Ausgabe 
1.8.1935
 
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Nr.M Drittes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)Donnerstags.August 1955

henstreit von Der boljd)emi|ti|(i)en Propaganva System oem o e u i ] a) [ e i n u 11 o; k h m u l u t - Politik ausgenützt werden soll, liegen ja be- \ t e r der ganzen Bündnis- und Vertragstätigkeit

und

4.

seien.

Die Formel.

einbarte

Es von

Und Angina meines Wis-

Onkel. Es heiß ,ge- wurmstichig, mein seebefahrenen Mann wahr, Irma, es

tretet bindung

haben sich mit ihrer Regierung in Ver- geseht.

Weil du ,geklunkert' sagst, klinkert'."

Du bist wohl 'n bißchen Sohn? Wirst doch nicht einen belehren wollen."

Aber ich habe recht. Nicht

Diese Formel wird, falls die italienische und die abessinische Regierung zustimmen, dem Völker­bundsrat als Entschließung zur An­nahme unterbreitet werden. Falls Italien und Abessinien mit diesem Verfahren einverstanden sind, soll sofort ei ne Konferenz zwischen den S i g n a t a r m ä ch t e n des Vertrages von 1 906 abgehalten werden,es wird angeregt, daß die abessinische Regierung noch im

Klabautermann.

Von Georg Mühlen-Schulte.

den Gedanken der kulturellen und politischen R e Habilitierung Rußlands in Europa wie­der ausgenommen, aber mit einer bestimmten Ziel­richtung gegen das nationalsozialisti­sche Deutschland. Für dieses Ziel sucht er alle politischen und moralischen Kräfte Europas zu sam­meln, dafür ist er in den Völkerbund gegangen, und dafür schließt er Vertrag um Vertrag mit allen europäischen Staaten, die daran interessiert sind, das erstarkende neue Deutschland auf seinen Wegen zu stören. Auch die Frage, warum er ein Konkor­dat mit der katholischen Kirche gerade in diesem

Augenblick sucht, ist leicht zu beantworten durch den Hinweis auf die Störungen, die gegenwärtig das Verhältnis der katholischen Kirche in Deutschland zum Staate aufweist. Dafür, daß dieser sogenannte Kirchenstreit" von der bolschewistischen Propaganda

auf der Nachbarparzelle die Hühner aufflogen., Eine Weile trat am Kaffeetisch eine peinliche

Pause ein. Dann ergriff Onkel Bux das Wort:

Nun laßt mal 'n Fachmann reden! Ich meine, es handelt sich doch hier nicht um eine Bezeichnung für ein Kochrezept oder für eine Zahnkrankheit oder für ein Märchenbuch. Wir wollen ein Schiff tau­fen. Ein erstklassiges Schiff. Nicht so einen billigen Wichskaften aus Scharpie, nein, ein geklunkertes Mahagoniboot, das hervorragend im Wasser liegt und ... Max, warum lachst du so dreckig?"

Die Hauptschwierigkeit sei, Englands und Ita­liens gegensätzliche Auffassung über die Befugnisse des obersten Schiedsrichters zu überbrücken. Der Teil des Entschließungsentwur­fes, der sich mit dem Schiedsgericht befasse, sei die Quelle aller Schwierigkeiten, weil dadurch das Gesamtpro bl e m des Streitfalles entgegen den italienischen Wünschen an­geschnitten werden könnte. Italien werde sich leicht verpflichten können, bis zur nächsten Rats­sitzung am 2. September nicht zu den Waffen zu greifen, aber England fordere, daß diese Ver­pflichtung auf unbestimmte Zeit übernom­men werde, indem es erneut auf den italienisch- abeffinifchen Schiedsvertrag von 1928 verweise, der ein für allemal vorsehe, daß in den Streit­fällen zwischen Italien und Abessinien nicht zur Gewalt geschritten werden solle. Wenn der Entwurf jetzt den zwischen England, Italien und Frankreich abgeschlossenen Vertrag von 1906

er st en Stadium zur Teilnahme einge- laden werden soll. Es wird ferner vorgeschlagen, die Konferenz, wenn nicht in Rom, so doch an einem passenden Platz in Italien abzu­halten, um vl u s s o l i n i die persönliche Teilnahme zu ermöglichen, falls dies seinen Wünschen entspricht.

Der Korrespondent derTimes" erwähnt noch, in französischen Kreisen sei erzählt wor­den, daß einer der Hauptpunkte der Erörterung eine entschiedene Forderung Englands und gewisser anderer Länder bildete, der zufolge Italien und Abessinien sich verpflich­ten sollten, nicht zur Gewaltanwendung zu schreiten. Es sei berichtet worden, daß Italien bereit sein würde, eine solche Verpflich­tung bis zum 2 5. 21 u g u ft einzugehen, daß aber England und andere Mitglieder des Völker­bundsrates darauf hindeuteten, daß es in dem italienisch- abessinischen Vertrag von 1928 keine Zeitgrenze für die Erzielung einer friedlichen Regelung gebe. Eden habe den Standpunkt ver­treten, daß jeder Delegierte berechtigt sei, die all­gemeine Frage der italienisch-abessinischen Bezie­hungen heute oder auf der nächsten Ratssitzung auf­zurollen. Dieser Vorbehalt der Handlungsfreiheit werde besonders wichtig sein, wenn die Bemühun­gen um Annahme einer Formel fehlschlagen sollten.

heißt ,geklinkert'?"

Natürlich heißt es ,gesintert'."

Auf der Stirn von Onkel Bux erschien eine Sturmfalte. Er sah sich nach Herrn Mönkebrot um.

Oswin, ich glaube, deine Kinder bedürfen er­zieherischer Nachhilfe ... Habe ich fufzig Mark zu dem Bootskauf zugegeben oder habe ich nicht?"

Du hast fünfzig Mark zugegeben, Paul."

Na also! Und wenn ich fünfzig Mark zu einem solchen Kauf zugebe, dann ist das Boot eben ge- klunkert ..."

Geklinkert ist es!" schrie Maxi eigensinnig.

Herr Mönkebrot langte mit einem rechten Schwinger über den Tisch.

So, da hast du eine geklinkert!" brüllte er seinen Sohn an.

Maxi verließ laut schreiend die Veranda, und Onkel Bux vollendete seine Rede:

Der Name müßte natürlich der Seemanns­sprache entnommen sein. Zum Beispiel .Klabauter­mann', das wäre eine schöne Bootsbezeichnung."

Oder Schnurzmann", schlug Frau Mönkebrot vor.

Wieso Schnurzmann? Ist doch keine seemännische Bezeichnung."

Natürlich ist es eine seemännische Bezeichnung. Ich habe doch Frau Schnurzmann persönlich ge­kannt. Ihr Gatte war Kapitän auf einem Ostsee- darnpfer."

Du hast keine Ahnung, Lina", erklärte Onkel Bux.Klaubauterrnann ist ein Gespenst. Klabau­termann bringt Unglück. Klabautermann taucht auf, ist da, verschwindet ... Kein Mensch weiß, wohin. Was wlllft du denn schon wieder, du Lausejunge?"

r a l s s i h u n g abgehallen werden.

Falls in der Zwischenzeit keine Einigung zustande gekommen ist, soll der Völkerbundsrat eine Erörterung der italienisch- abessinischen Frage in ihrer Ge­samtheit beginnen.

men haben", äußerte Herr Dorrbein. Dora oder Angina" ..."

Irma schürzt die Lippe.

Dora finde ich reichlich abwegig, versteh' ich schon gar nicht. Ist doch sens eine Stadt in der Türkei."

Das verwechselst du", sagte Herr Mönkebrot. Was du meinst, heißt Angora. Angina ist ein italienischer Maler."

No, jedenfalls muffen wir das Boot taufen , erklärte Irma.Ich würde es Libelle nennen."

Libelle ist ausgeschlossen!" entschied kategorisch Frau Mönkebrot.Ich nehme an, du fährst mal mit Herrn Dorrbein spazieren. Irgendwer, an dem ihr vorbeikommt, lieft statt .Libelle' .Liebelei' ... also

ich muß gestehen, der bloße Gedanke daran macht mich krank."

Frau Mönkebrot warf dem Dentisten einen war­nenden Blick zu.

Libelle ist natürlich Quatsch", pflichtete Herr Mönkebrot seiner Gattin bei.Wenn schon ein Wassertier, dann ,Frosch' oder ,Ente' oder ,<5ar= dine'."

Der Quartaner stimmte eine penetrante Lache an.

Sardine ist doch kein Wassertier!"

Sardine ist kein Wassertier? Wieso denn nicht?"

Na, Sardine schwimmt doch nicht in Wasser, Sardine schwimmt doch in Del."

Du bist ein richtiger Schafskopf!" pfiff der Va­ter den Sohn an.Ich bleibe dabei, jedes Wasser­tier ist mir recht, bloß nicht .Libelle'. Nennt das Boot doch .Schlammpeitzger'."

Hicks Geier!" machte Irma.Warum nicht gleich .Regenwurm'? Oder .Kaulquappe'? Oder .Sumpf­huhn'?"

Sumpfhuhn wäre nicht mal schlecht", erklärte Onkel Bux.Wenn's übrigens durchaus ein Wasser­tier sein soll, könnt Jhr's auch .Abstinenzler' nen­nen."

Ich für meine Person wäre für .Goldfisch, meldete sich Frau Mönkebrot.

Dann noch lieber .Bierfisch'", korrigierte Herr Mönkebrot.

Oder ,Aal grün, sagte ganz leise Herr Dorr­bein.

Frau Mönkebrot sah ihn scharf an.

Sie sollten Ihren Witz dazu benutzen, Ihre Patiersten aufzuheitern, Herr Dorrbein. Im übri­gen nehme ich an, daß Sie ein Mann von ernsten Absichten sind."

Mari hatte eine geniale Idee:

Au Backe, ich weiß was!" brüllte er.Wik nennens .Der rote Freibeuter'."

Blech!" erklärte Irma.Das Boot ist doch nicht rot; es ist Naturholz poliert."

Kann ja angestrichen werden", beharrte Maxi.

''.Du wirst auch gleich angestrichen", drohte Frau Mönkebrot..Freibeuter' kommt nicht in Frage. Ich nehme bloß mal den Fall an, Irma fährt mit Herrn Dorrbein ..

Hör' schon endlich von den beiden auf!" knurrte Herr Mönkebrot.

Natürlich, dir ist es ja egal, ob er sie nimmt oder nicht!"

Frau Mönkebrot sagte das m einer Tonstärke, der ihrer Meinung nach das Prädikat .halblaut' gebührte. Immerhin hörte man sie so deutlich, daß

Das Programm der Bavaria für die kommende Filmsaison.

Die Bavaria stellt an die Spitze ihres Pro­gramms zwei Filme mit Hans Albers, einmal der FilmV a r i e t e", der das Schicksal der drei Maxims (Hans Alders, Annabella, Attila Hörbiger) behandelt, die auf Leben und Tod in ihrer artisti­schen Arbeit am Trapez miteinander verbunden sind, bis beide Männer entdecken, daß sie in ihre schöne Partnerin verliebt sind und die spannunggeladene Situation tragische Konflikte auslöst. Der zweite Film,Henker, F r a u en und Soldaten", zeigt Albers in einer Doppelrolle als deutscher Flie­geroffizier, der sich nach dem Zusammenbruch aus Kleinasien nach Ostpreußen durchschlägt und in einem Freikorps gegen die Bolschewisten kämpft und zum anderen als den feindlichen Bolschewisten­general, der fein Vetter ist, und ihm ähnelt wie ein Ei dem anderen. Paul Kemp spielt in einem gro­ßen Ausstattungsfilm aus Der Zeit August des StarkenDer Gefangene des Königs" die Hauptrolle. Die berühmte Revue mit der Musik von BenatzkyIm weißen R ö ß l" erlebt nun auch im Film ihre Auferstehung. Dem FilmDer Ge­heimkurier" ist der große Roman von Sten­dhalRouge et noir" zugrunde gelegt. Ein zeit- naher Film aus dem täglichen Leben ist nach dem Roman von Wolfgang MarkenKarl der Große" gedreht:Ein ganzer Kerl" mit Speelrnanns in der Hauptrolle. In einem weiteren FilmD i e große und die kleine Welt" werden wir unter der Regie von Johannes Riemann Viktor de Kowa, Meyerinck und Adele S a n d r o ck sehen. Zwei Abenteurerfilme sindDer Sprung in die Tiefe" undDie schwarze Orchi - d e. Unter den Lustspielen ist bemerkenswert Ein Glas Wasser" von Scribt mit Gustaf Gründgens in der Haupttolle.

rungen von Addis Abeba und Rom ohne Unter­brechung das Versöhnungsverfahren auf der Grundlage und im Rahmen des Vertrages von 1 9 0 6 fortzusetzen, insbesondere durch die Ernennung des ober­sten Schiedsrichters. Der Rat soll erneut am 25. August zusammentreten, um sich über den Streitfall in seiner Gesamtheit auszu­sprechen, falls nicht bis dahin eine unmittel­bare Verständigung zwischen den Parteien erzielt worden sein sollte. Schließlich würden sich die Parteien feierlich verpflichten, nicht zu den Waffen zu greifen. __________

Times" meldet aus Genf, daß die auf Grund von Besprechungen zwischen Eden, Laval und Lit­winow abgeänderte Formel nunmehr folgende Punkte umfaßt:

1. In den Versöhnungsausschuß soll ein fünf­ter Schiedsrichter ernannt werden.

2. Der Versöhnungsausfchuh muh bis zum

4. September Bericht erstatten.

3. An diesem Tage wird eine Völkerbunds-

Maxi stand in der Verandatür. Er sah verheult aus. Um seinen Mund lag eine trotzige Falte. Er maulte:

Ich wollte euch bloß sagen, daß euer Klunker- boot weg ist. Eben hat es ein fremder Paddler ge­klaut ..."

Banges Schweigen lagerte sich über der Kaffee­gesellschaft. Dann äußerte sich Onkel Bux mit einem triumphierenden Rundblick:

Na, was hab' ich gesagt: Klabauter­mann!"

Die Werft hatte das Paddelboot geliefert, war an einem Pfahl in Dem kleinen Hafen Mönkebrots Wochenend-Parzelle an der Oberspree

England und Frankreich haben sich auf eine Versöhnungsformel geeinigt. Das erste Ergebnis der Genfer Zusammenkunst./Wiederingangbringen des Schieds­gerichts und gegenseitiges Nichtangrisisverfprechen./Plan einer Konferenz der am Abefsienkonflikt interessierten Mächte.

kanntlich auch andere, sehr deutliche Anzeichen vor.

Dem Vatikan können diese Zusammenhänge und Ziele nicht unbekannt sein, der Anreiz, durch ein Konkordat in dem ehemals orthodoxen

,23or allen Dingen muß das Kind einen Na- ,Jrma oder

Haoas meldet, die zwischen Eden und Laval ver- Kompromißformel empfehle den Regie-

Genf, 31. Iuli. (DRV.) In den englisch-fran­zösischen Besprechungen, die sich an die Sitzung des Völkerbundsrales anschlossen, ist eine Einigung der beiden Mächte über gewisse Grundlinien eines Entschließungsentwurfes erzielt worden, der die Regelung des italienisch­abessinischen Streitfalles in die Wege leiten soll. Die Formel ist von Laval sogleich dem italienischen Delegierten Baron A l o i s i zur Kenntnis gebracht und erläutert worden. Aloisi hat sie nach Rom übermittelt und Instruktionen seiner Regie­rung erbeten. Auch die abessinischen Ver-

Paris stellt mitVesnedigung einenZeiigewmu fest

Die sachlichen Schwierigkeiten unverändert.

angebunden. f ,

Um gleich auf Onkel Bux zu kommen: Er sagte, das Boot wäre nicht angebunden, sondern vertäut. Wahrscheinlich hatte er recht. Man hatte ihn seiner­zeit für das erste Seebataillon in Kiel ausgehoben. Die Kaiserliche Marine schob ihn zwar später wegen seiner Plattfüße leise weinend wieder ab, immerhin hatte er über zwei Wochen in der Kaserne unweit vom Ozean geankert und mußte infolgedessen wohl was von nautischen Angelegenheiten verstehen. Also das Boot war in Mönkebrots Hafen vertäut, um das noch einmal mit aller Sachlichkeit auszu- sprechen.

Mönkebrots zählen vier Köpfe. Herr Mönke­brot, im Berufsleben den ernsten Problemen des Eierhandels hingegeben, ist der eine davon. Karo- line, feine Frau, hat den zweiten für sich. Irma, die Sechsundzwanzigjährige, trägt stolz den dritten auf ihren wohlgeformten Schultern. Maxis, des Quartaners, Maulschellengesicht nebst Zubehör ist nur mit Vorsicht als Kopf zu werten. Aber wir wollen nicht kleinlich sein. Diese vier Köpfe zusam­men mit den Rassehäuptern von Onkel Bux und Herrn Dorrbein seines Zeichens Zahntechniker, langjähriger, ausdauernder, aber entschlußträger Anwärter auf Irmas Hand tauschten bei Kaffee und Kuchen ihre Ansichten über das Paddelboot aus.

Rußland eine Rechtsstellung zu erreichen, die einem religiösen Privileg gleichkäme und die der katholischen Kirche theoretisch die Möglich­keit eröffnete, dieses große verlorene Gebiet dem katholischen Glauben zurückzugewinnen, ist zweifel­los sehr groß. Der Vatikan wird aber nicht ver­kennen, daß dies in hohem Maße nur eine Theorie ist, deren Verwirklichung sich mit Dem wahren Wesen des Bolschewismus nicht verträgt. Die Leiter der vatikanischen Politik müssen sich also klar darüber sein, daß sie durch eine öffentliche und rechtliche Verbindung mit dem bolschewistischen System dem deutschfeindlichen Charak-

Paris, 1. Aug. (DNB. Funkspruch.) Aus Den Genfer Berichten Der Presse ergibt sich, Daß man in amtlichen französischen Kreisen befriedigt ist, durch den von Laval und Eden ausgearbeiteten Ent­schließungsentwurf vorerst einmal 4 Wochen Zeit z u gewinnen, daß die Besorgnisse über den Konflikt unverändert fortbe­stehen, weil Abessinien und Rom auf dem von ihnen eingenommenen Standpunkt beharren, so­weit das Grundproblem der italienischen Forderun­gen in Frage steht. Die Berichterstatter glauben, auch festgestellt zu haben, daß in Genf keine Stimmung Dafür vorhanden ist, d i e Aktion Italiens in Abessinien in irgendeiner Form zu unter st ützen.

Die Außenpolitikerin desO e u v r e", Frau Ta- bouis, deren gute Beziehungen zum französischen Außenministerium bekannt sind, meldet bereits, daß der 2. September für den nächsten Zusammentri tt des Rates bestimmt sei.

kordat des Heiligen Stuhls mit Sow­ie trußl and verhandelt werde, eine besondere Bedeutung und auch eine gewisse Wahrscheinlichkeit. So ungeheuerlich es an sich scheinen möchte, daß die bolschewistische Regierung, die jede Spur reli­giösen Lebens und Empfindens auszutilgen bestrebt ist, der katholischen Kirche eine Rechts- st e l l u n g, denn das bedeutet ein Konkordat, ein­räumen will, so liegen doch, wie es scheint, genü­gend Anreize dafür vor, die allerdings auf an­derem als religiösem Gebiete liegen.

Versuche einer Annäherung zwischen dem Vatikan und Moskau sind schon in früheren Jahren gemacht worden. Der frühere russische Außenminister Tschi­tscherin hatte auf der Konferenz von Genua im April 1922 ein vielbemerktes Gespräch mit Dem Dortigen Erzbischof. Er machte damals den Ver­such, das bolschewistische Rußland in den Vorstel­lungen der europäischen Staatenwelt zu rehabili­tieren, und wäre wohl für sich auch bereit gewesen, zu diesem Zweck dem Christentum Die Grenzen RußlanDs wieder zu öffnen. Er wurde jedoch bald gestürzt und durch Litwinow ersetzt, unter Dessen Amtsführung Dann Die VerhanDlungen mit Dem Vatikan im Jahre 1929 abgebrochen wur­den. Mit Dem Abbruch fetzte Dann Die berüchtigte Gottlofenbewegung in Rußland ein, die den Vatikan zu leidenschaftlichen Protesten und dringenden Hilferufen an die ganze christliche Welt veranlaßten. Verständnis und Gehör hat dieser Appell freilich nirgends gesunden, und wir erinnern uns, Daß Die Welle Der bolschewistischen Gottlosen­bewegung bis nach Deutschland» herüber- schlug unD mit einer Der vielen GrünDe wurde, die Dem Nationalsozialismus und seiner Parole des Vernichtungskampfes gegen Den Bolschewismus Eingang in Den breiten Massen Des Deutschen Vol­kes verschaffte.

Seit jener Zeit ist von einer Fühlungnahme zwi­schen Moskau und dem Vatikan nicht mehr Die Rede gewesen. Man wird sich also die Frage vor­legen müssen, welches Die Gründe Dafür sind, wenn gerade jetzt Die abgerissene VerbinDung wieDer ausgenommen wirD. Wenn man Die Politik unD Diplomatie Litwinows in Den letzten beiDen Jahren betrachtet, so ist Die Antwort nicht schwer. Er hat

Litwinows Vorschub leisten unD ihr eine moralische Unterstützung gewähren würden. Wir glauben nicht, daß die deutschen Katholiken solche Wege vatikanischer Politik billigen und mitmachen wür­den. Das erzbischöfliche Sekretariat in München hat soeben in einer öffentlichen Erklärung das Bündnisangebot der kommunistischen Propaganda entrüstet abgelehnt und die Entfernung jedes kom­munistischen und staatsfeindlichen Elements aus den katholischen Jugendverbänden in Aussicht ge­stellt. In diesen Zusammenhängen ist die Frage eines Konkordats zwischen dem Vatikan und Sow­jetrußland keine rein kirchliche oder russische Ange­legenheit, sondern greift tief ein in bas Verhältnis der katholischen Kirche zum neuen Deutschland und in Das aktuelle Problem Der friedlichen Ausein­andersetzung zwischen Kirche und Reich.

MM« und der Saffian.

Soeben ist in Rom zwischen dem Vatikan und dem jugoslawische nKomgreich ein Konkordat abgeschlossen und durch den jugo­slawischen Justizminister Auer und den Kardinal­staatssekretär Pacelli unterzeichnet worden. Die Verhandlungen schweben schon lange und hatten, von vatikanischer Seite betrachtet, den Zweck, die bisher gesetzlich geklärte Stellung der katholi­schen Kirche in Jugoslawien derjenigen der beiden andern dort vertretenen Religionsbekenntnisse, dem orthodoxen und dem mohammedani­schen g l e i ch z u st e l l e n. Es gab noch einige Spezialfragen, zum Beispiel über den Gebrauch Der altslavischen Sprache in der kirchlichen Litur­gie zu regeln, die uns hier weniger interessieren. Bemerkenswert ist die Bestimmung des Konkor­dats, nach der der Heilige Stuhl bereit ist, dem Seelsorge-Klerus zu untersagen, p o - litischen Parteien anzugehören oder für dieselben aufzutreten. Die südslawische Regie­rung hat sich also gegen die politische Betätigung der katholischen Geistlichkeit zu sichern gewußt, und Der Vatikan hat dieses staatliche Bedürfnis aner­kannt. Die katholische Kirche hat dafür die orga­nisatorische und wirtschaftliche Rechtssicherheit ihrer Einrichtungen in einem Lande vorwiegend ortho­dox-kirchlichen Glaubens eingeräumt erhalten, ein Erfolg, Der wichtig für sie ist, weil sie seit Der viele IahrhunDerte zurückliegenden großen Kirchenspal­tung in den orthodoxen Ländern des nahen Orients bisher eigentlich nur eine Art Missionstätigkeit ausüben konnte.

Unter diesem Gesichtspunkt gewinnt die Nachricht eines Prager Blattes, Daß zwischen Dr. Be­ne s ch, Dem tschechischen Außenminister, Dem russi­schen Volkskommissar für auswärtige Angelegen­heiten, Litwinow, Der sich bekanntlich in letzter Zeit in Karlsbad aufgehalten hat, und einem Vertreter des Vatikans über ein Kon-

Die erste Ratssitzung.

G e n f, 31. Juli. (DNB.) Die 87. Tagung des Völ­kerbundsrates, Die wegen Des italienisch-abessinischen Konflikts einberufen worDen ist, hat heute um 17 Uhr mit einer nichtöffentlichen Sitzung ihren Anfang ae= nommen. Die Sitzung fanb in Dem Saal Des An­baues Des VölkerbunDsgebäudes statt. Der in frühe­ren Jahren Den Hauptausschuß Der Abrüstungskonfe­renz beherbergte. Der VölkerbunDsrat hat beschlossen, morgen um 17 Uhr wieder zusammenzutreten. In der Zwischenzeit sollen die Großmächte zusam­men mit Abessinien eine Formel über die Bedin­gungen der Fortsetzung des Schieds­gerichtes und des Schlichtungsver­fahrens finden. Die Vertagung erfolgte auf An­trag des französischen Ministerpräsidenten Laval, nachdem der Ratspräsident Litwinow festgestellt hatte, daß die Verhandlungen des Völkerbundsrates lediglich durch Den Pakt beschränkt