Ausgabe 
1.8.1935
 
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Dem 1 Gaufest zum Geleit

Gießen in der SniiMnns des denWen Sports

von des

Oer Heichsstatthalter und Gauleiter.

Die Ziele, die der Führer dem deutschen Volke seht, können verwirklicht werden nur von Männern und Frauen voller Lebenskraft. Die kein anderer Staat zuvor nimmt daher der nationalsozialistische Staat sich der körperlichen Erziehung des Volkes und der einzelnen Menschen an. 3n planvoller Arbeit wird der deutsche Mensch an Körper und Geist neu geschaffen. Pflicht eines jeden Volksgenossen ist es deshalb, dem Willen des Führers gemäß feinen Körper zu stählen, zu turnen und Sport zu treiben. Die Arbeit geschieht meist in der Stille. Einmal im Jahr aber soll der Stand des Könnens aller Oeffentlichkeit gezeigt werden. Diesem Zweck dient auch das große Gaufest des Gaues Hessen, das vom 2. bis 4. August1935 in Gießen stattfindet.

Darum rufe ich die gesamte Bevölkerung, alle Turner und alle Sporttreibenden auf, sich an diesem Fest zu beteiligen, mit ganzem Einsatz zu seinem Gelingen mit- zuhelsen und damit das große Aufbauwerk des Dritten Reiches zu fördern.

heil Hitler!

... Daß die deutsche Turnerei in den langen Jahrzehnten einer liberatistischen geistigen Mißbildung, der tieferen Gesetze vielleicht selbst unbewußt, in der Schule schon und nach ihr im freien Verbände die körperliche Kraft der Ration stählte, hat sie zu einem gewaltigen Faktor der Erhaltung unseres Volkes erhoben. 3m Dritten Reiche unseres Volkes erhoben.

sAus der Rede des Führers zum Deutschen Turnfest 1933 in Stuttgart.)

*

Die Gießener Volkshalle war, wie fo^ eben gesagt, ein Gewinn jener Tage. Die Befür­worter des Baues gingen von dem Gedanken aus, daß für die Herrichtung von Zelten für das Turn­fest erhebliche Geldbeträge aufzuwenden seien, die nach Lage der Sache nach auswärts gehen müßten und schon nach wenigen Tagen für unsere Bevölke­rung keinen Wertfaktor mehr darstellen würden: dagegen bleibe beim Bau einer Volksballe das Geld in der Stadt, und man bringe ein Werk zu-

und auch kurze Zeit danach war es wenigstens obenher trocken, aber bald trat die Gießkanne Himmels wieder mit voller Kraft in Tätigkeit und wirkte so ausgiebig, daß schließlich der Rest des Turnfestes mit seinen mancherlei Einzeldarbietun­gen völlig zu Wasser wurde/ Die Bevölkerung flüchtete am Samstag- und am Sonntagabend in Massen vom Festplatz. Die Straßenbahn erhielt dadurch einen Hochbetrieb, wie sie ihn vorher und auch in der Folgezeit nie mehr zu verzeichnen hatte, sie machte das beste Geschäft an diesen Tagen. Die Festleitung aber sah sich am Ende der ganzen Ar­beit vor folgendem Ergebnis: turnerisch waren ausgezeichnete Leistungen zu verzeichnen; wirtschaft­lich hatte unsere Stadt eine dankbar begrüßte zu­sätzliche Einnahme erhalten; für gemeinnützige Zwecke war die Volkshalle geschaffen worden: der Gemeinschaftsgeist unserer Gießener Bevölkerung hatte sich bestens bewährt; die Gießener Turner­schaft aber sah sich durch den unglücklichen Aus­gang der Hauptfesttage vor einem Feblbetrag in höhe von etlichen tausend Mark, dessen Beseitigung hinterher noch mancherlei Kopfzerbrechen und Röte bereitete, höhere Gewalt, gegen die natürlich jede Menschenkraft ohnmächtig ist, hatte den dicken Strich durch die Rechnung gemacht.

Unsere Stadt stand, das läßt sich von vornherein mit Fug und Recht behaupten, andern Städten sei­ner Art und Größe in der Entwicklung der Leibes­übungen nicht nach. Die Entwicklung' in den ein­zelnen Zweigen der Leibesübungen verlief sehr unterschiedlich.

Ehrwürdige Turnerei.

gaffe war. Denn unter dem 9. Juli dieses Jahres bemerkte Ernst W e l ck e r in einem Brief an fei­nen Bruder Gottlieb:hier werden wir vielleicht bald eine Turnfchule anlegen, wenn man nur nicht unverschämt genug ist, uns den Tummelplatz, um den wir einkommen wollen, abzuschlagen. Morgen fangen wir an, soldatisch exerzieren zu lernen, und wenn Jahns Idee, durch eine Grundumbildung der Erziehung ein neues Deutschland zu bilden, durch­geht, so muß es auch noch eine schöne Zeit für unser liebes Vaterland geben." Ende Juli zog schon täglich eine Menge junger Männer zum Trieb, um zu turnen. Auf das Gesuch derSchwarzen" und anderer turnfreudiger Studenten um Ueberlassung des Festungswalls hinter dem heutigen Landwirt­schaftlichen Institut entschied das Disziplinargericht der Universität am 25. August 1816, daß derartige Hebungen ohne einen Turnlehrer für Gesundheit und Leben gefährlich werden könnten. Die Stadt­verwaltung war einsichtiger und räumte dem neu­gegründeten Turnverein, dem außer denSchwar­zen" eine große Anzahl Kaufleute, Handwerker usw. angehörten, einen Turnplatz auf dem Trieb in der Nähe des Schießhauses ein. Eine Zuschrift an dieRheinischen Blätter" aus jener Zeit berich­tet von einem neuen Leben in Gießen, wo der i vaterländische Geist nur geschlummert habe.Er ist mächtig wiedererstanden, und er soll noch herr­licher daraus hervorgehen." Die neue Turnanstalt verspreche ein schnelles Wachstum.Es bedurfte nur einer kleinen Anregung, dann faßte die Lust und Liebe dazu bei den Meisten Wurzel." Und in einem Brief vom 13. Juni 1817 erzählt Ludwig Thudichum, daß die Leute scharenweise zum Turnplatz kommen, besonders Gymnasiasten, von denen sich viele darauf freuen, demnächst als Stu­denten mitturnen zu können. Natürlich waren diese Turnübungen auch ein gutes Mittel für die Schwarzen", Gesinnungsgenossen für ihre bur- schenschaftlichen Gedanken zu gewinnen.

Der Turnplatz auf dem Trieb, vor der Gastwirt­schaftGermania", war mit einem Graben um­geben; die Geräte waren in einem Holzschuppen untergebracht. Strenge Ordnung herrschte auf dem Platz; wer sich nicht fügte, wurde ausgeschlossen. Die Hebungen bestanden vorzusweise im Klettern I und Springen; der Barren war damals hier noch nicht bekannt. Daß die Turner die vaterländischen Gedenktage, wie Körners Todestag, feierlich be- aingen, versteht sich von selbst. Das erste Turnfest! sand am 22. Juli 1818 in Gießen statt; aus nicht bekannten Gründen kamen die erwarteten Gäste nicht sehr zahlreich, von denen doch die Gießener

Der Turnverein von 1846 ist der älteste Leibes- ubung treibende Verein in unserer Stadt. Anfäng­lich war die Turnerei manchen Anfeindungen aus­gesetzt, sie nahm aber doch einen starken Auf­schwung. An der Gründung des DT. (1858) nahmen die Gießener Turner lebhaften Anteil. Die Arbeit galt nicht nur der Leibesübunq, sondern auch vater­ländischen Zielen. Der Krieg von 1870/71 brachte Zwar eine Unterbrechung der Arbeit, die aber bald wieder energisch ausgenommen wurde. In der Folge erfuhr der Uebungsbetrieb eine wesentliche Jugendarbeit wurde schon damals

viel Aufmerksamkeit zugewandt. Im Jahre 1891 konnten sich die Turner durch eine hochherzige Stif- tung eine Turnhalle bauen. Gießener Turner tra- ten ouf vielen auswärtigen Festen ehrenvoll hervor.

Im Jahre 1885 folgte die Gründung des Män- nerturnv-r-ins Gießen, der schon jum Ende des Fabres seines Bestehens 200 Mitqlieder MTV. und 1846 schlossen sich 1896 zurGie- fjener Turnerschaft zusammen und förderten nun gemeinsam tue turnerischen Bestrebungen. Manches große Turnfest wurde ausgerichtet. Der Weltkrieg 1914 unterbrach die Arbeit der Vereine. 110 Mit- flheber des MTV., 400 des Tv. 1846 zogen ins jJeR) und nahezu 100 Gießener Turner fielen. Ihnen zum Gedächtnis wurden von beiden Der- c,mnJ^,nn!run95ftätten geschaffen.

Nachdem die Wehrpflicht in Fortfall gekommen war, nahmen die Vereine die Arbeit um so inten­siver auf. Faustball- und Handballabteilungen wur- den gegründet, die Turner begannen sich auch für öas Schwimmen zu interessieren, das Frauentur- nen rourtte gefordert, die Schülerriegen wuchsen und J!ß Gießener Turnerschaft betrieb mehr und mehr die Breitenarbeit, die stets ihr Wirken kennzeichnete. Immer wurden auch die vaterländischen Gedanken hochgehalten. Im Turnverein 1846 wuchsen ausge­zeichnete Gerateturner heran, die Männerturner pflegten mit bestem Erfolg die volkstümlichen Wett­kampfe. Schone Erfolge brachten den Gießener Tur­nern die Deutschen Turnfeste in München (1923),

Vor zehn Jahren.

Erinnerungen an das Kreiöturnfest 1925. - Oie Entstehung der Gießener Boikshalle.

stände, wenn auch unter Aufwand gewisser weite­rer Summen, von dem unser Gemeinwesen für allezeit Nutzen haben könne. Das Für und Wider wurde in zahlreichen Versammlungen eingehend erörtert. Die Befürworter des Baues konnten er­reichen, daß aus der Bürgerschaft heraus Anteil­scheine in höhe von rund 110 000 Mark für diesen Bau gezeichnet wurden, zu denen die Stadt aus öffentlichen Mitteln weitere 50 000 Mark hinzugab. Damit war die Entscheidung zugunsten des Volks. Halle-Baues gefallen, so daß am 22. April 1925 in einer Versammlung der Bau einstimmig beschlossen und gleichzeitig derVolkshalle-Verein e. V." ge­gründet wurde. Für diesen Bau hatte sich ganz be­sonders der damalige Stadtverordnete, Privatier Heinrich W i n n eingesetzt, der im Kreise der Turnfest-Ausschußmitgliede'r starke Unterstützung fand und auch den damaligen Oberbürgermeister Dr. Keller, weiterhin die Stadtverordneten-Ver- sammlung für die Sache gewann; Oberbürger­meister Dr. Keller wurde damals zum Ehren­vorsitzenden des neuen Vereins ernannt.

Am 4. Mai 1925 wurde mit den Ausschachtungs­arbeiten begonnen, am 10. Mai 1925 nahmen dis Maurerarbeiten ihren Anfang. Die technischen Ar­beiten hatten die Architekten Nicolaus, Schmidt und Hamann übernommen, die Eisenbetonarbeiten wurden von der Gesell­schaft für Beton- und Eisenbetonbau, sowie von der Firma h. Weimer ausgeführt, die Maurerarbeiten wurden den Vereinigten Gie­ßener Bauunternehmern, bestehend aus den Fir­men Abermann, Becker, Birken st ock und Schneider, h. W. Rinn und W e h r u m übertragen. Sämtliche Firmen mußten sich ver­pflichten, den Volkshalle-Bau bis wenige Tage vor dem Beginn des Turnfestes fertig zur Verfügung zu stellen. Und was viele damals nicht glauben wollten, wurde dennoch wahr: wenige Tage vor dem 31. Juli, dem Beginn des Turnfestes, war der Bau vollendet und konnte nun für die Festtage hergerichtet werden. Es war natürlich nicht d i e Volkshalle, die wir heute sehen. Der Bau war in vielen Teilen reichlich primitiv; z. B. war bei der Eröffnung noch nicht einmal die Fußbodenfläche mit einem Belag versehen, sondern man bewegte ich eben auf dem gewachsenen Boden. Darüber hinaus fehlte natürlich auch sonst noch mancherlei, aber man hatte doch erreicht, daß eine große, ge­deckte Halle für das Turnfest vorhanden war, in der chon bei der Eröffnungsfeier etwa 4000 bis 5000 Menschen Unterkunft fanden, eine Tatsache, die besonders bei dem starken Regen und den dadurch empfindlich notleidenden Bierzelten auf dem Fest- platz eine große Annehmlichkeit war. Uebrigens bestand von vornherein bei den Befürwortern des Bauplanes die Gewißheit, daß bei diesem ersten Bauabschnitt natürlich nur ein Behelf geschaffen werden könne und der weitere Ausbau den kom­menden Jahren überlassen bleiben müsse. Als be- sonders rühmenswert ist aber heute erneut, wie auch damals schon, hervorzuheben, daß viele Mit­bürger durch die Anteilscheinzeichnung von rund 110 000 Mark den Bau der Volkshalle erst ermög­lichten und dadurch, neben dem Stadttheater, ein weiteres ..Denkmal bürgerlichen Gemeinsinns" haben schaffen helfen.

Wie nützlich die Dolkshalle, trotz mancher bau- licher Mängel und auch wirtschaftlicher Schwierig- feiten, in Öen weiteren Jahren gewesen ist, braucht hier im einzelnen nicht näher dargelegt zu werden. Zusammenfassend sei nur betont, daß z. B. die großen Wahlkundgebungen, in denen auch der Führer und Reichskanzler Adolf Hitler und die Reichsminister Dr. Goebbels, Rust usw. hier sprachen, weiter große Konzerte, bedeutende Aus­stellungen usw. usw. nicht' möglich gewesen wären, wenn wir die Volkshalle als geeignete Stätte nicht Zur Verfügung gehabt hätten. Wenn auch die Stadt noch gewisse Opfer für die Uebernahme her Anteilscheine aus Privathand in städtischen Besitz bringen muß und für die weitere Ausgestaltung des Baues noch manche Aufwendungen zu leisten sind, so kann man doch sagen, daß diese hinter- lassenschaft des Kreisturnfestes 1925 sich in vorteil- Hafter Weise von den übrigen Resultaten des Turn­festes abhebt und bei dem kommenden Fest als Stätte der Aufführung des Festspiels wieder mit in den Rahmen der Feiertage eingespannt werden wird.

in Köln (1928) und in Stuttgart (1933). Der größte Erfolg, den ein Gießener Turner bisher zu erringen vermochte, war Karl Reuters 12-Kampf-Sieg in Köln. Auf den Feldbergfesten waren die Gießener Turnerinnen und Turner stets aktiv und erfolgreich im Kampf. Oft taten sich die Turnerinnen hervor. Manche Kreis- und Gaumeisterschaft wurde im Handball- und im Faustballspiel errungen.

Ein starker Ausdruck der Vielfältigkeit der Lei- besübunaen in den Turnvereinen ist darin zu sehen, daß man sich nicht nur mit dem Gerätetur­nen, sondern auch der Leichtathletik, dem Schwim­men, Wandern, Fechten, Tennis, Faustball-, Hand- ball- und Fußballspiel beschäftigt. Viele Volksge­nossen werden in die intensive Arbeit der Turnver­eine einbezogen. In ftnrfem Ausmaß hat sich in den letzten Jahren und in seinem Kreise der Reichs- bahn-Turn- und Sportverein an dieser Arbeit be­teiligt.

Oer Volkssport ^u66oO.

Das Fußballspiel unserer Stadt hat bald eine vier Jahrzehnte lang Geschichte, Um die Jahrhun- dertwende wurde dieser Kampfsport zuerst von Schülern der Oberrealschule und des Gymnasiums ausgenommen. Die Jungens spielten zunächst gegen- einander, bald aber auch gegen die auswärtigen Schulen. Aeltere Sportfreunde, die zum Teil aus den Reihen des MTV. kamen, nahmen zunächst unter der Initiative der Herren Schwan, De- m u t h und A. Bötz den Spielbetrieb auf breiterer Safis ausi Zunächst entstand der Gießener Faßball­klub von 1900 Studenten, die sich ebenfalls für die- en Sport interessierten, stießen zum Verein. Es kamen Mannschaften zustande, die ausgezeichnet spielten und in den Jahren 1905, 1906 und 1907 ?JlJ?anÄftCn in Frankfurt und Umgebung schwer zu schaffen machten. Damals geschah es auch, daß Eintracht Frankfurt gegen Gießen 7:1 verlor.

Verbandsspiele wurden zur damaligen Zeit noch nicht ausgetragen. Im Jahre 1908 traten die Gie- feener Fußballspieler dem Südwestdeutschen Fuß­ballverband bei und spielten im Kreis Offenbach die ersten Verbandsspiele. Nachdem sich die Fußball- Mannschaften Gießens einen guten Namen gemacht hatten, mangelte es nicht an Spielerzuzug. Auch das Pnhlikum unserer Stadt nahm starken Anteil.

Fußball wurde zuerst unmittelbar auf dem Platz Dort Dolkshalle gespielt, später an der Straße nach der Hardt. Im Verlauf der Entwicklung wurde

Gez.: Sprenger.

Oer Kreislei^er der AGOAp Kreis Gießen

Der völkische Staat muß dabei von der Voraussetzung ausgehen, daß ein zwar wissenschaftlich wenig gebildeter, aber körperlich gesunder Mensch mit gutem, festem Charakter, erfüllt von Entschlußfreudigkeit und Willenskraft, für die Volksgemein­schaft wertvoller ist als ein geistreicher Schwächling."

Dieser Ausspruch des Führers möge Leitspruch auch für das 1. (Saufeff des Gaues XII Hessen des Deutschen Reichsbundes für Leibesübungen sein.

heil Hitler!

Klo st ermann, Kreisleiter.

?e! $eIcInt J^a n <rßnni?5 l t la Fast genau auf den Tag wie vor zehn Jahren schließlich der letzte Zweck aller Turnfeste. beherbergt unsere Stadt vom 2. bis 4. August 1935 DieSchwarzen" gründeten auch am Gymna- wiederum eine große Veranstaltung, die den Lei- sium eine Turnanstalt; der Turnplatz war im besübungen aller Art gewidmet ist: das I. G au- Schützenhof" an der Grünberger Landstraße. Oft f e st des Reichsbundes für Leibes- üeranftalteten sie Turnfahrten gemeinsam mit Übungen im Gau X11 (Hessen). Dieses Gleichgesinnten aus Frankfurt und anderen Orten, Fest ruft die Erinnerung wach an seinen Vorgän-

wobei geturnt und gesungen wurde. Außer Earl ger vor zehn Jahren: das 3 2. Mittelrhei-

Follen war es vor allem Christian Sarto- nische Kreisturnfest in Gießen vom

r i u s, der sich die Verbreitung der Turnkunst an- 31. Juli bis 4. August 1925. Wenn jetzt die Ge-

gelegen sein ließ. danken der Festteilnehmer, die vor zehn Jahren

Für die Gießener Turngemeinde haben die Brü- schonmit dabei waren", und die Blicke der Gie- der Fallen u. a.Schwarze" eine Reihe noch ßener Bevölkerung auf jene Tage vor einem Jahr- Heute bekannte Turnerlieder in denFreyen Stirn- zehnt zurückgehen, so geschieht es sicherlich mit dem men frischer Jugend" (1819) veröffentlicht. Vorn Wunsche, daß den kommenden Festtagen ein freund- Gießener Turnplatz hat sich das Turnwesen durch sicheres Geschick beschieden sein möge, als dem gro- ganz Hessen verbreitet. Im Turnen sahen die sien Ereignis der Mittelrhein-Turner vom Juli- schwarzen" überhaupt einAllheilmittel" für das August 1925.

ganze öffentliche Leben", wie ein Brief Carl F o l - *

lens vom Oktober 1818 ergibt:Was ist wichtiger Wer die Vorbereitungen des Mittelrheini- in unserer Zeit als alles das, was zu Nutz und fch en Kreisturnfestes 1 925 als Mitarbeiter Frommen der Turnerey geschieht? Dom Turnplatz in den Ausschüssen selbst erlebt hat, wie Schreiber aus muß sich unser ganzes Staatsleben sowie un- dieser Zeilen, der wird bei dieser kurzen Rückschau fere ganze Kunst kerngesund neu entwickeln." betonen müssen, daß jene Veranstaltung von der Es entspricht ganz der Anschauung derSchwär- Festleitung unter dem Vorsitz des Ende März 1934 den", die das Turnen als Grundlage für den Neu- verstorbenen Rektors Georg Kling, des damali- aufbau des Vaterlandes ansahen, daß sie ihre auf 9en Vorsitzenden der Gießener Turnerfchaft, nach den Turnplätzen hergestellten Beziehungen zum ieder Richtung hin in bester Weise vorbereitet war. Volk auch für ihre politischen Ziele verwerteten. ®a5 Mißgeschick jener Tage geht zu Lasten des Das deutsche Volk war vom Ausgang des Wiener Wettergottes.

Kongresses enttäuscht und wurde es täglich mehr, Viele Wochen lang, an ungezählten Nachmitta- uJeram bie Reaktion ihr Haupt erhob, als hätte gen und Abenden hatten sich die Ausschüsse um die nie das Volk um seine Freiheit vom Franzosenjoch Vorbereitung jenes Kreisturnfestes in hingebungs- gcrampft Nun, da die GießenerSchwarzen" und voller Weife bemüht. Der geschäftsführende Aus- ihre Gesinnungsgenossen an allen Hochschulen die schuß unter der Leitung von Georg Kling, dem Turnplätze als Mittel zur Verbreitung ihrer radi- als 2. Vorsitzender der damalige Leiter des Turn- kalen Ansichten verwerteten, wurden die Regierun- Vereins von 1846 Wilhelm Erle und mit ihm gen aufmerksam. Man erinnerte sich des Wartburg- viele andere Turner aus beiden Gießener Turn­festes der Burschenschaft 1817, bei dem die Sym- vereinen tatfroh und unermüdlich in vorbildlicher vole des absolutistischen Staates verbrannt worden Hingabe an die große Sache zur Seite standen waren; und als am 23. März 1919 Kotzebue hatte es verstanden, für die Mitarbeit in den Der« ermordet wurde, hatte man einen äußeren Anlaß fchiedenen Ausschüssen einen großen Kreis von Mit- 5um Eingreifen. Am 31. März bereits wurden alle bürgern zu gewinnen. Dadurch war die Arbeit für Turnplätze polizeilich geschloffen, Jahn und selbst das Kreisturnfest auf die breiteste Grundlage ge- ro»r^lnf.Serf)aftev- Verfolg der sogen, stellt und aus einem Fest der Turner eine An- gelegenheit der gesamten Gießener Bevölkerung Untersuchungskommlssion eingesetzt und ihre rück- geworden. Schon wochenlang vorher bildete das sichtslosen Verfolgungen aller burschenschaftlichen Kreisturnfest das Tagesgespräch in Gießen und und turnerischen Bestrebungen machten - wie in darüber hinaus in den Orten der engeren Heimat

ganz Deutschland auch in Gießen der Turnerei Mit bewundernswerter Begeisterung ging die Gie-

ein vorlgufiges Ende. Carl Fallen floh, wie ßener Bevölkerung auf die nicht geringe Anzahl

»leie feiner Gesinnungsgenossen, in die Schweiz und von Anforderungen und Wünschen ein die im Der-

SVlÄ h0- -verfolgt' 1824 nach Nordamerika, laufe der Vorbereitungsarbeit von den Ausschüssen wo er 1840 bei einem Schiffsbrand ein frühes Ende an sie gestellt wurden. Es würde hier zu weit füh- fanb. Das Leben dieses genialen Menschen hat Ge- ren, auf Einzelheiten jener vielfältigen Opferbe-

* 1907 !n ber Festschrift desOber- reitschaft unterer Gießener Volksgenossen näher 5?'^^en Geschichtsverems zur 300=FWfeter der einzugehen. Erinnert fei jedoch an' die großzügige Unwersi at und neuerdings Julia Wust in der Gastfreundschaft, mit der die Turner in den Fa- Festschrift der Burschenschaft zur diesjährigen milien als gern gesehene Gäste die ^er3IicMte 2Iuf« Car?C^eon^( betrieben; fanben: nüt ganz befonberer Liebe nahm

1Q97 Sh fcEhrenspiegel hat ber Verfasser man sich der Turner aus dem Saargebiet an um 1927 neu herausgegeben den damals unter der Fremdherrschaft leidenden

Die verschiedenen Versuche, der deutschen Tur- Brudern zu befunden, wie treuverbunden man sich nerei in Gießen wieder Boden zu verschaffen: 1828 Mnen in unserer Stadt wußte und wie gern man durch Dr. Völker, 1830 durch Adolf Spieß, 'hnen diese herzliche Gesinnung durch die Tat be* ^"Schöpfer des Schul- und Mädchenturnens, 1846 weisen wollte. Damals sind zwischen manchen durch Gründung des Turnvereins und 1885 durch Saarturnern und zahlreichen Gießener Volksgenos- Errichtung des Männerturnvereins verdanken zum fen Freundschaftsbande geknüpft worden bie über guten Teil ihre Erfolge Carl Fallen. Er war b,e .Mre hinaus bis heute noch bestehen und bie der Begrunber der ersten Gießener Turngemeinde zweifellos auch erhalten bleiben, bis sie 'einstmals und feine Erinnerung war noch lange lebendig. am Ende der Lebensbahn ihren Abschluß finden Möge em hauch vom Geist dieses Kämpfers für werden. Aber nicht nur b*e Bevölkerung, sondern deutsches Wesen unter den künftigen Jüngern auch die Stadtverwaltun, selbst als offizielle Re- Jahns erhalten bleiben! prafentantin unseres Gemeinwesens hatte sich groß-

Dr. Carl Walbrach. W9 unb opferbereit her Turnersache zur Ver- sugung gestellt und dadurch der Festleitung einen Ä1 ^1)0^ gegeben. So hatten die Ausschüsse ^>rUnt,r;?aflC1 des Kreisturnfestes mit froher Zuversicht entgegenzusehen.

, ; roi?ei alles Erwarten der be« TUrfnSi ? oerheerenbe Jlusgang burch das völlige ^rsagendes Wettergottez. Der erste Abschnitt der ahJpmirflri h ^atfe sich m befriedigender Weise abgewickelt, da kam auf dem Höhepunkt der Tage der Umschwung. Am Samstagabend fingen anhaltende Regengüsse an; der Regen "ährte die Nacht zum Sonntag hindurch und "ek auch am Sonntagvorriittag während des Tur. nens auf dem Trieb nicht nach. Um die Mittagszeit des Sonntags, wahrend sich der Festzug der Fünf­zehntaufend durch die S.adt zum Trieb bewegte,