Ausgabe 
1.7.1935
 
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Ur. 15t) Drittes Blatt

Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)

Montag, Juli (935

Der Gießener Goldaieniag 1935.

vergingen bei schneidiger Musik und Tanz wie im Fluge. Ein großartiges Feuerwerk beschloß den prächtig verlaufenen Gießener Soldatentag 1935.

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Kameradschastsabend. Kundgebung in der Waldeslust.Fahnenweihe der 118er

Miefen UNO im Waioe zu angeregter urueiyuumig mit Angehörigen, Freunden und Bekannten ein. Die Stunden des Nachmittags und des Abends I

Das Gommerfest auf dem Schiffenberg

Der Führer des Soldatenbundes Gießen schmückt die neugeweihte Fahne der 118er mit einen Fahnen- band in den Farben des Dritten Reiches.

(Aufnahmen [2J: Photo-Pfaff.)

Ein lustiger Polizeidiener führt die Kinder zu den Spielen. (Aufnahme: Photo-Pfaff.)

führer M ü n k e r von der SA.-Standarte 116.

Der Wille zur Gemeinsamkeit und $ur Einigkeit unter den alten Soldaten sei immer stärker gewor­den Das deutsche Volk brauche die Einigkeit. Wir alle wüßten, daß dabei die Traditionspflege nicht entbehrt werden könne. Aber darüber hinaus sei es noch eines, das die alten Kameraden Zusammen­halte: die Verpflichtung zum Schwur, den wir einst taten. Millionen Tote bezeugten dies. Viel Blut sei für die Freiheit und die Unversehrtheit der deutschen Erde geflossen. Für die Lebenden aber bleibt das Wort von Walter F l e x :Wer auf die preußische Fahne schwört, hat nichts mehr, was ihm zu eigen gehört!"

heute feien die Kameraden unter einem einheit­lichen Zeichen vereinigt. Es solle die alten Zeichen der Regimentsvereine nicht verdrängen, es soll vielmehr ein Ruf und eine Mahnung zur Treue sein. Das neue Zeichen trage das Front- kämpferkreuz, den Stahlhelm und das Haken­kreuz.

Als die Not am größten gewesen sei, erwuchs uns, so führte der Redner weiter aus, ein Mann, der fein ganzes Herz seinem Volke zuwandte und das Geschick des deutschen Volkes mit eisernem Willen in neue Bahnen lenkte: der Führer Adolf Hitler. Er spreche jene Sprache, die der Frontsoldat verstehe. Er habe die Stimme des Blutes geweckt, damit Deutschland wieder das werde, was es war: das Land freier Menschen. Der Bau, der einmal als Burg alle deutschen Menschen umfassen solle, sei noch nicht fertig, der Grundstein sei aber gelegt. Wir alle wollen tatkräftige Werkleute sein.

Unsere Gesinnung, unser Wille lasse sich so schloß der Redner in einem rückhaltlosen Bekenntnis zu Führer, Volk und Vaterland ausdrücken.

Mit dem dreifachenSieg-Heil!" auf Führer, Volk und Vaterland schloß Herr Müller seine be­geistert aufgenommene Ansprache. Gemeinsam wur­den sodann die ersten Verse des Deutschland- und des Horst-Wessel-Liedes gesungen.

Anschließend ergriff

Hauptmann a. D. Schmoll

Der Gießener Soldatenbund (Arbeitsgemein­schaft der Gießener Soldatenkameradschaften) hielt am Samstag und Sonntag denGießener Solda­tentag 1935" ab. Der Tag vereinigte viele ehe­malige Angehörige der 80er, 168er, 105. I. D., die 115er, 116er, 118er, 222er, 224er, Gardisten, Pio­niere, Artilleristen, Kavalleristen, Angehörige der Marine usw. in kameradschaftlichster Gemeinschaft.

Den Auftakt bildete ein Kameradschaftsabend in derWaldeslust", hierzu hatten sich zahlreiche alte und auch junge Soldaten eingefunden. Eine Musikkapelle sorgte für Unterhaltung. Gemeinsam wurden manche alten Soldatenlieder gesungen. Die festlich erleuchtete Waldschenke bildete eine Licht­insel in der nächtlichen Landschaft.

Die Hauptveranstaltung brachte der Sonntag. Gegen 14 Uhr sammelten sich die Angehörigen der verschiedenen Soldatenoereine unter den Marktlauben, um dann unter den Klängen der Ka­pelle des Stahlhelms durch einige Straßen der Stadt zurWaldeslust" zu marschieren. Viele Angehörige der alten Soldaten und viele Volksge­nossen begleiteten den Zug, dem die Fahnen der Vereinigungen voranwehten. Auf dem Festplatz an- aekommen (der ebenso großzügig, wie zweckmäßig für diese Veranstaltung hergerichtet war), traten die Kameraden zunächst in einem offenen Viereck ;n. Oberstleutnant v. Wachter, der als Gast bei den alten Soldaten weilte, und der Führer der Arbeits­gemeinschaft der Gießener Soldatenkameradschaften, Herr Müller schritten sodann die Front ab. Man­chem alten Soldaten leuchtete dabei das Auge.

Sodann hielt der

Führer der Arbeitsgemeinschaft, Herr Müller,

Seite die Farben Schwarzweißrot und auf der anderen Seite in der einheitlich gelben Fläche die Zahl 118 zeigt, wurde zum Abschluß der Feier vom Führer der Arbeitsgemeinschaft der Soldaten­kameradschaften mit einem Wimpel in den Farben des Dritten Reiches geschmückt.

Sodann erscholl das Kommando:Tretet weg!" und der Soldatentag wurde damit in seinen unter­haltsamen Teil übergeleitet. In herzlicher Kame­radschaft fand man sich unter den Zelten, an den Wiesen und im Walde zu angeregter Unterhaltung

sammen. Wenn Frontsoldaten zusammenkämen, dann müßten über ihnen die Fahnen rauschen, die Fahnen, unter denen sie kämpften, siegten und bluteten. In den Jahren der Schande habe manche Fahne im Winkel gestanden und erst der Führer habe den alten stolzen Feldzeichen die Ehre wieder­gegeben. So lasse sich auch heute ungesucht und zwanglos eine Fahne weihen. Die Fahne der 118er olle den Kameraden Symbol sein. Die Fahne in jeder Gestalt und Farbe solle den alten Soldaten daran erinnern, was er zu tun schuldig sei, die Fahne solle ein Stück seiner Ehre und seines Her­zens darftellen.

Der Generalfeldrnarfchall von Hindenburg habe gefagt:Die Treue ist das Black der Ehre". An dieses Wort solle uns die Fahne immer wieder erinnern und uns dazu anhalten, alles zu tun für Führer, Volk und Vaterland.

Die. Verpflichtung, die uns in diesem Sinne die Fahne aujerlege, sei im wahrsten Sinne national« ozialistisch. Mit den Worten:Ein Volk, ein Führer, ein Reich!" weihte der Redner die Fahne, die vor den Augen der vielen Teilnehmer entrollt worden war. Die Fahne, die auf der einen

Oberstleutnant oon Wachter und der Führer der Arbeitsgemeinschaft des Soldatenbundes, Herr Müller, schreiten die Front der alten Soldaten ab.

Das von der N S. - G e m e i n s ch a f tKraft durch Freude" am Sonntag veranstaltete Som­merfest war von herrlichem Wetter begünstigt. Trotz der vielen sonstigen Veranstaltungen war der Be­such zufriedenstellend. Besonders die Jugend war sehr stark vertreten.

Den musikalischen Teil hatte die Kapelle Ben­der (Watzenborn-Steinberg) übernommen, die das Fest mit einigen flotten Märschen einleitete. Auch die übrigen musikalischen Darbietungen der Kapelle standen auf beachtlicher höhe. Daß dabei das Schif- fcnbergliedDer Rotdorn blüht auf dem Schiffen­berg" nicht fehlte, wurde allseits begrüßt.

Nach einer kurzen Begrüßung des Kreisleiters der NS.-GemeinschaftKraft durch Freude", Christ, der für diese Organisation und die Heimatvereini­gungSchiffenberg" sprach, erfreute eine Abteilung des Arbeitsdienstes durch einen wirkungsvoll zu Ge­hör gebrachten Sprechchor, in dem die Verbunden­heit des Arbeitsdienstes mit der Heimat zum Aus­druck kam.

Das von Lehrer Schmoll (Alsfeld) mit viel Hu­mor durchgeführte Vvlksliederfingen, sowie die später eingeleiteten alten Tänze fanden allgemeinen Beifall. Viel Spaß bereitete auch der auf dem Fest­platz erschienene dicke Polizeidiener, der die Kinder zum Spiel und zur Brezelverteilung sammelte. Eine besondere Anziehungskraft übte das Kasperletheater aus, das die Festteilnehmer, besonders aber die Klei­nen, auf das Beste unterhielt. Die Mädchenober­klasse der Schule Watzenborn-Steinberg erfreute durch eine Reihe sehr exakt vorgeführter Reigen. Zur besonderen Freude der Festteilnehmer erschien später noch Heimatdichter Heß, dem es gelang, in kurzer Zeit die Feststimmung auf den Höhepunkt zu bringen.

Dialektvorträge und von den Festteilnehmern ge­sungene Volkslieder wechselten mit alten Tänzen

eine Ansprache. Er führte u. a. aus:Von den verschiedenen Regimentern, Waffengattungen, Ka­meradschaften seien heute alte Soldaten marschiert, um ihre gegenseitige Verbundenheit, um ihr Sol­datentum zu bezeugen. Alle seien herzlich will­kommen. Allen bedeute es eine große Freude, daß die Wehrmacht ihre Verbundenheit mit den alten Soldaten dadurch zeige, daß Oberstleutnant von Wachter erschienen ist. Er sei allen bekannt, und er habe immer, auch in schlimmen Zeiten, gezeigt, ...

daß er die alten Soldaten nicht vergesse. Nicht das Wort zu einer kurzen Ansprache. Fahnen und weniger herzlicher Gruß gelte dem Obersturmbann-1 alte Soldaten, so führte er u. a. aus, gehörten zu-

aber dazwischen regiert der Landschafter. Er han­tiert nicht mit Reklameplakaten, sondern mit Bäu­men und Blumen. Der Ausländer ist verblüfft, wir nicken nur beseligt. Selbst der Rhythmus der Mo­torisierung hat unseren Pulsschlag nicht aus dem Gleichgewicht geworfen. Wir fahren offen, wir trinken Landschaft em anderswo unbekannter Brauch.

Auf der Rheinterrasfe gibt es em anderes Ge­bäck als in der Nürnberger Rostbratwurstküche, im Münchner Kaffeehaus hat man die Auswahl zwi­schen einem Dutzend Torten, in Köln ist es wieder anders, seltsam. Fast jedes öffentliche Lokal, jede Weinstube überhaupt ist anders, hat Eigenart. Anderswo schaut ein Restaurant samt Kellnern, Stühlen, .Speisekarten so aus wie das andere. Woran liegt das wohl? Unendlich reich in seiner Mannigfaltigkeit ist das deutsche Land. Ein Glück, daß wir die Gleichmäßigkeitsjchere der Renaissance nicht so tief gefühlt haben, bis in die Bildergale­rien reicht die Andersartigkeit, diese vielgestaltige- Bodenständigkeit. Immer und überall, bei Domen und Burgen wie in den kleinen Dingen des All­tags hat man das Gefühl: echt, alles echt! Nirgends Schablone. Gewachsen, verwurzelt, selbststämmig, nicht importiert, nicht nachgemacht. Nein, nein, das Heimatgefühl hat uns nichts vorgemacht, es ist schon so, es kann sich kein Land mit Deutschland messen.

Wenn der Ausländsdeutsche an seinen heimat­lichen Wald denkt, ist es besser, ihn nicht zu stören, er könnte sonst grob werden. Denn in unser In­nerstes braucht kein Fremder einzudringen. Und nun sind wir da, wir wandern durch den heiligsten Dom dieser Erde, die Föhrenpfeiler stehen um und um, droben verrankt sich die Gotik. Da fühlen wir, von mannen wir sind und von mannen mir kom­men und wohin wir alle wieder gehen. Es ist der deutsche Wald, der uns geboren hat, der in uns lebt und webt, wir mögen wo immer sein. Das kann kein Ausländer verstehen, aber ein Barbar wäre jeder, der nicht die überlegene Herrlichkeit des deutschen Waldes empfände.

Unser Wald, unser Sommer wenn wir uns das vorsagen, es ist, als legten wir die Hand auf die Brust und sagten: unser Herz. Deutschland das schönste Land. Nun laßt uns ins Land der Franken fahren, und dann zum Neckarstrand, an den Rhein, an den Rhein, an der Saale Burgen und zum Brunnen vor dem Tore, zum Mühlen­rad im kühlen Grund, von der Maas bis an die Memel...

Bülow-Anekdote.

Es war in Meiningen. Hans von Bülow arbeitete mit feinem Orchester gerade an der Vor­bereitung von Berlioz'Harold"-Symphonie, als derTheaterherzog" Georg mit feinem Adjutanten Herrn von K. das Theater betrat. Bülow klopfte sofort ab und fragte den Herzog nach seinen Wün­schen. Dieser bedeutete, daß er nur zuhören wolle, und erkundigte sich dann, was jetzt gerade gespielt würde.Eine Symphonie von Berlioz", erwiderte Bülow, machte aber zugleich darauf aufmerksam, daß er das Werk dem Herzog in diesem Vorbe­reitungsstadium noch nicht vorführen könne. Dar­auf der Herzog:Das macht nichts, ich höre zu." Bülow:Ich bebaure lebhaft, Hoheit, die Auffüh­rung ist zu unreif, ich kann sie Euer Hoheit so nicht präsentieren." Herzog:Ader Bülow, seien Sie nicht komisch, das ist mir wirklich einerlei, ich höre gern zu." Bülow, jetzt mit einer betont steifen Ver­beugung:Hoheit, ich bedauere zum drittenmal. So weit, wie mir jetzt in der Symphonie sind, reicht es höchstens für Herrn von K." Das ganze Orchester grinste, Bülow verharrte regungs­los in musterhafter Haltung, unten der Herzog mit dem armen Adjutanten. Es muß eine hübsche Gruppe gewesen sein!

Die häufigste Todesstunde.

Schon feit langem ist es aufgefallen, daß sich die Todesfälle zu bestimmten Stunden des Tages häu­fen. Man hat diese Tatsache mit den verschieden- artigsten Ursachen in Zusammenhang gebracht und in ihr vor allem eine Auswirkung kosmischer Kräfte oder von Erdstrahlungen sehen wollen, über die bisher noch wenig wissenschaftlich zuverlässige (Er­fahrungen oorliegen. Die beiden Forscher H. I. I u s a tz und E. E ck a r b t haben nun, wie in der ZeitschriftDer Naturforscher" mitgeteilt wird, an Hand amtlichen Materials 3294 Todesfälle aus den letzten sechs Jahren zusammengestellt, ohne jedoch ausgesprochene Unglücksfälle und Fälle von Selbstmord in diese Untersuchung mit einzubezie­hen. Es ergab sich, daß die größte Sterblichkeit zwischen 4 und 5 Uhr liegt, während sie aegen 24 Uhr am geringsten ist und zu den anderen Stunden erheblich schwankt. Es ist bemerkenswert, daß die Tagesschwankungen der elektrischen Leit- fähigkeit einen ähnlichen Verlauf nehmen wie diese Kurve der Sterbehäufigkeit. Als Stunden größter Leitfähigkeit hat man nämlich ebenfalls die Zeit zwischen vier und fünf Uhr ermittelt.

fenroeg, Stein über Stein, man weiß nicht, welche davon Häuser sein sollen und welche nur so schei­nen. Da wird das deutsche Dors wahrhaftig zu einer Fata Morgana.

In Deutschland gibt es keine Malaria. Das ist uns so selbstverständlich, daß keiner davon spricht, daß es in keiner Werbeschrift für Deutschland auch nur erwähnt wird. Schaue sich dagegen einer die schwarzen Malariakarten an und er wird verstehen, warum einem Südländer eine solche Gegend als das Paradies erscheinen müßte wenn es ihm einer sagen würde, daß es so etwas überhaupt auf Erden gibt. .

Fährt man über die Grenze, so wird es im Zug auf einmal so merkwürdig hell. Das erste, was einem auffällt, ist die Reinmachefrau. Und die Speisewagenkellner, die hin- und herlaufen, schwitzen nicht, sie haben blütenweiße Jacken an. In der fahrenden Klause gibt es Handtücher! Wir staunen, wir lächeln und denken: also das gibt es, das gibt es wirklich, wie oft man sich doch wiederholen muß: da gibt es in Deutschland und anderswo

Gut, daß man die deutsche Kleinstadt entdeckt hat. Sie muß gleich nach den Domen eingereiht werden. Du lieber Himmel, groß zu sein, ist keine Kunst, sonst wären die Amerikaner mit ihren Su­perlativen die glücklichsten Menschen nicht nur, sondern auch die seelentiefsten. Dort drüben steht ein Ort wie der andere aus, wie im Süden ein Bercmest dem andern gleicht, jede deutsche Klein­stadt dagegen führt ihr eigenes Innenleben und zeigt daher ein anderes Gesicht. Dinkelsbühl! Meersburg! Wer weiß denn etwas von Ellingen? Ick lobe mir den deutschen Kleinbürger, der sich sein Gesicht nicht nehmen läßt. Es ist kein schwerer Beruf bei dem heutigen Stand der Kosmetik, auch kein besonders geistreicher, alles über einen Kamm schön und fad zu machen wie die Tillergirls.

Nun da wären wir bei den deutschen Mädchen anaetangt: Mädchen, die ihre blonden Zopfe bau­meln lassen, den Rucksack schultern wandern, in Jugendherbergen einkehren, radfahren. Arbeits­dienst leisten . - - während fie tn Roccacanuccia ge­nau so aufgemacht über die Promenade stelzen wie auf dem Corso einer Großstadt. Mit ememmal wird e^nem bewußt, daß es den Backfisch zum Bei- : spiel weder in Italien, noch in Spanien oder , Griechenland gibt, so wenig wie Jugendherbergen > °b9Jlan^abaut,IUn)ir sehen es, mächtige Autobahnen - in Deutschland, amerikanisch großzügig, zugegeben,

Deutschland - das schönste Land!

Von Gustav W. Eberlein, Rom-Frascati.

Zuweilen, wenn vor den in die Ferne schwei­fenden Augen des Ausländsdeutschen die Heimat aufsteigt wie eine Fata Morgana, überschön, lockend und licht, zuweilen nimmt er den Kopf in die Hände und spricht ihm vernünftig zu: Nüch­tern bleiben! Das Bild ist trügerisch, nur dein Daterlandsgefühl, nur der brennende Heimatdurst gaukelt es dir vor ... .. , ,, ...

Aber ein Rest von unwilligem Zweifel bleibt. UrH dann sitzt man in der Stunde, die Zum neuen Jahr hinüberleitet, vor den urgrundigen Aetyer- wellen und lauscht unter fremden Sternen ms Dunkel: da hebt es an, ein Töneschwellen und Dröhnen, ein unfaßbar mächtiges, feierliches, herz- umklammerndes Läuten und Rauschen und -Brau­sen die deutschen Dome. Es hallen die Turme von Nürnberg, es spricht das Münster zu Ulm, Magdeburg fällt ein, Quedlinburg, das deutsche Danzig da, das ist die Frauenkirche m Mün­chen, nun wird Königsberg kommen, es wallt hin­über zum Rhein, zum Meer, zu den Borgen, es geht der Gott, an den wir glauben, durch deutsches Land und feiner Stimme Gewalt zwingt Alpen und Wüsten, bis zum Kreuz des Südens dringt ste durch, dringt immer noch weiter und tiefer: bis tn die letzte deutsche Brust dort draußen. Quedlinburg. Warum warst du noch nicht in Quedlinburg? Wir lächeln, ein wenig verlegen ja, nmrum eigent­lich waren wir in Paris und Algier "nb Manche­ster und Bukarest, aber noch nicht in Quedlinburg? Das Münster von Konstanz: südlichste Stadt des Reiches oder ist es Lindau? Der Dom tn Ueber- lingen wo anfangen, wo aufhören? Es dröh­nen und sehnen siebzig deutsche Dome, achtzig, ste sind nicht zu zählen. Wem eine solche Nacht nicht die Augen feuchtet, der ist kein Deutscher.

Und Der Tag mag noch so nüchtern fein, er wtro die Frage, wo es ein zweites solches Land gäbe, nicht beantworten. Es kommt der Frühling und schon dürren die Halme im schönen Süden, es fommt der Sommer und wir lesen, daß es zu Hause immer noch regnet, und wenn wir s den andern sagen, den Sonnenkindern, dann staunen sie und wollen es nicht glauben, daß es em so begnadetes Land gebe. Sie sind schon halb Der schmachtet braun und tot die Fluren, so weit das Auge reicht, die Oliven stehen staubgrau da starre Mumien, kein Waldschatten, kern freundlicher Wie