Ausgabe 
1.6.1935
 
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** Ein Achtzigjähriger. Seinen 80. Ge­burtstag begeht am 3. Juni in guter körperlicher und geistiger Frische der hier im Ruhestand lebende Braumeister Ernst Franke, wohnhaft Neuen Baue 22. Herr Franke war vom Jahre 1869 bis zum Jahre 1924 im In- und Auslande in der Brauereibranche tätig. Don 1888 bis 1924 hatte er eine Stellung als Braumeister bei der Firma Mel­chior in Butzbach inne. Im Jahre 1924 trat er, hochgeachtet und hochgeehrt von seiner Firma, in den wohlverdienten Ruhestand.

** Seinen 72. Geburtstag kann morgen, 2. Juni, Herr Peter Hofmann, Grabenstraße 4, in guter Rüstigkeit begehen. Der alte Herr ist schon seit 25 Jahren treuer Bezieher des Gießener An­zeigers.

** Mieterjubiläum. Der Oberkellner Gu­stav Rühl vom HotelHindenburg" wohnt heute 20 Jahre in dem Hause des Schreinermeisters Heß, Grabenstraße 11. Dieses Mieterjubiläum ist für den Mieter, wie auch für den Hausbesitzer in gleicher Weise ehrend. Herr Rühl ist schon seit vielen Jahren treuer Bezieher des Gießener Anzeigers.

* An das Theater verpflichtet. Frl. Elsbeth Jäaer aus Gießen, die nach abge­schlossenem Studium an der Hochschule für Theater, Frankfurt a. M., die Reifeprüfuna für Schauspiel bestanden hat, wurde für die nächste Spielzeit an die Bayerische Landesbühne in München als jugend­liche Heldin und Sentimentale verpflichtet.

** Eine Schweinezwifchenzählung findet am 4. Juni statt. Interessenten seien auf die heutige Bekanntmachung der Stadtverwaltung hin­gewiesen.

Amtsgericht Gießen.

Der H. K. aus Gießen wurde durch Strafbefehl zu 50 Mark Geldstrafe verurteilt. In der auf den Einspruch folgenden Hauptverhandlung ergab sich folgendes Bild: Der Angeklagte lieferte einer Frau ein Stück Fischfilet. Als diese die Ungenießbarkeit der Ware feststellte und sie dem Angeklagten zur Verfügung stellte, weigerte er sich, den Fisch zurück­zunehmen, mit dem Einwand, die Ware sei ein­wandfrei. Der Sachverständige stellte jedoch das Gegenteil fest. Es verblieb daher bei der erkannten Strafe.

Grund der Flurnamenforschung: Noch heute spüren wir die Art und Weise der Erziehung zur Volks­gemeinschaft bei Fest und öffentlichem Gericht unter freiem Himmel, so daß sie zur Richtschnur unserer Tage wurde. Noch heute hören wir das Waffen­geklirr zur Ehr und Wehr, ahnen den Verlaß auf Recht und eigene Kraft.Nichtswürdig ist die Na­tion, die nicht ihr Alles freudig fetzt an ihre Ehre." Kannst du selber kein Ganzes sein, als dienendes Glied schließ an ein Ganzes dich an." Gemeinnutz geht vor Eigennutz! Eintracht ernährt, Zwietracht zerstört!

Noch ein kurzes Wort über die Deutung schwieri­ger Bodennamen. Die zahlreichen Neuerscheinungen unserer Tage führen zur Erkenntnis, daß man mit viel Fleiß und Ueberlegung der ansehnlichen Deu­tungsschwierigkeiten, hinter dem Lautgerassel eines Flurnamens den wahren Inhalt und echten Kern zu finden, Herr zu werden versuchte, zu mit Sorg­falt und Vorbedacht gefaßten Ergebnissen gelangte, aber auf andere Aufschlüsse Verzicht leistete. Und doch wäre ein Teil der Schwierigkeiten und Hem­mungen durch wohlweisliche Beachtung und An­wendung methodischer Grundsätze für Flurnamen- beutung zu überwinden gewesen.

Grundsätzlich muß jeder Deutungsversuch die histo­rische Namenentwicklung des fraglichen Ortsnamens an Hand älterer und ältester Quellen so vollständig als möglich zur Grundlage und Voraussetzung

haben. Der Akten- und Urkundenfund ist in Front zu dem der Mundart zu stellen. Gegen Schluß des Dreißigjährigen Krieges stimmen beide oft in Orts- bederegiftern überein, aber auch Unterschiede liefern wertvolle Fingerzeige für die Deutung. Reichen beide Gegebenheiten zur eindeutigen Lösung nicht aus, dann ist die Erklärung des Flurnamens im Rahmen seiner nächsten Umgebung im Gelände, mit Hilfe des Rahmenbildes, anzustreben, wobei Gren­zen jeder Art unbeachtet bleiben müssen, aber ge­naue Kenntnis der Feldstriche und Vertrautheit mit der örtlichen Mundart unbedingte Erfordernisse dar­stellen. Als letzte Zuflucht und Rettungsanker ver­bleibt das vergleichende Flurnamenstudium, dem die Aufgabe obliegt, die wesentlichen Merkmale der fraglichen Oertlichkeiten und deren Beziehung zum Rahmenbild zu ergründen. Diese bedächtige Art des Forschens führt nicht im Eilzugstempo zum Ziel, aber bestimmt zu einem mit erhöhter Aus- und Einsicht.

Der berufenste und voraussichtlich erfolgreichste Namendeuter wäre demnach der wissenschaftlich ge- bildete, mit dem Volkstum von Jugend auf ver­traute Einheimische. Jeder junge Kollege sammle die Flurnamen seines ihm ganz vertrauten Heimat­ortes, nicht der ihm noch fremden Wirkungsstätte! Die Nutzanwendung wird in Kürze zu schönen Er­folgen auf dem Gebiet unserer Volkskunde führen.

Reichslottene für Arbeitsbeschaffung.

Beginn am 1. Juni.

Vom ersten Tage der Machtübernahme am 30. Ja- nuar 1933 an hat der Führer alle Maßnahmen ge­troffen, um dem schlimmsten Leiden des deutschen Volkes, der Arbeitslosigkeit, zu steuern.

15 Iahre Mißwirtschaft hatten 7 Millionen Volksgenossen der Arbeit und damit des täg­lichen Brotes beraubt. Die Tatsache, daß es der nationalsozialistischen Regierung in un­glaublich kurzer Zeit gelungen ist, von diesen 7 Millionen Arbeitslosen 5 Millionen wieder der Arbeit zuzuführen, ist allein schon der Ga­rant dafür, daß das große Werk der Arbeits- befchaffung zum Dohle unseres Vaterlandes restlos durchgeführt wird.

Selbstverständlich müssen bei der großen Arbeits- schlacht sämtliche verfügbaren Kräfte eingesetzt wer- den, und jedes der eingesetzten Kampfmittel muß die Förderung und Unterstützung des gesamten deutschen Volkes finden.

Auf Wunsch des Führers wird für die Arbeits­beschaffung auch eine Lotterie eingesetzt. Diese soll nicht nur viele Millionen für die dringlichsten Ar« beiten zur Verfügung stellen, sie soll darüber hin- aus die Wichtigkeit der Arbeitsbeschaffung täglich jeden Volksgenossen vor Augen führen.

3m ganzen Deutschen Reich sind heute Tau­sende Volksgenossen angetreten, die sich mit der Uebernahme des Losverkaufes der Reichslot­terie für Arbeitsbeschaffung in vorderste Front im Kamps gegen die Arbeitslosigkeit stellen. Zeder dieser Losverkäufer ist ein Rad im Ge­triebe des großen Aufbauwerkes unseres

Führers.

Di? tätige Mithilfe und die Unterstützung des gesamten deutschen Volkes ist die selbstverständliche Voraussetzung für das Gelingen des großen Wer­kes, und sie ist eine Dankespflicht an unseren Führer, dessen unerschütterlicher Wille und rastlose Tat uns ein leuchtendes Vorbild ift

Bedeutung und Deutung der Flurnamen.

Don Hans Immel, Gießen.

Flurnamen bilden das Fundament der Orts­geschichte. Wird doch die Entstehung und Entwick­lung eines Gehöftes zum Dorf bedingt durch Boden- güte, Trink- und Tränkwasserverhältmsse, Weide und Wiese und Wald als Quelle von Bau- und Nutzholz und jagdbaren Tieren. Die ältesten Bach- und Berg- namen geben Kunde von der Volkszugehörigkeit der ersten Siedler, andere von deren Unterdrückern oder Besiegern. Uralte Wege reden von Handel und Ver­kehr auf weite Entfernungen. Prähistorische Funde werden erhärtet durch gewisse Bodennamen. Sagen sind blut- und bodengebunden mit bestimmten Ge­markungsteilen. Dom Götterglauben unserer Ahnen zeugen Berg- und Wald- und Wiesenbenennungen. Das Rechtsleben der Dorfahren, die Versammlungs­plätze der Cent, der Mark, des Gaues, die Zustän­digkeit der Gerichtsherrlichkeit und gewisse Arten der Strafen werden durch eine große Anzahl von Flurnamen belegt. Ihre kartographische Wiedergabe dürfte im Bunde mit der Kenntnis der Sedes der römischen Priesterkirche, die an die altdeutsche Gau- verfasfung sich anlehnte, zur Wiederauffindung der unbekannten Chattengaue wertvolle Dienste leisten. Die Rathäuser alter Gerichtsorte künden den Leichen­text des zu Grabe gebrachten ehrwürdigen, völkisch- germanischen Rechtes, führen Klage über Unkennt­nis und Mißbrauch des auf den Thron erhobenen landfremden römischen Rechtes. Wüstungen geben oft im Stillen Aufschluß über Lage und Bedeutung

alter Kultstätten, deren Erinnerung in Kirchstümp­fen, Taufsteinen und ihren Zusammensetzungen fort­lebt. Sie sind Zeugen unserer Gegend von der Ein­führung des Christentums, sei es als Volksreligion durch die Jro-Schotten, oder als Lehre der durch Winfried vertretenen römischen Priesterkirche. Wir hören von Zufluchtsstätten und Nöten, aber auch qon vorbeugenden Schutzmaßnahmen und entschei­denden Kämpfen, lieber Landflucht und Unsicherheit jammern verschiedene Wüstungen, über den Triumpf erfolgreicher Gewalt zur Knechtung Freier klagen andere Namen. Eine Gruppe von Bodennamen spiegeln die Verteilung des Besitzes, später des Eigentums, wieder, eine andere die Schichtung der Volksgenossen. Ihre Feste werden überliefert, Sitte und Brauch festgehalten. Angesehene Familien fin­den die Verdienste eines Ahnherrn im Flurnamen gewürdigt und verewigt. Die mannigfaltige Art des Landgewinns und die dadurch erzielte Verarößerung der Ackernahrung gewinnt unser Interesse. Ange­sagte Bodenschätze eröffnen gewisse wirtschaftliche Aussichten und Rücksichten. Auch Hinweise auf un­zulängliche soziale Maßnahmen des ausgehenden Mittelalters finden sich. Um vollen, erschöpfenden Erfolg zu erzielen, bedarf es der Sammlung aller Flurnamen einer Feldmark, der geschriebenen so­wohl, wie der mündlich überlieferten, die oft mit zunehmender Seltenheit von großem Belange sind.

Und hier einige gegenwartsnahe Erkenntnisse auf

Oie Lagd im Zum.

Der 1. Juni nimmt im Jagdkalender des deutschen Jägers eine besondere Stellung ein, denn an ihm beginnt im ganzen Deutschen Reich zum erstenmal einheitlich die Jagd auf den roten Bock. Ein viel geäußerter Wunsch der deutschen Jägerei ist damit durch das Reichsjagdgesetz erfüllt worden. Der Ab­schuß selbst wird sich in Formen vollziehen müssen, die vielen Jägern etwas Neues darstellen. Denn durch Auslese der starken und gut veranlagten Stücke zum Abschuß ist in den letzten Jahrzehnten in unseren Rehständen eine Entartung eingetreten, der mit allen Mitteln entgegengearbeitet werden soll. Diese Besserung soll vor allem auf dem Wege eines sachgemäßen Abschußplans erreicht werden. Bei seiner Durchführung handelt es sich um besondere Beach­tung folgender Gesichtspunkte: Einmal ist das zah­lenmäßige Verhältnis von Böcken zu Ricken in den meisten Revieren so, daß der Abschuß von Böcken eingeschränkt, der von Ricken verstärkt werden muß. Es besteht daher auch kein Zwang, den Bockabschuß zu erfüllen, während dies beim Rickenabschuß zu- zutrifft. Unter den Bocken soll eine Auslese der weniger wertvollen Stücke erfolgen, die ihre uner­wünschten Anlagen nicht vererben sollen. Daher ist einmal die Zahl derAbschußböcke" oberDurch­forstungsböcke" durch die Kreisjägermeister höher festgesetzt, die Zahl der starken Böcke zunächst stark herabgedrückt. Diese auszumerzenden Böcke sind möglichst bis zum 25. Juli zu schießen, d. h. sie sollen nicht mehr in die Brunft kommen. Erwartet wird, daß dagegen die starken Böcke nicht vor dem 25. Juli besagt werden, damit sie sich vorher noch vererben können. Der Abschuß von normalen jungen Böcken jeder Stufe hat unter allen Umständen zu unter­bleiben. Darauf hat der Reichsjägermeister durch seinen Stellvertreter die Jäger noch einmal aus­drücklich Hinweisen lassen. Ein Beweis für das Kön­nen des Jägers ist es nun, inwieweit er in der Lage sein wird, diese Auswahl richtig zu treffen. Es ist ihm auch damit der rasche und unüberlegte Entschluß beim Abschuß erschwert, daß er jedes geschossene Stück anmelden und seine Trophäe am Ende der Schußzeit öffentlich vorzeigen und beur­teilen lassen muß. Hat er bdbei gegen ben Geist unb bie Absicht bes Gesetzgebers gehandelt, bann wirb er im Folgejahr burch Abschußkürzung belehrt wer­ben müssen, was man von ihm jetzt erwartet. Wir leben zur Zeit in einer völligen Umstellung unseres Jagbwesens, unb bie Pächter ber Reviere werben in ben nächsten Jahren bie Hauptlast in ber Praris zu tragen haben. Es wirb zweifellos allerlei Selbst­beherrschung, Entsagung unb Können von ihnen ver­langt werben. Dafür hat ihnen bas Gesetz auch neun Bestanbsjahre als Minbestzeit, bessere Jagbgrenzen

unb gleiche Bedingungen für alle, Heger wie Räuber, gebracht. Die Aussicht, selbst noch bie Früchte biefer Arbeit ernten zu können, sollte genügen, um sich freubig bem Aufbau ber Jagb hinzugeben oder wenigstens auf eine Waldjagd au verzichten. Der alte Weidmann aber, der schon feit Jahren für diese Grundsätze kämpfte und sie ohne gesetzlichen Zwang in der Praxis trotz allererntenden" Nachbarn ver­wirklichte, weiß dem Gesetzgeber tiefstgefühlten Dank dafür, daß feine Grundsätze heute die der gesamten deutschen Jägerei fein müssen.

Wenn das Getreide in den Halm schießt, wechselt das Rehwild zum größten Teil aus dem Walde aus und stellt sich ins Feld. Sein Abschuß kann dort nur erfolgen, wenn für das betreffende Revier ein Ab­schußplan genehmigt ist. Ist dies nicht der Fall, so macht sich der Feldpächter durch den Abschuß von Rehwild strafbar. In vielen Revieren muß von Mitte ab der Abschuß der Böcke ins Feld verlegt werden, weil sie bis zum Anfang des August nicht mehr in den Wald zurückkehren. Besonders ifie Stunden nach schwerem Regen, vor allem Gewitter­regen, sind für die Jagdausübung von größter Wich­tigkeit. Denn dann tritt der Bock aus den klatsch­nassen Halmen auf die Kleefelder, Grabenraine usw-, um sich die Decke durch die Sonne trocknen zu lasten.

Die Ricken haben gesetzt und führen ihre Kitze. Nun heißt es vor allem auf Hunde achten, die jetzt ungeheuren Schaden tun können. Der Revierinhaber ist heute durch das Gesetz verpflichtet, Jagdschutz

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Roman von Charlotte prenzel.

Urheberrechtsschutz: Fünf-Türme-Verlag, Halle (©.).

(Schluß.)

Unschlüssig ging sie durch die Straßen. Erst nach einer Weile kehrte sie um, ging langsam und zö­gernd nach der Wohnung Ernsts zurück. Sie war sich vollständig bewußt, daß ihr Unternehmen wertlos, daß es viel bester war, nach Hause zu gehen, doch die furchtbare Spannung in ihr, die Unruhe über das Verbleiben Gerdas hielt sie fest.

Eine Zeitlang ging sie vor feinem Haufe auf und ab, dann bog sie in die nächste Querstraße em, wandte sich nach einer Weile wieder um. Noch bevor sie die Straße, in der Ernst wohnte, wieder erreicht hatte, fuhr ein Auto vorüber. Sie kannte es genau: es war Freds Wagen. Sie eilte auf bie Straßenecke zu, fah, wie das Auto vor der Woh­nung des Freundes hielt, sah, wie Gerda fröhlich aus dem Wagen sprang, die beiden Herren ihr folgten. Das Mädchen hängte sich an den Arm des Vaters, dann verschwanden sie alle drei in dem Haus.

Liane atmete tief auf, die furchtbare Spannung in ihr machte einer tiefen Erschöpfung Platz. Mit müden, langsamen Schritten wandte sie sich nach Hause. Was wollte sie noch? Fred hatte sein Kind wieder, die Gefahr war beseitigt. Wie glück­lich würde er sein in dem Besitz seiner geliebten Tochter.

Merkwürdig, wie freudlos und niedergedrückt ihr plötzlich zu Sinn wurde. Eifersucht auf Gerda? Konnte in seinem Herzen Raum für sie beide sein? War Gerda nicht doch die stärkere? Gewiß, er hatte sie gestern in seine Arme genommen; aber sie hatte um ihn geworben. Er hatte wohl sonst noch immer geschwiegen.

Mit schweren Gliedern kam Liane nach Hause. Gerade als sie in ihr Schlafzimmer getreten war, hörte sie ein Auto anfahren. Sie blieb wie ge­bannt stehen. Das Auto fuhr durch das zweite Tor der Villa, machte halt. Ihr Herz begann ra­send zu klopfen.

Sie hörte, wie unten die Haustür ging, schnelle Schritte kamen die Treppe herauf, eine helle Mäd­chenstimme klang laut und fragend:Liane!", und 'm die Stimme des Mädchens mischte sich die tiefe Stimme des Mannes, die gleichfalls forschend und fragend klang:Liane?!"

Sie hörte die Schritte näher kommen, die Tür des Rokokosalons wurde geöffnet. Sie traten, noch immer ben Namen rufend, über die Schwelle.

Gerda lief dem Vater voran. Sie durcheilte das Zimmer, spähte durch die halb geöffnete Tür und rief jubelnd:

Hier ist sie! Liane, liebe, kleine Mama! End­lich, endlich habe ich dich wieder!"

Liane fühlte sich stürmisch umschlungen. Die strahlenden Augen des Mädchens waren auf sie gerichtet. Da legte sie fest ihre Arme um Gerda und küßte sie innig.

Und zwischen Lachen und Weinen überstürzten sich bei Gerda die Worte:

Wie habe ich mich nach dir gesehnt, und nun darf ich Mama und du sagen nicht wahr? Nun bist du doch meine Mutter! Wie bin ich glücklich!" .. Ganz unbändig war Gerda in ihrem Glück. Sie küßte und drückte die wiedergefundene Freundin, die sie nun nie mehr verlieren sollte, lachte und weinte in einem Atemzuge.

Mit frohen Augen und glücklichem Lachen war Fred an der Tür stehengeblieben. Mit dank­barem Herzen nahm er das Bild in sich auf. Was er nie auch nur zu denken gewagt, es war Wirklichkeit geworden: Seine Frau und fein Kind hielten einander umschlungen, waren sich herzlich zugetan.

Er trat näher.

Gerda! Unband! Willst du mir Liane ganz zerdrücken? Laß mir nur auch noch etwas von ihr übrig!"

Gerda schüttelte mit dem Kopfe, faßte Liane noch fester als vorher.

So ein Papa! Mir die kleine Mama so lange vorzuenthalten! Zu glauben, ich konnte sie nicht lieben, weil sie nur meine Stiefmutter ist! Nein, Papa, das verzeihe ich dir nie!"

Willst du loslassen!" drohte der Vater und ver­suchte Liane zu erhaschen. Aber Gerda wirbelte mit ihr durchs Zimmer.

Du hast sie schon über ein Jahr gehabt, ich erst die paar Tage!" lachte sie übermütig.

Fred lief hinter ihnen drein Liane, noch immer wie betäubt von dem plötzlichen Umschwung, konnte der flinken Gerda nicht folgen. Fred erhaschte sie, nahm sie in seine Arme und trennte sie von dem Mädchen.

Nun ist es wirklich genug. Dein Tempo ver­trägt nicht jeder, kleine Tochter. Merke dir auch, daß ich hier größere Rechte habe als du. Vor­läufig darfst du überhaupt nicht auftrumpfen. Wir haben noch nicht abgerechnet miteinander. Glaubst du, daß du zur Belohnung für deine Flucht von der Großmutter eine Mutter erhältst?"

Schilt nur, Papa! Ick hatte schon fttll! Aber eines weiß ich ganz gewiß: euch beiden laufe ich

nicht davon! Ich bleibe hier, und wenn ihr mich hundertmal vor die Tür setzt ich komme wieder!"

Hast du jemals einen größeren Irrwisch ge= fefjen?" wandte sich Fred an Liane, und seine Augen waren voll Stolz.Nun lauf, Gerdchen, fiel) dir dein neues Reich an. Ich werde bei der Mutter ein gutes Wort für dich einlegen, daß du hierbleiben kannst."

Du bist doch der Beste aller Väter!" jubelte Gerda, flog um feinen Hals, küßte ihn stürmisch und war in der nächsten Minute aus dem Zimmer.

Als sich die Tür hinter dem Mädchen geschlossen, nahm er Liane fest in feine Arme, preßte sie an sich und bedeckte ihre Augen, ihren Mund mit hei­ßen Küssen.

Liane! Wie kann ich dir danken? Was hast du alles an mir getan?"

Sie lag wie leblos in feinen Armen. Ihr scheuer Blick sah zu ihm auf.

Fred, was ich getan, tat ich aus Liebe zu dir. Aber dein Dank soll dich nicht zwingen, mir mehr zu schenken, als du mir geben kannst!"

Er ließ sie frei und sah sie betroffen an

-Kind, wie kommst du darauf? Wurde es dir nickst schon gestern zur Gewißheit, daß ich dich liebe? Muß ich es dir immer wieder versichern?"

Du hättest auch gestern noch nicht den Mut ge­funden, zu sprechen."

Er nahm sie wieder in feine Arme.

F061?, .id) fürchtete, dich zu verlieren! Weil ich so klein von dir dachte, du konntest dich von m.r abwenden, wenn du von Gerda erfahren wurdest!

9jhre Augen strahlten auf.

,.e^rt dich nicht nur der Dank für Gerda hierherr

> -Kind, ich habe dir mehr zu danken als dieses eine. Heute verstehe ich dein Verhalten von gestern noch anders. Heute weiß ich, daß du mir ein Opfer hast bringen wollen Glaubst du, ich hätte nK,n" ?rme genommen, wenn ich dich nicht liebte? Was du olles an mir getan haft habe ich 2? JO recht heute morgen erfahren, als meine Mutter mir die Flucht Gerdas mitteilte

Ich habe dir viel Leid zugefügt, kleine Liane! Derzeih mir. Ich konnte nicht anders. Ich hin zu tief enttäuscht worden. Zu schwer wurden all die Wurzeln meines Seins verletzt, sie konnten nur langsam unter deiner lieben, gütigen Hand heilen.

(Fine tiefe, stille Freude strahlte ihm aus ihren Augen entgegen.

..Fred, wenn all das Selb, bas bu mir zuaewat h°st- nur bazu da war. bich bem Glück wieberru. geben, bann will ich es segnen."

Er küßte fast andächtig ihre Augen.

Ja, Liebling! Du machst mich wieder zum glück­lichen Menschen! Deine Liebe hat vollbracht, was mir kein Wille, feine Macht, fein Reichtum brachte: einem Menschen wieder Vertrauen zu schenfen, ihn zu lieben, wie ich dich liebe."

Sie lächelte zu ihm auf, ungläubig fast, aber ein heller Schein fam in ihr Antlitz, verklärte es hold. In dem jauchzenden Gefühl ihres Glücks streckte sie die Arme weit aus.Du, du! Ist es denn wahr? Kann ich es glauben, daß du mich liebst?" stieß sie hervor.

Frage nicht noch einmal, ob es wahr ift Ich wüßte nicht, wie fest ich dich an mein Herz drücken sollte!"

Sie lachte, leise zuerst, dann hell, jubelnd und klingend; mitten im Lachen aber hielt sie inne.

Oh, wir zwei törichten Menschen!" sagte sie, sich aus seinen Armen zu befreien suchend.Wir haben eine so große Tochter und sind selbst wie die Kinder!"

Er gab sie nicht frei.

Diese Stunde gehört uns, Liebling. Ich habe so viel an dir gut zu machen, daß ich wohl einmal den Vater vergessen kann. Wenn du Gerda wirk- lich liebgeroonn^n hast, dann wird sie aus dieser Stunde mehr gewinnen als den Vater, ber es wohl immer herzlich gut mit ihr gemeint hat, und ihr doch nicht die Mutter ersetzen konnte."

Sie lachte glücklich zu ihm auf.

Ja, was machen wir mit ihr? Wir haben sie beide viel zu lieb, um sie wegzulasfen."

Liane, wirklich, gehört sie zu uns?"

Ja! Sie gehört zu uns. Sie ist dein Kind! Ich habe sie sehr lieb."

Er preßte sie noch einmal fest an sich. Dann ließ er sie frei und fragte:

Wo Gerda wohl sein mag?"

Sie traten Arm in Arm aiis dem Zimmer, riefen nach dem Mädchen.

Liane gab Gerda die Hand.

Bitte den Vater, daß er uns morgen das Auto zur Verfügung stellt, dann werden wir di« Groß­mutter versöhnen und sie fragen, ob sie mit uns kommen will!"

Ein Schatten flog über Gerdas Gesicht.

Sie wird nicht mit uns kommen. Sie will Ruhe haben und das stille Häuschen nicht mehr verlassen."

Dann will ich sie fragen, ob wir sie recht off besuchen dürfen!" sagte Liane mit heller Stimme.

Da warf sich Gerda jubelnd an ihren Hals.

Fred aber nahm die Frau unb bas Mädchen fest in feine Arme.

Ende.

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