuchte. Erst die Erfindung des Akkumulators, der den Uebergang auf elek­trischen Antrieb ermöglichte, brachte dem U-Boot- bau die große Entwicklung, die er im letzten halben Jahrhundert genommen hat. Die zweite, für das U-Boot als Kriegswerkzeug wichtige Frage war die nach einer brauchbaren Unterwaffer- waffe. Hier machte die Konstruktion des mit Preßluft betriebenen Torpedos den Weg frei für die weitere Entwicklung. Ein dritter Punkt, der ebenfalls grundlegend für den weiteren Untersee­bootbau wurde, war die Festlegung einer für die Verwendung über und unter Wasser gleich geeig­neten S ch i f f s f o r m. Sie wurde in dem Zwei- 11 enboot gefunden. Einem röhrenförmigen Jnnenkörper, der geeignet ist, dem Wasserdruck den nötigen Widerstand zu leisten, gab man eine äußere Umkleidung, die in der angenäherten Form des U^berwasserschiffes dem Fahrzeug die erforderliche Seefähigkeit verlieh. Diese drei wesentlichen Grund­lagen elektrischer Antrieb für Unterwasserfahrt, Preßluftantrieb der Torpedos und Doppelhülle wurden Ende des vorigen Jahrhunderts entwickelt und bilden auch heute noch maßgebende Unter­lagen bei der Konstruktion von Unterseebooten. Als wichtiges Hilfsmittel kam in den ersten Jahren dieses Jahrhunderts das Sehrohr hinzu.

Der Weltkrieg hat, wie manche andere Zweige der Technik, auch den U-Bootbau zu hoher Voll­endung entwickelt. Besonders gilt dafür die deutsche Marine, die unter dem harten Druck der Verhält­nisse eine Waffe zu entwickeln gezwungen war, die als wichtigste jur Sprengung bes eisernen Blockaderinges geeignet schien. Nach dem Kriege verlangten die Gegner die Auslieferung unserer U-Boote nicht nur aus Gründen der Ent-

Dom Brandtaucher zum Ll-Kreuzer.

Von Kapiiänleuinant Meyer-Döhner. LUC /

maffnung, sondern auch, um sich d i e Erfahrun­gen der Deutschen auf diesem Gebiet selbst zu­nutze zu machen. So ist es zu erklären, daß heut­zutage die meisten U-Boote fremder Marinen l n Anlehnung an d i e bewährten deut­schen Kriegstypen gebaut wurden.

Waren zu Beginn des Weltkrieges nur wenige deutsche Unterseeboote eines Einheitstyps vorhan­den, die als Bewaffnung außer einigen Torpedo- rohren nur ein oder zwei Maschinengewehre an Bord hatten, so entwickelten sich im Laufe des Krieges mehrere Arten von U-Booten, die je nach ihrem Verwendungszweck in Große und Bewaft- niing verschieden waren. Kleine Küstenboote von 100 bis 200 Tonnen fanden hauptsächlich von FlandernausimenglischenKanal Ver­wendung. Ihre Waffen waren Torpedos. Zur Ab­wehr von Fliegerangriffen führten sie leichte Ma­schinenwaffen. Der am meisten gebaute Typ hatte eine Wasserverdrängung von 600 bis 800 Tonnen, führte 10 bis 12 Torpedos sowie ein 10,5-Zenti- meter-Geschütz an Bord und war durch seinen großen Aktionsradius in der Lage, drei bis vier Wochen ohne Unterbrechung in See zu bleiben. Solche Boote liefen über Wasser im allgemeinen rund 15 Seemeilen, während die Unterwasierhöchst- geschwindigkeit 8 Seemeilen betrug.

Für Fernunternehmungen wurden die sogenannten U-Kreuzer entwickelt, die mit einem Fahrbereich bis zu 20 000 Seemeilen monatelang draußen bleiben und gewaltige Wegstrecken zurück­legen konnten. Als Bewaffnung trugen diese großen Boote zwei 15-Zentirneter-Geschütze. Aus sechs Tor­pedorohren konnten sie bis zu 20 Torpedos ver­schießen. Daneben entstanden in den verschiedenen Größenklassen Boote, die neben ihrer Torpedo- und artilleristischen Bewaffnung Minen an Bord führten, die in mehreren ourchgehenden Schächten untergebracht wurden. Die größten derartigen Unterseeboote nahmen bis zu 40 Minen mit, die sie im aufgetauchten und im getauchten Zustand werfen konnten.

Auf diesem Stand der Entwicklung bei Kriegs- ende haben die fremden Marinen, die im U-Bootbau nicht beschränkt waren, ihren weiteren Ausbau fortgesetzt. Bei den kleinen und mittleren Bootstypen find keine grundlegenden Neuerungen in Erscheinung getreten. Die Geschwindigkeiten und der Aktionsradius sind allgemein erhöht, die Be- maffnung ist etwas verstärkt worden. Große Beach­tung hat man jedoch allgemein der Weiterent­wicklung von großen U n t e r s e e k r e u - zern geschenkt und zahlreiche Versuche gemacht, ihre Wirksamkeit zu erhöhen. So hat England Unterseemonitore gebaut, die außer vier Torpedo­rohren je ein 30,5-Zentimeter-Geschütz trugen. Die drei Boote, die von dieser Sonderklasse gebaut wurden, haben sich aber nicht bewährt. Zwei sind mit der ganzen Besatzung gesunken, das dritte wurde 1933 wieder außer Dienst .gestellt. So ist man in England beim Bau der großen Boote wieder zu normalen Verhältnissen zurückgekehrt. Augenblicklich sind vier U-Bootminenleger im Bau, von denen jeder 120 Minen an Bord nehmen soll. Frankreich, das augenblicklich mit 97 fertigen und 11 in Bau befindlichen Booten die größte Unterfeebootflotte besitzt, hat auch den größten U-Kreuzer der Welt gebaut.Surcouf", so heißt dieses Unterwasserschlachtschiff, hat eine lieber. Wasserverdrängung von 2880 Tonnen und im ge­tauchten Zustand eine solche von 4300 Tonnen. Es führt zwei 20,3-Zentimeter-Geschütze in einem Panzerturm, zwei 3,7-Zentimeter-Geschütze und 14 Torpedorohre mit 36 Torpedos. Bei einer Länge von 110 Meter und einer Geschwindigkeit über Wasser von 20 Seemeilen hat es eine Besatzung von 150 Köpfen und führt außerdem ein See- slugzeug an Bord! Wenn man diesen Riesen mit den ersten Unterseebooten, insbesondere mit dem Brandtaucher" und seiner dreiköpfigen Besatzung vergleicht, bekommt man einen Begriff von der Ent­wicklung, die auf dem Gebiet des U-Bootbaues in nicht ganz einem Jahrhundert vor sich gegangen ist.

Büchertisch.

Prof. Dr. Georg Dahm:Gemein­schaft und Strafrecht". (Kieler Universitäts­reden, Neue Folge, Heft 5.) Preis kart. 1,20 Mark. Hanseatische Verlagsanftalt, Hamburg. (241) Der Strafrechtler der Kieler Universität entwickelt in dieser Rektoratsrede in scharfer Abgrenzung vom autoritären, kanonischen und bolschewistischen Straf­recht die Wesensmerkmale des nattonalsozialiftischen Strafrechts. Die Grundlagen dieses Strafrechts sieht Dahm in dem Gedanken der Gemeinschaft. Vorbild eines solchen Denkens sind das germanische und das deutsche mittelalterliche Strafrecht, das den einzelnen in die konkrete Lebensordnung der Sippe und des Standes hineinstellte und Verbrechen und Strafe aus der lebendigen Gemeinschaft begriff. Die Strafe, die dem Wesen der Gemeinschaft ent­spricht, ist die Ehrenstrafe. Denn die Ehre bezeichnet den Wert des einzelnen in der Gemeinschaft und für die Gemeinschaft. In allem Denken um das neue Strafrecht hat sie deshalb im Mittelpunkt zu stehen. An zahlreichen Beispielen erläutert der Ver- sasser die neuen Formen und macht zugleich die neuen Wertungen von Verbrechen und Strafe deut­lich.

Die Stunde diktiert." Kurze Sprech­stunde für Unpolitische. Don Schwarz d an Berk. 136 Seiten. Preis kartoniert 2,60 Mark. Hanseatische Verlagsanftalt, Hamburg. 1935. (208) Schwarz van Berk hat im letzten Jahr das Geschehen unserer Tage betrachtet, nicht offt- ziell, sondern ganz menschlich und ohne Pathos, und er hat mit dem Freimut eines überzeugten Journalisten alles das, was im Volke an Meinun­gen, Stimmungen, an Kritik und Gegenkritik zu bemerken war, ausgesprochen, mit einer Offenheit, die erfrischend und zugleich vertrauenerweckend ist. In 25 Aufsätzen hat er Fragen behandelt, die spruchreif waren, angefangen von der Stellung der Wissenschaft und Intelligenz bis zum politischen Witz und zur Meckerei. Was an Stimmungen im Volke auftauchte, ist von ihm aufgegriffen unb be­handelt worden. Es entstand ein Buch mit einem Standort zwischen Führung und Volk, zwischen Volk und Partei und gegen alles, was die wirk- lichen neuen Werte unserer Zeit zu bezweifeln ober von jenseits ber Grenze zu verbächtigen sucht. Don biesem Standpunkt aus wirb alles beim rechten Namen genannt, nichts durch die Blume gesagt, sonbern mit gesundem Menschenverstand und einer großen Liebe zur arbeitenden Nation gesagt. Ein Nationalsozialist spricht, ber weiß, wie stark die Macht bes Führers ist, bie bis in den kleinsten Be­trieb, bis in bie Familien unb in bie unverbildeten Herzen bes Volkes wirkt.

W i e soll mein Hund heißen? Ein Verzeichnis von Hundenamen. Von Gustav Schultz. (Preis 50 Pf. Verlag von I. Neurnann-Neubamrn.) (237) Das Büchlein sollte in keinem Zwinger fehlen, da es jedem etwas Wünschenswertes zu bie­ten vermag.