Der Sternhimmel im Juli.
SnglandsMlirpwpaganda
Don Audols Jungens.
Dor kurzem ist in England eine Einrichtung ae- schaffen worden, die bei uns kaum beachtet wurde. Und doch sollte man gerade in Deuschland allen Grund haben, sich eingehender mit ihr zu befassen. Sie nennt sich „Britischer Rat zur Pflege der Beziehungen mit anderen Ländern" (British Council for Relations with Other Countries). Diese Pflege der freundschaftlichen Beziehungen zu anderen Ländern ist aber selbstverständlich nicht der Endzweck des Unternehmens. Es handelt sich vielmehr um nichts weniger als um die Schaffung einer schlagfertigen Einrichtung für die Auslandspropaganda.
Es war gar nicht so leicht, diese Einrichtung in England volkstümlich zu machen. Der Durchschnittsengländer selbst ist von Haus aus ein schlechter Propagandist. „Reklame" geht ihm nur schwer von der Hand. Wir dürfen den Engländer in diesen Dingen nicht mit dem Franzosen verwechseln. Der Franzose ist, das kann man wohl ohne Ueber- treibung sagen, unter den Nationen Europas der unbestritten findigste Reklamefachmann. Er fühlt sich — aufs Kulturpolitische übertragen — fast unbewußt von dem Drange beseelt, Weltmissionar des französischen Kulturgedankens zu sein. Fast unbewußt hat er für sein Kulturideal den Weltbegriff der „Zivilisation" geprägt und versucht unter dieser Marke, seinen französischen Geist allen denen einzuimpfen, die aus den Quellen französischen Wissens und französischer Kultur schöpfen. Gerade das verschleiernde Gewand des „Weltumspannenden" hat die Jugend der Welt in den vergangenen Jahrhunderten an die Hochschulen Frankreichs gelockt und sie schließlich — zum großen Teil wenigstens — zu willfährigen Dienern auch der französischen Politik gemacht. Gewiß unbewußt liegt dies kulturpredigende Bedürfnis im geistigen Menschen Frankreichs, ebenso bewußt aber wird es von der außenpolitischen Leitung für die Ziele der französischen Machtpolitik eingesetzt und ausgenutzt.
Viel nüchterner und sachlicher der E n g l ä n d e r. So erstrebenswert ihm die Endziele einer derartigen Propaganda auch erscheinen mögen, der Weg dahin entspricht nicht seiner Art. Besonders der geistige Mensch hält Propaganda für ein nicht „faires" Reklamegeschrei und damit Englands unwürdig. Die gewisse Portion insularer Ueberheblichkeit, über die mehr oder minder jeder Engländer verfügt, wendet sich gerne von allem ab, was auch nur entfernt an Auslandspropaganda gemahnt. Kein Wunder also, daß es nicht ganz einfach war, ihn für den Werbeaedanken des Ausschusses zu erwärmen. Und doch brauchte England diese Einrichtung. Das Mutterland des britischen Weltreiches liegt nicht mehr auf einer fernen Insel, unerreichbar den Stürmen, die das alte Europa durchtoben. Aus den Londoner Verhandlungen des 3. Februar und dem britischen Verlangen nach einem europäischen Luft- socarno geht eindeutig hervor, daß England selbst erkannt hat, zu welch völliger politischer Bedeutungslosigkeit der schmale Meerstreifen des Kanals für den Fall, eines Luftkrieges herabgesungen ist. Die Politik der „Splendid Isolation“ gehört nach dieser Erkenntnis endgültig der Vergangenheit an. Eine neue Politik aber erfordert neue Mittel. Es meldete sich auch der Geschäftsgeist, der nach Erweiterung der Ausfuhr schrie. So kam man geradezu zwangsläufig zu der Gründung des Britischen Rates. Schließlich hatte man ein Ziel gefunden, das auch dem puritanischsten Briten die neue Suppe schmackhaft machte. Danach soll die Aufgabe der britischen Kulturpropaganda darin bestehen, „im Auslande eine allgemeinere Kenntnis der englischen Sprache, Literatur, Kunst, Musik, Wissenschaft, Erziehung und andere Seiten des englischen Lebens
Sonnenaufgang von 3.40 bis 4.15 Uhr.
Sonnenuntergang von 20.25 bis 19.55 Uhr.
Lichtgestalten des Mondes: 1. Viertel am 8. um 23 Uhr, Vollmond am 16. um 6 Uhr, letztes Viertel am 22. um 21 Uhr.
Im Sommer streiten zwei Fixsterne um die Vorherrschaft, der Arctur und die Wega. Bei ausgestirntem Himmel, oder auch schon, wenn man nur sie beide sieht, ist es nicht schwer, sie zu unter
scheiden: der rechtsstehende ist der Arctur, der linke die Wega. Bei voller Dunkelheit sieht man deutlich die mehr ins Gelblich-Rötliche schillernde Farbe des Arctur und das reine Weiß der Wega. Die Helligkeit der beiden Sterne ist nicht allzu verschieden; welcher für das Auge heller ist, ist umstritten, aber aanz zweifellos ist für die Lichtbildplatte die Wega heller. In der Dämmerung, wenn man vielleicht nur einen der beiden Sterne sieht, kann man mitunter im Zweifel sein, welcher es ist, und es ist dann sehr hübsch, wenn nach einiger Zeit bei fortschreitender Dunkelheit die drei Deichselsterne des Himmelswagens im Großen Bären sichtbar werden, deren Verlängerung auf den Arctur deutet, was dann jeden Zweifel ausschließt.
Der Arctur gehört zu den genauer bekannten Sternen; sein Wärmestand an der Oberfläche mag etwa 4500 Grad betragen; er gehört zu den sog. „roten Riesen", ja sogar zu den wenigen Sternen, bei denen die heutige Wissenschaft recht bestimmte Angaben über ihre tatsächliche Größe wagt. Man kann sich den Stern als einen Gasball vorstellen, dessen Durchmesser etwa 30 Millionen Kilometer beträgt, reichlich 20mal so viel wie bei unserer Sonne. Trotz dieser recht ansehnlichen Größe ist
zu verbreiten, dadurch ein willigeres Gerechtwerden der Welt gegenüber den Belangen Großbritanniens zu fördern und engere freundschaftliche Beziehungen zwischen dem englischen Volk und den Völkern der Erde zu pflegen".
Genau wie die französische sieht auch die britische
sein Winkeldurchmesser, die sog. scheinbare Gröhe, recht gering: Denken wir uns einen Punkt oder besser einen kleinen Kreis von einem Millimeter Durchmesser, so müßte man ihn schon in eine Entfernung von 10 Kilometer bringen, damit seine Scheibe ebenso groß oder besser ebenso klein würde wie die des Arctur. Daraus ergibt sich schon die große Entfernung dieses Sterns; sie wird zu etwa 40 Lichtjahren angegeben; alles was wir jetzt dort wahrnehmen, ist also ungefähr im Jahre 1895 vor
Der die 24 Stundenzahlen von Mittel* nacht bis Mitternacht eines Tages ent• haltende Kreis und die dick punktierte Linie, der sogenannte Horizont, sind fest* stehend zu denken. Der Sternhimmel dreht sich samt dem auf Mitternacht zeigenden geraden Pfeil — gewissermaßen dem Zeiger der Himmelsuhr — in 23 Stunden und 56 Minuten im Sinne des gebogenen Pfeile einmal um seinen Mittelpunkt. Der eingezeichnete Horizont umrahmt die zu der Stunde, auf die der gerade Pfeil zeigt, um die Monatsmitte sicht• baren Sterne. Unsere Karte zeigt also den Zustand um Mitternacht der Mo* natsmitte. Will man zu einer anderen Stunde beobachten, so denke man sich den Sternhimmel samt dem geraden Pfeil so gedreht, daß dieser auf die Beobachtungsstunde zeigt; dadurch werden die zu dieser Zeit sichtbaren Sterne in den nicht mitzudrehenden Horizont hin* eingedreht. Für je 5 Tage vor der Mo* natsmitte ist der gerade Pfeil 1/s Stunde früher, für je 5 Tage nach der Monats* mitte V» Stunde später zu stellen. Man vergleiche die nächste Monatskarte. Der Mond nimmt die gezeichneten Stellun* gen ein^ wenn er die angedeutete Licht• gestalt zeigt.
sich gegangen, und während auf Erden mancherlei geschehen ist, ist das Arcturlicht durch die öden Weiten des Weltalls gewandert, um erst jetzt in unser Auge zu gelangen. Das Licht ist etwa 100mal so stark wie das unserer Sonne; er leuchtet also an sich sehr viel schwächer als diese, denn seine Oberfläche ist etwa 500mal so groß wie die der Sonne.
Von den Wandelsternen sind nicht weniger als vier, also alle mit Ausnahme des Merkur, am Abendhimmel zu sehen, der Saturn im Osten; er geht immer früher auf und ist deshalb immer langer sichtbar; die andern stehen im Westen und sind immer kürzere Zeit sichtbar. Hiergegen gewährt bei der Venus ihre große Erdennähe teilweise einen Ausgleich, die sie in hellem Glanze erstrahlen läßt. Etwa am 6. kommt sie dem Regulus im Löwen sehr nahe, während der Mars in der Monatsmitte recht dicht über der Spica dahinstreicht, und der Jupiter den ganzen Monat über dem Hauptstern der Waage so nahesteht, daß es dem bloßen Äuge nicht leicht fallen wird, diesen neben dem viel heller leuchtenden Riesenwandler zu erkennen.
Am 16. findet eine bei uns nicht sichtbare vollständige Mondfinsternis statt.
Auslandswerbung vor allem in einer erdballumfassenden Förderung des Studiums der englischen Sprache die Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Durchführung jedweder weiteren kulturpolitischen Ziele. Wie Frankreich an den großen Universitäten der Welt seine „Französischen Jnsti-
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tute" und Auslandsgymnasien unterhält, will auch England überall Lehrstühle und Institut» errichten, die der Verbreitung und Verständlich- machung britischer Kultur und Wesensart dienen. Stipendien will man bereitstellen, die begabten ausländischen Akademikern Studienaufenthalte in England wirtschaftlich ermöglichen sollen. Weiter sollen Schrift, Wort und Ton in den Dienst der Propaganda gestellt werden. Das englische Buch wird ebenso wie der englische Tonfilm im Ausland künftig stärker propagiert werden, und genau wie in Frankreich sollen nach und nach „Gesellschaften zur Pflege der Kultur fremder Völker" ins Leben gerufen werden, deren Ziel aber in nichts anderem besteht, als in den fremden Völkern durch Kultur- und Vortragskreuzzüge — die britische Kultur zu verbreiten.
Ueber die Frage der geldlichen Mittel zu sprechen, die ein solch großzügiger Kulturwerbefeldzug erfordert, ist eigentlich müßig, wenn man bedenkt, daß Außenpolitik und Außenhandel seine wärmsten Befürworter sind. Schwieriger ist die Frage nach den g e i st i g e n Mitteln, die zur Durchführung einer solchen Aufgabe notwendig sind. Die Dinge befinden sich aber noch sehr in der Schwebe, als daß Äbschließendes schon gesagt werden könnte. Jedenfalls aber hat man zum ersten Vorsitzenden des Rates Lord Tyrell erkoren; wohl nicht ohne Grund, denn Tyrell war ehedem britischer Botschafter in Paris! Sein Stellvertreter wird ein Großindustrieller sein. Also kommt wenigstens in der Spitze des Unternehmens fein wahres Gesicht zum Ausdruck: Politik und Geschäft! Dann erst folgen die „Kulturmittler": Die Rektoren einiger Hochschulen und mehrere namhafte Vertreter aus Kultur-, Kunst- und Geisteswelt. Schließlich sind es noch Foreign Office, Handels- und Kultusministerien, die ihre Sachbearbeiter in den Rat entsenden.
Es ist richtig, wenn in ähnlichem Zusammenhang gesagt wurde, England „habe nie die Sentimentalität geteilt, die zeitweilig den kulturellen Austausch als unfehlbares Mittel der europäischen Verständigung, um nicht zu sagen als Ersatz für die Politik anpries". Aber trotzdem laufen nach erprobtem französischem Vorbild, das seine Kulturpropaganda territorial seinem Bündnissystem anpaßt, die englischen Pläne darauf hinaus, in Südamerika, in Aegypten, in den baltischen und skandinavischen Staaten so wie in den Niederlanden die schwersten Geschütze seines Propagandafeldzuges aufzufahren. Ersichtlich ist es England besonders in diesen Ländern um Stärkung des alten und Gewinnung neuen Einflusses zu tun.
Es mag endlich noch hervorgehoben sein, daß der Rat auch die Aufgabe hat, den jungen britischen Menschen weltoffen zu machen, ihn planmäßig dazu anzuhalten, draußen d i e Augen aufzumachen, fremdes Wesen aufzunehmen, zu verarbeiten, in englische Begriffe und Werte umzuprägen und es so der Heimat dienstbar zu machen. Dahin gehört es, wenn England seinen Schüleraustausch immer mehr fördert. So werden zwischen Berlin und London in diesem Sommer z. B. nicht nur Studenten und Gymnasiasten, sondern zum erstenmal auch Volkshochschüler und Handelsschüler ausgetauscht werden. Die britische Weltpropaganda geht so ihren Weg, eindeutig und zielbewußt!, Wir in Deutschland aber sollten nicht verkennen, daß unserm Volke als dem Volke im Herzen Europas eine besondere abendländische Verpflichtung erwächst, die Verpflichtung, Europa das zu geben, was deutscher Geist und deutsche Kultur zu geben imstande sind, eine Verpflichtung also, die nicht von Politik und Geschäft, sondern von höheren Gesichtspunkten eingegeben ist.
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