Nr. 126 Drittes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Vberheffen)Samstag, 1. Juni 1955
Aus der Provinzialhauptstadt.
Die alte !lhr.
Nach dem Tode unseres Vaters hatte sich unser Haushalt endgültig aufgelöst. Vater war fünf Jahre später als Mutter gestorben. Von den Möbeln des elterlichen Haushaltes waren im Laufe der Jahre manche Stücke bereits in der weitverzweigten Familie verstreut worden. Jetzt, bei der letzten Aufteilung hatte ist eine alte Biedermeier-Standuhr aus wunderschönem Birkenholz geerbt. Es war eine feine Arbeit, die die Freude sowohl von jedem Fachmann, wie von jedem Besucher gewesen war.
Für mich, die ich mit der Uhr beglückt worden war, bedeutete sie ein unersetzliches Wertstück. Gewiß, ich hatte sie gern, ihrer warmen Behaglichkeit wegen, die sie mit ihrem gleichmäßigen Ticken und ihrem satten, tiefen Stundenschlag um sich verbreitete. Aber so sehr ich auch dies alles liebte, und so klar mir dadurch die Erinnerung an fröhliche Jugendtage mit sieben rauflustigen Brüdern und deren Genossen auch ins rückbesinnende Träumen wachgerufen wurde, diese Uhr war mir unausdenklich kostbar, weil sie mit der Erinnerung an meine Mutter so fest verbunden war. Diese gute, alte Uhr. Sie stand in unferm Wohnzimmer neben der Ecke eines großen Fensters, das zum Garten hinausging. Ihr blankpoliertes Holz, ihr buntes Ziffernblatt machten das Zimmer, besonders wenn die Sonne hineinschien, noch einmal so licht und freundlich. Hier, neben ihr, war der Lieblingsplatz der Mutter. Hier hatte sie den Brüdern, als sie noch wilde Straßenräuber waren, die zerrissenen Hosen geflickt und die frechen Löcher in den Strümpfen mit manchem heimlichen Seufzer gestopft. Hier mußten wir ihr, ehe Vater nach Hause kam, mit gutem oder schlechtem Gewissen, je nachdem es der Jahrgang mit sich brachte, unsere Schulzeugnisse vorlegen. Dann wurde manche Predigt gehalten, die mit leisem Augenzwinkern der Brüder und mit dem zustimmenden Ticken der alten Uhr folgsam angehört wurde. Hier hat sie dann später die Briefe ihrer sieben Jungens gelesen, dieser strammen West- salenkerle, die sie ihr aus dem Feld nach Hause schrieben. Mancher stolze Blick, von Muttersehnsucht fortgetragen, nahm von hier aus seinen Weg über Berge und Täler in die fernen Schützengräben. Manche heiße Träne, besonders wenn die Briefe des jüngsten kamen, des „Milchbarts", wie sie ihn nannte, ist dabei aufs billige Feldpapier gesickert. Dann wurde es meist ganz still im Zimmer. Hier war sie zusammengebrochen, als im dritten Kriegs- jahr die furchtbare Nachricht kam.
Und in all ihr Mutterglück und Mutterleid, ins Hell und Dunkel ihrer Stunden hatte neben ihr wie ein treuer Kamerad die große gute Uhr getickt. Immer nur getickt und ihre Stunden geschlagen. Der Jubel ihres Mutterherzens hatte den güten Kameraden ebensowenig aus der Fassung, aus seiner Regelmäßigkeit gebracht, wie sein tiefer Schmerz. Immer hat die alte Uhr durch ihre Ruhe getröstet im Leid, gebändigt im Gefühlsüberschwang. Das große Fenster, die Mutter und die Uhr, das ist die unvergeßliche Drei-Einheit eines Bildes.
Und nun nach all dieser Zeit wurde mir von meinen Geschwistern die Uhr überlassen. Sie hatte in den letzten Jahren einsam gestanden, war nicht mehr gepflegt, nicht mehr aufgezogen worden. Und es war nun ein gutes Stück Arbeit für den Uhrmacher, sie wieder in Gang zu fetzen.
Aber nun steht sie in meinem Wohnzimmer! Und wieder in einer Fensterecke. Ihr regelmäßiges Ticken, das bei diesen alten Uhren so etwas von der Stimme eines alten Freundes an sich hat, erfüllt in stillen Stunden mein Zimmer mit dem Zauber der Erinnerung an Kindheit und Garten und Schulzeugnisse, und Brüder und an die Mutter!
Kann ich die Uhr sehen, ohne daß ich die Mutter neben ihr sitzen sehe? Wenn ich sie am Tage ticken oder schlagen höre, treibt mich Mutters tätiger Geist zu fleißigem Werken an. Höre ich sie nachts, dann liebkost mich ihr tiefes Schlagen wie mit gütigen Händen, die mich im Traum zur Mutter führen. Leise bringt dies Schlagen durch den Lärm des Tages. Leise singt es sein dunkles Lied in die Stille der Nacht. Das reißt an die Arbeit! Das spricht die Sprache der Mutter! Das zwingt zur Pflicht! Die Tragik des Vergehens ist das Lied des Schaffens.
Was für ein guter Freund, was für ein tüchtiger Lebensphilosoph ist doch so eine alte Uhr.
NSV., Ortsgrupve Gießen-Nord.
Lebensmittelopferring.
Am Montag und Dienstag, 3. und 4.3uni, findet die Einziehung des Lebensmittelopferringes statt. Die Hausfrauen werden gebeten, die Pfundpakete bereit zu halten und den Inhalt auf den Umhüllungen anzugeben.
Der Meldeschluß
für freiwilligen Heeresdienst.
Dom Wehrbezirks-Kommando Gießen wird uns mitgeteilt:
Zufolge einer neu eingegangenen Verfügung des Reichswehr-Ministeriums wird der Termin für den Abschluß der Freiwilligen - Meldungen bei den Wehrbezirks-Kommandos auf den 15. Juni d. I. festgesetzt.
Das Opfer!
Immer wieder: opfern heißt nicht, vom lieber» fluß zu geben, sondern s e l b st z u verzichten! Weithin sichtbar hat das Deutsche Volk seit 28 Monaten diese sittlichen Werte zum Ausdruck gebracht, und wenn noch oft, wie auch in der Luftfahrt- Werbewoche, an den Opferwillen und die Gebefreudigkeit appelliert wird, so sei dem ewigen Nörgler nur gesagt, daß er nicht begriffen hat, was es gilt, dem deutschen Volk an hohen Werten zurückzuerobern, was es in bitteren 15 Jahren politischer Verblendung verloren hat.
Die Abzeichen der Fliegerei in der Luftfahrt- Werbewoche sind äußerliche Zeichen des bewiesenen Opferwillens. Wenn darüber hinaus Hunderttaufende von Werbezetteln zur Mitgliedschaft im DLV. auffordern, so liegt darin das Streben, immer mehr Volksgenossen zu dem nicht nach außen sichtbaren Opfer zu veranlassen, das sie damit der deutschen Fliegerei geben. Das damit zum Ausdruck gebrachte Bekenntnis ist gleichzeitig verbunden mit dem stolzen Gefühl, an einer großen, nationalwich- tigen Sache des deutschen Volkes tatkräftig mitzuwirken.
Deine Unferfdjrlff auf dem Aufnahme-Antrag des Werbezettels ist deshalb dein offenes Bekenntnis zum Führer und seinem Luftfahrtminifter Deutschlands Geltung zur Luft mit friedlichen Mitteln zu erkämpfen!
Die Deutsche Arbeitsfront.
Kreiswaltung Gießen, Echanzenstraße 18.
An die Ortsgruppen- und Betriebsgemeinschastswalter des Kreises Gießen!
Betr.: Gautag Darmstadt am 1. und 2. Juni 1935.
Die Ortsgruppen- und Betriebsgemeinschafts- walter haben sofort von den von ihnen gemeldeten Mitgliedern die Fahrgelder zu kafsiren, die nachstehend ersichtlich sind. Die Fahrgelder werden an den für die Ortsgruppe und für den Betrieb zuständigen Ortsgruppenkassenleiter der PO. abge- tiefert, der auch die Fahrkarten besorgt.
Die kreiswaltung der Deutschen Arbeitsfront hat also nichts mit den Geldern und Fahrkar tenbescha f f ung zu tun, darauf ist besonders zu achten.
Der Sonderzug verkehrt nur Samstag. Der Sonntagzug fällt aus. Die Fahnenabteilungen müssen also ebenso am Samstag fahren. Auf der Fahrt und in Darmstadt selbst ist von den DAF.- kameraden größte Disziplin zu bewahren.
Abfahrt der Züge und Fahrpreise. Grünberg ab 11.10 Uhr, Fahrpreis 2,40 RM. Saasen „ 11.19 „ „ 2,40 „
Reiskirchen „ 11.27 „ „ 2,20 „
Großen-Buseck „ 11.36 „ „ 2,10 „
Rödgen „ 11.41 „ „ 1,90 „
Gießen „ 12.08 „ „ 1,90 „
Grohen-Linden „ 12.19 „ „ 1,80 „
Lang-Gons „ 12.26 „ „ 1,70 „
Der Sonderzug verläßt am Sonntagabend um
20.35 Uhr Darmstadt und ist um 23.37 Uhr wieder in Grünberg. Die Ankunft in Gießen ist um 22.47 Uhr.
Wir betonen nochmals, daß der Zug am Sonntag
Umstände halber ausfallen muh.
Aufruf für die Zeltlager!
34 Zeltlager mit je 200 Jungen Belegschaft hat das Gebiet 13 Hessen-Nassau im Taunus, Odenwald, Spessart, Vogelsberg und Westerwald errichtet, um jedem Hitlerjungen und Pimpf die Möglichkeit zu geben, 8 oder 14 Tage Zeltlagerleben mitzumachen.
Er soll sich bei Spiel und Sport tummeln, losgelöst von seiner gewohnten häuslichen Umgebung, frei vom Getriebe des Alltags. Aber dies allein entscheidet nicht für die Bedeutung der Zeltlager. Wichtiger ist uns, daß wir im Lager ein Gemeinschaftsleben führen, das die Jugend ohne Unterschied der Herkunft, des Berufes und der Religion zusammenführt.
Ich gab den Lagern die Parole: „Haltung und Disziplin". Wir verstehen darunter die Erziehung zur Gemeinschaft, damit zur Kameradschaft der Tat, zur Treue gegenüber dem Führer und der nationalsozialistischen Bewegung, gepaart mit Einsatzbereitschaft, Mut
und Selbstbeherrschung. Der Führer selbst, dessen Hamen wir tragen dürfen, ist das größte Vorbild für unseren Weg. Wenn ich mich an Eltern, Arbeitgeber und Lehrer wende mit der Bitte, jedem hitlerjuygen den Lagerbesuch zu ermöglichen, dann geschieht es in der Erkenntnis, daß wir Zusammenarbeiten müssen, um der Forderung des Führers an die deutsche Jugend gerecht zu werden, uns zu einem freien und stolzen, pflichtbewußten Geschlecht zu erziehen.
Wir aber wollen dafür sorgen, daß die Belegschaften die Lager verlassen körperlich gestählt, gefestigt im Glauben und gestärkt in ihrer inneren Haltung. Dann haben wir den Sinn der Zeltlager erfüllt. Heil Hitler!
Der komm. Führer des Gebietes 13 Hessen-Nassau, gez. Potthoff, Oberbannführer.
Lm Geiste derer vom Skagerrak...!
Gedächtnisfeier der Marine-SA. und der Marinekameradschast in Gießen.
Die traditionell gewordenen Erinnerungsfeiern des Gießener Marine-Vereins an die Großtaten der jungen kaiserlichen Flotte fanden auch in diesem 19. Jahre nach der Seeschlacht von Skagerrak am gestrigen Freitagabend ihren Ausdruck in einer G e - dächtnisfeier vor dem Marine-Ehrenmal vordem Bootshaus. Ein Fackelzug vom Kanzleiberg aus durch die Straßen der Innenstadt erinnerte die breite Öffentlichkeit erneut an jenes denkwürdige Geschehen. Der Musikzug der Marine- SA. unter Leitung von Musikzugführer Bender führte den langen Aufmarsch an. Der Marine- Sturmbann 11/34 hatte die alten Seesoldaten der Marinekameradschaft in feine Mitte genommen. Eine große Volksmenge zog mit dem Fackelzug zum Bootshaus.
Zu der Gedächtnisfeier waren Standartenführer Lutter mit feinem Adjutanten, Obersturmbannführer fünfer, der Führer der Arbeitsgemeinschaft der Gießener Militär- und Regimentsvereine, Müller, u. a. erschienen. Eine besondere Freude für die alten Seesoldaten war es, daß ein altes aktives Mitglied des Vereins, das ihm die Flagge des Hilfskreuzers „Möve" geschenkt hatte, der bei den alten Parteigenossen in bester Erinnerung stehende Obersturmführer der Marine-SA. der Gruppe Hessen, Weißen st ein - Frankfurt, nun in dienstlicher Eigenschaft zu ihnen gekommen war.
Vor dem von zwei Feuerschalen flankierten Ehrenmal batten die Fahnen Aufstellung genommen. Der Musikzug spielte das „Niederländische Dankgebet". Dann sprach
Kameradschastsführer Lich
von jenem 31. Mai 1916, an dem die junge deutsche Flotte mit heißer Vaterlandsliebe zu Kampf und Sieg ausfuhr; denn es wurde eine der größten aller Seeschlachten, ein großer deutscher Sieg. Dieser Tag wird immer als Erfüllung der höchsten Aufgaben von Mut und Angriffsgeist, von Opfersinn und Heldengeist fortleben in der Geschichte.
Darum haben wir das Recht, uns freudig dieses Tages zu erinnern. Wir haben aber auch die Pfücht, aller Helden zu gedenken, die jene Schlacht geschlagen haben zu Deutschlands Ruhm und Ehre. Mit gesenkten Fahnen und den Klängen des Liedes vom toten Kameraden wurde den Gefallenen vom Skagerrak und jenen des Weltkrieges, sowie den jungen Kämpfern für das Dritte Reich ein weihevoller Gruß gewidmet. Für die Marine-SA. sprach dann
Obersturmführer Weißenstein von der größten Seeschlacht des großen Weltkrieges, in der die deutsche Flotte der gesamten englischen Flotte gegenüberstand und ihr empfindliche Verluste bereitete. Gegenüber der erdrückenden Uebermacht an Schiffen und Besatzung gelang der deutschen Flotte, ihrer angriffsfreudigen, zieibewußten Führung und dem Schneid, der Tapferkeit und der Waffenkameradschaft ein Sieg, an den die englische Flotte ewig denken wird. Es hat sich erwiesen, daß auch ein zahlenmäßig Schwächerer imstande ist, einen Sieg zu erringen, wenn nur straffe, zielsichere Führung, hingebende Pflichttreue der Geführten und unerschütterliches Vertrauen auf die Führung den letzten Mann beseelen. So hat die deutsche Marine riesengroße Leistungen im Weltkrieg vollbracht, auf die das deutsche Volk stolz sein kann. Es ist derselbe Soldatengeist, auf dem der Führer jetzt das Dritte Reich aufgebaut hat. Er fordert von uns den gleichen Mut, Gehorsam und Tapferkeit. Ehre, Mut und Tapferkeit sollen sich auch in der Marine-SA. verkörpern. In diesem Sinne grüßen wir Deutschland und seinen Führer!
In das dreifache Sieg-Heil stimmten alle mit der Marine-SA. ein. Mit dem Gesang der beiden Nativnal-Lieder war die feierliche Kranzniederlegung und Gedächtnisfeier beendet. Mit einem kameradschaftlichen Beisammensein mit den Gästen, bei dem der Marine-Musikzug fleißig spielte, wurde der Abend beschlossen.
Platzkonzerte anläßlich der Lustfahrt-Werbewoche finden am Samstagn achmittag und Sonntagvormittag in Gießen statt. Es spielen:
Am Samstag, 1. Juni, 17.15 Uhr, vor dem Stadttheater das Musikkorps der Garnison Gießen unter Leitung von Obermusikmeister Krauße mit nachstehender Dortragssolge: 1. Ein Volk von Fliegern soll ganz Deutschland werden!, Marsch, Lindsay-Theimer; 2. Ouvertüre z. Oper „Der Waffenschmied", Lortzing; 3. Rapsodie, Heu- ßer; 4. O Frühling, wie bist du so schön!, Walzer, Lincke; 5, Szenen a. d. Oper „Der fliegende Hollander", Wagner.
Am Sonntag, 2. Juni, 11.15 Uhr, in der Anlage Hindenburgwall (gegenüber dem Gymnasium) der Musikzug der Standarte 116 unter Leitung von Musikzugführer Herrmann mit nachstehender Dortragsfolge: 1. Graf-Zeppelin- Marsch, Teike; 2. Ouvertüre zur Oper „Nebukad- nezar" von Verdi; 3. Ein Jmmortellenkranz auf das Grab Lortzings; 4. Wiener Blut, Walzer, Strauß; 5. Große Fantasie a. d. Oper „Rheingold", Wagner.
Platzkonzert
für Arbeitsbeschaffungslottene.
Am heutigen Samstag findet anläßlich des Beginns der Reichslotterie für Arbeitsbeschaffung ein Platzkonzert des Musikzuges der Standarte 116 unter Leitung von Musikzugführer Herrmann statt. Das Konzert wird am S e 11 e r s t o r gegeben und beginnt um 16 Uhr.
vornotizen.
— Tageskalender für Samstag: NSG. „Kraft durch Freude", 17 bis 19 Uhr, Leichtathletik
auf dem Universitätssportplatz am Kugelberg. — Lichtspielhaus, Bahnhofstr., „Der stählerne Strahl". — Verein ehern. 116er Gießen, 20.30 Uhr, Kameradschaftsabend im Schützenhaus. — Bauerfcher Gesangverein e. G., 20.30 Uhr, Kommers im 23er» einslokal. — Sängervereinigung Liederkranz-Heiter- keit, 20.30 Uhr, Generalversammlung im Cafö Ebel.
— Tageskalender für Sonntag: Lichtspielhaus, Bahnhofstraße, „Der stählerne Strahl". — Oberhess. Kunstverein (Turmhaus am Brandplatz), 11 bis 13 Uhr, Ausstellung Christian Rohlfs- Hagen. — Oberhess. Gesellschaft für Natur- und Heilkunde, 11 Uhr, im Botanischen Institut, Sinne» feier (Professor Küster).
Polizeibericht.
Don der Kriminalpolizeistelle Gießen wird uns mitgeteilt:
Diebstähle.
In der letzten Zeit wurden hier die nachstehend aufgeführten' Fahrräder gestohlen:
Ein Herrenfahrrad Marke Opel, mit der Fabriknummer 2 072 971, rote Ballonbereifung, Lampe, Dynamo unb. Gepäckträger; ein Herrenfahrrad Marke Kuxmann Fabriknummer 827 769. Dieses Rad hat der Täter einige Stunden nach der Tat in Klein-Linden abgestellt, nachdem ihm die Kette ge» rissen war. Diese beiden Räder wurden vor dem Finanzamt gestohlen. Vermutlich kommen zwei junge Leute als Täter in Frage, die sich vor der Tat einige Zeit in der Nähe des Tatortes herumgetrieben haben. Sie werden wie folgt beschrieben: Der Kleinere etwa 1,65 groß, schmale Figur, hageres Gesicht, bräunliche Gesichtsfarbe, trug blauen Anzug, schwarze Schuhe und graue Sportmütze. Der Größere 1,70 Meter groß, schmale Figur, trug
bräunlichen abgetragenen Sportanzug, Knickerbocker- Hose und hellbraune Sportmütze.
Ein neues Herrenfahrrad Marke Adler, Nummer 969 915, aus einem Hofe im Hitlerwall. Der Täter saß auf einer Bank in der Nähe des Tatortes und wird wie folgt beschrieben: Etwa 25 bis 28 Jahre alt, 1,70 Meter groß, war gut gekleidet, trug dunkelen Hut und hellgrauen Mantel. Er fuhr in Richtung Marburger Straße davon.
Ein Herrenfahrrad Marke L i n d c a r Fabriknummer 200 193, vor einem Geschäft im Seltersweg.
Ein älteres Herrenfahrrad, an dessen Hintergabel sich eine Vorrichtung zum Anbringen eines Anhän-
Jeder deutsche Volksgenosse
trägt am 1. und 2. Juni ein Abzeichen der Reichsluftfahrt-Werbewoche!
gers befindet, vor einem Geschäft in der Ludwig- straße.
Ein Damenfahrrad Marke Bauer, Fabriknummer 510 242, aus dem Hofe einer Wirtschaft im Seltersweg.
Zwei ältere Herrenfahrräder ohne Markenbezeichnung.
Weiter wurden gestohlen:
Aus einem Treibhaus und Aufenthaltsraum einer Gärtnerei im Schiffenberger Weg mittels Einsteigens ein Telephonapparat (Wandapparat S. A. ohne Kurbel, Baujahr 1925) und eine Damenhaus- Haltungsschürze, blau mit weißen Blümchen.
Aus dem Saal der Liebigshöhe vier gelbe Stühle mit dem Volkshallenvereinsstempel DHV. und ein Mülleimer mit der Nummer 3018 versehen.
Sachdienliche Mitteilungen erbittet die Kriminalpolizeistelle.
Lichergeskellte Fahrräder.
Ein fast neues Damenfahrrad Marke Opel und ein älteres Herrenfahrrad Marke Wanderer sind bei der Kriminalpolizeistelle sichergestellt. Personen, die Eigentumsrechte geltend machen können, werden ersucht, bei der Kriminalpolizeistelle Zimmer 5 oorzusprechen.
Festnahme.
Am 29. Mai wurde der 40 Jahre alte G. M. wegen Verdachts fortgesetzter Sittlichkeitsverbrechen und unbefugten Waffenbesitzes festgenommen und dem Amtsgericht zugeführt. Er kam in Untersuchungshaft.
Serienfinber aus Westfalen im Kreise Gießen.
Am gestrigen Freitag um 13.25 Uhr traf auf dem Gießener Bahnhof der erste Transport von Ferienkindern unter der Obhut der NSV. ein. Es waren Buben und Mädels aus der Stadt Bottrop, die im Dillkreis und in Oberhessen untergebracht werden. Don etwa 800 Kindern kamen auf den Kreis Gießen rund 420. Da hier einige Umgruppierungen erfolgen mußten, hatte der Kreisamtswalter der NSV. des Kreises Gießen, Pg. Klös, mit seinen Helfern reichliche Arbeit wegen der Verteilung der Kinder auf die Ortschaften des Kreises zu leisten. Bei der Lösung dieser Ausgabe war das Jungvolk in eifriger Weise behilflich. Der Spielmannszug des Jungvolks verschaffte während dieser Z^it den gleichaltrigen Kameraden, die eine mehrstündige Eisenbahnfahrt hinter sich hatten, einige Abwechslung. Ein großer Teil der Kinder, die für die Orte im Kreise Gießen bestimmt waren, wurde vor der Weiterfahrt mit einem kräftigen Mittagessen im Bahnhofsrestaurant verpflegt. Die auf die Stadt Gießen kommenden Kinder wurden von ihren Pflegeltern am Bahnof mit Liebe und Freude in Empfang genommen. Der mehrwöchige Ferienaufenthalt in Oberhessen dürfte den Kindern zweifellos sehr gut bekommen. Weitere Ferienkinder-Transporte sind vorgesehen.
Westerwald-Verein, Orisgr. Gehen.
Man berichtet uns: Trotz des wolkenbedeckten Himmels, der sich über die Lahn zog, unternahmen wir am Sonntag unsere 14. diesjährige Wanderung in das Schmelztal. Den Markierungen folgend wanderten wir an Krofdorf vorbei durch das schöne Wiesental nach dem Krosdorfer Wakdhaus. Von hier aus ging es in einstündiger Wanderung durch den herrlichen Krosdorfer Forst hinunter nach der Schmelzmühle. Am Waldrand wurde zur Mittagsrast gelagert, und es entwickelte sich ein frohes Treiben. Aber bald überraschte uns der Regen und wir mußten uns in der Mühle in Sicherheit bringen. Beim Weitermarsch kamen wir vom Regen in die Traufe. Die Schönheiten des Schmelztales, die im Frühjahr auf Wanderer immer eine Anziehungskraft ausüben, waren bei diesem Wetter vergessen. Naß bis auf die Haut kamen wir nach Salzböden und kehrten dort im Gasthaus ein. Der Bindfadenregen hatte aber unserer Stimmung keinen Abbruch getan, im Gegenteil, sie erreichte ihren Höhepunkt bei den humorvollen Reden unseres Wanderführers und dem Konzert der beiden Schifferklaviere. Mit Sang und Klang marschier- ten wir im schönen Abendsonnenschein durchs Sahn» tal über Odenhausen nach der Bahnstation Frieinl- haufen. Non hier brachte uns die Bahn um 19.30 Uhr nach Hause. Wenn auch verregnet, so werden doch diese Stunden noch lange in Erinnerung bleiben.
Gießener Wochenmarktpreise.
* Gießen, 1. Juni. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Molkereibutter, das Pfund 1,50 bis 1,55 Mark, Landbutter 1,40 bis 1,42, Matte 20 bis 25 Pf., Käse, das Stück 5 bis 10, Eier (inländische) 8 bis 9, Wirsing (grün), das Pfund 15 bis 20, Weißkraut 18 bis 20, Gelbe Rüben, Bündel 15, das Pfund alte 18, Rote Rüben 12, Spinat 15, Römischkohl 15, Bohnen (grün) 45, Spargel (Suv- penspargel) 35, II 45, I 50, Erbsen 30 bis 35, Mischaemüse 15 bis 18, Tomaten 50 bis 60, Zwiebeln 20, Meerrettich 50 bis 70, Schwarzwurzeln 45, Rhabarber 10 bis 12, Kartoffeln (alte) 4 Pf., der Zentner 3,50 bis 4 Mark, das Pfund neue 20 Pf., Aepfel 45 bis 70, Erdbeeren 2 Mark, Nüsse 45 bis 60 Pf., Zwetschenhonig 40 bis 45, ältere Hähne 70 bis 90, Suppenhühner 70 bis 90, Enten 90 Pf. bis 1 Mark, Tauben, das Stück 60 Pf., Blumenkohl 50 bis 70, Salat 10 bis 20, Salatgurken 40 bis 50, Oberkohlrabi 18, Lauch 5 bis 10, Sellerie 10 bis 50, Rettich 10 bis 15, Bündel 20, Radieschen 7 bis 10 Pf.
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*♦ Das Museum im Alten und im Neuen Schloß ist am Sonntag zwischen 11 und 13 Uhr geöffnet.


