Ausgabe 
1.8.1935
 
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ein zweiter Verein gegründet, und zwar der Ball­spielklub 1904, der aber keine große Rolle spielte. Im Jahre 1908 wurde der VfB. gegründet, der an- sanglich aus lauter Schülern bestand, sich rasch und glänzend entwickelte, und sich auch seinerseits in der Schwarzlach einen eigenen Platz schuf. Die Mann­schaft des VfB. brachte es sogar so weit, in den Endkampf um die Westdeutsche Meisterschaft einzu- qreifen. Kurz vor dem Kriege vereinigten sich 1900 und VfB. und bildeten den Verein für Rasenspiele 1900. Gemeinsam wurde nun der Spielbetrieb ge­pflegt, der, wenn auch in beschränktem Umfange, auch während des Krieges fortgeführt wurde. Rach dem Weltkrieg spielten die Gießener Vereine im Westdeutschen Spielverband. Ein regelmäßiger Ver­bandsspielbetrieb setzte ein. Unmittelbar nach dem Kriege wurde der VfB. neu gegründet. Während einer Saison vermochte sich der VfB. in der Gau­klasse zu behaupten. Im übrigen spielten die Mann­schaften in der Bezirksklasse und verpflichteten sich häufig namhafte Gegner aus der näheren und wei­teren Umgebung zu Privatspielen. So bekam man immer wieder rassige und begeisternde Kämpfe zu sehen, die den heimischen Mannschaften einen festen Stamm von Freunden und Gönnern schufen. Höhe­punkte waren immer wieder die Lokalkämpfe zwi­schen den beiden Vereinen.

Oie £eichiatbletik

Die ersten Gießener Leichtathleten kamen aus den Reihen der Turner, insbesondere aus dem MTV., der ja schon stets die volkstümlichen Uebungen pflegte. Die Spielvereinigung 1900, in deren Reihen sich auch einige Turner befanden, trat zunächst mit guten Staffelmannschaften hervor und errang be­reits im Jahre 1910 bei einer großen Veranstaltung im Palmengarten in Frankfurt bedeutende Er­folge. Einzelne Leichtathleten (Wenzel, Glarius) machten schon damals den Namen unserer Stadt in weiten Kreisen bekannt. Auch der VfB nahm früh­zeitig die Leichtathletik auf und stellte beachtliche Gegner. Großen Aufschwung nahm die Leicht­athletik in unserer Stadt unter der Initiative des Herrn Hauptmann Dehnel und Paulu.s. 1921 gründete die Spielvereinigung ihre eigentliche leicht­athletische Abteilung. Beim VfB. ruhte die Leicht­athletik vorübergehend, wurde aber 1928 durch Dr. Knöppler neu belebt. Zwischen den Mannschaf­ten der beiden Vereine wurden in der Folge manche Kämpfe ausgefochten, die sich als sehr förderlich er­wiesen. Vor allem wurden den bislang gepflegten Gemeinschaftskämpfen 1900, VfB., Bataillon, Uni­versität und MTV. stets starkes Interesse entgegen­gebracht. Höhepunkte waren die Nationalen leicht­athletischen Wettkämpfe der Spielvereinigung 1900, bei denen die hervorragendsten deutschen Leicht­athleten an den Start gingen. Große Werbewirkung ging von dem alljährlichen Anlagenlauf aus. Manche Meisterschaft wurde von den hiesigen Ver­einen ausgerichtet. Geraume Zeit war Gießen in der Leichtathletik des Gaues führend. Aus der jüng­sten Zeit sind die Gründung der Trainingsgemein­schaft im Mai 1934 erwähnenswert. Kilo (1900), der als Diskuswerfer hervortrat, gehört der Olymvia- mannschaft an. Schöne Erfolge errangen die Gie­ßener Leichtathleten bei den jüngst in Kassel durch­geführten Juniorenmeisterschaften.

Seit 50 Jahren Radsport.

Der Radsport in unserer Stadt konnte vor kur­zem das goldene Jubiläum feiern. Der Radfahrer­verein 1885 Gießen konnte in diesem Jahre auf sein 50jähriges Bestehen zurückblicken. Der Verein ist einer der ältesten Radsportvereine in Deutsch­land. Ein zweiter VereinRadklub Germania Gießen" entstand im Jahre 1899. Der Radrenn- sporf und der Saalsport fanden in Gießen von jeher gute Pflege. Die erste Radrennbahn in Gie­ßen befand sich in Steins Garten und wurde um 1890 gebaut. Um die Jahrhundertwende ruhte der Radsport vorübergehend, wurde aber bald wieder neu belebt. Eine zweite Radrennbahn wurde am Schützenhaus erstellt und schließlich wurde im Jahre 1900 die schöne Radrennbahn an der Hardt ge­schaffen, die dem Gießener Radsport starken Auf­trieb verschaffen half. Leider wurde sie vor drei Jahren abgerissen.

Während der Kriegszeit ruhte der Radsport fast vollständig. Nach dem Kriege nahmen die Gießener Radfahrer, die sich nunmehr in zwei Vereinen sammelten (Radfahrerverein 1885 Gießen und RadklubGermania" Gießen) den Saalsport sehr energisch auf. Auch die Wanderfahrten wurden in der Folge häufig unternommen. Sehr stark ent­wickelte sich der Straßen-Rennsport. An einem größeren Rennen nahmen die Gießener einmal mit nicht weniger denn 120 Mann teil. Ein eifriger Wettkampfbetrieb wurde zwischen den beiden hiesi­gen Vereinen gepflegt. Ein Höhepunkt war die Austragung des Goldpokals des DRV. im Jahre 1925, ein Straßenrennen, das mehrere Male über die bekannte Rundstrecke (über den Daubringer Paß) führte und von den 85ern gegen stärkste Kon­kurrenz gewonnen wurde. Die Entwicklung des Straßenrennens im Gießener Radsport ist eng verknüpft mit den Erfolgen August Deibels, der auch heute noch aktiv bei den 85ern im Verein steht. In den folgenden Jahren wurde dem Rad­ballspiel viel Aufmerksamkeit zugewandt. Auch hier gab es viele spannende Begegnungen zwischen den beiden Gießener Vereinen. Während in jüngster Zeit der Sportbetrieb bei dem RadklubGermania" etwas zurückgegangen ist, trat der Radfahrerverein von 1885 sehr lebendig in Erscheinung und schuf mit den von ihm veranstalteten Bahnrennen und der Ausrichtung großer Straßenrennen wieder viel öffentliches Interesse für diesen Sport.

Rudersport seit 1877.

Der Rudersport kann in Gießen auf eine ruhm­reiche Tradition zurückblicken. Den größten Teil der Erfolge und der Verdienste um die Förderung des Rudersportes kann die Gießener Rudergesellschaft für sich buchen. Die ersten Anregungen für die Auf­nahme des Rudersportes in unserer Stadt gingen von dem Turn- und Schwimmlehrer L. Christoph R ü b s a m e n aus, der im Turnverein 1846 enge Berührung mit der Gießener Jugend hatte. Klein war anfänglich der Kreis der Begeisterten für den neuen Sport, aber schon von Anfang an wurde eine rege Rudertätigkeit entfaltet. Die erste Gieße­ner Regatta wurde im Jahre 1882 durchgeführt. Sie stand unter einem unglücklichen Stern: es regnete während der ganzen Regatta. Trotz man­cher Rückschläge und mancher Mißerfolge wurde aber der Sportbetrieb rege aufrechterhalten. Opfer­bereit fetzten stich die Mitglieder ein. Untrennbar sind mit dem Gießener Rudersport die Namen L. Ehr. Rübsamen, Earl Rübsamen, Jean Kirch, Carl Krailing, Chr. Reiber, Klingspor usw. ver­bunden. Höhepunkte im Gießener Rudersport waren die großen Erfolge von Albert Rübsamen, dem es gelang, in den Jahren 1894 und 1900 zweimal die Deutsche Meisterschaft im Einer zu erringen. Große Erfolge hatte auch, ebenfalls im Einer, Carl

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Wommen mm 4. Sausest

Oer Oberbürgermeister der Gtadr Greve

Die Stadt Gießen, in deren Mauern schon mehrere Generationen hindurch eine in allen Sportarten sich freudig betätigende Bevölkerung wohnt, entbietet den aktiven Turnern, Sportlern und den Gästen ein herzliches Willkommen.

Es ist der Stadt Gießen eine Freude, daß das erste Gausest des Reichsbundes für Leibesübungen mit seinen Wettkämpsen, die der Ertüchtigung unserer Zugend dienen, in unserer schönen Stadt mit ihrer herrlichen Umgebung abgehalten wird. Die gesamte Einwohnerschast nimmt an diesem Fest freudigen Anteil, und ich bin überzeugt, daß alle Teilnehmer genußreiche und schöne Stunden in freudiger Stimmung hier verleben werden.

Vorwärts in der Arbeit zur Stählung des Geistes und des Körpers zum heil und Sieg unseres Vaterlandes.

heil Hitler!

Ritter, Oberbürgermeister.

Oer Führer der Ortsgruppe Gießen des 5tf£.

Tausende von Turnern und Sportlern strömen in diesen Tagen in der Feststadt Gießen zum 1. Gaufest des Reichsbundes für Leibesübungen zusammen. Ium ersten Male treten die im Reichsbund für Leibesübungen geeinten Turn- und Sport­vereine des Hessengaues mit einer großen Veranstaltung an die Oefsentlichkeit, die mehr sein soll als ein gewöhnliches Turn- und Sportfest. Das 1. Gausest in Gießen möge ein Markstein auf dem Wege zur Einheit der deutschen Leibesübungen sein, ein hohes Fest völkischer Kraft und Gesundheit, eine Kundgebung ungebrochenen deutschen Lebenswillens und rechter deutscher Lebensfreude. In diesem Sinne grüßen alle Turner und Sportler der Stadt Gießen ihre Sportkameraden aus nah und fern.

heil Hitler!

Ortsgruppe Gießen des Reichsbundes für Leibesübungen.

Dr. Möckelmann.

Iödt zu verzeichnen, dessen Sohn auch heute tm Einer einen starken Gegner darstellt.

Im Jahre 1906 wurde in Gießen ein zweiter Ruderverein gegründet, und zwar der Gießener RuderklubHassia", der lange Zeit über eine große Anzahl Ruderer verfügte und im Rahmen der Wett­kämpfe des Süddeutschen Ruderverbandes eine große Rolle spielte. Im Jahre 1922 trat der Derem zum Deutschen Ruderoerband über. 1913 folgte die Gründung des Vereins Rudersport Gießen. Die Vereine verfügten jederzeit über umfangreiches tadelloses Bootsmaterial.

In den Jahren während des Krieges konnte der Ruderbetrieb meist nur von Schülern hochgehalten werden. Viele Gießener Ruderer blieben auf dem Felde der Ehre. In den Jahren 1921/22 erbaute die GRG. ihr Bootshaus in der heutigen Form. Der Verein Rudersport schuf sich ebenfalls ein stattliches Bootshaus. Viele auswärtige Rennen wurden von den Gießener Rudervereinen bestritten und viele Siege nach Hause gebracht. Die jüngste Zeit brachte an wesentlichen Ereignissen den Zu­sammenschluß der GRG. und des Vereins Ruder- jport (1. Dezember 1934) und die Ernennung der Achter-Mannschaft der GRG. zum Verbandsachter.

Oer Tenn sspori

sand auch in unserer Stadt, wenn auch später wie manche andere Sportart, eine Pflegestätte. Ursprünglich wurde auf den Plätzen an der Liebigs- höhe gespielt. Eine Vereinigung, die den Tennis­sport systematisch betrieben hätte, gab es geraume Zeit nicht. Erst im Jahre 1922 kam es zur Grün­dung des Gießener Tennisklubs, um den sich be­sonders Dr. Fischer verdient gemacht hatte. Eine Belebung erfuhr der Tennissport durch die Schaf­fung zweier Spielplätze am Schützenhaus. Später fchuf die Stadt noch vier weitere Spielfelder, so daß der Tennissport auf breiterer Grundlage be­trieben werden konnte. In der Folge wurde man­ches Turnier auf diesen Plätzen ausgetragen und Spieler von Rang waren häufig in Gießen zu Gast. Turniere wurden gegen Frankfurter und Mainzer Vereine, gegen Wiesbaden und Marburg ausge­tragen. In den Jahren 1925 bis 1927 spielten die Marburger und die Gießener sogar eine beachtens­werte Rolle und konnten manchen schönen Erfolg erzielen. In jüngster Zeit vermochten sich die Gie­ßener Freunde des weißen Sports allerdings nicht mehr so erfolgreich durchzusetzen. Der Spielbetrieb ist aber nach wie vor sehr rege. Das Saufest wird auch auf den Tennisplätzen viel Betrieb bringen, da zahlreiche Meldungen vorliegen.

Das Gyor sädmmen in <$iefrn

Die Anfänge des Gießener Schwimmsportes oehen in die Zeit bis vor dem Kriege zurück. Der Gießener Schwimm- und Wassersportverein von 1913 war der erste schwimmsportliche Zusammen­schluß in unserer Stadt. Kurz vor dem Weltkrieg wurde das erste Schwimmfest in Gießen abgehal­ten. Nach Friedensschluß fanden sich schwimmfreu­dige junge Leute zunächst im Gießener Sportclub 1900. Bei vielen auswärtigen Wettkämpfen trafen Gießener Schwimmer in Erscheinung. Im Som­mer 1922 wurde eine große schwimmsportliche Ver­anstaltung durchgeführt (oerbandsoffene Wett­kämpfe), zu der 37 Vereinsmannschaften aus West­deutschland antraten. Im Sommer des Jahres 1923 trennten sich die Schwimmer aus fachlicher Notwen­digkeit vom Sportclub, und gründeten den Gießener Schwimmverein am 23. Juli 1923. Mit 40 Mitglie­dern nahm der Verein den Betrieb auf. In zahl­reichen Wettkämpfen eilten die jungen und begei­sterten Schwimmer von Sieg zu Sieg. Mehrmals

konnten Mitglieder des Gießener Schwimmvereins an deutschen Meisterschaften teilnehmen. Manche große eigene Veranstaltung wurde durchgeführt. Regelmäßige Uebungen im Hallenbad, Gymnastik und Hallentraining, als Ergänzungssport, Ausbil­dung der Jugendmannschaften, Wasserballtraining, Reigenschwimmen und Wettschwimmen der Damen­abteilung bildeten das Arbeitsprogramm des Ver­eins, das bis auf den heutigen Tag in vollem Um­fange aufrechterhalten worden ist. Wertvolle sport­liche Gegnerfchaft fanden die Mitglieder des Gie­ßener Schwimmvereins in den Schwimmern aus dem Kreise des Turnvereins 1846. In Schwimm- wie auch in Wasserballwettkampfen wurde zwischen den Mannschaften beider Vereine mancher harte Strauß ausgefochten.

Von der Bürgerwehr zum Schützenverein.

Der Schießsport hat in unserer Stadt eine ehr­würdige Tradition. Die meisten Schützenvereine und Gesellschaften entstanden aus den ehemaligen Bürgerwehren des ausgehenden Mittelalters. In Gießen war es nicht anders. EineGießener Schützenkompanie" scheint es bereits zu Beginn des 15. Jahrhunderts gegeben zu haben. EineGieße­ner Schützengesellschaft" ist aus dem Jahre 1604 zum ersten Male urkundlich nachweisbar. Diese Schützengesellschaft war bis zum März 1876 tätig. Damals zerstörte ein Sturmwind die Schützenhalle. Der Verein konnte nicht mehr aufbauen und löste sich auf. Ursprünglich wurde auf dem Platz geschaf­fen, an dem sich Kaiserallee und Licher Straße trennen. Im Jahre 1696 wurde dort ein Schützen­haus gebaut. Im Laufe der Zeit wechselten die Schießplätze. Auf dem Trieb, hinter dem heutigen Schützenhaus, dann an der Liebigshöhe wurde ge- fchoffen, später entstand ein Schießplatz an der Hardt, schließlich wurde wieder das heutige Schützenhaus das Ziel der Freunde des Schieß­sports. Der Schützenverein, der heute noch besteht, wurde im Jahre 1878 gegründet. Er entfaltete einen eifrigen Sportbetrieb, der bis auf den heu­tigen Tag gepflegt wurde. Manches große Schießen fand auch in unserem Gießen statt. Der Weltkrieg unterbrach den Sportbetrieb zwar auch bei den Schützen, nach dem Kriege aber und nach dem Fortfall der Wehrpflicht huldigte man dem Schieß­sport aber um so eifriger. Neben dem Gießener Schützenverein entstand im Jahre 1926 die Gieße­ner Schützengesellschaft, die ursprünglich nur das Zimmerstutzenschießen pflegen wollte, die Mitglie­der gewannen aber mehr und mehr Geschmack an ihrem Sport, sie schufen sich aus den Resten eines Militärschießstandes einen zünftigen Schießstand hinter dem Waldfportplatz.

Neben dem Großkaliberfchießen nahmen die Gie­ßener Schützenvereine auch das Kleinkaliberschießen auf, das bald viele Freunde gewann. Gern stellten die Vereine ihre Anlagen den nationalen Verbänden zur Hebung zur Verfügung. Seit geraumer Zeit i widmet man sich auch der Jugend, die von den alten Schützen gute Unterweisung erfährt. Die hiesigen ' Schützen haben in den vergangenen Jahren häufig ' große Erfolge erzielt und sich manche Bezirks- und Gaumeisterschaft gesichert. Lebhafte Pflege erfuhr der Schießsport auch durch die Vereine im Reichs­kriegerbund Kyffhäuser, ferner und sehr erfolgreich im Postsportverein Gießen. Die letzte größere Ver­anstaltung stellte das 30. Verbandsschießen Baden- Pfalz-Mittelrhein im Juli 1929 dar. Selbstverständ­lich beteiligten sich die hiesigen Vereine auch sehr rege am Winterhilfsschießen in diesem Jahre.

Sport in der Wehrmacht.

Turnen und Sport stärken die Gesundheit, machen den Körper gewandt und geschmeidig, legen die Grundlage zur Selbstzucht, zur Ein- und Unter­ordnung, zur Kameradschaft und zum Korpsgeist und damit zu den hohen ethischen Werten, die schon immer der Inbegriff des WortesSoldat" find. So ist es eine Selbstverständlichkeit, daß Sport und Turnen auch in der Wehrmacht eine Pflege­stätte gefunden haben mit dem Ziel, einen ge­wandten jungen Menschen zu formen, der es ver­steht, seinen Körper vollständig zu beherrschen; den Körper, der durch Berufstätigkeit seine Fehler und Schwächen aufweift, der besonders bei denen, die dem Sport ferngeftanden haben, ungelenk und steif ist, zu lockern und somit vorzuberetten für das Exerzieren, für den Schieß- und Geländedienst.

Turnen und Sport werden hier bewußt in den Dienst der militärischen Ausbildung gestellt, sind

also Mittel zum Zweck. Letztes Ziel ist, einen ge­schmeidigen Körper zu bilden, der in vorbildlicher Weise sich dem Gelände anzupassen versteht, ihm die Elastizität und Schwungkraft einer Stahlrute zu geben, so daß er vorkommende Hindernisse mit Leichtigkeit zu überwinden vermag, der allen Här­ten standhält, der sich einsetzt bis zum letzten. Ein­satzbereite Menschen werden besonders durch Ein­zel- und Mannschafts-Wettkämpfe erzogen. Nicht zuletzt dient der Sport auch der Charakterbildung, indem Entschlußfähigkeit, Härte, Willensstärke und Kampfgeist geweckt und gefördert werden. Die mili­tärischen Tugenden sind also in ihm verankert.

Die besonders hervorgehobenen Ziele werden in der Wehrmacht durch einen ganz planvollen Auf­bau des gesamten Turn- und Sportbetriebes er­strebt. Der Ausbildungsgang gliedert sich in die Grundstufe" und in dießeiftungsftufe". Anschlie­

ßend an das Können und die Veranlagung des jungen Soldaten werden zunächst Hebungen in den Vordergrund gerückt, durch die der Körper gelockert und gewandt gemacht wird, die inneren Organe und die Muskeln eine Stärkung erfahren und die Grundlagen für Kameradschaft und Zusammenhalt gelegt werden. Diesem Zweck dienen Spiele, Gym­nastik mit und ohne Gerät, leichtes Boden- und Hindernisturnen, Schwimmen und Geländelauf. Später findet dann eine Erweiterung statt durch Einführung von Kurzstreckenlauf, Sprung und' Wurf.

Den Abschluß bildet die Erzielung von Ausdauer und Kampfgeist. Diese Eigenschaften werden durch Steigerung der Leistungen auf den angegebenen Gebieten erreicht, weiterhin durch Wettkämpfe und sportliche Veranstaltungen in feldmarschmäßiger Ausrüstung.

Die Vollendung findet die sportliche Ertüchtigung in derLeistungsstufe". Hierbei wird zur Erzielung von Best- und Höchstleistungen auf die Veranlagung des einzelnen Mannes vermehrt Rücksicht genom­men. Da der Sport gegenüber dem anderen Dienst doch mehr in den Hintergrund tritt, ihm nur Hilfs­dienste leistet, muß eine sorgfältige Auswahl bei der Zusammenstellung der Uebungen getroffen werden. Neu kommen auf der Leistungsstufe hinzu das Boxen und Jiu-Jitsu. Kampfspiele und Geräteturnen nehmen einen breiteren Raum ein. Hierbei ist letztes Ziel, die Durchschnittsleistungsfähigkeit noch mehr zu steigern. Spitzenleistungen besonders veranlagter Soldaten (Hirschfeld) sind nach den bisher gemachten Erfahrungen als ein ganz bedeutender Ansporn zu zielbewußter, eigner Arbeit zu werten. Nur der Lehrer wird einen besonderen Erfolg aufzuweisen haben, der es versteht, bei den Soldaten die Freude am Sport und damit am Kampf zu erhalten. Dann wird der Soldat im freiwilligen Einsatz mit allen ihm zur Verfügung stehenden Kräften um den Sieg ringen. Spitzenleistungen aber und Erfolge bei den Wettkämpfen werden nur durch planmäßiges Trai­ning erreicht.

Sachgemäße Ausbildung ermöglicht es jedem Soldaten, das deutsche Sportabzeichen zu erwerben und die Prüfungen der Deutschen Lebensrettungs- Gesellschaft zu bestehen.

Den Verhältnissen entsprechend wird der Sport vorwiegend im Freien betrieben. Wenn es die Witterungsverhältnisse irgend zulassen, , wird mit entblößtem Oberkörper geturnt.

Den Abschluß bilden die Wettkämpfe, die als Einzel- und Mannschafts-Wettkämpfe ausgetragen werden. Wie eingangs schon kurz betont, werden dabei Selbstvertrauen, Selbstständigkeit, Kampf­geist, Willensstärke und Siegeswillen gefördert. Die Sportvorschrift hebt hervor, daß durch die Wett­kämpfe der Soldat zu einem Kämpfer wird, der rücksichtslos gegen sich selbst seelisch und körperlich das Letzte hergeben kann.

Warum Oretarbeit im 2Rf£.

Jrn Bild vorn strahlenden Geist im herrlichen Körper hat her Führer 1933 in Stuttgart der Na­tion das Hochbild des deutschen Jungmannen vor Augen gestellt. Das stolze Bewußtsein, dem großen Ziel kraftvoll zuzuftreben, adelt den Einsatz des SA.-Mannes, adelt ebenso das Streben und Rin­gen des Turners und Sportlers.

Schwingt in Lauf und Sprung, in Wurf und Schwung, bei kühner Fahrt über fdjneeigten Hang, im Kampf mit reißenden Wogen der Leib, dann schwingt auch des Jungmannen Seele, dann hebt und steigert sich das Lebensgefühl, dann schlägt das Herz höher. Es wächst der Glaube an die eigene Kraft, der Mut zur selbstsicheren Tat.

So war es im Turnen und Sport schon gestern und ehegestern. Damit aber der Pendetschlag wei­ter und weiter ausgreife, damit er hinausgreife über die Sphäre des Einzelwesens, hinaus über Mann­schaft, Verein und Verband, damit er hineinstoße in den Bereich der Volkheit, damit mit einem Wort Turnen und Sport bewußter Dienst am Volk und Vaterland wird, damit jeder Turner, jeder Sportler ein stich- und hiebfester Bannerträger bes/britten Reiches wird, dafür hat der vom Füh­rer berufene Reichssportführer das Dietwefen, die völkische Erziehung, in den Bau der Leibesübungen miteingebaut. Nicht als Fremdkörper, nicht als eine Kraft, die von außen an die Türe des weiträu­migen Gebäudes mit feinen vielen Kammern stoße. Das Dietwefen senkt feine Wurzeln tief in den auf­gelockerten Seelengrund, aus dem der Blütenbaum der Leibeskultur erwächst. Dort, aus den Urtiefen, holt es feine Nahrung. Dem Rhythmus der ent­sprechenden Leibeskultur paßt sich Methode und Tempo dietlichen Wirkens an. Mit dem Ausgang auf der Hebungsstätte verliert es nie Fühlung und Bindung mit dem werktätigen Schaffen, mit dem pulsenden Leben.

Kein geringerer als der Führer betont es immer und immer wieder, daß die Ergreifung der Macht nur Voraussetzung war, die Ausübung der Macht, das staatliche Wirken nicht Selbstzweck ist, daß es sich darüber hinaus drehe um ein Erfaffen der Volksseele, um ein Ausrichten der Volkskraft um die Erziehung zur Deutfchheit.

Die Kraft der Erziehung muß allenthalben wirk­sam sein, will sie den Menschen in seinem innersten Wesen erfassen und formen. Sie muß da einsetzen, wo der Seelengrund gelockert ist: Im Berujsver- banb, ausgehend vom Ethos der Arbeit, die schwin­gende Seele mit den Idealen der Berufsehre fül­lend; den Arbeitsmann von der Sippe über den Wirkbau des Standes zum Volksganzen, dem ver­strickten Gewebe aller ehrlich schaffenden, hinfüh­rend. Die Erziehungsarbeit der Partei geht natur­gemäß in stärkerem Maße vom rein Politischen aus, die Erziehung in dem Reichsbund eben vom schwingenden Körper. Alle Erziehung aber, mögen die Ausgangspunkte noch so verschieden sein, mün­det ein in den großen Strom der Treu zu Volk und Vaterland, in ein bewußtes Eingliedern in den Zellenbau des völkischen Staates, gipfelnd in freier Mannentreue zu- dem von Gott gesandten Führer und seinen berufenen Organen. Hnd er­höht sich auf der übergeordneten Sphäre zu tiefer Ehrfurcht vor dem Göttlichen und Hnerforfchlichen, die dem Germanen seit Hrzeiten im Blute liegt, zum Einfügen in die göttliche Weltordnung, zum Sohnesgehorsam gegenüber den göttlichen Geboten.

Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Verantwortlich für Politik: Dr Friedrich W Lange, für Feuilleton i V.: Dr.F.W Lange, für den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck, verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel DA VI 35: 10 150. Druck und Verlag: Brühl'sche Hniversitäts-Buch- und Steindruckerei R Lange, K-G. sämtlich in Gießen

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Zur Zeit ist Preisliste Nr. 2 vom 2. Juli 1934 gültig.