Ausgabe 
1.7.1935
 
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in bunter Reihenfolge. Nach einem weiteren Vor­tragDer Bauer am Rhein" sorgte Georg Heß für echte rheinische Stimmung, die sich in dem Ge­sang rheinischer Lieder auswirkte. Selbst das Schun­keln fehlte nicht.

Ein Preisschießen, das regen Zuspruch fand, bot

den besten Schützen statt sonstigen Geschenken, beson­dere Erfrischungen. Im übrigen sorgte die Kapelle Bender dafür, daß auch den Tanzlustigen weit­gehend Rechnung getragen wurde.

lieber das Abendkonzert, das am Sams­tag stattfand, berichten wir an anderer Stelle.

Aus der Provinzialhauptstadt.

Lebende Laternen.

Wer hätte sich noch nicht zur Mittsommerszeit am Glanze des Glühwürmchens erfreut, das an war­men Abenden aus dem Grafe leuchtet! Es ist das bläulichrote, flugunfähige Weibchen des Johannis­würmchens. Sobald man es anfaßt, löscht es seine Lichtlein aus und gleicht einer Kellerassel. Seine Leuchtpunkte befinden sich aus der Unterseite seines Körpers am Unterleib. Zieht dagegen ein mattglän­zender Lichtpunkt langsamen Fluges im Abendfrie­den dahin, so hat man es mit einem männlichen Tiere zu tun, einem graubraunen Käferchen, dessen nur zwei Leuchtwerkzeuge am Ende des Hinterkör­pers sitzen.

Welche Bedeutung hat nun das Leuchten der Käfer? Es hat einen doppelten Zweck, einmal dient es als Erkennungsmittel für die Geschlechter, dann ist es ein Abschreckmittel gegen die Feinde. Das sei­ner Bestimmung harrende flügellose Weibchen ver­mag so in dunkler Nacht aufgesucht zu werden. Daß es ein Schutz gegen feindliche Angriffe darstellt, er­hellt am besten aus der Tatsache, daß auch den Eiern und Larven fast aller Leuchtkäfer ein schwa­cher Lichtglanz anhaftet.

Während bei uns eigentlich nur das Johannis­würmchen zu den Leuchttieren zählt, gibt es in den Tropen eine große Anzahl von Tieren, die sogar hellscheinendes Licht ausstrahlen. Dazu zählen die Meeresschnaken und Millionen kleiner Geißeltier­chen, die das herrliche Meeresleuchten verursachen. Für gewöhnlich halten sich diese kleinen Lebewesen in tieferen Wasserschichten auf, um in manchen Nächten an die Oberfläche emporsteigen. Wenn dann leichter Wellenschlag eintritt, so leuchtet das Wasser in magischem Glanze. Auch verschiedene Arten Tau­sendfüßler, Krebse, Ringelwürmer, Muscheln, Tin­tenfische und Feuerwalzen zählen zu den leuchten­den Geschöpfen. Selbst bei manchen Vogelarten in der heißen Zone hat man eine gewisse Leuchtfähig­keit festgestellt. So weist die Brut des Weberfinken zu beiden Seiten des Schnabels Leuchtflecken auf, wodurch das Atzen in der dunklen Nesthöhle er­leichtert wird.

Zu den größten Wundern der neuen Welt sind die Feuerfliegen zu rechnen. Die Leuchtkraft dieser Insekten ist so stark, daß sie immer wieder das Entzücken aller Europäer erregen. Das reinste Feuerwerk wird von den mehrere Dutzend Arten zählenden Feuerfliegen in dem Urwald Amerikas erzeugt. Während sowohl Männchen als auch Weib­chen im Sitzen grünlichblau leuchten, kommt im Fluge noch ein herrlicher roter Lichtschein hinzu. Von manchen Eingeborenen werden diese Feuer­fliegen in ausgehöhlten Kürbissen gesammelt und als Lichtquelle an die Zimmerdecke aufgehängt. For­schungsreisende erzählen sogar, daß manche In­dianer Blitzwanzen in Flaschen füllen und diese als Taschenlampen benutzen. Bei der Frauenwelt sind die Leuchtwanzen ein beliebter Schmuck. Sie wer­den in dünnem Stoff als Halskette getragen. Läßt die Leuchtkraft nach, fo lebt sie durch ein kurzes Ein­tauchen in warmes Wasser wieder auf. Auf der Insel Ceylon gibt es eine Leuchtkäferart, deren Leuchtkraft so stark ist, daß man dabei im Dunkeln lesen kann. Der Laternenträger, ein zu der Gattung der Leuchtzirpen gehörender Käfer, verdient seinen Namen mit Recht. Von der Spitze seines hohlen Stirnfortsatzes geht ein bläulichschimmerndes Licht aus, das im Fluge stärker ist als in der Ruhelage. Manche tropischen Leuchtkäfer besitzen die Fähigkeit, ihren Lichtschein in gewissen Zeitabständen aufleuch- ten zu lassen. Es sind gewissermaßen Blinklichter.

Versuche haben auch ergeben, daß durch chemische Einwirkungen die Leuchtfähigkeit der erwähnten Tiere verändert werden kann.

Seit langem ist die Wissenschaft bemüht, das Rät­sel der Leuchttiere zu lösen. Zu einem einwandfreien Ergebnis ist man indes bis jetzt noch nicht gekom­men. Man nimmt an, daß sie die Leuchtstoffe mit dem ihnen als Nahrung dienenden Humus aufneh­men, das ähnlich wirkt wie faulendes Holz, das ja auch im Dunkeln zu leuchten vermag.

Ratsch äge für Oie heißen Tage.

Angesichts der vielen Gefahren, die die jetzige Hitze mit sich bringt, feien hier einige nützliche Ratschläge gegeben.

Die vielen Unfälle beim BadenundSchwim- men ließen sich zum großen Teil vermeiden, wenn namentlich von den jungen Leuten die immer wie­der gepredigten Vorsichtsmaßnahmen mehr beachtet würden. Jedermann prüfe seinen Gesundheitszu­stand. Nicht jedem ist das Baden in offenen Ge­wässern zuträglich. Kein Schwimmer gehe erhitzt oder mit vollem Magen oder mit erregter Herz­tätigkeit ins Wasser. Keiner wage sich weiter hin­aus, als er es zuverlässig seinen Körperkräften und seiner Schwimmtüchtigkeit zutrauen darf. Kei­ner gehe, nur der Renommage halber, in zu kaltes Wasser oder bleibe zu lange brinnen. Schwere Er­kältungserkrankungen innerer Organe können die Folge sein. Immer wieder kommt es vor, daß Schwimmunkundige sich an gefährliche Stellen wagen und dadurch den Tod finden.

Beim Sonnenbaden ist selbstverständlich auch die notwendige Vorsicht geboten. Dor allem darf man sich nicht zu lange der Sonne aussetzen, muß die Körperhaltung öfters ändern, den Kopf mit einem Tuch bedecken ober sich so hinlegen, baß bas Gesicht im Schatten bleibt. Man öle ober fette sich auch vor Beginn bes Sonnenbades ein und wieberhole bas bes öfteren im Schatten. Wenn bie Haut sich zu röten unb zu straffen beginnt, bann höre man auf mit bem Sonnenbad, sonst gibt, es Blasen, Kopfschmerzen unb lästige Müdigkeit.

Bei Insektenstichen ist Vorsicht geboten, weil bie Insekten, bie sich auf unsere Haut setzen, sich nicht nur von ben Säften lebenber, fonbern auch toter Tiere nähren, also gelegentlich sog. Sei«, chengift saugen. Gegen Insektenstiche hilft am besten Salmiakgeist, ben man sofort in bie Wunbe reibt. In Gegenden, in benen eine befonbere In­sekten- und Schnakenplage herrscht, ist es schon der Mühe wert, auf Spaziergängen, bei Ausflügen und Touren, ein kleines Fläschchen Salmiakgeist zu sich zu stecken.

Eine alte Mahnung bezieht sich in diesen hoch­sommerlichen Tagen auf das Trinken. Man hüte sich vor allem, in erhitztem Zustand kalte Getränke hinunterzustürzen, unvorsichtig Eis zu sich zu neh­men oder kurz nacheinander Obst und Wasser zu genießen. Das Durstgefühl, bas . burch bie große Hitze erzeugt wirb, verleitet in biefer Beziehung zu vielen Unvorsichtigkeiten unb gesunbheitlichen Versündigungen, bie sich burch mehr ober- minber schwere Störungen bes Befindens rächen unb nicht selten sogar mit dem Tod bezahlt werden müssen.

Ferienfinder fahren wieder heim.

Am oerganaenen Samstag kehrten etwa 660 Ferienkinder, die für mehrere Wochen im Kreise Alsfeld und im Kreise Gießen untergebracht waren, wieder heim. Es handelte sich in der Hauptsache um Kinder aus Bottrop. Der Bahnhof Gießen war die Sammelstelle für die Ferienfahrer; von

Warum verkeimst du mich, Barbara?

Vornan von Liane Sanden.

Urheberrechtschutz: Fünf-Türrne-Verlag, Halle (S.)

23 Fortsetzung. Nachdruck verboten!

In Barbaras Krankenzimmer war das Fenster weit geöffnet; die Jalousien hatte Schwester Mechthildis zum Schutze gegen die heraufkommende Hltze nur wenig hochgestellt. Grüngoldener Glanz floß durch die schmalen Gitterstäbe. Sonnenkringel tanzten über die lichten Wände und die buntbezo­genen Kretonmöbel, über die blauseidene Decke, unter der Barbaras Körper ruhte. Ihr Gesicht war noch sehr bleich, aber die Augen, weit aufge» schlagen, hatten den Schein des klaren Bewußt- serns. Magdalena saß auf bem Bettranb unb hielt Barbaras Hanb in ber ihren.

Mit einem Lächeln bes überftrömenben Glücks sah sie in bie Augen ber Freunbin. Sie sprach nicht. Barbara schien noch sehr schwach, auch bie Hande fühlten sich noch heiß an. Aber man brauchte ja auch nicht zu sprechen. Es genügte ja auch, baß man hier saß, bie Freunbin anschauen Durfte unb alle Liebe, alle Zärtlichkeit in bies schweigenbe Beisammensein fließen lassen konnte.

Barbara lag regungslos mit weit offenen Augen. Sie sah Magbalenas freunbschafterfülltes Gesicht unb versuchte ein Lächeln. Aber es war sehr mübe, bies Lächeln unb als sie jetzt versuchte, ihre Hanb zu einem leisen Streicheln zu Magba­lenas Gesicht zu erheben, zuckte sie schmerzlich zusammen.

Nicht bewegen, Barbara, Liebling", bat Mag- balena erschrocken.Der Arzt hat jebe Bewegung verboten. Ganz still mußt bu liegen, bann wirst du ganz schnell gesunb."

Ein unruhig fragenber Ausbruck kam in Bar­baras Augen. Magbalena verstaub. Barbara zweifelle wohl baran, baß sie wieber ganz genesen würbe. Da beugte sich Magbalena dicht über Barbara. Liebevoll unb bestimmt sagte sie:

Glaube es, Barbara, bu wirst wieber gesunb, ganz gesunb! Nur ein bißchen Gebulb yiußt bu haben. Ach, ich bin ja so glücklich, Barbara, baß es bir nun heute schon ein wenig besser geht. Das muß ich gleich wieber Mackenroth sagen; er sorgt sich um bich. Ihm banken wir es ja, daß wir dich so bald gefunden haben."

Barbara öffnete die Lippen.

Mackenroth?" kam es jetzt wie ein Hauch. Aber Magdalena verstand; sie nickte.

Ja, Barbara, er ist dir nachgeritten. Er hat nicht geruht, bis er dich gefunden hat. Unb nun

pflegen wir bich gesunb balb bist bu wieber die alte."

Wieder flüsterte Barbara etwas, aber nun mußte sich Magdalena ganz tief herabbeugen, um die ge­hauchten Worte zu verstehen.

Mackenroth ihm danken...", klang es ganz schwach an ihr Ohr. Dann schloß Barbara, wie tief erschöpft, die Augen. Wenige Sekunden später zeigte ihr gleichmäßiger Atem, daß sie einge­schlafen war.

Mit tiefer Rührung sah Magdalena auf Bar­baras schlummernde Züge. Wie hatte Leiden und Kranksein den harten Zug fortgenommen, den Barbara seit ihrer Ehe mit Stechow so oft gehabt hatte! Eine Ahnung überkam Magdalena, wie eine unglückliche Ehegemeinschaft in einer Frau alles Gute und Zarte zum Absterben bringen konnte. Aber einmal würde Barbara ja auch die bitteren Erinnerungen an ihren verstorbenen (Bat­ten überwinden würde die verschüttete Güte, den Glauben wieder in ihrem Herzen auferstehen lassen. Vielleicht hatte dieser Unglücksfall jetzt kommen müssen und war vom Schicksal jo bestimmt, damit Barbara durch eine ungeheure seelische Er­schütterung wieder zu ihrem ursprünglichen Wesen zurückgeführt würbe. Wenn Barbara nur ganz gefunbete, bann konnte alles noch gut werden.

Lutlos erhob sich Magdalena und schlich auf Zehenspitzen aus dem Zimmer, um die Schlum­mernde nicht zu stören.

Schwester Mechthildis kam gerade von der Messe aus dem Dorf zurück. Ihr sanftes Gesicht strahlte vor Freude, daß es Barbara soviel besser ging.

Ach denke, der Professor aus Prag wird zu­frieden sein, wenn er heute abend kommt."

Das denke ich auch, liebe Schwester. Sowie Barbara erwacht und knich sprechen will bitte, rufen Sie mich an!"

Mit dem Sprechen wollen wir noch vorsichtig sein, Fräulein Gerwig. Jede Anstrengung könnte einen Rückschlag Hervorrufen."

Sie nickte Magdalena zu und ging mit ihren lautlosen Schritten in das Krankenzimmer.

Magdalena eilte hinunter. Sie wollte Eckehard o schnell wie möglich den Gruß Barbaras drin- 9en- Der Wirtschaftshof lag jetzt um die Mittags- tunbe völlig verlassen ba. Nur aus ber großen Leutekuche hörte man Tellerklirren unb bie Schritte ber Leuteköchin. Schwer brütete bie Mittagssonne über bem großen Platz. Aus ben Ställen tönte Brummen, leises Wiehexn, bas Grunzen ber Schweine. Sperlinge trieben sich zankend auf bem Erbboben herum. Die Schwalben flitzten burch bie Luft.

Magbalena fragte einen Knecht, ber gemächlich über ben Hof kam, nach Mackenroth. Als sie horte, baß ber auf ber Karpener Wiese märe, ging sie zu ben Stallungen unb ließ sich den kleinen Sanbschneiber, ben Wagen mit ben hohen Näbern, anspannen. Sie wollte zu Eckeharb herausfahren.

hier aus sollte sie ein Sonderzug wieder in ihre westfälische Heimat bringen. Der Abschied fiel ihnen allen sehr schwer. Sowohl die Pflegeeltern aus dem Alsfelder wie auch die aus dem Gieße­ner. Kreis haben im besten Sinne getan, was sie tun konnten. Die Kleinen, ihre Begleiter und auch der Arzt waren des Lobes voll über bie überaus herzliche Aufnahme. Gewichtszunahmen von 6,8 ja 10 Pfund waren keine Seltenheit. Der Arzt äußerte sich sehr befriebigenb über ben Gesundheits-, zustanb ber Pfleglinge. Mit Lebensmittelpaketen unb Geschenken bepackt, fuhren sie nun heim, um ihren Eltern von ben unvergeßlichen Einbrücken zu erzählen.

Auf bem Bahnhof Gießen bewirtete bie Kreis­leitung ber NSV. bie Kleinen noch einmal mit erfrischenbem Tee. Kreisamtsleiter Pg. Klös mit seinem Helferstab haste reichlich viel Arbeit, um allen Wünschen ber frischen unb fröhlich aufgelegten Kinber zu willfahren. Der Spielmannszug bes Jungvolkes brachte bie musikalische Note burch sehr eifriges Spiel zur Geltung.

Am heutigen Montagmorgen sinb auch bie Kin­ber aus bem Kreis Groß-Gerau in ihre rhein- hessische Heimat zurückgekehrt. Die Gießener Kinber, bie jetzt noch in ben Kreisen Wiesbaben unb Alzey weilen, werben am Mittwoch um 14.05 Uhr zurück­erwartet.

Forschen und Schaffen."

Filmvortrag des NSBDT. im Lichtspielhaus.

Der NationalsozialistischeBunbDeut- scher Technik für bas norbliche Oberhessen ver­anstaltete gemeinsam mit bem Amt für Technik bei ber Kreisleitung ber NSDAP, gestern vormit­tag im Lichtspielhaus vor zahlreichen D rttetern ber Partei unb ihrer (Blieöerungen, ber Behörden, ber Wehrmacht, vor Jnbustriellen, Jnnungsführern, Hanbwerkern, Technikern unb Arbeitern einen Film­vortrag. Die Universität war burch ben Rektor unb eine Anzahl Dozenten vertreten.

Ober-Ingenieur Kurz begrüßte bie zahlreichen Gäste unb gab seiner Freube barüber Ausbruck, baß bie Technik mehr unb mehr auch in Laien­kreisen Interesse finbe.

Sobann sprach Oberingenieur Oster vom (Bau Groß-Berlin als Beauftragter ber Reichsschulungs­leitung über ben TonfilmForschen unb Schaffen", ber anschließenb gezeigt würbe.

Der Redner führte u. a. aus, baß es sich bie RTA. (Reichsgemeinschaft für technisch-wissenschaft­liche Arbeit) zur Aufgabe gemacht habe, Technik unb Wissenschaft allen Volksgenossen nahe zu brin­gen. Es habe einmal eine ParoleKamps ben Großbetrieben!" gegeben. Diese Zeit sei vorbei. Großbetriebe seien in vieler Hinsicht nötig. Die Großindustrie sei bevorzugt imftanbe, großzügige Forschungsarbeit zu leisten. Wichtigste Erfinbungen stammten aus ben Laboratorien unb Versuchsräumen ber Großbetriebe. Dabei werbe auch rein wissen­schaftliche Arbeit geleistet. Mit ben großen Jndusttie- werken feien nicht nur bie unmittelbar beschäftigten Arbeiter, fonbern auch aber Tausenbe von Volks­genossen in deutschen Lauben oerbunben.

Nachdem ber Redner noch auf die bayerische Zugspitzbahn als ein hohes Lied der deutschen Hand­arbeiter hingewiesen hatte, gelangten die beiden FilmeForschen und Schaffen" undDer Bau der bayerischen Zugspitzbahn" zur Vorführung.

Der erste Film führte in einer Fülle ber inter­essantesten Silber in bie Laboratorien, in die Ver- suchsstätten unb in die Werkstätten ber AEG. unb zeigte technische Großtaten, von deren Ausmaß (Quersumme ber geistigen und körperlichen Arbeit) sich der Laie kaum eine Vorstellung zu machen ver­mag. Der Film, der einen Blick in die Wunder- wett der Elektrotechnik gestattete, war eine Offen­barung deutschen Fleißes und deutschen Könnens. Der zweite Film ließ die kühne Planung, die Fülle der Organisationsarbeit und die großen technischen Schwierigkeiten erkennen, unter denen die bayrische Zugspitzbahn gebaut wurde.

In einem kurzen Schlußwort stellte der Kreis- dienststellenleiter des NS. Bundes Deutscher Technik

im Kreise Gießen, Diplom-Bergingenieur Cron- j a e g e r, die Bedeutung deutschen Forschens und Schaffens für die ganze Welt heraus und würdigte dabei die Gemeinschaftsleistung des deutschen Volkes unter dem Willen des Führers.

Mit einem dreifachenSieg-Heil!" auf ben Füh­rer unb mit den gemeinsam gelungenen ersten Ver­sen des Horst-Wessel- und bes Deutschland-Liedes sand die interessante Veranstaltung ihren Abschluß.

Oas Jubiläum

des Straßenbahnervereins.

Feier des 25. Stiftungsfestes.

Am Samstag und Sonntag beging ber hiesige Straßenbahner-Verein fein 25jähriges Bestehen. Zu biefer Veranstaltung erwartete man zahlreiche aus­wärtige Gäste, bie am Samstagabend eingeholt würben. Mit einftünbiger Verspätung trafen bie Arbeitskameraben aus Frankfurt a. M. unb Darm- stabt ein. In ber Franfurter Straße, Ecke Klinik- straße, würben sie von ben Marburger unb Gie­ßener Straßenbahnern erwartet. In Marschforma­ttonen trat man bann ben Weg in die Stadt an. Das Frankfurter Musikkorps setzte sich an die Spitze, die Hakenkreuzfahne unserer Sttaßenbahner folgte und so bot der stattliche Zug Darmstädter, Frankfurter, Marburger und Gießener Straßen­bahner einen guten Eindruck.

Am Abend fand im Caf6 Leib das eigentliche Sttftungsfest statt. Neben den Straßenbahnführern, denen der Dienst die Teilnahme gestattete, neben den Kollegen aus Frankfurt, Darmstadt und Mar­burg, waren zahlreiche Angehörige der hiesigen Sttaßenbahner erschienen, um einige unterhaltsame Stunden zu verleben.

Die Kapelle der Frankfurter Straßenbahner, die sehr eifrig musizierte und sich als sehr gut geschult erwies, verschonte unter der Leitung ihres Mu­sikzugführers Hausmann den Abend. Im Ver­lauf des Abends hieß der Dereinsführer, Wilhelm Theis, die Kollegen und Ggste herzlich willkom­men und gab in feinen weiteren Ausführungen einen kurzen Abriß der Geschichte des Gießener Sttaßen- bahnvereins, der es sich stets zur Aufgabe gemacht habe, unter den Kollegen Kameradschaft zu pflegen und zu fördern. In einem kurzen Gedenken wurde der Gefallenen des Weltkrieges, der gefallenen Ka­meraden aus dem Kreise des Straßenbahnervereins unb eines Gründers gedacht, der durch den Tod ab­berufen worden war. Das Lied vom guten Kame­raden beschloß diese Ehrung. Mit einem Treue­gelöbnis zum Führer Adolf Hitter klang die An­sprache aus.

Ein gefälliger Vorspruch, von Fräulein Anny K i l l m a n n gesprochen, wurde herzlich aufgenom­men. Nach weiteren musikalischen Darbietungen schritt man zur Ehrung der Judilare der Vereins, deren acht mit einer besonderen Ehren­gabe, einem schönen Bild des Führers, ausgezeich­net wurden. Es handelt sich um die Berufskame- raben Heinrich Becker, Peter Beyer, Heinrich Vogel, Karl Seibert, Christoph Steih, Lud­wig Lösch, Franz Adam unb Heinrich Völpel, die dieser Ehre teilhafttg wurden. Einer ber Jubi­lars dankte im Namen seiner Kameraden für die Auszeichnung und gelobte auch für fernere Zeit dem Verein die Treue. In kameradschaftticher Ver­bundenheit überreichte sodann Direktor Schütte vom Elekttizitätswerk Marburg mit einer launigen Ansprache einen schönen Stammtischwimpel, der von dem Vorsitzenden des Straßenbahneroereins Gie­ßen mit Worten herzlichen Dankes entgegengenommen wurde. Gleichzeitig erging von Seiten der Mar­burger Kollegen für das nächste Jahr eine Ein­ladung, da Marburg im Jahre 1936 ebenfalls das ^Jubiläum des 25jährigen Bestehens feiner Straßen­bahn begehen kann.

Im weiteren Verlauf des Abenbs fand sich Ober­bürgermeister Ritter ein, der von dem Verein- vorsitzenden herzlich willkommen geheißen wurde. Oberbürgermeister Ritter hielt seinerseits eine kurze Ansprache, dankte für die freundliche Ein­ladung und überbrachte die Glückwünsche der Stadt Gießen zum Jubiläum des Vereins. Er wies bar-

Als Kind des Landes wußte sie mit Pferden um­zugehen und die Zügel zu halten.

Sie war kaum zehn Minuten davongefahren, als sich von der Kreisstadt her ein eleganter Tourenwagen näherte. Auf feinem hellgrünen Lack lag der Staub der Landstraße.

Graf Josef Bannosch saß am Steuer, seine große, elegante Gestatt in einen seidenen Staub­mantel gehüllt. In elegantem Bogen fuhr er vor Schloß Schedlowitz vor. Der zweite Diener Theo­dor eilte vom Vestibül ber die Stufen hinunter und dem Gast entgegen. Josef Bannosch ergriff einen kostbaren Strauß, in Seidenpapier gehüllt, und stieg aus.

Ich möchte hören, wie es ber gnädigen Frau gebt."

Etwas besser. Eure Gräfliche Gnaden", war bie Antwort des Dieners.Wollen Gräfliche Gnaden hereinkommen?"

Ja, wen kann ich denn sprechen?"

Der Diener zögerte:

Ich fürchte, niemand, Eure Gräfliche Gnaden. Die gnädige Frau ist nicht zu sprechen."

Dann kann mir doch Fräulein Gerwig persön­lich Auskunft geben."

Verzeihung, Eure Gräfliche Gnaden, Fräulein Gerwig ist nicht da. Ich habe soeben gehört, daß sie mit dem Sandschneider auf die Karpener Wiese hinausgefahren ist zu Herrn Inspektor Mackenroth."

Soso?! Zu Herrn Inspektor von Mackenroth." Josef Bannosch wiederholte es scheinbar ganz gleichgültig.Das tut mir leid. Nun, dann fahre ich einmal nach. Ich bin doch unruhig über den Zustand der gnädigen Frau. Geben Sie, bitte, diese Blumen ab mit meinen allerbesten Wün­schen."

27. Kapitel

Josef Bannosch schaltete den Motor ein und fuhr aus dem Schloßhof nach der Richtung der Karpener Wiese. Er wußte selbst nicht, warum er es tat. Aber er hatte ja nichts zu versäumen. Vielleicht war es ganz gut, dieser kleinen Freun­din Barbaras zu zeigen, wie sehr man an Bar­baras Unfall Anteil nahm.

Sein Wagen nahm den Weg spielend. Schon sah er von weitem den kleinen Fluß, der die Grenze des Stechowschen Wiesenbesitzes hier um Karpenstein herum bildete. Er mußte in einem Bogen von rückwärts herankommen. An dem kleinen Erlengebüsch ließ er den Wagen stehen und überquerte mit einem- Satz den kleinen Fluß. Die Arbeiter waren schon wieder eilig auf der Wiese beschäftigt. Mit feinen scharfen Augen spähte Jo­sef Bannosch umher. Aha, dort stand auch, an einen Baum gebunden, das Pferd mit dem kleinen Sandschneider. Also konnte diese kleine blonde Gerwig auch nicht weit sein. Da hörte er sprechen. Er schaute durch das Gebüsch hindurch. Dann verhielt er regungslos den Schritt. Was er sah,

interessierte ihn außerordentlich. Magdalena Ger­wig saß neben Mackenroth im Grase. Gerade beugte sich Mackenroth über ihre Hand und küßte sie zärtlich.

Seht mal einer an, dachte Josef Bannosch halb spöttisch, halb respektvoll, das hätte ich dem Mackenroth nicht zugetraut! Hab' ihn immer für so ehrbar gehalten. Dabei scheint er ein ganz ge­riebener Bursche zu sein. Hält sich wohl für die Zeit, in der er nicht versuchen kann, die schöne Barbara zu umschwärmen, an der kleinen Gerwig schadlos? Alle Achtung! Ein so zärtliches Tete- a-tete soll man nicht stören.

Leise ging er zurück und fuhr heimwärts, ohne Magdalena gesprochen zu haben. Das was er ge­sehen hatte, war für ihn sehr wertvoll. Er bereute die Fahrt hierher auf die Karpener Wiese nicht.

Magdalena und Eckehard waren so vertieft in ihre Unterhaltung gewesen, daß sie das davon- blitzende Auto überhaupt nicht bemerkten. Jetzt erhob Eckehard seinen Kopf von Magdalenas Händen:

Das ist das schönste Geschenk, daß Sie mir bringen konnten, Fräulein Magdalena, diesen Gruß von Frau von Stechow. Ich habe nichts getan, wofür sie mir danken müßte. Es war meine selbstverständliche Pflicht. Ich selbst war ja am glücklichsten, daß ich sie sand, ehe es zu spät war. Hätte sie in dem Regen und Sturm noch länger mit der Verletzung gelegen" er schauerte zusam­men,Gott mag wissen, was dann geschehen wäre. Aber daß sie meiner nun freundlich gedenkt ach, Fräulein Gerwig, Sie ahnen nicht, wie un­endlich dankbar ich dafür bin."

Sein sonst so herbes Gesicht war wie aufge­schlossen. In seinen Augen lag warmes Leuchten. Magdalena sah mit Erschütterung und Freude die Verwandlung in seinem Wesen.

Sie lieben Barbara?!" sagte sie leise, aber be­stimmt.

Eckehard wurde rot. Da fuhr Magdalena fort:

Verzeichen Sie mir, wenn ich das fo gerade­heraus frage, Herr von Mackenroth! Es fall nicht taktlos fein. Ich glaube nur, der Augenblick ist viel zu groß und zu ernst, als daß wir ihn durch irgendeine Unklarheit belasten sollten."

Sie haben recht, Fräulein Magdalena." Ecke­hard sah Barbaras Freundin ernst an.Ich liebe Barbara von Stechow ich liebe sie unendlich. Aber ich weiß, daß diese Liebe niemals in Er­füllung gehen kann. Ich bin schon glücklich, wenn Frau von Stechow mich nicht mehr haßt."

Haßt sie Sie denn?"

Eckehard zuckte die Achseln. Trauer schattete in seinen Augen:

Ich muß es annehmen, Fräulein Gerwig. Denn warum hätte sie mich sonst so erniedrigend behandelt?"

(Fortsetzung folgt!)